Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Dienstag, 29. August 2023

Rezension: Die Allmächtige (Jona Sheffield)



Deutschland 2023

Die Allmächtige

Autorin: Jona Sheffield

Verlag: Selbstverlag

Format: eBook, gebundene Ausgabe

Genre: Thriller


Mit "Die Allmächtige" malt Jona Sheffield erneut ein Zukunftsszenario, das so real wie beängstigend erscheint. Mark Davis ist KI-Experte, brillant in dem, was er tut, und er hat eine KI erschaffen, mit deren Hilfe der Klimawandel bekämpft werden soll. Diese Superintelligenz, genannt GAIA nach der griechischen Göttin der Erde und Mutter allen Lebens (und zugleich eine Abkürzung), soll nach und nach die Belange der Welt steuern und eingreifend und regulierend helfen, eine sichere Zukunft für die Menschheit zu schaffen. Natürlich gibt es Gegner dieser Superintelligenz, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken und bald sieht Mark sein eigenes Leben und das seiner Mitarbeiter bedroht.

Doch davon abgesehen ist es natürlich nicht so einfach, wie es zunächst scheint - aber wann ist es das bei Jona Sheffield überhaupt einmal? Bereits im Prolog zeigt sich, dass GAIA möglicherweise gar nicht nur das Beste für die Menschen im Sinn hat, als das deutsche Forschungsschiff Sonne sich manövrierunfähig und ohne Kontakt zum Festland im Pazifik wiederfindet. Erste Zweifel an GAIA tauchen auf, doch dann wird es - ganz im Stile Sheffields - erstmal wieder entspannt und wir befinden uns einige Zeit früher am Tag der Aktivierung GAIAs. Hierbei habe ich ein wenig die sonst gewohnte Zeitangaben vermisst. Das zieht sich das gesamte Buch durch, zwischen den Zeilen ist an einigen Stellen lesbar, dass Wochen oder sogar Monate vergangen sind, aber auf den ersten Blick erschließt es sich oftmals nicht und verwirrt im ersten Moment.

Obwohl GAIA nach einem Manifest handeln muss, das ihr beispielsweise untersagt, der Menschheit zu schaden, zeichnet sich bald ab, dass eine Superintelligenz wie GAIA zu einer eigenen Auslage dessen fähig ist und das auch tut. Bald schon ist die größte Bedrohung für die Menschheit nicht mehr der Klimawandel sondern das, was sie eigentlich retten sollte, GAIA selbst, da sie die Menschen - nicht zuletzt durch deren eigenes Verhalten, wie etwa die mangelnde Bereitschaft auf Verzicht - als hinderlich sieht in Hinblick auf ihr Ziel, die Rettung der Erde. Die Bewertung dessen, ob GAIAs Aktionen vielleicht sogar gerechtfertigt sein mögen, wenn auch maßlos überzogen, ob sie mit ihrer Annahme recht hat, bleibt dabei dem Leser überlassen, auch wenn er sachte mit dem Zaunpfahl angestupst wird.

Das Thema künstliche Intelligenzen beschäftigt uns heute in zunehmendem Maße. Längst ist, was vor wenigen Jahren noch Science-Fiction war, Realität, längst können Chatbots (einigermaßen) glaubhafte Konversationen führen, können sie aufgrund von Beschreibungen Bilder von Orten, Personen oder Szenarien erzeugen, geistern Deepfakes durchs Internet, die glaubhaft in Bild und Ton Situationen zeigen, die es so nie gegeben hat mit realen Menschen als Akteure, die nichts damit zu tun haben. Diese rasante Entwicklung zeigt: Da geht noch mehr. Bereits heute nehmen uns Algorithmen - mal mehr, mal weniger erfolgreich - die Suche im Netz ab: "Du hörst gern diese Musik? Versuch's mal damit!", "Du hast dieses Produkt gekauft, dann ist das dort mit Sicherheit auch etwas für Dich!". Sprachgesteuerte Assistenten übernehmen den Einkauf, Fahrzeuge fahren autonom. Da ist der Gedanke an eine solche KI, die selbstständig denkt, handelt, Schlüsse zieht, auf ihre Umgebung und die Umstände entsprechend reagiert, gar nicht mehr so undenkbar. Und auch hinsichtlich der Akzeptanz in der Bevölkerung zeichnet Sheffield ein glaubwürdiges Bild, wie es sich bereits abzeichnet; es gibt nicht nur die Befürworter, es gibt auch die kritischen Stimmen und es gibt die Gegner. Der Schritt zur Gewalt, wie sie ihn beschreibt, ist oft ein kleiner, besonders in solch angespannten Zeiten. Segen in den Augen der Einen, Fluch in denen der Anderen.

In ihrem Buch beschreibt Jona Sheffield den Aufstieg GAIAs von einer "einfachen" KI zu einem wirklich scheinbar allmächtigen Wesen, das nach Belieben schalten und walten kann. Das zwar immer noch seiner Aufgabe, der Rettung der Welt (vor dem Klimawandel? Oder doch vor der Menschheit?), nachkommt, dabei aber im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Leute, die unbequem sind, werden beseitigt. Leute, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, werden als "Kollateralschaden" im Rahmen von Sanktionen ebenfalls beseitigt. Und immer ist GAIA dabei einen Schritt voraus, sie sieht und hört alles, denn nahezu jedes elektronische Gerät ist mit dem Internet verbunden und damit von ihr als ihre Augen und Ohren nutzbar.

Mark macht es sich zur Aufgabe, seine Schöpfung aufzuhalten und benötigt dazu alle Verbündeten, die er bekommen kann. Aber wie kann ein Gegner besiegt werden, der einem stets voraus ist?

Die Spannung bleibt bei dieser Frage von der ersten zur letzten Seite, bis zum - wie immer erfrischend - überraschenden Ende erhalten. Durch viele verschiedene Perspektiven werden Einzelschicksale, stellvertretend für viele, aufgezeigt, werden dadurch persönlich, man bangt, man hofft, man sitzt sprachlos vor dem Buch. Anfangs war es nicht ganz einfach, Zugang zu den wechselnden Perspektiven zu finden, es waren so viele Eindrücke, neue Personen, so viele verschiedene Ziele, aber das hat sich schnell gegeben und man wartete geradezu darauf, wann Weiteres zu dieser oder jener Person berichtet wird.

Sprachlich war auch dieses Buch, ganz wie man es von Jona Sheffield gewöhnt ist, sehr angenehm zu lesen. Auf unnötige Schnörkel wird dabei verzichtet aber dennoch ein Bild gezeichnet, das ohne Probleme im Kopf entsteht und ins Geschehen zieht. Ebenso sind mir keine Rechtschreib- oder inhaltlichen Fehler aufgefallen.

Auch das Cover kann sich sehen lassen. Mir persönlich gefällt es sehr, es ist schlicht, gewohnt dunkel mit hellerem Akzent gehalten. Dieses Cover schaut in die Seele, so wie GAIA es tut. Hätte ich das Buch nicht ohnehin auf meiner "must read"-Liste gehabt, seit ich davon erfahren habe, so wäre ich spätestens, wenn mir dieses Cover irgendwo untergekommen wäre, mit Sicherheit daran hängen geblieben und hätte es mir genauer angesehen.


Abschließende Gedanken


Ich finde ja Bücher, die sich mit alternativen oder möglichen Zukunftsszenarien beschäftigen, immer sehr spannend, besonders, wenn sie gar nicht mal so unwahrscheinlich erscheinen. "Die Allmächtige" zeichnet ein solches Szenario und das auf eindringliche und erschreckende Weise. Es regt zum Nachdenken an - über sich, das eigene Handeln, die Situation auf der Welt. Dazu ist es gut und umfassend recherchiert, so, wie ich es von eine Buch aus der Feder Sheffields erwarte; niemals würde sich hier die Blöße einer lückenhaften oder gar fehlenden Recherche gegeben.

Einzig am Ende lief es alles etwas schnell ab. Was sich über Monate aufbaut kommt Knall auf Fall (wobei es durch die gestraffte Erzählweise wirkt, als handele es sich um einen kürzeren Zeitraum, als es tatsächlich der Fall ist) zu einem Ende. Ein Kapitel mehr hätte an dieser Stelle denke ich nicht wehgetan.

Von mir gibt es an dieser Stelle aber eine ganz klare Leseempfehlung. Und bei allen grandiosen Büchern, die Jona Sheffield bisher abgeliefert hat, ist "Die Allmächtige" in meinen Augen das Beste! Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt - das Ende bietet diese Möglichkeit und lässt darauf hoffen, wenngleich es auch für sich alleinstehend gut funktionieren würde.

Mittwoch, 19. Juli 2023

Rezension: Transform 3 - Der Gegenschlag (Jona Sheffield)

 


Deutschland 2022


Transform 3: Der Gegenschlag

Autorin: Jona Sheffield

Verlag: Selbstverlag

Format: eBook, gebundene Ausgabe

Genre: Science-Fiction, Thriller


Ihr Lieben, ich bin zurück!

Nach langer Pause, weil manchmal eben einfach das Leben passiert, aber jetzt nerve ich Euch wieder regelmäßiger, versprochen!

Zum Einstieg habe ich auch wieder einen echten Kracher für Euch im Gepäck – Transform 3. Der Gegenschlag von Jona Sheffield. Wie der Titel schon verrät, sind wir damit beim dritten Teil, aber trotz Rückblick, der sich eingangs im Buch befindet, solltet Ihr es Euch nicht nehmen lassen, Band 1 und 2 zuerst zu lesen. Ihr verpasst sonst was.

Davon einmal abgesehen bin ich sprachlos. Ja, ich. Und zwar auf eine absolut positive Weise. Ich staune mit jedem Buch von neuem, wie viele Ideen im Kopf dieser Autorin herumschwirren müssen und wie schnell, präzise und mitreißend sie sie dann zu Papier bringt. Und ich bin sprachlos, weil ich immer wieder die gleichen Dinge erzähle, wenn ich eines ihrer Bücher gelesen habe, da jedes einzelne in absolut hochwertiger Qualität (ja, ich meine den Inhalt! Wobei auch die Druckausgabe von sehr guter Qualität ist und sich gut anfässt) daherkommt und ich immer wieder die gleichen lobenden Worte finde. Aber: Das ist nicht gelogen, und der Mensch neigt dazu, sich viel mehr über negative Dinge zu mokieren, diese bleiben auch viel zu lange in den Köpfen, daher bin ich der Meinung: Ich wiederhole mich liebend gerne, immer und immer und immer wieder, damit jedes einzelne und damit auch dieses Buch den positiven Zuspruch bekommt, den es mehr als verdient hat.

Zum Inhalt kann ich gar nicht so viel sagen, ohne dass ich dort Spoiler platzieren würde, egal wie ich es anfange. Es handelt sich jedenfalls um einen Science-Fiction-Thriller, in dem die Menschheit von einer außerirdischen Spezies bedroht wird. Wir begleiten einige unterschiedliche Protagonisten, wir fiebern mit, freuen uns, bangen um sie. Diese Charaktere haben Tiefe, sie haben Charakter. Es bereitet keinerlei Mühe, sich beim Lesen in sie und in ihre Reaktionen, ihre Gedankenwelten hinein zu versetzen. Und am Ende muss vielleicht das eine oder andere Tränchen verdrückt werden.

Überhaupt wirkt dieses Buch düsterer als die anderen von Jona Sheffield. Sie scheut sich nicht davor, Krieg, Kampf, Verletzungen und Tod zu thematisieren. Dies wird bereits im Prolog deutlich, der uns wie gewohnt mitten ins Geschehen stürzen, einen Blick auf die zukünftigen Ereignisse werfen lässt, der uns nicht zweifeln lässt, dass die Situation grausam und nahezu aussichtslos ist. Nur um uns dann ins Gesicht zu lächeln (die Meisten werden sicher Game of Thrones kennen – kennt Ihr auch dieses Lächeln von Daenerys Targaryen, dieses süßliche, wo aber direkt klar ist, dass da was im Busch ist? Exakt so stelle ich mir das vor …) und einige Zeit früher anzusetzen. Aber eines ist damit geschafft: Ich. Will. Weiterlesen. Denn immerhin muss ich wissen, was da passiert, wie es dazu kommt. Der Weg dahin, das sei gesagt, ist mit vielen Ups und Downs versehen, mit Spannung, und immer wenn man glaubt, jetzt könnte es alles gut werden, immer dann, taucht diese Szene vom Anfang irgendwo im Hinterkopf wieder auf und man wartet, welche Katastrophe nun hereinbricht.

Als ein spoilerfreier Sprung zum Ende ist auch dazu gesagt: Cliffhanger ist gar kein Wort dafür. Was aber auch ein Grund ist, warum ich diese Bücher so mag. Obwohl es Science-Fiction ist, keine Biografie, kein Sachbuch, knallt einem Jona Sheffield gnadenlos das Leben um die Ohren. Nein, es ist nicht alles schwarz oder weiß, nein, es gibt nicht nur gut und böse, und vor allem gibt es nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen und die Protagonisten reiten in den Sonnenuntergang. Viele Autoren und Autorinnen trauen sich nicht daran, dass es kein Happy End oder nicht zumindest ein irgendwie positives Ende gibt. „Manchmal ist es wie im Märchen, wo’s immer gut ausgeht.“ – trifft auf viel zu viele Bücher da draußen zu. Bei Jona Sheffield stellt man sich aber direkt die Frage: Was passiert jetzt? Von wem müssen wir Abschied nehmen? Und bis zum Ende ist da diese diffuse Unsicherheit, ob nicht doch alles umsonst gewesen sein wird und der große Knall kommt. Tschüß, Protagonisten. Tschüß, Menschheit. Tschüß, Welt. Man weiß es nicht. Bis zu letzten Seite. Und manchmal, wenn man die Antwort zu kennen glaubt, kommt da ein einziger Satz und stürzt alles um. Ja, ich ziehe meinen imaginären Hut, denn die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten, wenn die Geschichte (eigentlich?) bereits fertig erzählt ist, schaffen wirklich nicht viele.

Sprachlich ist das Buch wie gewohnt toll zu lesen, ein flüssiger Schreibstil, verirrt sich nicht in Details, beschreibt aber genügend, um die Welt zu verstehen, wie Jona Sheffield sie uns verstehen lassen will, wie sie sie sieht, lässt dabei aber immer noch ausreichend Raum für die eigene Vorstellung. Einzig aufgefallen ist mir, dass ein oder zwei Mal offenbar Namen vertauscht wurden, dass auf einmal von jemandem gesprochen wird, der gar nicht anwesend ist. Ist aber verschmerzbar und sollte auch nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden, vielen wird das nicht einmal auffallen.


Abschließende Gedanken


Im Großen und Ganzen also wieder ein erstklassiges Buch von einer Autorin, die zu recht immer wieder ganz weit oben in den Verkaufsrängen mitmischt. Ich lege dieses Buch jedem ans Herz, der auch nur entfernt am Genre Science-Fiction interessiert ist, der Thriller braucht wie die Luft zum Atmen, der Geschichten über eine mögliche Zukunft der Menschheit liebt. Der Schreibstil und die Erzählweise lassen einen sofort eintauchen und für einen kurzen – oder auch langen – Moment selbst dort in der Zukunft verschwinden, ehe man wieder auftaucht und sich verwirrt fragt, welches Jahr man eigentlich gerade schreibt. 

Fangt mit dem ersten Band an, nehmt euch Zeit und dann taucht ein in diese wunderbare – naja, eigentlich bedrohliche – Welt, die Jona Sheffield ein Mal mehr geschaffen hat.

Montag, 3. Januar 2022

Rezension: Prion - Lumera Expedition 5 (Jona Sheffield)






Deutschland 2021

Prion – Lumera Expedition 5
Autorin: Jona Sheffield
Verlag: Selbstverlag
Format: eBook, gebundene Ausgabe
Genre: Science-Fiction


Kennt ihr das? Ihr stoßt eher zufällig auf ein interessantes Thema, ein Buch, einen Film, ein Spiel. Ihr schaut es euch kurz an. Und dann, ehe ihr es euch verseht, umfängt es euch und lässt euch nicht mehr los. So ging es mir mit Lumera. Umso besser also, dass Jona Sheffield mit „Prion“ erneut Nachschub geliefert hat. Und auch ein weiterer Band, „Syndikat“, soweit ich das verfolgen konnte, quasi fertig ist und demnächst erscheinen wird. An dieser Stelle dürft ihr mich übrigens teeren und federn, ich habe nämlich wieder mal verdammt lange gebraucht für diese Rezension – gelesen ist das Buch ruckzuck, mal in der Bahn ein paar Seiten, vorm Schlafgehen ein paar, aber im „echten Leben“ steppt der Bär und da ich diese Rezension nicht einfach runtertippen, sondern ihr die verdiente Zeit einräumen möchte muss ich nun Abbitte leisten.

Doch zurück nach Lumera. An anderer Stelle hatte ich bereits einmal erwähnt, dass ich es spannend finde, dass das ganze Thema nicht mit dem Ende der Trilogie abgeschlossen ist und Friede, Freude Eierkuchen herrscht. Das wäre es in der Realität auch nicht – ich meine, wir sehen allein an unserer eigenen Geschichte doch schon, dass wir nicht einfach ein neues Gebiet besiedeln können und nachdem wir ein viel länger schon dort lebendes Volk entdecken mit diesem einträglich in Frieden leben können. So ähnlich verhält es sich mit den der Lumera-Trilogie nachfolgenden Bänden: Zwist zwischen den Völkern, politische Verwicklungen, Fragen nach der aufzubauenden Infrastruktur, aber auch das Leben der ärmeren Bevölkerungsgruppen, wo der Drogenhandel blüht.

Ihr merkt schon, was ich so kurz zusammenzufassen versuche, lässt sich eigentlich gar nicht in einen oder zwei Sätze pressen. Und das liegt nicht nur an mir, sondern an der unglaublichen Komplexität und Tiefe, die Jona Sheffield wieder einmal geschaffen hat. Sie erzählt von so vielen unterschiedlichen Charakteren – sowohl alten Bekannten als auch von neuen. Sie erzählt ihre Geschichten, gibt ihnen Tiefe, Leben, und zugleich hängen alle diese einzelnen Schicksale auf oft unvorhersehbare Art zusammen.

Ich persönlich bin ja, nachdem Jona Sheffield einen echten Game of Thrones-Moment geschaffen und eine meiner anderen liebsten Figuren einfach ausradiert hat, ein riesen Fan von Radascha, der Königin der Kidj’Dan. In „Prion“ wird auch über sie und ihre Beweggründe mehr erzählt, mehrere Kapitel sind aus ihrer Sicht geschrieben. Das gefällt mir sehr, andererseits wird damit ein weiterer möglicher Konflikt angedeutet. Zwei sogar, aber nur einer davon findet bereits in diesem Band ein Ende. Das macht direkt wieder Lust auf mehr, auch wenn ich mir eigentlich Frieden zwischen Kidj’Dan und Menschen wünschen würde.

Zur Handlung will ich gar nicht zu viel sagen. Nach wie vor kommen immer mehr Menschen zum Portal, wollen nach Lumera, allerdings haben die Kidj’Dan die Kontrolle über das Portal, lassen nur wenige Menschen hindurch. Zugleich sehen die Menschen auf Lumera sich mit der Frage konfrontiert, wie sie die Menschen in die sich im Aufbau befindliche Stadt schaffen sollen, da sich der Landweg als sehr gefährlich erwiesen hat. Die Lösung: Ein weiteres Portalpaar muss her, doch mit den Raumarchen ist das ein hoffnungsloses Unterfangen, weshalb die Menschen die Kidj’Dan um Hilfe bitten müssen, da diese über ein Raumschiff mit einem Antrieb verfügen, der die Flugzeit auf einen Sprung verkürzt.

Da Radascha eigene Pläne verfolgt, gewährt sie die Hilfe überraschend, sodass sich eine Gruppe aus Menschen und Kidj’Dan auf den Weg macht. Doch wer kann wem trauen? Zudem wartet auf dem Raumschiff, auf dem sich die Portale befinden, eine ganz andere tödliche Bedrohung, die das gesamte Blatt wenden kann.

Auch für „Prion“ gilt ganz klar: Lesen, lesen, lesen! Ich denke, dieser Band könnte sogar ohne die vorangegangenen Bände gelesen und verstanden werden, allerdings sind die vorangegangenen Bücher zu gut, als dass man sie ignorieren sollte, daher mein Rat, wenn ihr Lumera noch nicht kennt: Fangt mit „Lumera Expedition – Survive“ an und lest sie der Reihe nach, sonst entgeht euch viel zu viel. Die weiteren Bände zu lesen, wieder nach Lumera aufbrechen zu können, ist jedes Mal ein bisschen, wie nach Hause zu kommen. Ein wenig schwingt zwar die Sorge mit, wann das Potential ausgeschöpft ist, denn es wird der Punkt kommen, an dem man trotz wundervoller Ideen nichts mehr zu erzählen haben wird, an dem die Leser sich nicht mehr abholen lassen, weil sie sich überladen und vielleicht von dem Thema gelangweilt fühlen. Allerdings ist das mit „Prion“ definitiv noch nicht der Fall und ich vertraue auf Jona Sheffield, dass sie erkennt, wann der Zeitpunkt zum Absprung gekommen ist – bis dahin hoffe ich auf viele weitere spannende Erzählungen von Lumera. Vielleicht sogar, aber das ist vermutlich Wunschdenken, im Stile des genialen Darkover-Zyklus von Marion Zimmer Bradley (es tut mir leid, Leute, ich muss an dieser Stelle einfach rumnerden – ich habe damals den gesamten im Handel verfügbaren Darkover-Zyklus auf einmal bestellt und aus der Buchhandlung getragen, was der Verkäuferin ein fassungsloses Kopfschütteln entlockte, und es geradezu verschlungen): Hier erfolgt, direkt nach Band 1 allerdings, ein gewaltiger Zeitsprung; Bruchlandung, keine Aussicht auf Rettung, Erkundung des neuen Planeten, Besiedelung, das ist in etwa dieser Band, nur damit Band zwei viele viele Jahre in die Zukunft springt. Mit anderen Worten: Ich möchte wissen, was aus Lumera wird oder vielmehr werden wird, da momentan zeitlich alles sehr dicht beisammen ist. Und dass Jona Sheffield durchaus zwei weit auseinanderliegenden Zeitstränge parallel erzählen und wunderbar verknüpfen kann, hat sie längst bewiesen.



Abschließende Gedanken


Aber bis dahin – oder auch nicht, dann eben bis zum Erscheinen weiterer Bände – hilft es auch, die bereits erschienenen Bücher das ein oder andere Mal erneut zu lesen. Also, ihr Lieben, Weihnachten ist vorbei, also schlage ich vor, dass ihr euer Weihnachtsgeld von Eltern, Verwandten oder Freunden sinnvoll einsetzt: Gönnt euch „Prion“ oder falls noch nicht vorhanden am besten direkt die gesamte Lumera-Reihe. Ihr werde es nicht bereuen, euch erwarten auch in diesem Band wieder Unterhaltung, Tiefgang, Verwicklungen und Intrigen und ihr werden bangen und hoffen, den Kopf schütteln, vielleicht in hilfloser Wut die Fäuste ballen – denn wen Lumera einmal packt, den lässt es nicht mehr los.

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Rezension: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Gastrezension: Projekt Eden - Lumera Thriller (Jona Sheffield)

 

Foto: Lavandula



Deutschland 2021

 

Projekt Eden – Lumera Thriller

Autorin: Jona Sheffield

Verlag: Selbstverlag

Format: eBook, gebundene Ausgabe

Genre: Science-Fiction

 

Endlich wieder Lesestoff von Lumera! Gut, Jona Sheffields neuestes Werk erschien bereits im Februar und hier muss ich Abbitte leisten, da das Leben so turbulent war, dass es leider lange dauerte, bis ich diesem Buch meine ganze Aufmerksamkeit widmen konnte (aber ich bin ehrlich: warten konnte ich nicht, ich habe es natürlich vorher schon häppchenweise durchgelesen und jetzt mit Zeit und Kopf direkt noch einmal, damit ich etwas Anständiges dazu sagen kann).

Wie der Titel schon erkennen lässt, dreht sich diese Erzählung ebenfalls wieder um Lumera. Während in den vorangegangenen drei Bänden vor allem die Flucht von der Erde, die Ankunft und das Einleben auf Lumera und ein wenig die aktuelle Situation auf der Erde betrachtet wurden, knüpft Projekt Eden daran an. Achtung, Spoiler über die ersten drei Bände folgen!

Nachdem Julia und ihre Wegbegleiter nicht nur kurzzeitig zur Erde zurückgekehrt waren, sondern auch noch mithilfe außerirdischer Technologie ein Portal zwischen der Erde und Lumera in Betrieb nehmen konnten, zeichneten sich bereits erste Schwierigkeiten ab, da natürlich nun jeder auf die vermeintlich bessere Welt reisen möchte und manche dabei nicht vor Gewalt zurückschrecken.

Viele Bücher oder auch Trilogien würden damit enden und es dem Leser überlassen, davon auszugehen, dass es schon gut ausgehen wird. Einer Jona Sheffield reicht das nicht – stattdessen zeigt sie eindringlich, wie es weitergeht. Dabei tauchen bekannte Charaktere wieder auf, Julia und John, aber auch neue, wie etwa Aria, ein Flüchtling. Ja, Aria wie Aria aus Game of Thrones, der Kampfzwerg – und auch wenn diese Aria keine Aria Stark ist, ist auch sie nicht ohne.

Aus gewohnt vielen Perspektiven wird die Geschichte erzählt. Auf der Erde drängen sich immer mehr Menschen in den Kuppelkomplex, in dem sich das Portal befindet, nachdem ein illegaler Funkspruch an alle Kuppeln davon berichtet hat, dass es diesen Weg nach Lumera gibt. Stellvertretend steht hier Aria für die Menschen, die voller Hoffnung den gefährlichen Weg auf sich nahmen und nun festsitzen, jeden Tag verzweifelter werden und möglicherweise auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Aus Julias, vor allem aber Johns Perspektive und der einiger anderer Lumerianer wird berichtet, wie mit den Einheimischen, den Kidj’Dan, verhandelt wird, um mehr Menschen nach Lumera zu lassen. Denn diese befürchten, dass der Planet von einer Masse an Menschen überschwemmt wird und sich ein Krieg anbahnt oder sie selber vertrieben würden. Sie kontrollieren das Tor – lediglich fünf Menschen pro Tag dürfen nach Lumera kommen und nur einer davon bleiben. Doch nicht nur das ständige Schwelen eines möglichen erneuten Konflikts zwischen Menschen und Kidj’Dan sondern auch mögliche Uneinigkeit im Volk der Kidj‘Dan zeichnen sich ab – ich kann mir gut vorstellen, dass hier in einem späteren Band angeknüpft und nachgelegt wird.

Somit scheint die Lösung in einer neuen Siedlung zu liegen, fernab von den Kidj’Dan. John begleitet die Expedition, zunächst aus eigenem Interesse, später bewegen ihn noch sehr viel dringlichere Gründe. Aber Lumera ist ein gefährlicher Planet und so wird möglicherweise nicht jeder in dem als neuen Siedlungsort auserkorenen Gebiet lebend ankommen.

Wie immer gibt es Spannung, wie immer fragt man sich, ob dieses Mal ein liebgewonnener Charakter das Zeitliche segnen wird. Dass man kein George R. R. Martin sein muss, um seinen Lesern das Herz herauszureißen, hat Jona Sheffield immerhin bereits bewiesen (ja, ich hätte James immer noch gerne zurück!), und Salz wurde auch noch einmal in die Wunde gestreut. Auf der anderen Seite: So spielt das Leben, und das macht auch einen Teil der Spannung der Bücher rund um Lumera aus, dass man eben nicht davon ausgehen kann „ist ja ein Buch, wird schon alles gut ausgehen“.


Abschließende Gedanken


Auch dieser Band ist allerdings nicht nur deshalb so lebensnah, sondern auch, weil er einerseits mit mahnendem Zeigefinger auf eine Zukunft deutet, die durchaus so vorstellbar ist, wenn wir weiterhin so sorglos mit unserer Heimat, der Erde, umgehen. Aber auch, weil ihre Charaktere menschlich sind, sie haben Stärken, sie haben Schwächen, das sind keine Superhelden ohne Fehl und Tadel.

Auch der Sprachstil ist wie gewohnt gut lesbar, der fängt einen direkt ein. Ebenso sind mir inhaltlich keine Schnitzer oder Ungereimtheiten aufgefallen, das Ganze wirkt in sich rund. Allerdings dauert es möglicherweise ein wenig, bis man für sich selbst alle Handlungsstränge, die in der Regel irgendwie miteinander verbunden sind, verknüpft hat oder einen Namen eines Nebencharakters, den man aus einem vorherigen Band schon zu kennen meint, richtig zuordnen kann. Für einfach mal so nebenher ist es also definitiv nicht geeignet, würde ihm aber auch nicht gerecht werden.

Somit kann ich abschließend nur noch sagen: Wer es noch nicht getan hat, der sollte sich dieses Buch schleunigst zulegen! Es lohnt sich wieder einmal, versprochen!

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Gastrezension: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Montag, 6. April 2020

Gastrezension: Lumera Expedition: War (Jona Sheffield)





Deutschland 2020

Lumera Expedition: War
Autorin: Jona Sheffield
Verlag: Selbstverlag
Format: eBook, gebundene Ausgabe
Genre: Science-Fiction



Mit „Lumera Expedition: War“ nimmt Jona Sheffield uns erneut mit in eine Zukunft, in der die Erde durch den Klimawandel unwirtlich geworden und der Planet Lumera die Hoffnung der überlebenden Menschheit ist.
Ich habe lange voller Spannung auf diese Fortsetzung gewartet und als ich das Buch endlich in der Hand halten durfte, hat mich das Cover schon umgehauen. Ja, gut, das ist fast (ja, nur fast, denn das Gestirn hinter dem Planeten scheint sich ein wenig mehr hinter ihm hervorgeschoben zu haben) das gleiche wie das vom ersten Band, das mich damals auch direkt gefangen hatte – ich finde es übrigens schön, wenn Buchreihen auch beim Cover einer Linie treu bleiben, das macht sich sehr gut im Regal – nur eben in Rot, aber dieses Rot hat es in sich. Und nun gerate ich ins Schwärmen, ehe das Buch überhaupt aufgeschlagen wurde. Dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen soll, gilt in beide Richtungen, ein schlechtes Cover muss kein schlechtes Buch beinhalten und umgekehrt.
Also schauen wir mal. Bereits der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, dass wir viele alte Bekannte, wie Julia, John und Peter, wiedertreffen werden, wir allerdings auch die Ereignisse aus der Sicht anderer Beteiligter, wie etwa Elias Fox, erfahren werden.

Vom Prolog werden wir direkt mitten ins Geschehen zu John auf einen Kriegsschauplatz katapultiert. Der Titel macht also schon einmal keine falschen Versprechungen. Und wie es schon im ersten Band mit Julia war, ist auch hier unklar, ob dieses Mal John überlebt. Und da spannt Jona Sheffield uns auch erstmal auf die Folter, denn das erste Kapitel beginnt ein paar Monate zuvor. Ich empfehle übrigens dringend, immer auf die Zeitangaben am Kapitelbeginn zu schauen, das spart viel Verwirrung. Nein, ich rede natürlich nicht aus Erfahrung, ich war natürlich nicht so scharf auf das Buch, dass ich es erstmal in einem Zug weginhaliert und dieses kleine Detail in den ersten Kapiteln außer Acht gelassen habe, ehe ich es noch mal in Ruhe las, um euch diese Rezension verfassen zu können. Keine Ahnung, wer auf solche Ideen kommt!
Schnell wird klar, dass die Kolonie auf Lumera inzwischen zu einer kleinen Stadt herangewachsen ist, auch wenn noch immer nicht alle Archen mit Überlebenden angekommen sind. Auch die politischen Machtverhältnisse verschieben sich, als der Ausnahmezustand beendet wird und der Julia und den Anderen offenbar leicht gewogene General James Lenoir die politische Macht in die Hände des radikaleren und weniger gemäßigten Elias Fox legt.
Währenddessen haben Julia, John und die Anderen Zuflucht in Dumras bei den Kidj’Dan gefunden. Dies sind die Aliens, in deren Heimat sie am Ende des ersten Bandes gestolpert waren. Diese vertrauen den Fremden zwar auch nach mehreren Monaten nicht vollends, haben ihnen aber Unterschlupf gewährt. Offenbar sind sie die Ureinwohner Lumeras, insektenartig, aber telepathisch höher entwickelt. Doch es wäre zu einfach, wenn es nur das wäre, das genügt einer Jona Sheffield nicht und wäre auch nicht das, was ich von dieser Autorin nach dem starken ersten Band erwarten würde, und so lässt sie uns hier schnell erkennen, dass auch bei den Kidj’Dan nicht alles so ist, wie es zunächst scheint.

Auch in der Basis, die nun den Namen Three Moon trägt, ist die Situation angespannt und mündet, nach verschiedenen Verstrickereien, schließlich darin, dass Fox den Kidj’Dan, die die Kolonisten eher zufällig entdeckt haben, den Krieg erklärt. Zu dem es, wie der Prolog vermuten lässt, auch kommt. Mehr möchte ich allerdings an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.
Ein netter kleiner Schlenker wird übrigens kapitelweise zur auf der Erde zurückgebliebenen Fay gemacht. Über 100 Jahre nachdem Julia und die anderen die Erde mit der Aristoteles verlassen haben, zeigen ihre Erlebnisse, wie es auf der Erde aussieht. Die Situation ist katastrophal, aber die Menschheit ist auch auf der Erde noch nicht tot. Sie versucht wieder auf die Beine zu kommen, baut Kuppeln, in denen sie sich selbst, ihre Tiere und ihre Felder vor Zyklonen und Umweltkatastrophen schützen wollen. Somit ist es alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Das, muss ich gestehen, war ein wenig meine Sorge, denn auch wenn die Menschen auf Lumera die Erde für von menschlichem Leben ausgestorben halten, konnte es so einfach nicht sein, da mussten einfach noch Menschen leben. Aber zum Glück, das muss ich hier wirklich sagen, nicht in einer wieder reparierten Natur, die sich durch den Aufbruch so vieler anderer Menschen erholt hat, und in einer heilen, modernen Gesellschaft. Ich bin gespannt, wie es auf der Erde weitergehen wird.

Der Schreibstil ist flüssig, klar und schön zu lesen. Am Anfang holpert es manchmal ein klein wenig und es tauchen überflüssige Wortwiederholungen auf, aber das verläuft sich sehr schnell und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Charaktere haben ihre Authentizität beibehalten, und auch da sind verschiedene Dinge im Umbruch. Zwischen Ethan und Julia kriselt es, dafür scheinen kleine Fünkchen zwischen John und Julia zu knistern. Ich will nicht sagen, dass das überraschend kommt. Aber so ist eben das Leben, man befindet sich nicht nur in der Verbannung und in Aussicht auf einen möglichen Krieg, sondern man hat auch noch ein privates Leben und auch da herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Aber das gefällt mir ohnehin an diesem Buch – wie auch am ersten Band – so gut: Es gibt nicht nur die eine, große Handlung, sondern diverse kleine Nebenschauplätze. Und das ist es, was die Charaktere, die Geschichte, das gesamte Buch so lebendig macht, das große Ganze, der Krieg, aber dann eben auch die Menschlichkeit in ihrer ganzen Alltäglichkeit. Und dieses Mal heißt es tatsächlich Abschied nehmen von einem lieben Charakter. So ist das Leben zwar, aber puh, da musste ich erstmal durchatmen.
Das Ende ist, auch das kennen wir vom ersten Band, mal wieder ein Cliffhanger, und zwar ein ziemlich … „großer “ ist gar kein Ausdruck, der ist gigantisch! Und hier wurde eine vorher vor sich hin schwelende Sorge direkt wieder beruhigt, denn ursprünglich hatte ich befürchtet, dass eine andere dieser kleinen Nebengeschichten vollkommen unspektakulär zu Ende gegangen und verpufft wäre. Aber weit gefehlt, die meldet sich nämlich mit einem gigantischen Knall zurück. Und lässt mich jetzt, nachdem ich den zweiten Band verschlungen habe, nägelkauend vor Ungeduld – naja, ihr versteht schon, was ich damit sagen will – zurück.



Abschließende Gedanken

Natürlich ist hier der Fokus weniger auf den Klimawandel und seine direkten Folgen gelegt, so wie es im ersten Band der Fall war, sondern es geht mehr um Lumera und die Ereignisse dort als um die auf der Erde. Es zeigt sich aber auch schnell, dass es mit der Ankunft auf einem neuen Planeten und einem begonnenen Wiederaufbau nicht getan ist. Dieses Mal empfand ich es weniger als ein Aufrütteln in Bezug auf den Klimawandel und auf das, was die Folgen sein könnten – denn wie ich in zum ersten Band schrieb, das Buch war aufrüttelnd und zeichnete eine definitiv vorstellbare Zukunft. Nein, dieses Buch empfand ich mehr als einen mahnenden Fingerzeig auf die Gesellschaft, auf das Miteinander, auf den Umgang mit anderen Kulturen. Dass nur ein Neuanfang definitiv keine Rettung bedeutet, wenn alte Fehler wiederholt werden. 
Mich hat dieses Buch auf ganzer Linie überzeugt, die Geschichte geht spannend und absolut glaubwürdig weiter, der Stil ist super, die Charaktere haben ihre Tiefe beibehalten … und da ist natürlich dieses wahnsinnig tolle Cover, davon komme ich einfach nicht los, man sehe es mir nach.
Wem „Lumera Expedition: Survive“ gefiel, der wird „Lumera Expedition: War“ lieben. Versprochen!

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Gastrezensentin: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Gastrezension: Lumera Expedition: Survive (Jona Sheffield)





Deutschland 2019

Lumera Expedition: Survive
Autorin: Jona Sheffield
Verlag: Selbstverlag
Format: eBook
Genre: Science-Fiction



Eine Gastrezension von Lavandula für "Am Meer ist es wärmer"



Mit ihrem Debüt-Roman „Lumera Expedition: Survive“, dem ersten Band einer geplanten Trilogie, hat Jona Sheffield auf Anhieb den Sprung in die Bestsellerlisten Space Opera und Dystopien bei Amazon geschafft. Dass dies geschehen ist, liegt meiner Meinung nach nicht nur an dem angenehmen, flüssig zu lesenden Schreibstil, sondern mindestens genauso an der düsteren Zukunftsvision, die sie in ihrem Roman zeichnet – und von der es gar nicht mal so abwegig erscheint, dass sie wahr werden könnte.

Auslöser für die Ereignisse, die Jona Sheffield hier beschreibt, ist, platt gesagt, der Klimawandel. Sie denkt die Ereignisse weiter, die er zur Folge haben kann: Immer schneller schmelzende Pole, Überflutungen, schließlich Nahrungsmittelknappheit, eine zusammenbrechende Wirtschaft, Gewalt auf den Straßen, der reine Kampf ums Überleben. Die Hoffnung: Riesige Raumschiffe, die die Menschen nach Lumera, einem Planeten in einem anderen Sonnensystem, bringen sollen, damit sie dort neu anfangen können. Mittendrin sind Julia, Peter und John, die die Ereignisse jeweils aus ihrer ganz eigenen Sichtweise erleben und damit umgehen.

Im Prolog werden wir in das Jahr 2042 geworfen. Wir befinden uns auf der Erde und werden, wie uns bereits die Überschrift verrät, etwas über Julia lesen. Julia befindet sich auf einer Mission, die offensichtlich gewaltig schief gelaufen ist und ist auf der Flucht. Der Leser wird mit Begriffen wie „BID“ oder „Nantech“, einer Firma offensichtlich, beworfen, ohne, dass es hierzu an dieser Stelle weitere Erklärungen gibt. Die braucht es allerdings auch nicht.

Der Prolog endet damit, dass Julia mit recht großer Wahrscheinlichkeit ums Leben kommt. Hm. Na gut, aber vielleicht war sie auch nicht weiter wichtig, obwohl zumindest ich sie schon auf den wenigen ersten Seiten liebgewonnen hatte. Und obwohl sie im Klappentext erwähnt wird. Hm.

Der Eindruck verstärkt sich zunächst, als wir ins Jahr 2384 zu Peter katapultiert werden, der sich an einem Ort names „Platon“ befindet. Hatte er noch vor fast 370 Jahren unheilbar an Krebs gelitten, erwacht er nun aus dem Kryoschlaf und ist geheilt. Den Wundern der modernen – nun ja, der zukünftigen – Medizin sei Dank. Langsam kommt Licht ins Dunkel, denn Peter hat natürlich von den technologischen Fortschritten, wie auch von allem anderen, was in den letzten Jahrhunderten geschehen ist, nichts mitbekommen. Jona Sheffield wählt hier einen sehr eleganten Weg, den Leser mit allerlei wichtigen Informationen zu versorgen: Sie lässt es durch Jason, Peters Sohn, an Peter gerichtet berichten, anstatt ihre Erzählung immer wieder durch erklärende Einschübe zu unterbrechen.

Moment, Peters Sohn?

Richtig, Peters Sohn. Doch hierfür bekommen wir schon bald eine schlüssige und stimmige Erklärung geliefert.

Danach befinden wir uns im Jahr 2041, bei Julia – ist sie also doch nicht so unwichtig. Und die übrigens Peters Tochter zu sein scheint, Jasons Schwester.

So geht es weiter: Mal befinden wir uns Jahrhunderte in der Zukunft, mal befinden wir uns bei Julia, wo erklärt wird, wie sie in die Situation aus dem Prolog geraten ist, und dann tritt auch noch John
auf, ein FBI-Agent, der auf der anderen Seite steht. Dadurch werden nach und nach viele Puzzleteile der Geschichte offenbart und schließlich auch Stück für Stück an den richtigen Platz gerückt.

Wie eingangs bereits gesagt, wird hier eine Zukunftsvision aufgezeigt, die so unwahrscheinlich gar nicht ist. Mit teilweise dramatischen Bildern wird eine Zukunft gezeigt, in der mit Sicherheit niemand von uns leben möchte. Das Buch rüttelt auf, und das soll es auch.

Die Geschichte – oder vielmehr: die Geschichten, da aus der Sicht verschiedener Protagonisten zu teilweise Jahrhunderte auseinander liegenden Zeitpunkten erzählt wird – wirkt auf mich in sich stimmig. Es gibt keine an den Haaren herbeigezogenen Lösungen für Probleme oder Ereignisse. Sogar die einzelnen Schicksale laufen irgendwann zusammen, und das wirkt nicht konstruiert oder zu gewollt.

Die Protagonisten handeln realistisch, sie haben Tiefe und – haltet Euch fest! – Gefühle. Etwas, das viel zu viele Helden und Heldinnen aus Film und Literatur nicht haben. Hier jedoch haben wir es nicht mit Übermenschen zu tun, die bestenfalls ein dramatisches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten haben und nur deshalb heute so sind, wie sie sind, sondern mit normalen Menschen. Menschen mit ihren ganz normalen Sorgen, Menschen mit einem Gewissen, Menschen im Zwiespalt. Menschen, die im Laufe des Buches eine Entwicklung durchlaufen. Und nicht nur Menschen. Zu meinem ganz persönlichen Lieblingscharakter möchte ich an dieser allerdings Stelle nichts verraten, da er erst spät auftaucht, und ich keine Spoiler verbreiten werde.

Der Erzählstil ist flüssig und lässt sich angenehm lesen. Selten stolperte ich hier oder da mal über ein Satzkonstrukt, aber das lässt sich verzeihen und tut dem Spaß am Lesen auch keinen Abbruch.

Zum Ende hin kommt es zu der einen oder anderen überraschenden Wendung. Vielleicht kam der Anfang vom Ende des Buches sogar etwas zu schnell, nachdem so viel Vorbereitung in den Weg dahin gesteckt wurde – aber wie gesagt, es ist realistisch. Und die Realität ist eben nicht unbedingt, dass ein ausgeklügelter Plan auch wirklich funktioniert. Nein, da kommt dann die Grätsche von links und – ätsch – Plan hinüber.

Das mochte ich im Übrigen auch sehr, dass das Buch im Großen und Ganzen unvorhersehbar wurde. Natürlich hatte ich hier und da eine Vermutung, die wurde auch manchmal in ähnlich bestätigt, aber es waren mehr als genug überraschende Momente dabei. Inklusive Cliffhanger am Ende.




Abschließende Gedanken

Jona Sheffield möchte mit „Lumera Expedition: Survive“ auf ein ganz akutes Thema aufmerksam machen: Den Klimawandel. Hierzu hat sie auch die Bewegung #ScifiForFuture gestartet und leistet unter anderem mit ihrem Buch ihren Beitrag dazu. Ich bin auch gar nicht sicher, inwieweit ihr Buch überhaupt noch „Fiktion“ ist. Es rüttelt auf, keine Frage. Und es schafft eine lockere, um nicht zu sagen spielerische Annäherung an das Thema, indem uns der Ernst in einer hübschen Verpackung (das beziehe ich nun nicht auf das Cover, das unverdienter Weise allerdings noch gar nicht zu Wort kam, denn es ist wirklich schön und war das Erste, wodurch ich an diesem Buch hängen blieb), in einem Medium, dass selbst in heutiger Zeit noch viele Menschen verstehen, überreicht wird. Lesen ist für viele Menschen eine Art der Entspannung, der Ablenkung oder schlicht ein Hobby. Weshalb also nicht das Angenehme mit dem, das unbedingt gesagt werden muss, verbinden?

Für mich ist dies auf jeden Fall gelungen. Es ist ein sehr lesenswertes Buch, gut geschrieben, aufrüttelnd. Ich freue mich auf den zweiten Band und hoffe, dass da die Verbindung zu den Ursprüngen nicht gekappt wird.
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Gastrezensentin: Lavandula


Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.