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Samstag, 28. März 2026

Einwurf: Im freien Fall durch Mittelerde

 

AI-Slop basierend auf meinen Albträumen


Die Idee für diesen Einwurf spukt schon seit vielen Monaten in meinem Kopf herum. Und welch besseren Zeitpunkt könnte es geben, als ihn in solch absurden Zeiten wie jetzt zu veröffentlichen? Lange hatte ich überlegt, diesen Einwurf seriös anzugehen. Doch die neuen Entwicklungen rund um eine kommende neue Verfilmung, die aus der Feder des Mittelerde-Edel-Fans und Late Night Legende Stephen Colbert stammen wird, die immer noch andauernde Übernahme Paramounts (Skydance) von Warner und dem alltäglichen KI-Wahnsinn, möchte ich ein wenig entspannter auf das zurückblicken, was war, was aktuell ist und was noch kommen wird und wieso Professor Tolkien der Endgegner in seinem eigenen Epos zu sein scheint. Der Einwurf sollte ursprünglich nicht einmal ein Titelbild haben, aber, weil es sich so gut anbietet, soll diese kleine Reise durch Mittelerde von einem KI-Kunstwerk eröffnet werden, wo ich keine Kosten und Mühen gescheut habe, meine ganze Fingerfertigkeit einzusetzen, es maschinell erschaffen zu lassen.

Da ich mich derzeit (wie wir alle vermutlich) fühle wie Butter auf zu viel Brot verstrichen, möchte ich mit dieser kleinen Zeitreise durch das filmische Mittelerde auch an Momente erinnern, wo Tolkiens Welt noch epische Fantasy war, die keine Grenzen kannte. Aber aller Anfang ist bekanntlich..... übermütig!


Die Anfänge





Es wäre zu viel, sie alle aufzulisten und detailreich drauf einzugehen, zumal es einige wirklich obskure Adaptionen zum Herrn der Ringe oder aber auch zum Hobbit bereits gab. Aber zwei Dinge sind sicher: Zum einen das Streben der Menschheit, ins Weltall zu fliegen. Zum anderen brannte besonders in den frühen 70ern ein weiterer Drang in der Menschheit: Die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe". Von Stanley Kubrick einst als nicht verfilmbar gebrandmarkt, lag es in der Neugier und dem Ehrgeiz der Menschen, wie sie selbst in Tolkiens Geschichten häufig dargestellt werden, selbst die beschwerlichsten Hürden zu überwinden und Kubricks These zu widerlegen.

Bereits Anfang der 70er versuchte sich ein schwedischer Low-Budget TV-Film an der Umsetzung und hörte schlicht und ergreifend auf den schwedischen Titel "Sagan om ringen". Anschauen kann man sich (in überraschend guter Qualität) dieses zweiteilige TV-Special auf auf YouTube. Einfach den hier genannten Titel dort eingeben.

Weitere, allerdings animierte, TV-Specials gab es zum Beispiel vom Produktionsteam Bass/Rankin. Angefangen mit einer lizenzrechtlich stark umstrittenen Version des Hobbits aus dem Jahr 1977 für NBC. Der kurze Film, der viele Straffungen hinnehmen muss, gilt bis heute jedoch als eine charmante Umsetzung, die sich trotz seiner Kürzungen (oder vielleicht genau deswegen) deutlich mehr an die Vorlage hält als Jacksons aufgeblähte Trilogie. Für die Animationen holte man sich Unterstützung von einem kleinen japanischen Animationsstudio namens Topcraft, die später einmal zu einem etwas größeren Animationsstudio heranwachsen sollten, welches fortan als Studio Ghibli bekannt sein sollte. Mit einem Budget von rund 3 Millionen Dollar konnte sich der Zeichentrickfilm sehen lassen und fing überraschend gut den Charme des Kinderbuchklassikers ein.

Rankin/Bass und Topcraft sollten 1980 noch einmal für ein TV-Special zusammenkommen, diesmal mit einer Laufzeit von knapp 100 Minuten und einer Adaption zu "Die Rückkehr des Königs". Fälschlicherweise wird dieser TV-Film häufig als Fortsetzung zu dem Bakshi-Kinofilm aus dem Jahr 1978 betitelt, die Filme haben allerdings nichts miteinander zu tun und sind alleine stilistisch gesehen komplett unterschiedlich.

Im laufe der Jahre folgten weitere Adaptionen zum Hobbit und dem Herrn der Ringe aus skandinavischen Ländern wie Finnland oder gar der Sowjetunion. So richtig in Erinnerung geblieben ist nichts. Teilweise waren einige dieser Adaptionen unautorisiert. Tolkien verkaufte Ende der 60er für einige hunderttausend Pfund sämtliche Film- und Merchandise-Rechte an United Artists, die es wiederum nicht schafften, irgendwas von Tolkiens Stoff zu verfilmen und wiederum diese Rechte anderweitig verkauften. Eine Sache hat sich nie geändert: Bis zum heutigen Tag ist es beim Lizenz-Wirrwarr rund um Mittelerde undurchsichtig, wo und wie genau die Rechte zu dem Literaturkosmos verteilt sind. Doch bereits damals waren die Menschen abenteuerlustig genug, sich immer wieder an Adaptionen zu wagen.



1978: Der Herr der Ringe (Ralph Bakshi)

 



Vor knapp 3 Jahren habe ich Ralph Bakshi's ambitionierter Idee, den Herrn der Ringe zu verfilmen, einen großen Artikel über die Entstehungsgeschichte sowie Parallelen zu Peter Jacksons Filmtrilogie gewidmet. Wer darüber gerne mehr erfahren möchte, hier der Artikel vom 08.07.2023: Inside: Als Ralph Bakshi die Idee hatte, den Herrn der Ringe zu verfilmen

Wenn man über Mittelerde-Adaptionen, insbesondere aber den Herrn der Ringe, diskutieren möchte, fängt man in der Regel bei dem Animations- und Live-Action-Hybrid von Zeichentricklegende Ralph Bakshi an. Es führt gar kein Weg daran vorbei, da es der erste, professionell inszenierte Versuch war, Tolkiens Stoff auf die Kinoleinwand zu bringen. Aufgrund der damaligen Limitierungen war es nahezu ausgeschlossen, den Herrn der Ringe als puren Live-Action Film zu verfilmen. Der Weg hin zu dieser Verfilmung war bereits für alle Beteiligten pure Anarchie. Als Tolkien sämtliche Rechte an United Artists verkauft hatte und diese keinen Film zustande gebracht haben (für eine längere Zeit stand ein Musikfilm der Beatles im Raum, die Tolkien, wie viele Dinge aus der modernen Popkultur, verabscheute), gingen die Rechte zu dem Produzenten Saul Zaentz, dessen Produktionsfirma auch nach seinem Tod bis 2022 die meisten Rechte am Mittelerde-Franchise besaß (anschließend machte die Embracer Group auf sich aufmerksam, als man diese Rechte Zaentz/Tolkien Enterprise abgekauft hat). Es folgten lizenzrechtliche Konflikte, die über Jahrzehnte andauerten und teilweise die Produktionen von Jacksons Verfilmungen beeinflussen sollten.

Ralph Bakshi versuchte es bereits zu Zeiten, als die kompletten Rechte noch bei United Artists lagen, sein Interesse an eine Adaption des Herrn der Ringe zu vermelden. Er selbst war großer Fan der Bücher und wünschte sich sehnlichst, die komplette Geschichte als Zeichentrickfilm zu adaptieren. Zum Teil ist dies sogar gelungen. Bei einer Laufzeit von rund 133 Minuten adaptierte Bakshi relativ beachtlich die größten Schlüsselmomente aus "Die Gefährten" und "Die zwei Türme". Bakshi selbst bezeichnete die Produktion als Albtraum und eine der schlimmsten Erfahrungen in seinem Leben. Jugendliche würden diese Verfilmung heute vermutlich als "Fiebertraum" bezeichnen. Eine Mischung aus klassischem Zeichentrick und der Rotoskopie Technologie, verschmolzen hier praktisch Zeichentrickfilm und Live-Action zu einem gemeinsamen Werk. Dreharbeiten für die Live-Action Aufnahmen fanden u.a. in Spanien statt. Bakshi, der eine furchtbare Angst vor Pferden hatte, filmte zum Teil aus einem Wohnwagen heraus, die meisten Aufgaben übernahm jedoch eine Second Unit, um den weiteren Dreh erst einmal möglich zu machen.

Bei einem Budget von gerade einmal 4 Millionen Dollar spielte der Film weltweit über 30 Millionen Dollar ein, was das Studio als Erfolg verbuchte. Obwohl eine Adaption aller 3 Bücher versprochen wurde, endete der Film jedoch nach der Schlacht um Helms Klamm und bliebt für immer unvollständig.

Über die vielen Jahre geriet diese Verfilmung in Vergessenheit, gelangte aber wieder durch die Spielfilmtrilogie von Peter Jackson an die Oberfläche. Dass die Adaption von Bakshi zu großen Teilen Pate für Jacksons Filme stand, wollte der neuseeländische Filmemacher damals nicht zugeben. Dies war insofern seltsam, da Jacksons Filme Szenen beinhalteten, die praktisch 1:1 aus Bakshis Adaption übernommen wurden und gar nicht in Tolkiens Büchern vorkamen. Bakshi war darüber über Jahre erbost und redete Jacksons Verfilmungen schlecht. Irgendwann gab Jackson zu, dass Bakshis Adaption ihn in seiner Jugend begleitet hat und eine große Inspiration war und die beiden begruben irgendwann ihr Kriegsbeil.

Dass hier tatsächlich überhaupt ein Film entstanden ist nach all den Querelen in der Produktion, grenzt wohl bis heute an ein Wunder.



2001-2003: Der Herr der Ringe Trilogie (Peter Jackson)




Anfang der Jahrtausendwende ist Filmgeschichte geschrieben worden. Zwischen 2001-2003 wurden drei Filme in die Kinos gebracht, die die Fantasy-Filmlandschaft nicht nur für immer verändern sollten, sondern auch das Blockbuster-Kino neu erfand. Eine Filmtrilogie, die gar nicht existieren dürfte und, wie es Peter Jackson selbst sagt, in der heutigen Zeit auch gar nicht mehr entstehen würde. Peter Jackson, ein für die breite Masse damals relativ unbekannter Filmregisseur aus Neuseeland, der sich hauptsächlich durch Fun-Splatter wie Bad Taste und Dead Alive einen Namen machte, im Indie-Sektor später durch Filme wie Heavenly Creatures bekannt wurde und mit der Gruselkomödie The Frighteners etwas mehr den Mainstream ansprach, hatte eine Vision: Sein großer Traum war es, King Kong neu zu verfilmen. Die Idee, den Herrn der Ringe auf die Kinoleinwand zu bringen spielte immer irgendwo mit, aber die Bücher galten nach wie vor als nicht verfilmbar. Doch durch einen nicht zu bremsenden Enthusiasmus kamen viele Dinge zusammen, die eigentlich niemals hätten funktionieren dürfen. Peter Jackson, seiner Frau Fran Walsh und Philippa Boyens (die Person, die am meisten Tolkien-Expertise mit in das Projekt brachte) ist etwas gelungen, was nicht einmal dem Paten und Star Wars gelungen ist: Die perfekte Trilogie. Zu verdanken ist dies einer langen Planungsphase, dem absoluten Wahnsinn, die drei Filme an einem Stück zu drehen und einem Geldgeber, der verrückt genug war, sich auf das Unterfangen einzulassen.

Jacksons erste Anlaufstelle war Miramax Films. Harvey Weinstein, der überraschend günstig an die Filmrechte gekommen war, war nicht abgeneigt, dem wenig bekannten Jackson den Zuschlag zu erteilen. Das Risiko war dennoch groß. Zudem konnte sich Miramax kein massives Fantasy-Epos von enormen Budget leisten. Das Klischee, dass sämtliche Fantasyfilme bisher keine gigantischen Box Office Erfolge waren und einen gewissen Videothek-Flair mit sich brachten, bestand zudem. Weinstein willigte dennoch ein. Eine stark gestraffte Geschichte mit limitierten Laufzeiten und insgesamt 2 Filme. Jackson und Walsh sagten vorab zu, kamen aber schnell an ihre Grenzen, dass das Projekt so nicht realisierbar sei.

Nach unzähligen Disputen mit Miramax kam man 1998 zum Schluss, die Rechte an Produzent Bob Shaye und seinem Studio New Line Cinema abzutreten. Miramax sicherte sich zudem einen Cut von 5% der Einnahmen der Einspielergebnisse. Bob Shaye pokerte hoch, hatte jedoch Vertrauen zu der Vision von Jackson und bestand auf 3 Filme und einem Budget von 60 Millionen Dollar pro Film, welches Jackson im Verlauf der Verhandlungen nochmal deutlich nach oben schrauben konnte.

Es sollte sich auszahlen, für alle Beteiligten. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von knapp 3 Milliarden Dollar für alle 3 Filme und 17 Oscars, wovon alleine "Die Rückkehr des Königs" 11 Oscars für sich gewinnen konnte, brach man so manche Rekorde.

Peter Jackson und sein Team, der zudem herausragende Designer und Illustratoren wie Alan Lee und John Howe für das Projekt gewinnen konnte, Howard Shore für den unvergesslichen Soundtrack verantwortlich war und Weta Workshop die Welt von Mittelerde mit Leben einhauchten, waren am laufenden Band Glückstreffer, die sich lediglich noch einmal durch ein genau so glückliches Händchen bei dem Casting der Schauspieler übertrafen. Es war das berüchtigte Match made in Heaven. Viel mehr aber ein Filmwunder, dass diese Trilogie jemals in ihren jetzigen Formen entstanden ist. Über die Jahre sollten mit den Extended Editionen Jacksons favorisierte Fassungen erscheinen und lösten mit deutlich mehr Laufzeit die Kinofassungen ab. Zusätzlich sorgten die Extended Editions zum Herrn der Ringe zu einem weiteren Boom, der über Jahre andauern sollte und unzählige Studios und Filmemacher fortan verlängerte Filmfassungen für den Heimkinomarkt veröffentlichten.

Jacksons Filme und die Ästhetik sollten nicht nur das Fantasy-Genre für immer auf der Kinoleinwand verändern, es war auch der Stil der Filme, der Mittelerde fortan prägen sollte. Etwas, was wie ein Segen klingt, sich im späteren Verlauf aber viel mehr als ein Schreckgespenst erweisen soll.

Die Spielfilmtrilogie aber wird für immer in Stein gemeißelt sein. Dabei ist auch Jacksons Interpretation der Bücher bis heute umstritten, wurde unter seiner Regie doch besonders "Die Gefährten" zu dem Film auserkoren, der sich am meisten von seiner literarischen Vorlage abhebt und zudem die meisten Kürzungen erfahren hat. Doch anders wäre der Start dieser Trilogie wohl nie gelungen. Es war ein nötiges Opfer. Jacksons größte Stärke ist jedoch, Tolkiens eigene Mittelerde-Ästhetik herausragend für seine Filme adaptiert zu haben. Auch aus diesen Gründen lassen selbst viele eingefleischte Fans von Tolkien der Filmtrilogie viele Freiheiten und Änderungen durchgehen.

Viele Fans glauben noch immer, Jackson plane zu den Jubiläen der Filme neue Extended Editionen. Dem schob er bereits vor einigen Monaten einen Riegel vor und versicherte, nahezu alles, was gedreht worden sei, auch nun in den Filmen untergebracht wurde. Er hätte nicht irgendwo noch Tom Bombadil versteckt, beteuert er immer wieder.



2009: The Hunt for Gollum & Born of Hope





Nicht nur erwähnenswert sondern auch einen eigenen Eintrag in dieser Auflistung wert sind zwei britische Fan-Filme, die zwar keinerlei Bezug zueinander haben, beide aber 2009 erschienen sind. Beide Filme bedienen sich dabei an den umfangreichen Anhängen des Herrn der Ringe (nichts anderes machen praktisch die großen Studios aktuell, da die Rechtelage, besonders dem Silmarillion gegenüber, weiterhin kompliziert ist). The Hunt for Gollum bezieht zusätzlich noch Material aus einigen Seiten des "The Council of Elrond" Kapitels des ersten Bands. Beide Filme wurden mit schwindend geringen Budgets gedreht (wobei Born of Hope deutlich teurer war als The Hunt for Gollum, aber auch fast doppelt so lang ist) und gelten als "Non-Profit" Filme, da mit einer bestehenden Lizenz ohne Lizenzrecht kein Geld verdient werden darf. Beachtlich bei beiden Filmen sind jedoch die Production Values und Detailverliebtheit. Mit einer Laufzeit von gerade einmal 38 Minuten wird die Jagd von Gollum bereits mehr als großzügig abgedeckt. Der kommende Film von Andy Serkis auf dem Regiestuhl wird sich also mit einem beliebten Fan-Film messen müssen, auch, wenn dieser in Sachen Budget und vermutlich exzessiver Lauflänge seinem britischen Non-Profit-Pendant um ein vielfaches überlegen sein wird.

Bei beiden Fan-Filmen wird aber auch eines wieder deutlich: Stilistisch sind sie vom Peter Jackson Stil geprägt. Es ist ein prägendes Element, welches die filmischen Umsetzungen wohl für immer begleiten wird.

Beide Filme können nach wie vor problemlos auf YouTube geschaut werden. Was ich wärmstens empfehlen kann, bevor Warner irgendwann mal endgültig den Stecker zieht. Ich selbst halte Born of Hope für den besseren Film, da ich das Thema rund um Aragorns Herkunft deutlich spannender finde. Sehenswert sind sie beide und fressen nicht zu viel Zeit.



2012-2014: Die Hobbit Trilogie (Peter Jackson)





Über die dramatische Entstehungsgeschichte dieser Filme brauche ich wohl kaum mehr schreiben. Aber wer gerne mehr darüber erfahren möchte, im Jahr 2015 (so lang ist das schon wieder her!) habe ich einmal auf die komplette Trilogie in einem Artikel zurückgeblickt: Einwurf: Der Hobbit - Eine [un]erwartete Enttäuschung? (Artikel vom 27.11.2015)

Für viele der Anfang vom Ende des filmischen Niedergangs von Mittelerde. Aus heutiger Sicht betrachtet ist die Hobbit Trilogie wohl deutlich höher einzuschätzen, wenn man seine Erwartungen anpasst. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr wird man auch weiterhin der Gelegenheit hinterhertrauern, dass nicht die beiden ursprünglich geplanten Filme, die die gesamte Story um den Hobbit abdecken sollten, unter der Regie von Guillermo del Toro entstanden sind. Del Toro ist kein bekennender Tolkien-Fan und dies war seine größte Stärke. Bereits hier hätte ein frischer Stil etabliert werden können, der sich völlig von dem abhebt, was Peter Jackson mit seiner Herr der Ringe Trilogie etabliert hat (einige dieser Designs werden im Bonusmaterial des Hobbits präsentiert). Del Toros Welten sind einzigartig, haben einen besonderen Twist, sind mutig und gewagt. Nicht zuletzt räumte Guillermo del Toros Frankenstein Adaption in genau diesen Kategorien bei der diesjährigen Oscarverleihung einmal mehr ab.

Wie wir nun alle wissen, sollte es anders kommen und es ist das entstanden, was wir heute haben. Eine weitere Trilogie von Peter Jackson, da dieser, wenig überraschend und zurecht, nicht das Werk eines anderen Filmemachers fortführen wollte. Jackson bedauerte über Jahre, dass die Zusammenarbeit aufgrund der Studio-Querelen mit Guillermo del Toro nicht zustande kam. Unter Zeitdruck musste Jackson eine neue Trilogie zusammenbasteln. Die Zeit, die er beim Herrn der Ringe noch hatte, gewehrte man ihm hier nicht. Die Dreharbeiten waren turbulent und chaotisch, zwangen Jackson dazu, teilweise am Set zu schlafen. Diesmal sollte alles anders sein. Für die Zuschauer sollte es aber das gleiche Erlebnis werden.

Besonders dieser Aspekt ging nach hinten los. Doch aus heutiger Sicht kann man die Hobbit-Filme ein wenig differenzierter sehen. Jackson konzipierte die Filme als Herr der Ringe Prequel mit eindeutigen und bewusst gewählten Bezügen zu seiner Ring-Trilogie. Tolkien selbst setzte sich nach dem Herrn der Ringe nochmal an den Hobbit und baute mehr Herr der Ringe Referenzen ein, um die Geschichte nahtloser mit dem großen Fantasy-Epos zu verknüpfen. Letztendlich kann man der Vision von Peter Jackson weniger vorwerfen, als man es gerne möchte. Ihm war es wichtig, Brücken zwischen dem Hobbit und dem Herrn der Ringe zu verknüpfen und griff zudem ebenfalls noch auf die Anhänge des Herrn der Ringe zurück, für die in der ersten Trilogie kein Platz mehr war. Wie nötig das ganze nun am Ende war, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ein fast schon bizarres Unterfangen bleibt es aber, ein rund 300 Seiten dickes Kinderbuch in 3 epische Filme zu adaptieren. Mit einem absurd hohen Budget von über 700 Millionen Dollar für die gesamte Trilogie (allerdings zu einem ebenfalls hohen Einspielergebnis von fast 3 Milliarden Dollar weltweit für die beteiligten Parteien wohl dann auch sehr lukrativ gewesen) schaffte man es zudem, dass die Filme billiger denn je wirkten und Tolkiens Mittelerde so künstlich wie nie ausschaute (einige wenige beachtliche Computereffekte sind in Smaug geflossen). Tolkiens Sohn Christopher ging dies zu weit, distanzierte sich von den Filmen und kritisierte Jackson, das Werk seines Vaters nicht mehr wiederzuerkennen. Kritik, die sicherlich nicht zu unrecht kam. Aber Peter Jackson alleine kann man die Schuld nicht geben, da die Planung und Produktion die Hölle waren und es immer wieder Einmischungen der Studios gab.

Was am Ende bleibt sind unterhaltsame Fantasy-Filme, allen voran der erste Teil. Doch durch die vielen Freiheiten, die sich Jackson hier nimmt, angefangen von komplett neuen Charakteren und Charakteren, die in dieser Geschichte eigentlich nichts zu suchen haben, einer aufgezwungenen Love-Story, schlechten Computereffekten und einen fast überflüssigen dritten Film, wird die Trilogie, die trotzdem ihre Höhen hat, wohl ewig als kontrovers betrachtet werden. Schauspielerwahl, Set-Design und Musik reißen hier viel raus und retten die Trilogie vor der völligen Bedeutungslosigkeit. Hier wäre so viel "mehr" mit "weniger" möglich gewesen.

Und so surreal es anmuten mag, so ist die Hobbit Trilogie das bislang letzte unterhaltsame filmische Projekt aus Mittelerde.



2022-2024: Die Ringe der Macht & Die Schlacht der Rohirrim




Es grenzt fast schon an Satire, wenn die Mittelerde-Lizenz einem Konzern wie Amazon in die Hände fällt. Edel-Fan Jeff Bezos wollte nicht nur eine Serie haben, die neue Prime-Mitgliedschaften im Akkord generiert, er wollte auch sein eigenes Game of Thrones und die opulenteste Version von Mittelerde, die je geschaffen wurde. Als erste Herr der Ringe Streaming-Serie (die Serie läuft nämlich unter einem "Herr der Ringe" Banner), ausgelegt auf mehrere Staffeln und ausgestattet mit einem fürstlichen Budget, sollte die Serie neue Maßstäbe setzen. Vielleicht ungefähr vergleichbar mit den Ambitionen, die George Lucas bei seiner nie realisierten Star Wars: Underworld Serie hatte. Das Ergebnis: Nicht nur ein laues Lüftchen, sondern die Ringe der Macht präsentieren in zwei Staffeln eine Lehrdemonstration, wie man ein etabliertes Universum zugrunde richtet. Ich gehörte gefühlt zu den wenigen, die der ersten Staffel ein paar Qualitäten zusprachen und eine geringe Hoffnung hegte, man könne mit Staffel 2 das Ruder vielleicht noch rumreißen. Denn eines muss man der Serie lassen: Hübsch sieht sie aus und schön klingt sie. Aber wie ein Magier seine Zuschauer hinters Licht führt, ist auch diese Herr der Ringe Serie nichts weiter als ein Luftschloss voll billiger Tricks. Auf den zweiten Blick wirkt die Optik künstlich, wenig organisch und allen voran leer. Stilistisch möchte man sich von Peter Jacksons Stil abheben (der für diese Serie nicht konsultiert wurde), aber auch das wirkt nur auf den ersten Blick so. Zahlreiche etablierte Designs wurden 1:1 aus Jacksons Filme übernommen, was sich konsequent mit dem neuen Look beißt. Das Ergebnis könnte aus heutiger Sicht das Werk einer KI sein. 

Der Serie mangelt es nicht nur an Tolkiens-Ästhetik, es mangelt ihr auch an Seele und einer klaren künstlerischen Vision. Dies könnte allen voran daran liegen, dass hier Showrunner am Werk sind, die weder ein großes Know-How mitbringen, was die literarische Vorlage angeht und zudem noch nach eigenem Gusto Änderungen vornehmen. Wie Gandalf zu seinem Namen kam wird vermutlich als größter Fremdschäm-Moment für alle eingehen, die ihn miterlebt haben. Doch auch abseits davon bekleckert die Serie sich nur selten mit Ruhm. Was die abgehackte Story angeht, liegt teilweise auch wieder daran, dass man nur teilweise über Rechte der literarischen Vorlagen verfügt. Ein bisschen zieht man aus dem Silmarillion, ein bisschen aus den Anhängen des Herrn der Ringe. So kann keine kohärente, homogene Story entstehen. Die ganzen Probleme haben sich dann mit Staffel 2 noch einmal verschärft und die ganze Serie in eine Lage gebracht, die es unrealistisch erscheinen lässt, wie die Ringe der Macht jemals über Staffel 3 hinaus existieren soll, da man bereits sämtliches Plot-Pulver verschossen hat. Für Staffel 3 bleiben maximal noch exzessive Szenen von Nahaufnahmen, wie Schauspieler Ringe an ihren Fingern tragen. Charaktere wie Sauron, Galadriel und Elrond sind zu Romantasy-Figürchen umgeschrieben worden, die jeglichen Bezug zu irgendwas verloren haben, was sein Schöpfer jemals für sie vorgesehen hat. Das derzeitige Vermächtnis der Serie nach zwei Staffeln ist Anarchie und Verwüstung. Für wen diese Serie jetzt noch konzipiert ist, weiß vermutlich Bezos selbst nicht mehr. Jetzt muss er vollen Fokus auf die verbliebene Hauptzielgruppe richten: Online-Shipper, die gerne ihre Lieblingscharakter miteinander verkuppelt sehen wollen. Eine Serie, die vielleicht nie hätte entstehen dürfen, sich lange in einer Entwicklungshölle befand und es überraschend schnell voranging, als Christopher Tolkien Anfang 2020 verstarb.

2024 erschien dann noch ein sogenannter License-Refresher, der auf den Titel "Die Schlacht der Rohirrim" hört. Der erste animierte Mittelerde-Spielfilm seit Jahrzehnten wurde ausschließlich produziert, damit weitere Filmrechte bei Warner/New Line sowie Jacksons Produktionsfirma WingNut verbleiben dürfen. Die Vorgabe ist es, dass in einem gewissen Zeitraum mindestens ein neuer Film entsteht, um die Lizenz nicht zu verlieren. Entstanden ist der Film größtenteils bei dem japanischen Animationsstudio Sola Entertainment unter Regisseur Kenji Kamiyama (Ghost in the Shell SAC, Eden of the East). Mitspracherecht bei der Geschichte hatte Sola nicht, die ist wiederum komplett in Neuseeland und den USA entstanden. Allen voran zeigte sich für die Produktion Philippa Boyens verantwortlich, die die wenig funktionierende Idee hatte, Helms bis dato völlig irrelevante Tochter Hera (Tolkien hatte ihr nie einen Namen gegeben) in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen. Für das Screenplay setzte Boyens laut eigenen Aussagen auf eine neue Generation an aufstrebenden Autoren. Mit anderen Worten: Ein ganzer Haufen No-Names. Auffallend ist hier der Name Phoebe Gittins bei den Writing-Credits, die nicht nur eines der süßen Hobbit-Kinder in "Die Gefährten" spielte, sondern rein zufällig auch noch Philippa Boyens Tochter ist.

Das Endergebnis: Ein überlanger, mit wenig Highlights ausgestatteter Animationsfilm, wo nicht einmal die Animationen selbst irgendeinen Zuschauer vom Hocker gehauen haben dürften. Der gesamte Film, wenn auch keine Vollkatastrophe, wirkt hektisch zusammengeschnitten und vom Plot her, der ebenfalls wieder aus den Anhängen zusammengeschustert wurde, kaum spannender ist als der Wetterbericht von den Osterinseln. Um den Film zu bewerben mussten "Die Zwei Türme" aus der Jackson-Trilogie herhalten, um überhaupt etwas, wie es auf Neudeutsch so schön heißt, "Buzz" für den Film zu generieren. Da half es auch nicht, dass unter den Synchronsprechern prominente Namen wie Brian Cox oder Éowyn-Darstellerin Miranda Otto mit von der Partie waren.

Mittelerde ist zum berüchtigten Second-Screen-Content mutiert. Etwas, was im Hintergrund läuft während man sich auf YouTube oder TikTok witzige Clips von Katzen anschaut und Politikvideos kommentiert. Der Mittelerde-Output der letzten Jahre ist genau auf eine einzige Sache beschränkt: Irrelevanz.


2027 und darüber hinaus: The Hunt for Gollum (Andy Serkis) & Shadow of the Past (Stephen Colbert)

  



Die Zukunft der Mittelerde-Filmlizenz sieht aktuell trist aus. Peter Jackson, der nach dem Hobbit einen unrühmlichen Abgang aus dem Franchise hatte, hatte immer noch eine Rechnung damit offen und schloss kategorisch eine Rückkehr nicht aus. Als Regisseur wird er nicht zurückkehren, versprach aber, als Produzent bei den neuen Warner-Projekten dabei zu sein. Was insofern spannend werden dürfte, da Skydance kurz vor der Übernahme von Warner Bros. steht und David Ellison sich somit auch New Line Cinema einverleiben wird. New Line ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil von Warner. Wie viel Konfliktpotential das ganze Spektakel also noch mit sich bringen wird und wie viel Einfluss Paramount am Ende auf kommende Projekte haben wird (insbesondere auf das Projekt von Stephen Colbert) ist noch nicht eindeutig klar. Aber auch abseits davon wirkt keines der bisher angekündigten Projekte auch nur ansatzweise vielversprechend. Anstatt sich darum zu bemühen, die Rechte für weitere große Mittelerde-Geschichten wie Die Kinder Húrins, Beren und Lúthien sowie den Fall von Gondolin zu ergattern, wärmt man stattdessen nur kalte Suppe auf. Nach einem gigantischen Videospielflop (Gollum) möchte man Gollum mit großer Wahrscheinlichkeit weiter als Mittelerde-Maskottchen verwalten. Mir fällt spontan nichts ein, was Warner hier dieser Geschichte eines über 15 Jahre alten Fan-Films hinzufügen könnte außer mehr Budget. Ich hege großen Respekt für Andy Serkis als Mensch, Schauspieler und Hörbuch-Sprecher. Als Regisseur konnte er sich bisher lediglich als Second Unit Director beim Hobbit, einer Dschungelbuch-Adaption für Netflix und Venom: Let There Be Carnage beweisen. Alle Filme von durchwachsener Qualität, von der aber zumindest der Film für Netflix als sehenswert erachtet wird. Man sollte The Hunt for Gollum natürlich faire Chancen einräumen, sich beweisen zu dürfen und mehr als ein weiterer License-Refresher zu werden. Aktuell gibt es noch eine große Geheimhaltung rund um den Film, zumindest ist man aber davon abgerückt, den 67 Jahre alten Viggo Mortensen noch einmal als Aragorn für ein Herr der Ringe Prequel mit ins Boot zu holen (aktuell halten sich hartnäckige Gerüchte, der aufstrebende britische Darsteller Leo Woodall könnte in die Rolle des jüngeren Aragorn schlüpfen). Viggo Mortensen selbst wäre übrigens aktuell im besten Alter, einen alternden König Aragorn zu spielen . Das alleine hätte noch genug Potential, einen düsteren Standalone-Film zu produzieren, wenn man schon unbedingt ein Originalskript verwursten möchte. Aber seien wir darüber nicht zu unglücklich, bevor Aragorn in seinen späten Jahren noch zu einen traurigen, einsamen alten Alkoholiker umgeschrieben wird, der in seinem letzten großen Abenteuer von seinem besserwissenden, nervigen Patenkind begleitet wird und ihm ein heldenhaftes Ableben verwehrt.

Shadow of the Past, das letzte Filmprojekt in dieser Auflistung ist hingegen nochmal ein ganz anderes Biest. Tolkien hatte damals ein eindeutiges Fazit, als er anfing, mit "Return of the Shadow" eine Fortsetzung zum Herrn der Ringe zu schreiben: "Wer braucht so einen deprimierenden Mist?". Tolkien schrieb ein Kapitel und begrub die Idee anschließend, weil er erkannt hat, dass sein Mythos rund um den Ring-Krieg und dem Dritten Zeitalter auserzählt war. Sein fortschreitendes Alter hatte sein übriges getan. Benannt nach dem zweiten Kapitel aus "Die Gefährten" hat sich nun ein weiterer Mittelerde Edel-Fan seinen großen Traum erfüllt: Ein eigenes Mittelerde-Filmprojekt. In einer Ära, wo sich Politik-Millionäre in Deutschland Wünsche erfüllen und alles werden können, große Star Wars Fans ein komplettes Franchise ruinieren dürfen und der Besitzer eines Onlineshops eine eigene Herr der Ringe Serie produzieren darf, weil er sehr viel Geld besitzt, mischt nun auch Late Night Show Host Urgestein Stephen Colbert mit (der mit seiner Show demnächst in Rente geht und somit noch mehr Zeit für sein Hobby hat, welches er aber auch oft in seiner eigenen Show eingebaut hat). Die Nachricht verkündeten Peter Jackson und Stephen Colbert persönlich vor wenigen Tagen in einer Videoankündigung. Was hier wie ein vorgezogener Aprilscherz wirkt, ist Realität. Colbert arbeitete in seiner Freizeit seit einiger Zeit zusammen mit seinem Sohn, der hier lediglich als Peter McGee in den Writing-Credits gelistet wird (genau so wenig ist es auf den ersten Blick ersichtlich, dass Phoebe Gittins und Philippa Boyens miteinander verwandt sind), an einer eigenen Story. Diese nahm konkretere Formen in den letzten 2 Jahren an und Colbert ging damit ehrfürchtig auf Jackson zu. Der..... war angetan von Colberts Script. Was folgte war ein intensiver Austausch zwischen Jackson, Colbert und Boyens, die hier auch wieder mitmischt. Professionelle Writer die Erfahrung mitbringen sind dabei erneut Fehlanzeige. Viel mehr möchte man anscheinend ein familiäres Arbeitsumfeld pflegen, wo Eltern mit ihren Kindern das nächste große Mittelerde-Abenteuer auf die Beine stellen. 

Was die Story angeht, soll dieser ominöse Film wohl eine Mischung aus Prequel und Sequel zum Herrn der Ringe werden. Wir begeben uns also auf abenteuerliches Territorium. Zum einen möchte Colbert die Kapitel aus "Die Gefährten" abdecken, die in Jacksons Filme komplett fehlten. Bedeutet, sämtliche Abenteuer der Hobbits auf dem Weg vom Auenland hin zu Tom Bombadils Hütte und etwas darüber hinaus hin zum Kampf gegen die unheimlich Barrow-wrights (womit man sicherlich einen kompletten Spielfilm füllen könnte). Allerdings hat Jackson die Story in seinen Filmen so umgeschrieben, dass es kaum mehr möglich wäre, diese verlorenen Kapitel rund um die Reise der Hobbits sinnvoll in den Jackson-Kanon einzubauen (worauf ja alle Verantwortlichen seit Jahren so viel wert legen). Ein anderer Teil des Films soll 14 Jahre nach dem Tod von Frodo Beutlin spielen. Angeführt von Sams Tochter Eleanor, die eine faszinierende Entdeckung macht, machen sich Eleanor, Sam, Merry und Pippin auf, die ersten Schritte ihres legendären Abenteuers nachzustellen. Wie genau das ganze aussehen wird und ob der Film hauptsächlich aus Rückblenden und einer kleinen Rahmenhandlung in der Gegenwart bestehen wird, ist unklar. Rein von der Idee her wirkt es, als habe Colbert Frieren geschaut und baut darauf nun seine Herr der Ringe Story auf. Eine ähnlich wilde Idee hatte übrigens mal Russell Crowe, als er seinen guten Freund Nick Cave gebeten hat, eine Fortsetzung zu Gladiator zu schreiben. Wie erfolgreich dieser Versuch endete, kann man jederzeit Online nachlesen.

Mir bleibt kaum etwas anderes übrig, als mit einer gewissen Portion Gleichgültigkeit an die Sache zu gehen. Ohne Frage ist Colbert ein massiver Tolkien-Nerd, der von der Materie her sich vermutlich nicht einmal vor sogenannten "Tolkien Scholars" verstecken muss. Aber qualifiziert ihn dieser Fakt automatisch dazu, den nächsten großen Mittelerde-Spielfilm zu schreiben? Antworten auf die brennenden Fragen wird es für eine lange Zeit nicht geben. Hinzukommt, Colberts Meinung zum künftigen Warner Bros. Eigentümer David Ellison basiert nicht auf Harmonie und Liebe. Hier könnte es also vorab schon etliche Reibereien geben, besonders was Colberts Haltung zu Ellison und der Trump Regierung angeht.

Mich hingegen interessieren politische Debatten nur wenig, wenn es um die Filmleidenschaft geht. Als Filmfan sehe ich bei keinem der kommenden Projekte irgendwelche Anlässe zur Vorfreude. Nichts davon weckt mein Interesse außer einer kuriosen Neugier, weil sowohl das Gollum-Projekt als auch das Colbert-Projekt für mich Kuriositäten sind.

Die Filme scheinen als eine Art Truchsess zu dienen, bis ein Filmemacher, vielleicht einmal so mutig wie Peter Jackson vor so vielen Jahren, den Ehrgeiz hat, wieder gute Fantasy aus Mittelerde zu verfilmen. Mit einem eigenen Stil, weit weg von Nostalgie und etablierten Charakteren. Denn Mittelerde hat noch so viele einzigartige Geschichten zu erzählen, so viele einzigartige Helden und Schurken, blutige Konflikte, unendliche Schönheit und Ideenreichtum. Diese Geschichten wurden über Jahrzehnte mit Passion und Hingabe von einem Menschen kuratiert, dem das Werk seines Vaters so viel bedeutete wie Millionen anderer Menschen, die aktuell mit großem Bedenken verfolgen, was mit dieser einzigartigen fiktiven, beeindruckenden Fantasy-Welt geschieht. Was sicher ist: Sie hat auf alle Fälle besseres verdient als das, was man aktuell mit ihr vor hat.

Hinweis: Bei den Titeln "The Hunt for Gollum" und "Shadow of the Past" handelt es sich derzeit noch um Arbeitstitel, die am Ende vermutlich nicht den tatsächlichen Filmtitel repräsentieren.


Verfasst von
Aufziehvogel
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Postskriptum des Autors: Dieser Text ist über mehrere Tage mit viel Recherche und Hingabe zum Hobby entstanden. Mit Ausnahme des Titelbildes (welches einzig und alleine als satirisches Stilmittel zum Thema des Textes entstanden und eine einmalige Ausnahme ist) ist der Text zu 100% aus Menschenhand entstanden und besitzt einen menschlichen Urheber. Auf "Am Meer ist es wärmer" wird es niemals KI generierte Texte sowie Text-Ideen von KI's geben, die leider immer mehr Einzug im modernen Journalismus finden. Die Texte auf diesem Blog sind keine Input-Prompts sondern Unikate mit Ecken und Kanten.

Dienstag, 28. Mai 2024

Einwurf: Eine Plage namens Prequels

 




Es ist gerade kurz nach 01:00 Uhr in der Nacht am Dienstag, den 28.05.2024. Das Wetter draußen ist regnerisch, passend sicherlich zur Stimmung, die gerade in Düsseldorf herrscht nachdem die Fortuna in der Relegation nach einem 3:0 im Hinspiel auswärts anschließend im eigenen Stadion im Elfmeterschießen dann doch noch an dem VfL aus Bochum scheiterte. Ein Duell welches mich, zumindest regional gesehen, unglaublich gepackt hat. Doch, seltsamerweise, kreisen meine Gedanken gerade einmal mehr um ein Thema, dem ich anscheinend nicht entkommen kann. Prequels und Spin-offs. Wieso zu solch einer unwirtlichen Uhrzeit? Ich lag immerhin bereits im Bett. Doch sobald ich meine Augen schloss, hatte ich das irre Grinsen von Chris Hemsworth aus Furiosa vor mir. Ich selbst garnierte dieses mittlerweile bekannte Bild noch mit zwei Köpfen, die ich ungeheuer stark mit fragwürdigen Prequels in Verbindung bringe. Aus den einstigen Lichtgestalten Anakin Skywalker und Bilbo Beutlin, einstmals zwei selten anzutreffende Partygäste, wurden Kneipenstammgäste, die man erst aus dem Laden bekommt, wenn die letzte Runde Weinbrand auf den Wirt geht. Dann ist aber auch wirklich Feierabend. Doch was passiert, wenn der Rausschmeißer-Schnaps auch nicht mehr hilft? Der Wirt könnte ungemütlich werden, aber er möchte auch ungern seine besten Kunden verlieren.

Ich mache mir sicherlich seit einer halben Stunde bereits Gedanken darüber, wie ich diesen Einwurf verfassen soll, ohne wie ein zynischer, arroganter Filmbesserwisser zu klingen. Denn mein Ziel ist es nicht, Prequels und Spin-offs per se zu verteufeln. Im Gegenteil, diese Formate haben durchaus Potential, wenn die Studios dahinter mal mehr Mut hätten, sich von den sogenannten Lichtgestalten zu trennen und etwas komplett neues zu wagen. Für einige scheint es doch noch irgendwie Hoffnung zu geben, andere scheinen den alten Mustern treu zu bleiben. Welche Reihen ich hier meinen könnte, kann man vielleicht vorab schon meinem Titelbild entnehmen, aber ich werde natürlich gleich namentlich drauf eingehen.

Aus irgendwelchen Gründen floppt an den US-Kinokassen gerade das Mad Max Prequel-Spin-off Furiosa: A Mad Max Saga. Maestro George Miller setzte sich dafür sogar nochmal persönlich ans Drehbuch und auf den Regiestuhl. Furiosa, im letzten Mad Max Film (Fury Road) noch gespielt von Charlize Theron, wird in dieser Origin-Story des Charakters von Anya Taylor-Joy verkörpert, während mit Chris Hemsworth ein echter Australier wieder einmal den Gegenpart spielt. Auch George Miller geht nun rückwärts, scheint sein eigenes geschaffenes Universum ausbauen zu wollen während er die Oscarprämierte Erfolgsformel aus Fury Road auf Furiosa anwendet. Trotz äußerst guter Kritiken will der Film an den Kinokassen im Gegensatz zu den vielen Explosionen im Film nicht zünden. Vielleicht teilen sich jetzt gerade, in diesem Augenblick, Furiosa, Garfield und die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf im Klub der Enttäuschten bei ihrem Lieblingsitaliener ein großes Blech Lasagne, welches sie mit dem billigen Frascati runterspülen. Zeit für ein  kleines Geständnis: Ich fand bereits Fury Road damals überwertet. Ich wollte den Film wie so viele andere auch lieben, aber der Funke ist letztendlich nie übergesprungen. Ob es am hölzernen Schauspiel von Tom Hardy lag oder meiner Gleichgültigkeit gegenüber Furiosa vermag ich nicht zu sagen. Aber es reichte völlig aus, dass das lang angekündigte Furiosa-Prequel mich nicht interessieren wird. Vielleicht denken auch einige andere Filmfans so. Vielleicht haben aber die meisten diesen Charakter auch einfach schon wieder vergessen. Vielleicht, vielleicht sind es aber auch Gründe, die einfach nicht wirklich zu erklären sind.

Für mich schlägt Furiosa leider in eine ähnlich uninspirierte Prequel-Kerbe wie so viele andere bekannte Reihen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Prequels waren vor der Star Wars Prequel-Trilogie längst nicht so ein großes Thema wie heute. Mittlerweile wird alles, was auch nur annähernd erfolgreich ist, ausgeschlachtet. Ganz schlimm ist es im Horrorsektor wo sich eine Reihe wie Saw unlängst in einem unsäglichem Wirrwarr aus Sequel und Prequel und dann wieder Sequel und noch ein Prequel und etwas Spin-off nahezu selbst kannibalisiert hat (auch wenn der letzte Ableger wohl wieder ein Schritt nach vorn war). Ein gleiches Schicksal musste Paranormal Activity damals hinnehmen, zahlreiche japanische Geister-Horrorfilme und auch noch einige Slasher wie zum Beispiel Texas Chainsaw Massacre, wo man sogar so weit ging, ein Prequel in der Remake-Timeline zu produzieren. Und dann gibt es ja auch noch Insidious, The Conjuring und so weiter. Und es wird wohl nicht lange dauern, bis auch der Horror-Hit aus Australien (ein Film, den auch Chris Hemsworth wärmstens empfiehlt) Talk to Me mit mehreren Prequels und Spin-offs ausgestattet wird. Doch die Milchkühe machen auch vor einem so gefürchteten Mann wie John Wick keinen Halt, wo es mit The Continental den ersten "Ableger" der Reihe gibt, der gleichzeitig als Prequel-Serie fungiert. Und Donnie Yen macht sich bestimmt schon bereit für das angekündigte Caine Spin-off.

Die Ideenlosigkeit, die ich hinter den meisten Prequels sehe, ist die Angst der Studios, etablierte, bekannte, ikonische Figuren nicht weiter verwenden zu können. Entfernt man sich zu sehr von einer bestimmten Timeline, besteht die große Gefahr, dass eben genau diese bekannten Figuren nicht mehr zu sehen sind. Bei Warner und MGM war die Angst beim Hobbit anscheinend damals so groß, dass man es vollbrachte, viel mehr Jacksons Ring-Trilogie zu kopieren als Tolkiens Hobbit zu adaptieren. Denn hier herrschte eindeutig verkehrte Welt. Der Herr der Ringe ist unverkennbar das Sequel zum Hobbit. Doch die Verfilmung des Hobbits wurde so konzipiert, dass sie viel mehr ein Prequel zu Peter Jacksons Ring-Trilogie ist. Es ist ein Dilemma, in dem sich Star Wars nun seit Jahrzehnten befindet. Dieses Dilemma startete einst mit der Prequel-Trilogie und dem Wunsch von George Lucas, seine Geschichte, die irgendwo in der Mitte begann, zu Ende erzählen zu können. Dabei verrannte sich Lucas nur in so viele Widersprüche zur Originaltrilogie, dass man alleine aus diesen Widersprüchen eine eigene Trilogie an Spielfilmen anfertigen könnte. Das Prequel-Dilemma. Es begleitet Star Wars praktisch seit der ursprünglichen Trilogie, als sich alle Leute nach dem "Wie, Wieso und Warum" fragten. Die Skwalker und einige andere beliebte Charaktere wurden über die Jahrzehnte viel mehr zu einer Bürde als Hoffnungsträger, die das Franchise tragen. Als Disney nach der Übernahme von Lucasfilm die Marke endgültig ausschlachtete und man fast meinen konnte, vielleicht würde auch noch Jar Jar Binks eine eigenständige Event-Serie erhalten, wurde klar, wie klein die weit, weit entfernte Galaxie wirklich ist. Sämtliche Prequel-Shows wie The Mandalorian, Andor und Ahsoka wagten sich trotz ihrer Qualitäten, wie auch schon die CG-Zeichentrickserien, kaum aus ihrer Komfortzone. Ein bisschen wirkt Star Wars wie ein sehr isolierter Mensch, der tagtäglich das gleiche sieht und sich fragt, wie die Welt wohl hinter Ampel Nr. 5 aussehen mag. Star Wars ist im Prequel-Gefängnis gefangen, obwohl man Geschichten erzählen könnte, die hunderte, gar tausende Jahre zurückreichen oder nach vorn blicken, fernab der Skywalkers und einem weiteren verzweifelten Auftritt von Darth Vader, Luke Skywalker oder dem Imperator. Die Studios klammern sich in ihren Prequels zu sehr an Komfortzonen und Wohlfühloasen, die den Zuschauern aber immer mehr aus den Ohren kommen. Da die Geschichten der Prequels und damit oft verbundenen Spin-offs nur wenige Jahre bis Jahrzehnte auseinander liegen, gibt es kaum Weiterentwicklungen oder echte Neuerungen. Das Schicksal vieler Charaktere kennt man unlängst aus etlichen Filmen. Doch frische, unverbrauchte Geschichten und Charaktere könnten vor diesen legendären Marken liegen.

Jedoch es gibt wenige Beispiele, wo ein Prequel auch funktionieren kann. Zuletzt hat mir dies erst House of the Dragon bewiesen, eine Serie, die rund 200 Jahre vor den Ereignissen in Game of Thrones spielt. Nicht nur respektiert man hier das Buch von GRRM, die Macher haben es auch geschafft, sich von bekannten Charakteren zu lösen, anstatt irgendwelche unsinnigen Origin-Stories zu Publikumsliebling XYZ zu erzählen. House of the Dragon erzählt nicht die Geschichte einzelner bekannter Figuren weiter, die Serie erzählt einen Mythos weiter, die Geschichte einer Familiendynastie und erweitert damit den gesamten Serienkosmos, während man immer noch eine altbekannte Atmosphäre aufbaut, sei es durch bekannte Locations oder Familiennamen. Dies ist etwas, was der Prequel-Serie zum  Herrn der Ringe, den Ringen der Macht, nur in den seltensten Fällen gelungen ist. Genau wie der Hobbit ist man trotz einer gewaltigen Zeitspanne zur Ring-Trilogie  zu sehr darauf bedacht, auf Gedeih und Verderb namhafte Charaktere in der Geschichte unterzubringen. Hier entsteht eine erneute Abhängigkeit zu den bereits etablierten Charakteren, obwohl das Schaffen von Tolkien so viele weitere Geschichten aus verschiedenen Zeitaltern umfasst, die es nicht nur alle wert sind, erzählt zu werden sondern zeitgleich auch auf neue Helden und Bösewichte setzen.

Um nun aber zu meinem Ausganspunkt von ganz oben zurückzukommen, es scheint Hoffnung zu geben und gleichzeitig auch wieder die Befürchtung, einige verharren in ihrer Komfortzone, um sich von bekannten Charakteren, die die Zuschauer kennen und lieben, nicht trennen zu müssen. Ausgerechnet Disney mit Star Wars scheint nun aber verstanden zu haben, dass die Marschrute, die man viel zu lange gefahren ist, nicht mehr weiter befahrbar ist. Bereits seit 2021, als man die High Republic mit viel PR etabliert hat, sind einige sehr gelungene Romane erschienen die mehrere Jahrhunderte vor der Skywalker-Saga spielen. In den Jahren zuvor haben immer mal wieder einige ältere Star Wars Romane Ausflüge in frühere Zeiten gemacht, doch mit der High Republic zählen diese Geschichten erstmals zum neu etablierten Kanon. Auf Grundlage dieser Ära und Romane startet im Juni mit The Acolyte die erste Serie in der High Republic und die rund 100 Jahre vor den Ereignissen der Skywalker-Saga spielen wird. Frische, neue Geschichten und Charaktere, völlig unverbraucht aber in einem etablierten Mythos. Star Wars könnte dies gelingen, was zuletzt House of the Dragon gelungen ist.

Düsterer sieht es da hingegen schon wieder in Mittelerde aus. Auch dort wird weiter neuer Stoff für neue Adaptionen entwickelt. In wenigen Monaten startet die zweite Staffeln zu den Ringen der Macht. Ein erster längerer Teaser zeigt nur wenig Weiterentwicklung und erschuf viel mehr Internet-Memes über Perücken und elbischen Plastikohren. Vor wenigen Wochen wurde die Rückkehr von Peter Jackson und seinem Team angekündigt, die mit Andy Serkis auf dem Regiestuhl für 2026 einen neuen Spielfilm planen, der die Jagd auf die Kreatur Gollum behandeln soll. Warner und Tolkien Estate wollten schon lange einen Film über Aragorn haben, hier können die Verantwortlichen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem sie in diesem Film mit Aragorn, Gollum und Gandalf gleich drei extrem populäre Charaktere aus dem Franchise unterbringen können. Bereits 2009 erfreute sich ein Non-Profit-Film von Fans, die sich dieser kleinen, verlorenen Geschichte widmeten, großer Beliebtheit. Warner hat nach all diesen Jahren die Verfügbarkeit dieses Fan-Films nun einschränken lassen. Die Jagd nach Gollum taugt sicherlich als kurzer Fan-Film, der nicht ganz eine Stunde Laufzeit für sich beansprucht. Es ist selbst im Herrn der Ringe (Bücher) als auch in den Anhängen (Buch) eine Geschichte, die nicht mehr als eine Randbemerkung von Aragorn wert ist. Die Geschichte bietet keinerlei Spielraum für irgendwelche Weiterentwicklungen des Mittelerde-Kosmos. Noch vor Filmbeginn kennt man das Schicksal aller drei Charaktere. Sollte es hier also nicht die ganz große Überraschung geben, haben die Verantwortlichen erneut den Sprung verpasst, das Universum von Tolkien sinnvoll zu erweitern.

Eine Plage namens Prequels. Etwas melodramatisch von mir nun ausgedrückt, wenn ich ehrlich bin! Aber ich bin nun mal sehr ehrlich und ende diesen Einwurf trotzdem versöhnlich, dass Prequels sowie Spin-Offs ihre Daseinsberechtigung haben, wenn man diese sinnvoll angeht. Wie man an House of the Dragon oder auch der High Republic sieht, kostet es einiges an Aufwand, ein etabliertes Franchise auf neue Gewässer zu führen. Ein Übergang darf nicht zu radikal stattfinden und muss behutsam vorgenommen werden. Auch ohne etablierte Charaktere müssen die Zuschauer sich am Ende heimisch fühlen. Wenn das gelingt, dann kann man auch skeptische Zuschauer wie mich wieder für sich gewinnen. Im altbekannten Trott zu verweilen, weil die Verantwortlichen dahinter sich nicht trauen, von bekannten Charakteren Abschied zu nehmen, bewirkt gegenteiliges. Die Geschichten und Schiskale vieler dieser Charaktere sind unlängst erzählt und besiegelt, stattdessen versäumt man es, aus diesen faszinierenden Universen Geschichten zu präsentieren, die es wert sind, erzählt zu werden. Für Lasagne ist es nun etwas spät (oder früh), aber ich denke, dies war ein ganz brauchbares Schlusswort.

Samstag, 8. Juli 2023

Inside: Als Ralph Bakshi die Idee hatte, den Herrn der Ringe zu verfilmen


Es ist nun rund 31 Jahre her, wo Ralph Bakshi seinen letzten großen Spielfilm, wie so häufig ein Hybrid aus Zeichentrick und Live-Action, produziert hat. Der Film heißt Cool World und es spielten namhafte Schauspieler wie Kim Basinger und Gabriel Byrne im Film mit. In der Hauptrolle ein junger, aufstrebender wie gutaussehender Typ, den 1992 noch kaum wer kannte, Brad Pitt.

Ralph Bakshi ist ein Name, der unweigerlich eng mit der amerikanischen Zeichentrickkultur verbunden ist. Und dennoch ist es ein Name, den eigentlich kaum noch wer kennt und etwas mit ihm assoziiert. Was natürlich eine große Schande ist. Ralph Bakshi (1938 in Haifa geboren) immigrierte mit seiner Familie bereits im Alter von einem Jahr von Palästina in die USA. Aufgewachsen ist er in einem verarmten Viertel in Brooklyn. Bakshy kannte die Straßen, den Slang, der dort gesprochen wurde und die Menschen, die dort zu diesen unruhigen Zeiten lebten. Immer wieder sollte das New Yorker Straßenleben in Bakshis Werken eine große Rolle spielen. Im Alter von 18 Jahren arbeitete er sich in der Zeichentrickindustrie hoch, hatte den großen Traum, Zeichentrick-Animator zu werden und der Rest ist bekanntermaßen Geschichte. Bakshi war immer anders, würde er noch aktiv Filme machen, wäre er auch heute noch anders. Ralph Bakshi zog sich endgültig aus der Zeichentrickindustrie im Jahr 2015 mit dem Kurzfilm "The Last Days of Coney Island" zurück, ein Werk, wie es nur von ihm stammen kann. Last Days of Coney Island auf YouTube

Doch wie kam ein Mann, der solch skandalöse Filme wie "Fritz the Cat", "Heavy Traffic" und "Coonskin" produziert hat, an die Herr der Ringe Lizenz? Nun, erstmal muss gesagt werden: Bakshi beklagte sich häufig für die X-Ratings der MPA (damals noch die MPAA) gegenüber seinen Filmen. Eine normale Episode der Simpsons, so seine Aussage vor einigen Jahren, würde heutzutage die gleichen Inhalte wie Fritz the Cat zeigen. Und hier muss dem Altmeister natürlich vehement widersprochen werden. Die oben aufgezählten Filme sind heute nicht weniger kontrovers, als sie es damals bereits waren. Vielleicht nicht mehr so skandalös aber immer noch deutlich grafischer und expliziter als alles, was die Simpsons jemals gezeigt haben. Nicht einmal Bakshis "konventionellere" Filme wie "Wizards" (dt. "Die Welt in 10 Millionen Jahren") oder "Fire and Ice" würden in der heutigen Zeit unbedingt als familienfreundlich durchgehen. Bakshis Zielgruppe für seine Werke waren sicherlich nie die Kinder. Und da reiht sich die für das Jahr 1978 bisher größte Herr der Ringe Adaption auch ein. Das ist kein Film für Kinder. Besonders Bakshis Stilmittel der Rotoskopie und Arbeit mit echten Schauspielern, die dann in das animierte Geschehen einfließen, dürfte Kinder stark abschrecken. Beim Herrn der Ringe hat dies für einige besonders bizarre Gestalten gesorgt.


Im Jahr 1978 hatte Bakshi sich durch seine Kassenerfolge wie Fritz the Cat, Heavy Traffic, Coonskin und Wizards unlängst einen Name gemacht. Die Filme waren erfolgreich genug, um Geldgeber und Studios zu überzeugen, ein groß angelegtes Projekt zu finanzieren. Bakshi war ein großer Bewunderer von Tolkiens Werk und hegte schon lange den Traum, die Geschichte auf die große Leinwand zu bringen. Aufgrund einer bereits damals mehr als komplizierten Rechtelage, gab es hier so manche Hürden zu überwinden. So mag es heute verwunderlich klingen, aber zur Zeit der Produktion war Der Herr der Ringe in den USA eine Public Domain, soll heißen, sämtliches Copyright von Tolkien Estate galt nicht automatisch auch für die USA. Worüber wir hier gerade reden ist an sich einen eigenen Artikel wert und so komplex und wild, dass die Auswirkungen dieser Angelegenheiten bis heute nicht vollkommen ausgeräumt sind. Belassen wir es bei folgendem: Die Filmrechte gingen zu United Artists und als Bakshi in den 70ern davon erfahren hat, dass sich ihm hier eine Tür öffnen könnte, nachdem sehr viele Filmemacher die Buchreihe als unmöglich zu verfilmen betitelten, wollte er seine Chance ergreifen. Überhaupt war der Herr der Ringe in den USA über viele Jahre eher ein Nischenprodukt in der Fantasy-Literatur. Als in den USA die Pulp-Magazine boomten und Science-Fiction der Literatur-Eskapismus der Amerikaner war, gelangte der Herr der Ringe als europäisches Produkt erstmals wieder in den späten 60ern und in den 70ern erneut ins Gespräch. So war Tolkiens Epos besonders während der Flower-Power Ära auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit angekommen und Gandalf wurde zu einer Kultfigur in der Stoner-Szene (eine wundervolle Hommage gibt es dazu in Philip K. Dicks Science-Fiction Roman "Irrgarten des Todes"). Der Herr der Ringe war zurück im Gespräch und Bakshis Idee, aus dem Buchstoff eine Reihe an Zeichentrickfilmen zu machen, kam zur richtigen Zeit.

Mittlerweile dürfte wohl auch Bakshis Herr der Ringe Adaption wohl eher als ein obskures Stück Zeichentrickgeschichte angesehen werden. Und dennoch wäre es vollkommen verkehrt, den Film als solches zu bezeichnen. Erst einmal, der Film war ein kommerzieller Erfolg und United Artists fühlte sich noch einmal bestätigt, dass es eine gute Idee war, die Partnerschaft mit Bakshi einzugehen. Auch wenn der Film bei Kritikern und Fans der Bücher durchaus kontrovers aufgenommen wurde, so lobte man die Animationskunst des Films, die herausragende Synchronisation (unter anderem zu hören sind John Hurt und Anthony Daniels) und ein allgemeines Gefühl dafür, den Stil von Tolkien in eine Filmwelt zu adaptieren.

Mit einer Laufzeit von über 130 Minuten war der Film für einen Zeichentrickfilm zudem von einer epochalen Laufzeit. Bakshis Pläne waren ambitioniert, die Produktion größtenteils eine Katastrophe und heilloses Durcheinander, was besonders die Live-Action-Aufnahmen betraf, bei denen Bakshi ebenfalls wieder die Regie übernahm. Bakshis ultimative Pläne bestanden darin, die komplette Geschichte zu verfilmen. Dies war aber aus mehreren Gründen nicht möglich. Bakshis Adaption besteht aus "Die Gefährten" und "Die Zwei Türme". Besonders "Die Gefährten" wurde relativ nah an der Literaturvorlage adaptiert während die Adaption von "Die Zwei Türme" deutlich gehetzter wirkte. Es war ein Mammutprojekt und die Bescheinigung vieler Filmemacher, die Buchreihe von J.R.R. Tolkien als nicht verfilmbar zu betiteln, sollte auch Ralph Bakshi noch heimsuchen. So endet der Zeichentrick mit der Schlacht um Helms Klamm als Gandalf der Weiße auf dem Schlachtfeld erscheint und Mordors Truppen vertrieben werden. Abspann. Man könnte meinen, hier ende tatsächlich die komplette Geschichte. Für den Rest der Geschichte musste man dann auf die Literaturvorlage ausweichen. Nur 2 Jahre später folgte ein TV-Zeichentrickfilm von ABC, der die Geschichte des Hobbits und Die Rückkehr des Königs handhabte, konnte aber in Sachen Aufwand, Vollständigkeit und Animationskunst nicht mit dem mithalten, was Bakshi erstmals etabliert hat. Bakshis Werk blieb mehr oder weniger unvollendet, obwohl dies nicht seinen Wünschen entsprach. Doch dies soll den Aufwand nicht schmälern. Ralph Bakshi war einer der ersten, der sich mit einem größeren Budget an den Herrn der Ringe heranwagte. Über große Strecken hat Bakshi hier mit seinem Team eine mutige Adaption abgeliefert. Etwas, was man ihm bei seiner Vita an X-Rated Filmen, sicherlich auch nicht zugetraut hätte. Entstanden ist ein experimenteller Zeichentrickfilm, an den sich so viele Jahrzehnte später nicht mehr viele erinnern können, der aber noch einmal essentiell für eine gewisse Spielfilmtrilogie aus dem Jahr 2001 wichtig werden sollte.


Ralph Bakshis Adaption war eine Blaupause für Peter Jacksons Filme

Würde Peter Jacksons Spielfilmtrilogie zum Herrn der Ringe das sein, was sie heute ist wenn es nicht die Adaption von Ralph Bakshi geben würde? Ich bezweifle es. Peter Jackson outete sich im Zuge der Extras bei der Herr der Ringe Extended Edition als großer Fan von Bakshis Adaption. Jackson hätte die Szene um Odo Stolzfuß, eine Szene, die es so nicht im Buch gab, als Hommage 1:1 für seine Adaption umgesetzt. Doch ist es wirklich die einzige Szene, die Jackson aus Bakshis Film für seine eigene Adaption benutzt hat? Wohl eher nicht. Bakshis Film diente Peter Jackson viel mehr als eine riesige Blaupause für seine eigene Live-Action Adaption. Nicht nur hat Jackson zahlreiche Szenen aus dem Zeichentrickfilm übernommen (die Hobbits, die sich vor dem schwarzen Reiter unter einer Aushöhlung am Baum verstecken und die ebenfalls nicht im Buch vorkommt), er übernahm exakt auch all die Dinge, auf die Bakshi in seiner Adaption aus dem Jahr 1978 verzichtet hat wie der lange Prolog im Auenland und den damit verbunden Problemen chronologischer Abfolgen oder dem Auftritt des Elben Gildor Inglorion und Tom Bombadil, eine der wohl bekanntesten Figuren in Tolkiens Schaffen, die in beiden großen Adaptionen nicht vorkommt.

Stilistisch orientiert sich besonders Jacksons "Die Gefährten" stark an Bakshis Adaption. Egal, ob es sich hier um das Design einiger Protagonisten oder Kreaturen handelt oder chronologische Abfolgen - als Hauptvorlage für die Verfilmung dienten sicherlich nicht direkt Tolkiens Romane, sondern viel mehr Ralph Bakshis Verfilmung. Man kann es kaum leugnen. Denn jeder, der auch nur ein bisschen vom Herrn der Ringe mal gelesen hat wird wissen, welch gravierende Unterschiede es alleine auf den ersten 50 Seiten im Kontrast zu beiden bekannten Verfilmungen gibt. Bakshi nahm sich diese Freiheiten, Jackson hat diese übernommen. Bakshi - Jackson: Der große Vergleich (YouTube Video)

Natürlich verfeinerte Peter Jackson all das, worin es bei Ralph Bakshis Umsetzung noch haperte. Peter Jacksons Trilogie war ein gewaltiges Filmprojekt, selbst über 20 Jahre später hat sich daran kaum etwas geändert. Aber es war Ralph Bakshis Umsetzung, die hier als eine extrem wichtige Referenz diente und ohne die die heutige Trilogie, wie wir sie kennen und lieben, vermutlich ganz anders aussehen würde. Doch wie hätte sie wohl ausgesehen? Hätte sich Peter Jackson genauer an J.R.R. Tolkiens Vorlage gehalten? Oder hätte er sich vielleicht sogar noch weiter von ihr entfernt? Fragen, auf die wir natürlich keine Antworten mehr erhalten werden.


Ralph Bakshi: Ein Meister der Animationskunst


Meine ersten Erfahrung mit Ralph Bakshis Filmkunst war Fritz the Cat, erst danach sah ich seine Herr der Ringe Umsetzung. Ich war etliche Jahre zu Jung für den notgeilen Kater und es war der Hauch des verbotenen, bis um nach 23 Uhr wach zu bleiben und diesen Film im Fernsehen zu sehen. Von der Gesellschaftskritik und den politischen Hintergründen des Films habe ich natürlich noch rein gar nichts verstanden. Aber bereits damals übte der Film eine fast schon fiebertraumhafte Wirkung auf mich aus. Fritz war anders, als alle Zeichentrickfilme, die ich zuvor gesehen hatte. Sex, Gewalt und Drogen bestimmten den Film zwar, aber er war auch unglaublich witzig. Die Situationskomik im Film funktioniert auch heute noch richtig gut. Ohne zu wissen, wer Ralph Bakshi war und was er mit Fritz the Cat zu tun hatte, sah ich viele Jahre später dann, es war die Zeit, kurz bevor "Die Gefährten" im Kino veröffentlicht wurde, seine Herr der Ringe Adaption. Mein damaliger Vergleich von Zeichentrick zur Live-Action Verfilmung war also relativ frisch. Natürlich fegte mich Jacksons Verfilmung vom Kinosessel, daran hat sich auch nicht viel geändert, es bleibt einfach der deutlich bessere Film. Aber über die Jahre habe ich Ralph Bakshis Umsetzung umso mehr lieben gelernt. Aus einem Grund, weil sie teilweise so eigenwillig ist und wie ein LSD-Trip wirkt, aber auch aus dem Grund, weil Bakshi ein Meister seines Fachs ist. Sich an so ein massives Werk wie Tolkiens Epos zu wagen, war ein gewagtes Unterfangen. Rund 45 Jahre später weiß man nun mehr zu schätzen, was Bakshi damals geleistet hat.

Ralph Bakshi prägte den Zeichentrick als experimentelles Medium maßgeblich in den 70ern und auch noch den frühen 80ern. Über die vergangenen Jahre wurde sein umfassendes Werk langsam wiederentdeckt, auch wenn er sich längst aus der Filmindustrie zurückgezogen hat. Bakshi ebnete für viele amerikanische Animatoren den Weg, dass Zeichentrickfilme nicht ausschließlich zur Familienunterhaltung dienen. Zeichentrickfilme dürfen anders sein, dürfen Kunst sein. Ralph Bakshi nutzte in seiner aktiven Zeit als Filmemacher alles, was ihm zur Verfügung stand und hatte damit wohl mehr Erfolg, als er sich selbst jemals zu träumen gewagt hat.

Sonntag, 19. Mai 2019

Präsentation: Der Herr der Ringe - Limitierte Ausgabe zum 50. Jubiläum in Deutschland




Mit einem Video zu einem Jubiläum möchte ich mich zurückmelden. Der Herr der Ringe wird 50 Jahre alt. Zumindest, was die deutsche Übersetzung angeht. 1969 erschien rund 15 Jahre nach der englischsprachigen Originalausgabe die deutsche Übersetzung von Margaret Carroux. Für den Klett-Cotta Verlag eine passende Gelegenheit, diesen Anlass zu feiern. Denn das Wagnis, den Herrn der Ringe nach Deutschland zu bringen, hat sich für den Verlag als Goldgrube erwiesen.

Limitiert auf 5000 Exemplare (was mehr ist, als man meinen könnte) ist am 15.03.2019 eine Gesamtausgabe im Leinenband erschienen, die optisch der Erstausgabe nachempfunden ist. Benutzt wurden hier die Original Cover-Illustrationen des bekannten Künstlers Heinz Edelmann (Beatles- Yellow Submarine). Alle 3 Illustrationen fanden zusätzlich noch den Weg ins Buch selbst zwischen den einzelnen Abschnitten. Wie so häufig bei den Gesamtausgaben enthält das Buch auch die Anhänge sowie als Extra eine große, ausfaltbare Karte von Mittelerde.

Meine Videopräsentation ist bereits vor rund zwei Wochen entstanden und schon vor einigen Tagen von mir auf YouTube hochgeladen worden. Da ich mit der Qualität des Videos aber nicht zufrieden bin, habe ich länger überlegt, es für einen neuen Blogpost zu benutzen. Da ich aber motivierendes Feedback erhalten habe, habe ich mich entschieden, trotz Tonprobleme und einiger irreführender Informationen, das Video hier auf "Am Meer ist es wärmer" zu veröffentlichen.


Die Präsentation des Buches beginnt ungefähr ab Minute 7:50.

Auch hier noch ein kurzer Hinweis: Die erhältliche Ausgabe mit dem roten Buchschnitt kostet 49,95 Euro und nicht, wie von mir im Video angegeben, 49 Euro. Dies macht die limitierte Edition nur 5 Cent teurer.

Von einem YouTube-Nutzer habe ich zusätzlich die Info erhalten, dass sich die Karte, die leider auf der Rückseite des Buchdeckels eingeklebt ist, ohne Rückstände lösen lässt. Ich habe bei den eingeklebten Karten von Klett-Cotta leider schon andere Erfahrungen gemacht und empfehle daher, diese nur auf eigene Verantwortung hin zu entfernen.

Nun möchte ich auch gar nicht weiter drum herum schreiben und wünsche viel Spaß mit der Präsentation. Ich empfehle es, das Video-Segment in hoher Auflösung und im Vollbild zu schauen, da man nur so einen detailreichen Aus- wie Einblick ins Buch erhält.




Präsentation und Eindrücke zur Gesamtausgabe des Herrn der Ringe zum 50. Jubiläum in Deutschland