Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Dienstag, 30. Juni 2026

Einwurf: Hacker wollen eure Accounts - Die Betreiber wollen nur eure Einkäufe

 



Das digitale Zeitalter hat längst auch bei Filmen und Serien Einzug gehalten. Nicht erst seit gestern, sondern es ist ein Trend, der sich schon seit vielen Jahren zeigt. Die meisten werden hier vermutlich direkt an Streaming-Anbieter mit Abo-Modellen denken wie Netflix, Disney+ oder Apple TV (und unzählige andere Anbieter, die hier nun nicht aufgezählt werden). Doch Filme und Serien kann man nicht nur während eines Abo-Models streamen, sondern man kann sie auf diversen digitalen Plattformen verschiedenster Betreiber auch ausleihen und, für diesen Artikel sehr wichtig, zu einem Vollpreis kaufen.

Die Debatte über die sogenannte "Digital Ownership" besteht seit vielen Jahren und ist genau so alt mittlerweile wie der digitale Erwerb von Medien sämtlicher Art. Was steht dem Käufer einer digitalen Lizenz zu? Geht es nach den Betreibern von digitalen Marktplätzen und den Eigentümer der angebotenen Lizenzen, nicht viel. Dass man digitale Medien wie Filme und Videospiele bereits auf Endgeräten herunterladen kann, ist für viele Publisher und Studios eine heikle Angelegenheit. Für die großen Studios ist eines klar: Die volle Kontrolle über ihr geistiges Eigentum. Der Konsument steht am Ende der Nahrungskette.

Dass wir uns im Jahr 2026 aber noch damit befassen müssen, dass Betreiber den vollen Zugriff darauf haben, sich an erworbenen Titeln aus digitalen Bibliotheken der Nutzer zu vergreifen, ist eigentlich ein starkes Stück. Während viele Betreiber sich nach wie vor hüten und so etwas nur in Ausnahmefällen zu tun, geht Sony einmal mehr mit voller Härte gegen seine zahlenden Kunden vor. Erwischt hat es dabei erneut Käufe auf PlayStation Endgeräten, die, in diesem Falle, hauptsächlich mit auslaufenden Verträgen zwischen Sony und dem Filmlabel Studio Canal zu tun haben. In einer nüchternen wie unbeeindruckten E-Mail werden Käufer informiert, dass zum 01.09 zahlreiche Katalogtitel von Studio Canal entfernt werden - betroffen sind auch erworbene Titel, die sich in den Bibliotheken der Nutzer befinden. Hat man bei Videospielen, die aus den digitalen Stores entfernt werden, weiterhin die Gelegenheit, als Käufer jederzeit auf die Titel zuzugreifen, sieht es in diesen Fällen hier düster aus. Die betroffenen Filme und Serien werden ersatzlos aus dem Programm genommen, Nutzer erhalten keine Entschädigung und müssen mit der Entscheidung von Sony leben.

Aktuell betrifft dieser drastische Einschnitt Nutzer aus Großbritannien. Wenig verwunderlich, denn immerhin gab es diese digitale Säuberungsaktion bereits 2022 in Deutschland und Österreich - Sony kam damals noch ohne viel Gegenwind davon. Doch da der Trend zu digitalen Produkten immer beliebter und vielzähliger wird, ist diese Meldung medial diesmal, 4 Jahre später, deutlich stärker vertreten.

Für aufrichtige Kunden ein Schlag ins Gesicht. Inwieweit das ganze nachträgliche Folgen mit sich ziehen wird, ist aktuell nicht ersichtlich. Sony bzw. allgemein Plattformbetreiber von Spielekonsolen rudern in ihren Entscheidungen gerne mal zurück. Doch selbst wenn Sony die Rolle rückwärts machen sollte in dieser Angelegenheit, der Schaden ist nicht mehr umkehrbar. Solche digitalen Säuberungsaktionen innerhalb der Bibliotheken der zahlenden Kundschaft kommen nicht gut an.

EU-Richtlinien zur Rückgabe digitaler Titel sowie einer Absicherung für Nutzer, dauerhaften Zugriff auf ihre erworbenen Titel zu haben, sind schwammig. Erst kürzlich scheiterte die Initiative "Stop Killing Games" vor der EU. Ein herber Rückschlag rund um das Thema "Digital Ownership" und ein temporärer Sieg für Plattformhalter und Publisher. Die EU plane derzeit keine speziellen Änderungen der Gesetzeslage, nehme das Anliegen aber ernst und zur Kenntnis. Man wolle sich mehr mit den Lizenzgebern austauschen und nach besseren Lösungen suchen. Mit anderen Worten: Ein Luftloch, nichts weiter. Besonders die so empfindliche EU mit ihren unzähligen kleinlichen Gesetzeserlassen, die der Umwelt und den Verbrauchern zugute kommen sollen, schiebt hier einen Riegel vor. Wie lange das noch der Fall ist, besonders im Hinblick dessen, dass der digitale Trend wohl kaum in absehbarer Zeit nachlassen wird, ist es schwer vorstellbar, dass die aktuelle Lage der Dauerzustand bleibt. Doch es deutet aktuell auch nichts darauf hin, dass sich im Thema "Digital Ownership" irgendwas positiv für die zahlenden Konsumenten verändern wird.

"Play has no Limits" - Dieser ikonische PlayStation-Banner ziert diese traurige E-Mail. Man könnte meinen, man betreibt hier Galgenhumor mit den zahlenden Kunden.

Was aktuell bleibt: Was du digital für dein Geld erwirbst, kann dir der Eigentümer jederzeit wieder wegnehmen. Hacker wollen dir deinen Account wegnehmen - Die Betreiber haben nur Interesse an einzelnen Inhalten, die ihr für euer hart verdientes Geld erworben habt. Also guckt euch eure Filme und Serien lieber schnell an, bevor die Plattformhalter sie aus euren digitalen Bibliotheken entfernen. Oder, vielleicht auch keine schlechte Idee: DVD's und Blu-rays weilen, mag mag es kaum glauben, immer noch unter uns.



Artikel: Aufziehvogel

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