Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Dienstag, 20. August 2024

Disney begräbt The Acolyte - Eine Grabesrede

 





The Acolyte
Plattform: Disney+
Showrunnerin: Leslye Headland
Darsteller: Lee Jung-jae, Amandla Stenberg, Manny Jacinto, Dafne Keen, Carrie-Anne Moss



Star Wars im Jahr 2024: In irgendeiner Galaxie voll von Young Adult, Fanfiction und schlechtem Writing angekommen


Dieser Artikel enthält Spoiler


In einen englischen Stew kommt viel rein. Manchmal möchte man gar nicht wissen, was sich in diesem Eintopf befindet. Im Falle von The Acolyte, der neusten Star Wars Serie, wird man wohl spätestens nach den 8 Folgen wissen, was da auf dem Feuer am köcheln ist. Showrunnerin Leslye Headland ist hier die Köchin und hat sparsam gekocht. Viel altes, aufgewärmtes ist in diesem Eintopf gelandet, viele unbekannte Zutaten und irgendwo ganz unten, da haben sich auch ein paar frische Zutaten versteckt. Doch bis der Gast diese in seinem Teller wiederfindet, ist die Brühe bereits kalt.

Ungefähr so verhält es sich mit The Acolyte, eine Serie, die in der High Republic angesiedelt ist, eigentlich von Frische und Ideenreichtum nur so strotzen müsste und praktisch auf ganzer Linie versagt, ohne dabei aber komplett für die Tonne zu sein. Ich würde The Acolyte am Ende immer noch über "The Rise of Skywalker" stellen, was vielleicht bei all der Kritik, die die Serie abbekommen hat (darauf gehe ich gleich noch etwas intensiver ein), eine kontroverse Sichtweise ist.

Der nachfolgende Texte war ursprünglich als Review der ersten und bereits letzten Staffel zu "The Acolyte" gedacht und mit komplett anderer Überschrift versehen. Aus zeitlichen Gründen konnte ich das Review nicht fertigstellen und die aktuellste Meldung um die Star Wars Serie sorgte dafür, dass das reine Review flach fällt und ich stattdessen noch einmal auf die Gründe für das scheitern von The Acolyte zurückblicken möchte. Denn vor einigen Stunden gab Disney etwas bekannt, was vielen unlängst klar war: Obwohl The Acolyte eindeutig auf mehrere Staffeln ausgelegt war, hat Disney die Serie nicht für eine zweite Staffel erneuert und bereits zu Grabe getragen. Es gab neben heftiger Kritik der Serie gegenüber aber auch einiges an Zuspruch, sogar eine Petition, die an Disney appellieren sollte, The Acolyte um eine weitere Staffel zu verlängern. Die Entscheidung von Disney ist gefallen und das gegen The Acolyte; nach nur einer Staffel (8 Episoden) ist Schluss. Ob die Serie eine Höchststrafe wie Willow erwarten könnte und in absehbarer Zeit vom Streamingdienst Disney+ verbannt wird, bleibt abzuwarten.

Doch die Gründe, wieso The Acolyte gescheitert ist, sind vielzählig. Vielleicht muss man wirklich nur nach Willow schauen, um sich all zu große Analysen zu ersparen. Denn die Probleme von The Acolyte sind hausgemacht. Die um die 100 Millionen Dollar teure Serie von Leslye Headland vermeldete bereits im Vorfeld immer wieder Verzögerungen bei der Produktion. Die Dreharbeiten waren anscheinend kraftraubend, weshalb die Showrunnerin sich auch eine Auszeit gönnte. Diese gab sich aber kämpferisch und bestätigte nicht nur, sie hätte bereits viele Ideen für eine zweite Staffel sondern wäre auch an einer Serienumsetzung aus der Old Republic interessiert. Dass Headland je noch einmal Hand an Star Wars anlegen wird ist noch unwahrscheinlicher, als wenn Kathleen Kennedy noch einmal Rian Johnson (Regie: Die letzten Jedi) zurück zum Franchise bitten würde.


Kaum frische Ideen


Die High Republic dürfte besonders für lesefreudige Star Wars Fans einiges zu bieten haben und mit politischen Intrigen, neuen Bösewichten wie den Nihil sowie eine ebenfalls neue Sichtweise auf den Orden der Jedi zu der Hochzeit ihrer Macht, die Vorfreude auf den Ausbau des Multimediaprojekts erhöht haben. Dass sich The Acolyte nun so weit von den Romanen abkapselt und wieder einmal größtenteils nur das aufwärmt, was die vergangenen Filme etabliert haben, dies dürfte die wohl größte Enttäuschung sein, die diese Staffel mitgebracht hat. Genau genommen taten Headland und ihr Team nichts anderes, als die Geschichte von Episode I-III nochmal neu zu erzählen. Dies garnierte man ein wenig mit dem Stil von Kurosawa (Headland erwähnte mehrmals "Rashomon" als Inspiration), der zumindest narrativ die Serie noch etwas hervorheben konnte, bevor sie in völliger Ideenlosigkeit zu versinken drohte. Die Twists in der Serie wittert man aus meilenweiter Entfernung. Niemand dürfte beim Face-Reveal des Sith noch überrascht gewesen sein. Und jeder, der auch nur etwas mit dem Schicksal von Anakin Skywalker vertraut ist, weiß, wie die Geschichte der Zwillinge, insbesondere aber von Osha, ausgehen wird. Dass sich Headland hier wirklich dazu herabgelassen hat, die Geschichte des kleinen Ani auf ihre Serie und ihre eigenen Charaktere anzuwenden, darf daran zweifeln lassen, ob sie jemals eigene Ideen besaß, wo sie angeblich doch unzählige Ideen für Star Wars Serien hatte. Auch viele andere Elemente der Serie und etliche Charaktere besitzen keine eigene Identität, Jedi-Meister Sol (ausgesprochen wird es wie die südkoreanische Hauptstadt und verkörpert wird dieser von Squid Game Star und bekennender Star Wars Fan Lee Jun-jae) könnte dabei glatt eine High Republic Kopie von Qui-Gon Jinn sein. Der fremde, namenlose Sith hingegen wirkt wie eine etwas selbstbewusstere Variante von Kylo Ren aka Ben Solo. Dem Team stand hier ein komplett neues, unverbrauchtes Universum bevor, stattdessen lies man dieses Potential völlig ungenutzt. Somit bleibt Andor weiterhin die einzige Star Wars Serie, die sich trotz eher verhaltener Viewzahlen traute, keine ausgelutschten Plots und Charaktere zu melken.


Kein wirkliches Konzept


Trotz einiger Lichtblicke und den recht gut inszenierten Episoden 4 und 5 ist ein wirkliches Serienkonzept bei The Acolyte nie zu erkennen gewesen. Das Schicksal der Charaktere schien vorherbestimmt zu sein, bevor man sie näher kennenlernen durfte. An den Schauspielern lag es nicht wirklich, auch, wenn besonders das hölzerne Schauspiel von Amandla Stenberg in den ersten Episoden negativ aufgefallen ist. Dies dürfte aber besonders an der völlig sinnbefreiten Idee gelegen haben, die junge Schauspielerin mit einer Doppelrolle zu belasten, die am Ende für die Serie mehr Fluch als Segen war und sowieso zu nichts führte. Zahlreiche interessant anmutende Charaktere wie die von der legendären Carrie-Anne Moss gespielte Jedi-Meisterin Indara und die von Dafne Keen gespielte Padawan Jecki Lon wurden hingegen verheizt. Der von Manny Jacinto gespielte Sith brachte einiges an Potential mit, durch das absetzen der Serie werden wir aber nie erfahren, wie es in seinem Charakter-Arc noch weitergegangen wäre - oder könnte. Es wäre kein Ding der Unmöglichkeit für Disney, einige potentiell interessante Handlungsstränge in eine Nachfolgeserie einzubauen. Der von Lee Jung-Jae gespielte Jedi-Meister Sol basiert zumindest auf einem Konzept, was durchaus in die Anfänge von Star Wars zurückgeht. So sollte es bereits im allerersten Film einen asiatischen Jedi-Meister geben und die erste Wahl für die Rolle des Obi-Wan Kenobi fiel ursprünglich auf den Japaner Toshirō Mifune (hier schließt sich der Kreis, Mifune spielte die Hauptrolle in Rashomon). Doch auch Jedi-Meister Sol wird leider durch wenig interessantes Writing eher von einem potentiell interessanten Charakter zu einem MacGuffin degradiert, der am Ende für einen weiteren, vorhersehbaren Twist geopfert wird.

Headland plante hier wohl Agatha Christie meets Rashomon. Eine Murder-Mystery im Weltall rund um die Verschwörung einiger Jedi, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Auf dem Papier mag das durchaus spannend klingen, die Umsetzung selbst hingegen ist genau so kreativ wie einen Wookie-Jedi einzubauen und ihn ohne Lichtschwertkampf Off-Screen sterben zu lassen.


Weitere Staffeln wären nur ein verlängerter Prolog zur Prequel-Trilogie gewesen


Man muss kein nerdiger Star Wars Analyst sein, um sich die Geschichte von The Acolyte weiterzuspinnen. Zwar gab Headland meines Wissens keinen Ausblick auf ihre weiteren Ideen, aber da gleich drei Charaktere aus der Prequel-Trilogie in der Serie vorkommen, kann man wohl absehen, wohin die Reise gegangen wäre. Besonders der für wenige Frames im Bild erscheinende Darth Plagueis, der in The Acolyte seinen ersten offiziellen Auftritt feierte, lässt eher schlimmeres als Vorfreude erahnen. In Staffel 3 oder 4 hätte sich The Acolyte vielleicht zu einer Palpatine Prequel-Story entwickelt und Disney hätte erneut bewiesen, dass sie ohne die Skywalkers, Yoda, den Imperator und wie sie nicht alle heißen, auskommen. Dabei blitzt besonders die Eigenständigkeit von The Acolyte halt auch immer mal wieder auf. Auch hier bekommt man einen doch relativ unverbrauchten Einblick in die Verschlagenheit der Jedi, die teilweise mit einer unnahbaren Arroganz zu Werke gehen. Auch der Einblick in fremde Kulturen und Gepflogenheiten war sonst immer nur Star Trek vorbehalten, während Star Wars diesen World Building Aspekt häufig komplett ignorierte und in The Acolyte deutlich mehr Beachtung findet (und wir trotzdem am Ende nicht schlauer sind, wer die Hexen nun waren).

Doch all das war letztendlich zu wenig, um The Acolyte zu einer eigenständigen Existenz im Star War Universum zu machen.


Was ist am Ende geblieben?


Am Ende ist nicht viel mehr geblieben als eine Idee, die entweder zu ambitioniert war oder einfach auch nie mehr Potential zu etwas größerem hatte. Ein paar gut choreographierte Kämpfe, etwas frische Lore und ein paar neue Facetten der Jedi trösten nicht über das hinweg, was The Acolyte rund 8 Folgen hauptberuflich macht. Und das ist nichts weiter, als die Zuschauer noch einmal mit alten Kamellen zu bewerfen. Und somit entpuppte sich The Acolyte doch als eine weitere Sackgasse für das Star Wars Franchise. Gefangen in seiner eigenen Nostalgiespirale, obwohl man so gerne neue Galaxien bereisen möchte. Ob man Headland alleine diesen Misserfolg zuschreiben kann, kann man nicht so leicht beantworten, da so eine TV-Serie das Produkt vieler handelnder Personen ist. Doch sie hat sich oft genug eben in jenen Mittelpunkt gestellt in Interviews und ihr Name ist mehr als prominent im Abspann jeder Folge zu sehen. Genau wie bei Rian Johnson hat man der Showrunnerin wohl zu viele Freiheiten gelassen, ohne rechtzeitig wie bei Gareth Edward und Rogue einzugreifen, als das Projekt zu entgleisen drohte. Aber all das befindet sich natürlich komplett im Reich der Spekulationen.

Was für die Zuschauer bleibt ist, wie auch schon bei Willow zuvor oder zahlreichen Netflix-Serien, bei denen alle vorzeitig der Stecker gezogen wurde, nur mal wieder Zeitverschwendung und neuer Datenmüll. Ob Disney mit den etablierten Charakteren aus The Acolyte noch irgendwas vor hat, ist mindestens genau spekulativ zu betrachten wie das Thema, wer die Serie genau vor die Wand gefahren hat. Und somit steht Disney weiterhin vor einer Mammutaufgabe, eine neue, überzeugende Spielfilmtrilogie zu erschaffen. Ob die kommenden Projekte von Feige und Filoni Besserung mit sich bringen werden, was die allgemeine Qualität von Star Wars angeht, da sollte man nach The Acolyte mit extrem angepassten Erwartungen herangehen. Feiges Ambitionen dürften bei den neuen Avengers Filmen liegen, Filoni scheint sich bereits während der vergangenen Jahre mit seiner Arbeit an Star Wars ein wenig verbraucht zu haben. Bei The Acolyte hat Disney wieder einmal eine super Chance vertan, das Franchise auf sinnvolle Art weiterzuentwickeln.


Artikel verfasst von: Aufziehvogel

Dienstag, 28. Mai 2024

Einwurf: Eine Plage namens Prequels

 




Es ist gerade kurz nach 01:00 Uhr in der Nacht am Dienstag, den 28.05.2024. Das Wetter draußen ist regnerisch, passend sicherlich zur Stimmung, die gerade in Düsseldorf herrscht nachdem die Fortuna in der Relegation nach einem 3:0 im Hinspiel auswärts anschließend im eigenen Stadion im Elfmeterschießen dann doch noch an dem VfL aus Bochum scheiterte. Ein Duell welches mich, zumindest regional gesehen, unglaublich gepackt hat. Doch, seltsamerweise, kreisen meine Gedanken gerade einmal mehr um ein Thema, dem ich anscheinend nicht entkommen kann. Prequels und Spin-offs. Wieso zu solch einer unwirtlichen Uhrzeit? Ich lag immerhin bereits im Bett. Doch sobald ich meine Augen schloss, hatte ich das irre Grinsen von Chris Hemsworth aus Furiosa vor mir. Ich selbst garnierte dieses mittlerweile bekannte Bild noch mit zwei Köpfen, die ich ungeheuer stark mit fragwürdigen Prequels in Verbindung bringe. Aus den einstigen Lichtgestalten Anakin Skywalker und Bilbo Beutlin, einstmals zwei selten anzutreffende Partygäste, wurden Kneipenstammgäste, die man erst aus dem Laden bekommt, wenn die letzte Runde Weinbrand auf den Wirt geht. Dann ist aber auch wirklich Feierabend. Doch was passiert, wenn der Rausschmeißer-Schnaps auch nicht mehr hilft? Der Wirt könnte ungemütlich werden, aber er möchte auch ungern seine besten Kunden verlieren.

Ich mache mir sicherlich seit einer halben Stunde bereits Gedanken darüber, wie ich diesen Einwurf verfassen soll, ohne wie ein zynischer, arroganter Filmbesserwisser zu klingen. Denn mein Ziel ist es nicht, Prequels und Spin-offs per se zu verteufeln. Im Gegenteil, diese Formate haben durchaus Potential, wenn die Studios dahinter mal mehr Mut hätten, sich von den sogenannten Lichtgestalten zu trennen und etwas komplett neues zu wagen. Für einige scheint es doch noch irgendwie Hoffnung zu geben, andere scheinen den alten Mustern treu zu bleiben. Welche Reihen ich hier meinen könnte, kann man vielleicht vorab schon meinem Titelbild entnehmen, aber ich werde natürlich gleich namentlich drauf eingehen.

Aus irgendwelchen Gründen floppt an den US-Kinokassen gerade das Mad Max Prequel-Spin-off Furiosa: A Mad Max Saga. Maestro George Miller setzte sich dafür sogar nochmal persönlich ans Drehbuch und auf den Regiestuhl. Furiosa, im letzten Mad Max Film (Fury Road) noch gespielt von Charlize Theron, wird in dieser Origin-Story des Charakters von Anya Taylor-Joy verkörpert, während mit Chris Hemsworth ein echter Australier wieder einmal den Gegenpart spielt. Auch George Miller geht nun rückwärts, scheint sein eigenes geschaffenes Universum ausbauen zu wollen während er die Oscarprämierte Erfolgsformel aus Fury Road auf Furiosa anwendet. Trotz äußerst guter Kritiken will der Film an den Kinokassen im Gegensatz zu den vielen Explosionen im Film nicht zünden. Vielleicht teilen sich jetzt gerade, in diesem Augenblick, Furiosa, Garfield und die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf im Klub der Enttäuschten bei ihrem Lieblingsitaliener ein großes Blech Lasagne, welches sie mit dem billigen Frascati runterspülen. Zeit für ein  kleines Geständnis: Ich fand bereits Fury Road damals überwertet. Ich wollte den Film wie so viele andere auch lieben, aber der Funke ist letztendlich nie übergesprungen. Ob es am hölzernen Schauspiel von Tom Hardy lag oder meiner Gleichgültigkeit gegenüber Furiosa vermag ich nicht zu sagen. Aber es reichte völlig aus, dass das lang angekündigte Furiosa-Prequel mich nicht interessieren wird. Vielleicht denken auch einige andere Filmfans so. Vielleicht haben aber die meisten diesen Charakter auch einfach schon wieder vergessen. Vielleicht, vielleicht sind es aber auch Gründe, die einfach nicht wirklich zu erklären sind.

Für mich schlägt Furiosa leider in eine ähnlich uninspirierte Prequel-Kerbe wie so viele andere bekannte Reihen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Prequels waren vor der Star Wars Prequel-Trilogie längst nicht so ein großes Thema wie heute. Mittlerweile wird alles, was auch nur annähernd erfolgreich ist, ausgeschlachtet. Ganz schlimm ist es im Horrorsektor wo sich eine Reihe wie Saw unlängst in einem unsäglichem Wirrwarr aus Sequel und Prequel und dann wieder Sequel und noch ein Prequel und etwas Spin-off nahezu selbst kannibalisiert hat (auch wenn der letzte Ableger wohl wieder ein Schritt nach vorn war). Ein gleiches Schicksal musste Paranormal Activity damals hinnehmen, zahlreiche japanische Geister-Horrorfilme und auch noch einige Slasher wie zum Beispiel Texas Chainsaw Massacre, wo man sogar so weit ging, ein Prequel in der Remake-Timeline zu produzieren. Und dann gibt es ja auch noch Insidious, The Conjuring und so weiter. Und es wird wohl nicht lange dauern, bis auch der Horror-Hit aus Australien (ein Film, den auch Chris Hemsworth wärmstens empfiehlt) Talk to Me mit mehreren Prequels und Spin-offs ausgestattet wird. Doch die Milchkühe machen auch vor einem so gefürchteten Mann wie John Wick keinen Halt, wo es mit The Continental den ersten "Ableger" der Reihe gibt, der gleichzeitig als Prequel-Serie fungiert. Und Donnie Yen macht sich bestimmt schon bereit für das angekündigte Caine Spin-off.

Die Ideenlosigkeit, die ich hinter den meisten Prequels sehe, ist die Angst der Studios, etablierte, bekannte, ikonische Figuren nicht weiter verwenden zu können. Entfernt man sich zu sehr von einer bestimmten Timeline, besteht die große Gefahr, dass eben genau diese bekannten Figuren nicht mehr zu sehen sind. Bei Warner und MGM war die Angst beim Hobbit anscheinend damals so groß, dass man es vollbrachte, viel mehr Jacksons Ring-Trilogie zu kopieren als Tolkiens Hobbit zu adaptieren. Denn hier herrschte eindeutig verkehrte Welt. Der Herr der Ringe ist unverkennbar das Sequel zum Hobbit. Doch die Verfilmung des Hobbits wurde so konzipiert, dass sie viel mehr ein Prequel zu Peter Jacksons Ring-Trilogie ist. Es ist ein Dilemma, in dem sich Star Wars nun seit Jahrzehnten befindet. Dieses Dilemma startete einst mit der Prequel-Trilogie und dem Wunsch von George Lucas, seine Geschichte, die irgendwo in der Mitte begann, zu Ende erzählen zu können. Dabei verrannte sich Lucas nur in so viele Widersprüche zur Originaltrilogie, dass man alleine aus diesen Widersprüchen eine eigene Trilogie an Spielfilmen anfertigen könnte. Das Prequel-Dilemma. Es begleitet Star Wars praktisch seit der ursprünglichen Trilogie, als sich alle Leute nach dem "Wie, Wieso und Warum" fragten. Die Skwalker und einige andere beliebte Charaktere wurden über die Jahrzehnte viel mehr zu einer Bürde als Hoffnungsträger, die das Franchise tragen. Als Disney nach der Übernahme von Lucasfilm die Marke endgültig ausschlachtete und man fast meinen konnte, vielleicht würde auch noch Jar Jar Binks eine eigenständige Event-Serie erhalten, wurde klar, wie klein die weit, weit entfernte Galaxie wirklich ist. Sämtliche Prequel-Shows wie The Mandalorian, Andor und Ahsoka wagten sich trotz ihrer Qualitäten, wie auch schon die CG-Zeichentrickserien, kaum aus ihrer Komfortzone. Ein bisschen wirkt Star Wars wie ein sehr isolierter Mensch, der tagtäglich das gleiche sieht und sich fragt, wie die Welt wohl hinter Ampel Nr. 5 aussehen mag. Star Wars ist im Prequel-Gefängnis gefangen, obwohl man Geschichten erzählen könnte, die hunderte, gar tausende Jahre zurückreichen oder nach vorn blicken, fernab der Skywalkers und einem weiteren verzweifelten Auftritt von Darth Vader, Luke Skywalker oder dem Imperator. Die Studios klammern sich in ihren Prequels zu sehr an Komfortzonen und Wohlfühloasen, die den Zuschauern aber immer mehr aus den Ohren kommen. Da die Geschichten der Prequels und damit oft verbundenen Spin-offs nur wenige Jahre bis Jahrzehnte auseinander liegen, gibt es kaum Weiterentwicklungen oder echte Neuerungen. Das Schicksal vieler Charaktere kennt man unlängst aus etlichen Filmen. Doch frische, unverbrauchte Geschichten und Charaktere könnten vor diesen legendären Marken liegen.

Jedoch es gibt wenige Beispiele, wo ein Prequel auch funktionieren kann. Zuletzt hat mir dies erst House of the Dragon bewiesen, eine Serie, die rund 200 Jahre vor den Ereignissen in Game of Thrones spielt. Nicht nur respektiert man hier das Buch von GRRM, die Macher haben es auch geschafft, sich von bekannten Charakteren zu lösen, anstatt irgendwelche unsinnigen Origin-Stories zu Publikumsliebling XYZ zu erzählen. House of the Dragon erzählt nicht die Geschichte einzelner bekannter Figuren weiter, die Serie erzählt einen Mythos weiter, die Geschichte einer Familiendynastie und erweitert damit den gesamten Serienkosmos, während man immer noch eine altbekannte Atmosphäre aufbaut, sei es durch bekannte Locations oder Familiennamen. Dies ist etwas, was der Prequel-Serie zum  Herrn der Ringe, den Ringen der Macht, nur in den seltensten Fällen gelungen ist. Genau wie der Hobbit ist man trotz einer gewaltigen Zeitspanne zur Ring-Trilogie  zu sehr darauf bedacht, auf Gedeih und Verderb namhafte Charaktere in der Geschichte unterzubringen. Hier entsteht eine erneute Abhängigkeit zu den bereits etablierten Charakteren, obwohl das Schaffen von Tolkien so viele weitere Geschichten aus verschiedenen Zeitaltern umfasst, die es nicht nur alle wert sind, erzählt zu werden sondern zeitgleich auch auf neue Helden und Bösewichte setzen.

Um nun aber zu meinem Ausganspunkt von ganz oben zurückzukommen, es scheint Hoffnung zu geben und gleichzeitig auch wieder die Befürchtung, einige verharren in ihrer Komfortzone, um sich von bekannten Charakteren, die die Zuschauer kennen und lieben, nicht trennen zu müssen. Ausgerechnet Disney mit Star Wars scheint nun aber verstanden zu haben, dass die Marschrute, die man viel zu lange gefahren ist, nicht mehr weiter befahrbar ist. Bereits seit 2021, als man die High Republic mit viel PR etabliert hat, sind einige sehr gelungene Romane erschienen die mehrere Jahrhunderte vor der Skywalker-Saga spielen. In den Jahren zuvor haben immer mal wieder einige ältere Star Wars Romane Ausflüge in frühere Zeiten gemacht, doch mit der High Republic zählen diese Geschichten erstmals zum neu etablierten Kanon. Auf Grundlage dieser Ära und Romane startet im Juni mit The Acolyte die erste Serie in der High Republic und die rund 100 Jahre vor den Ereignissen der Skywalker-Saga spielen wird. Frische, neue Geschichten und Charaktere, völlig unverbraucht aber in einem etablierten Mythos. Star Wars könnte dies gelingen, was zuletzt House of the Dragon gelungen ist.

Düsterer sieht es da hingegen schon wieder in Mittelerde aus. Auch dort wird weiter neuer Stoff für neue Adaptionen entwickelt. In wenigen Monaten startet die zweite Staffeln zu den Ringen der Macht. Ein erster längerer Teaser zeigt nur wenig Weiterentwicklung und erschuf viel mehr Internet-Memes über Perücken und elbischen Plastikohren. Vor wenigen Wochen wurde die Rückkehr von Peter Jackson und seinem Team angekündigt, die mit Andy Serkis auf dem Regiestuhl für 2026 einen neuen Spielfilm planen, der die Jagd auf die Kreatur Gollum behandeln soll. Warner und Tolkien Estate wollten schon lange einen Film über Aragorn haben, hier können die Verantwortlichen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem sie in diesem Film mit Aragorn, Gollum und Gandalf gleich drei extrem populäre Charaktere aus dem Franchise unterbringen können. Bereits 2009 erfreute sich ein Non-Profit-Film von Fans, die sich dieser kleinen, verlorenen Geschichte widmeten, großer Beliebtheit. Warner hat nach all diesen Jahren die Verfügbarkeit dieses Fan-Films nun einschränken lassen. Die Jagd nach Gollum taugt sicherlich als kurzer Fan-Film, der nicht ganz eine Stunde Laufzeit für sich beansprucht. Es ist selbst im Herrn der Ringe (Bücher) als auch in den Anhängen (Buch) eine Geschichte, die nicht mehr als eine Randbemerkung von Aragorn wert ist. Die Geschichte bietet keinerlei Spielraum für irgendwelche Weiterentwicklungen des Mittelerde-Kosmos. Noch vor Filmbeginn kennt man das Schicksal aller drei Charaktere. Sollte es hier also nicht die ganz große Überraschung geben, haben die Verantwortlichen erneut den Sprung verpasst, das Universum von Tolkien sinnvoll zu erweitern.

Eine Plage namens Prequels. Etwas melodramatisch von mir nun ausgedrückt, wenn ich ehrlich bin! Aber ich bin nun mal sehr ehrlich und ende diesen Einwurf trotzdem versöhnlich, dass Prequels sowie Spin-Offs ihre Daseinsberechtigung haben, wenn man diese sinnvoll angeht. Wie man an House of the Dragon oder auch der High Republic sieht, kostet es einiges an Aufwand, ein etabliertes Franchise auf neue Gewässer zu führen. Ein Übergang darf nicht zu radikal stattfinden und muss behutsam vorgenommen werden. Auch ohne etablierte Charaktere müssen die Zuschauer sich am Ende heimisch fühlen. Wenn das gelingt, dann kann man auch skeptische Zuschauer wie mich wieder für sich gewinnen. Im altbekannten Trott zu verweilen, weil die Verantwortlichen dahinter sich nicht trauen, von bekannten Charakteren Abschied zu nehmen, bewirkt gegenteiliges. Die Geschichten und Schiskale vieler dieser Charaktere sind unlängst erzählt und besiegelt, stattdessen versäumt man es, aus diesen faszinierenden Universen Geschichten zu präsentieren, die es wert sind, erzählt zu werden. Für Lasagne ist es nun etwas spät (oder früh), aber ich denke, dies war ein ganz brauchbares Schlusswort.

Sonntag, 8. Oktober 2023

Indiana Jones und das Geheimnis der Jedi Reliquie

 

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Review zum fünften Indy Abenteuer "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" folgen. Aber ich möchte mal etwas anderes präsentieren. Ich spare mir das Review und möchte meine Kritik zum Film mit einem Movie-Pitch näherbringen, den ich zusammen mit der KI ChatGPT entworfen habe. Auch das Filmposter stammt von einer KI, nämlich DALL.E mini.

Das neuste Indiana Jonaes Abenteuer hat mir nämlich eines mit auf den Weg gegeben: Heutzutage kann jeder anscheinend ein neues Indy-Abenteuer schreiben. Doch was kommt dabei raus, wenn sich Mensch und Maschine zusammentun?

Das Ergebnis: Ich habe richtig Bock, basierend auf diesem Pitch eine komplette Geschichte zu schreiben. Vielleicht tue ich das auch.

Allen Lesern wünsche ich nun viel Spaß bei dieser etwas anderen Rezension zu "Indiana Jones und das Rad des Schicksals".
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Indiana Jones und das Geheimnis der Jedi-Reliquie


In einer düsteren und von Konflikten zerrütteten Welt verschwinden wertvolle Artefakte, die einst von Jedi-Rittern geschützt wurden. Der verbitterte und gnadenlose Archäologe Henry Jones Jr., gespielt von Liam Neeson, ist auf einer gefährlichen Mission der Rache. Sein Verlangen nach Vergeltung wurzelt in einer persönlichen Tragödie: Sein langjähriger Freund und Mitstreiter, Dr. Samuel "Sam" Turner, ein einstiges Mitglied des Jedi-Ordens, wurde von einer geheimen Organisation unter der Leitung von Victor Krieg ermordet. Sam war immer ein treuer Freund von Indy und hatte die Jedi-Reliquie geschützt, bevor er sein Leben für sie opferte.

An seiner Seite befindet sich sein ungewöhnlicher Sidekick, Max Peterson, ein tollpatschiger, aber liebenswerter Archäologie-Enthusiast, gespielt von Kevin James. Max ist ein tollpatschiger Charakter, der ständig in Schwierigkeiten gerät, aber er hat eine Leidenschaft für Archäologie und bewundert Indiana Jones zutiefst. Während ihrer gefährlichen Reise entwickelt sich eine unerwartete romantische Spannung zwischen Indy und Max.

Victor Krieg, der skrupellose Schatzjäger und ehemalige Verbündete von Indiana Jones, entpuppt sich als der Drahtzieher hinter dem Mord an Sam Turner. Krieg plant, die Macht der Jedi-Reliquie zu nutzen, um seine eigene finstere Macht zu stärken und die Welt zu unterwerfen. Als Twist stellt sich heraus, dass Krieg einst ein gefallener Jedi-Ritter war, der von den anderen Jedi verstoßen wurde. Er hat dunkle Kräfte entwickelt und will nun Rache an der Jedi-Ordnung nehmen.

Der erste schockierende Twist kommt, als enthüllt wird, dass Liam Neesons Indiana Jones in Wahrheit ein verlorener Jedi-Ritter ist, der seine Kräfte unterdrückt hatte, nachdem er von dem Jedi-Orden verstoßen wurde. Er hatte sich zurückgezogen und versucht, ein normales Leben zu führen, bevor ihn die Nachricht vom Tod seines Freundes Sam erreichte.

Der zweite Twist tritt auf, als Max Peterson, durch seine tollpatschige Art oft unterschätzt, plötzlich ungeahnte Fähigkeiten zeigt. Es stellt sich heraus, dass Max latent machtsensitiv ist und die Macht der Jedi in sich trägt. Diese Fähigkeit war bisher verborgen, aber sie manifestiert sich, wenn er und Indy in tödlicher Gefahr sind.

Schließlich kommt es nach einer intergalaktischen Reise zu vielen exotischen Planeten im epischen Showdown zu einem letzten Twist, als sich herausstellt, dass Sam Turner, der totgeglaubte Freund von Indiana Jones, sie alle hintergangen hat. Er enthüllt seine finsteren Absichten und sagt zu Indy: "Du warst ein Narr, mir zu vertrauen, genau wie dein Vater vor dir." Doch Indy, der alles durchschaut hat, entgegnet ruhig: "Sam, mein alter Freund, du hast vergessen, den Fangstrahler zu deaktivieren." Auf diesen Satz hin explodiert die Plattform, auf der Sam steht, und er wird in die Weiten des Universums geschleudert. Indy kann gerade noch die Jedi-Reliquie retten und auffangen.

Der Showdown mit Victor Krieg findet statt, als Victor versucht, die Reliquie in seinen Besitz zu bringen. Doch die Reliquie erkennt die finsteren Absichten von Krieg und ergreift die Initiative. In einem letzten, dramatischen Moment wird Krieg von unsichtbaren Kräften ergriffen, die ihn in die Luft heben und in eine wirbelnde Säule aus gleißendem Licht einschließen. Indy sieht zu und sagt mit einem kühnen Lächeln: "Die Macht der Jedi-Reliquie richtet über diejenigen, die sie missbrauchen."

Die Säule aus Licht und Dunkelheit verschlingt Victor Krieg auf grausame Weise, während seine Schreie im Chaos der Mächte verhallen. Sein Ende ist eine Warnung an all jene, die versuchen, die Macht der Jedi-Reliquie für böse Zwecke zu nutzen – sie wird ihre Zerstörung herbeiführen, ohne Gnade und ohne Reue.

Die Geschichte endet damit, dass Harrison Ford als Han Solo und John Wick auftauchen, um Indy und Max zu unterstützen, weil sie von den Ereignissen gehört haben und sich der Bedeutung der Jedi-Reliquie bewusst sind. Indy sagt zu ihnen: "Möge die Macht für immer mit euch sein, meine treuen Freunde." Sie sind bereit, ihre Fähigkeiten und Ressourcen einzusetzen, um sicherzustellen, dass die Reliquie in guten Händen bleibt und nicht in die falschen gerät.


Pitch Ende



Original Copyright: Disney
Schöpfer: George Lucas, Philip Kaufman

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Einwurf: Hat der Mandalorian Star Wars repariert?

 



Könnte einige Spoiler beinhalten. Lesen auf eigene Gefahr!


Normalerweise ist solch eine Überschrift Tabu für mich. Das sind solche Titel, die man vermutlich in seinem Google-Feed auf dem Smartphone finden wird. Das gute aber ist, erst einmal ist mein Blog nicht prominent genug für den Google-Feed und zweitens stelle ich in dem Titel eine Frage und mache daraus nicht einen Fakt, wie es bei Bloggern oder YouTubern ja schon unlängst Tradition ist. Normalerweise müsste da also stehen: "Wie der Mandalorian es geschafft hat, Star Wars zu reparieren" oder im heutigen Zeitalter wo alles schnell gehen muss: "Mando biegt Star Wars gerade".

Warum stelle also ausgerechnet ich eine Frage in der Überschrift? Die Frage, ob da was repariert werden muss. War da denn je was kaputt? Nun, wer irgendwann doch mal hier gelandet ist und einen anderen Einwurf las, wo es öfters mal um Star Wars ging, der wird wissen für wie reparaturbedingt ich Star Wars halte. Ich halte die neue Sequel Trilogie für konzeptlos und am Ende wurde es dann auch noch ideenlos. Dabei kritisiere ich nicht einmal die Machart der Filme die handwerklich einfach fantastisch sind. "Das Erwachen der Macht" halte ich sogar auch noch immer für den besten Star Wars Kinofilm nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" sofern es sich nur um die Skywalker-Saga handelt. "Rogue One" sehe ich immer noch recht deutlich über "Das Erwachen der Macht". Aber es war halt ein vielversprechender Auftakt, der den Weg für eine herausragende Trilogie ebnen sollte. Star Wars zurück vom kompletten Greenscreen zu echten Sets mit Charakteren zum anfassen. Das Problem mit dem fehlendem Konzept hingegen sollte diese Pläne zunichte machen. Aus Charaktere zum anfassen wurden leere Hüllen mit wirren Backstories und die Geschichte selbst zu einer Parodie von allem, was man sich über die letzten Jahrzehnte aufgebaut hat. Zähneknirschend muss ich zugeben, selbst Lucas seine Prequel-Trilogie hat hier noch mehr abgeliefert da er von Beginn an eine Story versprach, die von Anakin Skywalker und dem Untergang der Jedi sowie den Aufstieg des Imperiums handeln sollte. Lucas hatte also ein Konzept welches er lange verfolgte und vermutlich so umsetzte, wie er es geplant hatte. Die Sequel-Trilogie hingegen kann sich nicht entscheiden ob sie kopieren möchte oder lieber etwas ganz eigenständiges sein will (dazu gleich mehr). Doch auf diese Probleme bin ich schon sehr häufig eingegangen. Fakt ist aber auch: Die Sequel-Trilogie hat ihre Fans und das ist vollkommen in Ordnung und sogar gern gesehen. In dem Falle stelle ich mir daher die Frage, ob Star Wars wirklich repariert werden musste wenn die neue Spielfilmtrilogie für viele die Erwartungen absolut erfüllt hat.

Doch selbst wenn man viele Sympathien für die Sequel-Trilogie hegt, so muss man sich vielleicht eingestehen, dass es nicht unbedingt die Fortsetzung zu Episode VI ist, die man auch nur ansatzweise erwartet hat oder die das Vermächtnis verdient hat. Schriftsteller Timothy Zahn hat 1991 mit "Erben des Imperiums" in seiner berüchtigten Thrawn-Trilogie bereits bewiesen, wie man es besser macht ohne dabei das Original kopieren zu müssen. Und hier kommt der Mandalorianer ins Spiel. Als vor rund einem Jahr die erste Staffel vom Mandalorianer fast einhellig abgefeiert wurde, hatte ich mich gefragt, ob sie wirklich so gut war oder die Serie enorm von dem Unmut des Star Wars Anhangs gefeiert wurde, weil man so wenig mit der Sequel-Trilogie anfangen konnte. Ich denke es war eher letzteres. Staffel 1 vom Mandalorianer bewies natürlich, wie eine Big Budget TV-Serie aussehen kann, aber ein wirkliches Konzept fehlte auch hier noch. Bei nur 8 Episoden brachten nur wenige davon die Story wirklich weiter. Es war, als wollten Jon Favreau und Dave Filoni (der übrigens schon ne menge Erfahrung mit der Clone Wars Serie sammeln konnte) einfach mal die Wassertemperatur fühlen. Verständlicherweise. Star Wars befand sich in einem Tief, man wusste nicht wie das Serienformat ankommen würde und die sehr komplizierte Situation zum Start des Disney+ Dienstes war ebenfalls ein Hindernis. In welche Richtung sich die Story vielleicht noch entwickeln würde, war nicht abzusehen. Mit Baby Yoda hatte man natürlich ins Schwarze getroffen und zumindest bei diesem Charakter mal wieder alte Star Wars Qualitäten bewiesen: Das Merchandise anheizen! Da darf man ja keinen Hehl draus machen, Star Wars bedeutet auch Konsum und kann ein teures Hobby werden. Man hatte also Baby Yoda (oder The Child oder nun kennt man ja auch seinen richtigen Name) und der Mandalorianer Din Djarin (Pedro Pascal) eine Aufgabe: Den kleinen Kerl irgendwohin bringen wo es Jedi gibt. Wo das sein wird, wer das sein wird und wer den kleinen vielleicht ausbilden wird spielte da noch keine Rolle. Man hatte außerdem Mandos Verbündete und den Gegenspieler sowie einige ulkige wie kuriose Sidekicks, die es schon immer in Star Wars gab. Das wichtigste war es, das Grundgerüst erst einmal stehen zu haben. Über alles andere konnte man sich nachträglich Gedanken machen.

Doch man hat sich Favreu und Filoni nicht ins Boot geholt, weil einer davon das Marvel MCU erschaffen hat und der andere bereits Star Wars Fahrwasser in den Schuhen hatte. Man hat sich diese beiden Herren besonders ins Boot geholt, um eine Konstanz zu erhalten um solche Fehler wie bei der Sequel-Trilogie mit den stets wechselnden Regisseuren und fehlenden Anweisungen für den Nachfolger zu vermeiden. Man übergab Favreu das Szepter und der hat ein eingeschworenes Team rund um den Mandalorianer gegründet und arbeitet zudem noch eng mit den Schauspielern zusammen. Favreu und Filoni agieren hier mehr wie zwei Fußballtrainer, die einen kriselnden Verein zurück auf die Spur bringen wollen. Man musste ungefähr wissen, wo man bei Star Wars ansetzen muss. Da war es wichtig mit der ersten Staffel schon einmal eine Grundlage zu schaffen. Der Rest kommt später. Und genau da hat man dann mit Staffel 2 weitergemacht als das Grundgerüst stand. Die Fassade. Und wenn man die Credits nach jeder der achte Episoden mal verfolgt, wird auch schnell klar was ich mit eingeschworenem Team meinte. Neben Favreau selbst nimmt natürlich auch wieder Filoni auf dem Regiestuhl platz. Und welche andere Folge hätte es nur sein können als bei S2E5 "The Jedi". Spoiler: Es war die Ahsoka Tano Episode. Ahsoka Tano ist größtenteils Filonis Baby und auch nach der Übernahme von Disney und der damaligen Absetzung von The Clone Wars konnte sich Filoni nie so wirklich von Anakin Skywalkers einstigem Padawan trennen. Hatte ich vorher noch Skepsis geäußert bezüglich der Auswahl von Rosario Dawson als Darstellerin, war diese schon relativ früh verflogen. In S2E3 nahm erneut Bryce Dallas Howard (Rons Töchterchen) auf dem Regiestuhl platz und lieferte "The Heiress" die erste enorm starke Episode ab, die die Story erstmals ins Rollen brachte. In S2E4 "The Siege" durfte dann in einer ähnlich furiosen Episode Carl Weathers ran, den man hier sowohl als Regisseur als auch wieder als Schauspieler in seiner Rolle als Greef Karga sieht. In S2E6 "The Tragedy" kommt dann sogar Star Wars Geek Robert Rodriguez ins Spiel der hier, wie er selbst sagt, ein Last Minute Ersatz war und seinem Kumpel Jon Favreau damit einen großen Gefallen erwiesen hat (und dessen Idee für diese Episode auf das spielen mit Star Wars Actionfiguren zurückgeht). Rick Famuyiwa, der in Staffel 1 noch bei zwei Episoden Regie führte ist auch hier wieder bei S2E15 "The Believer" mit einer sehr starken Episode dabei. Der Löwenanteil mit zwei Episoden (darunter die mit einer 9,9 Sternen in der IMDb bewerteten finalen Episode S2E8 "The Rescue") geht jedoch an Peyton Reed, dem sein Durchbruch mit Ant-Man im Marvel MCU gelang.

Was bei diesem kleinen, aber eingeschworenem Team sofort auffällt sobald man etwas mehr ins Detail geht: All diese Leute wurden persönlich von Jon Favreau ausgesucht. Es sind teilweise Leute mit denen er schon zusammengearbeitet hat oder sie schon vorab aufgrund ihrer Verdienste sehr schätzt. Keine Episode ist eine arrogante One-Man-Show sondern teil eines Kollektivs, ein Konzept, was hier komplett aufgeht. Es ist ein ähnliches Konzept welches es bereits bei "Star Trek - Das nächste Jahrhundert" gab. Auch dort war es nicht ungewöhnlich, als Darsteller wie Jonathan Frakes oder LeVar Burton irgendwann auch hinter der Kamera auf dem Regiestuhl Platz nahmen. Anders als bei dem gefloppten Star Trek Nemesis Kinofilm nahm bei der Star Wars Sequel-Trilogie aber niemand auf diesem Stuhl Platz, der das Franchise nicht ausstehen konnte oder einfach keinerlei Erfahrung damit hatte. Im Gegenteil. Sowohl J.J. Abrams als auch Rian Johnson sind so große Star Wars Fans, dass sie Bedenken äußerten, die richtigen Männer für diesen Job zu sein (wenn auch die Zweifel bei Abrams deutlich größer waren). Das Problem was sich dadurch ergab war folgendes: Der eine Regisseur wollte weniger sein eigenes Star Wars als viel mehr ein Star Wars, das an alte Zeiten erinnert ohne die Formel zu sehr zu verändern. Während dies Abrams Philosophie war, wollte der andere, Johnson, sein eigenes, exotisches Star Wars haben wo einfach alles ein wenig anders war. Wenn man die Pole von zwei Magneten aneinander hält, entfernen sie sich voneinander. So ungefähr verlief es mit den Philosophien von Abrams und Johnson. Und hier wiederum kommt Favreau und sein Team ins Spiel. Größtenteils alles alte Star Wars Fans, wollen sie jedoch beide Philosophien miteinander verbinden. Man will das alte Star Wars Feeling, möchte aber auch einen vollständig eigenen Weg gehen. Dass es auch in andere Richtungen gehen kann beweist Favreau auch bei der Auswahl der Darsteller. So ist Comedian und Schauspieler Bill Burr ein bekannter Star Wars Anti-Fan (neben Harrison Ford vermutlich der zweitprominenteste Star Wars Anti-Fan der in direkter Verbindung zum Franchise steht). Etwas, was Favreau so reizvoll fand, dass er ihn in der Serie haben wollte.

Was das Team rund um Favreau und Filoni hier allmählich aufbaut entwickelt sich, ohne, dass man es so richtig bemerkt, zu dem "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" Sequel, welches sich Fans so lange gewünscht hatten. Zu verdanken hat man dies natürlich auch der Timeline, so spielt The Mandalorian nicht einmal 10 Jahre nach Episode IV, im starken Kontrast zu Episode VIII, die rund 34 Jahre nach Episode IV spielt. Die Sequel-Trilogie kämpft also mit dieser riesigen Zeitspanne, die leer bleibt und selbst durch Romane oder Comics, von dessen Existenz der gewöhnliche Zuschauer vermutlich nicht einmal etwas weiß, nicht zufriedenstellend ausgefüllt wird. Und hier komme ich nun zu dem Punkt, wo der Mandalorianer die Sequel-Trilogie, zumindest die großen zeitlichen Lücken, reparieren und füllen könnte. Sofern Disney die Sequel-Trilogie also noch nicht vom offiziellen Star Wars Canon gestrichen hat, so könnte der Weg, den man hier geht, irgendwann dorthin führen (wobei man dafür natürlich auch eine komplett eigene Serie entwickeln könnte).

Und so ist es besonders die viel besprochene letzte Episode der zweiten Staffel, die weitaus mehr als nur Fanservice und Seelenbalsam sein könnte. Denn Fevreau und sein Team haben glaube ich verstanden, dass ein alter Zaubertrick seine Wirkung schnell verliert und ein Darth Vader oder Imperator Palpatine Cameo niemanden mehr vom Sofa fegen wird. Es sei denn natürlich, man baut so etwas mit Sinn und Verstand ein und möchte somit eine ähnliche Reaktion hervorrufen wie bei dieser finalen Episode.

The Mandalorian könnte also das wichtige Reparaturkit sein, welches das Franchise alleine dafür benötigt, um den Star Wars Canon wieder in Schuss zu bringen. Aber die Serie ist so viel mehr, nämlich etwas völlig eigenständiges ohne dabei ständig einen Abgesang auf die gute alte Zeit zu veranstalten. Disneys Pläne derzeit liegen nicht bei einer neuen Filmtrilogie oder irgendwelchen Spin-Off Filmen. Man hat das derzeit perfekte Format für Star Wars entdeckt, welches auch nach aktueller Weltlage vermutlich auch am profitabelsten ist. TV-Serien. Wobei "TV" hier nur noch ein sehr vager Begriff ist, da sich zumindest The Mandalorian kaum von einem Big Budget Spielfilm unterscheidet. Man mag fast glauben, Disney habe die Essens von Star Wars endlich begriffen. Doch wie stark die Macht in diesen neuen Serien wirklich ist, wird sich ende 2021 beweisen wenn "The Bookf of Boba Fett" auf Disney+ erscheinen wird. Und auch hier werden wieder Favreau und Filoni am Werke sein, denn die Macht scheint besonders in diesen zwei Herren derzeit besonders stark zu sein.

Was The Mandalorian angeht: Es wird eine dritte Staffel geben und die Möglichkeiten sind scheinbar so unendlich wie die weit, weit entfernte Galaxis. Wenn Staffel 1 das Grundgerüst war und Staffel 2 die Fassade, dann müsste Staffel 3 nun also die Inneneinrichtung werden.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Einwurf: Abschließende Gedanken zum finalen "The Rise of Skywalker" Trailer




Star Wars Episode IX: The Rise of Skywalker - Finaler Trailer





So ziemlich alles, was mit der neunten Episode des kommenden Star Wars Abenteuers zu tun hat klingt endgültig. Und so ist es beim Abschluss der Saga rund um die Skywalkers nicht verwunderlich, dass noch im Oktober, rund zwei Monate bevor der Film offiziell startet, der finale Trailer veröffentlicht wurde.

Die Prämisse des Trailers könnte dabei kaum besser in Szene gesetzt sein. Eine durchgehend melancholische Stimmung die nach Abschied klingt. Bombastische Optik die exotische Planeten und Raumschiffe zeigt die sich für eine letzte Schlacht wappnen und ein Ausblick auf das personifizierte Böse: Imperator Palpatine. Doch anstelle eines Knalls verpuffte der Effekt irgendwie am Ende wie ein kleiner Feuerwerkskörper. Woran es nun wirklich lag, kann ich nur schwer erklären. Für mich hat Episode VIII zwar auch einen signifikanten Schaden angerichtet, den man, meiner Meinung nach, nicht mehr reparieren kann, aber dennoch stand ich Abrams letzter Star Wars Episode immer relativ neutral gegenüber. Natürlich war es von vornherein unmöglich gewesen, mit einem weiteren Film das auszubügeln, was der Vorgänger angerichtet hat. Die neuen Charaktere stagnierten und die alten, so beliebten Charaktere fanden kaum Erwähnung oder aber segneten das Zeitliche. Doch damit begann bereits Abrams in Episode VII.

Die geringe charakterliche Entwicklung sowie das fehlen ikonischer Charaktere stellt den neuen Trailer vor ein Problem: Ich habe zu diesen Figuren keinerlei Bezug. Sämtliches Potential, was in Episode VII aufgebaut wurde, verpuffte im letzten Film. Interessante Charaktere wie Poe wirken nur noch wie ein unbedeutender Statist während das Potential von Finn schon in Abrams erster Star Wars Episode erloschen ist. Noch viel schlimmer ist es, während ich diesen Text schreibe, habe ich einen anderen Tab für Google geöffnet, um die korrekte Schreibweise der neuen Charaktere nachzuschlagen. Von Rey will ich also eigentlich gar nicht erst anfangen. Egal ob J.J. Abrams oder Rian Johnson und vermutlich auch Produzentin Kathleen Kennedy; mit diesem Charakter schien nie jemand so wirklich zu wissen, was nun aus dem Schicksal dieser Frau wird. Auch hier gabs durchaus noch Potential da Rey per se kein schlechter Charakter ist. Die Möglichkeiten, mit dieser Figur etwas anzustellen waren durchaus gegeben. Im neuen Trailer wirkt aber auch Rey weiterhin wie ein unkontrollierbarer MacGuffin, der von Planet zu Planet gescheucht wird, um seine Bestimmung zu finden. Eine Bestimmung, die noch immer unweigerlich an einen weiteren, leeren Charakter geknüpft ist: Kylo Ren aka Ben Solo. Getreu dem Motto "Halte dir deine Freunde nah bei Dir, aber Deine Feinde noch näher" kämpfen sie Seite an Seite und doch gegeneinander vor dem tosenden Meer eines noch unbekannten Planeten.

In einer rührenden Rede signalisiert C3PO im Trailer noch einmal, wie endgültig diese finale Episode der Skywalker-Saga sein wird. Sowohl C3PO als auch R2D2 kommen in den letzten beiden Episoden auf eine unbedeutende Screentime. Hier appelliert der geschwätzige Droide noch einmal an die Freundschaft mit dem neuen Cast und deutet gleichzeitig sein wohl bevorstehendes Ableben an.
Wenn #KillThePast, dann so richtig. Aber die Vergangenheit zu töten ist unmöglich ohne vorher noch einmal den Nostalgie-Regler aufzudrehen. Im Trailer wirkt die Szene auf mich bisher unfreiwillig komisch und traurig zugleich. Zum einen, weil C3PO hier eine Rede schmettert die er genau so wenig verdient hat wie Tyrion Lannister in der letzten Folge von Game of Thrones. Zum einen finde ich es traurig, wie wenig mich diese Szene berührt. Wie ich schon geschrieben habe stand ich Episode IX bisher immer relativ neutral gegenüber. Bin nun aber unglaublich erstaunt, wie wenig mich auch nur irgendein Moment im Trailer wirklich erreicht hat. Noch nie habe ich aus dem Star Wars Universum etwas mit einer solch erdrückenden Gleichgültigkeit wahrgenommen wie hier.

Handwerklich haben wir es hier mit einem typischen Trailer von J.J. Abrams zu tun. Seine Spielereien sind bekannt und dennoch gibt es selbst für seine Verhältnisse unglaublich wenig Überraschungen in dem Trailer. Selbst Abrams klassisch vorhersehbare Überraschungen wie einen dramatischen Plot Twist anzudeuten, der in Wahrheit aber nur ein Traum oder die Vision eines Charakters ist, war hier nicht vorhanden. Stattdessen wurde auf überladene CGI-Effekte gesetzt die durchaus ihre Wirkung entfalten, aber halt auch nichts bahnbrechendes offenbaren, was mich auf diese finale Episode etwas neugieriger macht.
Am Ende bleibt eine Leere zurück, die durchaus mit den Charakteren vergleichbar ist. Dinge, die in dem Vorgänger etabliert wurden wie zum Beispiel alberne Charaktere wie DJ oder Casino-Planeten scheinen glücklicherweise in "The Rise of Skywalker" keinerlei Bedeutung zu finden. Aber all das reicht auch nicht wirklich aus, um mich hier abzuholen und auf eine epische Reise mitzunehmen. Die neue Trilogie wird enden, ohne Frage. Die Skywalker-Saga wird nach Jahrzehnten ein Ende finden. Viele Fans werden diesen Film herbeisehnen, viele werden sich bis die Haare grau werden über den Film und seine Vorgänger echauffieren und viele wiederum, und das ist das eigentlich traurige an der neuen Trilogie, vielen wird der Abschluss dieser monumentalen Saga schlicht und ergreifend mittlerweile völlig egal sein.

Freitag, 14. September 2018

Rezension: Star Wars - Thrawn




USA 2017

Star Wars: Thrawn
Autor: Timothy Zahn
Verlag: Blanvalet
Übersetzung: Andreas Kasprzak
Genre: Science Fiction



Das Expanded Universe ist tot, lange lebe das Expanded Universe! So ähnlich hört es sich an, wenn man über das erweiterte Star Wars Universum der heutigen Zeit redet. Das Expanded Universe war zu Beginn der 90er maßgeblich daran beteiligt, dass das Star Wars Franchise sich wieder ins Gespräch brachte. Dieses Universum bestand zu einem Hauptteil zwar aus Romanen, dazu gabs aber auch noch andere Medien wie Comics, Videospiele und gar Spielzeug, was das Star Wars Universum um viele neue Geschichten erweiterte. Vor einiger Zeit thematisierte ich den Fall dieses Universums hier auf "Am Meer ist es wärmer" und die Geschichte dürfte unter Fans quasi ein alter Hut sein. George Lucas respektierte das Expanded Universe, äußerte sich nur nie wirklich über die Kanonisierung. Natürlich ist darunter auch viel Schund dabei, der absolut gar nichts im Star Wars Universum zu suchen hat. Ein Fakt, der gerne mal verschwiegen wird bzw. stillschweigen darüber vereinbar wird. Als Disney die Rechte an Star Wars erwarb, flog letztendlich auch das Expanded Universe nun hochoffiziell aus der offiziellen Star Wars Chronologie. Seitdem heißt dieses Universum und alles, was sich dort abspielte, "Star Wars: Legends". Disney führt jedoch auch noch eine offizielle Variante von all dem weiter, was das Expanded Universe bot, nur eben in wesentlich geordneteren Strukturen.

Als 1991 "Erben des Imperiums" erschien und später als sogenannte "Thrawn Trilogie" zum Kult wurde, war quasi der Startschuss des Expanded Universe, der von Autor Timothy Zahn damals eingeleitet wurde. Vermutlich sehen einige eingefleischte Fans die Thrawn Trilogie noch heute als einzig wahren legitimen Nachfolger zu "Die Rückkehr der Jedi Ritter" an. Zahns ikonischer Bösewicht Thrawn stand einem Darth Vader oder dem Imperator in nichts nach. Im Gegenteil, Thrawn war eher noch gnadenloser und gerissener. Mit dem Wegfall des Expanded Universe starb auch Thrawn. Zumindest so, wie wir ihn bisher kannten. Allerdings war sich auch Disney der großen Beliebtheit von Thrawn bewusst und konnte diesen Charakter nicht einfach wegwerfen wie einen Gegenstand, der nicht mehr gebraucht wird. Umso überraschender war es, dass der Charakter in der animierten TV-Serie "Star Wars Rebels" wieder aufgetaucht ist. So groß die Freude bei manchen war, so stirnrunzelnd nahm man diesen Auftritt auch zur Kenntnis. Der große Bösewicht Thrawn nun in einer Serie, konzipiert für Kinder. Grund genug für alle Beteiligten, diesem Charakter ein angemessenes Revival zu verpassen. Und kein geringerer Autor als Timothy Zahn wurde damit beauftragt, den Großadmiral aus dem Ruhestand zu holen.

Für Zahn war die Rückkehr zu einem neuen Thrawn-Roman eine Herzensangelegenheit. Als heißblütiger Fan muss man hier seine Erwartungen jedoch anders verteilen. Obwohl Name und Erscheinung gleich sind, agiert und handelt der neue Thrawn anders als der alte Thrawn (jetzt wirds verwirrend). Zeitlich spielt Thrawn nicht nach den Ereignissen von Episode IV-VI sondern davor. Hier lernen wir Thrawns Vergangenheit und somit ihn selbst besser kennen, als je zuvor. Und wir erfahren, wie er zu dem begnadeten Taktiker wurde, der von Imperator Palpatine so hoch geschätzt wurde. Der neue Thrawn ist nahbarer als zuvor und Zahn hat es geschafft, dass die Leser sich in diesem Update des Charakters besser hineinversetzen können. Überraschenderweise, obwohl er der Namensgeber des Romans ist, ist die Rahmenhandlung des Romans deutlich weiter gefächert. So verlagert sich die Geschichte nicht nur auf Thrawn, sondern auch sein Protegé Eli Vanto spielt eine wichtige Rolle. Ich habe mich zusätzlich dabei ertappt, die Kapitel rund um Eli spannender zu finden als die des eigentlichen Protagonisten, Thrawn. Politik und Intrigen kamen im Roman ebenfalls nicht zu kurz. Durch den enormen Umfang gibt es aber leider auch ein paar Durststrecken, mit denen Timothy Zahn jedoch schon immer zu kämpfen hatte. Das Ende selbst weist geschickt auf eine Fortsetzung hin, die in den USA im Juli dieses Jahres erschienen ist. Ebenfalls verfasst von Zahn.



Resümee

"Thrawn" ist eine spannende Neuinterpretation eines ikonischen Charakters, der wohl hauptsächlich den eingefleischtesten Star Wars Fans ein Begriff sein wird. Damit will ich Thrawn als Charakter natürlich nicht degradieren, im Gegenteil. Die Relevanz der Filme ist nur so enorm, dass die Roman-Charaktere praktisch ihre komplett eigene Fangemeinde haben. Genug Potential besitzt der Taktiker auch heute noch, um sämtliche Antagonisten der neuen Trilogie gegen die Wand zu spielen. In dieser Prequel-Story beweist Timothy Zahn noch immer, dass die Macht ihn in all den Jahren nicht verlassen hat (Zahn ist für wesentlich mehr Romane aus dem Star Wars Universum verantwortlich und es wäre unfair, sein Werk nur auf "Erben des Imperiums" zu reduzieren). Mit Ausnahmen einiger vermeidbarer Längen ist das Thrawn-Reboot zu einem gelungenem Star Wars Abenteuer geworden, welches sicherlich nicht so einen Einfluss haben wird wie Zahns alte Trilogie, aber seine Daseinsberechtigung mehr als nur unter Beweis gestellt hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Die letzten Jedi - Die seltsame Star Wars Episode von Rian Johnson




Massive Spoiler. Mach kehrt sofern du nicht erfahren willst welch ikonischer Charakter sich am ende des Films in Luft auflöst!



Es hat nur rund 34 Jahre gedauert, bis das Star Wars Franchise endlich seinen David Lynch Film bekommen hat. Episode Nummer 8 markiert einen Punkt, wo jede bekannte Film-Marke einmal durch muss: Exploitation. Genau diesen Weg schlägt die neuste Episode aus der Feder von Rian Johnson ein. Rian Johnson machte sich mit Filmen wie Brick und Looper einen Namen. Ein Regisseur, der mehr Kunstfilmer ist als Filmemacher, der nach den strikten Regeln Hollywoods vorgeht. Seine Filmkunst ist nicht wirklich vergleichbar mit den Werken von David Lynch, aber ihre art ein Projekt anzugehen weist viele Parallelen auf. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Kanadier Denis Villeneuve der für Blade Runner 2049 gefeiert wurde und Johnsons Star Wars bei den Oscars in den für beide Filme relevanten Kategorien ausstach.

Die ursprüngliche Planung für Disneys neue Star Wars Trilogie war 3 Regisseure anzuheuern, die für diese Materie wie geschaffen waren. Angefangen bei J.J. Abrams (der für Disney am liebsten die Lösung für alle 3 Filme gewesen wäre und er selbst diesen Fakt nach Episode VII eingesehen hat) der anschließend den Staffelstab an Rian Johnson weitergeben wird und dieser wiederum die Verantwortung an Colin Trevorrow (Jurassic World) übergeben sollte. Zwischen Trevorrow und Disney soll jedoch ein Dissens entstanden sein der wiederum Disney goldenes Kind, Abrams, zurück ins Boot holte. Abrams beteuerte noch mehrmals wie sehr er es bereut hat, abgelehnt zu haben, bei allen 3 Filmen Regie zu führen. Nun wird Abrams beim Finale, Episode IX, wieder übernehmen. Doch vorher muss er sich um den riesigen Scherbenhaufen kümmern, den Johnson hinterlassen hat.

Ganz recht, Abrams hat circa 130 Minuten Nettospielzeit Zeit, auszubügeln, was Rian Johnson mit seiner Episode angerichtet hat. Die Ausgangslage nach Episode VII war dabei nicht so schlecht um wirklich eine große Möglichkeit zu haben, Episode VIII entweder in den Sand zu setzen oder es zu schaffen, etwas anderes als Star Wars aus dieser Episode zu machen. Und genau so fühlen sich "Die letzten Jedi" an: Ich bestelle einen Big Mac und erhalte einen Whopper. Es ist nicht einmal ein Big King sondern ein Whopper. Etwas komplett anderes also. Ein Unding so zu sagen, denn in einem McDonald's wird man niemals einen Whopper oder einen Big King erhalten, es sei denn man besucht den Burger King nebenan und verspeist sein Essen im McDonald's gegenüber. Überhaupt sind Fast Food Vergleiche zu Star Wars beinahe eine Majestätsbeleidigung. Ist es also so weit gekommen?

Aus technischer Sicht gesehen kann man Johnsons Film (welches durch und durch sein Baby ist da er hier auch das Drehbuch verfasst hat) nichts vorwerfen. Wenn auch nicht ganz so stimmig wie der bereits erwähnte Blade Runner 2049 (natürlich Geschmackssache), so ist Episode VIII zumindest optisch ganz großes Kino. Für Episode VII waren für die Geschichte und somit auch für das Drehbuch Veteran Lawrence Kasdan (welcher der Prequel-Trilogie von Lucas komplett ferngeblieben ist) sowie J.J. Abrams selbst. Die Geschichte in Episode VII war weder unglaublich originell noch wirklich neu, besonders hier hat man sich gerne mal am Expanded Universe bedient welches ja bekanntlich von Disney eingestampft wurde. Die Prämisse und Ausgangslage war aber vielversprechend genug, um aus dieser Storyline, dieser Idee, etwas taugliches zu erschaffen. Abrams setzte hier zusätzlich auf den Faktor Nostalgie. Die immer wieder gern benutzte Anschuldigung, Episode VII sei eine direkte Kopie des Erstlings "Eine neue Hoffnung" begreife ich bis heute nicht. Wenn man Abrams Film so etwas vorwirft, kann man genau diese Kritik auch für jeden anderen Star Wars Film (inklusive Episode 1) benutzen, denn rein von der Struktur her sind sie alle gleich aufgebaut. Abrams Film ist da genau so wenig eine Ausnahme wie die anderen Ableger.

Und hier kommt Episode VIII von Rian Johnson ins Spiel. Dieser Film tanzt nämlich, was seine Struktur und was sein Aufbau angeht, größtenteils aus der Reihe. Der Film möchte anders sein und hat auch Erfolg darin, allerdings enden sämtliche Versuche anders zu sein als die Filme davor darin, dass der Film entweder sich selbst oder andere Episoden parodiert oder sich so drastisch von der Star Wars Mythologie unterscheidet, dass es schwer ist, hier noch behaupten zu können, es mit einem legitimen Nachfolger der vorherigen Episoden zu tun zu haben. Ein Schwenker auf Rogue One: Ausgerechnet ein Spin-Off, an das ich kaum irgendwelche Erwartungen hegte und wo die Maus persönlich noch einmal Nachdrehs und Änderungen vornahm, besitzt die pure Essenz von Star Wars in seinem Kern (noch mehr sogar als es Abrams bei seinem Versuch über 2 Stunden lang versuchte). Das große Problem an Johnson Film ist jedoch die Geschichte. Der gesamte Plot wirkt wenig durchdacht und ohne ein wirkliches Konzept. Wurde im Vorgänger die Erste Ordnung und ihr Anführer, der Supreme Leader Snoke (sozusagen der Nachfolger des Imperiums mit einem Anführer nicht weniger mächtig als der Imperator) bereits wenig logisch in die allgemeine Geschichte eingebunden, gelingt Johnson es nicht einmal, diese Kritikpunkte zu beseitigen. Stattdessen macht er es schlimmer. Die interessanten Charaktere, die Abrams im letzten Film eingeführt hat stagnieren, entwickeln sich nicht weiter und sämtliche Wege führen sie in Sackgassen. Kylo Ren wird zu einer schizophrenen Teenie-Nervensäge degradiert die gegen seine Eltern und Lehrer rebelliert, General Hux mutierte zu einer belanglosen Ulk-Figur die für ein paar Comedy-Momente sorgt während Poe Dameron zu einem schießwütigen Revolverheld-Macho umgebaut wurde. Genau so ins Nichts verläuft auch die Storyline von Finn mit seiner asiatischen Freundin auf dem Kasino-Planet (beide so unbedeutend, dass mir nicht einmal der Name des Mädchens und dem Planet einfällt). Doch nicht nur die Charaktere stagnieren, es ist das gesamte Star Wars Universum welches hier stagniert. Zwar gibt es einige neue niedliche Kreaturen die sich sicherlich im Merchandise gut schlagen werden, aber nichts davon bringt den Film weiter oder aber erweitert dieses vielversprechende, große Universum. Johnson lag nichts an exotischen neuen Planeten, Rassen und nicht einmal lag ihm etwas an Lichtschwerter. Ein seltsamer, unangebrachter, beinahe schon surrealer Auftritt von Yoda bestätigte nur noch einmal, wie überfordert der Film mit sich selbst ist.

Abrams Probleme mit der Ersten Ordnung, dem Orden von Ren und Snoke waren nicht so schwerwiegend, dass man sie in "Die letzten Jedi" nicht hätte ausbügeln können. Im Gegenteil. Abrams Story besaß zumindest noch so viel Potential, um ein Feuerwerk in den beiden Fortsetzungen entfachen zu können. Stattdessen werden neue Charaktere, eingeführt im letzten Film, entweder auf einen Cameo reduziert oder aber in zwei Hälften geschnitten. Noch bevor überhaupt ans Licht kam, wer oder was Snoke ist, woher er seine ungeheure Macht schöpft, da wurde er auch schon aus dem Film geschnitten (alle die den Film gesehen haben werden nun in Gelächter ausbrechen, welches sicherlich noch 2 Tage andauern wird). Kein Charakter in Episode VIII bekommt auch nur ein einziges mal die Chance, wirklich etwas relevantes zu tun oder sich weiterzuentwickeln. Besonders die neu eingeführten Charaktere bleiben leere Hüllen oder werden verheizt wie Captain Phasma, Vizeadmiral Holdo oder Benico Del Toros Charakter DJ (der sinnbildlich für die Philosophie des Films steht, dazu gleich noch einmal mehr). Und all das führt letztendlich zur großen, polarisierenden Kontroverse im gesamten Film: Luke Skywalker.

Am Set gab es bereits zwischen Rian Johnson und Mark Hamill einen großen Disput über die Fortführung der Geschichte von Luke Skywalker. Was hat er die vergangenen 30 Jahre getrieben? Warum wurde er zu einem kautzigen, alten Eremit auf einer einsamen Insel, der den Glaube an die gesamte Philosophie der Jedi verloren hat? Ein Mann, der dafür plädiert, dass die Jedi endgültig aussterben müssen. Wer sich wirklich all die Jahrzehnte gefragt hat, was aus dem glücklichen jungen Mann am Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" passiert ist, der wird hier seine Antwort finden. Man kann sich sicherlich drüber streiten, ob die Geschichte der Skywalker am Ende von Episode VI erzählt ist oder noch etwas Raum für eine letzte, weitere Geschichte bietet. Prinzipiell gehöre ich nicht zu den Leuten, die sich nach Episode VIII nun die Augen unter der Luke Skywalker Fan-Bettdecke ausweinen, ich begrüße diese etwas andere Ausrichtung des Charakters sogar. Probleme habe ich nur damit, wie destruktiv Johnson mit diesem Charakter umgeht. Johnson macht Skywalker zu einem Antiheld. Er wurde zum Cop, dessen Partner von einem Gangsterboss erschossen wurde, damit durchkommt und jener Cop nun den Glaube an das System verloren hat, was die Gesellschaft eigentlich vor der Ungerechtigkeit beschützen soll. Luke Skywalker mutierte zu diesem frustrierten Cop der den Glaube an das System, in dem Falle an seine Bestimmung und Glaubensrichtung, verloren hat. Schockierend ist hier, wie irrelevant Luke Skywalker für die gesamte Geschichte ist und in seinem letzten großen Auftritt so dermaßen belanglos von der Bühne abtritt, als hätte dieser Charakter niemals existiert. Luke Skywalker geht nicht mit einem Knall, er verschwindet einfach und löst sich in Luft auf. Dabei hätte dieser Charakter zumindest einen letzten großen, epischen Kampf verdient gehabt. In seinem bekannten Song hat es Neil Young bisher am schönsten ausgedrückt: "It's better to burn out than to fade away".

Was am Ende bleibt ist ein seltsamer Film, der den Leuten nie das gibt, was sie sehen wollen. Ikonische Dinge. Simple Dinge wie Lichtschwerter die sich kreuzen, Bösewichte die geschwollen reden und charmante Machos die überhebliche Reden schwingen. "Die letzten Jedi" scheint das Franchise für eine neue Zielgruppe aufzubereiten. Ein Opfer, welches man dafür bringen muss ist jenes zu zerstören, was man sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die alten Helden werden entweder von ihren eigenen Sprösslingen ermordet oder lösen sich in Luft auf. (oder vaporisieren im Falle von Admiral Ackbar). Obwohl ich an sich kein wehmütiger Mensch bin, tut all der Pessimismus, die Neuausrichtung, aber, und ich bin immer noch ein leidenschaftlicher Filmfan, besonders die schwache Geschichte weh. Die Möglichkeiten waren hier vermutlich so unbegrenzt wie die weit, weit entfernte Galaxis. Um noch einmal auf DJ, dem Gauner-Charakter von Benicio Del Toro zurückzukommen: Dieser Charakter ist eine perfekte Metapher für den gesamten Film. Ein Gauner, der sich als liebenswerter Schuft herausstellt und am Ende für ein paar Credits unsere Freunde verrät. Bis zur letzten Sekunde wünscht man sich, dass auch dies nur ein Gauner-Trick des Halunken war. Doch man wartet und wartet und irgendwann realisiert man, dieser liebenswürdige Gauner war in Wahrheit ein unverschämtes, selbstgefälliges Arschloch, eine Hülle, genau so leer wie die Charaktere und Planeten in diesem Film. Vermutlich die größte Überraschung, die sich Rian Johnsons Film bis kurz vor Schluss aufgehoben hat und sein Werk bestens repräsentiert. Und so endet diese etwas andere, seltsame Star Wars Episode von Rian Johnson die rund 140 Minuten lang versucht, anders zu sein als die vergangenen Episoden. Die Geschichte bietet nur noch wenig Spielraum für einen weiteren Film da es an Bösewichten und Helden gleichermaßen fehlt (und Lichtschwerter). Abrams wird sich nun beweisen können, ob er wirklich ein Zauberkünstler ist. Denn hier hilft nur noch ein Magier.



Dienstag, 26. Januar 2016

Einwurf: Was ist das Expanded Universe noch wert?




Spricht Cliegg Lars die Wahrheit? Hat Disney mit der Übernahme des gesamten Star Wars Franchise tatsächlich Mord in galaktischen Ausmaße begangen? Fragt man eingefleischte Fans des erweiterten Universums von Star Wars (Fachbegriff: Expanded Universe), werden diese meine Frage vermutlich bejahen. Für eine menge anderer Fans von Star Wars, die sich immer mal wieder in das gigantische Universum reintasten wollten, vom Umfang aber regelrecht erschlagen wurden, werden die Opferung des Expanded Universe vermutlich begrüßen, denn der Clean Cut, den Disney gemacht hat, hat auch einiges an Ballast über Board geworfen. Man hat sich stattdessen nun für ein hoch offizielles, strukturiertes sowie geordnetes Expanded Universe entschieden. Man will den Star Wars Canon auch weiterhin mit Romanen und Comics beliefern, Stories, die zum offiziellen neuen Canon gehören. Statt auf Quantität will man fortan auf Qualität setzen. Die Verantwortlichen bei Disney müssen dieses Versprechen jedoch erst einmal einhalten.


(Foto: Aufziehvogel. "Darth Plagueis" erhältlich bei Blanvalet. "Verlorene Welten" erhältlich bei Panini Books)


Um zu unterscheiden, welche Stories zum offiziellen Canon gehören und welche Stories aus dem alten Expanded Universe stammen, hat man die Werke nun mit "Legends" (alt) und "Canon" (neu) Schriftzügen versehen. Der Blanvalet Verlag hat bereits bei einigen Neuauflagen darauf geachtet, den "Legends" Schriftzug hinzuzufügen.

Das alte Expanded Universe war für viele Star Wars Jünger unverzichtbar. Der schiere Umfang jedoch machte den Einstieg für viele Neulinge jedoch nahezu unmöglich. Wo sollte man einsteigen? Manche Reihen an Romanen umfassten um die 10 Bände. Und selbst bei einer brandneuen Serie, wo sich noch keine zweistellige Zahl auf dem Cover befand, war vermutlich die Fortsetzung einer dieser Reihen. Zudem schwankte auch die Qualität vieler Werke. Die X-Wing Reihe liest sich kaum besser als eine generische Fanfiction während Werke wie die Thrawn-Trilogie es sogar mit den Filmen aufnehmen kann. Und dann gibt es natürlich auch die Werke, die weder gut noch schlecht sind und einfach komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Diese "Mitteldinger" dürften auch den größten Teil des Expanded Universe ausmachen (ohne viele bekannte Serien nun zu schmälern).




Doch sind nun alle alten Geschichten wertlos? Soll man seine Sammlung an Romanen und Comics aus der "Legends-Ära" nun alle verbrennen? Haltet ein!
Weder sind eure Bücher wertlos, und erst recht müssen sie nicht verbrannt werden. Man hat sich mit dem "Legends" Schriftzug viel Raum für Interpretationen gelassen. Das alte Expanded Universe mag zwar nicht mehr zur offiziellen Timeline gehören, trotzdem spielen sie noch immer eine Rolle. Die meisten Werke werden vermutlich in einem "Was wäre wenn" Universum spielen. Viele andere, ganz besonders abgeschlossene Einzelbände wie "Shadows of the Empire" von Steve Perry und "Darth Plagueis" von James Luceno können problemlos mit dem offiziellen Canon koexistieren. Während "Darth Plagueis" die Vorgeschichte von Palpatine erzählt (jene Geschichte über seinen Meister, dem mächtigen Sith Lord Darth Plagueis, schneidet er in Episode III an), füllt "Shadows of the Empire" einige Lücken zwischen Episode V und Episode VI. Die neue Episode VII greift keine dieser Ereignisse auf und es ist unwahrscheinlich, dass auch die kommenden Episoden noch einmal auf diese Thematik eingehen werden (und nein, hinter Supreme Leader Snoke wird sich nicht Darth Plagueis befinden). Die beiden angesprochenen Romane fügen sich sogar besser dem offiziellen Canon ein als die offiziell abgesegnete TV-Serie "Clone Wars". Darth Plagueis und Prinz Xizor müssen sich daher keine Sorgen um ihre Existenzen machen. Selbst der fiese Darth Scabrous, der über 3000 Jahre vor den aktuellen Ereignissen lebte, kann weiterhin sei untotes Dasein fristen.

Problematisch wird es dann ausgerechnet bei jener legendären Trilogie, die für die Gründung (und nun vermutlich auch für den Fall) des Expanded Universe verantwortlich war. Die Thrawn-Trilogie. Alle 3 Bände wurden von Timothy Zahn (der Mann, der "Coruscant" zum ersten mal ins Star Wars Universum einführte) verfasst und galten über viele Jahre als legitime Fortsetzung zu "Die Rückkehr der Jedi Ritter". Diese so verehrte Trilogie musste nun den Platz räumen für die neuen Filme.
Dennoch machen die neuen Umstände die Thrawn-Trilogie in keinster weise wertlos oder nicht mehr relevant. Vermutlich kann die Trilogie sich nun noch einmal im direkten Schlagabtausch gegen die neuen Episoden beweisen. Auch hier bin ich mir sicher, die Romantrilogie und die neue Filmtrilogie werden wunderbar zueinander koexistieren können.

Ob "Legends" oder "Canon", alle Geschichten, die bisher verfasst wurden, werden auch weiterhin existieren. Eine menge Geschichten des alten Expanded Universe werden auch weiter aktuell bleiben (einige weniger gute hoffentlich in der endgültigen Versenkung verschwinden), da viele Romane oder gar Comics nicht mit dem neuen Canon aneinander geraten werden. Die Werke, die nach Episode VI spielen werden sich vermutlich ein wenig den neuen Geschehnissen unterordnen müssen. Zum Wohle eines neuen, geordneten Expanded Universe ist dies aber ein Opfer, womit ich kaum Probleme habe. Die Zukunft von Star Wars wird zeigen, wie all diese Werke miteinander harmonieren werden. Und sowohl "Lords of the Sith", "Dark Disciple" als auch "Verlorene Welten" haben bewiesen, das Ende einer Ära ist gleichzeitig der Beginn einer neuen. In diesem Falle einer neuen Galaxie.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Rezension: Star Wars Episode IV - Eine neue Hoffnung (Alan Dean Foster)







USA 1976

Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung
Originaltitel: Star Wars - From the Adventures of Luke Skywalker
Autor: Alan Dean Foster nach einem Drehbuch von George Lucas
Veröffentlichung: 1976 bei Ballantine Books USA, deutsche Neuauflage im November 2015 bei Blanvalet
Übersetzung: Tony Westermayr
Genre: Science-Fiction


"Eine andere Galaxis, eine andere Zeit.
Die Alte Republik war die Republik der Legende, größer als
Entfernung oder Zeit. Nicht nötig zu erwähnen, wo sie war,
woher sie kam, nur zu wissen, dass sie … die Republik war.
Einst blühte und gedieh die Republik unter der weisen Herrschaft
des Senats und dem Schutz der Jedi-Ritter. Aber wie so oft,
wenn Reichtum und Macht über das Bewunderungswürdige hinauswachsen
und das Staunenerregende erlangen, tauchen jene
Bösen auf, deren Habgier das gleiche Maß erreicht.
So war es bei der Republik auf ihrem Höhepunkt. Wie der
mächtigste aller Bäume, fähig, jedem Angriff von außen zu widerstehen,
verfaulte die Republik von innen heraus, wiewohl die
Gefahr von außen nicht zu erkennen war.
Unterstützt und gefördert von ruhelosen, machthungrigen
Figuren innerhalb der Regierung, von den einflussreichen Organen
des Handels, erreichte der ehrgeizige Senator Palpatine,
dass er zum Präsidenten der Republik gewählt wurde. Er versprach,
die Missvergnügten im Volk wieder zu vereinen und den
schwindenden Ruhm der Republik wiederherzustellen.
Erst einmal gesichert im Amt, rief er sich zum Imperator aus.
Bald wurde er von eben den Gehilfen und Stiefelleckern beherrscht,
die er zu hohem Amt berufen. Die Rufe des Volkes nach
Gerechtigkeit erreichten seine Ohren nicht mehr.
Die imperialen Gouverneure und Bürokraten machten sich
daran, eine Herrschaft des Terrors über die entmutigten Welten
der Galaxis zu errichten, nachdem die Jedi-Ritter, Hüter der
Gerechtigkeit in der Galaxis, durch Verrat und Täuschung ausgelöscht
worden waren. Viele gebrauchten die imperialen Streitkräfte
und den Namen des zunehmend isolierten Imperators
dazu, ihrem persönlichen Ehrgeiz zu frönen.
Aber eine kleine Zahl von Systemen rebellierte gegen diese
neuen Ausschreitungen. Sie erklärten sich zu Gegnern der
Neuen Ordnung und nahmen den großen Kampf zur Wiedererrichtung
der Alten Republik auf.
Von Beginn an waren sie den vom Imperator versklavten Systemen
gegenüber weit in der Minderzahl. In jenen ersten dunklen
Tagen schien es deshalb gewiss zu sein, dass die helle Flamme
des Widerstands ausgelöscht werden würde, bevor sie das
Licht der neuen Wahrheit auf eine Galaxis unterdrückter und
besiegter Völker zu werfen mochte …

Aus der Ersten Saga,
Tagebuch der Whills"
(Episode IV, Prolog)


Autor Alan Dean Foster hatte nie ein Problem damit, das der Erfolg und auch der Ruhm der ersten Star Wars Novelization komplett George Lucas zugeschrieben wurde. Aus Tradition prangt auch heutzutage noch der Name von Lucas auf dem Cover. Eine falsche Behauptung ist es natürlich auch nicht. Denn in allen Maßen ist der Roman zu Episode IV etwas besonderes. Rund 6 Monate vor der Veröffentlichung des Kinofilms ist das Buch erschienen (und wurde zum Hit). Basieren tut diese Geschichte auf einem relativ vollständigen Draft von dem Drehbuch, was George Lucas für die Verfilmung verfasst hat. Was aber auch zur Folge hatte, das in diesem Draft die Story nicht nur vom Film öfter mal abweicht oder Charaktere noch nicht ihre Bestimmung gefunden haben, es gibt auch etliche Passagen, die zwar für den Film geplant waren, es dann aber doch nicht mehr in den Film geschafft haben. Alan Dean Foster war dafür zuständig, aus dem immer noch etwas löchrigem Drehbuch von Lucas etwas vollständiges zu machen. Foster war also für weitaus mehr zuständig, als ein Drehbuch in Prosa umzuwandeln. Viele Begriffe, Namen oder Geografien die Foster erfunden hat, fanden schließlich noch den Weg in die Star Wars Saga.

Und so ist es bei all der Nostalgie, die Episode VII so an den tag legen soll, beinahe schon kaum noch verwunderlich, dass für die offizielle Novelization zu "Das erwachen der Macht", erneut Alan Dean Foster verantwortlich sein wird. Und diesmal hat es auch sein Name aufs Cover geschafft.





Das hier eingefügte Video habe ich nun nicht umsonst in diese Besprechung eingebettet. Obwohl Fans es seit Jahrzehnten fordern, gibt es bisher keine Filmfassung von Episode IV, die die Deleted Scenes beinhaltet. Das ist nur wenig verwunderlich, denn man hat es in den vergangenen Jahren nicht einmal geschafft, die Original Trilogie auf ein modernes Medium zu bannen, ohne das sie entweder auf der 1997er Special Edition basiert oder sogar auf eine von Lucas noch erheblich ausführlich bearbeiteten Fassung, die nach der Prequel-Trilogie entstanden ist.
Das es die Deleted Scenes aber je in Episode IV schaffen ist unwahrscheinlich, das Originalmaterial soll mittlerweile nicht mehr zu gebrauchen sein (was an den fehlenden Sicherungskopien lag, die zu dieser Zeit beim amerikanischen Kino eine Seltenheit waren).

Wer den Roman zu Episode IV liest und die Deleted Scenes kennt, der wird schnell eine Szene wiedererkennen. Die gelungene Einführung des Hauptcharakters, Luke Skywalker. Diese findet man im Buch 1:1 genau so wieder wie in den Deleted Scenes, sogar noch ausführlicher und detailreicher beschrieben.

Ein weiterer Pluspunkt, den Alan Dean Foster hier landen konnte: Mehr Science-Fiction. Foster hat sich enorme Mühe gegeben, die Geografien zu Planeten und den verschiedenen Rassen zu verfassen. Dingen, denen im Film aufgrund von Zeitmangel kaum Beachtung geschenkt wurde.
Man erfährt etwas mehr über Tattooine, erfährt mehr über kleine Rassen wie die Java und natürlich auch über das Galaktische Imperium. Aber auch Fosters Beschreibungen zu den einzelnen Charakteren ist markant, detailreich und weichen kaum von Lucas finaler Vision ab (ebenfalls fällt auf, die Beschreibungen sind teilweise weitaus brutaler und mehr ausgeschmückt als im Film, was aber auch daran lag, damals gab es noch kein PG-13 und ein R-Rating war unbedingt zu vermeiden).

"Zwei Meter groß. Zweibeinig. Wallende schwarze Gewänder, an
der Gestalt herabfließend, und ein Gesicht, für alle Zeit maskiert
von einem funktionellen, wenn auch bizarren schwarzen Metall-Atemgitter
– der Dunkle Lord der Sith war eine schreckenerregende,
bedrohliche Erscheinung, die nun durch die Korridore
des Rebellenschiffes schritt."

Auch wenn der Begriff "Lord der Sith" bereits zu Zeiten von Episode IV nicht völlig unbekannt in fanatischen Fankreisen war, so tauchte er nie im Film selbst auf. Ein weiterer Wink, dass Lucas die Idee zur Prequel Trilogie schon in den 70ern hatte, ist auch die Erwähnung von Senator Palpatine im Prolog. Dieser ist im Roman aber noch nicht der große Sith-Meister, sondern eher ein gefallener Politiker, der sich von seiner Gefolgschaft hat indoktrinieren lassen und nun mehr einem Diktator gleicht. An diesen kleinen Ungereimtheiten erkennt man noch, dass das Drehbuch noch nicht komplett ausgereift war und Lucas später noch einiges nachbearbeitet hat (der Imperator selbst findet in der Film-Version noch gar keine Erwähnung). Der Grundkern für beide Trilogien wurde hier aber bereits gelegt.

Neben den vielen Erweiterungen oder Änderungen gibts aber auch nach Kapitel 2 die meisten Inhalte, die wir auch aus dem Film kennen (und den größten Teil des Buches ausmachen). Teilweise finden sich etliche Dialoge, die die Charaktere miteinander führen 1:1 identisch in Buch und Film wieder. Auch noch zu erwähnen: Der Dialog zwischen Han Solo und Jabba ist in unverfälschter Form im Buch enthalten. Eine Szene, die erst Jahrzehnte später wieder im Film eingefügt wurde, weil Jabba im ursprünglichem Drehbuch von George Lucas noch ein Mensch war. In den neueren Editionen wurde die Szene wieder eingefügt, Jabba jedoch durch das CGI Model aus Episode I ausgetauscht (als Mensch noch verkörpert von Declan Mulholland, der sagen wird, er habe in einem Star Wars Film Jabba the Hut gespielt, aber ihn nie jemand in dieser Rolle bestaunen durfte).


(Harrison Ford und Declan Mulholland in Episode IV)





Resümee

Den Roman zu Episode IV zu lesen kommt ungefähr folgendem gleich, sich einen nie veröffentlichten Directors Cut und gleichzeitig einen Workprint zu "Episode IV: Eine neue Hoffnung" anzusehen. Viele Ideen musste Lucas verwerfen oder konnte sie damals nicht umsetzen. Im Roman, der von Alan Dean Foster fantastisch ausgearbeitet wurde, bekommen wir einiges von George Lucas unverfälschter Vision zu lesen. Seine Welt sollte ein wenig mehr Dichte haben und die Charaktere sollten alle eine größere Hintergrundgeschichte haben. Hervorheben muss ich aber doch noch einmal, wie gelungen auf die Freundschaft zwischen Luke Skywalker und Biggs Darklighter eingegangen wird, die im Film komplett untergeht (bis zur 1997 Special Edition war der Auftritt von Lukes Jugendfreund sogar noch unbedeutender). Wer also meint, Episode IV in und auswendig zu kennen, den Roman aber noch nicht gelesen hat,  der wird hier noch einige Überraschungen erleben. 

Alan Dean Fosters Roman ist Star Wars durch und durch. Auf jeder Seite, in jedem Satz und in jeder Silbe.