Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Samstag, 7. November 2026

Quentin Tarantino: Seine "Whole Bloody Affair" im Film-Ranking




Zur Feier des Heimkino-Release von "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" möchte ich mich einem Tarantino-Ranking widmen, bei dem ich die ganze Zeit der Meinung war, so etwas würde es auf "Am Meer ist es wärmer" schon geben. Aber nachdem ich das Archiv nun mehrmals durchgegangen bin, finde ich kein derartiges Ranking. Wenn ich es finden würde, wäre es aber interessant zu sehen, inwieweit sich mein aktuelles Ranking mit jenem von damals unterscheiden würde.

Nach dem verpassten Kino-Release ist es an diesem Wochenende auch bei mir endlich so weit, ich werde in aller Ruhe (hoffentlich) endlich The Whole Bloody Affair begutachten können. Die Filmfassung, die nie ein wirklicher Mythos war und dennoch unerreichbar erschien. Kurioserweise werde ich nicht mein 4K-Steelbook anrühren sondern, auch, wenn es nach purer Film-Blasphemie klingt, die VoD-Version von Apple TV vorziehen, die aufgrund der Natur des VoD-Mediums den Film nicht aufteilt wie die Blu-ray sondern an einem Stück zeigt (auch wenn es, fairerweise zu Gunsten der technisch bessere Blu-ray, eine Intermission gibt, die in allen Versionen dieses Cuts vorhanden ist). Somit komme ich der Originalintention dieses Werks noch ein bisschen näher.

Spontan hatte ich heute im stillen, ganz für mich, über ein Ranking des großen Zampano nachgedacht. Und das ist deutlich überraschender, als ich selbst erwartet hätte. Ich könnte Tarantinos Filme praktisch in 3 verschiedene Kategorien einordnen: Unanfechtbare Klassiker - Filme, die ich mir jederzeit wieder gerne anschauen würde und Filme, die ich vermutlich nicht mehr schauen werde.

Das Ranking sollte ursprünglich einen anderen Titel haben, aber "The Whole Bloody Affair" auf Tarantinos gesamte Filmografie ist wohl doch die wesentlich treffsicherere Überschrift.

Welche Filme es in welche Kategorie geschafft haben, folgt im jetzigen Special. Wie immer gilt: So ein Ranking ist eine rein subjektive Angelegenheit und repräsentiert keinen allgemeinen Geschmack. Es fehlt nach wie vor Tarantinos 10. und letzter Film. Filme wie True Romance, Natural Born Killers oder From Dusk Till Dawn fließen nicht in dieses Ranking mit ein, da Tarantino hier nicht als Regisseur am Werk war. Film ab!



9: Django Unchained (2012)















"Das D ist stumm". Ungefähr das ist auch meine bescheidene Reaktion auf Django Unchained bis heute. Prominent besetzt und bescherte Christoph Waltz seinen zweiten Oscar in der zweiten Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino als "Bester Nebendarsteller". Mit einem Budget von etwas über 100 Millionen Dollar gehört Django mitunter zu Tarantinos teuersten Produktionen, bei einem sensationellem weltweiten Einspielergebnis von fast einer halbe Milliarde Dollar aber eine absolute Goldgrube.
Wenn Kill Bill Vol. 2 ein moderner Spaghetti-Western war, war Django Unchained das komplette Gegenteil davon. Es war ein Rassendrama, verpackt als Satire und nur in den seltensten Momenten mal ein traditioneller Western. Häufig kam es mir jedoch so vor, als würden diese Ansätze sich zu sehr beißen. Brutale Mandingo-Kämpfe wechseln sich fließend ab mit sozialkritischen Untertönen und Momenten, die an eine Buddy-Komödie der Marke Spencer/Hill erinnern. Geschmückt mit bekannten Musikstücken von Ennio Morricone, die für diesen Film teilweise neu interpretiert wurden, wirkt der Film trotz all seiner Bemühungen viel mehr wie ein Abziehbild all derer Filme, die er gerne sein möchte. Django Unchained hat die Menschen in Scharen in die Kinos gebracht. Er muss also etwas haben, was ich vielleicht bis heute noch nicht so zu schätzen weiß. Die ganzen Filmklassiker-Referenzen, die Tarantinos Filme immer auszeichneten, wirkten hier seltsam aufgesetzt und wenig originell. Den unzähligen Litern Blut, die im Film vergossen werden, fehlt es an Impact, obwohl Django, hier gespielt von Jamie Foxx (und tatsächlich nur Tarantinos zweite Wahl, da für die Rolle Will Smith vorgesehen war), einen überzeugenden Antiheld spielt, der vielleicht am Ende etwas zu handzahm ist, um mit großen Vorbildern wie Franco Nero (der ebenfalls kurz im Film auftaucht) verglichen werden zu können.

Ich habe Django Unchained selbst nur dreimal gesehen und verspüre auch nicht den Reiz, dies in absehbarer Zeit nochmal zu tun. Ich will nicht automatisch so weit gehen, den Film als schlecht zu betiteln, aber es ist wohl einer der wenigen Filme in Tarantinos Portfolio, wo seine eigene Handschrift eher eine Bürde ist als eine Bereicherung für den Film.


8: Inglorious Basterds (2009)















Bei einem Budget von knapp 70 Millionen Dollar gegen ein Einspielergebnis von über 300 Millionen stand eines fest: Quentin Tarantino was back in Action. Nachdem nicht nur Death Proof sondern das gesamte Grindhouse-Projekt gefloppt war, kamen Zweifel auf, ob Tarantino vieleicht sein Pulver verschossen hätte - hat er nicht. Das hat er eindrucksvoll bewiesen. Inglorious Basterds muss ich vermutlich anders, im korrekten Kontext bewerten. Es ist ein Film, der für die große Leinwand gemacht ist. Fast schon arrogant und übermütig wirkt dieser Film auf der Kinoleinwand - und funktioniert. Er ist bildgewaltig, blutrünstig, witzig und voller markanter Charaktere. Leider ist der Film im Nachklang aber auch ein Werk, welches seinen Charme unglaublich schnell verspielt. Im Heimkino auf einem weniger imposanten Bildschirm wirkt das ganze Spektakel nicht nur kleiner, sondern auch weitaus weniger beeindruckend. Der Film ist langatmig, die Charaktere sind eher anstrengend als cool und markant und der Apfelstrudel sieht auch nicht mehr so lecker aus.

Genau wie bei Django Unchained bin ich mir nicht sicher, ob ich den Film in absehbarer Zeit nochmal schauen werden. Die Kino-Magie, die dieser Film einst auf mich wirkte, ist verflogen. Dennoch möchte ich den Inglorious Basterds auf keinen Fall absprechen, dass sie nicht auch unterhaltsam sein können. Der Film hat weltweit einen kulturellen Fußabdruck hinterlassen und bescherte Christoph Waltz in seiner Rolle als SS-Standartenführer Hans Landa einen Oscar. Bei der ersten Sichtung entfaltet Inglourious Basterds also seine Qualitäten. Bei der zweiten Sichtung bemerkt man aber bereits, dass dem Film nach einiger Zeit auch ganz schön die Puste ausgeht.


7: Death Proof (2007)






Death Proof dürfte für Tarantino ein Wendepunkt sein, der seine Karriere erstmals auf die Probe stellte. Zugegeben, nach einem Epos wie Kill Bill war es für Tarantino nicht leicht, etwas abzuliefern, was zeitgleich keine Wiederholung seiner bisherigen Filme war. Die Erwartungshaltung war enorm und als bekannt wurde, dass es erstmals nach From Dusk Till Dawn wieder eine ausgiebige Zusammenarbeit mit seinem guten Kumpel Robert Rodruguez geben würde, war die Vorfreude groß. In einem sogenannten "Grindhouse Double-Feature" wollten die beiden das alte Horror Indie-Kino wieder aufleben lassen. Eine lange Nacht mit zwei Filmen samt Fake-Trailern zu nicht existierenden Filmen (allesamt gedreht von namhaften Regisseuren) sollten diese magischen Zeiten noch einmal aufleben lassen. Rodriguez zelebrierte in Planet Terror den Bodyhorror während Taratino mit Death Proof eine Mixtur aus Slasher und Exploitation ablieferte. Ein Autoporno, mit anderen Worten. Am Ende stellte sich jedoch eines heraus: Rodriguez wurde nicht von Taratino getragen, sondern Planet Terror trug das gesamte Projekt. Selbst die Fake-Trailer trugen das Projekt noch mehr als Tarantinos Beitrag. Und dann war da halt Death Proof von Tarantino, dessen beste Szene ein Lap-Dance zu "Down in Mexico" war, der in der Grindhouse-Fassung nicht einmal komplett vorkam. Mit Stuntman Mike (großartig gespielt von Kurt Russell) erschuf Taratino eine Figur, die in Erinnerung bliebt und der Beruf des Stuntman noch einmal für einen anderen Film wichtig werden sollte.

Am Ende jedoch floppte das Grindhouse Double-Feature in den USA. Grund dafür war sicherlich nicht nur Death Proof. Es war die gewaltige Laufzeit des gesamten Projekts, die vor allem Kinobetreiber und am Ende auch Kinogänger abschreckte. Die Filme selbst gehörten eher in die Kategorie "Special Interest". Die Fake-Trailer waren es, die tatsächlich glänzen konnten. Letztendlich ist aus einem Machete (Robert Rodriguez) und Thanksgiving (Eli Roth) als Spielfilm in voller Laufzeit erschienen. Außerhalb der USA gab es fürs Kino überhaupt kein Grindhouse Double-Feature. Man ist sich schnell einig geworden, die Filme für den maximalen Gewinn einzeln in die Kinos zu bringen (und bei den Einzel-Veröffentlichungen hatte man Tarantinos Beitrag klar bevorteilt) und sie stattdessen mit mehr Laufzeit auszustatten. Ich erinnere mich selbst noch dran, mit einigen Freunden ein eigenständiges Double-Feature eines heimischen Kinos geschaut zu haben, wo zuerst Reservoir Dogs und anschließend Death Proof gezeigt wurde. Die Langfassung von Death Proof macht es einem nicht unbedingt leichter. Die zusätzlichen Szenen kommen eindeutig der Handlung entgegen, es gibt den Lap-Dance in voller Länge und ein paar coole neue Spielereien. Zeitgleich wird aber bereits ein langatmiger Film noch länger. Beide Fassungen haben sowohl ihre Stärken als auch Schwächen. Es gibt Tage, da ziehe ich eine von beiden vor und Tage, wo ich diesen Film niemals mehr sehen möchte.

Und dennoch ist Death Proof mein Soft-Spot bei diesem Ranking, würde er bei vielen anderen wohl auf dem letzten Platz landen. Es ist am Ende ein Nischenfilm, der vieles und wiederum nichts ist. Ein Film, den man weder schauen sollte, wenn man hellwach ist noch todmüde, sondern, wie der Film selbst, irgendwas dazwischen ist. Am besten berieselt man sich dabei mit einem etwas stärkeren Bier aus Belgien und wartet einfach ab, wie der Film sich entfaltet.

Über die Jahre fand er seine Fans und letztendlich ist das eingetreten, was man schon von Beginn an erwartet hat: Tarantino trägt das Filmprojekt während der deutlich unterhaltsamere Planet Terror nahezu in Vergessenheit geraten ist.


6: Once Upon a Time in Hollywood  (2019)














Wir sind im Ranking nun in der Kategorie an Filmen angekommen, die ich mir jederzeit immer anschauen würde. Es sind nicht die zeitlosen Klassiker, die noch kommen werden, aber allen voran eigenbrötlerische, höchst interessante Filme, in denen Tarantino besonders nach Django Unchained wieder mutig genug war, seine Spielereien in die Filme einzubauen, ohne, dass sie wie eine Last wirkten. Once Upon a Time in Hollywood ist genau so ein Projekt. Mit Cliff Booth (Brad Pitt) erschuf Tarantino nach Stuntman Mike aus Death Proof erneut einen Stuntman, der jedoch das Glück hatte, erfolgreich genug zu sein, um demnächst von David Fincher einen eigenen Film zu erhalten (ob das gut gehen wird, wird sich noch zeigen müssen. Bislang verspürte ich noch kein großes Verlangen danach, mir den Trailer anzusehen).

Once Upon a Time in Hollywood fungiert als Alternativwelt-Film, ähnlich wie Inglorious Basterds, wo die Magie des Films für Veränderungen sorgen kann und einen kleinen Teil der Geschichte Hollywoods neu schreibt. Es ist insgesamt ein höchst eigenwilliger, teils obskurer Film mit Filmreferenzen, die nur die wenigsten Zuschauer vielleicht vollends zu schätzen wissen. Eine Risikobereitschaft, die sich jedoch bei mir in der durchaus beachtlichen Lauflänge des Films auszahlte. Genau wie zu The Hateful 8 gibt es auch zu Once Upon a Time in Hollywood eine längere Fassung, die bisher nie nachträglich im Heimkino erschienen ist (zumindest nicht in Europa). Zeitgleich wagte sich hier Tarantino aber auch erstmals an eine Roman-Umsetzung des Stoffs, die sich sogar durchaus lesen lassen kann.

Neben großen Namen wie Brad Bitt und Leonardo DiCaprio und Margot Robbie, gab sich mit Al Pacino dann auch in einer kurzen Rolle ein echtes Hollywood-Urgestein die Ehre. Zeitgleich sind es aber auch die letzten großen Rollen von Matthew Perry und dem langjährigen Tarantino-Weggefährten Michael Madsen, die mittlerweile leider verstorben sind.

Wer ein bisschen Zeit mitbringt, der wird hier mit einem durch die Bank weg gelungenen Film belohnt, den man sicherlich noch mehrere Sichtungen gewähren wird.


5: The Hateful 8 (2015)















The Hateful 8 war exakt das, was ich nach Django Unchained gebraucht hatte. Ein Film, der vom gesamten Spektrum her wieder deutlich kleiner war und auf weniger Schauplätze setzte und mit einem Ensemble-Cast, der mit so einem Szenario gut zurechtkommt. Tarantino selbst nennt John Carpenters "The Thing" Remake hier als große Inspiration an (was auch unschwer zu erkennen ist). Doch genau so sehr steckt auch Sergio Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg" (Il Grande Silenzio) in The Hateful 8 und allen voran Tarantinos eigenes Spielfilmdebüt, Reservoir Dogs. Fast die gesamte Rahmenhandlung spielt sich an einem einzigen Schauplatz ab und befasst sich mit einem umfangreichen Mystery-Element, welches sich gelungen wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Mit Tim Roth und Michael Madsen kehren zwei wilde Hunde aus Reservoir Dogs in den Cast zurück und sowohl mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell und der herausragenden Jennifer Jason Leigh und Walton Goggins spielt der Film seine ganzen narrativen Stärken aus. Zusätzlich holte Tarantino mit Bruce Dern noch einen alten Haudegen aus der Versenkung, wie er es immer mal wieder tut.

Dabei stand der Release des Films einst auf der Kippe, da das ursprüngliche Drehbuch vorab im Netz gelandet ist. Tarantino wollte den Film begraben, entschied sich dann aber dazu, das Ende der Geschichte umzuschreiben, was sich als beste Entscheidung überhaupt erwiesen hat.

Zu The Hateful 8 (auch in der Schreibweise The Hateful Eight gängig) existiert ebenfalls eine sogenannte Roadshow-Version, die deutlich mehr Szenen bietet. Nach wie vor ist diese Fassung nicht gängig im Heimkino verfügbar. Die reguläre Fassung schmälert den Verlust jedoch nicht. The Hateful 8 ist ein Film, den ich mir jederzeit immer wieder anschauen würde.


4: Jackie Brown (1997)














Gefühlt ist es Quentin Tarantinos nahezu vergessenes Meisterwerk. Und seine bisher einzige Roman-Adaption. Jackie Brown ist Tarantinos unfassbar treue Umsetzung von Elmore Leonards (1925-2013) Rum Punch. Tarantino verlagerte die Story in ein anderes Jahrzehnt und baute Leonards weiße Heldin "Jackie Burke" in eine farbige Protagonistin um. Tarantino machte aus dem Krimi einen Blaxploitation-Streifen und holte für die Rolle der Jackie Brown mit Pam Grier eine Ikone aus eben diesem Genre zurück. Mit Robert Forster holte Tarantino ein weiteres Schauspiel-Urgestein zurück, welches nahezu in Vergessenheit geraten ist. Abgerundet wurde dies mit absolut gelungenen Darbietungen von Samuel L. Jackson, Robert De Niro und Bridgett Fonda sowie einem großartigen R&B, Soul und Funk Soundtrack.

Nachdem Pulp Fiction zu einem weltweiten Megahit wurde, war es nahezu unmöglich, dass Jackie Brown an diese Erfolge würde anknüpfen können. Diese äußerst gelungene Krimigeschichte im Blaxploitation-Genre trägt zwar unverkennbar Tarantinos Handschrift, aber filmisch gesehen ist es ein ganz anderes Erlebnis und war zeitgleich sein letzter Film, den er in den 90ern gedreht hat. Mittlerweile eher ein Geheimtipp, der bis heute jedoch nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.


3: Pulp Fiction (1994) 
















Es wird, ohne Frage, bis heute Tarantinos wohl bekanntester Film sein und es auch bleiben. Während viele Tarantino auf eben genau diesen Film reduzieren, so war dies für ihn immerzu die Herausforderung, dass danach kein Film mehr so wird wie Pulp Fiction. Das einzige, was Pulp Fiction für mich abhält höher in diesem Ranking zu stehen, ist einfach der Fakt, wie ausgenudelt das Konzept mittlerweile ist. Und dafür kann der Film selbst gar nichts. Aber wir alle kennen sie, die unzähligen Zitate die mittlerweile weltweites Kulturgut sind, ikonische Szenen die bis zum abwinken bereits gezeigt wurden, parodiert wurden und ihren Weg in ganz andere Filme fanden. Es ist schlicht und ergreifend ein Film, zu dem eigentlich nichts mehr gesagt oder geschrieben werden muss. Und dennoch möchte ich es nicht einfach bei diesem kurzen Absatz so stehen lassen. Pulp Fiction ist vielleicht gerade deshalb bei dem, was ich alles aufgezählt habe, heute vermutlich noch einmal relevanter als in den 90ern. Vieles, was das moderne Kino nachträglich vollbracht hat, geht auch auf die Errungenschaften von Pulp Fiction zurück. Exakt das macht diesen Film zu einem Fels in der Brandung, der vermutlich irgendwann zu einem der neuen Sieben Weltwunder gekrönt werden wird. Dennoch ist es Tarantino gelungen, dass dieser Film in meinem Ranking nicht als sein bester eingeht.


2: Kill Bill (2003/2004)















Tarantino sieht sein blutiges Racheepos bis heute als einen zusammenhängenden Film. Mit "The Whole Bloody Affair" gibt es nun endlich den Zusammenschnitt dieser beiden Einzelfilme, wie er es sich immer vorgestellt hat. Neu ist diese Fassung nicht einmal, da Tarantino sie schon einmal privat vor vielen Jahren einmal aufgeführt hatte, allerdings ohne die neue Anime-Sequenz, die ebenfalls nicht neu ist, sondern von dem japanischen Produktionsstudio Production I.G. angeblich schon vor langer Zeit fertiggestellt wurde. Doch manchmal ticken die Uhren halt langsamer und nun ist alles da, wo es hingehört.

Mit seinem dritten Spielfilm hatte Tarantino auch für mich zeitgleich den Höhepunkt seiner Filmkunst erreicht. Kill Bill ist nach Pulp Fiction mit großer Wahrscheinlichkeit Tarantinos bekanntester Film. Die Grundidee dabei ist so simpel, dass sie eigentlich hätte scheitern müssen. Ein Film, aufgeteilt in zwei Hälften, die verschiedener nicht sein könnten. Die eine Hälfte ist eine Hommage an die japanischen Revenge-Flicks der 70er Jahre, bluttriefend und mit viel Splatter. Der besondere Twist, das Gesicht des puren Bösen, Bill, nicht in der ersten Hälfte zu zeigen war ein Meisterstreich, der ebenso simpel war wie das Konzept hinter dem Film und genau so gut hätte schief gehen können. Die zweite Hälfte war ein moderner Italo-Western vermischt mit Elementen alter Kung-Fu und Wuxia-Filme. Der Grund, wieso Volume 2 vielleicht nie die verdiente Aufmerksamkeit erhalten hat wie Volume 1, liegt natürlich auch daran, wie stark diese erste Hälfte war. Dialoge, Splatter, Musik - eine Symphonie die hier pure Harmonie entstehen ließ. Volume 2 war jedoch der emotionale Höhepunkt, den diese Geschichte brauchte und Tarantino genau das tat, was er zuvor auch getan hatte: Sein eigenes Ding draus machen.

All das sorgt letztendlich dafür, dass Kill Bill sich nach wie vor als einer der frischesten Filme aus Hollywood auszeichnet, obwohl dieser ja auch schon über 23 Jahre alt ist. Bezeichnend für die moderne Filmlandschaft.


1: Reservoir Dogs (1992)















Es gibt vermutlich kaum irgendwelche Spielfilmdebüts, die so einprägsam sind wie Reservoir Dogs. Mit geringen Mitteln und der Hilfe von Harvey Keitel entstanden, ist Reservoir Dogs ein Gangsterfilm-Meilenstein, der mit simplen, fast schon minimalistischen Stilmitteln auskommt, um effektiv zu sein. Die Idee, den eigentlichen, schiefgelaufenen Bankraub nie zu zeigen (was man sicherlich auch dem Budget mit zu verdanken hat), lässt innerhalb des Films eine elektrische Hochspannung entstehen, der man sich nicht entziehen kann. Reservoir Dogs ist ein roher Film, der von einem gewissen Shock-Value lebt, ohne jemals zu sehr in explizite Gewaltorgien auszubrechen (auch wenn ich einige drastische Szenen dem Film natürlich nicht absprechen möchte).

Es ist nicht so, dass Quentin Tarantini direkt mit Reservoir Dogs seinen Zenit erreicht hätte. Es ist eher der Fakt, wie perfekt ungeschliffen dieser Film doch ist. Ich habe ihn unzählige male gefühlt bereits gesehen und entdecke nach jeder Sichtung nochmal neue Szenen für mich, die mir bei vorherigen Sichtungen nicht so aufgefallen sind. Reservoir Dogs hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination eingebüßt. So sieht für mich ein nahezu perfekter Film aus. Er stammt aus einer Schaffensphase von Tarantino, wo er das kleine Kino beherrschte wie kaum ein anderer. In diesem Sinne musste ich nicht lange überlegen, welcher Film am Ende mein Tarantino-Ranking anführen würde. Und vielleicht ist meine Liebe zu diesem Film ja der Grund dafür, dass ich Tarantinos Big-Budget-Produktionen wie Django Unchained bis heute so wenig abgewinnen kann.

Mittwoch, 16. September 2026

Rezension: Der stets verlorene Kampf (Michel Houellebecq)

 



Frankreich 2026

Der stets verlorene Kampf
Originaltitel: Combat toujours perdant
Autor: Michel Houellebecq
Übersetzer: Stephan Kleiner
Verlag: DuMont
Genre: Gedichte
Veröffentlichung: 15.09.2026 



"Nun liegen wir ausgestreckt auf dem unerbittlichen Boden,
Kalt wie eine Autopsie und flach wie ein Tisch,
Wir haben alle Mittel ausgeschöpft
Und hoffen nicht mehr auf Erbarmen oder Errettung,
Erdrückt vom Himmel, an dem die Geier kreisen,
Warten wir dennoch auf den undenkbaren Befreier"
(Auszug aus "Die alte Römerstraße")


Michel Houellebecq wurde besonders außerhalb seiner Heimat Frankreich, wo er nie so kritisch und kontrovers beäugt wurde wie im restlichen Teil Europas, als "Kind des Schreckens" der Literatur stigmatisiert. Vieles davon geht auf den Roman "Plattform" zurück, wo Sextourismus und explizite Sexszenen zwar ein zentrales Thema waren, aber der Roman deutlich mehr war als ein Literatur-Porno, zu dem er gerne fälschlicherweise degradiert wird. Auch mit seinem Roman "Unterwerfung" und damit verbundenen tragischen Ereignissen zu einer Zeit, als dieses Buch erschienen ist, wurde kontrovers über Houellebecq diskutiert. Er selbst äußerte sich in seinen seltenen Auftritten darüber immer relativ entspannt, dass seine Kritiker und Fans sich mehr oder weniger ihren eigenen Houellebecq bauen dürfen, er sich aber niemals verbiegen lässt. Michel Houellebecq schreibt über das, worüber er gerne schreiben möchte und erzählt die Geschichte, die er gerne erzählen möchte. Es ist ganz einfach und überraschend weniger kontrovers, wie der Autor Michel Houellebecq gerne dargestellt wird.

Ich lese ihn nun seit sehr vielen Jahren und ohne irgendwelche weiteren Zweifel gehört Michel Houellebecq für mich zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren, der sich in meinem persönlichen Rankings zu Namen wie Haruki Murakami und Karl Ove Knausgård gesellt (und irgendwo dazwischen noch Heinz Strunk). Dass diese Art von Literatur heutzutage vielleicht noch mehr aneckt und vermutlich gerne sogar bissig entgegengenommen wird, überrascht mich als Freund der Weltliteratur jedoch nicht. Diese Autoren sind wichtige Stimmen für unsere Gegenwart. Wenn sie das ohne kritische Gegenstimmen alles so auf das Papier bringen würden, würden sie ihren Beruf wohl nicht korrekt ausüben.

In "Der stets verlorene Kampf" widmet sich Michel Houellebecq der kompakten Literatur - Gedichte und kleinere Texte, 38 an der Zahl und verteilt auf etwas über 100 Seiten. Und ganz selten hatte ein Buch in so kurzer Form schon einmal so viel zu erzählen wie eben dieser Gedichtband. Die Texte sind allgemein von einer ungeheuren Bildsprache umgeben, geziert von Metaphern und Allegorien. Sie haben einen surrealen Touch und nehmen gerne mal Ansätze von kosmischen Horror an ("Und die Herzbeutel lösten sich auf und entblößten den Kern des unbekannten Wesens. Des zentralen, paradiesischen Wesens." Auszug aus "In einem orientierungslosen Land). Letzteres ist gar keine so große Überraschung, gilt H.P. Lovecraft als eine große Inspiration für Houellebecq, wieso er mit dem schreiben angefangen hat ("Gegen die Welt, gegen das Leben."). Doch immer versteckt sich in diesen kurzen Gedichten, in dieser Ausgabe zweisprachig abgedruckt (auf der linken Seite das französische Original, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung), auch unsere Gegenwart. Unsere Sorgen, Ängste und ganz alltägliche Gedanken.


"Wir legen uns ans Ufer des Flusses,
Verloren in nutzlosen Träumen,
Und warten darauf, dass der Tod herabregnet
Wir suchen nach ein paar Sinnesfreuden
Und warten auf die Gegenprobe"
(Auszug aus "Verloren in nutzlosen Träumen")


Man könnte meinen, die Texte seien pessimistische Alltagsbeobachtungen. Und man würde mit der Behauptung nicht einmal falsch liegen. Pessimistische Beobachtungen in einer pessimistischen Welt und Houellebecq als unheilvoller Überbringer dieser Beobachtungen. Damit wird er ja dann auch irgendwie wieder seinem Stigma gerecht und beschenkt wieder gleichermaßen Kritiker und Fans.

Doch das Buch besteht nicht ausschließlich aus Gedichten. Houellebecq berichtet in einem Abschnitt auf seine typisch trocken humoristische Art über die Schönrederei von Immobilienmaklern. Hier wird wieder enorm deutlich, mit wie viel Sarkasmus der Autor unter anderem auch an solche Texte herangeht.


"Der stets verlorene Kampf" ist allen voran für Kenner von Michel Houellebecq eine wundervolle Sammlung wundersamer Texte, die man lesen und immer wieder lesen kann, ohne sie jedoch komplett entschlüsseln zu können. Eine Art, die er nach wie vor wie kaum ein anderer beherrscht. Houellebecq sagt viel und doch so wenig. Egal ob das nun lange Romane oder kurze Gedichte sind. Die Texte spiegeln wie immer auch Houellebecq selbst wider. Ein Mann weniger Worte, nicht leicht zu durchschauen und vermutlich ist er dennoch amüsiert über uns alle, was wir in seine Texte so hineininterpretieren. Es sei ihm allemal vergönnt.


Rezension: Aufziehvogel

Samstag, 22. August 2026

Einwurf: 60 Jahre Star Trek - Noch nicht tot, aber auch nicht mehr sehr lebendig, Jim

 



Es gibt nur wenige Franchises, die so oft gestorben und wieder zurückgekehrt sind wie Star Trek. Der einstige TV-Flop aus den 60ern entwickelte sich zu einer massiven Marke. Star Trek ist eines der 3 großen Science-Fiction "S" (Star Trek, Star Wars, Stargate) in der Serien- und Filmlandschaft. Das von Gene Roddenberry geschaffene philosophische Science-Fiction Universum feiert im September mal wieder einen runden Geburtstag. 60 Jahre werden es sein. 60 Jahre voller Höhen und Tiefen. Es war eine der aller ersten Nerd-Culture-Serien überhaupt, etliche Jahre, bevor Star Wars das Licht der Welt erblickte. Star Trek war nicht als Erfolg geboren und ist deutlich mehr ein TV-Franchise als ein Kino-Franchise, aber genau genommen kann Star Trek alles sein. Wie man in der heutigen Zeit weiß, Star Trek kann sogar Harry Potter sein. Wieso ich aber glaube, dass Star Trek an einem Punkt angekommen ist, wo man es vielleicht nicht mehr ins Leben zurückholen kann, möchte ich erklären. Oder besser, eigentlich habe ich das schon erklärt. Star Trek ist so vieles in der heutigen Zeit, aber eben nicht mehr Star Trek. Die Situation ist ähnlich wie bei Star Wars, hat es Star Wars aber immer mal wieder zuletzt geschafft, noch den ein oder anderen Hit raus zu hauen. Doch in einer Identitätskrise steckt auch Star Wars, nicht zuletzt wenn man sich hochgelobte Serien wie Andor anschaut, die sich deutlich mehr nach Star Trek anfühlen als nach Star Wars. Es fühlt sich fast schon nach Galgenhumor an, wenn man diese großen Universen sieht, die anscheinend in unserem eigenen Universum keinen Platz mehr zu finden scheinen, weil die Verantwortlichen hinter diesen Marken nicht wissen, wie sie funktionieren und was sie einst zum Kult machten.

Bei Star Trek hat dies ganz besonders drastische Folgen. Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, welches damals aber funktionierte: Regisseur J.J. Abrams und Writer Alex Kurtzman brachten 2009 Star Trek als massives Big Budget Reboot zurück auf die Kinoleinwand und erschufen zeitgleich die neue Kelvin-Timeline (bei Star Trek wird heutzutage zwischen der Prime- und Kelvin-Timeline unterschieden). Bis heute gilt die Reboot-Trilogie bei Fans der ersten Stunde zwar als kontrovers, allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Filme dem Star Trek Franchise einen enormen Boost verpasst haben. Es wurde nicht nur Interesse für die neuen Filme generiert, auch die alten Serien und Filme erlebten eine Renaissance und bekamen von Paramount über die vergangenen Jahre auch wieder einiges an Beachtung in Form von aufwändigen Remasters und Director's Cut Fassungen spendiert. Ironischerweise sind weder Abrams noch Kurtzman glühende Star Trek Fans. Doch für dieses Reboot-Projekt funktionierte diese Mischung, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Fans warfen (und werfen noch immer) der Reboot-Trilogie vor, dass vom eigentlichem Star Trek Spirit und der Grundidee von Gene Roddenberry nicht mehr viel übrig geblieben sei. Dies kann man nahezu komplett unterstreichen, sind die Filme als Sci-Fi Action-Blockbuster konzipiert in denen nicht mehr viel Raum für Philosophie und Weltraum-Diplomatie besteht. Dennoch haben die Filme einen Nerv getroffen und eine gesamte Generation an neuen Trekkies geformt.

Rund 17 Jahre nach dem Star Trek Reboot ist von der einstigen Aufbruchstimmung nicht mehr viel zu spüren. Star Trek Anhänger bezeichnen diese nun schon lange andauernde Ära als "Kurtzman-Trek", wenn es darum geht, das moderne Star Trek zu beschreiben. Während Abrams zu Star Wars wechselte und mittlerweile auch in den unendlichen Weiten der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, gilt Kurtzman als großer Franchise-Runner für Star Trek. Mehr oder weniger das männliche Pendant zu Kathleen Kennedy und Star Trek oder das Äquivalent zu Kevin Feige (ein sehr großer Star Trek Fan) bei Marvel. Was in der sogenannten Kurtzman-Era folgte waren, und da sind sie wieder, ein paar Höhen, aber umso mehr Tiefen. Star Trek in die moderne Gesellschaft zu verfrachten, da müsste man doch gar nicht viel für tun, oder? Immerhin war Star Trek schon immer "aufgeweckt". Star Trek hat immer brandaktuelle Themen angefasst und sie in eine Science-Fiction Hülle gesteckt, eine Allegorie aus dem aktuellen Weltgeschehen geformt. All das ist jedoch Kurtzman nie gelungen. Seine Ideen haben relativ wenig mit Star Trek per se zu tun. Stattdessen möchte er, wie er es selbst einmal sagte, Star Trek als eine Art Katalysator benutzen, um Star Trek mit vielen modernen Ideen zu verknüpfen. Unter dieser Devise sind Serien wie Discovery, Picard und Strange New Worlds (als Beispiel) entstanden. Shows, auch entworfen für den noch immer halbwegs neuen Paramount+ Streaming-Dienst. Wo Star Trek jedoch eine viel geringere Rolle spielt, als angenommen.

Das Problem ist hier eindeutig zu erkennen. Immer wieder schaffte es Star Trek, von den Toten aufzuerstehen. Denn immer wieder erschien etwas neues, was so relevant war, dass Star Trek wieder eine neue Generation an Fans fand. In den frühen 90ern war das The Next Generation, in den 00er Jahren dann das Reboot. Doch aktuell ist nichts am Horizont, worauf jüngere Zuschauer aufblicken können. Strange New Worlds hält sich ganz wacker, umfasst aber eher The Best and Worst of modern Star Trek zeitgleich. Mit der bereits abgesetzten Serie Starfleed Academy (eine zweite bereits abgedrehte Staffel erscheint noch) musste Kurtzman eine heftige Schlappe hinnehmen, vielleicht eine noch größere als mit dem ziemlich entgleisten Discovery Spin-Off Section 31, welches wohl eine erwartbare Katastrophe war, da das Projekt (einstmals als Serie geplant), zahlreiche Schwierigkeiten in der Produktion hatte.

Ähnliche kreative Probleme hatte auch Star Trek: Picard. Eine klare kreative Richtung war trotz ikonischer Charaktere in 2 Staffeln nicht zu erkennen, obwohl Staffel 1 noch deutlich besser als ihr Ruf ist. Doch zu häufig setzte Patrick Stewart seinen eigenen Kopf durch und sowohl Alex Kurtzman als auch Akiva Goldsman als Showrunner hatten kaum eine Ahnung davon, wie man das Erbe von The Next Generation richtig handhabt. So entstand eine völlig langweilige, belanglose zweite Staffel bevor man gefühlt alles nochmal überdachte um mit Staffel 3 wieder ein Star Trek zu erschaffen, welches seines Namen würdig war (und zudem den Luxus, den die neuen Star Wars Filme nie hatten, die alte Gang nochmal zu vereinen). Zu verdanken war dies unter anderem Writer Terry Matalas, der eine deutlich größere Rolle in Staffel 3 einnahm. Picard wurde alleine durch die Existent Von Staffel 3 vor einer Komplettentgleisung bewahrt. Darauf hätte man durchaus aufbauen können, besonders, da man sich bewusst am Ende von Staffel 3 Räume für eine Fortsetzung mit neuen, frischen Figuren offen gelassen hat. Doch wie so vieles bei Kurtzman als Franchise-Runner wollte man weniger auf Kontinuität setzen als viel mehr neue Ideen erforschen.

Kurz vor dem 60. Jubiläum von Star Trek scheint Paramount/Skydance selbst resigniert zu haben. Sämtliche neuen Projekte sind größtenteils gefloppt. Alte Fans haben neuen Projekten unlängst den Rücken gekehrt und neue Fans erreicht das Franchise derzeit nicht. Eine Generalüberholung in Sachen Führungskräfte ist hier seit vielen Jahren nötig. Prominente Fans wie Roger Avery (Pulp Fiction) warnen seit vielen Jahren und boten ihre Hilfe an, nicht, um den eigenen Namen ins Spiel zu bringen, sondern um einem geliebten Franchise wieder auf die Beine zu helfen.

Wie gut Star Trek noch funktionieren kann, zeigte jedoch ein exotisches Kurzfilmprojekt aus dem Jahr 2024. In offizieller Zusammenarbeit mit dem Roddenberry Archive und dem Special-Effects Studio OTOY sind zwischen 2022-2024 insgesamt 4 Kurzfilme erschienen, die sowohl die Prime- als auch die Kelvin-Timeline respektieren. Den ultimativen Höhepunkt fand das Projekt im November 2024, als der rund 11 Minuten lange (Nettolaufzeit rund 8 Minuten) Kurzfilm 765874 – Unification erschienen ist. Über den möchte ich hier gar nicht viele Worte verlieren, denn der Kurzfilm schafft es, ohne viele Worte, eine herausragende Geschichte zu erzählen. Mit rund 38 Millionen Aufrufe generierte Unification alleine auf YouTube mehr Aufrufe als sämtliche Projekte der vergangenen Jahre.

Die besagten Kurzfilme können allesamt kostenfrei auf dem offiziellen OTOY YouTube-Kanal geschaut werden: Link führt zu YouTube


Star Trek könnte mit berüchtigter Liebe, Zuneigung und Hingabe erneut von den Toten auferstehen. Doch ich habe die Befürchtung, dass zu viele kulturelle Hürden mittlerweile dazwischen liegen, Star Trek noch einmal in die Relevanz zurückzuführen. Star Trek war einmal eine Einheit. Heutzutage ist das Franchise in Händen von Showrunnern, die wenig Bezug zum Franchise haben und ihr eigenes Ding daraus machen wollen. Ein Problem, mit dem natürlich auch Star Wars und Mittelerde zu kämpfen haben. Vielleicht ist es auch gar nicht schlimm, wenn Star Trek kein großes Comeback mehr startet sondern viel mehr als Vermächtnis bestehen bleibt, zu welchen Größen dieses gewaltige Universum einmal fähig war. Schade wäre nur, dass die vielen jüngeren Generationen somit verpassen würden, zu welchen Größen dieses gewaltige Universum einmal fähig war.



Verfasst von: Aufziehvogel

Samstag, 4. Juli 2026

Rezension: Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung (Sawako Natori)

 




Japan

Band 2 der Freitagsbuchhandlung

Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung
Autorin: Sawako Natori
Übersetzerin: Charlotte Scheurer
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 29.05.2026
Genre: Healing Fiction, Cozy Literature


"Über uns explodierte weiter das Feuerwerk. Jetzt, ausgerechnet jetzt, stiegen die Raketen pausenlos nach oben und blühten am Himmel auf. Sie waren alle so schön, dass ich hätte weinen können. Ich dachte an die weißen Nächte, die ich noch nie gesehen hatte, in fernen Ländern, in denen ich noch nie gewesen war. Eine Zeile aus "Knütt findet einen Freund" kam mir dabei direkt in den Sinn: >>Plötzlich fühlte er sich mutig, stark und froh, so sehr, dass er ein kaltes, aber glückliches Band im Mondschein nahm.<< Ich konnte den Wunsch nicht unterdrücken, dass mir genau wie Knütt die Welt neu leuchten würde."

In Japan und Südkorea seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken, hat das Literatur-Untergenre "Healing Fiction" auch unlängst in Deutschland Einzug gehalten. Nicht nur in Deutschland, Autoren und Autorinnen aus aller Welt versuchen sich am Genre. Die Popularität und die Nachfrage ist ist leicht zu erklären - wir leben in stressigen, turbulenten Zeiten. Literatur als Rückzugsort funktionierte schon immer, doch was, wenn wir diesem Rückzugsort zu etwas manifestieren, ein Ort, der unscheinbar wirkt, nicht auf Anhieb zu finden ist und dennoch jeden Willkommen heißt? Ein kleines Café, eine Bar oder..... eine Buchhandlung. Tatsächlich kann man all das genannte nun auch nach Belieben miteinander kombinieren. Die Zutatenliste ist einfach, doch daraus ein ansprechendes literarisches Gericht zu kreieren ist wie immer keine leichte Aufgabe.

Mit der vierteiligen "Freitagsbuchhandlung" der japanischen Autorin Sawako Natori, begleitet uns die gemütliche Buchhandlung mit ihren vielen Geschichten durch die Jahreszeiten. Hierbei muss angemerkt werden, ich bespreche hier bereits Band 2 der Reihe. Band 1 hört auf den Titel "Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung" und ist bereits vor einigen Monaten erschienen. Die Romane werden direkt aus dem Japanischen von Charlotte Scheurer übersetzt.

Da ich selbst in turbulenten und stressigen Zeiten lebe, hatte ich mir bereits vor einiger Zeit eine kleine Liste mit Titeln aus dem Genre zusammengestellt. "Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" war ein Titel, der aufgrund seines aktuellen Erscheinungsdatums mein Interesse weckte. Dass ich hier direkt mit Band 2 anfange, war mir anfangs noch nicht bewusst (eine Anmerkung gibt es aber auf der Rückseite des Buches), anhand der abgebildeten Jahreszeiten kann man sich dies aber denken. Meine Sorge, dass ich hier vielleicht den Anschluss verpasse, war jedoch unbegründet. Die Geschichten stehen für sich selbst und die Autorin schafft es, beinahe beiläufig die Hintergründe der Figuren, die man schon aus dem ersten Band kennt, den Lesern näher zu bringen.

Im Fokus der Geschichte steht der Ich-Erzähler Fumiya, der als Mitarbeiter der Freitagsbuchhandlung seinen Alltag mit den Lesern teilt. In diesem zweiten Band hat er sich mit der etwas eigensinnigen Art der Buchhandlung und seinen nicht minder eigensinnige Inhabern bereits akklimatisiert. Zu den Inhabern der Buchhandlung gehören Makino, Yasu und Sugawa, allesamt alte Klassenkameraden, die in ihrer Schulzeit den Freitagsleseclub gründeten. Fumiya beneidet das eingespielte Trio um ihre vielen gemeinsamen Erinnerungen und möchte mehr über die Anfänge der Buchhandlung erfahren. Als an einem heißen Sommertag eine Schülerin aus dem angrenzendem Gymnasium die Buchhandlung betritt, könnte Fumiyas Wunsch, mehr über das Trio zu erfahren, sich bald erfüllen.

Das besondere an der Struktur von "Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" sind die an und für sich ineinander abgeschlossenen Geschichten. Jedes neue Kapitel baut auf der Handlung des vorherigen zwar auf und bringt die Reise der Charaktere voran, erzählt aber konstant eine neue Rahmenhandlung. Dies macht das Buch zum optimalen Begleiter für kürzere Lese-Sessions.

Der Schreibstil von Sawako Natori ist eingängig und gar beruhigend. Die Autorin verschwendet keine Zeit für langwierige Einführungen und zieht die Leser direkt in die Geschichte. Hintergründe und Beziehungen entfalten sich auf ganz natürliche Art. Man kann sich als Leser entspannt zurücklehnen und sich hier berieseln lassen. Die gesamte Crew wirkt nahbar wie liebenswert und mit dem unverkennbaren Stil der japanischen Literatur fühlt man sich schnell heimisch. Abgerundet wird das ganze von einer absolut flüssigen, gut lesbaren Übersetzung von Charlotte Scheurer.



Abschließende Gedanken

"Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" ist ein wundervolles Kleinod der Literatur. Ein Rückzugsort für alle, die gerne in einen anderen Alltag flüchten wollen. Literatur kann besänftigen, trösten und die Energie aufladen. Hierbei handelt es sich um Literatur über Literatur. Der Stellenwert von Büchern in unserer Gesellschaft. Kleine Buchhandlungen sterben immer mehr aus - Orte, an denen wir uns heimisch fühlen und über das reden können, was wir so lieben. Sawako Natori schreibt hier über etwas so alltägliches, was aber schon seit einer längeren Zeit gar nicht mehr so alltäglich ist. Es liegt wie immer an uns, ob das, worüber die Autorin hier schreibt, bald vielleicht ein Relikt aus der Vergangenheit sein wird.

Ich freue mich bereits auf den kommenden dritten Band, der bereits am 31.07.2026 erscheint und auf den Titel "Blätterrascheln in der Freitagsbuchhandlung" hört (alle 4 Bücher nebeneinandergestellt ergeben übrigens ein schönes Muster). Hier steht der Herbst im Fokus, eine wunderschöne Jahreszeit, die gefühlt schon länger ein Relikt der Vergangenheit ist.



Besprochen von: Aufziehvogel

Dienstag, 30. Juni 2026

Einwurf: Hacker wollen eure Accounts - Die Betreiber wollen nur eure Einkäufe

 



Das digitale Zeitalter hat längst auch bei Filmen und Serien Einzug gehalten. Nicht erst seit gestern, sondern es ist ein Trend, der sich schon seit vielen Jahren zeigt. Die meisten werden hier vermutlich direkt an Streaming-Anbieter mit Abo-Modellen denken wie Netflix, Disney+ oder Apple TV (und unzählige andere Anbieter, die hier nun nicht aufgezählt werden). Doch Filme und Serien kann man nicht nur während eines Abo-Models streamen, sondern man kann sie auf diversen digitalen Plattformen verschiedenster Betreiber auch ausleihen und, für diesen Artikel sehr wichtig, zu einem Vollpreis kaufen.

Die Debatte über die sogenannte "Digital Ownership" besteht seit vielen Jahren und ist genau so alt mittlerweile wie der digitale Erwerb von Medien sämtlicher Art. Was steht dem Käufer einer digitalen Lizenz zu? Geht es nach den Betreibern von digitalen Marktplätzen und den Eigentümer der angebotenen Lizenzen, nicht viel. Dass man digitale Medien wie Filme und Videospiele bereits auf Endgeräten herunterladen kann, ist für viele Publisher und Studios eine heikle Angelegenheit. Für die großen Studios ist eines klar: Die volle Kontrolle über ihr geistiges Eigentum. Der Konsument steht am Ende der Nahrungskette.

Dass wir uns im Jahr 2026 aber noch damit befassen müssen, dass Betreiber den vollen Zugriff darauf haben, sich an erworbenen Titeln aus digitalen Bibliotheken der Nutzer zu vergreifen, ist eigentlich ein starkes Stück. Während viele Betreiber sich nach wie vor hüten und so etwas nur in Ausnahmefällen zu tun, geht Sony einmal mehr mit voller Härte gegen seine zahlenden Kunden vor. Erwischt hat es dabei erneut Käufe auf PlayStation Endgeräten, die, in diesem Falle, hauptsächlich mit auslaufenden Verträgen zwischen Sony und dem Filmlabel Studio Canal zu tun haben. In einer nüchternen wie unbeeindruckten E-Mail werden Käufer informiert, dass zum 01.09 zahlreiche Katalogtitel von Studio Canal entfernt werden - betroffen sind auch erworbene Titel, die sich in den Bibliotheken der Nutzer befinden. Hat man bei Videospielen, die aus den digitalen Stores entfernt werden, weiterhin die Gelegenheit, als Käufer jederzeit auf die Titel zuzugreifen, sieht es in diesen Fällen hier düster aus. Die betroffenen Filme und Serien werden ersatzlos aus dem Programm genommen, Nutzer erhalten keine Entschädigung und müssen mit der Entscheidung von Sony leben.

Aktuell betrifft dieser drastische Einschnitt Nutzer aus Großbritannien. Wenig verwunderlich, denn immerhin gab es diese digitale Säuberungsaktion bereits 2022 in Deutschland und Österreich - Sony kam damals noch ohne viel Gegenwind davon. Doch da der Trend zu digitalen Produkten immer beliebter und vielzähliger wird, ist diese Meldung medial diesmal, 4 Jahre später, deutlich stärker vertreten.

Für aufrichtige Kunden ein Schlag ins Gesicht. Inwieweit das ganze nachträgliche Folgen mit sich ziehen wird, ist aktuell nicht ersichtlich. Sony bzw. allgemein Plattformbetreiber von Spielekonsolen rudern in ihren Entscheidungen gerne mal zurück. Doch selbst wenn Sony die Rolle rückwärts machen sollte in dieser Angelegenheit, der Schaden ist nicht mehr umkehrbar. Solche digitalen Säuberungsaktionen innerhalb der Bibliotheken der zahlenden Kundschaft kommen nicht gut an.

EU-Richtlinien zur Rückgabe digitaler Titel sowie einer Absicherung für Nutzer, dauerhaften Zugriff auf ihre erworbenen Titel zu haben, sind schwammig. Erst kürzlich scheiterte die Initiative "Stop Killing Games" vor der EU. Ein herber Rückschlag rund um das Thema "Digital Ownership" und ein temporärer Sieg für Plattformhalter und Publisher. Die EU plane derzeit keine speziellen Änderungen der Gesetzeslage, nehme das Anliegen aber ernst und zur Kenntnis. Man wolle sich mehr mit den Lizenzgebern austauschen und nach besseren Lösungen suchen. Mit anderen Worten: Ein Luftloch, nichts weiter. Besonders die so empfindliche EU mit ihren unzähligen kleinlichen Gesetzeserlassen, die der Umwelt und den Verbrauchern zugute kommen sollen, schiebt hier einen Riegel vor. Wie lange das noch der Fall ist, besonders im Hinblick dessen, dass der digitale Trend wohl kaum in absehbarer Zeit nachlassen wird, ist es schwer vorstellbar, dass die aktuelle Lage der Dauerzustand bleibt. Doch es deutet aktuell auch nichts darauf hin, dass sich im Thema "Digital Ownership" irgendwas positiv für die zahlenden Konsumenten verändern wird.

"Play has no Limits" - Dieser ikonische PlayStation-Banner ziert diese traurige E-Mail. Man könnte meinen, man betreibt hier Galgenhumor mit den zahlenden Kunden.

Was aktuell bleibt: Was du digital für dein Geld erwirbst, kann dir der Eigentümer jederzeit wieder wegnehmen. Hacker wollen dir deinen Account wegnehmen - Die Betreiber haben nur Interesse an einzelnen Inhalten, die ihr für euer hart verdientes Geld erworben habt. Also guckt euch eure Filme und Serien lieber schnell an, bevor die Plattformhalter sie aus euren digitalen Bibliotheken entfernen. Oder, vielleicht auch keine schlechte Idee: DVD's und Blu-rays weilen, mag mag es kaum glauben, immer noch unter uns.



Artikel: Aufziehvogel