Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Mittwoch, 30. Oktober 2019

Besprechung: Dao De Jing (Lao Zi)




Anmerkung: Bei den verschiedenen Schreibweisen des Werkes sowie des Autors berufe ich mich auf die vereinfachte Schreibweise, die auch der Verlag für diese Veröffentlichung benutzt. Besonders die Formatierung hier auf dem Blog leidet bei Sonderzeichen sehr, ich bitte diesen Umstand also vorab zu entschuldigen.



China

Dao De Jing
道德經 / 道德经
Verfasser: Lao Zi
Verlag: Manesse
Übersetzung, Herausgeber, Vorwort, Nachwort, Erläuterungen: Michael Hammes
Genre: Klassische Literatur, Philosophie



Aus dem Vorwort: "Obwohl dieses weitverbreitete Werk also seit jeher Sprengstoff für die etablierten Systeme der Macht und Deutungshoheit liefert, ist es nicht indiziert, sondern schlummert harmlos auf den entlegensten Bücherborden. Dass bislang keine detonationsauslösenden Zündungen stattgefunden haben, liegt einerseits an der erwähnten esoterischen Kodierung, andererseits an der grundlegenden Intention einer friedlichen inneren Wandlung und nicht einer gewaltsamen äußeren Revolte."



Als die Germanen ihre Kriege praktisch noch mit Steinschleudern ausgefochten haben, existierte bereits Weltliteratur im fernen China und im römischen Reich. Das Dao De Jing von Lao Zi wird als Gründungsschrift für den Daoismus gesehen und gilt als Vorreiter für andere bekannte Schriften wie die von Marx oder der Chuch'e Ideologie. Auch wenn die Vergleiche weit hergeholt sind, als einen symbolischen Vergleich finde ich sie nicht unpassend. Dass all diese Werke voneinander jedoch grundverschiedene Ansichten teilen, dürfte aber auch dem Laien klar werden.

Genau wie bei den alten Griechen und ihrem Homer gibt es keine eindeutigen Beweise dafür, dass es jemals einen alten Weisen namens Lao Zi gab (was auch viel mehr ein Titel sein könnte) und ob ihm auch wirklich eine der bekanntesten und ältesten chinesischen Schriften zugeschrieben werden kann. All das trägt zu der an sich geheimnisvollen, ja, auch ein wenig kryptischen Natur des Dao De Jing bei. Eine klassische Rezension zu verfassen, also diese Schrift zu bewerten, ist kaum möglich. Aber man kann sie besprechen. Was das Dao De Jing nämlich immer noch für sein Alter so zugänglich macht sind die immer noch zeitgenössischen Themen in den Texten, die auch in der heutigen Gesellschaft noch fantastisch funktionieren.

Das größte Problem an den deutschen Übersetzungen waren bisher immer eigenwillige Interpretationen, die jedoch nie ausführlich erklärt wurden oder interessierten Lesern zugänglich gemacht wurden. Auch hier muss man wieder bedenken, für den perfekten Zugang zu dem Werk in der altchinesischen Sprache sollte man mit großer Wahrscheinlichkeit die Sprache verstehen und bestens in der chinesischen Kultur bewandert sein. Genau wie bei der japanischen Literatur entfaltet sich der volle Sinngehalt nur, wenn man die Schriftzeichen lesen kann. Die symbolische Sprache verwandelt sich während man liest in Bilder und diese Bilder bieten noch ein wesentlich besseres Verständnis des Textes. Für diese zweisprachige neue Ausgabe vom Manesse Verlag war ein Mann mit beeindruckender Vita zuständig, der den Text übersetzt, interpretiert und kommentiert hat. Dr. Michael Hammes. Dieser ist gleichzeitig auch noch als Neurologe und Arzt für chinesische Medizin tätig. Ein Mann vom Fach. Doch wie liest sich seine Interpretation? Die liest sich einfach ausgezeichnet. Auch wenn ich das Buch noch immer nicht als eine gemütliche, entspannte Lektüre bezeichnen würde, hier hat der Übersetzer sein möglichstes getan, um diesen alten Text in eine moderne, deutsche Sprache umzuwandeln. Und das funktioniert. Und das funktioniert gar nicht mal auf Anhieb. Doch hier beruhigt Herr Hammes gleichzeitig auch und verweist darauf, dass man ein Gefühl für das Werk bekommen muss und die teils komplexen Wortspiele selbst in Bildersprache umsetzen muss. Es dauert eine Weile, doch dann bekommt man für die kurzen Passagen allmählich ein Gefühl und besonders ein Gefühl dafür, sich in diese Texte hineinversetzen zu können. Ein generelles Interesse für das Dao De Jing mitzubringen ist hier also unabdingbar.

Das Dao De Jing an sich ist ein relativ kurzer Text, der aus vielen kleinen Passagen, sogenannten "Eröffnungen", besteht. Diese Eröffnungen sind von unterschiedlicher Länge und unterscheiden sich thematisch stark voneinander. Die Texte bringen zwar allesamt eine gewisse Mystik mit sich und klingen teilweise sehr kryptisch, aber nach einer weile ist es faszinierend zu erkennen, wie sehr die kleinen Texte auch aus heutiger Sicht noch funktionieren. Und nein, ich rede hier nicht von irgendwelchen Weisheiten aus Glückskeksen oder dem Hokuspokus eines Horoskop von nächster Woche. Diese Texte haben auf mich, einen absoluten Laien was dieses Werk angeht, einen zeitlosen Eindruck gemacht. Es spielt dabei absolut keine Rolle, ob die Texte nun einer einzelnen Person zugeschrieben worden sind oder ob vielleicht mehrere chinesische Philosophen daran beteiligt waren. Die immer noch sehr geheimnisvolle Entstehungsgeschichte des Dao De Jing ist nicht minder interessant als die gesammelten Texte selbst.

Der Manesse Verlag liefert hier gewohnt gute Qualität ab und präsentiert wie immer das Buch auch optisch in einer schönen, kleinen Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Garniert ist die Ausgabe noch mit einem umfangreichen Register mit zahlreichen Erklärungen des Herausgebers.




Abschließende Gedanken

Das Dao De Jing von Lao Zi ist keine Unterhaltungsliteratur. Aber es ist ein interessantes Werk der klassischen Weltliteratur, was heute nicht weniger relevant ist als vor über 2000 Jahren. Ob man die Werte, die in diesem Text verankert sind, für sich verinnerlicht oder ob man einfach neugierig ist, jeder soll diese Texte so angehen, wie er es für richtig hält. Wenn ich aber trotzdem eine Empfehlung abgeben darf: Ich empfehle, das Buch zuerst mit den Erklärungen und Interpretationen von Dr. Michael Hammes zu lesen und anschließend die einzelnen Eröffnungen des Dao De Jing noch ein weiteres mal ohne Erklärungen und Interpretationen. Hier muss man nun nicht zusammenzucken, denn, wie bereits geschrieben, das eigentliche Werk ist verhältnismäßig kurz. Und dennoch steckt in dieser Kürze eine solche Wucht, dass man kaum glauben mag, es hier mit einer so alten Schrift zu tun zu haben. Zu verdanken hat man dies auch der modernen Übersetzung und Interpretation von Michael Hammes. Auf jeder Seite kann man die Passion und Hingabe für dieses Projekt aus jeder Zeile herauslesen. Da macht es große Freude, diese Zeilen als Leser aufrichtig zu verfolgen.

Mittwoch, 30. Januar 2019

Rezension: Die allertraurigste Geschichte (Ford Madox Ford)





Großbritannien 1915

Die allertraurigste Geschichte
Originaltitel: The Good Soldier
Autor: Ford Madox Ford
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Fritz Lorch, Helene Henzel, Gertraude Krueger (Nachwort)
Nachwort: Julian Barnes
Genre: Klassiker, Drama




"Wenn ich neun Jahre lang einen schönen Apfel habe, der im Innern faul ist, und seine Fäulnis erst nach neun Jahren und sechs Monaten minus vier Tage entdecke, darf ich dann nicht sagen, ich hätte neun Jahre lang einen schönen Apfel gehabt?"


Normalerweise ist es bei deutschsprachigen Ausgaben seit jeher Usus, den Titel des Buches zu verändern. Bei dem wohl bekanntesten Roman des britischen Schriftstellers Ford Madox Ford (geb. Ford Hermann Hueffer 1873-1939) war es jedoch genau umgekehrt. Der ursprüngliche Titel des Buches lautete "The Saddest Story", wurde aber aufgrund der Wirren des 1. Weltkrieges in "The Good Soldier: A Tale of Passion" umbenannt. In englischsprachigen Territorien ist das Buch häufig unter beiden Titeln bekannt.

"Die allertraurigste Geschichte" könnte auch als Vorreiter für den Unzuverlässigen-Erzähler und großen amerikanischen Romane wie "Der große Gatsby" angesehen werden. Obwohl sprachlich ein wenig in die Jahre gekommen, so steckt in diesem Klassiker immer noch eine solche Wucht, dass es schwer ist, dieses Buch aus den Händen zu legen. Besonders für die damalige Zeit war das Konzept einer Geschichte, die nicht immer chronologisch erzählt wird und der Erzähler gerne mal die Tatsachen vertauscht, ziemlich frisch und in dem Stil, wie es Ford Madox Ford tut, gar revolutionär. Doch auch die hier angeschnittenen Themen wirken für das Jahr 1915 (Ford schrieb das Buch seit 1913) nicht nur unverbraucht, sie können auch problemlos in unsere heutige Zeit importiert werden.

Der Roman wird aus der Sicht von John Dowell erzählt, der sich direkt an den Leser wendet. Hier kann man eigentlich schon Metafiktion reden, denn der Erzähler wendet sich mehrmals ganz klar an den Leser und geht sogar auf seine Stimmungslage ein. John möchte dem Leser die, seiner Meinung nach, allertraurigste Geschichte erzählen. Die Geschichte über die vermeintliche Freundschaft zweier Ehepaare. Der Erzähler schwelgt in Erinnerungen die sich lesen, als hätte er die letzten rund 10 Jahren im Garten Eden gelebt. Doch bereits während des Prologs wird dem Leser schnell klar, dass die bunten Erinnerungen des Erzählers nichts weiter als eine Fassade sind. Das Viergespann selbst spielt die Hauptrolle in einem inszeniertem Theaterstück, was sie sich über Jahre selbst aufgebaut haben. In dieser Geschichte, wo es um Verlustängste und Einsamkeit, sowie Heuchelei, Intrigen und Misstrauen geht, entfaltet der Erzähler eine Geschichte, über dessen Ausgang der Leser nur staunen wird. Die Frage, die bleibt, ist, kann man als Leser dem Erzähler überhaupt trauen?

Gleich zu Beginn des Buches wurde dieser Ausgabe ein Brief von Ford Madox Ford abgedruckt, den er damals an seine Lebenspartnerin Stella verschickt hat (im Verzeichnis wird diese zwar als Ehefrau bezeichnet, ich bin mir da allerdings nicht ganz sicher, ob dem wirklich so war). Nachträglich widmet Ford dieses Buch Stella mit beeindruckenden Worten. Er selbst resümiert noch einmal über die Entstehungsgeschichte des Buches und es hat mir sehr imponiert, diese Worte zu lesen. Ford sieht "Die allertraurigste Geschichte" als sein persönliches Opus Magnum, auf das er stolz ist und dieses Werk als den Höhepunkt in seiner Karriere als Schriftsteller verzeichnet. Diese Worte jedoch nicht arrogant oder erheblich zu verfassen ist die eigentliche Kunst dieses Briefes.

Tatsächlich könnte man meinen, der Brief an Fords Lebenspartnerin gehöre zur Geschichte. Der Roman basiert teilweise auf wahren Begebenheiten, allerdings ist "Die allertraurigste Geschichte" größtenteils pure Fiktion die aus der Feder eines Schriftstellers stammt. Besonders gefallen haben mir die philosophischen Passagen, die mich des öfteren zum nachdenken angeregt haben. Die hier überarbeitete Übersetzung in die neue deutsche Rechtschreibung liest sich sehr flüssig, wirkt aber in so mancher Wortwahl gerne mal etwas angestaubt. Zugrunde liegen hier aber auch die teils komplizierten Begriffe der englischen Ausgabe, die bewusst von Ford so gewählt wurden. Besonders, wenn der Erzähler in seiner eigentlichen Geschichte immer weitere Anekdoten einbaut und somit abdriftet, machen diese Eskapaden den Reiz des Romans aus, können aber auch dafür sorgen, dass man als Leser öfters mal aus dem Konzept kommt. Da der Erzähler sich immer wieder an den Leser richtet, kann man auch davon ausgehen, dass einige dieser Irrfahrten des Erzählers absichtlich so gewählt sind.

Die Neuauflage des Diogenes Verlag beinhaltet zusätzlich noch ein Nachwort des britischen Schriftstellers Julian Barnes (1946*). Das in schickem Leinen gebundene Buch (kein Lesebändchen, leider) befindet sich in einem sehr robusten Pappschuber, der das Buch anstelle eines Schutzumschlags trägt.




Fazit (Das allerkürzeste Fazit dieses Blogs)

"Die allertraurigste Geschichte" ist ein beeindruckender Klassiker eines Autors, den ich praktisch nie auf dem Radar hatte. Ford Madox Ford schwingt in diesem Drama eine feine Feder und präsentiert einen Inhalt, der auch heute nichts von seiner Relevanz eingebüßt hat. Eine schöne Lektüre für die eisigen Tage.

Freitag, 24. August 2018

Rezension: Peter Pan (James Matthew Barrie)






Peter Pan
Originaltitel: Peter and Wendy
Autor: Sir James Matthew Barrie
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Christiane Buchner und Martina Tichy
Genre: Klassiker, Kinderbuch, Fantasy



Wenn der Name Peter Pan erklingt, werden die meisten wohl unweigerlich an den animierten Disney-Klassiker aus dem Jahr 1953 denken. Man muss sich nicht grämen oder schuldig fühlen, wenn man die Ursprünge dieser klassischen Kindergeschichte nicht kennt, auch ich hatte hier, wie sich herausstellte, eine relativ große Lücke. Doch leben wir in modernen Zeiten und keine 10 Minuten später kennt man nicht nur Peter Pans Schöpfer, sondern gleichzeitig die komplette Entstehungsgeschichte. Hinter dem frechen Burschen, der sich weigert, erwachsen zu werden steckt der schottische Dramatiker und Autor James Matthew Barrie. Überraschenderweise handelt es sich bei dem hier besprochenen Roman aus dem Jahr 1911 noch nicht einmal um die Urfassung dieser Geschichte. Barrie erfand die Figur wesentlich früher und lies sie in leicht veränderter Form in einer anderen Geschichte auftreten. Doch den Peter Pan, den wir heute kennen, der fand sein Debüt in einem Theaterstück aus dem Jahr 1904, einige Jahre vor der Veröffentlichung des Romans also.
Aufgrund der großen Beliebtheit erhielt Barrie viele Anfragen, die Geschichte auch als Buch umzusetzen. Barrie kam der Bitte nach und schrieb ein Buch und es sollte kein Abdruck des Drehbuchs des Theaterstücks werden. Auf Vorlage des Romans basieren viele Umsetzungen von Peter Pan und er gilt für viele heute als die ursprüngliche Fassung von Peter and Wendy, obwohl das Theaterstück der legitime Vorreiter bleibt.

Der Diogenes Verlag brachte die hier vorliegende Ausgabe bereits 2016 in den Buchhandel, allerdings zu dieser Zeit noch als Sonderedition, gebunden und mit sehr ansprechenden Illustrationen von Tatjana Hauptmann. Die neue Taschenbuchausgabe beinhaltet den ungekürzten Text, allerdings ohne die Illustrationen (das Cover-Motiv stammt jedoch noch aus der illustrierten Variante).

Als großer Fan der Umsetzung von Disney war ich jedoch umso gespannter, wie sich Barries Roman liest. Dabei fällt besonders auf, dass sich Buch und Film teilweise sehr ähnlich sind. Wer glaubt, Hunde-Babysitterin Nana sei eine Erfindung der Disney-Autoren gewesen, der irrt sich. Nanas Rolle im Buch ist aber doch um einiges üppiger und auch signifikanter. Es ist zudem die schiere Vorstellungskraft von James Matthew Barrie, die dieses Buch nicht nur so liebevoll macht, sondern auch ältere Leser bis heute begeistern dürfte. Die Thematik um "das Kind in uns" läuft Gefahr, oftmals in Albernheiten abzudriften, nicht jedoch bei Peter Pan. Selbstverständlich werden hier Kinder vermutlich die meiste Freude haben (besonders dank des lässigen, humoristischen Schreibstils von Barrie), doch ich habe mich nicht selten dabei ertappt, bei so manch aberwitzigen Situationen laut vor mich hin zu grunzen (ich meine tatsächlich grunzen, nicht grinsen!).

In Sachen Umfang aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit ist das Buch dem relativ kurz gehaltenem Zeichentrickfilm natürlich um einiges voraus. Das Buch scheut nicht davor, auch kritischere Themen anzuschneiden, was besonders zu Beginn der Geschichte im Hause der Darlings zu lesen ist. Hier hat ein Roman jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, die Charaktere zur Geltung kommen zu lassen und auch mal nicht so heitere Themen anzuschneiden. Besonders das Schicksal des fiesen Captain Hook ist im Buch dann doch wesentlich bittersüßer als in Disneys kinderfreundlicher Vision der Ereignisse.



Resümee

Für mich war James Matthew Barries "Peter Pan" noch einmal ein wundervoller Ausflug ins Nimmerland. Besonders für Leute, die wirklich nur mit den filmischen Umsetzungen vertraut sind, werden hier noch einmal einen Mehrwert finden. Barries Ideen und Humor wirken nicht antiquiert oder eingestaubt, eine flüssige deutsche Übersetzung half zudem noch, das Werk etwas zeitgenössischer in der Wortwahl zu gestalten. Ein wundervoller Klassiker für Kinder, den jung gebliebenen, aber auch ganz sicher für die Erwachsenen.



Sonntag, 8. April 2018

Klassiker-Rezension: Frankenstein (Mary Shelley)







Großbritannien 1818

Frankenstein
Alternativ: Frankenstein oder der moderne Prometheus
Autorin: Mary Shelley
Verlag: Manesse
Übersetzung: Alexander Pechmann
Nachwort: Georg Klein
Genre: Drama, Grusel



Die Irrtümer der Menschheit hier aufzuzählen würde ein wenig den Rahmen sprengen. Zum einen wäre da aber die fälschliche Behauptung, die Erde sei flach. Eine weitere bekannte Behauptung, die sich über die Jahre fälschlicherweise etabliert hat, ist, das Monster mit den Daumenschrauben im Hals, vorzugsweise verkörpert von Boris Karloff, heiße Frankenstein. Tatsächlich aber hat dieser große, sensible Zeitgenosse keinen Namen und ist stattdessen die Schöpfung eines Forschers namens Victor Frankenstein. Frankensteins Monster gehört mit zu den wohl populärsten Figuren, die das Horror-Kino erschaffen hat. Sämtliche Verfilmungen von Mary Shelleys weltberühmter Gruselgeschichte hielten sich inhaltlich sehr frei an die Vorlage. Lediglich Multitalent Kenneth Branagh brachte 1994 eine treuere Adaption mit Robert De Niro als Monster auf die große Leinwand.

Was heute als großer Klassiker der Weltliteratur zählt, begann als eher beiläufige Geschichte unter Freunden während eines Ausflugs, wie die Autorin bescheiden im Vorwort anmerkt. Aus dieser Geschichte wurde jedoch mehr und ehe sie sich versah, hat Mary Shelley damals einen Roman verfasst, wie man ihn nur von einem Mann erwarten hätte. Doch sobald man die erste Seite Aufschlägt, wird die feine Feder deutlich, wie sie nur eine Frau zu führen vermag. Über den Inhalt ist in den vergangenen, rund 200 Jahren eine menge diskutiert worden und ich möchte in dieser Rezension auch nicht zu genau darauf eingehen. Interessanter für meine Rezension ist dann schon die hier vorliegende Fassung. Dazu gleich mehr.

Frankenstein wird oftmals dem Horror-Genre zugeteilt. Für die Filme mag das zutreffend sein, der Roman schlägt aber in eine andere Kerbe. Im Kern ist Frankenstein eine Gruselgeschichte, aber die Gesellschaftskritik steht hier wesentlich mehr im Vordergrund. Schon damals befassten die Menschen sich mit der Frage, ob es möglich ist, ob der Mensch in der Lage ist, ein anderes menschliches Wesen zu erschaffen. Das die Menschheit dazu eindeutig in der Lage ist, haben sie nun seit einigen Millionen Jahren bewiesen. Doch kann der Mensch anderes Leben ohne den Geschlechtsakt erschaffen? Eine zentrale Frage, womit sich dieser Roman befasst. So befasste sich die Autorin in diesem 1818 veröffentlichten Werk mit Themen wie Alchemie und einer Frühform des Steam Punk. So dreht sich die zentrale Frage in Frankenstein nicht darum, ob es möglich ist, ein menschenähnliches Wesen auf diese Weise zu erschaffen, sondern, ob man mit seiner Schöpfung zufrieden ist. Der gute Doktor Frankenstein ist es nämlich nicht und überlässt das Monster seinem Schicksal was gleichbedeutend mit seinem eigenen Untergang verbunden ist. So ist das zentrale Thema dann nicht der Grusel, sondern die Frage um Menschlichkeit und Existenz. Diese schwerwiegenden Fragen hat Mary Shelley aber unglaublich gut verpackt und so ist es möglich, diese Tragödie, dieses menschliche Drama auch als Gruselgeschichte anzusehen.

Bei der deutschen Ausgabe, die mir hier vorliegt, handelt es sich um eine neue Ausgabe, eine Jubiläumsausgabe, die ende vergangenen Jahres erschienen ist. Hier wird nicht nur das rund 200 jährige Bestehen dieses Werks gefeiert, der Verlag feiert hier auch gleichzeitig seine neue Manesse Bibliothek die hier die alte "Bibliothek der Weltliteratur" ersetzen wird. Doch nicht nur das Gewand ist hier neu und farbenfroh, auch der Inhalt ist es (natürlich nur von der Übersetzung her). Tatsächlich gab es hier nicht nur ein neues Cover und Design spendiert, auch die Ausgabe selbst unterscheidet sich in vielen Aspekten her der vorherigen Ausgabe, die, ebenfalls bei Manesse, in den 80ern erschienen ist.

Herausgegeben und neu übersetzt wurde der Roman von Alexander Pechmann. Als Ausgangsmaterial stand hier die Erstauflage aus dem Jahr 1818 Pate. Ziel der Übersetzung war es, den ursprünglichen Stil beizubehalten, die Geschichte jedoch in eine moderne deutsche Sprache zu adaptieren. Auch wenn der Text hier und da immer noch einige sehr geschwollene Passagen hat (was natürlich dem Stil Mary Shelleys zugrunde liegt), so war ich überrascht, wie flüssig und verständlich der Text sich liest. Zusätzlich gibt es noch ein ziemlich umfangreiches Register mit verschiedensten Erklärungen zum Roman und zur Epoche. Dieses Register befindet sich auf den letzten Seiten des Buches und bringen den Leser somit nicht aus dem Lesefluss.


"Ich danke Ihnen für Ihre Anteilnahme", sagte er, "aber es hat keinen Zweck. Meine Bestimmung hat sich beinahe erfüllt. Ich warte nur noch auf ein letztes Ereignis, dann werde ich in Frieden ruhen. Ich verstehe Ihre Gefühle", fuhr er fort, da er merkte, dass ich ihm Ins Wort fallen wollte, "aber Sie haben unrecht, mein Freund - wenn Sie mir erlauben, Sie so zu nennen. Nichts kann mein Schicksal ändern. Hören Sie meine Geschichte, dann werden Sie begreifen, wie unwiderruflich alles vorbestimmt ist."



Resümee

Die vermutlich beste Gelegenheit, das Original in seiner ursprünglichen Fassung in einer modernen deutschen Adaption zu lesen, die, trotz ihrer flinken Sprache, nie zu modern wirkt. Der Staub wird von der Oberfläche entfernt, aber tief im Kern dieses Romans ist und bleibt es ein Klassiker der Weltliteratur. Zugänglicher als je zuvor und mit viel Hintergrundwissen hat sich diese handliche, hochwertige Jubiläumsausgabe einen Platz in meiner Sammlung an Klassikern verdient. So schnell und zufriedenstellend konnte ich vermutlich noch nie eine Rezension beenden.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rezension zum 100. Todestag von Natsume Sōseki: Kokoro







Japan 1914

Kokoro
Autor: Natsume Sōseki
Veröffentlichung (kommentierte und überarbeitete Übersetzung: 26.09.2016 bei Manesse
Übersetzung und ausführliches Nachwort: Oscar Benl
Genre: Klassische Literatur, Belletristik



"<<Oh, da sind Sie ja schon wieder?>>, begrüßte er mich lachend, als ich ins Empfangszimmer trat.
<<Ja, da bin ich wieder>>, erwiderte ich und lachte gleichfalls.
Hätte jemand anderer mich so empfangen, wäre ich wohl zornig geworden, doch da er mich fragte, geschah das genaue Gegenteil. Es stimmte mich fröhlich.
<<Ich bin ein einsamer Mensch>>, wiederholte er an diesem Abend. <<Ich bin einsam, aber fühlen nicht auch Sie sich gelegentlich einsam? Ich kann, weil ich schon alt bin, ganz still so dahinleben, aber Ihnen, der Sie noch jung sind, dürfte das nicht so leichtfallen. Je aktiver Sie sind, desto eher wächst ihr Wunsch nach noch mehr Tätigkeit, nach Kontakten, nach Zusammenstößen mit anderen!>>
<<Ich fühle mich nicht im Mindesten einsam!>>
<<Man ist nie so einsam wie in der Jugend. Ist es aber, wie Sie sagen, warum kommen Sie dann so oft zu mir?>> Und nach einer kurzen Pause fuhr er fort: <<Trotz Ihres Umgangs mit mir bleibt wohl noch immer ein Rest von Einsamkeit in Ihrem Herzen. Und weil ich nicht die Kraft habe, Sie davon zu befreien, werden Sie sich voll Sehnsucht bald anderen zuwenden müssen. Sie werden sehr bald nicht mehr bei mir erscheinen.>> Ein bitteres Lächeln lag um seinen Mund."
(Natsume Sōseki: Kokoro. Übersetzung: Oscar Benl, Manesse)



Wie könnte ich mein persönliches Jahr als Blogger für Literatur und Film zufriedenstellender abschließen als mit japanischer Literatur? Genau! Dies konnte nur noch gekrönt werden, wenn ich das Werk eines Autors lese, über den ich bereits einiges weiß, aber leider nie die Gelegenheit hatte, etwas aus seinem umfangreichen Portfolio zu lesen. Zum 100. Todestag von Natsume Sōseki (bürgerlich Natsume Kinnosuke: 09.02.1867 - 09.12.1916) legt der Manesse Verlag in seiner "Bibliothek der Weltliteratur" sein wohl bekanntestes Werk neu auf. "Kokoro" gilt in Japan als einer der meistgelesensten Romane der japanischen Moderne. Kokoro, ein Titel, der gleich mehrere Bedeutungen hat (eine wörtliche Übersetzung wäre "Herz", Natsume Sōseki wählte den Titel aber mit Bedacht und kann wesentlich melancholischer eingesetzt werden, wie zum Beispiel als "Das Herz der Dinge"), dokumentiert ein Japan im Wandel der Zeit von der Meiji-Ära zur Moderne. Entstanden ist ein ruhiges Werk, was aber in keiner Zeile zu langatmig oder bedrückend ist, dafür aber melancholisch und schlicht und dennoch ungeheuer sprachgewaltig ist. Seit einigen Jahren habe ich mir vorgenommen, etwas von Natsume Sōseki zu lesen. Ein Autor, der generationsübergreifend bis heute einen großen Einfluss auf japanische Schriftsteller ausübt. Akutagawa, Tanizaki und Murakami (Haruki), um einmal 3 großartige Generationen an japanischen Autoren zu nennen, gehören mitunter zu seinen Bewunderern.

Die Geschichte von Kokoro beginnt beinahe beiläufig. Der Leser lernt den namenlosen Ich-Erzähler der Geschichte kennen, ein Student, der in den Sommerferien einen Kommilitone in seiner Sommerpension besucht, der jedoch aus familiären Gründen abreisen muss. Unser Erzähler nimmt das Angebot seines Freundes jedoch an und bleibt alleine noch ein wenig in Kamakura. Dort am Strand, unter unzähligen Badegästen, macht der Erzähler eine Entdeckung, die auf ihn eine pure Faszination ausübt und nicht mehr los lässt. Ein älterer Herr in Gesellschaft eines Ausländers. Jener ältere Herr kommt auch einige Tage später, jedoch alleine, immer wieder zum Strand. Der Erzähler hat das unbändige Verlangen, diesen Mann anzusprechen, seine Aufmerksamkeit gewinnen, sich interessant zu machen um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Durch eine glückliche Fügung gelingt es unserem Erzähler auch, die Aufmerksamkeit des älteren Herrn für sich zu gewinnen. Zwischen dem Erzähler und dem Mann, den der Erzähler dem Leser einfach unter "Sensei" vorstellt (und ihn auch privat immer so nennt), entwickelt sich eine etwas kuriose Freundschaft. Der Erzähler will das Rätsel um den alten Mann knacken. Wieso kommt der junge Mann nicht von dem geheimnisvollen, einsamen Mann und seiner Ehefrau los? Unser Erzähler hat so viele Fragen, erhält er aber umso weniger Antworten.

Natsume Sōseki brilliert darin, Tradition mit Moderne zu vereinen. Er porträtiert ein Japan, welches im Wandel der Zeit steckt, sich neu finden muss, aber auch durch die vielen westlichen Einflüsse auch in einer Identitätskrise steckt. Der zweite Weltkrieg ist noch viele Jahre entfernt und die Japaner sind mehr mit sich selbst als mit dem Weltgeschehen beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen also keine politischen Machtkämpfe oder vom Krieg zerrüttelte Familientragödien, sondern zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind in dieser Geschichte der zentrale Punkt. Der Leser wird mitten in die Geschichte hinein geworfen. Unser neugieriger Erzähler, der einem sogar häufig sehr aufdringlich erscheint, nimmt uns mit auf eine Reise. Diese Reise führt uns in das Seelenleben des alten Mannes, den wir nur unter der Anrede Sensei kennen. Die Anrede Sensei hat in Japan einen hohen Stellenwert und gilt meistens Doktoren, Professoren oder auch Künstlern. Der Erzähler rechtfertigt die Anrede, indem er dem Sensei sagt, er rede stets weitaus ältere Menschen respektvoll mit dieser Anrede an.
Ziel dieser Reise ist es, mehr über den geheimnisvollen Sensei zu erfahren. Die Unterhaltungen der beiden Protagonisten untereinander bestehen meistens nur aus wenigen Worten, doch Natsume Sōseki wählte jeden Dialog mit bedacht. In jedem Satz steckt unheimlich viel Aussagekraft und obwohl Kokoro niemals in ein Drama epochalen Ausmaßes umschlägt, so gelingt es dem Autor durch seine ganz eigenen Stilmittel, seine Leser regelrecht ans Buch zu binden. Natsume Sōseki ist von seinen Thematiken her ein Pionier und greift empfindliche Themen wie Einsamkeit und Isolation auf. Stilmittel, die besonders bei Autoren der Nachkriegszeit eine menge Anklang fanden.

Ursprünglich sollte diese Besprechung zum 100. Todestag von Natsume Sōseki am 9. Dezember Online gehen. Wie immer, wenn einem unvorhersehbare Ereignisse einen Strich durch die Rechnung machen, muss umgeplant werden. Der Manesse Verlag hat jedoch vorgesorgt und diese Neuauflage bereits am 26.09.2016 veröffentlicht. Für die ausgezeichnete Übersetzung von Kokoro ist wie bereits beim "Tagebuch eines alten Narren (Rezension)" von Jun'ichiro Tanizaki Oscar Benl verantwortlich. Die Übersetzung wurde neu durchgesehen und größtenteils an die neue Rechtschreibung angepasst (den Puristen zum Trotze eine gute Entscheidung). Zusätzlich gibt es noch ein Register an Fremdwörtern, die auf den letzten Seiten genauer erklärt werden. Auch ein ausführliches, sehr interessantes Nachwort von Oscar Benl wurde den Anhängen dieser Ausgabe hinzugefügt. Stilistisch passt sich das kleine gebundene Buch mit Schutzumschlag den Werken der "Bibliothek der Weltliteratur" an. Der Buchdeckel besteht aus Leinen und verwendet wird wie immer bei Manesse ein sehr hochwertiges Papier, was man sofort fühlt, sobald man die erste Seite aufschlägt.



Resümee

Mein längst überfälliger Ausflug in die literarische Welt von Natsume Sōseki endete für mich mit "Kokoro" nicht nur als eines meiner persönlichen Lieblingsbücher in diesem Jahr, ich hätte mir auch ehrlich gesagt kein passenderes Buch für die letzte Besprechung des Jahres 2016 hier auf "Am Meer ist es wärmer" vorstellen können.

Wie ein Maler hat Natsume Sōseki ein Porträt angefertigt, welches regelrecht den Zeitgeist einer Generation im Wandel eingefangen hat. Ohne Überheblichkeit oder literarischer Arroganz entfaltet sich Kokoro zu einer wunderschönen Blume, die bei genauerer Betrachtung seinen Beobachter aber nachdenklich, vielleicht sogar ein wenig einsam macht, ohne ihn jedoch in einen Sog der Traurigkeit zu stürzen. Ein Klassiker der japanischen Literatur, der leicht zu lesen ist, ohne aber plump oder zu simpel zu wirken. Genau so muss sich Belletristik lesen.

Dienstag, 26. Januar 2016

Rezension: Die Versöhnung des Samurai (Lafcadio Hearn)

(Foto: Aufziehvogel)






Die Versöhnung des Samurai: Unheimliche Geschichten aus Japan
Verfasser: Lafcadio Hearn
Veröffentlichung: 2014 im Hibarios Verlag
Übersetzung: Klaus Lerch
Genre: Klassische Literatur, Märchen, Grusel



"[...]Als er aufwachte, strömte das Tageslicht durch die Ritzen der Fensterläden und zu seinem großen Erstaunen fand er sich auf einen nackten, vermoderten Boden wieder... War das alles nur ein Traum? Nein: sie war da, - sie schlief... Er beugte sich über sie, - und schaute,- und schrie,- die Schlafende hatte kein Gesicht! Vor ihm liegend, nur in ein Totenhemd gehüllt, lag der Leichnam einer Frau, - ein Leichnam, so stark verwest, dass kaum etwas blieb außer den Knochen und dem langen schwarzen Haar.

Langsam nur, als er schaudernd und sich ekelnd in der Sonne stand, wich das eiskalte Grauen einer unerträglichen Verzweiflung, einem Schmerz so stark, dass er sich an die kleinste Hoffnung klammerte, dass dieser Schrecken nun doch nicht wahr sein könne. Unwissen vortäuschend wagte er es, sich in der Nachbarschaft nach dem Hause zu erkundigen, in dem seine Frau gelebt hatte."[...]
(Auf der Geschichte: "Die Versöhnung des Samurai". Übersetzung: Klaus Lerch, Hibarios Verlag)


Lafcadio Hearn (1850-1904, auch bekannt unter dem japanischen Name "Koizumi Yakumo") reiste erst verhältnismäßig spät in seinem Leben nach Japan. Im alter von 40 Jahren (1890) bis zu seinem Tod in Jahr 1904 widmete Hearn all seine Faszination der japanischen Kultur.  Auch weit nach Hearns Ableben fungierte er quasi als Botschafter zwischen Ost und West. In Japan genoss der Autor mit Irisch-Griechischen Wurzeln ein besonders hohes ansehen und auch so viele Jahre nach seinem Tod hat er diesen Status noch inne. Mit nur 54 Jahren erlag Lafcadio Hearn einem Herzversagen.

Hearns großartiges Werk lebt natürlich weiter. Auch wenn Hearn etliche Werke verfasst hat, die man der westlichen Literatur zuordnen kann, war das Werk, welches er in Japan verfasste, jenes, welches ihn weltbekannt machte. Darunter finden sich zum einen Reiseberichte, die besonders westlichen Lesern die exotische japanische Kultur näher bringen sollen. Zum anderen, und da kommen wir nun zu jener Kategorie, die man beinahe ausschließlich mit Hearn verbindet: Geistergeschichten. So seltsam simpel es klingen mag, aber die teilweise sehr gruseligen Geistergeschichten, die Hearn neu erzählt und westlichen Lesern zugänglich gemacht hat, waren verantwortlich dafür, dass wir seine Werke auch in der heutigen Zeit noch lesen.

Der kleine Hibarios Verlag hat sich in einer schönen Edition Lafcadio Hearns Werk angenommen. Der hier besprochene Band "Die Versöhnung des Samurai" ist einer von 4 Bänden die der Verlag bislang veröffentlicht hat. "Die Versöhnung des Samurai" wurde mir von Herausgeber und Übersetzer Klaus Lerch empfohlen, und da ich ein absoluter Anfänger bin, was japanische Geistergeschichten angeht (mal abgesehen von den Werken von Koji Suzuki und Otsuichi), habe ich keine Sekunde an der Empfehlung gezweifelt. Und ich sollte letztendlich auch nicht enttäuscht werden. Mit etwas über 100 Seiten beinhaltet das Buch, ohne das interessante Vorwort mitzuzählen, 19 Geschichten (Das Format des Buches müsste A3 sein, also wesentlich größer und breiter als gewöhnliche Taschenbücher). Die Länge dieser Geschichten variiert stark. Doch ob eine Geschichte nun 2 Seiten oder 10 Seiten einnimmt, sie alle sind atmosphärisch und, überraschend für mich, tatsächlich gruselig. Viele Geschichte, ganz besonders "Von einem gebrochenen Versprechen" und die Titelgeschichte "Die Versöhnung des Samurai" haben mir einen echten Schauder über den Rücken gejagt. Jede Geschichte ist ausgestattet mit einem kleinen Twist, der aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr so schockierend rüberkommt, aber immer noch seine Wirkung erzielt.

Hearns Erzählungen, die darauf basieren, was seine Frau ihm so an bekannten japanischen Geistergeschichten vorgelesen hat, sind abgerundet und verfeinert von seinem ganz persönlichen Stil. Es sind keine bloßen Nacherzählungen. Die unheimlichen Geschichten sind auch keine Märchen im klassischen Sinne. Obwohl die meisten Geschichten Jahrhunderte alt oder älter sind, haftet ihnen bereits der typische Stil der japanischen Erzählart an, den wir ganz besonders aus modernen Werken zeitgenössischer japanischer Literatur kennen. Hearn verwestlicht die Geschichten nicht und bleibt trotz einiger geschickter Ergänzungen/Erklärungen der japanischen Literatur treu (interessant ist, Hearn philosophiert selbst innerhalb der Geschichten, kommt zu Wort und betrachtet nicht vollständige Erzählungen auch relativ kritisch). Da man keine westlichen Märchen erwarten darf, ist der Zugang zu den Geschichten für westliche Leser wie immer etwas schwieriger. Die Geschichten handeln meist von Verlusten geliebter Menschen (in diesem Band sind es häufig Beziehungen zwischen Ehepaaren), können teilweise auch sehr surreale oder gar bizarre Züge annehmen (um noch einmal auf die Titelgeschichte "Versöhnung des Samurai" zu verweisen). Ein klassisches Happy End sucht man also bei etlichen Geschichten vergebens. Und trotzdem gibt es auch einige Geschichten, die ein sehr rührendes Ende innehaben, wie zum Beispiel "Die Dankbarkeit des Samebito". Je mehr Geschichten man liest, umso schneller ist man mit dem Stil von Lafcadio Hearn vertraut.



Resümee

Jeden Abend, meistens eher Nachts, bevor ich mich schlafen gelegt habe, habe ich mir 2-3 Geschichten aufgehoben, um den Tag abzuschließen. Diese Vorgehensweise hat, ohne das ich es bemerkt habe, süchtig gemacht. Der Inhalt des Buches ist schneller aufgebraucht als man denkt. Liest man eine Geschichte, so will man gleich noch tiefer in die Welt von Lafcadio Hearns Geistergeschichten eintauchen.

Präsentiert wird "Die Versöhnung des Samurai" vom Hibarios Verlag in einer schönen Edition zu einem anständigem Preis von 12 Euro. Die Geschichten selbst sind größtenteils mit zahlreichen interessanten Bemerkungen versehen, einigen Geschichten liegt am Ende sogar eine kleine Illustration bei.

Meine Empfehlung für alle Interessenten ist daher: Spart euch die Geschichten gut auf. Konsumiert sie sparsam und am besten ebenfalls vor dem zubett gehen. Bleibt nur zu hoffen, dass euch nicht jene bösen Geistern heimsuchen werden, über die Lafcadio Hearn so gerne schreibt. Die wollen, im Gegensatz zu vielen bekannten Geistern, euch nicht bloß einen Schrecken einjagen, sondern euch regelrecht den Kopf von den Schultern reißen.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Rezension: Kopfkissenbuch (Sei Shonagon)

(Foto: Aufziehvogel)






Japan um 1000

Kopfkissenbuch
Autorin: Sei Shōnagon
Originaltitel: Makura-no-Soshi
Veröffentlichung: 12. Oktober 2015 bei Manesse
Neue und ungekürzte Übersetzung: Michael Stein
Genre: Uta Nikki, Klassische Literatur


"Zur kühleren Abendstunde in der allerheißesten Jahreszeit, wenn es so dunkel ist, dass man kaum noch etwas sieht, wirkt der Anblick eines Herrenwagens -  es muss durchaus kein hochherrschaftlicher Wagen mit Vorreitern sein -, in dem ein oder zwei Männer mit hochgerollten hinteren Jalousien einherfahren, erfrischend auch mich. Und wenn dazu noch das Spiel auf einer Biwa oder der Klang einer Querflöte ertönt, bedauere ich es zutiefst, wenn der Wagen vorbei- und weiterfährt. Es ist eine meiner Marotten, dass ich bei solchen Gelegenheiten den Geruch des Zuggeschirrs des Ochsen reizvoll finde, ein strenger Geruch eigentlich, den man eher ungern in Kauf nimmt.
Wenn es ganz dunkel ist und mondlose Finsternis herrscht, gefällt es mir, wenn der Geruch vom Rauch der brennenden Fackeln in den Händen der Vorreiter ins Wageninnere hereinweht."
(Sei Shonagon - Kopfkissenbuch, Manesse Verlag, Übersetzung: Michael Stein)


Vor über 1000 Jahren, wo sich manche Völker noch mit Steinen und Keulen bekriegten, feierte Japan nicht nur einen der ersten Romane überhaupt, sondern auch seinen ersten literarischen Star. Denn noch zu ihren Lebzeiten erfuhr die Hofdame Sei Shonagon, wie populär ihre Niederschriften wurden. Und obwohl es für uns vermutlich unvorstellbar ist, aber sogar an ein ausführliches Nachwort hat die Autorin gedacht. Historiker waren der redefreudigen Hofdame für so reichhaltige Informationen natürlich sehr dankbar. Und dennoch hat Sei Shonagon ein großes Mysterium hinterlassen. Anders als beim Genji Monogatari, welches in seiner Vollständigkeit nicht komplett sicher der Hofdame Murasaki Shikibu zugeordnet werden kann (das Thema ist bis heute unter Historikern und Japanologen sehr kontrovers diskutiert), so kann man sich bei der ehrenwerten Hofdame Sei Shonagon schon ziemlich sicher sein, dass das komplette Werk, ihr Kopfkissenbuch, auch aus ihrer Feder entsprungen ist. Obwohl das Leben der Sei Shonagon und ihrem Hauptwerk so gut datiert ist, fehlen leider, man kann schon sagen, beinahe vollständig Informationen darüber, wo sie ihren Lebensabend verbrachte und wie und wann sie gestorben ist. Es scheint, als hätte sie sich wie ihre Schriftsteller-Kollegin Murasaki Shikibu in Luft aufgelöst. Was die ehemalige Hofdame aber hinterlassen hat, ist ein mehr als beeindruckendes Vermächtnis der Weltliteratur.

Wer beim Kopfkissenbuch eine epische, dramatische Geschichte wie beim Prinzen Genji erwartet, der wird sich wundern. Das Kopfkissenbuch der Sei Shonagon ließt sich nämlich wie ein Tagebuch, welches gefüllt ist mit den alltäglichen Geschehnissen am kaiserlichen Hofe von Kyoto. Genau so wenig darf man aber auch einen steifen, langatmigen Wälzer erwarten. Es ist sogar das komplette Gegenteil der Fall. Die Hofdame Sei Shonagon versteht es nämlich bestens, den Leser zu unterhalten. Mit vielen kleinen Anekdoten aus dem Alltag am Hofe schildert sie eine sehr persönliche Sichtweise über eine Zeit, in die wir uns nur noch schwer hineinversetzen können. Überraschend dabei ist, wie frei, offen und amüsant die Autorin die Geschehnisse schildert. Ob nachdenklich, humorvoll oder auch mal sehr frech, Sei Shonagon hat all ihre Facetten in diesen kleinen Geschichten und Gedichten verewigt.

Eine der wenigen Kontroversen, die über die Jahre im Bezug mit dem Kopfkissenbuch entstanden sind, ist die Frage nach einer chronologischen Reihenfolge der Einträge. Darauf gibt die Autorin nur wenige konkrete Hinweise. In den ersten Einträgen des Kopfkissenbuches wird jedoch klar, dass Autorin den Menschen, die am Hofe dienen, noch neidisch hinterherblickt. Überliefert ist, das die Hofdame Sei Shonagon erst relativ spät in ihrem Leben zu einer echten Hofdame am kaiserlichen Hof wurde. Mit ungefähr 30 Jahren diente sie der schönen wie sanften jungen Kaiserin Sadako, zu der sie schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufbaute. Sei Shonagon brauchte nicht lange, um sich am Hofe einzuleben. Dem Leser wird außerdem relativ schnell klar, die Autorin tratscht auch mal gerne und ist des öfteren in Lästerlaune.
Dies gewährt dem Leser einen unglaublich heiteren, aber auch intimen Einblick in eine Welt, die wir uns vermutlich als sehr traditionell, streng und antiquiert vorstellen. Dabei sind die Themen, über die die Autorin schreibt, auch heute noch teilweise erfrischend aktuell. All die kleinen Geschichten sind mit einer Leichtigkeit geschrieben, dass man sich kaum vorstellen kann, man habe es mit einem über 1000 Jahre alten Text zu tun.


"120 Was würdelos aussieht
Ein großes Schiff, das bei Ebbe auf einer Sandbank festsitzt.
Ein großer Baum, der vom Sturm entwurzelt wurde und nun mit dem Wurzelwerk nach oben umgestürzt daliegt.
Ein Mann von niederem Stand, der seine Gefolgsleute anschreit.
Eine Ehefrau, die wegen irgendeiner Belanglosigkeit beleidigt das Haus verlässt, weil sie meint, dass ihr Mann sie verzweifelt suchen werde. Der aber denkt gar nicht daran, sondern nimmt es zu ihrem größten Ärger gelassen, sodass sie schließlich, weil sie nicht immerzu auswärts übernachten kann, von selbst wieder zurückkommt."
(Sei Shonagon - Kopfkissenbuch, Manesse Verlag, Übersetzung: Michael Stein)


Zur vorliegenden Ausgabe

Bereits am 09. Oktober habe ich einen Beitrag verfasst, der sich ausführlich mit der optischen Ansicht der neuen Ausgabe des Kopfkissenbuches befasst: Vorschau - Kopfkissenbuch
In diesem Abschnitt möchte ich mich jedoch diesmal auf den Inhalt konzentrieren. Ich muss aber dennoch einmal anmerken, dass ich nur selten eine für den privaten Gebrauch, bibliophile Ausgabe in den Händen gehalten habe, welche sich so hochwertig anfühlt, wie diese Neuausgabe.

Die große Kritik in den vorherigen Ausgaben des Kopfkissenbuches lag darin, inhaltlich gekürzt zu sein. Selbst die bislang umfangreichste deutsche Übersetzung von Mamoru Watanabe war nicht nur gekürzt, sondern leider auch durch viele andere westliche Handschriften/Übersetzungen des Kopfkissenbuches vom Ton und Verständnis her alles andere als originalgetreu. Man könnte sagen, alle erhältlichen Ausgaben wurden verwestlicht. In der neuen Hardcover-Ausgabe vom Manesse Verlag liefert Michael Stein eine von den japanischen Herausgebern autorisierte, ungekürzte Neuübersetzung ab. In einem ausführlichem Nachwort des Übersetzers, erwähnt Michael Stein wie wichtig es nicht nur war, eine ungekürzte deutschsprachige Ausgabe zu präsentieren, sondern auch eine sprachlich moderne und verständliche Übersetzung abzuliefern, die aber dennoch den Stil von Sei Shonagon beibehält. Die neue Übersetzung ließt sich nicht nur flüssig, es wurden auch zahlreiche interessante Fußnoten zu etlichen Begriffen und Situationen hinzugefügt. Wer sich also durch das Kopfkissenbuch gelesen hat, der sollte auf keinen Fall dort schon das Buch zuklappen, denn was folgt, sind extrem interessante Anhänge, die für mich das Gesamterlebnis einfach abrundeten. Neben dem ausführlichem Kommentar von Übersetzer Michael Stein gibt es zahlreiche Infos zum Leben der Sei Shonagon, einen Glossar und ein Personenregister. Ganz besonders interessiert war ich an dem Abschnitt, in dem die verschiedenen Ausgaben und Handschriften besprochen wurden. Nicht nur äußerlich macht die Neuausgabe was her, auch inhaltlich hat sich diese Ausgabe meine Hochachtung verdient.


Resümee

Man kann mit großer Gewissheit sagen, die beiden Hofdamen Sei Shonagon und Murasaki Shikibu lebten zur gleichen Zeit. Im Tagebuch der Murasaki Shikibu äußert sich die Autorin relativ abschätzig über Sei Shonagon. Genau genommen wirft sie ihr Hochnäsigkeit und Arroganz vor. Zum einen sind die Worte von Murasaki Shikibu nicht ungewöhnlich, da die beiden Damen anscheinend aus rivalisierenden Häusern stammten. Aber auch an sich kann ich mich Murasaki Shikibus Ansicht nicht anschließen.
Es stimmt, Sei Shonagon besaß in ihrem Schreibstil das gewisse Etwas, was sich zuerst ein wenig arrogant liest. Je weiter ich aber im Kopfkissenbuch voran kam, desto mehr lernte ich die freche, manchmal sogar herablassende art zu schätzen. Sei Shonagon war nicht nur eine selbstbewusste Frau, sie war außerdem unglaublich modern, teilte sowohl gleichermaßen an Männern und Frauen aus. Ihren großen Traum, am Hofe zu dienen, hat sie sich erarbeitet und erfüllt. Für die Autorin, so ist es unschwer in den Texten zu erkennen, war dies die schönste Zeit ihres Lebens. Und trotz all der Selbstbewusstheit kam auch häufig ein anderer Charakter der Autorin zum Vorschein: Sie war verträumt, ein wenig naiv was viele ihrer Ansichten anging, und gleichzeitig auch eine einfühlsame Person. Es dürfte wohl kaum charmantere Erzählungen vom Leben am Kaisershof in Kyoto geben, als das Kopfkissenbuch.

Makura no soshi. Der Originaltitel des Kopfkissenbuches. Ein Buch, was selbst die Kleinsten in Japan bereits kennen. In Deutschland dürfte diese Bekanntheit wesentlich zurückhaltender sein. Das dieser Klassiker der Weltliteratur aber nun endlich in seiner ungekürzten Schönheit vorliegt, kann man dem Manesse Verlag wieder einmal hoch anrechnen. Diese Übersetzung war überfällig und wurde von Liebhabern japanischer Literatur seit vielen Jahren gefordert. Diesem Wunsch ist man nachgekommen und hat nicht nur optischen einen Hingucker gelandet, sondern auch inhaltlich eine deutsche Ausgabe abgeliefert, die Sei Shonagons Kopfkissenbuch den gebührenden Respekt zollt.

Und wer wissen möchte, was nun eigentlich ein Kopfkissenbuch eigentlich ist, auch dazu hat die Autorin in ihrem Nachwort noch eine amüsante Anekdote auf Lager.

Freitag, 9. Oktober 2015

Vorschau: Kopfkissenbuch (Sei Shonagon)



Am 12. Oktober bringt der Manesse Verlag seine, sehr wahrscheinlich, letzte Veröffentlichung eines japanischen Klassikers für das Jahr 2015. Dafür plante der Verlag noch einmal etwas großes, und gleichzeitig haben wir es auch mit einer Premiere zu tun. Denn erstmals wird das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shonagon ungekürzt bei uns erscheinen. Es gab in der Vergangenheit mehrere Versuche, uns den Klassiker zugänglich zu machen. Manesse selbst hat den Titel sogar schon einmal veröffentlicht, nämlich in ihrer Reihe "Bibliothek der Weltliteratur" in einer Übersetzung von Mamoru Watanabe. Leider fehlten in bisher allen Veröffentlichungen wichtige Teile von Sei Shonagons Erzählungen. Teilweise wurden diese aufgrund der kulturellen Aspekte gekürzt. Für einen Liebhaber klassischer japanischer Literatur ist dies natürlich nicht zu rechtfertigen.




In der neuen aufwendigen Hardcover-Ausgabe (Feinleinenband auf Satinpapier), die optisch, schaut man genau hin, sogar an ein Kopfkissen angelehnt ist, finden wir eine Neuübersetzung von Michael Stein der hier nicht nur eine sehr lesbare, sondern aber auch ziemlich interessante Übersetzung angefertigt hat. Ohne unübersichtlich in den Haupttext verarbeitet zu werden befinden sich auf vielen Seiten häufig kleinere Absätze des Übersetzers, die stets interessante Hintergrundinformationen bieten. Abgerundet wird all jenes mit einem ausführlichem Nachwort des Übersetzers.




Doch welcher Inhalt befindet sich in einem Buch, mit einem solch ungewöhnlichem Titel? Wie sicher bereits viele angenommen haben, geht es, trotz des eindeutigen Titels, nicht um Kopfkissen oder antike Schlafgewohnheiten. Eine ausführliche Besprechung/Rezension des Kopfkissenbuches wird es aber demnächst hier auf "Am Meer ist es wärmer" geben.

Einen kurzen Überblick will ich euch aber dennoch verschaffen. Wenn man von japanischen Hofdamen spricht, fallen meistens zwei Namen, die weltbekannt sind. Zum einen wäre das Murasaki Shikibu, die mit ihrer "Genji Monogatari" den vermutlich ersten Roman und die erste Coming of Age Geschichte der Weltliteratur verfasst hat. Und dann gibts es da Sei Shonagon, die mit ihrem Kopfkissenbuch das Leben am Hofe schildert. Im Gegensatz zu ihrer Hofdame-Kollegin Murasaki Shikibu tut sie dies jedoch auf ihre ganz eigene Art und ihrem ganz eigenem Stil. So ist das Kopfkissenbuch viel mehr ein Zeitzeugenbericht aus der Zeit am Hofe. Mit vielen kleinen Geschichten, Gedichten und anderen Anekdoten berichtet Sei Shonagon von ihren Tagen als Hofdame. Mal humorvoll, mal poetisch, mal aber auch erotisch. Natürlich muss das Wort "Erotik" hier verhalten gewählt werden. Aber für damalige Verhältnisse war die Verfasserin überraschend freizügig.

Mehr zu dieser wundervollen Ausgabe wird es in den nächsten Tagen geben.


Japanische Klassiker auf "Am Meer ist es wärmer".

Die Geschichte vom Prinzen Genji

Japanische Jahreszeiten

Tagebuch eines alten Narren