Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Montag, 17. Dezember 2018

Am Meer ist es wärmer 2018: Die Top 3 (Literatur)





Ich breche mit Traditionen und möchte zum Jahresende erstmals eine Top 3 von Titeln veröffentlichen, die mir besonders gut gefallen haben. Denn anders als das für mich schwache Filmjahr 2018, hatte die Literatur einiges zu bieten. Für eine Top 5 hätte es auch noch gereicht, nein, es wäre nur gerecht gewesen, aber ein wenig schwieriger wollte ich mir die Entscheidung schon machen.

Dass meine Wahl so asiatisch angehaucht ist, mag den ein oder anderen Leser von "Am Meer ist es wärmer" nicht wundern, mein Blog legt immerhin den Schwerpunkt auf asiatische Literatur. Allerdings gab es hier eine sehr knappe Entscheidung zwischen "Die Maske" von Fuminori Nakamura und "Der Abgrund" von Dennis Lehane. Beide Werke haben mich durch ihre Spannung und Unberechenbarkeit ans Buch gefesselt. Am Ende fiel die Wahl auf Fuminori Nakamura, der bereits zuvor mit "Der Dieb" einen außergewöhnlich rauen, spannenden und schonungslosen Roman verfasst hat, der mich auch noch eine ganze weile nach dem lesen der letzten Seite beschäftigen sollte.

Anhand meines Titelbildes kann man meine Top 3 schon vorher sehen, was ich bewusst so gewählt habe. Jeden dieser Titel kann man sich als Fan anspruchsvoller Werke bedenkenlos zulegen. Wer aber etwas mehr Zeit hat und meine kurze Begründung zu jedem Titel mal lesen möchte, der hat natürlich nun die Gelegenheit dazu!

Qualifiziert waren Bücher, die 2018 als Erstveröffentlichung in Deutschland erschienen sind.



Die Reihenfolge ist nach dem Erscheinungsdatum der Rezensionen sortiert. Die jeweiligen Links verweisen ausschließlich auf Einträge, die auf "Am Meer ist es wärmer" veröffentlicht wurden, ihr verlasst nicht den Blog und werdet somit nicht auf externe Websites weitergeleitet.



Haruki Murakami - Die Ermordung des Commendatore (Gesamtwerk)



Autor: Haruki Murakami
Verlag: DuMont Buchverlag
Rezensionen: Teil 1Teil 2


Mein Jahr startete dieses Jahr mit Haruki Murakamis Zweiteiler "Die Ermordung des Commendatore".  Auch wenn Murakami ungewöhnlich viele kontroverse Themen in beiden Bänden anschneidet, so bleibt auch seine typische Lockerheit nicht auf der Strecke. Etwas, was Murakami bei seinen letzten beiden Romanen "1Q84" und "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" etwas verloren gegangen ist. Der Japaner bezeichnete seinen neuen Zweiteiler selbst als "Eine seltsame Geschichte". Und unrecht hatte er damit nicht. In "Die Ermordung des Commendatore" geschehen am laufenden Bande seltsame Dinge. Ebenfalls wieder etwas, was mich an frühere Werke des Autors erinnerte und ich sehr zu schätzen weiß. Die Geschichte am Ende richtig einordnen zu können hat mich einige Zeit gekostet, aber noch einmal durch Murakamis engen und unheimlichen Kaninchenbau zu marschieren war mir eine Freude. Nicht nur für Freunde der japanischen Literatur ein Muss, auch die Surrealisten werden hier auf ihre Kosten kommen.



Fuminori Nakamura - Die Maske




Autor: Fuminori Nakamura
Verlag: Diogenes
Rezension: Link


Fuminori Nakamura hat meinen Geschmack getroffen. Seine Geschichten sind pessimistisch und nicht gerade die beste Medizin, eine traurige Person aufzuheitern. Aber wenn dieser Pessimismus mit einem fantastischen Schreibstil kombiniert wird, dann entsteht etwas großartiges daraus. Stilistisch orientiert sich der Japaner an große Schriftsteller wie Dostojewski, hat es aber geschafft, seinen eigenen Stil zu etablieren. "Die Maske" ist ein geniales Verwirrspiel, das viel mehr an ein Theaterstück erinnert und wirklich erst dann beendet ist, wenn der letzte Vorhang fällt. Ein Roman, den man nach dem kryptischen Prolog nicht mehr aus der Hand legen wird. Man kann nur hoffen, dass beide Romane von Nakamura erfolgreich genug waren, um noch weiteren Werken des Autors den Weg in die deutsche Übersetzung zu ebnen.




Cixin Liu - Weltenzerstörer




Autor: Cixin Liu
Verlag: Heyne
Rezension: Link

Eine Entscheidung, die mir ebenfalls nicht leicht gefallen ist. Denn bei meiner Wahl trat Cixin Liu gegen sich selbst an. Einmal mit "Der dunkle Wald", Teil 2 seiner Trisolaris-Trilogie und einmal mit "Weltenzerstörer", einer kompakten Novelle aus der Anthologie "Die wandernde Erde", die der Heyne Verlag vor dem erscheinen der Anthologie im Januar 2019 als Einzelband veröffentlicht hat. Obwohl Chinas Science-Fiction Autor Nr. 1 mit "Der dunkle Wald" eine herausragende Fortsetzung geschrieben hat, so ist es aber am Ende "Weltenzerstörer" gewesen,  die Novelle, die mich noch etwas mehr begeistert hat und mich nach dem lesen noch lange nachdenklich zurückgelassen hat. Hinter der vergleichsweise kurzen Geschichte (im Vergleich zu "Die drei Sonnen" oder "Der dunkle Wald") steckt eine nahezu unberechenbare Wucht. Was als gewöhnliche Science-Fiction Geschichte beginnt, endet in einem epischen wie melancholischen Showdown, der das Ende der Menschheit besiegeln könnte. Eine Geschichte, die mich zutiefst begeistert und aufgewühlt hat und ich mich erneut vor Cixin Lius Gedankenwelt verneigen musste. Bedenkt man dabei noch, dass es sich hier um ein Frühwerk des Autors handelt, so kann man die Qualität dieser Novelle gar nicht hoch genug einschätzen.

Montag, 10. Dezember 2018

Rezension: Erhebung (Stephen King)






USA 2018

Erhebung
Originaltitel: Elevation
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Genre: Novelle, Fantasy, Mystery


Stephen King bezeichnet seine Story "Erhebung" eindeutig als eine Novelle. Wie könnte es auch anders sein. Mit rund 150 Seiten ein Leichtgewicht. Auch wenn es hier nicht wenige Autoren gibt, die ihre ganze Karriere zwischen 150-200 Seiten pro Roman schreiben und diesen auch so vermarkten. Bei Stephen King ist diese Seitenanzahl beinahe schon vom Format Kurzgeschichte anzusiedeln. Die Verlage, die "Erhebung" publizieren, publizieren diese Novelle jedoch als Roman. Wieso die Verlage diesen Weg gehen, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daran, einen Roman wesentlich attraktiver vermarkten zu können. Denn, noch immer haben Kurzgeschichten oder die etwas längeren Novellen ein etwas schweres Standing unter westlichen Lesern.

Aber ob Erhebung nun eine Novelle oder ein Roman ist spielt keine Rolle. Was Stephen King bewiesen hat, er ist auch in kürzerer Prosa mal wieder erstaunlich gut. "Mal wieder" sage ich dabei aus gutem Grunde: King ist für mich besonders stark, wenn er es etwas kürzer angeht. Erhebung reiht sich für mich nahtlos in diese Kategorie ein. Bei unter 200 Seiten schafft es King, ohne sich dabei neu zu erfinden, eine Geschichte mit einem besonderen Konzept zu präsentieren. Diese Geschichte besitzt eigentlich auch alle Essenzen, die Kings großen Romanen anhaftet. Unglaublich aber wahr, so besitzt die Geschichte einen Anfang, ein Mittelteil und ein Ende. Jedoch kommt King hier wesentlich schneller zu Punkt. Ich bin mir dabei sogar sicher, wenn er gewollt hätte, hätte er dieses Konzept auch auf über 500 Seiten ausweiten können, doch dies war bei dieser Novelle überhaupt nicht nötig. Die Geschichte des übergewichtigen Webdesigner Scott Carrey, der aus unerklärlichen Gründen täglich Gewicht verliert (und kurioserweise mit schwerer Kleidung genau so viel wiegt wie ohne) ist kompakt geschrieben, wirkt aber auf keiner Seite abgemagert. Und wer auch die kürzeren Werke von King in seiner Laufbahn als Schriftsteller verfolgt hat, der merkt, dies ist eine seiner ganz großen Stärken.

In Erhebung führt uns der Autor zurück in seine fiktionale Stadt Castle Rock in Maine. Castle Rock war schon immer ein zentraler Punkt für King-Schauplätze und ist in all den Jahren auch ein beliebter Ort für die Werke anderer Schriftsteller und Filmemacher geworden. Wir haben es hier mit einer amerikanischen Kleinstadt zu tun, die nicht ganz 2000 Einwohner zählt. In dieser Stadt lebt Scott Carrey, der bei seinem Freund Bob Ellis, ein ehemaliger Arzt der vor einiger Zeit in Rente gegangen ist, Rat aufsuchen will. Mit seinen fast 2 Metern und einem üppigen Bauchansatz wiegt Scott mehr als er sollte. Seit einiger Zeit purzeln die Pfunde jedoch, täglich, ohne, dass Scott seine Ernährung umgestellt hat. Doch etwas seltsames geschieht. Etwas, was Scott nicht seinem behandelndem Arzt erzählen kann, da er sich vor den Konsequenzen fürchtet. Er vertraut sich Bob Ellis an, bei dem er hofft, von dem Rentner einen ärztlichen Rat zu erhalten. Doch genau wie Scott selbst steht Bob vor einem Rätsel. Die Waagen beider Männer zeigen das gleiche Gewicht mit und ohne Bekleidung an. Neben den körperlichen Veränderungen hat Scott noch mit einer Scheidung zu kämpfen, einen großen Job, den er an Land gezogen hat und muss sich zusätzlich noch mit seinen lesbischen Nachbarinnen auseinandersetzen, deren Hund immer sein Geschäft auf Scotts Grundstück verrichtet.

Wer den blanken Horror hier sucht, der sollte direkt sein Unterfangen entweder umlenken oder es bleiben lassen. Viel mehr kehrt King hier zurück zu seinen Ursprüngen. Erhebung ist eine ruhige Geschichte, die zwar das Übernatürliche als Kernthema besitzt, aber die gesellschaftlichen Aspekte wie aber auch die Gesellschaftskritik noch wesentlich mehr in den Vordergrund stellt. Obwohl nicht als Anti-Trump-Geschichte gedacht, so sind gewisse Seitenhiebe an die derzeitige amerikanische Gesellschaft unverkennbar. Das wichtigste ist jedoch,  King driftet glücklicherweise nicht in irgendwelche gesellschaftlichen Klischees ab, die derzeit beliebt sind. Auch will King dem Leser seine politische Sicht nicht aufzwingen. Die subtile Kritik entfaltet sich dadurch wesentlich natürlicher und ungezwungen.



Fazit

"Erhebung", ob nun eine Novelle oder ein Roman, es ist eine Story, die unglaublich gut funktioniert. Mit Scott Carrey präsentiert uns Stephen King eine sympathische Figur aus dem Alltag, die genau so unwissend ist wie wir selbst. Die mysteriösen Ereignisse sind wieder einmal nur Teil einer größeren Sache. Die Abstriche zu einem großen King-Roman fallen überraschend gering aus. Es imponiert mir daher in großen Maßen, wie der Altmeister es nach all den Dekaden noch immer schafft, relevant zu bleiben, mit der Zeit zu gehen, sich treu zu bleiben und bei all dem sich nicht sich und seine Karriere selbst parodieren muss. Wer nach einer langen King-Abstinenz mal wieder was von ihm lesen möchte, der wird mit "Erhebung" und der Rückkehr nach Castle Rock kaum einen passenderen Zugang finden.

Mittwoch, 28. November 2018

Rezension: Verschwörung (David Lagercrantz)





Schweden 2015

Verschwörung
Originaltitel: Det som inte dödar oss
Autor: David Lagercrantz
Verlag: Heyne
Übersetzung: Ursel Allenstein
Genre: Mystery, Thriller


Die Hintergründe zur Millennium-Reihe sind nicht weniger interessant als die Romane selbst. Für Journalist und Schöpfer der Reihe, Stieg Larsson, war sein Werk immer ein Hobby, welches er nach einem stressigen Tag in der Redaktion daheim fortsetzen konnte. Noch bevor einer der drei fertiggestellten Romane veröffentlicht und zu dem Welthit wurde, wie wir die Reihe heute kennen, verstarb Larsson mit nur fünfzig Jahren an einem Herzinfarkt. Nach drei Romanen sollte die Geschichte von Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist jedoch nicht enden. Es existieren Drafts für weitere Romane, laut einigen Aussagen wäre es für Larssons Lebensgefährtin ein leichtes gewesen, diese unvollendeten Drafts fertigzustellen. Was folgte war jedoch ein jahrelanger, schmutziger Rechtsstreit mit Larssons Lebensgefährtin und seiner Familie. Am Ende gingen sämtliche Rechte an die Familie Larsson und man entschied sich dafür, einen Autor von Beruf für das Vermächtnis der Original-Trilogie zu engagieren. Die Wahl fiel auf den in Schweden sehr bekannten Autor David Lagercrantz. Für Lagercrantz ist Millennium aber nicht nur eine Auftragsarbeit. Nach zwei Romanen die unter seiner Feder entstanden sind, kann man von einer regelrechten Obsession sprechen. Eine detailverliebtheit, nicht zu finden in Larssons Romane. Wir haben es hier mit zwei Autoren zu tun, die verschiedener nicht sein könnten. Und dennoch scheint Stieg Larssons irdisches Abschiedsgeschenk bei David Lagercrantz in den besten Händen zu sein.

Unter Fede Alvarez (Evil Dead Remake, Don't Breathe) ist die Verfilmung zu "Verschwörung" entstanden. Der Verleih gab weniger als zwei Stunden Laufzeit für den Film frei, sich beweisen zu können. Bei einem Roman, der, je nach Sprache zwischen 500-600 Seiten pendelt, eine, mal wieder, nahezu unlösbare Aufgabe. Als Filmfan könnte ich zudem noch sagen, dass man mit Fede Alvarez einen jungen Filmemacher engagiert hat, für den ein solch ambitioniertes Projekt eine Nummer zu groß war. Während der Roman von Lagercrantz überraschend gut aufgenommen wurde, war die Euphorie der Verfilmung gegenüber eher zurückhaltend. Die Zukunft der Reihe auf großer Leinwand ist vermutlich nach diesem Versuch ungewisser als je zuvor. Ein weiteres Reboot mit neuen Darstellern wird sie vermutlich nicht verkraften.

Zurück aber zum Roman aus dem Jahr 2015. Für Leser, die die Original-Trilogie kennen und lieben gibt es hier durchaus eine große Umstellung. Der größte Unterschied ist einfach, sowohl Larsson und Lagercrantz sind zwei völlig unterschiedliche Typen. Larsson baute sehr viel von seinen eigenen Erlebnissen in seine Romane mit ein. Als Chefredakteur für ein Linkes Magazin war unschwer zu erkennen, dass viele Facetten von ihm selbst in seinen Protagonist Miakel Blomkvist geflossen sind. Lagercrantz hingegen ist in seiner Arbeit als Autor weitaus weniger politisch aktiv. Drifteten die Romane von Stieg Larsson gerne mal in eine schier endlose Debatte über Politik ab, stehen bei Lagercrantz völlig andere Dinge im Fokus. Der Plot geht schneller voran, wirkt kurzweiliger und kommt schneller zum Punkt. Auch bei den Charakteren ließ man Lagercrantz freie Hand. Diese agieren aber nur in einigen Details anders als die Vorbilder von Larsson. Mikael Blomkvist wirkt reifer und möchte nicht mehr jede Frau betten, der er begegnet (wobei sie sich ja eigentlich ihm an den Hals werfen). Ansonsten ist zumindest in "Verschwörung" noch größtenteils alles beim alten.

Wie viel letztendlich von Larssons geplanten vierten Teil in die Geschichte von Lagercrantz eingeflossen ist, bleibt wohl ein Geheimnis. Es gibt einige seltsame Parallelen, die etwas zu genau sind, um Zufälle sein zu können. So soll auch der Auftritt von Camilla Salander, der Schwester der eigenwilligen Hackerin und Anti-Heldin, ein zentrales Thema in dem nicht mehr umgesetzten vierten Teil gewesen sein. In "Verschwörung" verlagert sich der Plot, wirkt wesentlich globaler und aktueller als in den Romanen zuvor. Lagercrantz schafft es überraschend gut, die Geschichten und Schicksale von Charakteren fortzuführen, die er selbst nicht erschaffen hat. Doch sind es vor allem die Charaktere, die Lagercrantz selbst entworfen hat, die hier eine prägnante Rolle übernehmen. Für mich ein Beweis dafür, dass er die Serie so eigenständig gestalten möchte, wie möglich. Vielen Fans der Reihe dürfte dies zu viel in Sachen Eigenständigkeit sein, mir hats besser gefallen, als ich es für möglich hielt. Der Plot selbst, der sich hier rund um die NISA dreht, mag drei Jahre später nicht mehr so eine Aktualität besitzen wie zur Zeit der Veröffentlichung des Romans, aber an Spannung büßt das (mittlerweile) etwa durchgekaute Thema auch nicht ein. Und für genügend Überraschungen wurde zudem auch noch gesorgt. Was die Gesamtlänge des Romans angeht ist Lagercrantz besser aufgestellt als Larsson, aber auch hier hätten vielleicht ein "paar" Seiten weniger der gesamten Geschichte nicht schlecht getan.




Resümee

Das Millennium-Debüt von David Lagercrantz ist geglückt. Unter Fans der Reihe fand "Verschwörung" größtenteils Anklang, was für das fortbestehen der Reihe essentiell wichtig war. An vielen Ecken und Enden ist es mal gewöhnungsbedürftig und ich würde lügen, wenn ich nicht scharf auf den ursprünglichen vierten Teil von Stieg Larsson wäre, aber es wäre unfair Lagercrantz gegenüber, nun irgendwelche absurden Forderungen zu stellen. Wichtig ist, dass der Autor es nicht vollbracht hat, alles, was sein Vorgänger aufgebaut hat, vor die Wand zu fahren wie es aktuell in der Filmwelt eine sehr bekannte Science-Fiction Saga macht. 
Einen neuen Schreiber für eine etablierte Serie auszuwählen ist eine komplizierte Angelegenheit. Denn, ob man Autor, Drehbuchschreiber oder Filmregisseur ist, auch einem Werk, welches man übernommen hat, möchte man seinen Stempel aufdrücken. David Lagercrantz ist dies in "Verschwörung" ziemlich gut gelungen.

Donnerstag, 8. November 2018

Präsentation: Erdsee Gesamtausgabe




Erdsee gehört ohne Frage zu den großen Fantasy-Sagen der modernen Literatur. Obwohl Ursula K. Le Guin schon einige Jahre vorher ihre Welt um die Inselkontinente rund um Erdsee erschuf, so erschien der erste Roman erst 1968. Zum 50. Jubiläum der Reihe ist die Gesamtausgabe "The Books of Earthsea: The Complete Illustrated Edition" (dt. Erdsee: Die illustrierte Gesamtausgabe) nun im Handel erschienen. Diese gigantische Omnibusedition ist teilweise noch in Zusammenarbeit mit Ursula Le Guin entstanden, die im Januar 2018 im Alter von 88 Jahren leider von uns gegangen ist. Diese Gesamtausgabe umfasst alle Romane und Kurzgeschichten sowie eine neue, nie zuvor veröffentlichte Geschichte aus dem Erdsee-Universum. Zusätzlich befinden sich im Band noch Illustrationen von Charles Vess.

Bücherfreunde sollte sich in ihrem Leben 1-2 große Fantasy-Sagen vornehmen. Neben dem Herrn der Ringe fiel meine Wahl auf Erdsee. Seit einigen Jahren reizt mich diese Welt schon und mit der Gesamtausgabe habe ich vor, mich auf dieses Abenteuer einzulassen.

In dem verlinkten Video präsentiere ich die Gesamtausgabe und teile zusätzlich noch meine Eindrücke mit. Tatsächlich ist mein Kommentar im Video ohne Script entstanden und wirkt des öfteren holprig, die Informationen aus meinem Kommentar habe ich jedoch nochmal überprüft und auf ihre Korrektheit überprüft. Leider lag ich bei meinen Infos über den Illustrator Charles Vess wohl falsch, der gute Mann hat wohl nur für die Gesamtausgabe an dem Erdsee-Universum gearbeitet. Wer mehr Infos dazu hat, der findet in den Kontaktmöglichkeiten Wege, mir zu schreiben. Oder einfach unter dem Eintrag einen Kommentar hinterlassen!

Wer nur an bestimmten Abschnitten des Videos interessiert ist, hier eine kleine Navigation:

Einführung: 0:00 - 3:36
Präsentation: 3:37 - 7:54
Eindrücke: 7:55 - 11:11

Über YouTube kann man die Zeiten direkt anwählen.

Das Buch ist überall im (Buch)Handel in einer englischen und deutschen Ausgabe erschienen.



Mittwoch, 31. Oktober 2018

Rezension: Der Abgrund in dir (Dennis Lehane)




USA 2017

Der Abgrund in dir
Originaltitel: Since We Fell
Autor: Dennis Lehane
Übersetzung: Steffen Jacobs, Peter Torberg
Genre: Mystery, Drama, Thriller


"Der Abgrund in dir" war von Dennis Lehane eigentlich immer als Film geplant. Die Filmrechte gingen daher bereits 2015 an DreamWorks, bevor Lehane überhaupt die komplette Geschichte zu Papier gebracht hatte. Der Roman erschien etwas später als erwartet und so wird man sich auf die geplante Adaption wohl noch gedulden müssen. Aber wie immer gilt die goldene Regel, erst das Buch zu lesen und dann darüber zu lästern, was im Film alles fehlt. Und man kann davon ausgehen, dass mal wieder viel fehlen wird denn "Der Abgrund in dir" ist ein langer, umfangreicher und detailverliebter Roman. Bei über 500 Seiten (immer noch über 400 Seiten in der englischsprachigen Ausgabe) hat Dennis Lehane sich wieder einmal nicht zurückgehalten.

Der Originaltitel unterscheidet sich hier erheblich von dem deutschen Titel. "Since We Fell" taufte Lehane seine Geschichte, die nicht nur auf das Schicksal der Protagonistin im Roman anspielt sondern auch eine Anspielung auf den 1947 veröffentlichten Song "Since I Fell For You" von Buddy Johnson ist, der im laufe der vielen Jahre oft gecovert wurde. Zusätzlich birgt der Titel noch viele Hinweise auf das Thema des Buches: Sich verlieben. Sich in jemanden vergucken. Man muss nur den sehr kurzen, kryptischen Prolog aufschlagen, um diese Botschaft zu verstehen. Aber ein Autor, der sich mit Romanen wie "Mystic River" oder "Shutter Island" einen Namen gemacht hat, fängt natürlich nicht auf einmal an, schnulzige RomComs zu schreiben (bei dem Titel nicht ganz auszuschließen). Wieder einmal ist Dennis Lehane als Magier unterwegs, denn im laufe des Buches hat er so einige Tricks auf Lager.

Im Mittelpunkt dieses mysteriösen Verwirrspiels steht die Fernsehjournalistin Rachel Childs, die während einer Aufnahme einen Nervenzusammenbruch erleidet. Der Erfolg in der Karriere ist dahin und Rachel erkrankt an Angst- und Panikzuständen. Das Unheil nimmt seinen Lauf, ihre Ehe zerbricht und Rachel versinkt in ein Meer aus Depressionen und beinahe schon paranoid schizophrenen Zuständen. Als Rachel den Unternehmer Brian Delacroix trifft und dieser sie aus ihrem Loch befreit, beginnt für sie ein neues Leben. Ein neues Leben, welches gleichzeitig ihren größten Albtraum besiegelt.

Kaum ein anderer Autor auf dem Gebiet schafft es wie Dennis Lehane, verwirrende Irrfahrten in seinen Geschichten einzubauen. Was er damals bei Shutter Island meisterhaft geschafft hat, gelingt ihm in "Der Abgrund in dir" auf eine ebenso geschickte, jedoch andere weise. Auch wenn es Vergleiche zu "Gone Girl" gibt und die Rückseite des Covers auch noch mit einem Zitat von Gillian Flynn garniert ist, so sollte man unbedingt beide Werke voneinander trennen. Zwar gewinnt Dennis Lehane hier sicherlich nicht den Innovationspreis dafür, ausgerechnet jetzt erstmals eine weibliche Protagonistin zu erschaffen, aber es war wohl auch nie das Ziel, das Genre gleich komplett neu zu revolutionieren. Wovon "Der Abgrund in dir" profitiert ist die Cleverness der Geschichte. In gleich mehreren Abschnitten ist der Roman unterteilt und entfaltet eine massive Charakterstudie. Mit Ausnahme von kleineren Durststrecken weiß es diese Charakterstudie, seine Leser durchweg zu unterhalten.  Den Roman als "Mystery-Drama" zu bezeichnen ist keine falsche Wahl.



Resümee


Dennis Lehane beweist auch in einem etwas anderen Fahrwasser sein Können. Er ist und bleibt auf seinem Gebiet nahezu unerreicht. Eine Empfehlung für die Fans von "Gone Girl" auszusprechen fällt mir gar nicht mal so leicht, denn man hat es hier schon mit relativ unterschiedlichen Geschichten und Stilen zu tun. Fans von spannenden Mystery-Geschichten, die ihre Leser an der Nase herumführen werden hier jedoch absolut nicht enttäuscht werden. Ich gehe sogar so weit und würde "Der Abgrund in dir" zu den besten Büchern zählen, die ich 2018 gelesen habe (und mein Jahr war enorm von Science Fiction geprägt). Wer ein bisschen Zeit übrig hat, der sollte es sich besonders jetzt zur Herbstzeit mit diesem Buch am Abend gemütlich machen und sich komplett auf die Geschichte von Rachel Childs einlassen.