Zur Feier des Heimkino-Release von "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" möchte ich mich einem Tarantino-Ranking widmen, bei dem ich die ganze Zeit der Meinung war, so etwas würde es auf "Am Meer ist es wärmer" schon geben. Aber nachdem ich das Archiv nun mehrmals durchgegangen bin, finde ich kein derartiges Ranking. Wenn ich es finden würde, wäre es aber interessant zu sehen, inwieweit sich mein aktuelles Ranking mit jenem von damals unterscheiden würde.
Nach dem verpassten Kino-Release ist es an diesem Wochenende auch bei mir endlich so weit, ich werde in aller Ruhe (hoffentlich) endlich The Whole Bloody Affair begutachten können. Die Filmfassung, die nie ein wirklicher Mythos war und dennoch unerreichbar erschien. Kurioserweise werde ich nicht mein 4K-Steelbook anrühren sondern, auch, wenn es nach purer Film-Blasphemie klingt, die VoD-Version von Apple TV vorziehen, die aufgrund der Natur des VoD-Mediums den Film nicht aufteilt wie die Blu-ray sondern an einem Stück zeigt (auch wenn es, fairerweise zu Gunsten der technisch bessere Blu-ray, eine Intermission gibt, die in allen Versionen dieses Cuts vorhanden ist). Somit komme ich der Originalintention dieses Werks noch ein bisschen näher.
Spontan hatte ich heute im stillen, ganz für mich, über ein Ranking des großen Zampano nachgedacht. Und das ist deutlich überraschender, als ich selbst erwartet hätte. Ich könnte Tarantinos Filme praktisch in 3 verschiedene Kategorien einordnen: Unanfechtbare Klassiker - Filme, die ich mir jederzeit wieder gerne anschauen würde und Filme, die ich vermutlich nicht mehr schauen werde.
Das Ranking sollte ursprünglich einen anderen Titel haben, aber "The Whole Bloody Affair" auf Tarantinos gesamte Filmografie ist wohl doch die wesentlich treffsicherere Überschrift.
Welche Filme es in welche Kategorie geschafft haben, folgt im jetzigen Special. Wie immer gilt: So ein Ranking ist eine rein subjektive Angelegenheit und repräsentiert keinen allgemeinen Geschmack. Es fehlt nach wie vor Tarantinos 10. und letzter Film. Filme wie True Romance, Natural Born Killers oder From Dusk Till Dawn fließen nicht in dieses Ranking mit ein, da Tarantino hier nicht als Regisseur am Werk war. Film ab!
9: Django Unchained (2012)
"Das D ist stumm". Ungefähr das ist auch meine bescheidene Reaktion auf Django Unchained bis heute. Prominent besetzt und bescherte Christoph Waltz seinen zweiten Oscar in der zweiten Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino als "Bester Nebendarsteller". Mit einem Budget von etwas über 100 Millionen Dollar gehört Django mitunter zu Tarantinos teuersten Produktionen, bei einem sensationellem weltweiten Einspielergebnis von fast einer halbe Milliarde Dollar aber eine absolute Goldgrube.
Wenn Kill Bill Vol. 2 ein moderner Spaghetti-Western war, war Django Unchained das komplette Gegenteil davon. Es war ein Rassendrama, verpackt als Satire und nur in den seltensten Momenten mal ein traditioneller Western. Häufig kam es mir jedoch so vor, als würden diese Ansätze sich zu sehr beißen. Brutale Mandingo-Kämpfe wechseln sich fließend ab mit sozialkritischen Untertönen und Momenten, die an eine Buddy-Komödie der Marke Spencer/Hill erinnern. Geschmückt mit bekannten Musikstücken von Ennio Morricone, die für diesen Film teilweise neu interpretiert wurden, wirkt der Film trotz all seiner Bemühungen viel mehr wie ein Abziehbild all derer Filme, die er gerne sein möchte. Django Unchained hat die Menschen in Scharen in die Kinos gebracht. Er muss also etwas haben, was ich vielleicht bis heute noch nicht so zu schätzen weiß. Die ganzen Filmklassiker-Referenzen, die Tarantinos Filme immer auszeichneten, wirkten hier seltsam aufgesetzt und wenig originell. Den unzähligen Litern Blut, die im Film vergossen werden, fehlt es an Impact, obwohl Django, hier gespielt von Jamie Foxx (und tatsächlich nur Tarantinos zweite Wahl, da für die Rolle Will Smith vorgesehen war), einen überzeugenden Antiheld spielt, der vielleicht am Ende etwas zu handzahm ist, um mit großen Vorbildern wie Franco Nero (der ebenfalls kurz im Film auftaucht) verglichen werden zu können.
Ich habe Django Unchained selbst nur dreimal gesehen und verspüre auch nicht den Reiz, dies in absehbarer Zeit nochmal zu tun. Ich will nicht automatisch so weit gehen, den Film als schlecht zu betiteln, aber es ist wohl einer der wenigen Filme in Tarantinos Portfolio, wo seine eigene Handschrift eher eine Bürde ist als eine Bereicherung für den Film.
8: Inglorious Basterds (2009)

Bei einem Budget von knapp 70 Millionen Dollar gegen ein Einspielergebnis von über 300 Millionen stand eines fest: Quentin Tarantino was back in Action. Nachdem nicht nur Death Proof sondern das gesamte Grindhouse-Projekt gefloppt war, kamen Zweifel auf, ob Tarantino vieleicht sein Pulver verschossen hätte - hat er nicht. Das hat er eindrucksvoll bewiesen. Inglorious Basterds muss ich vermutlich anders, im korrekten Kontext bewerten. Es ist ein Film, der für die große Leinwand gemacht ist. Fast schon arrogant und übermütig wirkt dieser Film auf der Kinoleinwand - und funktioniert. Er ist bildgewaltig, blutrünstig, witzig und voller markanter Charaktere. Leider ist der Film im Nachklang aber auch ein Werk, welches seinen Charme unglaublich schnell verspielt. Im Heimkino auf einem weniger imposanten Bildschirm wirkt das ganze Spektakel nicht nur kleiner, sondern auch weitaus weniger beeindruckend. Der Film ist langatmig, die Charaktere sind eher anstrengend als cool und markant und der Apfelstrudel sieht auch nicht mehr so lecker aus.
Genau wie bei Django Unchained bin ich mir nicht sicher, ob ich den Film in absehbarer Zeit nochmal schauen werden. Die Kino-Magie, die dieser Film einst auf mich wirkte, ist verflogen. Dennoch möchte ich den Inglorious Basterds auf keinen Fall absprechen, dass sie nicht auch unterhaltsam sein können. Der Film hat weltweit einen kulturellen Fußabdruck hinterlassen und bescherte Christoph Waltz in seiner Rolle als SS-Standartenführer Hans Landa einen Oscar. Bei der ersten Sichtung entfaltet Inglourious Basterds also seine Qualitäten. Bei der zweiten Sichtung bemerkt man aber bereits, dass dem Film nach einiger Zeit auch ganz schön die Puste ausgeht.
7: Death Proof (2007)

Death Proof dürfte für Tarantino ein Wendepunkt sein, der seine Karriere erstmals auf die Probe stellte. Zugegeben, nach einem Epos wie Kill Bill war es für Tarantino nicht leicht, etwas abzuliefern, was zeitgleich keine Wiederholung seiner bisherigen Filme war. Die Erwartungshaltung war enorm und als bekannt wurde, dass es erstmals nach From Dusk Till Dawn wieder eine ausgiebige Zusammenarbeit mit seinem guten Kumpel Robert Rodruguez geben würde, war die Vorfreude groß. In einem sogenannten "Grindhouse Double-Feature" wollten die beiden das alte Horror Indie-Kino wieder aufleben lassen. Eine lange Nacht mit zwei Filmen samt Fake-Trailern zu nicht existierenden Filmen (allesamt gedreht von namhaften Regisseuren) sollten diese magischen Zeiten noch einmal aufleben lassen. Rodriguez zelebrierte in Planet Terror den Bodyhorror während Taratino mit Death Proof eine Mixtur aus Slasher und Exploitation ablieferte. Ein Autoporno, mit anderen Worten. Am Ende stellte sich jedoch eines heraus: Rodriguez wurde nicht von Taratino getragen, sondern Planet Terror trug das gesamte Projekt. Selbst die Fake-Trailer trugen das Projekt noch mehr als Tarantinos Beitrag. Und dann war da halt Death Proof von Tarantino, dessen beste Szene ein Lap-Dance zu "Down in Mexico" war, der in der Grindhouse-Fassung nicht einmal komplett vorkam. Mit Stuntman Mike (großartig gespielt von Kurt Russell) erschuf Taratino eine Figur, die in Erinnerung bliebt und der Beruf des Stuntman noch einmal für einen anderen Film wichtig werden sollte.
Am Ende jedoch floppte das Grindhouse Double-Feature in den USA. Grund dafür war sicherlich nicht nur Death Proof. Es war die gewaltige Laufzeit des gesamten Projekts, die vor allem Kinobetreiber und am Ende auch Kinogänger abschreckte. Die Filme selbst gehörten eher in die Kategorie "Special Interest". Die Fake-Trailer waren es, die tatsächlich glänzen konnten. Letztendlich ist aus einem Machete (Robert Rodriguez) und Thanksgiving (Eli Roth) als Spielfilm in voller Laufzeit erschienen. Außerhalb der USA gab es fürs Kino überhaupt kein Grindhouse Double-Feature. Man ist sich schnell einig geworden, die Filme für den maximalen Gewinn einzeln in die Kinos zu bringen (und bei den Einzel-Veröffentlichungen hatte man Tarantinos Beitrag klar bevorteilt) und sie stattdessen mit mehr Laufzeit auszustatten. Ich erinnere mich selbst noch dran, mit einigen Freunden ein eigenständiges Double-Feature eines heimischen Kinos geschaut zu haben, wo zuerst Reservoir Dogs und anschließend Death Proof gezeigt wurde. Die Langfassung von Death Proof macht es einem nicht unbedingt leichter. Die zusätzlichen Szenen kommen eindeutig der Handlung entgegen, es gibt den Lap-Dance in voller Länge und ein paar coole neue Spielereien. Zeitgleich wird aber bereits ein langatmiger Film noch länger. Beide Fassungen haben sowohl ihre Stärken als auch Schwächen. Es gibt Tage, da ziehe ich eine von beiden vor und Tage, wo ich diesen Film niemals mehr sehen möchte.
Und dennoch ist Death Proof mein Soft-Spot bei diesem Ranking, würde er bei vielen anderen wohl auf dem letzten Platz landen. Es ist am Ende ein Nischenfilm, der vieles und wiederum nichts ist. Ein Film, den man weder schauen sollte, wenn man hellwach ist noch todmüde, sondern, wie der Film selbst, irgendwas dazwischen ist. Am besten berieselt man sich dabei mit einem etwas stärkeren Bier aus Belgien und wartet einfach ab, wie der Film sich entfaltet.
Über die Jahre fand er seine Fans und letztendlich ist das eingetreten, was man schon von Beginn an erwartet hat: Tarantino trägt das Filmprojekt während der deutlich unterhaltsamere Planet Terror nahezu in Vergessenheit geraten ist.
6: Once Upon a Time in Hollywood (2019)
Wir sind im Ranking nun in der Kategorie an Filmen angekommen, die ich mir jederzeit immer anschauen würde. Es sind nicht die zeitlosen Klassiker, die noch kommen werden, aber allen voran eigenbrötlerische, höchst interessante Filme, in denen Tarantino besonders nach Django Unchained wieder mutig genug war, seine Spielereien in die Filme einzubauen, ohne, dass sie wie eine Last wirkten. Once Upon a Time in Hollywood ist genau so ein Projekt. Mit Cliff Booth (Brad Pitt) erschuf Tarantino nach Stuntman Mike aus Death Proof erneut einen Stuntman, der jedoch das Glück hatte, erfolgreich genug zu sein, um demnächst von David Fincher einen eigenen Film zu erhalten (ob das gut gehen wird, wird sich noch zeigen müssen. Bislang verspürte ich noch kein großes Verlangen danach, mir den Trailer anzusehen).
Once Upon a Time in Hollywood fungiert als Alternativwelt-Film, ähnlich wie Inglorious Basterds, wo die Magie des Films für Veränderungen sorgen kann und einen kleinen Teil der Geschichte Hollywoods neu schreibt. Es ist insgesamt ein höchst eigenwilliger, teils obskurer Film mit Filmreferenzen, die nur die wenigsten Zuschauer vielleicht vollends zu schätzen wissen. Eine Risikobereitschaft, die sich jedoch bei mir in der durchaus beachtlichen Lauflänge des Films auszahlte. Genau wie zu The Hateful 8 gibt es auch zu Once Upon a Time in Hollywood eine längere Fassung, die bisher nie nachträglich im Heimkino erschienen ist (zumindest nicht in Europa). Zeitgleich wagte sich hier Tarantino aber auch erstmals an eine Roman-Umsetzung des Stoffs, die sich sogar durchaus lesen lassen kann.
Neben großen Namen wie Brad Bitt und Leonardo DiCaprio und Margot Robbie, gab sich mit Al Pacino dann auch in einer kurzen Rolle ein echtes Hollywood-Urgestein die Ehre. Zeitgleich sind es aber auch die letzten großen Rollen von Matthew Perry und dem langjährigen Tarantino-Weggefährten Michael Madsen, die mittlerweile leider verstorben sind.
Wer ein bisschen Zeit mitbringt, der wird hier mit einem durch die Bank weg gelungenen Film belohnt, den man sicherlich noch mehrere Sichtungen gewähren wird.
5: The Hateful 8 (2015)

The Hateful 8 war exakt das, was ich nach Django Unchained gebraucht hatte. Ein Film, der vom gesamten Spektrum her wieder deutlich kleiner war und auf weniger Schauplätze setzte und mit einem Ensemble-Cast, der mit so einem Szenario gut zurechtkommt. Tarantino selbst nennt John Carpenters "The Thing" Remake hier als große Inspiration an (was auch unschwer zu erkennen ist). Doch genau so sehr steckt auch Sergio Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg" (Il Grande Silenzio) in The Hateful 8 und allen voran Tarantinos eigenes Spielfilmdebüt, Reservoir Dogs. Fast die gesamte Rahmenhandlung spielt sich an einem einzigen Schauplatz ab und befasst sich mit einem umfangreichen Mystery-Element, welches sich gelungen wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht. Mit Tim Roth und Michael Madsen kehren zwei wilde Hunde aus Reservoir Dogs in den Cast zurück und sowohl mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell und der herausragenden Jennifer Jason Leigh und Walton Goggins spielt der Film seine ganzen narrativen Stärken aus. Zusätzlich holte Tarantino mit Bruce Dern noch einen alten Haudegen aus der Versenkung, wie er es immer mal wieder tut.
Dabei stand der Release des Films einst auf der Kippe, da das ursprüngliche Drehbuch vorab im Netz gelandet ist. Tarantino wollte den Film begraben, entschied sich dann aber dazu, das Ende der Geschichte umzuschreiben, was sich als beste Entscheidung überhaupt erwiesen hat.
Zu The Hateful 8 (auch in der Schreibweise The Hateful Eight gängig) existiert ebenfalls eine sogenannte Roadshow-Version, die deutlich mehr Szenen bietet. Nach wie vor ist diese Fassung nicht gängig im Heimkino verfügbar. Die reguläre Fassung schmälert den Verlust jedoch nicht. The Hateful 8 ist ein Film, den ich mir jederzeit immer wieder anschauen würde.
4: Jackie Brown (1997)
Gefühlt ist es Quentin Tarantinos nahezu vergessenes Meisterwerk. Und seine bisher einzige Roman-Adaption. Jackie Brown ist Tarantinos unfassbar treue Umsetzung von Elmore Leonards (1925-2013) Rum Punch. Tarantino verlagerte die Story in ein anderes Jahrzehnt und baute Leonards weiße Heldin "Jackie Burke" in eine farbige Protagonistin um. Tarantino machte aus dem Krimi einen Blaxploitation-Streifen und holte für die Rolle der Jackie Brown mit Pam Grier eine Ikone aus eben diesem Genre zurück. Mit Robert Forster holte Tarantino ein weiteres Schauspiel-Urgestein zurück, welches nahezu in Vergessenheit geraten ist. Abgerundet wurde dies mit absolut gelungenen Darbietungen von Samuel L. Jackson, Robert De Niro und Bridgett Fonda sowie einem großartigen R&B, Soul und Funk Soundtrack.
Nachdem Pulp Fiction zu einem weltweiten Megahit wurde, war es nahezu unmöglich, dass Jackie Brown an diese Erfolge würde anknüpfen können. Diese äußerst gelungene Krimigeschichte im Blaxploitation-Genre trägt zwar unverkennbar Tarantinos Handschrift, aber filmisch gesehen ist es ein ganz anderes Erlebnis und war zeitgleich sein letzter Film, den er in den 90ern gedreht hat. Mittlerweile eher ein Geheimtipp, der bis heute jedoch nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.
3: Pulp Fiction (1994)

Es wird, ohne Frage, bis heute Tarantinos wohl bekanntester Film sein und es auch bleiben. Während viele Tarantino auf eben genau diesen Film reduzieren, so war dies für ihn immerzu die Herausforderung, dass danach kein Film mehr so wird wie Pulp Fiction. Das einzige, was Pulp Fiction für mich abhält höher in diesem Ranking zu stehen, ist einfach der Fakt, wie ausgenudelt das Konzept mittlerweile ist. Und dafür kann der Film selbst gar nichts. Aber wir alle kennen sie, die unzähligen Zitate die mittlerweile weltweites Kulturgut sind, ikonische Szenen die bis zum abwinken bereits gezeigt wurden, parodiert wurden und ihren Weg in ganz andere Filme fanden. Es ist schlicht und ergreifend ein Film, zu dem eigentlich nichts mehr gesagt oder geschrieben werden muss. Und dennoch möchte ich es nicht einfach bei diesem kurzen Absatz so stehen lassen. Pulp Fiction ist vielleicht gerade deshalb bei dem, was ich alles aufgezählt habe, heute vermutlich noch einmal relevanter als in den 90ern. Vieles, was das moderne Kino nachträglich vollbracht hat, geht auch auf die Errungenschaften von Pulp Fiction zurück. Exakt das macht diesen Film zu einem Fels in der Brandung, der vermutlich irgendwann zu einem der neuen Sieben Weltwunder gekrönt werden wird. Dennoch ist es Tarantino gelungen, dass dieser Film in meinem Ranking nicht als sein bester eingeht.
2: Kill Bill (2003/2004)
Tarantino sieht sein blutiges Racheepos bis heute als einen zusammenhängenden Film. Mit "The Whole Bloody Affair" gibt es nun endlich den Zusammenschnitt dieser beiden Einzelfilme, wie er es sich immer vorgestellt hat. Neu ist diese Fassung nicht einmal, da Tarantino sie schon einmal privat vor vielen Jahren einmal aufgeführt hatte, allerdings ohne die neue Anime-Sequenz, die ebenfalls nicht neu ist, sondern von dem japanischen Produktionsstudio Production I.G. angeblich schon vor langer Zeit fertiggestellt wurde. Doch manchmal ticken die Uhren halt langsamer und nun ist alles da, wo es hingehört.
Mit seinem dritten Spielfilm hatte Tarantino auch für mich zeitgleich den Höhepunkt seiner Filmkunst erreicht. Kill Bill ist nach Pulp Fiction mit großer Wahrscheinlichkeit Tarantinos bekanntester Film. Die Grundidee dabei ist so simpel, dass sie eigentlich hätte scheitern müssen. Ein Film, aufgeteilt in zwei Hälften, die verschiedener nicht sein könnten. Die eine Hälfte ist eine Hommage an die japanischen Revenge-Flicks der 70er Jahre, bluttriefend und mit viel Splatter. Der besondere Twist, das Gesicht des puren Bösen, Bill, nicht in der ersten Hälfte zu zeigen war ein Meisterstreich, der ebenso simpel war wie das Konzept hinter dem Film und genau so gut hätte schief gehen können. Die zweite Hälfte war ein moderner Italo-Western vermischt mit Elementen alter Kung-Fu und Wuxia-Filme. Der Grund, wieso Volume 2 vielleicht nie die verdiente Aufmerksamkeit erhalten hat wie Volume 1, liegt natürlich auch daran, wie stark diese erste Hälfte war. Dialoge, Splatter, Musik - eine Symphonie die hier pure Harmonie entstehen ließ. Volume 2 war jedoch der emotionale Höhepunkt, den diese Geschichte brauchte und Tarantino genau das tat, was er zuvor auch getan hatte: Sein eigenes Ding draus machen.
All das sorgt letztendlich dafür, dass Kill Bill sich nach wie vor als einer der frischesten Filme aus Hollywood auszeichnet, obwohl dieser ja auch schon über 23 Jahre alt ist. Bezeichnend für die moderne Filmlandschaft.
1: Reservoir Dogs (1992)
Es gibt vermutlich kaum irgendwelche Spielfilmdebüts, die so einprägsam sind wie Reservoir Dogs. Mit geringen Mitteln und der Hilfe von Harvey Keitel entstanden, ist Reservoir Dogs ein Gangsterfilm-Meilenstein, der mit simplen, fast schon minimalistischen Stilmitteln auskommt, um effektiv zu sein. Die Idee, den eigentlichen, schiefgelaufenen Bankraub nie zu zeigen (was man sicherlich auch dem Budget mit zu verdanken hat), lässt innerhalb des Films eine elektrische Hochspannung entstehen, der man sich nicht entziehen kann. Reservoir Dogs ist ein roher Film, der von einem gewissen Shock-Value lebt, ohne jemals zu sehr in explizite Gewaltorgien auszubrechen (auch wenn ich einige drastische Szenen dem Film natürlich nicht absprechen möchte).
Es ist nicht so, dass Quentin Tarantini direkt mit Reservoir Dogs seinen Zenit erreicht hätte. Es ist eher der Fakt, wie perfekt ungeschliffen dieser Film doch ist. Ich habe ihn unzählige male gefühlt bereits gesehen und entdecke nach jeder Sichtung nochmal neue Szenen für mich, die mir bei vorherigen Sichtungen nicht so aufgefallen sind. Reservoir Dogs hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination eingebüßt. So sieht für mich ein nahezu perfekter Film aus. Er stammt aus einer Schaffensphase von Tarantino, wo er das kleine Kino beherrschte wie kaum ein anderer. In diesem Sinne musste ich nicht lange überlegen, welcher Film am Ende mein Tarantino-Ranking anführen würde. Und vielleicht ist meine Liebe zu diesem Film ja der Grund dafür, dass ich Tarantinos Big-Budget-Produktionen wie Django Unchained bis heute so wenig abgewinnen kann.
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