Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Montag, 26. Oktober 2020

Meercast im Oktober: Das große Special zu "Die Chroniken des Aufziehvogels"

 




Blut, Schweiß und Tränen sind in diese Besprechung geflossen. In dieser Zeit hätte ich vor einigen Tagen bereits alles schriftlich hochladen können. Doch die Verkettung einiger unglücklicher Zufälle sind meine persönlichen Chroniken des Aufziehvogels. Angefangen von technischen Problemen bei der Aufnahme über eine komplette Löschung meiner gesamten Aufnahme bis hin zum Upload der Datei auf YouTube, was mich rund zwei Tage puren Nervenkitzel kostete.

All das natürlich für eine sehr spezielle Besprechung. "Die Chroniken des Aufziehvogels" sind in der Neuübersetzung von Ursula Gräfe am 13. Oktober beim DuMont Buchverlag erschienen und es gab einiges zu besprechen. Nicht minder kompliziert wie die Erstellung dieses Podcasts, so hat die deutsche Veröffentlichung eines der bekanntesten Werke von Haruki Murakami ebenfalls eine komplizierte Geschichte zu erzählen. Damit ist nicht der Inhalt der Geschichte gemeint, sondern die Veröffentlichung. Bereits 1998 ist eine gekürzte Übersetzung aus der englischen Adaption bei uns erschienen. Über 20 Jahre später geht ein Wunsch der Leser in Erfüllung: Der DuMont Buchverlag hat auf rund 1000 Seiten und übersetzt aus dem Japanischen eine ungekürzte Version als Hardcover veröffentlicht.

Obwohl ich mit meinen Video-Rezensionen zu der Gesamtausgabe von "Die Chroniken von Erdsee" sowie der Jubiläumsausgabe von dem "Herrn der Ringe" schon zwei Videobesprechungen (drei, wenn man "Hyrule Historia mitzählt) veröffentlicht habe, so sind "Die Chroniken des Aufziehvogels" die erste Video-Besprechung, die als "Meercast" hier auf dem Blog erscheint. Ich plane zwar nicht monatlich einen neuen Meercast, aber aufgrund der besseren Übersicht wird fortan jedes Video mit der Erwähnung des Monats versehen. Die Idee für diese neue Rubrik kam mir erst nach der Erstellung des Videos, weshalb es in der Besprechung selbst keine Erwähnung findet.

Und mit satten 42 Minuten hatte ich auch einiges zu erzählen. In der Welt der Podcasts ist dies natürlich noch eine sehr humane Zahl. Da ich aber möchte, dass sich jeder das anhören kann, was ihn interessiert, so ist das Video mit Zeitstempeln versehen und man kann zu den Themen navigieren, die man gerne hören möchte. Um diese Navigation in Anspruch nehmen zu können muss man das Video über YouTube schauen und die Videobeschreibung anklicken.

Leider ist das Video durch ein paar technische Probleme geplagt. Einige seltene abgehackte Stellen, ein gelegentliches Knacken und Lispeln tritt auf, was leider durch die neue Aufnahmesoftware entstanden ist. Die technischen Probleme sind vorab zu entschuldigen. 


Und damit genug der Worte, Film ab für den Meercast Oktober: Die Chroniken des Aufziehvogels


Freitag, 16. Oktober 2020

Gastrezension: Der dunkle Spiegel (Andrea Schacht)

 




Deutschland 2003

Der dunkle Spiegel
Autorin: Andrea Schacht
Verlag: Blanvalet
Format: Gebunden
Genre: Historischer Roman


Dieses Mal habe ich ein Buch dabei, das schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Ei wei, wie Almut sagen würde. Aber es müssen ja auch gar nicht immer die neuesten Werke sein, manchmal ist es gar nicht verkehrt, sich an ältere Bücher zu erinnern.

Dieses Buch begleitet mich schon sehr lange. Und es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass es sogar Einfluss auf einiges von dem, was ich in der Vergangenheit geschrieben habe, genommen hat. Ich habe es vor einigen Tagen wieder aus dem Regal gezogen, habe mir dann sogar das Hörbuch für meine häufigen langen Fahrten gekauft und das, obwohl ich eigentlich gar kein Fan von Hörbüchern bin. Und dann musste ich lesen, dass die Autorin bereits vor einigen Jahren verstorben ist, wodurch leider auch meine letzte Hoffnung darauf, dass sie mich noch ein weiteres Mal ins mittelalterliche Köln und in die Welt von Almut und Pater Ivo entführen würde, gestorben ist.

Doch der Reihenfolge nach. Die Geschichte der Begine Almut Bossart beginnt im Jahr 1376. Sie lebt mit einigen anderen Frauen im Konvent am Eigelstein. Almut ist keine typische Frau ihrer Zeit, die brav und züchtig den Kopf senkt und sich den Männern unterordnet. Vielmehr liebt sie das Leben als Begine, das ihr ein wenig mehr Freiheiten schenkt, sie ist belesen und relativ gebildet, als Tochter eines Baumeisters mauert sie eigenhändig einen Hühnerstall und sie hat eine scharfe Zunge, die sie so manches Mal in Schwierigkeiten bringt. Beispielsweise, wenn sie den Priester in der Kirche unterbricht und belehrt, da er ihrer Meinung nach die Bibel falsch auslegt. Unglücklicherweise fällt damit der Verdacht auf sie, den plötzlich ungenießbaren Messwein vergiftet zu haben.

Schnell allerdings wird deutlich, dass dies nicht alles ist. Im Hause eines angesehenen Weinhändlers kommt ein junger Mann zu Tode und kurz darauf gerät Almut unter Mordanklage durch den Weinhändler, da sie selbst dem jungen Mann zuvor Medizin gebracht hatte und er sich zuvor auf dem Wege der Besserung zu befinden schien. Kurzerhand macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Mörder, denn dass es Mord war, ist auch für sie eindeutig.

Dabei wird noch jemand auf sie aufmerksam: der Benediktiner Pater Ivo von Groß Sankt Martin, ein strenger, intelligenter und vor allem gefährlicher Mann. Langsam fasst Almut Vertrauen und glaubt daran, dass er von ihrer Unschuld am Tod des jungen Mannes überzeugt ist und ihr aufrichtig helfen möchte, den Mord aufzuklären. Doch als der Inquisitor Bruder Johannes Almut des Mordes anklagt, fordert Pater Ivo ein Gottesurteil. Nackt muss Almut vor der gesamten Kirchengemeinde den Leichnam umrunden, ihn küssen und seinen Namen rufen. Erschüttert weiß sie nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen darf.

Nun, ich denke nicht, dass es ein Spoiler ist, wenn ich an dieser Stelle bereits sage, dass Pater Ivo Almut aufrichtig helfen wird. Und dass er dieses Gottesurteil nur forderte, um sie vor der Folter zu bewahren. Bruder Johannes dagegen ist von der Kraft des Gottesurteils überzeugt und somit ist es das einzig wirksame Mittel, ihn von der Unschuld Almuts zu überzeugen.

„Der dunkle Spiegel“ ist ein starkes Buch. Passend und spannend verwebt Andrea Schacht Krimi und Historienroman und schafft dabei faszinierende Persönlichkeiten: die graue Begine Almut und der schwarze Mönch Ivo, die gegensätzlicher kaum sein könnten und sich doch so sehr gleichen, die taubstumme Trine, ein Mädchen im Konvent der Beginen, Aziza, die maurische Hure, der Päckelchesträger Pitter, und so viele mehr. Der Humor kommt hierbei auch nicht zu kurz, vor allem, wenn Almut und Pater Ivo sich Bibelzitate um die Ohren hauen und sie dabei auf ihre ganz eigene Art auslegen.


Abschließende Gedanken

Insgesamt ist das Buch sehr authentisch, die historischen Gegebenheiten stimmen im Großen und Ganzen. Die Figuren dagegen sind vielleicht ein wenig zu sehr aus „unserer“ Zeit heute; sie sind sehr fortschrittlich, tolerant. Andererseits glaube ich, dass es anders auch nicht funktionieren würde. Abgesehen davon, dass sie allesamt tolle Persönlichkeiten sind, haben sie Tiefe, Charakter, Stärken aber auch Fehler und Schwächen. Und sie tragen ihre Geheimnisse mit sich herum, die sie manchmal sogar über einige Bände der Reihe hinweg hüten. Für mich wurden diese Persönlichkeiten manchmal sogar fast real.

Der Sprachstil ist flüssig und leicht zu lesen. Einige altbackene Redewendungen stören nicht, sondern lockern sogar eher auf und rufen in Erinnerung zurück, dass wir uns immer noch im Mittelalter befinden. Auch wenn man einige Sätze in der Gossensprache des Päckelchesträgers Pitter mehrfach lesen muss, um sie zu verstehen.

Somit ist mit „Der dunkle Spiegel“ ein wahnsinnig starker Auftakt der Reihe gelungen. Das Buch ist spannend, überraschend und einfach nur gut. Der Schalk blitzt immer mal wieder zwischen den Zeilen hervor – so legt Pater Ivo Almut als Buße auf, keine süßen Wecken mehr in der Kirche zu essen, nachdem er sie zu anderer Gelegenheit einmal dabei erwischt hatte  - aber zugleich strahlt es eine Tiefe und … Würde, ja, ich denke, dieses Wort ist angemessen, aus. Ich liebe das Buch, ich liebe die graue Begine und den schwarzen Pater und das sogar so sehr, dass ich nicht imstande bin, die hierauf folgende Reihe zu lesen, in der wir den einen oder anderen Bekannten aus dieser Reihe wiedertreffen werden, allerdings um einige Jahrzehnte gealtert und als Randfigur. Für mich sollen sie alle so bleiben, wie Andrea Schacht sie hier ins Leben rief. Jeder, der auch nur Krimis oder historische Romane gerne liest, sollte zu diesem Buch greifen. Und denjenigen, für die es vielleicht noch Neuland ist, sei es als ein spannender Beginn oder auch nur ein Abstecher im Bereich des historischen Krimis empfohlen.

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Gastrezensentin: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Donnerstag, 4. Juni 2020

"50" von Hideo Yokoyama ab sofort erhältlich





Autor: Hideo Yokoyama
Verlag: Atrium Verlag
Hardcover, 368 Seiten
Übersetzung: Nora Bartels
Preis: 22 Euro (Hardcover), 17,99 Euro (eBook)
Genre: Kriminalroman
Veröffentlichung: 22.05.2020


Hideo Yokoyama ist seit seinem grandiosen "64" auch in Deutschland bekannt. Nicht nur Fans japanischer Literatur sondern allen voran auch Fans von Krimis kommen bei den Geschichten des ehemaligen Journalisten auf ihre Kosten. Wobei die Romane von Hideo Yokoyama nicht einfach in das Krimi-Genre passen, da sein Themenbereich noch wesentlich mehr abdeckt. Jetzt hat man als Verlag bei dem 63 jährigen Japaner nicht zwanghaft die Qual der Wahl da die Titelauswahl des Autors nicht aus allen Nähten platzt. Wie viele andere japanische Autoren ist Hideo Yokoyama mit großen Romanen und Kurzgeschichten vertraut und wechselt sich zwischen den beiden Stilen der Belletristik gerne mal ab.

In Deutschland nahm sich 2018 der Atrium Verlag (der wiederum Teil von BücherWege ist) dem Autor an und veröffentlichte Yokoyamas wohl bekanntestes Werk "64" in deutscher Erstausgabe als Hardcover. Obwohl ich Aufmachung und auch die deutsche Übersetzung als durchaus gelungen finde, haftet dem Roman bei seinem Preispunkt von 28 Euro jedoch an, lediglich eine Übersetzung aus der bereits vorhandenen englischen  Fassung zu sein (deutsche Übersetzung von Sabine Roth, sowohl bei "64" als auch bei "2"). Bei der Veröffentlichung der Anthologie "2" aus dem Jahr 2019 wurde es dann noch kurioser. Nicht nur übersetzte man hier erneut aus der vorhandenen englischen Fassung (die auf den Titel "Prefecture D" hört), laut den Infos die ich erhalten habe fehlen hier anscheinend sogar zwei komplette Geschichten aus diesem Band. Da ich diese Ausgabe nie selbst in den Händen gehalten habe und lediglich die englische Ausgabe besitze, kann ich dazu jedoch nichts relevantes sagen, was die Verwirrung rund um diese deutsche Ausgabe aufklären könnte.

Bereits im April sollte die nächste deutsche Erstausgabe von Hideo Yokoyama beim Atrium Verlag anstehen. Diesmal wieder ein längerer Roman. Vermutlich aufgrund der Pandemie wurde der Roman auf den 22.05.2020 verschoben. Zumindest war dies die Zeit, wo Amazon mein vorbestelltes Exemplar verschickt hat. Man bleibt den Zahlen treu und nennt die neue Übersetzung "50", die, vergleicht man sie mit dem Originaltitel "Han'ochi", gar nicht so abwegig ist als man vielleicht denken mag (hier will ich aber nun nicht spoilern). Das interessante bei der Wahl des Titels (der in Japan bereits 2002 erschienen ist und 2004 sehr erfolgreich verfilmt wurde), es existiert aktuell noch keine englische Übersetzung. Wer der Sache nicht traut, der Spiegel berichtete schon vor einigen Tagen, man habe die deutschen Ausgabe endlich direkt aus dem Japanischen übersetzen lassen (in diesem Falle von Nora Bartels). Was mich natürlich enorm freut. Auch preislich ist der Roman mit seinen etwas über 300 Seiten somit absolut im Rahmen.

Über den Inhalt werde ich hier an dieser Stelle absolut nichts verraten, denn nach mittlerweile zwei Romanen bin ich der Meinung, dass man sich, sofern man tiefgründigere Kriminalromane (die keine Gewaltpornos sind) mag, sich hier ruhig ungewiss ins Abenteuer stürzen kann. Allerdings reicht ein Blick auf die Homepage des Verlags oder aber auf Amazon zum Beispiel, um seine Neugier zu befriedigen.

Bleibt sehr zu hoffen, dass der Atrium Verlag weitere Werke des Autors veröffentlicht. Gerne auch wieder Kurzgeschichten sofern vollzählig sowie weitere Übersetzungen aus dem japanischen Original. Es sind keine utopischen Ansprüche die ich als Leser habe, aber natürlich sollte man als Fan weiter mit realistischen Erwartungen an die Sache gehen. Neben "Prefecture D" ist in englischer Übersetzung ein weiterer sehr gelungener Roman von Hideo Yokoyama verfügbar, der ganz simpel auf den Titel "Seventeen" hört und auf den man durchaus kostengünstiger zurückgreifen könnte als auf einen Titel, den es noch nicht als englische Übersetzung gibt. Man könnte aber auch Yokoyamas neusten Roman "North Light" bringen :)

Fans des Autors sollten gespannt sein, sofern sich der Verlag treu bleibt, jährlich einen neuen Roman übersetzen zu lassen.

Montag, 6. April 2020

Gastrezension: Lumera Expedition: War (Jona Sheffield)





Deutschland 2020

Lumera Expedition: War
Autorin: Jona Sheffield
Verlag: Selbstverlag
Format: eBook, gebundene Ausgabe
Genre: Science-Fiction



Mit „Lumera Expedition: War“ nimmt Jona Sheffield uns erneut mit in eine Zukunft, in der die Erde durch den Klimawandel unwirtlich geworden und der Planet Lumera die Hoffnung der überlebenden Menschheit ist.
Ich habe lange voller Spannung auf diese Fortsetzung gewartet und als ich das Buch endlich in der Hand halten durfte, hat mich das Cover schon umgehauen. Ja, gut, das ist fast (ja, nur fast, denn das Gestirn hinter dem Planeten scheint sich ein wenig mehr hinter ihm hervorgeschoben zu haben) das gleiche wie das vom ersten Band, das mich damals auch direkt gefangen hatte – ich finde es übrigens schön, wenn Buchreihen auch beim Cover einer Linie treu bleiben, das macht sich sehr gut im Regal – nur eben in Rot, aber dieses Rot hat es in sich. Und nun gerate ich ins Schwärmen, ehe das Buch überhaupt aufgeschlagen wurde. Dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen soll, gilt in beide Richtungen, ein schlechtes Cover muss kein schlechtes Buch beinhalten und umgekehrt.
Also schauen wir mal. Bereits der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt, dass wir viele alte Bekannte, wie Julia, John und Peter, wiedertreffen werden, wir allerdings auch die Ereignisse aus der Sicht anderer Beteiligter, wie etwa Elias Fox, erfahren werden.

Vom Prolog werden wir direkt mitten ins Geschehen zu John auf einen Kriegsschauplatz katapultiert. Der Titel macht also schon einmal keine falschen Versprechungen. Und wie es schon im ersten Band mit Julia war, ist auch hier unklar, ob dieses Mal John überlebt. Und da spannt Jona Sheffield uns auch erstmal auf die Folter, denn das erste Kapitel beginnt ein paar Monate zuvor. Ich empfehle übrigens dringend, immer auf die Zeitangaben am Kapitelbeginn zu schauen, das spart viel Verwirrung. Nein, ich rede natürlich nicht aus Erfahrung, ich war natürlich nicht so scharf auf das Buch, dass ich es erstmal in einem Zug weginhaliert und dieses kleine Detail in den ersten Kapiteln außer Acht gelassen habe, ehe ich es noch mal in Ruhe las, um euch diese Rezension verfassen zu können. Keine Ahnung, wer auf solche Ideen kommt!
Schnell wird klar, dass die Kolonie auf Lumera inzwischen zu einer kleinen Stadt herangewachsen ist, auch wenn noch immer nicht alle Archen mit Überlebenden angekommen sind. Auch die politischen Machtverhältnisse verschieben sich, als der Ausnahmezustand beendet wird und der Julia und den Anderen offenbar leicht gewogene General James Lenoir die politische Macht in die Hände des radikaleren und weniger gemäßigten Elias Fox legt.
Währenddessen haben Julia, John und die Anderen Zuflucht in Dumras bei den Kidj’Dan gefunden. Dies sind die Aliens, in deren Heimat sie am Ende des ersten Bandes gestolpert waren. Diese vertrauen den Fremden zwar auch nach mehreren Monaten nicht vollends, haben ihnen aber Unterschlupf gewährt. Offenbar sind sie die Ureinwohner Lumeras, insektenartig, aber telepathisch höher entwickelt. Doch es wäre zu einfach, wenn es nur das wäre, das genügt einer Jona Sheffield nicht und wäre auch nicht das, was ich von dieser Autorin nach dem starken ersten Band erwarten würde, und so lässt sie uns hier schnell erkennen, dass auch bei den Kidj’Dan nicht alles so ist, wie es zunächst scheint.

Auch in der Basis, die nun den Namen Three Moon trägt, ist die Situation angespannt und mündet, nach verschiedenen Verstrickereien, schließlich darin, dass Fox den Kidj’Dan, die die Kolonisten eher zufällig entdeckt haben, den Krieg erklärt. Zu dem es, wie der Prolog vermuten lässt, auch kommt. Mehr möchte ich allerdings an dieser Stelle nicht verraten, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.
Ein netter kleiner Schlenker wird übrigens kapitelweise zur auf der Erde zurückgebliebenen Fay gemacht. Über 100 Jahre nachdem Julia und die anderen die Erde mit der Aristoteles verlassen haben, zeigen ihre Erlebnisse, wie es auf der Erde aussieht. Die Situation ist katastrophal, aber die Menschheit ist auch auf der Erde noch nicht tot. Sie versucht wieder auf die Beine zu kommen, baut Kuppeln, in denen sie sich selbst, ihre Tiere und ihre Felder vor Zyklonen und Umweltkatastrophen schützen wollen. Somit ist es alles andere als Friede, Freude, Eierkuchen. Das, muss ich gestehen, war ein wenig meine Sorge, denn auch wenn die Menschen auf Lumera die Erde für von menschlichem Leben ausgestorben halten, konnte es so einfach nicht sein, da mussten einfach noch Menschen leben. Aber zum Glück, das muss ich hier wirklich sagen, nicht in einer wieder reparierten Natur, die sich durch den Aufbruch so vieler anderer Menschen erholt hat, und in einer heilen, modernen Gesellschaft. Ich bin gespannt, wie es auf der Erde weitergehen wird.

Der Schreibstil ist flüssig, klar und schön zu lesen. Am Anfang holpert es manchmal ein klein wenig und es tauchen überflüssige Wortwiederholungen auf, aber das verläuft sich sehr schnell und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Charaktere haben ihre Authentizität beibehalten, und auch da sind verschiedene Dinge im Umbruch. Zwischen Ethan und Julia kriselt es, dafür scheinen kleine Fünkchen zwischen John und Julia zu knistern. Ich will nicht sagen, dass das überraschend kommt. Aber so ist eben das Leben, man befindet sich nicht nur in der Verbannung und in Aussicht auf einen möglichen Krieg, sondern man hat auch noch ein privates Leben und auch da herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Aber das gefällt mir ohnehin an diesem Buch – wie auch am ersten Band – so gut: Es gibt nicht nur die eine, große Handlung, sondern diverse kleine Nebenschauplätze. Und das ist es, was die Charaktere, die Geschichte, das gesamte Buch so lebendig macht, das große Ganze, der Krieg, aber dann eben auch die Menschlichkeit in ihrer ganzen Alltäglichkeit. Und dieses Mal heißt es tatsächlich Abschied nehmen von einem lieben Charakter. So ist das Leben zwar, aber puh, da musste ich erstmal durchatmen.
Das Ende ist, auch das kennen wir vom ersten Band, mal wieder ein Cliffhanger, und zwar ein ziemlich … „großer “ ist gar kein Ausdruck, der ist gigantisch! Und hier wurde eine vorher vor sich hin schwelende Sorge direkt wieder beruhigt, denn ursprünglich hatte ich befürchtet, dass eine andere dieser kleinen Nebengeschichten vollkommen unspektakulär zu Ende gegangen und verpufft wäre. Aber weit gefehlt, die meldet sich nämlich mit einem gigantischen Knall zurück. Und lässt mich jetzt, nachdem ich den zweiten Band verschlungen habe, nägelkauend vor Ungeduld – naja, ihr versteht schon, was ich damit sagen will – zurück.



Abschließende Gedanken

Natürlich ist hier der Fokus weniger auf den Klimawandel und seine direkten Folgen gelegt, so wie es im ersten Band der Fall war, sondern es geht mehr um Lumera und die Ereignisse dort als um die auf der Erde. Es zeigt sich aber auch schnell, dass es mit der Ankunft auf einem neuen Planeten und einem begonnenen Wiederaufbau nicht getan ist. Dieses Mal empfand ich es weniger als ein Aufrütteln in Bezug auf den Klimawandel und auf das, was die Folgen sein könnten – denn wie ich in zum ersten Band schrieb, das Buch war aufrüttelnd und zeichnete eine definitiv vorstellbare Zukunft. Nein, dieses Buch empfand ich mehr als einen mahnenden Fingerzeig auf die Gesellschaft, auf das Miteinander, auf den Umgang mit anderen Kulturen. Dass nur ein Neuanfang definitiv keine Rettung bedeutet, wenn alte Fehler wiederholt werden. 
Mich hat dieses Buch auf ganzer Linie überzeugt, die Geschichte geht spannend und absolut glaubwürdig weiter, der Stil ist super, die Charaktere haben ihre Tiefe beibehalten … und da ist natürlich dieses wahnsinnig tolle Cover, davon komme ich einfach nicht los, man sehe es mir nach.
Wem „Lumera Expedition: Survive“ gefiel, der wird „Lumera Expedition: War“ lieben. Versprochen!

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Gastrezensentin: Lavandula



Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

Mittwoch, 5. Februar 2020

Am Meer ist es wärmer geht in eine Pause auf unbestimmte Zeit




Liebe Leserinnen und Leser von "Am Meer ist es wärmer",

ein verspätetes Frohes Neues 2020. Ich hoffe, ihr alle habt den Jahreswechsel gut überstanden und hinter euch gebracht. Denn wir alle wissen, um 00:01 im neuen Jahr warten auf uns auch neue Aufgaben, Bücher und Filme, auf die wir uns freuen können.

Wer meinen Blog verfolgt, der kennt sowohl meine Kampfansagen aber auch meine Gedanken, den Blog vielleicht auf unbestimmte Zeit ruhen zu lassen. Ich konnte mich in den letzten Jahren immer wieder motivieren, indem ich weniger Beiträge verfasste, mich dafür aber ausschließlich Themen widmete, die mich umso mehr interessierten. Nun besteht dieser Blog fast schon 10 Jahre und noch nie hatte ich das Gefühl, als sei alles gesagt, was gesagt werden müsste. Das virtuelle Tintenfass scheint leer zu sein, meine geschriebenen Worte verblassen mit jedem Beitrag mehr und fast jeder neue Text klingt wie die vorgefertigte Schablone eines Kundenberaters. Ich denke, wenn man als Betreiber einer Seite, wo es um geschriebene Beiträge geht, die Motivation und Kreativität verliert, neue Beiträge zu verfassen, dann ist so etwas reichlich kontraproduktiv. Ich würde dem Betreiber raten, die virtuelle Feder vielleicht doch mal für eine längere Zeit an den Nagel zu hängen. Diese Empfehlung habe ich mir nun aber selbst ausgestellt. Bevor "Am Meer ist es wärmer" also zu einer vorgefertigten Schablone wird, ziehe ich es vor, die virtuelle Feder vorerst an den Nagel zu hängen.

All diese Worte, die ich gerade verfasse, gehen mir so locker von der Hand wie schon lange kein Beitrag mehr. Nicht aus dem Grund, weil ich eine Befreiung verspüre, den Blog nicht weiterzuführen. Dies wäre völliger Quatsch da dieser Blog immer mein Hobby war und ich dieses mit großer Passion verfolgt habe. Aber weil es eben ein Hobby war (ist), was aus einer simplen Idee heraus entstanden ist, so blicke ich umso erfüllter auf über 9 Jahre zurück, wo der Blog und die Texte eines kleinen Einsiedler-Autors eine feste Leserschaft für sich gewonnen hat. Und, mindestens genau so wichtig, einige sehr exotische Titel aus der Welt der Bücher und Filme durch meine Empfehlungen ein paar neue Anhänger gefunden haben. Was einmal als kleiner Blog begann, der sich hauptsächlich mit Haruki Murakami und diverser anderer japanischer Literatur befasste, wurde zu einem Projekt von einer Größe, wie ich es mir niemals erträumt hätte.

Doch wie geht es denn auf "Am Meer ist es wärmer" fortan weiter? Nun, erst einmal soll es kein Abschied für immer sein. Da ich immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe, will ich mich an sich schon nicht zu sehr unter Druck damit setzen, an einem Comeback zu arbeiten. Wenn die Motivation zurückkehrt, werde ich auch die Arbeit am Blog wieder aufnehmen. Dies kann früher oder später der Fall sein, ich will mich nicht festnageln. Doch es gibt ein paar Punkte, die ich gerne zusammenfassen möchte, wie der Blog weiterhin aktiv bleiben wird:


- Der Blog wird weiterhin als riesiges Archiv Online für alle interessierten Leser verfügbar sein

- Ein paar ausstehende Rezensionen werden in absehbarer Zeit noch Online gehen (keine genauen Daten sind dafür bisher geplant)

- Es besteht die Chance auf weitere Gastrezensionen. Diese werden von mir Online gestellt

- So gut es mir möglich ist, das Archiv im Auge zu behalten. Hochgeladene Covers und andere Bilder werden von mir beobachtet und gegebenenfalls aktualisiert. Der Blog wird zwar nicht mehr von mir mit neuen Inhalten versorgt, aber wird weiterhin instand gehalten

- Ich bin weiterhin über meinen Twitter-Account aktiv. Zögert nicht, mir zu schreiben


Und da bin ich direkt beim nächsten Punkt. Da ich weiterhin für alle Ideen offen bin, so hat jeder Leser die Möglichkeit, mich zu kontaktieren. Wer also auch mal lust hat, eine Gastrezension zu verfassen und keinen eigenen Blog besitzt oder für sich wissen möchte, ob das verfassen von Rezensionen etwas für Sie/Ihn ist, Tipps benötigt oder selbst nach passenden Themen sucht, ich bin täglich erreichbar.

Ich glaube, damit endet mein Einwurf zum Abschied auch schon. Kein unnötiges Drama, kein Gewinnspiel zum Abschied und keine Versprechen. Nur ein Versprechen darauf, dass meine wachsamen Augen immer auf "Am Meer ist es wärmer" gerichtet ist. Ich möchte mich daher für die langjährige Treue bei allen Lesern bedanken und auch noch unzählige Grüße an die Leser ausrichten, die über Google+ jahrelang ihren Weg zu mir fanden. Und ganz besonders schätze ich die wertvollen Kontakte, die ich im laufe der Jahre mit den Lesern, anderen Bloggern und Verlagen geknüpft habe. Der letzte macht das Licht aus und schließt die Tür hinter sich. In dem Falle fällt mir diese Aufgabe zu.


Auf Bald,
Aufziehvogel
Und möge uns ein aussichtsreiches Messejahr bevorstehen