Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Montag, 29. August 2011

1Q84: Ein Ausblick auf Band 3



Haruki Murakami 
1Q84 Band 3
Genre: Moderne Science-Fiction, Mystery, Drama, Liebesgeschichte, Krimi
Verlag: Dumont
Veröffentlichung: 12 Oktober 2011
Preis: 24 Euro



"Einsamkeit kann zu einer Säure werden, die den Menschen zerfrisst."


Die Preview enthält leichte Spoiler. Wer sich nichts von der Handlung vorweg nehmen lassen will, sollte nicht weiter lesen und auf den 12 Oktober warten.

Bald ist es 1 Jahr her als der Dumont Verlag die ersten beiden Bände von Haruki Murakami's großen Werk 1Q84 in einem Doppelband veröffentlicht hat. Am 12 Oktober 2011 hat das warten nach dem fiesen Cliffhanger aus Band 2 endlich ein Ende. Vorab hatte ich bereits die Möglichkeit einmal zu kosten und habe mir gleich zwei Kapitel des über 500 Seiten langen Werks durchgelesen. Und ich musste mich zügeln nicht gleich alle 101 Vorab Seiten zu lesen.

Die Handlung knüpft nahtlos ans Ende des zweiten Teils an. Vielleicht nicht direkt am Anfang, jedoch greift Murakami schnell die Ereignisse mit Aomame auf der Autobahn auf. Wie bereits in den letzten zwei Büchern erzählt Murakami in bester Lost Manier mehrere Handlungsstränge die alle miteinander verwoben sind. Und wieder dabei sind unsere Charaktere die wir so lieb gewonnen haben. Tengo, Aomame und Ushikawa. Bitte wer? Ushikawa? Die komische Gestalt aus Band 2? Richtig! Ushikawa kehrt in Band 3 zurück. Eine angenehme Überraschung. Murakami widmet ihm das komplette erste Kapitel. Und es scheint als würde der seltsame Ushikawa eine weitaus größere Rolle besitzen als angenommen. Ich habe immer wieder gehofft das dieser Charakter zurückkehren wird. Geglaubt habe ich daran jedoch nicht.
Und immer deutlicher werden dabei auch Ushikawas Absichten, oder besser gesagt, seine Rolle in dieser Geschichte. Selbstverständlich werde ich darüber an dieser Stelle nichts verraten.

Das zweite Kapitel widmet Murakami Aomame die sich immer noch in ihrem Apartment verschanzt hat um sich vor den fanatischen Vorreitern zu verstecken. Ihre persönliche Gesamtsituation veränderte sie jedoch als sie den einsamen Tengo sah, die Monde beobachtend. Fest hat sie sich vorgenommen ihn noch einmal zu treffen. Ihn zu berühren. Sich vergewissern das es kein Traum war. Sterben kann man ja danach immer noch.

Bereits als ich die ersten Seiten las fühlte ich mich als würde ich nach einer langen, anstrengenden Reise heimkehren. Haruki Murakami schreibt so locker das einem die Wörter die man liest praktisch wie zarte Schokolade im Munde zergehen. Er behält seinen Stil bei den er schon in den letzten zwei Bänden präsentierte. Ein bisschen erinnerte mich die Eröffnung sogar an einen Krimi.
Bisher liest es sich so als würde Murakami die Teile des Puzzles mühelos zusammensetzen. Auch ich muss mich natürlich hüten nicht alle Vorab Seiten zu lesen. Diesen Freude will ich mir natürlich für Oktober aufheben.

Ab dem ersten Oktober startet der Dumont erneut ein Leseprojekt (die Seite des Tages) auf Facebook an dem alle Fans des japanischen Autors teilnehmen können und die Möglichkeit haben gemeinsam mit anderen Murakami Verehrern diskutieren zu können.


Wer jetzt bereits hungrig auf das Buch ist wird natürlich mit den Seiten des Tages bestens Bedient sein. Viel Spaß.

Mittwoch, 24. August 2011

Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten








Autor: Kazuo Ishiguro
Originaltitel: Never let me go
Erscheinungsjahr: Großbritannien 2005
Deutscher Verlag: Karl Blessing Verlag (Hardcover), btb (Taschenbuch)
Übersetzung aus dem Englischen: Barbara Schaden
Genre: Moderne Science Fiction, Coming of age, Drama




"Vor ein paar Tagen führte ich ein Gespräch mit einem meiner Spender, der sich beklagte, wie überraschend schnell die Erinnerungen aus dem Gedächtnis verschwinden, sogar die kostbarsten.
Das kann ich nicht bestätigen. Ich wüsste nicht, wie die Erinnerungen, die mir die liebsten sind, je verblassen sollten. Ich habe Ruth verloren, dann habe ich Tommy verloren, aber meine Erinnerungen an sie werden für immer bleiben.
Verloren habe ich wohl auch Hailsham. Man hört zwar noch gelegentlich, dass irgendein ehemaliger Hailshammer es zu finden versucht - oder vielmehr den Ort, an dem es einmal war. Hin und wieder kommen einem auch Gerüchte zu Ohren, was aus Hailsham geworden sei - ein Hotel, eine Schule, eine Ruine. Ich persönlich habe nie versucht, es zu finden, obwohl ich ständig kreuz und quer über Land fahre. Ich muss wirklich nicht unbedingt wissen, wie es jetzt dort aussieht." - Kathy H.


"Alles, was wir geben mussten". Was kann man sich unter solch einem Titel vorstellen? Geschweige, was wird man wohl von dem Originaltitel "Never let me go" erwarten können? Eine Geschichte über eine Familie die all Ihr Hab und Gut verpfänden mussten? Eine kitschige Liebesgeschichte über ein Pärchen was am Ende der Geschichte endlich zueinander findet? Alles falsch. Auch wenn der deutsche Titel sich komplett von dem englischen unterscheidet, so finde ich ihn dennoch charmant. Und vielleicht sogar etwas besser als den Originaltitel. Doch ähnlich wie bei der Übersetzung des Titels des  Haruki Murakami Romans  "Naokos Lächeln", wird der Inhalt etwas Zweck entfremdet. Denn wie bereits "Norwegian Wood", ein fantastischer Song der Beatles, ist auch "Never Let Me Go" ein Song der den Leser die gesamte Zeit über durch die Geschichte begleitet. Hier handelt es sich allerdings um einen fiktiven Song, gesungen von der ebenso fiktiven Sängerin Judy Bridgewater.

Von vielen Kritikern wird Alles, was wir geben mussten als einer der herausragendsten Romane seit der Jahrtausendwende bezeichnet. Ishiguro zeichnet eine pessimistische Zukunftsvision. Allerdings gibt es hier keine Raumschiffe oder Außerirdische. Die Geschichte spielt in einer modernen Zeit. Sie könnte sogar jetzt in diesem Moment spielen. Im ersten Teil des Romans wird noch gar nicht klar worauf der Japaner eigentlich hinaus will. Haben wir es etwa mit einer typischen Geschichte des Erwachsenwerdens zu tun? Hätte ich nicht bereits vorher gewusst welche Richtung die Geschichte einschlagen wird, hätte ich genau diese Vermutung gehabt. Allerdings sollte alles anders kommen. Und das Endergebnis ist eine hoffnungslose wie düstere und gleichzeitig auch todtraurige Zukunft. Es gibt keinen Ausweg aus dieser Zukunft. Und all dies hat mich nicht nur beinahe zu Tränen gerührt, auch hat mich all das sehr nachdenklich gestimmt. Alles, was wir geben mussten ist ein herausragendes Werk. Und es bereichert die englische Literatur in allen Hinsichten.

Die Geschichte wird erzählt von der einunddreißig Jahre alten Ich-Erzählerin Ruth H.
Diese arbeitet seit beinahe zwölf Jahren als Betreuerin für ehemalige Kollegiaten aus ihrem alten Internat.
In 8 Monaten, so sagt sie, werde auch sie zur Spenderin werden. Dann könne sie all das hinter sich lassen und endlich mit allem Frieden schließen. Kathy beginnt ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählt sie den "normalen" Menschen. Der Gesellschaft von der sie nie ein Teil war. Ein letztes mal resümiert sie über ihr komplettes Leben. Von ihrer Zeit als Schülerin auf dem Hailsham Internat, über ihre Zeit in einer Wohngemeinschaft mit ihren besten Freunden bis hin zu der Zeit wo sie als Betreuerin das ganze Land bereiste. Schon bald wird auch Kathy Spenderin sein. Und auch sie wird abschließen.

Beinahe könnte man meinen Autor Kazuo Ishiguro sei tatsächlich eine Frau. So gefühlvoll und einfühlsam schlüpft er in die Rolle seiner Protagonistin. Diese erzählt beinahe nüchtern und als wäre es das gängigste in der Welt von ihren Ereignissen die sie in den letzten einunddreißig Jahren erlebt hat. Schon immer stellten sich Kathy und ihr Kumpel Tommy viele Fragen über die geheimnisvolle Einrichtung Hailsham. Wieso werden die eigentlichen Lehrer Betreuer genannt? Was hat es mit der seltsamen Galerie auf sich wofür Madame die ganzen kunstvollen Arbeiten der Schüler einsammelt? Und wieso verhält sich Miss Lucy eigentlich immer so seltsam und redet immer davon das die Kollegiaten die Wahrheit über ihre Bestimmung erfahren sollten? Viele seltsame Dinge geschehen in Hailsham. Doch ist man im Teenager Alter, scheint dies doch das unwichtigste der Welt zu sein. Immerhin gibt es die alltäglichen Sorgen die man so hat, seine Interessen und die Liebe. Wen interessiert da schon was die Erwachsenen vor einem verheimlichen? Doch die Welt sieht anders aus. Hinter den Toren von Hailsham wartet auf Kathy, Ruth und Tommy nur der unausweichliche Tod. Und sie können rein gar nichts daran ändern.

Ich will nicht all zu viel über den weiteren Verlauf der Handlung verraten. Einiges davon wird einem bereits direkt auf den ersten Seiten erklärt. Später wird man den bizarren Twist sogar selbst erahnen können. Doch bereits auf diesen ersten Seiten spürt man das dieser Geschichte etwas ganz besonderes anhaftet. Obwohl Erzählerin Kathy teilweise über völlig belanglose Dinge aus ihrer Kindheit schreibt, weiß man ganz genau, das wird noch alles irgendwie wichtig werden für den weiteren Verlauf der Geschichte. Und in der Tat, einiges bleibt bedeutungslos von dem was Kathy erzählt. Allerdings dienen all diese Passagen dazu das wir uns noch mehr den Charakteren anvertrauen, sie zu schätzen wissen, ihre Probleme nachvollziehen können. Das erschreckende an Ishiguros Dystopia ist einfach wie Realitätsnahe das ganze Szenario doch ist. Doch der bloße Gedanke an solch eine Zukunft lässt mich erschaudern.

Aufgeteilt ist der Roman in 3 Abschnitten. jeder Abschnitt stellt dabei einen Lebensabschnitt der Protagonisten dar. Immer unausweichlicher wird das Schicksal der jungen Leute. Und irgendwann akzeptieren sie ihr Schicksal. Immer dabei ist irgendwie dieser Song, Never let me go. Da der Song rein fiktiv ist (zumindest war er das vor der Verfilmung), ließ er nicht nur von seinem Text her viele Interpretationen zu. Auch der Leser selbst dürfte sich seine komplett eigene Version während des Lesens komponiert haben. Wie ein Reisebegleiter folgt uns dieses Musikstück. Einfach beeindruckend wie präsent etwas sein kann was gar nicht existiert.

Ishiguros Roman punktet in jeder Hinsicht. Das Ende jedoch lässt einen etwas verlassen zurück. Ich halte es in Ehren das Ishiguro nicht weiter auf die Gesellschaft eingeht. Nichts weiter über mögliche Folgen schreibt die einen erwarten wenn man sich den "Spenden" widersetzt. Doch die letzten Zeilen kamen mir eher vor als wollte Kazuo Ishiguro es einfach nur beenden. Als hätten ihn all die vergangenen Zeilen so sehr erschöpft wie Kathy H. die vielen Reisen die sich auf sich nehmen mussten. Vielleicht ist es weniger eine Kritik als viel mehr ein Aufschrei von mir, dem Leser, welcher sich nur schwer von den Personen verabschieden konnte die er während der Geschichte kennenlernte. Noch ringe ich mit meinen Gefühlen. In jedem Fall aber bin ich doch etwas betrübt das ich diesen Roman nun ausgelesen habe.

Alles, was wir geben mussten ist eine Geschichte über Träume, Hoffnung und Einsamkeit. Kazuo Ishiguro schafft es meisterhaft den Leser in die Geschichte zu integrieren als ob dieser Teil jener Welt wäre. Schon nach wenigen Abschnitten spürt man das dieser Roman einen am Ende traurig stimmen wird. Dem System gibt es kein Entkommen. Es ist aussichtslos. Kathy schreibt ihre Geschichte nieder, damit wir einen Einblick von einer Welt bekommen die uns ewig verwehrt bleiben wird (und ich ehrlich gesagt nicht scharf darauf bin, diese kennenzulernen). Zerplatzte Träume sind ein geringer Preis dafür wenn man weiß das man ein langes und erfülltes Leben führen darf. Kathy und ihre Freunde mussten alles geben. Alles was sie je besaßen. Ihnen wird nichts bleiben. Bis auf ihre Erinnerungen. Noch immer ganz gerührt kann ich nur noch schreiben das ich restlos begeistert bin von Kazuo Ishiguros faszinierendem Roman. Eine Pflichtlektüre der modernen Literatur.


Wertung: Fünf Dante (Sehr gut)



Never let me go: Judy Bridgewater

Sonntag, 14. August 2011

Im Blickfeld: Afro Samurai






Afro Samurai (アフロサムライ Afuro Samurai)

Schöpfer: Takashi Okazaki
Originale Publikation: September 1999 bis Oktober 2000 (Nou Nou Hau Magazine)
Remake: 2008 bis 2009 (2 Volumes)
Genre: Seinen, Chanbara, Science-Fiction, Avant-Garde, Drama
Deutscher Verlag: Carlsen Manga


"Afro Samurai ist mein Lebenswerk", ein Originalzitat von Takashi Okazaki auf der AnimagiC 2011. Ich rezensiere eigentlich keine Manga (weil es nicht so ganz zu meinem Blog-Konzept passt), aber ich will zumindest Afro Samurai einen Eintrag widmen. Denn seit beinahe 4 Jahren fasziniert mich die blutrünstige Vendetta.


Schon zwei Male traf ich den charismatischen Zeichner Takashi Okazaki in Bonn auf der Anime Convention AnimagiC (2008 und 2011). Okazaki macht alles ein bisschen anders. Der gelernte Bildhauer (er schloss mit einem Bachelor an der Universität ab) war schon immer fasziniert von der amerikanischen Kultur. Von den Comics, von Black Music und einfach der gesamten Kultur. Eher eine Seltenheit bei Japanern, aber alleine steht Okazaki-San nicht dar. Auch Schriftsteller Haruki Murakami ist ja bekanntlich ein großer Anhänger der amerikanischen Kultur.


AnimagiC 2008


Die Story um den afro-amerikanischen Samurai begann um die Jahrtausendwende als Doujin im avantgardistischen Manga Magazin Nou Nou Hau welches Okazaki mit einigen Freunden gründete.
Der Doujin unterscheidet sich jedoch drastisch von dem Afro Samurai der zwischen 2007 in einer 5 teiligen Anime-OVA das Licht der Welt erblickte. Okazakis großer Traum wurde wahr als er nach vielen Misserfolgen endlich einen Produzenten für sein Projekt fand. Der von diesem Projekt begeisterte Samuel L. Jackson fungierte nicht nur als Produzent, sondern er lieh Afro Samurai und dem Ninja auch seine Stimme. Animiert wurde die OVA vom Studio Gonzo unter der Regie von Fuminori Kizaki. Das gleiche Team entwickelte auch die Fortsetzung Afro Samurai Resurrection. Dabei war es für das Team unglaublich schwierig Okazakis Zeichnungen gerecht zu werden. Und auch wenn der Anime einfach fabelhaft aussieht, an das grandiose Artwork von Takashi Okazaki gelangte das Team um Zeichner und Regisseur Fuminori Kizakai (Ehrengast AnimagiC 2009) nicht ganz ran. Im Abspann einer jeden Episode sind dafür aber originale Artworks Okazakis zu bewundern.


Nach dem überraschendem Erfolg des ersten Teils im Westen entschied sich Okazaki dafür den Manga neu aufzulegen. In zwei Bänden gibt es eine Neuerzählung der Originalgeschichte. Ich stellte bei der Panel Discussion auf der AnimagiC 2011 die Frage, wieso der Manga sich so weit von dem Anime entfernt. Der fehlende Humor. Ein wesentlich skrupelloserer Afro Samurai und eine an sich wesentlich ernstere Grundstimmung. Okazaki antwortete darauf das viele seiner Ideen es nie in die Animation geschafft haben. Man sah für den Film ein anderes Konzept vor. Der Ninja bekam eine größere Rolle, und man entschied sich dafür der Geschichte mehr Humor zu verleihen. Okazakis Vision hingegen ist dafür wesentlich tiefgründiger und melancholischer. Er beteuerte noch einmal ganz deutlich das der Manga seine bevorzugte Variante ist. Schwierig wird nun aber in welche Zeitlinie man Anime und Manga einteilen kann. Handelt es sich lediglich um Paralleluniversen die die Geschichte unabhängig neu voneinander erzählen? Oder wird Okazaki (der auch für das Charakterdesign in den Filmen zuständig ist) beide Welten miteinander verknüpfen? Die gute Nachricht ist jedoch das der Sensei schon bald einen dritten Band nachreichen will, hat der zweite doch ein sehr offenes Ende.




Schon lange konnten mich Zeichnungen nicht mehr so begeistern. Ich genoss jede Seite der beiden Manga Bände. Die Mischung aus Schwarz-Weiß und Rot verleiht Afro Samurai einen ganz besonderen Stil. Ein bisschen wirken die Zeichnungen manchmal wie Skizzen. Natürlich wurde jedes Panel hoch professionell angefertigt. Die Zeichnungen kommen dabei viel mehr einem amerikanischen Comic gleich. Dieser amerikanische Comic wurde anschließend mit Manga Elementen versehen. Es ist ein sehr eigenwilliger Stil und lässt sich wie das Genre nicht wirklich zuordnen. Jedoch ist Afro Samurai ein waschechter Seinen Manga. Blut spritzt, Körperteile fliegen und es wird bis zum abwinken geflucht. Im Gegensatz zum Anime setzt Okazaki aber weniger auf vollbusige Frauen und Sex. Im Gegenteil. Im zweiten Teil gibt es sogar eine sehr stilvoll in Szene gesetzte Kussszene zwischen Afro und Ozuro (zweitere unterscheidet sich völlig von ihrem Pendant im Anime). Afugebaut ist der Manga durch den klassischen Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden. Im Hauptfokus steht dabei jedoch immer die Geschichte von Afro Samurai der seit seiner Kindheit versucht seinen Vater zu rächen.


Der Manga fixiert sich mehr auf die Geschichte, während der Anime optisch mit beeindruckenden Animationen und einem grandiosen Soundtrack begeistert. Es ist schwer eine Variante zu bevorzugen. Jedoch mag auch ich die düstere Stimmung im Manga etwas mehr. Was beide Versionen jedoch gemein haben ist ein ganz großes Thema: Star Wars!




Bereits 2008 erwähnte Okazaki das Afro Samurai eine Hommage an Star Wars sei. Die Parallelen sind dabei unschwer zu erkennen, egal ob im Manga oder in der Anime Variante. Es gibt ein Wiedersehen mit Ki-Adi-Mundi  und einer Teddybär Version von Darth Vader. Jedi-Ritter werden als Samurai dargestellt deren Lichtschwerter nun Katanas sind und Yoda scheint nun ein farbiger Ninja zu sein. Eine verrückte Welt die Okazaki da geschaffen hat. Star Wars Fans werden aber etliche Gemeinsamkeiten auffallen.



Wie genau der blutige Weg von Afro Samurai enden wird weiß wohl nur Okazaki Sensei selbst. Da es anscheinend keine Chronologie in den jeweiligen Abenteuern gibt, ist es schwer die Geschichten zuzuordnen. Ich werde aber auch weiterhin dieses abstrakte Werk mit großem Interesse verfolgen. Takashi Okazaki ist ein grandioser Künstler und ich wünsche ihm weiterhin das Beste für seine Karriere.



Wertung: 5 Dante (Sehr Gut)


Soundtrack: The RZA featuring Thea "Fury in my Eyes (Revenge)"

Mittwoch, 3. August 2011

Montag, 1. August 2011

AnimagiC 2011: Gantz Part 1: Next Level oder Game Over?


Japan 2010
Originalvorlage: Hiroya Oku
Regie: Shinsuke Sato
Darsteller: Kenichi Matsuyama, Kazunari Ninomiya, Takayuki Yamada, Ayako Yoshitani, Natsuna, Yuriko Yoshitaka, Tomorowo Taguchi, Kanata Hongo
Laufzeit: Circa 125 Minuten (Mit Abspann)
Genre: Science Fiction, Horror
Deutscher Verleih: Sunfilm
Veröffentlichung: 11.08.2011 (Verleih), 22.09.2011 (Verkauf)
Freigabe: FSK 16 (Ungeschnitten)


Trailer:



Falls nun jemand dieses Review liest der von Gantz noch nie etwas gehört hat sollte diese Zeile aufrichtig lesen. Ich habe damit aufgehört Gantz zu erklären. Den Inhalt wiederzugeben. Dieser ist so konfus und kompliziert, das ich erst gar nicht damit anfangen will nun eine Inhaltsangabe zu verfassen. Man muss etwas mutig sein um sich auf Gantz einzulassen, also wenn euch das folgende Review auch nur etwas zusagt, dann solltet ihr versuchen es mit Gantz aufzunehmen.

Wenn man sich an so etwas spezielles wie Gantz wagt darf man bereits im Vorfeld keine Versprechungen von sich geben die man am Ende gar nicht halten kann. Und um so etwas zu vermeiden haben die Verantwortlichen auch gleich gesagt das man nicht nur die Gewalt zurückschrauben wird, sondern die Adaption auch etwas völlig eigenständiges darstellen soll.
Die Ansage scheint was gebracht zu haben. Teil 1 der zweiteiligen Live-Action Adaption von Gantz belegte nicht nur Platz 1 der japanischen Kinocharts, auch die Einspielergebnisse darüber hinaus konnten sich sehen lassen. Teil 2 kann also kommen.


Unter Fans genießt das Werk von Hiroya Oku längst Kulst-Status. Seit fast 11 Jahren läuft die Publikation des Manga bereits und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Die Saga ist in 3 Sektionen unterteilt. Das Original, Second Phase und Final Phase. Letztere wird, wie der Name schon sagt, das Finale einleiten.

Bekannt ist die Serie durch die teilweise extreme Darstellung von Gewalt, Galgenhumor und Sexzenen. Das Shinjuku Massaker dürfte jedoch aufgrund aktueller Anlässe keine allzu große Werbung für den Manga sein.

Gantz bringt bereits eine mehr oder weniger erfolgreiche Anime Adaption mit sich die in Zwei Staffeln veröffentlicht wurde. Bis zum Ende hält sich die Serie eigentlich ziemlich nah am Original. Leider wurde jedoch das komplette Ende umgeschrieben (logisch, weil es ja noch gar kein offizielles Ende gibt). So bleibt das Ende des Anime offen, umstritten und teilweise auch völlig banal.

Die Live-Action Verfilmung die 2010 gedreht wurde, und dieses Jahr in die Kinos kam macht es sich da etwas einfacher. Man greift zwar aus dem Manga als Vorlage zurück, kreiert aber etwas völlig eigenständiges. So kann man sagen das 50% des Filmes auf dem Manga basieren, die anderen 50% jedoch nach einem eigenständigen Drehbuch vorgehen. So handeln auch die Hauptcharaktere völlig anders als im Original. Auf der anderen Seite wurden Schauplätze dafür aber teilweise 1 zu 1 aus dem Manga übernommen. Und bis zu einem speziellen Abschnitt bekommt der Film das einfach meisterhaft hin. Die Umsetzung wirkt in keiner Szene trashig (wie es bei den meisten Live-Action Filmen üblich ist). Stattdessen wirkt die Szenerie düster und ernst. Der krude Humor bleibt da leider auf der Strecke. Was auch daran liegt das Hauptcharakter Kei Kurono (hier gespielt von dem überzeugendem Kazunari Ninomiya) völlig anders agiert als im Original. Sein Charakter ist nun wesentlich ernster und zurückgezogener.

Die Gewaltdarstellung wirkt zumindest in der ersten Hälfte noch ziemlich splattrig. Ich habe mich doch schon sehr darüber gewundert, sagten die Macher doch das man die Gewalt zurückfahren will. Letztendlich taten sie das auch. Jener Splatter aus der Mission mit den Lauch-Aliens ist auch das einzige mal das der Film auf grafische Effekte setzt. Danach bekommt man genau das zu sehen was man nun einmal in einem Film zu sehen bekommt der ab 16 Jahren freigegeben ist. Das ist dementsprechend enttäuschend weil die Stimmung in der großen AnimagiC Festhalle ziemlich ruhig geworden ist nachdem man keine drastischen Szenen mehr abfeiern konnte. Dies sollte den Eindruck aber nicht trüben (im Gegenteil, nach dem Abspann wurde sogar noch applaudiert). Dafür war ich von den Effekten jedoch ziemlich begeistert. Nehmen wir zum Vergleich die Adaption von Devilman. Devilman und Gantz trennen welten. Das Budget von über 20 Millionen Dollar hat sich bezahlbar gemacht und wurde an genau den richtigen Stellen benutzt.


Die Schauspieler haben mir eigentlich allesamt gut gefallen. Auch Heulsuse Kenichi Matsuyama der die Rolle des emotionalen Masaru Kato spielt hat mir erneut gefallen. Er ist wirklich ein ordentlicher Schauspieler, bin aber immer noch der Meinung das sein Hang zum berühmten japanischen Overacting einfach übertrieben ist.
Besonders gefreut hat mich der Auftritt von Tomorowo "The Iron Man" Taguchi. Heutzutage sieht man Taguchi nur noch selten, und wenn man ihn sieht, sind es meistens kleine Nebenrollen. In Gantz hat er eine sehr passable Screen-Time und man kann davon ausgehen ihn in Teil 2 wiederzusehen. Allgemein sind alle Charaktere ziemlich gut getroffen und weisen viel Ähnlichkeit mit ihren Manga-Vorbildern auf.

Leider muss ich aber sagen das die knapp 130 Minuten nicht immer optimal genutzt wurden. Man lässt sich sehr viel Zeit in manchen Szenen. In etlichen Szenen passiert nämlich überhaupt nichts. Als ob man den Film etwas strecken wollte. Nach einem super Start kann der Film dieses Niveau leider nicht mehr halten im späteren Verlauf. Das ist besonders schade da der Film eine ziemlich hohe Qualität aufweist. Wie auch schon bei anderen Live-Action Adaptionen wurde Potential verschwendet. Einige Zuschauer die nicht mit der Welt von Gantz vertraut sind dürften sogar verwirrt sein nachdem der Film endet. Man hält sich in der Adaption noch weiter mit Erklärungen zurück als im Original. Was vielleicht auch daran liegen mag das Nishi einen kleineren Auftritt hat als im Manga. Und ohne Nishi (ein Spieler der von der aktuellen Truppe am längsten dabei ist) gibt es auch umso weniger Hintergrund. Ziemlich schade, da wäre mehr drin gewesen und so beraubt sich der Film um seine eigenen Möglichkeiten.

Um die deutsche Veröffentlichung kümmert sich das Label Sunfilm. Auch wenn der Film bereits diesen Monat in die Videothek kommt, dort bleiben die Exklusivrechte vorerst. Denn wer den Film auf DVD und BluRay gerne kaufen möchte, der muss den 22 September anpeilen. Der Film kommt unzensiert mit einer FSK 16 Freigabe daher.
Die Synchronisation ist ordentlich. Etwas seltsam klingt dabei jedoch Hannes Maurer (ich glaube zumindest das er es ist) als Kei Kurono. Evangelion Fans dürften hier wohl Shinji Ikari vor sich haben.

Fazit:

Selbstverständlich gibt es am Ende einen fiesen Cliffhanger. Das macht Laune auf Teil 2. Die einzige Kritik die man dem Film vorwerfen kann ist das die Macher wohl nach der ersten Hälfte des Films ein wenig die Euphorie verloren haben. Trotzdem gehört Gantz für mich schon jetzt zu den wohl besten Live-Action Verfilmungen die es gibt. Und die Liste ist sogar recht klein. So gesellt sich Gantz direkt neben Oldboy und Ichi The Killer. Was hier aber noch möglich gewesen wäre ist unglaublich. Ich hoffe das all jenes Potenzial noch in die Fortsetzung gesteckt wird. Oder besser gesagt, gesteckt wurde, denn der Film scheint längst fertiggestellt zu sein.
Wer also auf außergewöhnliche Filmerlebnisse steht, der wird mit Gantz bestens bedient werden.


Wertung:


7,5 Punkte (Aufgewertet auf 8 Punkte auf der Skala)