Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Wühlkiste: Gaming The System - Um jeden Preis (Brenna Aubrey)





USA 2015

Gaming The System - Um jeden Preis (Die Gaming The System Serie, Band 1)

Autorin: Brenna Aubrey 
Verlag: Silver Griffon Associates 
Format: eBook 
Genre: New Adult



Lavandula hat sich eingeloggt.

Da bin ich wieder, ich darf nochmal!

Lavandula wählt ein Item aus ihrem Inventar aus.

Und ich habe etwas Besonderes im Gepäck: „Gaming the System – Um jeden Preis“, den Auftakt einer derzeit sechsbändigen Reihe, von der USA TODAY-Bestsellerautorin Brenna Aubrey. Nun sind allerdings viele Folgebände oder die Bezeichnung „Bestsellerautor/in“ nicht unbedingt ein Zeichen von Qualität.

Ich habe mit Vorsicht zu diesem Buch gegriffen. Es ist zwar richtig, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen sollte … dennoch hätte ich im Regal nicht zugegriffen. Das tat ich tatsächlich wegen der Computerspiele-Thematik, das hat mich neugierig werden lassen. Auch wenn ich meine Erwartungen aufgrund es Genres eher nicht zu hoch geschraubt habe.

Und nun ist Schluss mit dem Hin und Her, denn zu diesem Buch gibt es ganz klare Worte zu sagen.

Mia Strong – ist das etwa schon ein Hinweis, dass da jemand ganz stark sein wird? – ist Computerspiele-Bloggerin und anscheinend gar nicht mal so unbekannt. Zumindest nicht vor dem Hintergrund, dass sie durch die Werbeeinnahmen durch ihren Blog mehr verdient als durch ihren Nebenjob im Krankenhaus. Was genau sie da macht, erfahren wir allerdings nicht so richtig. Bringt die Story aber auch nicht voran. Genug Geld, um ihren Lebensunterhalt zu bezahlen, sowie ihrer krebskranken Mutter finanziell unter die Arme zu greifen, hat sie allerdings dennoch nicht. Ein Medizinstudium ist da schon lange nicht drin, wenn nicht mal genug Essen da ist.

Deshalb kommt Mia auf die Idee, ihre Jungfräulichkeit zu versteigern, denn eigentlich ist sie aus eigenem Antrieb Single, hat keine Lust auf Beziehungen und den ganzen Quatsch. Und das mit 22.

Liebe Mia, halt noch acht Jahre durch, dann wirst du ein Zauberer! Oder gilt das nur für männliche dreißigjährige Jungfrauen? Herausfinden werden wir es in Mias Fall nicht.

Mit flammenden Worten über die Reinheit der Frau, die ja so viel an Wert verloren habe, bietet sie sich, genauer: ihre Unberührtheit, an den Meistbietenden. Die Reinheit der Frau ist schließlich das höchste Gut.

… Sag mal, geht’s noch?! Wir leben in einer relativ (alles ist relativ, meine Lieben) aufgeklärten und fortschrittlichen Welt. Und dann kommt da jemand daher, möchte uns wieder ins Mittelalter zurück katapultieren und sich prostituieren? Gut, nein, vielleicht nicht das Mittelalter, da wäre sie bereits zehn Jahre zuvor verheiratet worden und hätte keine Aussicht auf irgendwelche (finanziellen) Vorteile für sich selbst.

Wir befinden und übrigens noch auf den ersten drei Seiten. Und ich begann mich zu fragen, ob es nicht ein Fehler war, dieses Buch überhaupt anzufangen. Meine armen Nerven.

Zum Abkürzen spulen wir vor: Der Millionär Adam Drake – Adam, der erste Mann, er soll also auch Mias … wisst ihr was, ich lasse das, ihr versteht schon – gewinnt die Auktion. Er ist CEO einer Computerspielefirma, noch keine 30, sieht so wahnsinnig gut aus, dass natürlich auch Mias obligatorischer schwuler bester Freund ihm verfällt und Mia ist schockverliebt.

Und hier wird es wieder seltsam. Es kommt relativ schnell heraus, dass Adam Drake CEO/Chefentwickler des MMORPG Dragon Epoch ist. Das ist das Spiel, in dem Mia ihre gesamte Freizeit verbringt und über das sie lange und regelmäßig bloggt. Trotzdem klingelt nichts bei ihr, als sie seinen Namen hört. Wenn ich mich so intensiv mit einem Spiel oder auch einem anderen Medium auseinandersetze, sind mir zumindest ein paar Namen ein Begriff, und ein solcher wie der des Mannes, der das alles ins Leben gerufen hat, sollte dazu gehören.

Ich möchte weder langweilen noch spoilern. Alles Weitere ist aber im Grunde ohnehin 08/15. Sie will ihn nicht, da sein Auftreten für sie gar nicht ging, er kommt zu ihr, sie entscheidet sich um, sie fliegen nach Europa in die Niederlande, da Prostitution (hoppla, das ist also bereits durchdacht … unsere liebe Mia kapiert es allerdings immer noch nicht, dass sie genau das tut mit ihrem Jungfräulichkeit-gegen-Geld-Quatsch) dort legal ist, sie werden unterbrochen, sie ist immer noch Jungfrau. Sie fliegen zurück, nicht ohne sich gründlich zu zoffen, der Vertrag ist nicht erfüllt, also müssen sie sich wiedersehen, obwohl Mia einen Kontaktabbruch nach dem Vollzug wollte …

Es ist einfach ein wahnsinniges und zähes Ringen. Mia wirkt dabei bei Weitem nicht wie ihre 22 biologischen Jahre, sondern eher wie ein kleines 12jähriges Mädchen. Mal will sie Adam, findet die Glitzermärchenwelt mit dem ganzen Geld absolut toll, dann glaubt sie wieder daran, dass Adam sie nur ausnutze. Außerdem ist es furchtbar vorhersehbar. Zumindest mir war die wirkliche Identität von „FallenOne“, einem Spieler aus Mias Gruppe, der ihre Auktion ziemlich bescheuert fand, und der dann beleidigt verschwindet, direkt klar. Offensichtlicher ging es einfach nicht.

An vielen Stellen wirkt es außerdem, also wolle die Autorin ihre eigenen Ansichten auf plumpe Art und Weise durch Mia transportieren. Diese regt sich in ihren Blogs nämlich wahnsinnig über die Darstellung von Frauen in der Computerspielewelt auf. Oh nein, sexy Kriegerinnen im Kettenbikini! Dass an anderer Stelle von einem lendenschurzbekleideten Barbaren gesprochen wird, ist aber nicht weiter erwähnenswert. Da schützt der Kettenbikini allerdings besser als ein Tüchlein.

Lavandula wirft den Lendenschurz weg und legt den Kettenbikini zurück in ihr Inventar.

Ehrlicherweise muss man anfügen: vielleicht mokiert sich auch deshalb niemand, weil es zu einer Spontanerblindung kommt, sobald man den knapp bekleideten Barbaren erblickt.

Und ich bin noch immer nicht fertig mit Mia. Bezeichnet sie sich einerseits als Hardcore-Gamerin, lässt sie doch an anderer Stelle ihren besten Freund im Spiel einfach verrecken, weil er etwas sagte, was sie nicht hören wollte. Solche Zicken – weibliche wie männliche – fliegen ganz schnell aus der Gilde oder zumindest möchte keiner mehr mit ihnen gemeinsam spielen. Solches Verhalten führt übrigens zu Vorurteilen zockenden Frauen gegenüber, also sollte sich tatsächlich eine tiefere Botschaft der Autorin dahinter verbergen (Gamerinnen aller Länder, vereinigt euch!), geht das nach hinten los, da hier ein Klischee bestätigt wird.

Auch nach dem „Nerd-Kram“ habe ich vergeblich gesucht. Da ist wirklich sogar noch weniger drin als das Mindeste, das Möchtegernerds so von sich geben. Keine Nerdwitze (gut, ein Han Solo-Spruch kommt, wird aber sogleich erläutert, statt ihn einfach mal so stehen zu lassen), kein Nerdkram … nur der Herr der Ringe wird geschaut. Den die Autorin einfach mal direkt fett spoilert, sie haut ohne mit der Wimper zu zucken das Ende raus. Naja, sicherlich hat diese klasse Reihe ihre 20 Jahre schon fast auf dem Buckel – ich fühle mich alt, wenn ich an das kleine Mädchen zurückdenke, das Heiligabend 2003, eigentlich noch ein paar Monate zu jung, ins Kino ging, um diesen Film, den dritten, zu schauen – aber ich kenne genug Leute, die ihn noch nicht gesehen haben, es aber gerne noch wollen, und … man macht sowas einfach nicht!

Die Autorin bezeichnet sich selbst übrigens als Gamerin. Hat dann allerdings nicht mal die Basics drauf, was Begrifflichkeiten angeht. So leid es mir tut, aber nur, weil man Flappy Bird oder ähnliche gespielt hat, ist man noch lange kein Gamer.

Tatsächlich kann ich allerdings ein einzelnes etwas besseres Haar an diesem Buch lassen: Sprachlich ist es erstaunlich ertragbar. Es ist zwar weder besonders gut noch besonders schlecht, aber man wird nicht mit katastrophaler Grammatik oder einem Übermaß an Wortwiederholungen traktiert. Selbst in den – allerdings eintönig geschriebenen – Erotikszenen wird nicht in die tiefste Gossensprache zurückgegriffen und solche Horrorwörter wie „Schwengel“ tauchen glücklicherweise erst gar nicht auf.



Abschließende Gedanken

Ich glaube, dieses Buch kann ich getrost als einen Trittbrettfahrer von der Reihe um einen gewissen Mr. Grey einordnen: Armes Mädchen trifft reichen, jungen,
gutaussehenden, erfolgreichen Mann, der sie auch direkt für sich will, sie misstraut seinen Absichten, und so weiter. Jenes Buch brauchen wir nicht noch einmal aufwärmen. Gulasch und so – wobei es schon vorher nicht schmeckte.

Es ist schade, dass anscheinend heutzutage und besonders in diesem Genre die eigene Fantasie so sehr auf der Strecke bleibt. Stattdessen wird etwas aufgegriffen, das mal Erfolg hatte, ein wenig umgemodelt und dann als etwas Eigenes, total Tolles verkauft. Tatsächlich kann sowas in Ausnahmen gelingen, aber meist, wie auch hier, tut es das nicht.

Wir haben ein Buch, das gern die Gaming-Thematik aufgreifen und mit einer Art Liebesgeschichte verbinden möchte. Nette Idee. Doch der genauere Blick in den Quellcode enttarnt dieses Produkt doch wieder nur als schlechten Klon, der in fremdem Gewand daherzukommen versuchte. Dann wurde rumgejammert wie schlecht und gemein doch alles sei, vor allem in der Gaming-Welt gegenüber den armen Frauen.

Weder die Figuren noch die Handlungen sind authentisch, das ganze Buch ist es nicht, und auf die Art, wie sie ihre Botschaft transportiert, hat auch die Autorin viel davon eingebüßt. Es ist zäh, ein absolut vorhersehbares und unnötiges Hin und Her, und von dem, was ich erwartet habe – Gaming, Nerdkram, sowas eben – habe ich leider sehr wenig gefunden, und das wenige, das ich fand, war ein solch oberflächlicher und teilweise schlicht falscher Kram, dass es mir eher den Blutdruck in die Höhe trieb, statt mich zu erfreuen.

Das Buch habe ich geschafft, und zwar kurz bevor es mich geschafft hat, aber weder werde ich davon ein weiteres lesen noch es wieder in die Hand nehmen. Leere Versprechungen, vorhersehbare Handlungen, unsympathische Protagonistin. Eine große Enttäuschung, und das sogar bei deutlich heruntergeschraubten anfänglichen Erwartungen.

Lavandula bietet das Buch auf dem Markt zum Verkauf an.

Ja, ich hatte etwas Besonderes versprochen.

Lavandula legt den Kettenbikini an.

Das Buch war jedenfalls nichts Besonderes. Schade. Da wäre wirklich viel herauszuholen gewesen.

Lavandula hat sich ausgeloggt.
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Gastrezensentin: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Dienstag, 24. Dezember 2019

Rezension: Der Sprung (Simone Lappert)

(Foto: Aufziehvogel)





Schweiz 2019

Der Sprung
Autorin: Simone Lappert
Verlag: Diogenes
Veröffentlichung: September 2019
Genre: Gesellschaftsdrama




"Durch die saubersten Flure hatte er schon die übelsten Kerle abgeführt, und in den schicken Wohnungen waren einfach nur die Teppiche feiner, unter die der Dreck gekehrt wurde. Schweinereien waren Schweinereien, und Blut war ihm zuwider, ob es nun auf Linoleum oder Marmor vergossen wurde."



"Der Sprung" der jungen Schweizer Autorin Simone Lappert beginnt mit einem Sprung. Hatte ich es in meiner letzten Besprechung noch mit einem Revolver zu tun, ist es in diesem Roman nun ein Sprung. Ein Sprung, der aber so eine Wucht hat wie eine abgefeuerte Kugel aus einem Revolver. Es ist nur ein kurzer Prolog, eine minimale Einführung. Eine Einführung, die dem Leser nichts anderes als einen grandiosen Sprung beschreibt. Ein Sprung, so die Dame, die gerade fällt, der sich lohnen muss. Ein Sprung der sitzen muss, denn man kann ihn, logischerweise, nur ein einziges mal ausführen.

Als ich den Roman vor einigen Tagen ausgelesen habe zeigte mir Spotify in meinem Mix der Woche den Song "Time Rider" von den Chromatics an. Und schon musste ich wieder an den Roman von Simone Lappert denken, der mir noch immer so lebhaft im Gedächtnis sitzt, es sich dort regelrecht bequem gemacht hat. Ich dachte mir, der Song wäre der perfekte Soundtrack für diese Geschichte.
Die Autorin macht ihren Titel zum Programm. Nach dem Sprung folgt bekanntlich der Aufprall. Der Aufprall ist in diesem Sinne die Wucht oder besser gesagt sind es die Worte, die diesen Roman verfasst haben.

"Der Sprung" ist alle voran erst einmal ein Point of View Roman. Mehrere Charaktere, die allesamt ihre eigene Geschichte besitzen, erzählen die Rahmenhandlung des Romans. Menschen, die auf den ersten Blick alle relativ wenig miteinander zu tun haben stellen sich dem Leser kurz vor und der Stein kommt ins Rollen. Schon ganz zu Beginn bekommen wir es mit zwei recht starken Figuren zu tun. Felix, ein grimmig dreinschauender aber herzensguter Polizist. Ein muskulöser, furchtlos dreinblickender Typ. Doch scheint er sich laut seinen eigenen Aussagen eher als Kind zu sehen, das es immer noch nicht verstanden hat, wie es in diesen kräftigen Körper gelandet ist. Ein Junge, der in Wahrheit ängstlich ist und von pessimistischen Gedanken verfolgt wird. Ein ähnlich melancholisches Schicksal erwartet einige Seiten später Maren, eine etwas pummelige Frau ende dreißig, die ihren Mann, ihren Seelenverwandten, an einen Fitnesswahn verloren hat und sich beide immer weiter auseinanderleben. All diese kleineren wie größeren Nebenschauplätze führen selbstverständlich alle zu jener Frau aus dem Prolog, die so spektakulär gesprungen ist. Und ganz genau hier liegt die große Stärke des Romans. Man hat nicht nur eine etwas mysteriöse Rahmenhandlung die dem Leser das "Wie" und "Warum eigentlich" schmackhaft macht. Es sind auch die einzelnen Schicksale der POV-Charaktere, die hier so wunderbar funktionieren. Normalerweise vermag es nur Haruki Murakami mich direkt von der ersten Seiten an abzuholen. Simone Lappert versteht es anscheinend so gut wie der Japaner, die magischen Worte, die Zauberformel zu sprechen, die mich sofort in den Bann einer Geschichte zieht. Und jeder, der meinen Blog verfolgt der weiß, wie sehr ich auf Autoren und Autorinnen stehe, die eine gute Geschichte zu erzählen haben.

Obwohl "Der Sprung" mit etwas über 300 Seiten nicht unbedingt dünn ist schafft die Autorin es nahezu mühelos, ein flottes Tempo beizubehalten. Nie verfallen die Charaktere dabei in unangenehmes Selbstmitleid, was solchen Geschichten gerne schon einmal anhaftet. "Der Sprung" wirkt dabei sogar überraschend filmisch, verspielt und ausgestattet mit gut gewählten Referenzen auf die Populärkultur, ohne peinlich zu wirken. Die Geschichte profitiert enorm durch den Erzählstil und wie die einzelnen Schicksale miteinander verwoben sind. All das geschieht auf einer Ebene, wo eine anspruchsvolle Geschichte erzählt wird, aber nie zu kompliziert wirkt oder mit steif geschwollenen Worten gespickt wurde.





Abschließende Gedanken

Life is Strange. Simone Lappert erzählt von ganz normalen Menschen und macht daraus für mich ein literarisches Highlight im Jahr 2019. "Der Sprung" ist für mich ein Roman, den ich mir am heutigem 24.12 noch einmal in Form einer Rezension unter dem virtuellen Weihnachtsbaum lege. Sprachlich absolut treffsicher und mit interessanten Charakteren ausgestattet, hat die Schweizer Autorin eine Geschichte auf Lager, die es wert war, erzählt zu werden. Vielleicht die letzte Rezension in diesem Jahrzehnt auf "Am Meer ist es wärmer", die von mir verfasst wurde. Aber wenn ich mit so einem Roman das Jahrzehnt abschließe, dann ich entspannt zur Winterpause die Türen schließen.

Montag, 18. November 2019

Rezension: Der Revolver (Fuminori Nakamura)





Japan 2002/2003 (Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum)

Der Revolver
Originaltitel: Jū
Autor: Fuminori Nakamura
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Thomas Eggenberg
Genre: Noir-Thriller



"In meinen Augen war der Revolver vor allem dazu da, Leben zu zerstören, und dies möglichst effizient. Eine Emanation von Thanatos sozusagen. Aber warum fand ich Gefallen an einem solchen todbringenden Objekt? Weder hatte ich den Wunsch, jemanden umzubringen, noch die Absicht, mich selbst zu töten. Dass ich jemals mit einer Schusswaffe zu tun haben könnte, hätte ich nie geglaubt. Vielleicht war ich wie ein kleines Kind, das über sein ausgefallenes Spielzeug entzückt war? Der Gedanke gefiel mir. Es war nicht nötig, weiter zu grübeln. Was auch immer der Grund sein mochte - der Revolver gehörte jetzt mir, und das Hochgefühl über diese Tatsache machte meinen Alltag erträglicher, abwechslungsreicher. Jemanden einschüchtern oder auch beschützen. Jemand anderen oder mich selbst töten, kinderleicht. Unabhängig davon, ob ich es irgendwann tun würde oder nicht - wichtig war, dass ich die Möglichkeit in der Hand hatte, erfüllt vom kribbelnden Gefühl der Verlockung."



Was haben Isildur und der Protagonist von Fuminori Nakamuras Debüt gemeinsam? Nun, sie beide sind besessen nach einem kleinen Objekt. War es der Ring der Macht der Isildur ins Verderben stürzte, so ist es in dieser durch und durch in der Gegenwart angesiedelten Geschichte von Nakamura-San ein Revolver, der das Objekt der Begierde darstellt.
Ich war sehr glücklich darüber, als bekannt wurde, Diogenes würde die hauseigene Bibliothek um den Debüt-Roman von Fuminori Nakamura in deutscher Übersetzung erweitern. "Der Revolver" verhalf dem Autor in seiner Heimat damals zum Durchbruch und wurde nach einer Veröffentlichung in einem Magazin im Jahr 2002 abgedruckt und anschließend im Jahr 2003 auch als eigenständiges Buch publiziert. Und so begann die Karriere des Schriftstellers und seinen sehr düsteren Geschichten, mit denen er auch International mittlerweile Erfolge feiert.

"Der Revolver" ist vom Aufbau her typisch japanisch gestrickt. Die Geschichte lebt nahezu ausschließlich von den Gedankengängen des Ich-Erzählers (Boku - nennt man diese erzählerische Variante in Japan). Und der Titel ist hier Programm. "Der Revolver" erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Nishikawa, der an einem verregneten Abend unter einer Brücke die Leiche eines Mannes entdeckt. Nach dem ersten Schock entspannte sich der introvertierte Nishikawa relativ schnell wieder und sein Blick gewann die Aufmerksamkeit eines Objektes, welches sich neben der Leiche des Mannes befand. Ein Revolver. Ein Colt-Magnum. Wie von einem bösen Geist beseelt wird Nishikawa von dem glänzendem Objekt angezogen, kann ihm nicht widerstehen. Er weiß, sobald er den Revolver berührt, bringt er sich automatisch in Schwierigkeiten. Nishikawas Pflicht als Bürger wäre es den Pfund der Leiche umgehend der Polizei zu melden und den Revolver nicht anzufassen. Doch kann er sich der kleinen Tötungsmaschine nicht widersetzen. Nishikawa greift sich den Revolver und mit ihm soll sich fortan sein komplettes Leben verändern.

Mit nicht ganz 200 Seiten kommt Fuminori Nakamura in seinem Debüt schnell zum Punkt. Beeindruckend bedient sich der Gewinner des Akutagawa-Preises aus dem Jahr 2005 hier an klassischen Elementen der Literatur, ohne dabei von bekannten Größen zu kopieren. Sachlich und gesellschaftskritisch wie Dostojewski, mysteriös und spannend wie ein Werk von James Sallis. Der Revolver dient in dieser Geschichte als klassischer MacGuffin. Er führt Nishikawa durch die Geschichte wie es der Ring in "Der Herr der Ringe" tut. Der Revolver verleiht ihm Macht. Das bloße anschauen des gefährlichen Objekts reicht aus, um ihn zu motivieren, einen Sinn in seiner Monotonie zu finden und sogar dabei die eigene Libido etwas aufzufüllen. Es ist ein Rausch, der seinen Körper durchströmt. Doch wie lange hält dieser Kick an? Wie lange kann sich der Protagonist damit zufrieden geben, den Revolver lediglich anzuschauen? In der Trommel befinden sich noch wenige Patronen. Und getreu nach Anton Checkhov muss eine Waffe, wenn sie in einer Geschichte vorkommt, auch abgefeuert werden. Oder etwa nicht?

"Der Revolver" ist schnell gelesen wenn man einmal dran ist. Man sollte sich den Roman etwas dosieren und ihn auf sich wirken lassen. In der Geschichte finden sich bereits viele Stilmittel, die mich in Nakamuras Roman "Der Dieb" so begeistert haben. Ein unscheinbarer Protagonist der durch ein nahezu zufälliges Ereignis in den Strudel der Unterwelt gerät. Den Thrill sucht Nishikawa in der Geschichte aus eigenem Antrieb heraus. Immer weiter dringen wir in die finstere Gedankenwelt von ihm ein und man weiß irgendwann nicht mehr, ob es einzig und allein der Revolver ist der Nishikawa so handeln lässt oder ob der Revolver lediglich der Dosenöffner für seine an sich schon finsteren Gedanken war.

"Der Revolver" ist zwar schon einige Zeit auch als englische Übersetzung erhältlich, ich kann aber auch hier einmal wieder Entwarnung geben: Die deutschsprachige Übersetzung von Diogenes stammt einmal mehr von Thomas Eggenberg, der hier direkt aus dem Japanischen übersetzt hat. Die Ausgabe ist als Hardcover erschienen und was mir besonders daran gefallen hat ist mal wieder das subtil schicke Motiv von Diogenes für das Cover, die sich hier für ein Werk von Andy Warhole entschieden haben (Gun). Die ersten Seiten sollte man nicht überspringen, hier findet man nämlich noch ein sehr schönes Vorwort von Fuminori Nakamura, welches ausschließlich an seine deutschsprachigen Leser gerichtet ist (und sehr positiv auf seine Lesereise durch Deutschland, Österreich und der Schweiz zurückblickt).





Abschließende Gedanken

Einen Roman von Fuminori Nakamura zu lesen ist für mich mittlerweile zu einem Leckerbissen geworden. Die Seiten blättern sich wie von selbst und das finstere Abenteuer ist schneller vorbei, als einem lieb ist. "Der Revolver" ist nach "Der Dieb" und "Die Maske" bereits die dritte deutschsprachige Übersetzung des Autors, und wie immer drücke ich fest die Daumen, dass das Repertoire an deutschen Übersetzungen von Nakamura-San erweitert wird. "Der Revolver" ist sicherlich keine Feel-Good Story für die düsteren Tage, aber sicherlich auch kein als Folter-Porno getarnter Krimi, wie es bei vielen bekannten deutschen Autoren derzeit leider im Trend liegt. "Der Revolver" ist eine Achterbahnfahrt, die uns einen ähnlichen Rausch beschert wie das gefährliche Objekt in der Geschichte und unseren Erzähler so sehr in Ekstase versetzt. Erstklassig.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Besprechung: Dao De Jing (Lao Zi)




Anmerkung: Bei den verschiedenen Schreibweisen des Werkes sowie des Autors berufe ich mich auf die vereinfachte Schreibweise, die auch der Verlag für diese Veröffentlichung benutzt. Besonders die Formatierung hier auf dem Blog leidet bei Sonderzeichen sehr, ich bitte diesen Umstand also vorab zu entschuldigen.



China

Dao De Jing
道德經 / 道德经
Verfasser: Lao Zi
Verlag: Manesse
Übersetzung, Herausgeber, Vorwort, Nachwort, Erläuterungen: Michael Hammes
Genre: Klassische Literatur, Philosophie



Aus dem Vorwort: "Obwohl dieses weitverbreitete Werk also seit jeher Sprengstoff für die etablierten Systeme der Macht und Deutungshoheit liefert, ist es nicht indiziert, sondern schlummert harmlos auf den entlegensten Bücherborden. Dass bislang keine detonationsauslösenden Zündungen stattgefunden haben, liegt einerseits an der erwähnten esoterischen Kodierung, andererseits an der grundlegenden Intention einer friedlichen inneren Wandlung und nicht einer gewaltsamen äußeren Revolte."



Als die Germanen ihre Kriege praktisch noch mit Steinschleudern ausgefochten haben, existierte bereits Weltliteratur im fernen China und im römischen Reich. Das Dao De Jing von Lao Zi wird als Gründungsschrift für den Daoismus gesehen und gilt als Vorreiter für andere bekannte Schriften wie die von Marx oder der Chuch'e Ideologie. Auch wenn die Vergleiche weit hergeholt sind, als einen symbolischen Vergleich finde ich sie nicht unpassend. Dass all diese Werke voneinander jedoch grundverschiedene Ansichten teilen, dürfte aber auch dem Laien klar werden.

Genau wie bei den alten Griechen und ihrem Homer gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass es jemals einen alten Weisen namens Lao Zi gab (was auch viel mehr ein Titel sein könnte) und ob ihm auch wirklich eine der bekanntesten und ältesten chinesischen Schriften zugeschrieben werden kann. All das trägt zu der an sich geheimnisvollen, ja, auch ein wenig kryptischen Natur des Dao De Jing bei. Eine klassische Rezension zu verfassen, also diese Schrift zu bewerten, ist kaum möglich. Aber man kann sie besprechen. Was das Dao De Jing nämlich immer noch für sein Alter so zugänglich macht sind die immer noch zeitgenössischen Themen in den Texten, die auch in der heutigen Gesellschaft noch fantastisch funktionieren.

Das größte Problem an den deutschen Übersetzungen waren bisher immer eigenwillige Interpretationen, die jedoch nie ausführlich erklärt wurden oder interessierten Lesern zugänglich gemacht wurden. Auch hier muss man wieder bedenken, für den perfekten Zugang zu dem Werk in der altchinesischen Sprache sollte man mit großer Wahrscheinlichkeit die Sprache verstehen und bestens in der chinesischen Kultur bewandert sein. Genau wie bei der japanischen Literatur entfaltet sich der volle Sinngehalt nur, wenn man die Schriftzeichen lesen kann. Die symbolische Sprache verwandelt sich während man liest in Bilder und diese Bilder bieten noch ein wesentlich besseres Verständnis des Textes. Für diese zweisprachige neue Ausgabe vom Manesse Verlag war ein Mann mit beeindruckender Vita zuständig, der den Text übersetzt, interpretiert und kommentiert hat. Dr. Michael Hammes. Dieser ist gleichzeitig auch noch als Neurologe und Arzt für chinesische Medizin tätig. Ein Mann vom Fach. Doch wie liest sich seine Interpretation? Die liest sich einfach ausgezeichnet. Auch wenn ich das Buch noch immer nicht als eine gemütliche, entspannte Lektüre bezeichnen würde, hier hat der Übersetzer sein möglichstes getan, um diesen alten Text in eine moderne, deutsche Sprache umzuwandeln. Und das funktioniert. Und das funktioniert gar nicht mal auf Anhieb. Doch hier beruhigt Herr Hammes gleichzeitig auch und verweist darauf, dass man ein Gefühl für das Werk bekommen muss und die teils komplexen Wortspiele selbst in Bildersprache umsetzen muss. Es dauert eine Weile, doch dann bekommt man für die kurzen Passagen allmählich ein Gefühl und besonders ein Gefühl dafür, sich in diese Texte hineinversetzen zu können. Ein generelles Interesse für das Dao De Jing mitzubringen ist hier also unabdingbar.

Das Dao De Jing an sich ist ein relativ kurzer Text, der aus vielen kleinen Passagen, sogenannten "Eröffnungen", besteht. Diese Eröffnungen sind von unterschiedlicher Länge und unterscheiden sich thematisch stark voneinander. Die Texte bringen zwar allesamt eine gewisse Mystik mit sich und klingen teilweise sehr kryptisch, aber nach einer weile ist es faszinierend zu erkennen, wie sehr die kleinen Texte auch aus heutiger Sicht noch funktionieren. Und nein, ich rede hier nicht von irgendwelchen Weisheiten aus Glückskeksen oder dem Hokuspokus eines Horoskop von nächster Woche. Diese Texte haben auf mich, einen absoluten Laien was dieses Werk angeht, einen zeitlosen Eindruck gemacht. Es spielt dabei absolut keine Rolle, ob die Texte nun einer einzelnen Person zugeschrieben worden sind oder ob vielleicht mehrere chinesische Philosophen daran beteiligt waren. Die immer noch sehr geheimnisvolle Entstehungsgeschichte des Dao De Jing ist nicht minder interessant als die gesammelten Texte selbst.

Der Manesse Verlag liefert hier gewohnt gute Qualität ab und präsentiert wie immer das Buch auch optisch in einer schönen, kleinen Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Garniert ist die Ausgabe noch mit einem umfangreichen Register mit zahlreichen Erklärungen des Herausgebers.




Abschließende Gedanken

Das Dao De Jing von Lao Zi ist keine Unterhaltungsliteratur. Aber es ist ein interessantes Werk der klassischen Weltliteratur, was heute nicht weniger relevant ist als vor über 2000 Jahren. Ob man die Werte, die in diesem Text verankert sind, für sich verinnerlicht oder ob man einfach neugierig ist, jeder soll diese Texte so angehen, wie er es für richtig hält. Wenn ich aber trotzdem eine Empfehlung abgeben darf: Ich empfehle, das Buch zuerst mit den Erklärungen und Interpretationen von Dr. Michael Hammes zu lesen und anschließend die einzelnen Eröffnungen des Dao De Jing noch ein weiteres mal ohne Erklärungen und Interpretationen. Hier muss man nun nicht zusammenzucken, denn, wie bereits geschrieben, das eigentliche Werk ist verhältnismäßig kurz. Und dennoch steckt in dieser Kürze eine solche Wucht, dass man kaum glauben mag, es hier mit einer so alten Schrift zu tun zu haben. Zu verdanken hat man dies auch der modernen Übersetzung und Interpretation von Michael Hammes. Auf jeder Seite kann man die Passion und Hingabe für dieses Projekt aus jeder Zeile herauslesen. Da macht es große Freude, diese Zeilen als Leser aufrichtig zu verfolgen.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Einwurf: Abschließende Gedanken zum finalen "The Rise of Skywalker" Trailer




Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker - Finaler Trailer





So ziemlich alles, was mit der neunten Episode des kommenden Star Wars Abenteuers zu tun hat klingt endgültig. Und so ist es beim Abschluss der Saga rund um die Skywalkers nicht verwunderlich, dass noch im Oktober, rund zwei Monate bevor der Film offiziell startet, der finale Trailer veröffentlicht wurde.

Die Prämisse des Trailers könnte dabei kaum besser in Szene gesetzt sein. Eine durchgehend melancholische Stimmung die nach Abschied klingt. Bombastische Optik die exotische Planeten und Raumschiffe zeigt die sich für eine letzte Schlacht wappnen und ein Ausblick auf das personifizierte Böse: Imperator Palpatine. Doch anstelle eines Knalls verpuffte der Effekt irgendwie am Ende wie ein kleiner Feuerwerkskörper. Woran es nun wirklich lag, kann ich nur schwer erklären. Für mich hat Episode VIII zwar auch einen signifikanten Schaden angerichtet, den man, meiner Meinung nach, nicht mehr reparieren kann, aber dennoch stand ich Abrams letzter Star Wars Episode immer relativ neutral gegenüber. Natürlich war es von vornherein unmöglich gewesen, mit einem weiteren Film das auszubügeln, was der Vorgänger angerichtet hat. Die neuen Charaktere stagnierten und die alten, so beliebten Charaktere fanden kaum Erwähnung oder aber segneten das Zeitliche. Doch damit begann bereits Abrams in Episode VII.

Die geringe charakterliche Entwicklung sowie das fehlen ikonischer Charaktere stellt den neuen Trailer vor ein Problem: Ich habe zu diesen Figuren keinerlei Bezug. Sämtliches Potential, was in Episode VII aufgebaut wurde, verpuffte im letzten Film. Interessante Charaktere wie Poe wirken nur noch wie ein unbedeutender Statist während das Potential von Finn schon in Abrams erster Star Wars Episode erloschen ist. Noch viel schlimmer ist es, während ich diesen Text schreibe, habe ich einen anderen Tab für Google geöffnet, um die korrekte Schreibweise der neuen Charaktere nachzuschlagen. Von Rey will ich also eigentlich gar nicht erst anfangen. Egal ob J.J. Abrams oder Rian Johnson und vermutlich auch Produzentin Kathleen Kennedy; mit diesem Charakter schien nie jemand so wirklich zu wissen, was nun aus dem Schicksal dieser Frau wird. Auch hier gabs durchaus noch Potential da Rey per se kein schlechter Charakter ist. Die Möglichkeiten, mit dieser Figur etwas anzustellen waren durchaus gegeben. Im neuen Trailer wirkt aber auch Rey weiterhin wie ein unkontrollierbarer MacGuffin, der von Planet zu Planet gescheucht wird, um seine Bestimmung zu finden. Eine Bestimmung, die noch immer unweigerlich an einen weiteren, leeren Charakter geknüpft ist: Kylo Ren aka Ben Solo. Getreu dem Motto "Halte dir deine Freunde nah bei Dir, aber Deine Feinde noch näher" kämpfen sie Seite an Seite und doch gegeneinander vor dem tosenden Meer eines noch unbekannten Planeten.

In einer rührenden Rede signalisiert C3PO im Trailer noch einmal, wie endgültig diese finale Episode der Skywalker-Saga sein wird. Sowohl C3PO als auch R2D2 kommen in den letzten beiden Episoden auf eine unbedeutende Screentime. Hier appelliert der geschwätzige Droide noch einmal an die Freundschaft mit dem neuen Cast und deutet gleichzeitig sein wohl bevorstehendes Ableben an.
Wenn #KillThePast, dann so richtig. Aber die Vergangenheit zu töten ist unmöglich ohne vorher noch einmal den Nostalgie-Regler aufzudrehen. Im Trailer wirkt die Szene auf mich bisher unfreiwillig komisch und traurig zugleich. Zum einen, weil C3PO hier eine Rede schmettert die er genau so wenig verdient hat wie Tyrion Lannister in der letzten Folge von Game of Thrones. Zum einen finde ich es traurig, wie wenig mich diese Szene berührt. Wie ich schon geschrieben habe stand ich Episode IX bisher immer relativ neutral gegenüber. Bin nun aber unglaublich erstaunt, wie wenig mich auch nur irgendein Moment im Trailer wirklich erreicht hat. Noch nie habe ich aus dem Star Wars Universum etwas mit einer solch erdrückenden Gleichgültigkeit wahrgenommen wie hier.

Handwerklich haben wir es hier mit einem typischen Trailer von J.J. Abrams zu tun. Seine Spielereien sind bekannt und dennoch gibt es selbst für seine Verhältnisse unglaublich wenig Überraschungen in dem Trailer. Selbst Abrams klassisch vorhersehbare Überraschungen wie einen dramatischen Plot Twist anzudeuten, der in Wahrheit aber nur ein Traum oder die Vision eines Charakters ist, war hier nicht vorhanden. Stattdessen wurde auf überladene CGI-Effekte gesetzt die durchaus ihre Wirkung entfalten, aber halt auch nichts bahnbrechendes offenbaren, was mich auf diese finale Episode etwas neugieriger macht.
Am Ende bleibt eine Leere zurück, die durchaus mit den Charakteren vergleichbar ist. Dinge, die in dem Vorgänger etabliert wurden wie zum Beispiel alberne Charaktere wie DJ oder Casino-Planeten scheinen glücklicherweise in "The Rise of Skywalker" keinerlei Bedeutung zu finden. Aber all das reicht auch nicht wirklich aus, um mich hier abzuholen und auf eine epische Reise mitzunehmen. Die neue Trilogie wird enden, ohne Frage. Die Skywalker-Saga wird nach Jahrzehnten ein Ende finden. Viele Fans werden diesen Film herbeisehnen, viele werden sich bis die Haare grau werden über den Film und seine Vorgänger echauffieren und viele wiederum, und das ist das eigentlich traurige an der neuen Trilogie, vielen wird der Abschluss dieser monumentalen Saga schlicht und ergreifend mittlerweile völlig egal sein.