Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Freitag, 24. August 2018

Rezension: Peter Pan (James Matthew Barrie)






Peter Pan
Originaltitel: Peter and Wendy
Autor: Sir James Matthew Barrie
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Christiane Buchner und Martina Tichy
Genre: Klassiker, Kinderbuch, Fantasy



Wenn der Name Peter Pan erklingt, werden die meisten wohl unweigerlich an den animierten Disney-Klassiker aus dem Jahr 1953 denken. Man muss sich nicht grämen oder schuldig fühlen, wenn man die Ursprünge dieser klassischen Kindergeschichte nicht kennt, auch ich hatte hier, wie sich herausstellte, eine relativ große Lücke. Doch leben wir in modernen Zeiten und keine 10 Minuten später kennt man nicht nur Peter Pans Schöpfer, sondern gleichzeitig die komplette Entstehungsgeschichte. Hinter dem frechen Burschen, der sich weigert, erwachsen zu werden steckt der schottische Dramatiker und Autor James Matthew Barrie. Überraschenderweise handelt es sich bei dem hier besprochenen Roman aus dem Jahr 1911 noch nicht einmal um die Urfassung dieser Geschichte. Barrie erfand die Figur wesentlich früher und lies sie in leicht veränderter Form in einer anderen Geschichte auftreten. Doch den Peter Pan, den wir heute kennen, der fand sein Debüt in einem Theaterstück aus dem Jahr 1904, einige Jahre vor der Veröffentlichung des Romans also.
Aufgrund der großen Beliebtheit erhielt Barrie viele Anfragen, die Geschichte auch als Buch umzusetzen. Barrie kam der Bitte nach und schrieb ein Buch und es sollte kein Abdruck des Drehbuchs des Theaterstücks werden. Auf Vorlage des Romans basieren viele Umsetzungen von Peter Pan und er gilt für viele heute als die ursprüngliche Fassung von Peter and Wendy, obwohl das Theaterstück der legitime Vorreiter bleibt.

Der Diogenes Verlag brachte die hier vorliegende Ausgabe bereits 2016 in den Buchhandel, allerdings zu dieser Zeit noch als Sonderedition, gebunden und mit sehr ansprechenden Illustrationen von Tatjana Hauptmann. Die neue Taschenbuchausgabe beinhaltet den ungekürzten Text, allerdings ohne die Illustrationen (das Cover-Motiv stammt jedoch noch aus der illustrierten Variante).

Als großer Fan der Umsetzung von Disney war ich jedoch umso gespannter, wie sich Barries Roman liest. Dabei fällt besonders auf, dass sich Buch und Film teilweise sehr ähnlich sind. Wer glaubt, Hunde-Babysitterin Nana sei eine Erfindung der Disney-Autoren gewesen, der irrt sich. Nanas Rolle im Buch ist aber doch um einiges üppiger und auch signifikanter. Es ist zudem die schiere Vorstellungskraft von James Matthew Barrie, die dieses Buch nicht nur so liebevoll macht, sondern auch ältere Leser bis heute begeistern dürfte. Die Thematik um "das Kind in uns" läuft Gefahr, oftmals in Albernheiten abzudriften, nicht jedoch bei Peter Pan. Selbstverständlich werden hier Kinder vermutlich die meiste Freude haben (besonders dank des lässigen, humoristischen Schreibstils von Barrie), doch ich habe mich nicht selten dabei ertappt, bei so manch aberwitzigen Situationen laut vor mich hin zu grunzen (ich meine tatsächlich grunzen, nicht grinsen!).

In Sachen Umfang aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit ist das Buch dem relativ kurz gehaltenem Zeichentrickfilm natürlich um einiges voraus. Das Buch scheut nicht davor, auch kritischere Themen anzuschneiden, was besonders zu Beginn der Geschichte im Hause der Darlings zu lesen ist. Hier hat ein Roman jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, die Charaktere zur Geltung kommen zu lassen und auch mal nicht so heitere Themen anzuschneiden. Besonders das Schicksal des fiesen Captain Hook ist im Buch dann doch wesentlich bittersüßer als in Disneys kinderfreundlicher Vision der Ereignisse.



Resümee

Für mich war James Matthew Barries "Peter Pan" noch einmal ein wundervoller Ausflug ins Nimmerland. Besonders für Leute, die wirklich nur mit den filmischen Umsetzungen vertraut sind, werden hier noch einmal einen Mehrwert finden. Barries Ideen und Humor wirken nicht antiquiert oder eingestaubt, eine flüssige deutsche Übersetzung half zudem noch, das Werk etwas zeitgenössischer in der Wortwahl zu gestalten. Ein wundervoller Klassiker für Kinder, den jung gebliebenen, aber auch ganz sicher für die Erwachsenen.



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