Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Dienstag, 24. Februar 2026

Einwurf: Bin ich bereit für den "Next-Impact"? Gedanken zu dem neuen Evangelion Anime

 

Copyright: Khara, CloverWorks



Die gestrige Ankündigung einer neuen Evangelion Anime-Serie kam nicht völlig überraschend. Man könnte sagen, es lag etwas in der Luft. Zum großen 30. Serienjubiläum, welches vom 21.02-23.02 in der Yokohama Arena gefeiert wurde, wurde ein brandneuer, knapp 15 minütiger Kurzfilm gezeigt, der sich Asuka in einem alternativen Szenario widmet und frenetisch vom hiesigen Publikum gefeiert wurde. Für Khara scheint dieser Kurzfilm eine "Once in a Lifetime" Vorführung gewesen zu sein, denn man stellte schnell klar, man werde den Film nicht Online oder auf andere Wege zugänglich machen und warnte gleichzeitig vor drakonischen Strafen, sollten irgendwelche Leaker Material zum Kurzfilm, und seien es nur Bilder, Online stellen. Diese Mitteilung kam dementsprechend gut an bei den Fans, dass das eigentlich freudige Ereignis sehr schnell einen faden Beigeschmack erhalten hat

Doch wenn man einmal genau aufgepasst hat, lag hier schon wesentlich länger etwas in der Luft als nur jetzt zu dem Jubiläum zu einer der einflussreichsten Anime TV-Serien aller Zeiten. Evangelion-Schöpfer und Khara Studioboss Hideaki Anno sprach sich zuletzt immer wieder dafür aus, neue Geschichten aus diesem Universum erzählen zu wollen. Konkrete Pläne hatte er dazu nie und verwies zum Beispiel auf die gelungenen Kurzfilme, die man zwischen 2014-2015 für die Japan Animator Expo produziert hat, einer davon sogar mit einem komplett neuen Cast an Charakteren.

Die letzten Jahre waren für Hideaki Anno und seinem Studio Khara erfolgreich. Mit Shin Godzilla lieferte man den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Live-Action-Filme und somit auch Neuinterpretationen aus dem Kaiju und Tokosatsu Genre. Es folgten Shin Ultraman und Shin Kamen Rider, allesamt Filme, die zusammen mit Toho entstanden sind und sich als äußerst profitabel erwiesen. Doch auch in Sachen Animation lief es alles andere als schlecht, der finale Rebuild of Evangelion Film 3.0+1.0 Thrice Upon a Time dominierte das japanische Kino und erfreute sich international durch die Lizensierung von Amazon Prime großer Beliebtheit. Anno konnte seine Geschichte zu Ende erzählen und beruhigten Gewissens endgültig mit Neon Genesis Evangelion abschließen. Doch genau so wenig wie Hayao Miyazaki jemals aufhören kann, neue Filme zu machen, so wird Hideaki Anno sich niemals komplett von Evangelion abkapseln können. Und das ist nicht unbedingt mal eine schlechte Nachricht.

Ich habe die Rebuild of Evangelion Reihe (die auch sehr oft ein Thema hier auf "Am Meer ist es wärmer" war) mit gemischten Gefühlen erlebt. Was 2007 für mich begann sollte gewiss keine Reise sein, die mich für die nächsten knapp 15 Jahre begleiten sollte. Die neue Spielfilmreihe war geplagt von massiven Produktionsproblemen (leider auch teilweise hervorgerufen durch die Naturkatastrophe im Jahr 2011, das sogenannte Tōhoku-Erdbeben und die damit verbundene Katastrophe in Fukushima) und nach dem zweiten Film ist kein einziger mehr planmäßig erschienen. Der letzte Film, der sich tatsächlich noch nach Evangelion anfühlte war Evangelion 2.0: You Can (Not) Advance. Danach wurde es kompliziert. Auch für mich war der finale Spielfilm jedoch eine Art versöhnlicher Abschluss. Es war ein Film, der half, loslassen zu können. Abschied von einer Reihe zu nehmen, die mich selbst seit fast 30 Jahren schon begleitet. Und genau so kam es auch. Die vergangenen rund 5 Jahre hatte ich nichts mit Evangelion zu tun. Ich habe die Perfect Edition des Manga komplettiert, diese aber bis heute nicht einmal angerührt. Neon Genesis Evangelion wird für mich immer präsent sein, einen sentimentalen Wert besitzen, aber ich hatte keinen Drang dazu, einen Re-Watch der Serie zu starten oder mir noch einmal die Filme anzusehen. Daran hatte auch die positive Berichterstattung über den neuen Kurzfilm nichts geändert.

Doch am Ende haben sie mich halt doch noch bekommen. Noch einmal mein Interesse geweckt. Als man eine neue Serie ankündigte, hat man sich für eine relativ trockene Pressemitteilung entschieden. Es waren aber eher die Namen, die an dieser Serie beteiligt sein werden und die für Aufsehen sorgten. Khara wird sich hier zusammen mit dem beliebten Animationsstudio CloverWorks zusammentun. Die Regie wird Gainax sowie Rebuild of Evangelion Veteran Kazuya Tsurumaki übernehmen. Dann hat man sich für einen ungewöhnlichen Schritt entschieden, nämlich ein Zweiergespann aus der beliebten Videospielreihe Nier mit in die Produktion einzubinden: Yoko Taro wird sich für die Story und das Drehbuch verantworten, Keiichi Okabe komponiert den Soundtrack. Aus heutiger Sicht fast schon unfassbar, dass man so etwas unter Verschluss halten konnte. Nur wenige Stunden später wurde ein Teaser-Trailer veröffentlicht, der musikalisch bereits für elektrisierte Körperbehaarung sorgen dürfte. Ein unverkennbarer Okabe-Klang führt fast schon melancholisch mit Cello- und Klavierklängen durch einen postapokalyptischen Konzertsaal. Der kurze Trailer endet mit einer bedrohlichen Nahaufnahme von Eva 01.

Was als erstes auffallen dürfte sind traditionelle Animationen, die sehr schön den Look der TV-Serie widerspiegeln. Waren die Rebuild-Filme mit satten Farben ausgestattet, entschied man sich zumindest für den Trailer für einen weniger farbenfrohen Look. Aktuell weiß noch niemand, ob es sich hier nicht sogar um ein Remake der alten TV-Serie handelt (dafür bräuchte man dann aber nicht Yoko Taro), eine Fortsetzung oder sogar ein Reboot handelt. Die kaputten Musikinstrumente und die verwahrloste Umgebung deuten eher darauf hin, dass wir es hier mit einer Geschichte zu tun bekommen werden, die lang nach den uns bekannten Ereignissen spielen werden. Da Neon Genesis Evangelion mehrere Enden besitzt die laut offiziellen Aussagen alle zum anerkannten Franchise-Canon gehören, sind die Möglichkeiten fast unerschöpflich, wo man bei einer neuen Serien ansetzen kann.

Ein Name, nämlich der von Hideaki Anno, tauchte hier nicht auf. Und das dürfte wenig überraschen. Zum einen war es immer wichtig für ihn, den Staffelstab mal weiterzureichen, zum anderen kann man sich aber ziemlich sicher sein, dass er als eine Art Supervisor weiter mit von der Partie sein wird.

Was ich persönlich nun von alldem halte? Meine Stimmung bleibt vorerst neutral, immerhin hat man noch nichts konkretes zur Serie gesehen. Die hochdekorierten Namen, die am Projekt beteiligt sind und sich allen voran für Yoko Taro als Lead-Writer zu entscheiden hat fast schon etwas positiv kitschiges an sich. Kaum ein Stil wie der seine passt wohl so sehr zu einem Multimedia-Franchise wie Neon Genesis Evangelion. Aber wie immer ist auch eine gewisse Vorsicht geboten. Zu viele Franchise-Revivals mussten zuletzt immer wieder mit Enttäuschungen kämpfen. Evangelion ist davon nicht ausgenommen. Doch es ist dieser kurze Trailer, der unglaublich neugierig auf das macht, was da auf uns zukommen wird. Die ganzen Feierlichkeiten der letzten Tage haben insbesondere eines mal wieder bewiesen: Wir haben wohl alle, genau wie Hideaki Anno, noch nicht mit Evangelion abgeschlossen und werden es wohl auch nie. In dem Boot sitzen wir nun alle zusammen. Man darf vorsichtig optimistisch sein.

Freitag, 27. Mai 2022

Meercast Episode 5: Goodbye, Neon Genesis Evangelion

 



Wirklich verworfen wird eine Idee bei mir nie. Die Idee zum Thema einer Nachbesprechung des finalen Rebuild of Evangelion Films (3.0+1.0 Thrice Upon a Time) existiert bereits seit der Bekanntgabe, dass Amazon Prime den Film als Streaming-Premiere veröffentlichen wird. Nun ist fast 1 Jahr vergangen, die Ideen zu dem Thema kamen und gingen. Doch es war der Leser "BuildingBridges302" der mir vor kurzem eine Nachricht zugesendet hatte, ob ich mich diesem Thema noch einmal annähern werde. BuildingBridges302 ist durch die vorherige Berichterstattung zu Neon Genesis Evangelion auf "Am Meer ist es wärmer" aufmerksam geworden. Da ich bereits eine Idee für eine neue Meercast Episode verwerfen musste, kam also Evangelion 3.0+1.0 auf die Ideenliste zurück, ein Film, zu dem mir bisher so lange die Worte fehlten.

Entstanden ist ein knapp 100 minütiger Podcast, der sich in Retrospektive und Besprechung zum finalen Rebuild Film aufteilt. Es ist die bislang aufwendigste Episode des Meercast und es wurde sich mit einiger Kritik auseinandergesetzt, die ich teilweise selbst nach der vergangenen vierten Episode hatte.

Diese Ausgabe des Meercast setzt sich mit der problematischen Produktionsgeschichte der Rebuild of Evangelion Reihe auseinander und geht umfangreich auf den neusten Film mit all seinen Stärken und Schwächen ein. Für weitere Details zum Video wie zum Beispiel Timestamps zur besseren Navigation durch die einzelnen Kapitel und Details wie den Links zu den Evangelion Kurzfilmen, klickt bitte auf das Video, welches euch zu YouTube und der Videobeschreibung führen wird. Viel Spaß!
(Für Hörer mit Kopfhörern: Es ist leider das Geräusch prasselnden Regens mit aufgenommen worden, eure Kopfhörer knacken nicht, die Geräusche stammen aus der Aufnahme.)



Meercast Episode 5: Goodbye, Neon Genesis Evangelion
Hinweis: Das Video wird aufgrund lizenzrechtlicher Gründe auf vielen Geräten nicht direkt auf dem Blog angezeigt. Der Podcast kann durch das klicken auf das Fenster natürlich weiterhin problemlos direkt auf YouTube angesehen werden. 
Oder einfach diesem Link folgen: Goodbye, Neon Genesis Evangelion


Dienstag, 9. März 2021

Einwurf: Evangelion 3.0+1.0 - You Can Not Watch It

 

Foto: Studio Khara



Mit einer zarten Verspätung von nur knapp 6 Jahren ist endlich der Film in den japanischen Kinos angelaufen, der unter Fans schon mehr oder weniger nur noch ein Mythos aus vergangenen Tagen Jahren war. "The Rebuild of Evangelion"; eine Neuinterpretation eines modernen Anime-Klassikers. Mehr Fortsetzung als Reboot. Ambitioniert, ja, vielleicht ausgestattet mit Überambitionen eines ambitionierten, emotionalen Filmemachers. Die Superlativen könnten ewig so weitergehen und dennoch könnte es der Entstehungsgeschichte dieser neuen Spielfilmreihe von Neon Genesis Evangelion nicht gerecht werden. Studio Khara hat es aber geschafft, sie haben diesen Film, an den schon keiner mehr geglaubt hat, in die Kinos gebracht. "Evangelion 3.0+1.0 Thrice Upon a Time" hat es mit einer brachialen Lauflänge von 155 Minuten in die japanischen Kinos geschafft (sogar minimal früher als vorgesehen). Dies war eigentlich schon für 2020 geplant, aber wir wissen ja, woran das scheiterte. Sind wir aber ganz ehrlich, der sollte eigentlich schon 2015 in die Kinos kommen. Die ambitionierten Pläne von Serienschöpfer Hideaki Anno gingen in die folgende Richtung: Geplant waren 4 bis 5 Filme die in einem Zeitunterschied von 2-3 Jahren erscheinen sollten. Evangelion 3.0 ist in Japan 2012 erschienen. Was wir nun also haben ist keine Lücke von 3 Jahren, nein, wir sind nun alle fast 10 Jahre älter, aber kein Stückchen weiser geworden, was die große Auflösung von NGE angeht. 

Und mit diesen Worten möchte ich zu James Bond schwenken, der keine Zeit zu sterben hat, denn es stehen noch teure Nachdrehs für die Sponsoren an.

Das Kino befindet sich derzeit in einer wenigen komfortablen Position. Auch vor der Pandemie stand das Kino aufgrund seiner teuren Preise natürlich in der Kritik, aber leer waren die Kinosäle sicherlich nie. Die zwei größten Sorgenkinder die Unmengen an Budget bereits gefressen haben und schon Anfang letztes Jahr hätten in den Kinos anlaufen sollen: Black Widow von Marvel Studios und Daniel Craigs letzter Einsatz als 007 - No Time To Die. Der gleichnamige Titelsong von Billie Ellish feierte kürzlich sein einjähriges. Das Marketing für den neuen Bond ist schon jetzt ein absolutes Fiasko nach den ganzen Neuansetzungen des Kinostarts. Doch als dann auch noch die Sache mit den teuren Nachdrehs öffentlich wurde, die teilweise hauptsächlich für Sponsoren in Auftrag gegeben wurden weil die Protagonisten im Film nicht mit einem Handy unterwegs sein sollen, welches aus der Mode gekommen ist, lösten unterschiedliche Reaktionen bei den Fans aus, hauptsächlich auf die Zwerchfellmuskulatur. 20:0 für COVID. Das Virus ist nicht nur gefährlich und beraubt uns unseres alltäglichen Lebens, es macht den mächtigsten Geheimagenten und Ex-Macho der Welt auch zu einer Lachnummer. Selbst Hideaki Anno wischt sich vermutlich gerade den Schweiß von der Stirn, denn der neue Bond hat das beste Potential dazu, ebenfalls erst 8 Jahre nach Ankündigung in die Kinos zu kommen (falls es die dann noch gibt).

Warum bringt man die Filme dann nicht zu Streaming-Anbietern, die derzeit ihre wohl größten Erfolge feiern? Sowohl Netflix, Disney+ sowie auch HBO Max stehen bereit. Aber so einfach ist es nicht da sowohl Disney+ als auch HBO Max zu Disney (Duh) sowie Warner gehören. Netflix würde niemals so viel Geld für den neusten 007 ausgeben wollen und allen voran wollen die Filmemacher und Studios ihre teuren Filme nicht direkt ins Heimkino bringen. Die Filme werden schließlich für die ganz große Leinwand gemacht. Christopher Nolan's Tenet sollte der Film werden, der uns alle zurück in die Kinos bringt. Er sollte sich irren, Tenet wurde letztendlich auch von COVID besiegt, obwohl der Film noch mit einem beachtlichen Einspielergebnis davonkam, welches aber selbstverständlich nicht ausreichte, um die erheblichen Kosten der Produktion einzuspielen.

Wenn Christopher Nolan bereits resigniert und uns nicht zurück in die Kinos bringt, was viele Studios nun auch eingesehen haben, bringt uns sicherlich derzeit keiner dorthin zurück. Und nicht anders verhält es sich aktuell wohl auch mit eine der wohl kostspieligsten japanischen Kinoproduktionen des Jahres 2021. Der finale Evangelion Spielfilm ist in den japanischen Kinos angelaufen..... und wir können ihn nicht sehen.



Kein Zutritt: Die Vorstellung läuft gerade


GIF: Gainax/Studio Khara


Ob die japanischen Fans gerade die heimischen Kinos stürmen, nun, ich bezweifle es. Während die Japaner aber zumindest eine Option haben, bleibt der Westen vorerst komplett ausgesperrt. Deals mit bekannten Streaming-Anbietern scheint Toei nicht gemacht zu haben. Wäre ein direkter Release auf Netflix eine Option gewesen? Die haben mit viel Pomp und Getöse ja die Originalserie sowie die beiden Kinofilme Death & Rebirth und The End of Evangelion in ihr Programm aufgenommen. Aber auch nur die Serie und die alten Kinofilme, die neue Spielfilm Trilogie befindet sich nicht beim Streaming-Anbieter. Überhaupt war die Veröffentlichung von Netflix als relativ kontrovers anzusehen. Das ikonische "Fly me to the Moon" Ending-Theme aus der Serie wurde entfernt, da Netflix entweder nicht die Rechte an den Song bekommen konnte oder aber nicht die Lizenzgebühr dafür zahlen wollte. Der Song wurde durch ein anderes Instrumental-Theme aus der Serie ausgetauscht (Rei I soweit ich mich recht erinnere). Die größte Kontroverse bestand jedoch in den Neuvertonungen, die Netflix in sämtlichen Sprachen mit Ausnahme der japanischen Originalstimmen vorgenommen hat. Netflix holte so einige Anime-Klassiker in sein Programm, aber bei keiner Serie hatte man zuvor solch drastische Änderungen vorgenommen.

Und dennoch, die Hoffnung war da, Netflix könnte sich am Ende als Retter in der Not entpuppen. Die Fans würden den Film vermutlich sogar derzeit ohne Tonspur konsumieren..... auch wenn dies natürlich keine richtige Option wäre. Als Evangelion: 3.0 You Can (Not) Redo 2012 in Japan erschienen ist, war das Internet noch immer nicht dieser zentrale Mittelpunkt, wie es heute der Fall ist. Mit einer weltweiten Fanbase die sich über 25 Jahre lang aufgebaut hat, ist ein Lockout mehrerer Kontinente für das finale der neuen Spielfilmreihe schwer zu erklären. Da ist auch die nette Geste von Studio Khara, die ersten 12 Minuten des langen Films für alle zugänglich zu machen, nur ein schwacher Trost. Man hat damit sogar, natürlich ungewollt, das Gegenteil erreicht. Die Leute wollen nun den kompletten Film, sind sehr hungrig (vielleicht auch etwas durstig, allerdings aus anderen Gründen) auf das vollständige Produkt und begehen nun den Fehler, sich spoilern zu lassen. Sie wollen wissen, wie diese Geschichte endet und in den sozialen Netzwerken rüsten sich die Troll-Weebs hungrige und aus etwas anderen Gründen durstige Evangelion-Fans zu verarschen und auf eine falsche Fährte zu locken. Megumi Ogata (Synchronsprecherin von Shinji Ikari) mahnte schon auf Twitter, Trolle oder Spoiler-Nutzer zu blockieren, damit diese weniger Schaden anrichten können. Doch noch einmal: Wir haben das Jahr 2021 und nicht 2015. Einen Film mit so einer großen Fanbase mehr oder weniger zu verheimlichen ist kaum möglich. Bereits Disney kam mit der ersten Staffel zu "The Mandalorian" in diese unschöne Lage. Als die Serie bereits lief, das Web fleißig darüber diskutierte, aber der Service rund um Disney+ in den meisten Ländern aufgrund der (beispielsweis) EU-Regularien überhaupt noch nicht an den Start gehen durfte. Die Piraterie rieb sich die Hände. Auch wenn der Mandalorianer mit Staffel 2 wieder Rekorde für illegale Kopien gebrochen hat, so ist die Mehrheit der Interessenten noch immer von ehrlicher Natur und zahlt brav sein Disney+ Abo.

Doch wie geht es für Evangelion 3.0+1.0 Thrice Upon a Time nun weiter? Die Antwort darauf zu geben ist nicht einfach. Es wurden vermutlich schon im Vorfeld sehr wahrscheinlich Lizenzen ausgehandelt. In den USA sollte es sogar einen limitierten Kino-Release geben, was daraus nun aber geworden ist, vermag ich nicht zu sagen. Lizenzen werden wohl auch an Filmfestivals vergeben worden sein, doch auch hier dürfte es relativ düster aussehen. Anime und Lizenzrechte, ein Thema für sich da viele Lizenzgeber immer noch recht stur sind. Japan First. Und so ist es auch bei Evangelion 3.0+1.0 Thrice Upon a Time. Wenn es den normalen Weg geht, dann bleibt der Film nun erstmal exklusiv in den japanischen Kinos, erscheint in circa 6 Monaten für das Heimkino und irgendwann 2022 wird er dann auch bei uns zu sehen sein. Die vorherigen Filme erschienen in Deutschland bei Universum (mittlerweile heißen diese Leonine, wieder sieht man einmal, wie viel Zeit seit dem letzten Film vergangen ist) mit einem knapp 1 jährigem Delay nach japanischen Kinostart.

Ob es in Sachen Streaming-Anbieter vielleicht doch noch einen Retter in der Not geben wird und man sich westlichen Fans erbarmen wird, bleibt abzuwarten (und besonders, ob auch Europa davon profitieren könnte, da die lizenzrechtliche Lage aufgrund der vielen Anbieter hier ein einziges Chaos ist). Eine optimale Situation ist es nicht, aber wenn man schon knapp 8 Jahre gewartet hat, auch hier können wir wieder ganz ehrlich sein, kommt es auch darauf nicht mehr an. Extrahieren wir aber den positiven Effekt aus der Misere: Es wird keine teuren Nachdrehs für die Sponsoren gegeben haben, denn Shinji benutzt seit 1995 den gleichen Sony Walkman (im laufe der Zeit wurde aber in den neuen Filmen das Logo der Deutschen Post durch DHL ersetzt. Zu sehen auf Asukas Umzugskisten)!

Mein Tipp an alle Wartenden (zu denen ich auch zähle): Spoiler-Geschossen am besten aus dem Weg gehen, indem man das Stromkabel vom Router entfernt und bis nächstes Jahr nicht ins Internet geht. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, da man hier endlich den seit mindestens 5 Jahren geplanten Internet-Detox mitnehmen kann. Cheers, dankt mir bitte 2022!


Update 10.03.2021: Laut aktuellen Meldungen ist der Film sehr erfolgreich in den japanischen Kinos gestartet!



Hikaru Utada: One Last Kiss (Evangelion 3.0+1.0 Thrice Upon a Time Titelsong

Sonntag, 7. Mai 2017

Tag 7 Review: Shin Godzilla






Japan 2016

Shin Godzilla
Originaltitel: Shin Gojira
Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi
Drehbuch: Hideaki Anno
Darsteller: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara, Ren Osugi, Shinya Tsukamoto, Jun Kunimura
Laufzeit: Circa 120 Minuten
Genre: Kaiju, Katastrophenfilm, Satire
Verleih: Splendid
Premiere (Deutschland): 03.05.17 - 05.05.17 (limitiertes Kino-Event)
FSK: Ab 12



Wirft man die Namen einfach lose in die Runde, so scheint es zwischen dem grünen Kult-Monster Godzilla und Evangelion-Schöpfer Hideaki Anno nicht viele Gemeinsamkeiten zu geben (wobei ich nicht ausschließen würde, dass Anno dazu in der Lage ist, einen hochkonzentrierten Energiestrahl abzufeuern). Geht man aber etwas mehr ins Detail, fallen schnell zwei Gemeinsamkeiten auf. Sowohl Godzilla als auch Anno haben in ihren Bereichen Geschichte geschrieben. Das Filmstudio Toho verdiente Millionen mit Godzilla, Anno hingegen revolutionierte mit seiner Anime-Dystopie Neon Genesis Evangelion (Shin Seiki Evangelion) dieses Genre für immer. Während Godzillas erster Auftritt bereits über 60 Jahre zurückliegt, so gehört Evangelion aus dem Jahr 1995 (und noch immer steht ein finaler Kinofilm aus) zur modernen Popkultur. In den vergangenen Jahren ist es jedoch ruhig geworden, sowohl um Godzilla, als aber auch Hideaki Anno. Immer wieder bestätigt Anno, wie sehr ihm die Produktion an neuen Filmen aus dem Evangelion-Universum zusetzen und er mental regelrecht ausgemergelt ist, jedoch häufig Trost und Ruhe von seiner Frau erfährt. Die beiden Giganten schwächelten ein wenig und es liegt eine harte Zeit hinter den beiden Kultfiguren. Zeit für ein Reboot? Ein Reboot für Godzilla und Anno? Gar nicht mal so eine schlechte Idee, wird sich auch Toho gedacht haben.




Toho verkündete es damals selbst, mit Godzilla - Final Wars (Regie: Ryuhei Kitamura) sollte 2004 das riesige Monster in Rente gehen. Danach würde nichts mehr kommen. Mit Legendary Pictures erlangte erstmals seit dem Emmerich-Fiasko aus dem Jahr 1998 ein ausländisches Studio die Godzilla-Lizenz von Toho. Gareth Edwards (Rogue One) kreierte 2014 ein Teil-Reboot, was irgendwo zwischen Fortsetzung des Ur-Godzillas und Neuinterpretation pendelte. Trotz einer Überlänge und einer eher geringen Screentime von Godzilla selbst, wurde der Film von Kritikern und Fans akzeptiert und auch gelobt, an den Kinokassen war er sogar ein großer Erfolg. Dieser Erfolg imponierte Toho so sehr, dass sie es selbst noch einmal wissen wollten und planten mit "Shin Gojira" ein komplettes Reboot des Franchise. Man setzte alle Uhren auf 0 und das einzige, was den Produzenten zu einem erfolgreichen Reboot des Franchise verhelfen würde, war ein Regisseur, der sich nicht nur mit der Materie auskennt, wie man Tokyio filmisch in seine Einzelteile zerlegt, sondern auch das richtige Händchen dafür hat, so eine fiktionale Katastrophe gekonnt in Szene zu setzen. Es war beinahe eine logische Schlussfolgerung, dass die Wahl nur auf Hideaki Anno fallen konnte.

Anno jedoch für das Projekt zu gewinnen war nicht einfach. Seine Fans warten seit Jahren sehnsüchtigst auf den Abschluss der Evangelion Kinofilm-Saga. Ein vierter und letzter Film fehlt noch, genau den wollte Anno fertigstellen, bevor er mit dem Thema abschließen könne. Während Anno selbst skeptisch war, konnten die Produzenten bei Toho jedoch den ein oder anderen Mann aus Annos Team für das Godzilla-Reboot gewinnen. Die Überzeugungskräfte von Annos langjährigen Weggefährten war am Ende aber zu groß, um diesem Projekt eine Absage zu erteilen.

Die Marschrute für Shin Godzilla war schnell klar. Man musste erst einmal dem neuen Titel gerecht werden. Das Wort "Shin" kann in der japanischen Sprache vielseitig genutzt werden. Allen voran steht es für "Neu",  kann aber auch für "Echt" stehen. Je nachdem, mit welchem Kanji man das Wort schreibt, erhält man meistens einen Begriff, der zutreffend für Shin Godzilla ist. Oberste Priorität war es, alles auf Anfang zurückzusetzen und dabei das Original aus dem Jahr 1954 zu ignorieren (obwohl man es mit Fortsetzungen und Chronologie an sich nie wirklich genau genommen hat, der 1954 Film war aber meistens stets der Ausgangspunkt). Die Essenz des Originals durfte aber nicht verloren gehen. Der US-Godzilla aus dem Jahr 2014 hat es vorgemacht, Godzilla ist nicht das nette Monster aus der Nachbarschaft. Godzilla muss in erster Linie ein zerstörungswütiger Gigant sein, der nahezu unverwundbar ist. Doch der Titel "Shin" würde keinen Sinn ergeben, wenn wir es hier mit dem gleichem Godzilla zu tun hätten, der schon so oft Städte den Erdboden gleichgemacht hat. Der "Shin Godzilla" ist anders. Er verfügt über Metamorphosen. Jede einzelne Metamorphose macht das Monster noch mächtiger und praktisch unverwundbar. Dem Monster diesen Twist zu verleihen, das war etwas, wozu praktisch nur Hideaki Anno fähig war. Fans von Neon Genesis Evangelion werden hier unglaublich viele Gemeinsamkeiten mit den Engeln wiederfinden und dein ein oder anderen "Aha-Effekt" erleben.

Doch was geschieht abseits von Godzillas neuen Fähigkeiten? Erst einmal, Godzilla hat relativ viel Screentime in Shin Godzilla. Auch wenn ich nun nicht mit der Stoppuhr im Kino saß, so kommt jeder Fan des Monsters auf seine Kosten. Anno, der auch das Drehbuch geschrieben hat, trennte sich noch von einigen Nebenhandlungen wie einem Familiendrama und einer Liebesgeschichte. In Shin Godzilla gibt es keinen furchtlosen Held oder Wissenschaftler, der sich zum Wohl des Landes opfert, hier ist gleich die ganze japanische Regierung Godzillas neuer Gegner. Politiker und Bürokraten gegen die gigantische Riesenechse. Ein aussichtsloser Kampf? Da will ich nicht zu viel verraten. Doch hier kommen wieder Annos Stärken ins Spiel. Gesellschaftskritik und Satire. Der Film wandelt auf einem schmalen Grad zwischen Katastrophenfilm und Satire. In einer Szene lacht man noch über den Premierminister (übrigens großartig verkörpert von Ren Osugi), in der nächsten Szene passiert wiederum ein großes Unglück. Ein klarer Wink an das 2011 Erdbeben in der Tohoku-Region, welches einen verheerenden Tsunami mit sich führte und zu einer Kernschmelze im Kernkraftwerk von Fukushima führte. Der Film spricht die Katastrophen nicht direkt an, allerdings ist es unschwer zu erkennen, woran sich der Film orientiert.




Anders als noch im Jahr 1954, so hat sich auch die Technik der japanischen Filmkunst wesentlich gesteigert. Man weiß nun besser, geschickter mit CGI umzugehen. Was das für Shin Godzilla bedeutet? In den meisten Szenen können die Computereffekte auf ganzer Linie überzeugen. Hier und da gibt es aber auch mal die ein oder andere Szene, wo die Effekte relativ billig wirken können. Allerdings dürfte das für viele Godzilla-Fans ein Aspekt sein, den man eher als interessant statt negativ bewertet. So ist es wenig überraschend, auch der Shin Godzilla besteht komplett aus CGI, auch wenn man manchmal immer noch das Gefühl hat, hier könnte ein Schauspieler unter einem Latexkostüm stecken. Dieser Look war jedoch so gewollt. Ist Godzilla erst einmal am wüten, so sind dabei einige wundervolle Effekte entstanden, die beweisen, dass das Konzept vollends aufgegangen ist. Untermalt werden diese Szenen oftmals mit dem original Godzilla-Theme von Akira Ifukube. Und was die Evangelion-Fans angeht, bei der Musik könnt ihr erneut eure Finger reiben, denn da wird es noch eine kleine Überraschung geben.

Mit einer Laufzeit von 2 Stunden haftet auch Shin Godzilla eine leichte Überlänge an. Anders als bei der 2014 US-Version schafft Shin Godzilla es aber, den Leerlauf besser zu kompensieren. Und das ohne einen festen Cast an Protagonisten. Bei Shin Godzilla ist es das gesamte Kollektiv, was hier auch außerhalb der actionreichen Szenen noch für Unterhaltung sorgt. Es sei jedoch gesagt, die politische Natur ist dem Film nicht von der Hand zu weisen. Auch sollte man mit dem Thema Japan - Kultur, Politik und Popkultur schon vertraut sein, um besonders die Szenen mit satirischen Hintergründen unbeschwert genießen zu können. Leider lief die Version mit O-Ton nur ein paar Tage später zu einer grausamen Uhrzeit, von daher kann ich hier nur über die deutsche Vertonung reden. Doch hier hat Splendid gute Arbeit geleistet und recht interessante Sprecher gewählt, was immer mehr zu einer Seltenheit bei japanischen Filmen wird. Der Humor kommt durchaus auch in der deutschen Vertonung nicht zu kurz.

Schauspielerisch findet man neben routinierten Darstellern wie Ren Osugi und Jun Kunimura auch eine menge noch recht junger Darsteller, die, auch das ist eine kleine Überraschung, bereits in der Live-Action Verfilmung von Attack on Titan mitgespielt haben. Als zweiter Regisseur war hier ebenfalls noch Shinji Higuchi tätig, der für die ziemlich verunglückte Adaption von Attack on Titan als alleiniger Regisseur verantwortlich war. Auch gibt es noch viele interessante Cameo-Auftritte in Shin Godzilla, insgesamt 6 bekannte japanische Regisseure sind hier zu finden. Für westliche Zuschauer wird wohl die Rolle von Shinya Tsukamoto (Tetsuo) am relevantesten sein.




Resümee

Mit minimalen Schönheitsfehlern steuert Shin Godzilla beinahe die Höchstwertung in meinem Ranking zu. Hideaki Anno liefert hier nach vielen Jahren mal wieder einen relevanten Kinofilm aus Japan ab. Vielleicht sogar einen der relevantesten Filme seit Kinji Fukasakus Filmadaption zu Battle Royale aus dem Jahr 2000. Fans von Godzilla und Anno werden sowieso auf ihre Kosten kommen, aber Shin Godzilla besitzt auch die Fähigkeit, Leute mitzureißen, die mit dem japanischen "Kaiju-Genre" (Monsterfilme) relativ wenig zu tun haben. Die Themen im Film sind aktuell und mit feinem Humor teilweise herrlich überspitzt. Im Kern bleibt aber Shin Godzilla das, was er schon immer war, ohne seinen Charme einbüßen zu müssen. Ein gigantischer Katastrophenfilm, sowohl hinter als auch vor der Kamera exzellent besetzt. Splendid gebührt hier noch der Dank, dass sie den limitierten Release in deutschen und einigen österreichischen Kinos möglich gemacht haben. Hoffen wir mal, dass das Projekt anklang fand. Der Heimkino-Release wird bereits voller Sehnsucht erwartet.

Dienstag, 26. Mai 2015

Rezension: Death Parade



Trailer (Verfügbar leider nur in japanischer Sprache ohne Untertitel)




Japan 2015

Death Parade
Originaltitel: デス・パレード
Konzept und Regie: Yuzuru Tachikawa
Studio: Madhouse
Sprecher: Tomoaki Maeno, Asami Seto, Rumi Ookubo, Yoshimasa Hosoya, Kazuya Nakai, Mamoru Miyama
Opening Song: [Flyers] von BRADIO
Ending Song: [Last Theater] von NoisyCell
Episoden: 12
Genre: Anime, Mystery
FSK: Ungeprüft


In der Anime-Branche hat sich etwas verändert. Oder habe ich mich verändert? Diese Frage habe ich mir gestellt, bevor ich Death Parade gesehen habe. Ich bin mir nun ganz sicher, nicht ich bin es, der sich verändert hat, es ist eindeutig die Branche, die einen Umbruch erlebt hat. Fanservice und Ecchi gibt es in der Welt von Manga und Anime seit gefühlten Urzeiten und sind in Maßen durchaus stimmig oder gar geschickt in die Geschichte eingebunden.
Doch ein Aufziehvogel ist überfordert wenn ihm Begriffe wie Moe, Harem oder Reverse Harem um die Ohren fliegen. Und manche Serien mehr Damenunterwäsche als Inhalt bieten, muss ich mich unweigerlich fragen, ob der aktuelle Anime-Trend überhaupt noch etwas für mich ist. Beispielsweise hat Highschool of the Dead (sowohl Manga als auch Anime) viel Potential zu einer gelungenen Zombie-Serie, welches durch übermäßigen Gebrauch von Fanservice am laufenden Bande jedoch verschwendet wird. Serien wie Lynn Okamotos "Brynhildr in the Darkness (Gokukoku no Brynhildr)" haben aber bewiesen, auch gut gewählte Ecchi/Harem Elemente können durchaus unterhaltsam umgesetzt werden. Und trotzdem gibt es auch Serien, die sich aktuell dem Trend widersetzen. Sowohl Attack on Titan, Tokyo Ghoul sowie auch Parasyte tendieren alle durchaus zu einer ernsten und düsteren Seite. Und genau in diese Kerbe schlägt auch Death Parade.




Auch wenn das genial stimmungsvolle Disco-Opening [Flyers] der japanischen Band BRadio vermuten lässt, hier handle es sich um eine genau so freudige und entspannte Serie, der wird auf eine falsche Fährte geführt. Denn wenn Death Parade erst einmal richtig los legt (und das wird  bereits schonungslos in Episode 1 demonstriert), werden die Zuschauer in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele entführt. Das Konzept hinter Death Parade ist durchaus einfach zu verstehen. Zwei Menschen (ob verwandt, verheiratet oder völlig fremd) werden per Aufzug in die Bar Quindecim befördert. Sie erinnern sich nur an Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit und haben keine Ahnung davon, wie sie in diese Bar gelangt sind. Lediglich der schweigsame Barkeeper Decim begrüßt das gerade eingetroffene Paar. Nach einem kleinen Drink bittet Decim die beiden, an einem Spiel teilzunehmen. Weigern sie sich, würde dies weitreichende Folgen für sie haben. Eingeschüchtert aufgrund der ungewissen Konsequenzen, die ihnen blühen, lassen sich die Teilnehmer auf das Spiel ein. Während des jeweiligen Spiels (von Darts bis Bowling ist alles dabei, allerdings alle versehen mit einem interessanten Twist) gelangen sie immer ein wenig mehr von den Erinnerungen zurück, die sie anscheinend verloren haben. Und am Ende ist es Decim der entscheiden muss, was mit dem Gewinner und dem Verlierer passiert.

Das Konzept basiert auf einen Kurzfilm von Regisseur Yuzuru Tachikawa. Jener Kurzfilm "Death Billiards" hat mit knapp 24 Minuten Laufzeit die gleiche Lauflänge einer gewöhnlichen Anime-Episode und gehörte zum Young Animator Training Project in der Ausgabe 2013. Eingereicht wurde das ungewöhnliche Projekt von dem Kultstudio Madhouse (u.a. Death Note) welches auch später die komplette Serie produzierte. Chronologisch kann man den Kurzfilm "Death Billiards" am besten innerhalb der ersten 5 Episoden unterbringen.
Bis auf eine Ausnahme ist die Handlung jeder Episode bereits in den genannten 24 Minuten abgeschlossen. Dennoch geht die Serie tatsächlich auch noch einer Haupthandlung nach. Somit wechseln sich die Episoden ab zwischen den Spielen, wo zwei Protagonisten gegeneinander antreten müssen um ihre schmerzhaften Erinnerungen zurückzuerlangen und den Ereignissen rund um die geheimnisvolle Frau (Kurokami no onna) und den Mitarbeitern des Quindecim. Gekrönt wird das meist melancholische sowie traurige Ende einer jeden Episode durch den Song [Last Theater] der japanischen Band Noisy Cell, die hier mit einem überraschend solidem Englisch überzeugen können (was für japanische Künstler alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist). Beinahe jede Episode beschäftigte mich auch nach dem Abspann noch für einige Zeit. Das perfekte Zusammenspiel der einmal mehr außergewöhnlich guten japanischen Synchronsprecher, die flüssigen, detailreichen Animationen von Madhouse und grandioser Musik machen Death Parade zu einem Highlight auf mehreren Ebenen.

Bis zum sehr emotionalem Finale ist jede einzelne Episode bestens ausgearbeitet. Ganz besonders Barkeeper Decim macht in den 12 Episoden eine unglaubliche Entwicklung durch. Die Haupthandlung rund um Kurokami no onna (ihren wahren Namen erfährt man zum Ende hin) wird zufriedenstellend abgeschlossen. Diese Tatsache hat man unter anderem der fehlenden Vorlage zu verdanken. Death Parade basiert weder auf einem Manga noch einer Light-Novel. Es ist immer wieder ein prägnanter Regiestil von Yuzuru Tachikawa zu erkennen, der hoffentlich schon bald die Chance für ein komplett neues Projekt erhalten wird. Ebenfalls noch erwähnenswert: Für das Ending, was meistens am Ende jeder Episode eingespielt wird sofern die Story nicht dort in Bildern noch ein wenig fortgeführt wird, stammt von Cowboy Bebop, Samurai Champloo und Zankyou no Terror Mastermind Shinichiro Watanabe (dieses Jahr auf der kommenden AnimagiC in Bonn als Ehrengast vertreten).





Resümee

Mit Death Parade hat Madhouse (zusammen mit Parasyte) einen weiteren hochwertigen Vertreter der modernen Anime-Kunst ins Rennen geschickt. Und das originelle Konzept darf gerne zum nachmachen anstiften. Erst vor wenigen Tagen hat Evangelion Schöpfer Hideaki Anno erneut die Stagnation in der Anime-Industrie kritisiert. Annos Kommentar liest sich etwas dramatischer als er es eigentlich meinte, unrecht hat er jedoch nicht. Durch die ganzen halbgaren Manga und Light Novel Verwurstungen konnten sich nur wenige Anime in der vergangenen Zeit als wirklich komplett oder gelungen bezeichnen (weil die meisten Werke, auf die sie basieren, noch längst nicht fertiggestellt sind).
In nur 12 Episoden schafft es Death Parade hingegen den Zuschauer mit starken Emotionen und einem kompletten Ende zu entlassen. Eine Serie, die förmlich danach fleht, nicht fortgesetzt zu werden (auch wenn ich eine abschließende OVA sogar noch begrüßen würde).

In Deutschland exisitert noch keine Lizenzierung zu Death Parade. Legal und kostenlos via Vide-on-Demand kann man Death Parade aktuell über Funimations Streaming-Plattform schauen. Allerdings ist dies nur möglich, wenn man über eine amerikanische IP-Adresse verfügt. Aber dafür ist mein Blog letztendlich nicht zuständig ;)