Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Mittwoch, 3. Januar 2018

2018: Eine letzte Zugabe für "Am Meer ist es wärmer"



Liebe Leserinnen und Leser von "Am Meer ist es wärmer", ich hoffe, ihr habt alle einen berauschenden/entspannten/vollendeten Jahresausklang 2017 genossen. Der Jahreszyklus beginnt von neuem im kalten Januar. Als Januarkind habe ich leider die besondere Ehre, meinen Geburtstag zusammen mit Väterchen Frost zu feiern. Wichtig ist es jedoch, die ersten 2 Monate des Jahres unbeschadet zu überstehen. Zieht euch also weiterhin warm an, denn es soll ziemlich kalt werden!
Gerne würde ich sagen, auf meiner kleinen Insel bleibe ich davon verschont, aber man muss der Realität ins Auge blicken, so gerne ich hier bin, sie ist nur Fiktion ;(

Auch 2018 möchte ich weiter über besondere Werke aus den Bereichen Film und Literatur berichten. Ich habe noch die ein oder andere spezielle Idee, die ich gerne im laufe der Monate umsetzen möchte. Einen besonderen Fokus möchte ich in diesem Jahr auf japanische Filme legen. In einigen Tagen wird es zum Beispiel mit dem Japanuary losgehen. Doch soll es auch in den kommenden Monaten noch mehr zu diesem Thema hier zu lesen geben.

Aktuell sieht es so aus, als würde diesmal tatsächlich zum Ende des Jahres der letzte Vorhang für mein Blog-Projekt nach fast 8 Jahren fallen. Rückblickend hat das letzte Jahr sehr viel Kraft gekostet und fand mit dem Tod meines Vaters ende November einen bedrückenden Tiefpunkt. Dementsprechend möchte ich in diesem Jahr noch einmal alles raushauen, was meine Kreativität zu bieten hat und danach noch einmal über das erlebte resümieren. Doch bis dahin ist es noch einige Zeit hin und ich freue mich, wiederkehrende wie neue Leser begrüßen zu dürfen.

Bleibt gesund und geht die ersten Wochen des Jahres entspannt an!


Bis Bald,
Aufziehvogel

Samstag, 30. Dezember 2017

Der "Japanuary" auf "Am Meer ist es wärmer"




Das Team von "Abspanngucker""SchönerDenken""Kompednium des Unbehagens" sowie "Politik und Liebe" hatten diese wundervolle Idee bereits sein einiger Zeit, galt eine ganze Weile aber lediglich als berüchtigte Schnapsidee, die erst nach einer ganzen Weile zu einer zündenden Idee wurde. Die Idee dabei ist so simpel wie einfach umzusetzen. Man nehme den Monat Januar und die japanische Glückszahl 8. Anschließend sucht man sich 8 japanische Filme aus, sieht sie sich an und berichtet darüber. So etwas macht natürlich nur Sinn, wenn möglichst viele Filmfreunde mitmachen (derzeit 100 Teilnehmer und aufwärts), damit am Ende ein buntes Spektrum an verschiedensten Filmen und Genre des japanischen Films entsteht. Ob Blogger, Podcaster oder Filmfreunde jeglicher art die in den sozialen Netzwerken aktiv sind, je mehr, desto besser!

Selten war für mich ein Thema so zutreffend für "Am Meer ist es wärmer" wie der Japanuary. Da ich aktuell noch an der Auswahl der 8 Filme sitze, gibt es bis auf "Januar 2018" noch keinen festen Termin für meinen Beitrag bzw. Beiträge. Denn auch die art der Veröffentlichung steht noch aus, tendiere ich aber zu einem Zweiteiler wo je 4 Filme präsentiert und besprochen werden.

Obwohl die japanische Filmkunst auch Anime mit einschließt, so werde ich mich auf Live-Action Filme beschränken um mir die Auswahl nicht noch schwerer zu machen. Zu meiner Auswahl zählen neue Filme aber auch etliche Filme, die ich seit einer längeren Zeit nicht gesehen habe. Es wird also nicht an zu wenig Material scheitern. Schaut im Januar bei mir und den anderen Teilnehmern vorbei oder macht selbst mit. Einen Link zu den Veranstaltern findet ihr oben zu Beginn des Beitrags. Ein genauer Termin zu meiner Auswahl wird in den kommenden Tagen folgen.


Mehr zu finden auf Twitter unter: #Japanuary

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Aufziehvogel fragt nach bei "Manga Cult"




Aufziehvogel fragt nach

(Copyright: Cross Cult - Comics und Romane)


Manga und Anime im deutschsprachigen Raum erlebten in den letzten 15 Jahren einen ungeheuren Boom. Auch wenn die Verhältnisse in Deutschland wohl niemals ein Ausmaß wie in Japan (surprise), den USA oder Frankreich annehmen werden, so hat sich dieses japanische Kulturgut auch in Deutschland phänomenal entwickelt. Besonders Manga sind bei deutschen Buchhändlern von einer Nische zu einem Sortiment aufgestiegen, was man sich aus kleinen Comicläden bis hin zu großen Buchhandlungen nicht mehr wegdenken kann. Die Regale sind prall gefüllt und die Genre decken so ziemlich jede Zielgruppe ab, die es unter den interessierten Lesern gibt. Da müsste man doch eigentlich meinen, es gäbe unzählige Verlage, die bei dieser Erfolgsgeschichte mitwirken wollen.
Die Wahrheit sieht hier aber etwas anders aus. Nur selten kommt ein neuer Verlag hinzu, der sich auf dem Markt behaupten kann. Neben Carlsen, Egmont, Panini und Tokypop kam vor einigen Jahren noch Kaze dazu, die mit Tokyo Ghoul beispielsweise große Erfolge feiern.

Manga zu lizenzieren ist keine einfache Aufgabe. Umso seltener kann man daher auch einen neuen Verlag begrüßen, der sich der japanischen Zeichenkunst annimmt. Für etliche Fans dürfte es daher überraschend wie erfreulich gewesen sein, als mit Cross Cult, einer der größten Verlage für den Vertrieb von Comics in Deutschland, sich dazu entschieden hat, fortan ein Manga-Label zu gründen. "Manga Cult" lautet der einprägsame Name des neu gegründeten Labels. Das Vorhaben des Verlags ist durchaus ambitioniert, richten sich ihre Veröffentlichungen an eine reifere Zielgruppe.

Neben brandneuen Lizenzen gibt es bei Manga Cult auch ein Wiedersehen mit einem Manga, der seit vielen Jahren in Deutschland bereits nicht mehr gedruckt wird. Manga Cult legte Tsutomu Nihei's düsteres Sci-Fi Werk "Blame!" als sechsteilige Master Edition (aktuell sind 2 Bände erhältlich) neu auf. Von dieser Veröffentlichung war ich bereits nach dem entfernen der Folie des Bandes so begeistert, dass ich unbedingt mehr von Manga Cult und ihren Ambitionen erfahren wollte. Glücklicherweise gestaltete sich dieses Vorhaben als wesentlich einfacher als gedacht. Für ein kleines Gespräch erklärte sich Michael Schuster vom Verlag bereit, auf meine Fragen einzugehen. Ich stehe mit Michael schon ein wenig länger in Kontakt und bin sehr glücklich, ihn für dieses Interview in meiner "Aufziehvogel fragt nach" Rubrik gewonnen zu haben.

Viel Spaß nun mit dem Interview!


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Wer ist eigentlich dieser Micha von Cross Cult?


Also, wer ich bin:
Mein Name ist Michael und ich bin mittlerweile seit auch schon wieder fast zwei Jahre bei Cross Cult und kümmere mich dort um Lizenzen, Programm und die Zahlen - nebenher helfe ich etwas in der Manga Redaktion mit und kümmere mich überhaupt darum, dass Manga Cult ordentlich Fahrt aufnimmt.

Davor war ich bei einem Kinderzeitschriftenverlag als Leitender Redakteur und habe dort vor allem die ganzen LEGO Magazine (Ninjago, Star Wars etc.) betreut, mitentwickelt und tatsächlich sogar selbst Comics geschrieben und zusammen mit den Zeichnern umgesetzt. Ganz ganz früher war ich sogar mal kurz bei Panini (Praktikum) - habe also schon alles mögliche im Comicbereich durch.



Die Fragerunde


1. Aufziehvogel: Willkommen auf "Am Meer ist es wärmer" Michael. Vielen Dank für dieses Gespräch. Als langjähriger Leser von Cross Cult war ich überrascht, als ich hörte, ihr werdet euch fortan mit "Manga Cult" auch der japanischen Zeichenkunst widmen. Was war der Anstoß dafür, dieses Projekt ins Leben zu rufen?

MichaelDiese Frage wird uns natürlich oft gestellt - und sie ist gar nicht so einfach zu beantworten. Da sind einige Faktoren zusammengekommen. Zunächst habe ich 2016 bei Cross Cult angefangen und man hatte zum ersten Mal jemanden, der sich etwas mit Manga und auch damit, wie man an die Japaner herantreten sollte, auskennt. Dann schaut man natürlich auch konstant etwas „neidisch“ auf die Manga Konkurrenz, die in den letzten Jahren schon einen echten Triumphzug hingelegt hat. In einer Zeit, in der Print totgesagt ist, halten sich Mangaverkäufe doch ganz beharrlich - und das ist für einen kleinen Verlag wie uns natürlich großartig. Die Fans sind treu und eifrig und es hat uns einfach in den Fingern gejuckt, da auch mitzumischen. Natürlich birgt ein starker Markt mit starker Konkurrenz auch Risiken … und in Erfolgssphären der Großen Vorzustoßen kann man als Ziel haben,  sollte man jedoch nicht erwarten. Trotzdem denken wir, dass der Mangamarkt groß und stark genug ist, um noch einen neuen Verlag auszuhalten (wir wussten damals natürlich noch nicht, dass mit Altraverse gleich noch der nächste Konkurrent so plötzlich auftaucht ;)


2. Aufziehvogel: Euer Manga-Projekt ist noch brandneu, aber bereits jetzt zeichnet sich ein Schema ab. Es sind die Titel, für die ihr euch bisher entschieden habt. Zum einen legt ihr Titel wie Basilisk und Blame! in hochwertigen neuen Editionen auf, euer gesamtes Programm scheint sich an eine ältere Zielgruppe zu richten. Die Kategorie "Seinen-Manga" (Manga für eine reifere Leserschaft) ist in Deutschland trotz vieler Bemühungen relativ unterversorgt. Was steckt dahinter, sich als Verlag solchen Titeln anzunehmen?

Michael:  Ganz ehrlich: wir suchten eine Nische bzw. einfach eine Möglichkeit, uns etwas abzuheben. Sowohl bei den Lesern, als vor allem auch bei den japanischen Lizenzgebern. Warum sollten die jemandem Vertrauen, der sagt „Ich mache jetzt genau dasselbe wie Carlsen, nur viel besser“. Deswegen war unsere Strategie, etwas etwas anders zu machen als die Großen und hoffentlich genau so gut ;) - und da wir von den Comics her ja einige Erfahrung mit schönen, dicken, Hardcoverausgaben hatten, lag die Idee nahe, soetwas auch für Manga zu versuchen. Am Anfang wurde das recht skeptisch beäugt, mittlerweile kann man aber sagen, dass die Idee gut angenommen wurde. Blame! verkauft sich super und auch Basilisk ist ganz sicher kein Flop.

Dass wir uns eher an Seinen halten wollen rüht aus einem ähnlichen Grund her. Shôjo ist schon super abgedeckt und passt zunächst auch gar nicht zu uns. Shônen passt zwar schon, aber auch da ist es schwer, noch an besondere Lizenzen zu kommen (außerdem war der Shônen-Markt auch schon stärker und interessanter). Da lag es nahe, zunächst auf Titel zu gehen, die zu unserem bisherigen Comic-Portfolio passten. An der Stelle sei aber auch noch mal deutlich gesagt, dass von uns ganz sicher auch mal ein Shônen kommt oder irgendwas dazwischen. In fernerer Zukunft vielleicht sogar mal was Romantisches. Um erfolgreich besondere Seinen im Handel platziert zu kriegen, muss man eben einfach auch Titel mit großem Potential bringen - und so toll anspruchsvollere Manga wie z.B. Monster sind (abgeschlossener Kult-Hit von Naoki Uraswa anm. des Bloggers), man wird sich keine goldene Nase mit ihnen verdienen.



3. Aufziehvogel: Auch wenn Manga noch immer Neuland für euch sind, so seid ihr lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie kompliziert Lizenzierungen sein können. Eine Frage, die mich brennend interessiert; ist es wirklich schwieriger, mit japanischen Verlagen zusammenzuarbeiten um neue Lizenzen auszuhandeln? Man liest immer etwas von sehr strikten Auflagen, die es zu beachten gilt, einen japanischen Titel im Westen zu veröffentlichen. Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie es für euch ist,  nun mit japanischen Firmen über Lizenzierungen zu verhandeln?

Michael: Es dauert definitiv länger, einen Titel zu lizenzieren - klar für einen neuen Verlag erst recht, aber ich erwarte nicht, dass das in Zukunft viel einfacher wird. Es ist alles sehr formell und man muss sich an so einige Regeln halten. Auch da sind US-Verlage (aber auch lang nicht alle) gerne etwas lockerer. Ist es aber wirklich schwieriger? Ich würde sagen nein. Strukturiertheit hat auch ihre Vorteile und für mich ist die Arbeit mit den Japanern recht angenehm. Man muss halt wissen, wie man sie zu nehmen und sich selbst zu verhalten hat. Holzhammer bringt nicht viel. Zudem ist auch wirklich nicht jeder Verlag gleich - am komplexen wird die Lizenziererei nämlich, wenn noch Agenturen dazwischengeschaltet sind.



4. Aufziehvogel: Ich war überrascht, wie gut die Master Editions zu Basilisk und Blame! bisher bei den Lesern angekommen sind. Beide Titel waren schon einmal bei anderen Verlagen in Deutschland erhältlich, haben aber nie die Aufmerksamkeit erfahren, die ihnen zustand. Wie zufrieden seid ihr mit dem Feedback zu diesen beiden Neuauflagen und wie wichtig ist es euch, diese Veröffentlichungen neu übersetzen zu lassen?


Michael: Wir sind sehr zufrieden. Sowohl mit den Verkäufen als vor allem auch mit dem Feedback der Leser. Der Mangamarkt hat sich etwas gewandelt. Blame! war damals eben Blame! Ein Manga. Heute gilt Blame! als Klassiker, wenn nicht gar Meisterwerk. Und es gibt viele Mangafans, die mittlerweile Erwachsen sind, etwas mehr Geld haben und sich eine Sammleredition eines solches Titels fast schon gewünscht haben. In diesem Fall funktioniert eine Neuauflage definitiv. Wir hören ja gerade z.B. oft den Wunsch nach einer Sammelausgabe zu Knights of Sidonia. Aber, mal abgesehen davon, dass die Rechte dazu natürlich bei Egmont liegen, wäre es dafür einfach noch zu früh. Man muss sich die Titel für eine Neuauflage schon sehr genau aussuchen, sonst ist ein Riesenflop leider fast garantiert.

Wichtig war uns eine Neuübersetzung vor allem bei Basilsik, da die erste deutsche Übersetzung echt nicht so schön war. Ob die neue Übersetzung nun den Lesern besser gefällt, ist schwer zu sagen - wir haben da schon Lob wie Kritik bekommen. Bei Blame! hatten wir vor einer Neuübersetzung etwas Bammel, da die alte recht gut war und es ja doch sehr viele „Fachbegriffe“ gibt, die die Leser schon kennen. Netzsphäre, Megastruktur etc. Da ist es eine Gradwanderung zwischen „Ich mach alles neu und keiner weiß mehr, wovon ich spreche“ und „Ich halte an so vielen bekannten Begriffen fest wie möglich“. Sonst kriegt man am Ende sowas wie die Neuübersetzungen von Herr Der Ringe oder Game of Thrones (beide grausig ^^). Wir haben Begriffe also nur geändert, wo wir der Ansicht waren, etwas verbessern zu können. Beispiel: Mensarb. Ist ja eine lautsprachliche Übersetzung vom japanischen „Mensarbu". Schaut man sich die Welt von Blame aber an, ist die Chance groß, dass das eigentlich besser „Menserv“ heißen sollte.



5. Aufziehvogel: Für die Leser dieses Interviews muss ich auch noch anmerken, neben den Hardcover-Ausgaben bei Titeln wie Basilisk und Blame! wird Manga Cult andere Titel auch als Taschenbuch mit Klappenbroschur veröffentlichen (die sich beide auch im Preis voneinander unterscheiden). Meine Frage ist nun, plant ihr die vorhandenen Master Editionen auch nochmal als Taschenbuch neu aufzulegen? Und falls nicht, müssen die interessierten Leser fürchten, dass diese Editionen bald vielleicht schon wieder vergriffen sind?

Michael: Ich denke nicht, dass wir noch Softcover-Editionen der Hardcovers herausbringen werden. Das gibt der Markt dann doch eher nicht her ;) Außerdem machen wir dann lieber Softcover von Titeln, die es noch nicht gab. Wir arbeiten aber gerade an Digitalausgaben. Dann haben auch Leute die Chance, die Geschichten zu erleben, die nicht bereit sind, das Geld für die Sammlerausgaben auf den Tisch zu legen. Fürchten, dass die Hardcovers vergriffen sind braucht aber vorerst sowieso niemand. Die sind nicht limitiert, im Fall von Blame! ist ein Nachdruck recht wahrscheinlich. Die Startauflage des ersten Bandes ist übrigens schon fast weg.


6. Aufziehvogel: Als letzte Frage kommt nun etwas sehr obligatorisches. Hier frage ich nicht nur als Blogger sondern auch als Fan. Gibt es schon einen kleinen Ausblick auf das kommende Jahr? Können die Leser neue Lizenzen erwarten und darunter vielleicht Überraschungen, an die sich vielleicht kein anderer Verlag getraut hätte?

Michael: Es gibt noch eine große Überraschung, an die sich tatsächlich schon ziemlich lang niemand mehr getraut hat. Ich kann nur leider immer noch nichts dazu sagen außer, dass der Vertrag jetzt in Arbeit ist und es wirklich passieren wird. Wie gesagt, superschnell geht das mit Japan meist nicht;)
Ansonsten haben wir für 2018, was ja eigentlich erst unser erstes, richtiges Mangajahr ist, schon ein ziemlich starkes Programm (meiner Ansicht nach).
Aposimz - Land der Puppen, das neue Meisterwerk von Tsutomu Nihei, das für seine Verhältnisse echt fast schon zugänglich ist und tolles (wenn auch spezielles) Artwork hat.
Tekkon Kinkreet von Taiyo Matsumoto zum ersten Mal in Deutschland und in einer schicken Hardcover-Ausgabe.
Green Worldz, ein cooler Action-Survival-Titel im Stil von Attack on Titan.
Kuhime - Die Menschenfresserin, ein mit vier Bänden abgeschlossener Horror-Manga.
Parataxis, das erste in Deutschland veröffentlichte Werk von Shintaro Kago (am besten Googlen :)


"Am Meer ist es wärmer" bedankt sich bei Cross Cult und ganz besonders bei Michael für das sympathische Interview und die daraus entstanden, sehr interessanten Antworten. Ich wünsche euch für 2018 viel Glück bei eurem Programm und bleibe nicht nur als Blogger, sondern auch als Fan dabei und werde eure Entwicklung mit großer Freude verfolgen.


Im Gespräch: 
Michael Schuster
Lizenz- und Produktmanagement
Cross Cult - Comics & Romane


Präsenz im Web:

Cross Cult: Website
Manga Cult: Website


Hinweis: Dieses Interview wurde exklusiv auf "Am Meer ist es wärmer" geführt. Zitate oder Auszüge aus dem Interview dürfen benutzt werden unter Angabe der Quelle oder am besten in der Kategorie "Kontakt" den Inhaber des Blogs kontaktieren.

Sonntag, 19. November 2017

Blog-Betrieb bis Dezember eingestellt




Liebe Freunde der exotischen Literatur und Filmkunst,

es gibt Momente im Leben, da rückt selbst die größte Leidenschaft in den Hintergrund. Aufgrund eines familiären Vorfalls werde ich den Blog bis in die erste Dezemberwoche nicht mit neuen Inhalten versorgen. Selbstverständlich stehen sämtliche Artikel und Rezensionen wie gewohnt weiter zur Verfügung. Bis dahin wünsche ich euch eine angenehme Zeit und freue mich, wenn wir uns hier bald wiederlesen werden.

Bis bald,
Aufziehvogel

Sonntag, 5. November 2017

Aufziehvogel's Geschichtsstunde: Mein letzter Kampf (Game of Death)






Hong Kong 1978

Bruce Lee - Mein letzer Kampf
Originaltitel: Game of Death
Regie: Robert Clouse, Bruce Lee
Darsteller: Bruce Lee (Archivmaterial/Stock Footage), Kim Tai-jong, Yuen Biao, Colleen Camp, Dean Jagger, Gig Young, Hugh O'Brian, Samo Hung, Chuck Norris (Stock Footage), Robert Wall, Kareem Abdul-Jabbar
Lauflänge: Circa 100 Minuten
Verleih: Universum
FSK: Ab 16
Genre: Kampfsport, Action, Drama


Bruce Lee gehörte, ganz ohne Frage, zu den herausragendsten Persönlichkeiten zur späten zweiten hälfte des letzten Jahrhunderts. Kampfsportler, Philosoph, Schauspieler, Regisseur und Erfinder seiner eigenen Kampfsportart. Der sympathische Mann aus Hong Kong (bürgerlicher Name Lee Jun-fan 1940-1973) war ehrgeizig und wollte sein ganzes Leben lang hoch hinaus. Ein Ehrgeiz, der ihm letzten Endes zum Verhängnis wurde, denn noch vor seinem 33. Geburtstag verstarb Lee an einem Ödem im Kopf. Der Tod kam völlig überraschend und hat bis heute einen relativ mysteriösen Beigeschmack hinterlassen, der Verschwörungstheoretiker bis heute nährt. Die tatsächlichen Gründe werden für viele nur schwer zu akzeptieren sein. Lee brachte seinen Körper ans Limit, täglich und beinahe ein Leben lang. Die Überanstrengung des Körpers soll letztendlich für das Ödem verantwortlich gewesen sein.

Lee selbst machte nie ein Geheimnis daraus, die Filme, in denen er mitspielte, die sollten zur Unterhaltung dienen. Wer hier einen tieferen Sinn suche, der sei Fehl am Platz, so Lee. In der Hauptrolle eines Spielfilms sah man ihn nur ganze 4 male (man kann sich streiten, ob man das fünfte mal mitzählen kann). Viele Leser werden jetzt vermutlich aus allen Wolken fallen, haben sie Bruce Lee doch mindestens schon in 50 Filmen gesehen, die gerne mal nach 23 Uhr auf den privaten Fernsehsendern liefen. Weder spielte aber Bruce Lees rastlose Seele mit (atmet auf, Karate Tiger Fans), noch waren es Filme, die zu seinen Lebzeiten abgedreht wurden. Meistens war es jedoch ein asiatischer Schauspieler, der dem Maestro ähnlich sah und unter Namen wie "Bruce Li, Bruce Leigh, Bruce Lie" agierte. Da man so etwas in Deutschland nie so genau nahm, so lange man Geld mit einem bekannten Namen machen konnte, schrieb man meistens "Bruce Lee" aufs Cover und somit entstanden unzählige dieser Nachahmer, wohinter meistens ein billiger Actionfilm aus Hong Kong steckte.

Obwohl die Filme von Bruce Lee eher auf seichte Unterhaltung ausgelegt waren, so profitierten besonders die 3 Produktionen aus Hong Kong (The Big Boss, Fist of Fury, Way of the Dragon) von Lee's Präsenz und seiner Performance als Kampfsportler. Die Geschichten kamen nie über den Plot eines Bud Spencer und Terence Hill Filmes hinaus, doch genau darin lag der Charme. Alle warteten auf fliegende Fäuste und messerscharfe Tritte. Lee spielte meistens den zurückhaltenden Protagonist, der durch einen Schwur daran gebunden war, seine enorme Kampfkraft nicht zu benutzen. Jeder Film steuerte also auf den Höhepunkt zu, wo Bruce Lee's Charakter endlich die Fäuste sprechen ließ. Die gut choreografierten Kampfszenen fanden damals ihren Höhepunkt in "Way of the Dragon", wo sich Lee gegen einen schweigsamen Chuck Norris im Kolosseum einen Kampf auf Leben und Tod lieferte.

Ein vierter Film aus der Hong Kong Ära von Lee sollte 1972 folgen. Ein Film, wo Lee erstmals persönlich auf dem Regiestuhl platz nahm mit dem Ziel, den ultimativen Martial Arts Film zu erschaffen. Die Rede ist von Game of Death. In diesem Film sollte sich Lee als Hai Tien, ein Kampfsportler im Ruhestand, mit der koreanischen Unterwelt anlegen. Ziel der verbrecherischen Organisation war es, an einen besonderen Schatz zu gelangen, der in einer riesigen Pagode von den weltbesten Kampfsportlern gehütet wurde. Die koreanischen Verbrecher wollten dabei von Hai Tiens Kampfkünsten Gebrauch machen, der wiederum ablehnte. Als die Verbrecher Hai Tiens Geschwister kidnappten, wurde er dazu gezwungen, am tödlichen Spiel teilzunehmen.
Mitten während der Dreharbeiten bekam Lee jedoch das Angebot, an einem noch größerem Projekt mitzuwirken. Unter der Leitung von Warner Bros. mit namhaften Schauspielern und einem Budget,  welches Lee's bisherige Projekte maßlos in den Schatten stellte. Lee selbst würde bei diesem großen Projekt nicht nur Hauptdarsteller sein, er würde auch sämtliche Choreographien für die Kämpfe übernehmen. Das typische Angebot, was man nicht abschlagen kann. Lee nahm das Angebot an und Enter the Dragon (Der Mann mit der Todeskralle dt.) wurde nicht nur sein größter Film, er wurde auch einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1973 und gleichzeitig der letzte Spielfilm von Lee, der nur wenige Tage vor der Premiere des Films verstarb.

Lee wandte sich nach den Dreharbeiten zu Enter the Dragon wieder Game of Death zu. Rund 100 Minuten an Filmmaterial soll zu Game of Death existieren, das meiste davon sei jedoch in den Archiven der Filmproduktionsfirma Golden Harvest verloren gegangen. Ein Umstand, den viele Experten bis heute anzweifeln. Als 1978 der Film Game of Death anschließend für die Kinos angekündigt wurde, staunte man nicht schlecht.


Eines der zwei Double im Film


Der Tod von Bruce Lee lag bereits einige Jahre zurück und es war bekannt, dass das fertige Material nicht ausreichte, um daraus einen kompletten Spielfilm zu produzieren. Der Film, der am Ende entstanden ist, war so weit von Bruce Lee's wahrer Vision entfernt wie die Erde zum Mars. Winzige Bruchstücke des Plots wurden in das neue Script übernommen. Lee's Charakter Hai Tien wurde aus dem Script geschrieben und zu Billy Lo, einem aufstrebenden Schauspieler, umgebaut. Lee wurde von 2 Doubles verkörpert, die restlichen Szenen wurden nahezu dilettantisch zusammengesetzt aus Archivmaterial und Stock Footage aus vergangenen Filmen. In den 70ern gab es noch kein CGI um hier nachzuhelfen, doch die art und weise, wie man Lee hier doubelte, war selbst für damalige Verhältnisse amateurhaft und nah an der Grenze des guten Geschmacks (Szenen von Lee's tatsächlicher Beerdigung wurden hier ebenfalls verwendet). Als Regisseur setzte man hier Robert Clouse ein, der bereits bei Enter the Dragon Regie führte.

Am Ende landeten gerade einmal etwas über 10 Minuten aus dem echten Game of Death in dieser 1978 Version des Films. Man hätte nahezu problemlos Lee's Script übernehmen können und aus dem vorhanden Material mit besserer Tricktechnik hier ein wesentlich besseres Ergebnis abliefern können. Stattdessen entschied man sich bei Golden Harvest dazu, das letzte Andenken an Bruce Lee dafür zu verwenden, um eine Allegorie auf das Leben des verstorbenen Stars zu erschaffen, die auf eine recht penetrante art und weise das Filmgeschäft für Lee's Tod verantwortlich macht (und sich unter anderem deshalb bei vielen Fans die Theorie eingebürgert hat, dass Lee von gewissen Leuten vergiftet wurde).


Der Kopf aus Pappe ist eine der vielen Kuriositäten im Film


Warum ist dieser Film entstanden? Die Antwort hierauf ist relativ einfach. Vertraglich war Lee Golden Harvest mindestens noch einen weiteren Film schuldig. Verträge schützen vor dem Tod nicht und man konnte immer noch Lee's Frau dafür haften lassen, diesen Vertrag nicht mehr einhalten zu können. Woran liegt es aber, das dieser Film nicht in Vergessenheit geraten ist und von den Kritiken, Ausnahmen ausgenommen, nicht verrissen wurde? Zum einen hat Clouse hier zumindest handwerklich einen Film geschaffen, der für eine Hong Kong Produktion nicht billig wirkte. Auch die Choreografie der Kämpfe, die komplett unter der Leitung von Samo Hung stattfand, kann sich bis heute sehen lassen. Es ist aber auch die Kuriosität an sich, die dieser Film darstellt, wieso man sich an ihn erinnert. Spätestens seit der Dokumentation "A Warrior's Journey" weiß man, wie viel Material von Lee's ursprünglicher Vision noch existiert. Und trotzdem besitzt diese Version des Filmes eine durchaus gefestigte Fangemeinde. Wusste Bruce Lee wie man Baskettballer Kareem Abdul-Jabbar in einem Kampfsportfilm auftreten lässt, so wirkte Hugh O'Brian in der Version von 1978 in der Pagode des Todes wie ein Fremdkörper. Hier wurden namhafte Schauspieler verbraten, die zu keiner Zeit wirklich den Eindruck machten, als wüssten sie, wofür man sie angeheuert hat.

Tatsächlich lebt dieser Film davon, das er eine Kuriosität ist. Positiv hervorzuheben wäre hier noch die Performance von Colleen Camp, die mit "Will this be the song I'll be singing tomorrow" einen recht melancholischen Titelsong hinzusteuerte (komponiert von dem bekannten John Barry), der die Zuschauer durch den gesamten Film führt und gar nicht so deplatziert wirkt, wie man anfangs annehmen mag.


Der echte Bruce Lee im ikonischem Outfit


Die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Nichts auf einmal eine Version von Lee's Version von Game of Death in Spielfilmlänge auftaucht, ist vermutlich noch wesentlich geringer als die finale Langfassung zu Segio Leones "Es war einmal in Amerika". Der Film, der stattdessen im Jahr 1978 entstanden ist, ist wahrscheinlich von allen Lösungen die schlechteste gewesen, dennoch wird der Film durch den ein oder anderen Aspekt davor gerettet, eine Existenz als Gurke zu führen. Obwohl mehr als 5 Jahre nach Lee's Tod durch die Lande gezogen sind, wirkt der Film oftmals aber unprofessionell und gehetzt. Ob Szenen von der Beisetzung von Bruce Lee hier einen Mehrwert des Films geschaffen haben oder eher als geschmacklos anzusehen sind, dies bleibt jedem selbst überlassen. 
In Deutschland hat man seit 2011 2008* wieder die Gelegenheit dazu, öffentlich darüber zu diskutieren. Denn genau wie Lee's andere Hong Kong Filme ist Game of Death unzensiert nach Jahren auf dem Index in die Kaufhäuser und TV-Sender Deutschlands zurückgekehrt und nun ab 16 freigegeben.