Es gibt nur wenige Franchises, die so oft gestorben und wieder zurückgekehrt sind wie Star Trek. Der einstige TV-Flop aus den 60ern entwickelte sich zu einer massiven Marke. Star Trek ist eines der 3 großen Science-Fiction "S" (Star Trek, Star Wars, Stargate) in der Serien- und Filmlandschaft. Das von Gene Roddenberry geschaffene philosophische Science-Fiction Universum feiert im September mal wieder einen runden Geburtstag. 60 Jahre werden es sein. 60 Jahre voller Höhen und Tiefen. Es war eine der aller ersten Nerd-Culture-Serien überhaupt, etliche Jahre, bevor Star Wars das Licht der Welt erblickte. Star Trek war nicht als Erfolg geboren und ist deutlich mehr ein TV-Franchise als ein Kino-Franchise, aber genau genommen kann Star Trek alles sein. Wie man in der heutigen Zeit weiß, Star Trek kann sogar Harry Potter sein. Wieso ich aber glaube, dass Star Trek an einem Punkt angekommen ist, wo man es vielleicht nicht mehr ins Leben zurückholen kann, möchte ich erklären. Oder besser, eigentlich habe ich das schon erklärt. Star Trek ist so vieles in der heutigen Zeit, aber eben nicht mehr Star Trek. Die Situation ist ähnlich wie bei Star Wars, hat es Star Wars aber immer mal wieder zuletzt geschafft, noch den ein oder anderen Hit raus zu hauen. Doch in einer Identitätskrise steckt auch Star Wars, nicht zuletzt wenn man sich hochgelobte Serien wie Andor anschaut, die sich deutlich mehr nach Star Trek anfühlen als nach Star Wars. Es fühlt sich fast schon nach Galgenhumor an, wenn man diese großen Universen sieht, die anscheinend in unserem eigenen Universum keinen Platz mehr zu finden scheinen, weil die Verantwortlichen hinter diesen Marken nicht wissen, wie sie funktionieren und was sie einst zum Kult machten.
Bei Star Trek hat dies ganz besonders drastische Folgen. Nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, welches damals aber funktionierte: Regisseur J.J. Abrams und Writer Alex Kurtzman brachten 2009 Star Trek als massives Big Budget Reboot zurück auf die Kinoleinwand und erschufen zeitgleich die neue Kelvin-Timeline (bei Star Trek wird heutzutage zwischen der Prime- und Kelvin-Timeline unterschieden). Bis heute gilt die Reboot-Trilogie bei Fans der ersten Stunde zwar als kontrovers, allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Filme dem Star Trek Franchise einen enormen Boost verpasst haben. Es wurde nicht nur Interesse für die neuen Filme generiert, auch die alten Serien und Filme erlebten eine Renaissance und bekamen von Paramount über die vergangenen Jahre auch wieder einiges an Beachtung in Form von aufwändigen Remasters und Director's Cut Fassungen spendiert. Ironischerweise sind weder Abrams noch Kurtzman glühende Star Trek Fans. Doch für dieses Reboot-Projekt funktionierte diese Mischung, wenn auch nur für eine kurze Zeit. Fans warfen (und werfen noch immer) der Reboot-Trilogie vor, dass vom eigentlichem Star Trek Spirit und der Grundidee von Gene Roddenberry nicht mehr viel übrig geblieben sei. Dies kann man nahezu komplett unterstreichen, sind die Filme als Sci-Fi Action-Blockbuster konzipiert in denen nicht mehr viel Raum für Philosophie und Weltraum-Diplomatie besteht. Dennoch haben die Filme einen Nerv getroffen und eine gesamte Generation an neuen Trekkies geformt.
Rund 17 Jahre nach dem Star Trek Reboot ist von der einstigen Aufbruchstimmung nicht mehr viel zu spüren. Star Trek Anhänger bezeichnen diese nun schon lange andauernde Ära als "Kurtzman-Trek", wenn es darum geht, das moderne Star Trek zu beschreiben. Während Abrams zu Star Wars wechselte und mittlerweile auch in den unendlichen Weiten der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist, gilt Kurtzman als großer Franchise-Runner für Star Trek. Mehr oder weniger das männliche Pendant zu Kathleen Kennedy und Star Trek oder das Äquivalent zu Kevin Feige (ein sehr großer Star Trek Fan) bei Marvel. Was in der sogenannten Kurtzman-Era folgte waren, und da sind sie wieder, ein paar Höhen, aber umso mehr Tiefen. Star Trek in die moderne Gesellschaft zu verfrachten, da müsste man doch gar nicht viel für tun, oder? Immerhin war Star Trek schon immer "aufgeweckt". Star Trek hat immer brandaktuelle Themen angefasst und sie in eine Science-Fiction Hülle gesteckt, eine Allegorie aus dem aktuellen Weltgeschehen geformt. All das ist jedoch Kurtzman nie gelungen. Seine Ideen haben relativ wenig mit Star Trek per se zu tun. Stattdessen möchte er, wie er es selbst einmal sagte, Star Trek als eine Art Katalysator benutzen, um Star Trek mit vielen modernen Ideen zu verknüpfen. Unter dieser Devise sind Serien wie Discovery, Picard und Strange New Worlds (als Beispiel) entstanden. Shows, auch entworfen für den noch immer halbwegs neuen Paramount+ Streaming-Dienst. Wo Star Trek jedoch eine viel geringere Rolle spielt, als angenommen.
Das Problem ist hier eindeutig zu erkennen. Immer wieder schaffte es Star Trek, von den Toten aufzuerstehen. Denn immer wieder erschien etwas neues, was so relevant war, dass Star Trek wieder eine neue Generation an Fans fand. In den frühen 90ern war das The Next Generation, in den 00er Jahren dann das Reboot. Doch aktuell ist nichts am Horizont, worauf jüngere Zuschauer aufblicken können. Strange New Worlds hält sich ganz wacker, umfasst aber eher The Best and Worst of modern Star Trek zeitgleich. Mit der bereits abgesetzten Serie Starfleed Academy (eine zweite bereits abgedrehte Staffel erscheint noch) musste Kurtzman eine heftige Schlappe hinnehmen, vielleicht eine noch größere als mit dem ziemlich entgleisten Discovery Spin-Off Section 31, welches wohl eine erwartbare Katastrophe war, da das Projekt (einstmals als Serie geplant), zahlreiche Schwierigkeiten in der Produktion hatte.
Ähnliche kreative Probleme hatte auch Star Trek: Picard. Eine klare kreative Richtung war trotz ikonischer Charaktere in 2 Staffeln nicht zu erkennen, obwohl Staffel 1 noch deutlich besser als ihr Ruf ist. Doch zu häufig setzte Patrick Stewart seinen eigenen Kopf durch und sowohl Alex Kurtzman als auch Akiva Goldsman als Showrunner hatten kaum eine Ahnung davon, wie man das Erbe von The Next Generation richtig handhabt. So entstand eine völlig langweilige, belanglose zweite Staffel bevor man gefühlt alles nochmal überdachte um mit Staffel 3 wieder ein Star Trek zu erschaffen, welches seines Namen würdig war (und zudem den Luxus, den die neuen Star Wars Filme nie hatten, die alte Gang nochmal zu vereinen). Zu verdanken war dies unter anderem Writer Terry Matalas, der eine deutlich größere Rolle in Staffel 3 einnahm. Picard wurde alleine durch die Existent Von Staffel 3 vor einer Komplettentgleisung bewahrt. Darauf hätte man durchaus aufbauen können, besonders, da man sich bewusst am Ende von Staffel 3 Räume für eine Fortsetzung mit neuen, frischen Figuren offen gelassen hat. Doch wie so vieles bei Kurtzman als Franchise-Runner wollte man weniger auf Kontinuität setzen als viel mehr neue Ideen erforschen.
Kurz vor dem 60. Jubiläum von Star Trek scheint Paramount/Skydance selbst resigniert zu haben. Sämtliche neuen Projekte sind größtenteils gefloppt. Alte Fans haben neuen Projekten unlängst den Rücken gekehrt und neue Fans erreicht das Franchise derzeit nicht. Eine Generalüberholung in Sachen Führungskräfte ist hier seit vielen Jahren nötig. Prominente Fans wie Roger Avery (Pulp Fiction) warnen seit vielen Jahren und boten ihre Hilfe an, nicht, um den eigenen Namen ins Spiel zu bringen, sondern um einem geliebten Franchise wieder auf die Beine zu helfen.
Wie gut Star Trek noch funktionieren kann, zeigte jedoch ein exotisches Kurzfilmprojekt aus dem Jahr 2024. In offizieller Zusammenarbeit mit dem Roddenberry Archive und dem Special-Effects Studio OTOY sind zwischen 2022-2024 insgesamt 4 Kurzfilme erschienen, die sowohl die Prime- als auch die Kelvin-Timeline respektieren. Den ultimativen Höhepunkt fand das Projekt im November 2024, als der rund 11 Minuten lange (Nettolaufzeit rund 8 Minuten) Kurzfilm 765874 – Unification erschienen ist. Über den möchte ich hier gar nicht viele Worte verlieren, denn der Kurzfilm schafft es, ohne viele Worte, eine herausragende Geschichte zu erzählen. Mit rund 38 Millionen Aufrufe generierte Unification alleine auf YouTube mehr Aufrufe als sämtliche Projekte der vergangenen Jahre.
Die besagten Kurzfilme können allesamt kostenfrei auf dem offiziellen OTOY YouTube-Kanal geschaut werden: Link führt zu YouTube
Star Trek könnte mit berüchtigter Liebe, Zuneigung und Hingabe erneut von den Toten auferstehen. Doch ich habe die Befürchtung, dass zu viele kulturelle Hürden mittlerweile dazwischen liegen, Star Trek noch einmal in die Relevanz zurückzuführen. Star Trek war einmal eine Einheit. Heutzutage ist das Franchise in Händen von Showrunnern, die wenig Bezug zum Franchise haben und ihr eigenes Ding daraus machen wollen. Ein Problem, mit dem natürlich auch Star Wars und Mittelerde zu kämpfen haben. Vielleicht ist es auch gar nicht schlimm, wenn Star Trek kein großes Comeback mehr startet sondern viel mehr als Vermächtnis bestehen bleibt, zu welchen Größen dieses gewaltige Universum einmal fähig war. Schade wäre nur, dass die vielen jüngeren Generationen somit verpassen würden, zu welchen Größen dieses gewaltige Universum einmal fähig war.
Verfasst von: Aufziehvogel





