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Dienstag, 2. Juni 2026

Euphoria: Das Große, das Ganze und ein Selbstzerstörungsmechanismus

 




Dieser Artikel enthält starke Spoiler verteilt auf alle Staffeln!


Am gestrigen Montag haben wir uns nicht nur von 8 Wochen Euphoria Staffel 3 verabschiedet, sondern zeitgleich auch von Euphoria als Serie. Lange, bevor Staffel 3 erschienen ist, war irgendwie allen klar, dass das vermutlich die letzte Gelegenheit sein dürfte, die Darsteller für eine gemeinsame Staffel nochmal vor die Kamera zu bekommen. Im Verlauf der Staffel gab es dazu auch immer wieder Updates von Hauptdarstellerin Zendaya sowie Showrunner Sam Levinson. Kurz bevor die letzten Folge gezeigt wurde, machte man noch einmal ganz deutlich: Staffel 3 wird das Ende des Weges sein. Ein langer, beschwerlicher Weg war es bis zum Serienfinale, aber es ist geschafft.

Ursprünglich plante ich schon vor einigen Wochen, einfach meine mehr als durchwachsenen Eindrücke zu Staffel 3 zu teilen. Doch Euphoria verdient ein wenig mehr als das, ganz gleich dem Schaden, den Staffel 3 unwiderruflich angerichtet haben mag.

Doch gehen wir erst einmal zurück ins Jahr 2019. Euphoria basiert auf einer israelischen Miniserie, geschaffen von Ron Leshem aus dem Jahr 2012. Unter den mittlerweile unzähligen gelisteten Producern (darunter Levinson, Zendaya und Rapper Drake) gesellte sich auch Leshem bei der US-Version, war aber weder als Writer noch Director aktiv. HBO ist bekannt für risikoreiche Projekte und gab Euphoria grünes Licht. Was folgte war ein weltweiter Hit. Die Risikobereitschaft bei HBO zahlte sich einmal mehr aus. Das Teen-Drama fand nicht nur Anklang bei den Zuschauern, es machte zahlreiche der Darsteller zu den heute begehrtesten jungen Darstellern in Hollywood wie beispielsweise Sydney Sweeney und Jacob Elordi. Zeitgleich gab es neue Entdeckungen wie Angus Cloud (1998-2023) und Hunter Schafer. Schauspieler Eric Dane (1972-2026) konnte mit seiner Rolle als Cal Jacobs den berüchtigten McSexy endlich hinter sich lassen. Sam Levinson avancierte zudem als begehrter Showrunner.

Mit anderen Worten: Euphoria war ein Gewinn für alle. Gerne mal bezeichnet als düstere R-Rated und Gen-Z Version von Beverly Hills und Melrose Place, avancierte Euphoria aber zu einem Hit bei vielen Altersklassen. Und warum? Sicherlich nicht, weil die Mehrheit hier ihre eigene Schulzeit sah - denn Euphoria ist so dermaßen Over-the-Top, dass selbst die in der Serie behandelten, sehr ernsten und wichtigen Themen sehr überzeichnet wirken. Anders ausgedrückt erleben die meisten Zuschauer mit Euphoria jene Schulzeit, die sie selbst nie hatten. Ob man das gerne selbst erlebt hätte, was den Charakteren in dieser Serie widerfährt, sei mal dahingestellt und soll jeder ganz für sich selbst ausmachen.

Wichtig war jedoch, Euphoria hatte einen Nerv getroffen. Das Teenager-Drama mit seiner teils melancholisch-verträumten Atmosphäre (die man eindeutig auch Composer Labrinth zu verdanken hat) war mutig, Dinge zu tun, die sich andere Serien so nicht trauten und trotz der vielen finsteren Themen nie seinen schwarzen Humor verlor. Ein Mut, der belohnt werden sollte und man trotzdem nach Staffel 1 bereits wusste, dass es unklar ist, wie viel Saft das Konzept für weitere Staffeln bieten würde. So zeigten sich in Staffel 2 bereits erste narrative Risse und Tempoprobleme, zeitgleich aber auch die größten und stärksten Momente der gesamten Serie. Darauf würde man in einer vermeintlichen dritten Staffel erst einmal aufbauen müssen.

Und hieraus resultierte das größte Problem für das fortbestehen der Serie, wie könnte eine weitere Staffel auf Staffel 2 aufbauen? Die Character-Arcs waren erzählt und größtenteils zufriedenstellend abgeschlossen und wichtige Storylines endeten, boten zeitgleich aber auch noch weiter Gesprächsstoff für Theorien und Diskussionen. Es wäre ein wohlverdienter Abschluss gewesen. Levinson pokerte hoch und setzte sämtliche Ideen, wie man diese Charaktere demütigen und durch die Hölle schicken konnte, in den letzten Episoden von Staffel 2 um. Es wäre ein Ende gewesen, an jenes man sich noch lange erinnert hätte. Ein rundes Ende, welches das Schicksal vieler Charaktere zwar offen lassen würde, aber der Zuschauer dennoch zufrieden ins Bett hätte gehen können. Die Sopranos haben es viele Jahre zuvor vorgemacht.

Doch wenn die Leute immer noch nicht satt sind? Was macht man dann?

Euphoria folgt mit seinen 3 Staffeln einem bekannten Schema. Staffel 1 ist das Original. Das unantastbare Original. Kontrovers, mutig und frech. Mit Zendaya hatte man bereits einen großen Teenager-Star am Start und man konnte eindeutig sagen, was Courntey Cox damals für Friends war, war Zendaya für Euphoria. Sie brachte bereits Fans mit sich. Staffel 1 etablierte viele Charaktere und setzte auf ein Konzept, welches den 8 Episoden eine ständige Frische verleihen sollte: Flashbacks zum Beginn einer jeden Episode, erzählt von Rue Bennett. Jeder dieser Flashbacks bringt uns diese unsympathischen Figuren ein Stück näher, bekommen einen Einblick in ihre komplizierten Kindheiten und teils schwierigen Familienverhältnisse. Wieso ist Rue eigentlich so stark drogenabhängig? Wieso ist Nate so ein Narzisst und wieso hat Cassie so viele Komplexe? Und welche verrückte Vorgeschichte hat eigentlich Rues Kumpel und Drogendealer Fezco? Nun, dafür musste man halt am Ball bleiben, denn diesen besonderen Flashback hob man sich für Staffel 2 auf. Es war eine Erfolgsformel mit Mindesthaltbarkeitsdatum.

Staffel 2 folgte der heiligen Regel des Sequels: Mach nochmal alles so wie im Vorgänger, aber krasser, härter und vor allem und von allem noch viel, viel mehr und zeitgleich hoffen, dass das gut geht. Aufgrund der Pandemie folgte Staffel 2 erst mit einiger Verspätung im Januar 2022. Um die Serie im Gespräch zu halten, gab es zuvor noch Ende 2020 zwei gelungene TV-Specials, die zeitgleich auch als kleiner Prolog für Staffel 2 dienen sollten. Unter schwierigen Umständen wurde Staffel 2 gedreht und das Konzept fühlte sich weiter frisch an. Einige der Hauptdarsteller waren bereits begehrt und standen auf Buchungslisten. Das Konzept mit den Flashbacks wurde weiter ausgebaut und jetzt ging es darum, die etablierten Figuren weiter in ihr Verderben laufen zu lassen. Dies klappte größtenteils, ein paar der 8 Folgen hatten aber auch ihre Längen, manche Plots kamen nicht so recht voran oder verliefen im Sand. All das konnte man aber häufig durch neue, kreative Ideen gut ausgleichen. Doch man wurde das Gefühl nicht los, als würden die Charaktere manchmal etwas planlos durch eine Pen & Paper Rollenspielkampagne laufen und die von einem Spielleiter gesteuert werden, der nicht so recht weiß, wohin seine Story als nächstes geht. Kritik an Levinson wurde da häufiger mal lauter, aber die ebbte auch schnell wieder ab. Denn Euphoria Staffel 2 war eigentlich all das, was man sich von einer Fortsetzung auch wünschte. Und diese schloss man so emotional, ungewöhnlich und Meta ab, wie man es von Euphoria vielleicht auch erwartet hat.

Staffel 3 hat nun folgendes Problem: Entweder krönst du den Abschluss deiner Geschichte, die du erzählen willst, oder gehst daran zugrunde. In den meisten Fällen, so wurde uns das schon oft bewiesen, geht das schief. Ob Mad Max, der Pate, Matrix oder teilweise auch die erste Star Wars Trilogie - es ist ein massives Unterfangen, eine populäre Geschichte zu beenden (Serien können davon ja ein Lied singen von Game of Thrones bis zu Stranger Things). Im Handbuch der Sequels steht folgende Regel: "Teil 3 darf unter keinen Umständen nochmal so sein wie die beiden Vorgänger. Die Leute wollen einen Tapetenwechsel und zeitgleich müssen dennoch die Vorgänger übertrumpft werden. Die Zuschauer wollen eine "Rückkehr des Königs". Teil 3 muss das ausmachen, was Teil 1 und Teil 2 gut gemacht haben und zeitgleich die Charakterreise der vielen Figuren zu einem befriedigenden Ende bringen.

Euphoria Staffel 3 stand nie unter einem guten Stern. Nach wie vor hatte man mit den Nachwirkungen der Pandemie zu kämpfen, zeitgleich aber auch wurde es noch schwieriger, auf die mittlerweile etablierten Schauspieler zurückgreifen zu können. Weitere Erschwerte Situationen kamen noch hinzu. Sam Levinson legte seinen vollen Fokus auf die nicht minder kontroverse Serie "The Idol", die im gleichen Serien-Universum wie Euphoria spielte und mit Musik-Schwergewicht The Weeknd samt seinen limitierten schauspielerischen Talenten und Johnny Depps leicht bekleideter Tochter Lily-Rose als aufstrebende Künstlerin gnadenlos floppte und nach einer Staffel bereits abgesetzt wurde. Levinsons Ruf sollte sich davon nicht mehr so recht erholen. Doch irgendwie musste er ja noch immer, komme was wolle, Euphoria über die Zielgrade bringen.

Das Dilemma von Sam Levinson sollte aber nicht mit The Idol enden. Der Showrunner zerstritt sich mit Schauspielerin Barbie Ferreira, die den durchaus beliebten Charakter Kat Hernandez spielte und im Verlauf von Staffel 2 kaum mehr eine relevante Rolle einnahm. Der vermutlich schwerste Schlag: Der Tod von Fezco Darsteller Angus Cloud, der sich im Alter von nur 25 Jahren das Leben nahm. Für viele Zuschauer das Herz und die Seele der gesamten Serie und einer der populärsten Charaktere hatte zwar einen recht abgeschlossenen Character-Arc in Staffel 2, doch sollte auch in Staffel 3 wieder eine Rolle spielen, genau wie der mittlerweile an den Folgen von ALS verstorbene Eric Dane als Cal Jacobs, der genau wie Fezco eine relativ abgeschlossene Story hatte, aber für Staffel 3 ebenfalls wieder fest eingeplant war. Eric Dane ist in wenigen Folgen in Staffel 3, mittlerweile deutlich gezeichnet durch seine Krankheit, noch kurz zu sehen.

Der endgültige Sargnagel waren vermutlich die kreativen Auseinandersetzungen mit Composer Labrinth, dessen Musik auf akustischem Level das Herz und Seele der gesamte Serie war. In den vorherigen Staffeln wechselten sich Originalmusik von Labrinth und lizensierte Musik im fliegenden Wechsel ab und es funktionierte verdammt gut. Da Labrinth fortan nicht mehr verfügbar war, entschied man sich kurzerhand für Starkomponist Hans Zimmer, dessen Musik gegensätzlicher zu allem, was Euphoria verkörperte, nicht sein kann.

Dass der Soundtrack von Labrinth nun in Staffel 3 fehlt, fällt gar nicht mehr so sehr ins Gewicht, wenn man Staffel 3 schaut. Denn Staffel 3 hat kaum mehr irgendwas mit der Serie zu tun, die Millionen Menschen lieben gelernt hat. Viel mehr fühlt sich die Staffel wie ein Alternativwelt Spin-Off an, in dem Charaktere aus der Serie Euphoria vorkommen. Vielleicht die Pläne, die Levinson einstmals mit The Idol verfolgte. Aus einem verträumten Teenager-Drama wurde ein blutiges, bierernstes Crime-Drama, welches mehr an die Werke von Elmore Leonard, Quentin Tarantino und den Coen Brüdern erinnert. Vielleicht wenig verwunderlich: Levinson ist großer Fan von den Werken Leonards und Tarantino adaptierte Rum Punch von Leonard unter dem Titel Jackie Brown.

Der Genre-Wechsel war kaum zu erklären und wird wohl auch nach wie vor schwer zu rechtfertigen sein. Staffel 3 galt aufgrund der langen Wartezeit viel mehr als Mythos. Wird sie je erscheinen? Würde sie. Levinson und Zendaya gaben immer wieder Updates dazu und Levinson versprach, Staffel 3 würde anders werden und man würde sich von den kleinen Vororten zurückziehen und die große Weite der USA anpeilen. Man würde die Charaktere aus ihrem beschaulichen Teich holen und ins große Haifischbecken werfen, wo an jeder Ecke große Gefahren lauern und es Menschen gibt, die noch viel skrupelloser sind als sie selbst. Was nach einer neuen Pen & Paper Kampagne von Levinson für die Charaktere aus der Serie, die als Euphoria bekannt war, klingt, sollte sich tatsächlich als das Szenario für Staffel 3 herausstellen.

Während das ein mutiger Schritt ist und Euphoria für Mut bisher immer belohnt wurde, gleicht dieser Mut jedoch mittelmäßiges Writing und zahlreiche Probleme innerhalb der Produktion nicht aus. Gerade einmal 6 Figuren des ursprünglichen High School Cast tauchen in Staffel 3 wieder auf. Jacob Elordis Nate Jacobs und Hunter Schafers Jules Vaughn tauchen mit geringer Screentime wieder auf. Ihre Szenen wirkten, als wurden sie gefühlt an 1-2 verschiedenen Sets an wenigen Drehtagen abgedreht. Ihre Präsenz fühlt sich losgelöst an und ihre Charaktere wie ausgewechselt.

Fans können gnadenlos sein und warfen Levinson, der hier in allen Folgen diesmal als Writer, Director und Producer fungierte, sogenannte "Character-Assassination" vor. Die ikonischen Charaktere mussten Platz für schwer bewaffnete Gangster machen. Nicht falsch verstehen, Staffel-Bösewicht Alamo Brown wird hier herausragend gut von Adewale Akinnuoye-Agbaje verkörpert, den ich seit seiner Rolle als Mr. Eko in Lost sehr schätze. Doch diese ganzen neuen Figuren haben kaum mehr Bezug zu irgendwas, was Euhporia einst ausmachte. Allen voran Rue wirkt in dem gesamten Bandenkrieg und späterer Spitzel der Drogenfahndung völlig fehl am Platz. Vieles wirkt, als wäre diese Rolle für Fezco geschrieben worden, der bereits in seinem ganz eigenen Flashback in Staffel 2 bereits ähnliche Themengebiete angeschnitten hat. Doch an die Genialität des Fezco-Flashbacks kommt Staffel 3 auch in 8 neuen Folgen nicht heran.

Konnte man Staffel 2 gelegentlich mal vorwerfen, die Charaktere agieren, als wissen sie nicht so genau, was sie tun, passt in Staffel 3 kaum mehr irgendwas zusammen. Levinson hat eindeutig den Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert und vor, dieses Serien-Franchise komplett zu zerstören. Im Zeitalter von "Revert the Expectations" wird wohl kaum jemand damit gerechnet haben, dass die Geschichte so weitergeht. Doch selbst wenn die Aufregung um die Euphoria-Charaktere in dieser Story nicht wäre, so würde Staffel 3 halt über ein durchschnittliches Crime-Drama mit zahlreichen Plotholes, über die man einen eigenen Artikel schreiben könnte, nicht hinauskommen. Viele Ideen wirken aufgewärmt aus zahlreichen Büchern und Filmen, die es mit weniger (Budget, Laufzeit, Darstellern) deutlich besser gemacht haben. Glänzen tut die dritte Staffel von Euphoria in seltensten Momenten, wo einzelne schauspielerische Leistungen mal die Zuschauer für sich gewinnen können oder in den letzten Folgen zwei gelungene Flashbacks zeigen, welche Qualitäten Staffel 1 und Staffel 2 häufig auszeichneten.

Auch die vermeintliche provokante, surreale Szene rund um eine halbnackte Kaiju-Sweeney, die in Godzilla-Manier in dieser Szene feuchte Männerträume zerstört, dürfte kaum jemanden hervorlocken und mehr als ein zucken der Augenbraue eurer Wahl abgewinnen. Eine Szene, die viel zu lange geht und deren Sendezeit man viel besser hätte nutzen können, sofern man irgendwas mit den Charakteren vorgehabt hätte. Stattdessen setzt die Staffel diesmal viel auf Shock-Value. Abgeschnittene Gliedmaßen, Blutfontänen, Folter und Vergewaltigung ersetzen Charakter-Synergien, gut durchdachte Dialoge und die besagten mutigen Ideen. In Folge 8 möchte man mit einer Montage rund um Rue noch ein aller letztes mal mutig sein. Und ohne Frage ist es vermutlich eine der wenigen Ideen der gesamten Staffel, die in Erinnerung bleiben dürfte, aber im Vergleich dazu, dass Staffel 2 in einem metaphysischen Theaterstück und Musical mündete, ist auch das vermeintlich große Highlight dieser Folge eher handzahm. Bei der Qualität von Staffel 1 und Staffel 2 hätte man hieraus etwas machen können, was für immer in Erinnerung bleiben würde. Dennoch möchte ich das ganze jetzt auch nicht zu klein reden, man hat hier seine Hausaufgaben gemacht.

Und wie soll es anders auch sein, endet der große Showdown der Staffel dann in einem Mexican-Standoff in einem Stripclub, eine ikonische, legendäre Euphoria-Location, mit der die Zuschauer so viel verbinden. Eine Szene, die einzig und alleine durch die Performance von Coleman Domingo (den man immerhin noch für 2 Episoden zurückgeholt hat) gerettet wird. Der Zünder für die Franchise-Selbstzerstörung hat bereits 2 Minuten erreicht.

Das bizarre an dieser Staffel ist jedoch die beachtliche Anzahl an Figuren. Was bei Thomas Pynchon ein markantes Stilmittel ist, wirkt in Euphoria Staffel 3 befremdlich. Es tauchen Charaktere aus dem Nichts auf, nur um einige Szenen später schon wieder komplett und für immer zu verschwinden. Von irgendwelchen Influencer-Superstars hin zu skrupellosen armenischen Gangstern, die allesamt auf das Minimum eines Plot-Device reduziert wurden, damit die unnötig kompliziert gestaltete Story vorankommt.

Die letzte Szene endet ungefähr so, wie Gladiator vor über 26 Jahren endete. Welch ein Zufall, dass Hans auch den Score zu diesem Film geschrieben hat. Man könnte über die letzte Szene aber statt Zimmers schwerfälliger Musik, die wenig inspirierend an "Now We Are Free" und diversen Morricone-Stücken erinnert, auch Ariana Grandes neuen Song "hate that i made you love me" legen und es würde vermutlich mehr nach Euphoria klingen als das, was uns hier angeboten wurde. Wobei es halt auch ins Konzept passt, dass sich so wenig wie möglich nach Euphoria anfühlen darf.

Mittlerweile zeigt der Timer zur Selbstzerstörung nur noch 20 Sekunden an und ich bin die letzte verbliebene Person in der East Highland High School. Auf dem großen Beamer in der Turnhalle läuft gerade noch der Abspann zum Serienfinale und während es bedrohlich hinter mir irgendwo piept, stelle ich mir, wie viele andere vermutlich auch, die Frage nach dem großen "Wieso". Die schweren Bedingungen der Produktion von Staffel 3 mit einberechnet und infolgedessen den Verlust vieler Darsteller, allen voran Angus Cloud, nie auffangen konnte, bleibt man dennoch ernüchtert darüber zurück, wie wenig man einstige Stärken genutzt hat und praktisch alles über Board geworfen hat, was diese Serie einst zu einem Fan-Favorite gemacht hat. Sich zu verändern sind nötige und bewusste Schritte, die man machen muss, sich weiterzuentwickeln. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu, aber diesen Charakteren nicht vergönnt wurde, da sie gefühlt in Kinderschuhen in die große weite Welt zum sterben rausgeschickt wurden. Aber was man hier mit dieser finalen Staffel vor hatte, hat vermutlich genau so wenig Zukunft wie eine der beiden Identitäten von Thomas A. Anderson aka Neo in The Matrix. Es würde mich wirklich wundern, wenn man in einigen Jahren diese Staffel als "Missverstanden" interpretiert und auf einmal als heimlicher Heilsbringer anerkannt wird.

0 Sekunden. Es war schön mit dir, Euphoria. Bumm.



Verfasst von Aufziehvogel