Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Freitag, 14. September 2018

Rezension: Star Wars - Thrawn




USA 2017

Star Wars: Thrawn
Autor: Timothy Zahn
Verlag: Blanvalet
Übersetzung: Andreas Kasprzak
Genre: Science Fiction



Das Expanded Universe ist tot, lange lebe das Expanded Universe! So ähnlich hört es sich an, wenn man über das erweiterte Star Wars Universum der heutigen Zeit redet. Das Expanded Universe war zu Beginn der 90er maßgeblich daran beteiligt, dass das Star Wars Franchise sich wieder ins Gespräch brachte. Dieses Universum bestand zu einem Hauptteil zwar aus Romanen, dazu gabs aber auch noch andere Medien wie Comics, Videospiele und gar Spielzeug, was das Star Wars Universum um viele neue Geschichten erweiterte. Vor einiger Zeit thematisierte ich den Fall dieses Universums hier auf "Am Meer ist es wärmer" und die Geschichte dürfte unter Fans quasi ein alter Hut sein. George Lucas respektierte das Expanded Universe, äußerte sich nur nie wirklich über die Kanonisierung. Natürlich ist darunter auch viel Schund dabei, der absolut gar nichts im Star Wars Universum zu suchen hat. Ein Fakt, der gerne mal verschwiegen wird bzw. stillschweigen darüber vereinbar wird. Als Disney die Rechte an Star Wars erwarb, flog letztendlich auch das Expanded Universe nun hochoffiziell aus der offiziellen Star Wars Chronologie. Seitdem heißt dieses Universum und alles, was sich dort abspielte, "Star Wars: Legends". Disney führt jedoch auch noch eine offizielle Variante von all dem weiter, was das Expanded Universe bot, nur eben in wesentlich geordneteren Strukturen.

Als 1991 "Erben des Imperiums" erschien und später als sogenannte "Thrawn Trilogie" zum Kult wurde, war quasi der Startschuss des Expanded Universe, der von Autor Timothy Zahn damals eingeleitet wurde. Vermutlich sehen einige eingefleischte Fans die Thrawn Trilogie noch heute als einzig wahren legitimen Nachfolger zu "Die Rückkehr der Jedi Ritter" an. Zahns ikonischer Bösewicht Thrawn stand einem Darth Vader oder dem Imperator in nichts nach. Im Gegenteil, Thrawn war eher noch gnadenloser und gerissener. Mit dem Wegfall des Expanded Universe starb auch Thrawn. Zumindest so, wie wir ihn bisher kannten. Allerdings war sich auch Disney der großen Beliebtheit von Thrawn bewusst und konnte diesen Charakter nicht einfach wegwerfen wie einen Gegenstand, der nicht mehr gebraucht wird. Umso überraschender war es, dass der Charakter in der animierten TV-Serie "Star Wars Rebels" wieder aufgetaucht ist. So groß die Freude bei manchen war, so stirnrunzelnd nahm man diesen Auftritt auch zur Kenntnis. Der große Bösewicht Thrawn nun in einer Serie, konzipiert für Kinder. Grund genug für alle Beteiligten, diesem Charakter ein angemessenes Revival zu verpassen. Und kein geringerer Autor als Timothy Zahn wurde damit beauftragt, den Großadmiral aus dem Ruhestand zu holen.

Für Zahn war die Rückkehr zu einem neuen Thrawn-Roman eine Herzensangelegenheit. Als heißblütiger Fan muss man hier seine Erwartungen jedoch anders verteilen. Obwohl Name und Erscheinung gleich sind, agiert und handelt der neue Thrawn anders als der alte Thrawn (jetzt wirds verwirrend). Zeitlich spielt Thrawn nicht nach den Ereignissen von Episode IV-VI sondern davor. Hier lernen wir Thrawns Vergangenheit und somit ihn selbst besser kennen, als je zuvor. Und wir erfahren, wie er zu dem begnadeten Taktiker wurde, der von Imperator Palpatine so hoch geschätzt wurde. Der neue Thrawn ist nahbarer als zuvor und Zahn hat es geschafft, dass die Leser sich in diesem Update des Charakters besser hineinversetzen können. Überraschenderweise, obwohl er der Namensgeber des Romans ist, ist die Rahmenhandlung des Romans deutlich weiter gefächert. So verlagert sich die Geschichte nicht nur auf Thrawn, sondern auch sein Protegé Eli Vanto spielt eine wichtige Rolle. Ich habe mich zusätzlich dabei ertappt, die Kapitel rund um Eli spannender zu finden als die des eigentlichen Protagonisten, Thrawn. Politik und Intrigen kamen im Roman ebenfalls nicht zu kurz. Durch den enormen Umfang gibt es aber leider auch ein paar Durststrecken, mit denen Timothy Zahn jedoch schon immer zu kämpfen hatte. Das Ende selbst weist geschickt auf eine Fortsetzung hin, die in den USA im Juli dieses Jahres erschienen ist. Ebenfalls verfasst von Zahn.



Resümee

"Thrawn" ist eine spannende Neuinterpretation eines ikonischen Charakters, der wohl hauptsächlich den eingefleischtesten Star Wars Fans ein Begriff sein wird. Damit will ich Thrawn als Charakter natürlich nicht degradieren, im Gegenteil. Die Relevanz der Filme ist nur so enorm, dass die Roman-Charaktere praktisch ihre komplett eigene Fangemeinde haben. Genug Potential besitzt der Taktiker auch heute noch, um sämtliche Antagonisten der neuen Trilogie gegen die Wand zu spielen. In dieser Prequel-Story beweist Timothy Zahn noch immer, dass die Macht ihn in all den Jahren nicht verlassen hat (Zahn ist für wesentlich mehr Romane aus dem Star Wars Universum verantwortlich und es wäre unfair, sein Werk nur auf "Erben des Imperiums" zu reduzieren). Mit Ausnahmen einiger vermeidbarer Längen ist das Thrawn-Reboot zu einem gelungenem Star Wars Abenteuer geworden, welches sicherlich nicht so einen Einfluss haben wird wie Zahns alte Trilogie, aber seine Daseinsberechtigung mehr als nur unter Beweis gestellt hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Donnerstag, 6. September 2018

Ranking of the Dead: Romeros Zombies



George A. Romero prägte 1968 mit seinem Low Budget Indie-Film "Night of the Living Dead" das Genre des Horrors neu. Weniger mit blutrünstigen Effekten, dafür aber mit vollen Fokus auf eine beklemmende Atmosphäre. Night of the Living Dead glich einem Bühnenstück. Obwohl der Film, technisch gesehen, heute ziemlich altbacken wirkt, so ist er aber unverkennbar noch immer ein Highlight des Genre und der Beginn einer Ära, die bis heute nichts von ihrer Popularität eingebüßt hat. Denn, am Ende kommen sie immer wieder. Sind die Leute einmal übersättigt von den wandelnden Toten, wie es aktuell bei "The Walking Dead" der Fall ist, werden sie in einigen Jahren wieder auferstehen und vermutlich erneut die Kabelsender, Streaming-Dienste oder gar die Kinos unsicher machen.

Vor einem Jahr, im Juli 2017, verstarb George Romero im Alter von 77 Jahren. Sein letzter Film, "Survival of the Dead" erschien 2009 und konnte weder Fans, Kritiker noch Investoren großartig überzeugen. Ein Mann wie Romero wurde anscheinend nicht mehr gebraucht. Dabei hatte Romero noch längst nicht vor, sich in den Ruhestand zu setzen. Seine "Of the Dead" Reihe war noch nicht abgeschlossen. Sein Projekt "Road of the Dead" nur eine Idee.
Mit dem Tod Romeros sollen nun zwei Projekte, darunter "Road of the Dead" und "Rise of the Living Dead", realisiert werden. Der Altmeister musste also erst die Welt verlassen, damit seine nicht realisierten Projekte endlich umgesetzt werden. Romero wollte sich bereits bei "Road of the Dead" nicht mehr selbst auf den Regiestuhl setzen. Er wäre für die Story mitverantwortlich, und als Produzent und Supervisor tätig gewesen. "Road of the Dead" wird also vermutlich das letzte Werk sein, was noch auf Ideen und Konzepte des Altmeisters basiert. Bei "Rise of the Living Dead" wird sein Sohn Cameron Romero für Drehbuch und Regie zuständig sein.

Die Qualität dieser Projekte darf natürlich ganz offiziell noch angezweifelt werden. Selbst Romeros mäßigere Filme in dem Genre waren immer noch gute Filme. Zuletzt veröffentlichter Schund wie "Day of the Dead: Bloodline" geben jedoch keine große Hoffnung darauf, dass sich etwas ändern wird. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass dieses unsägliche Remake von Romeros vermutlich bestem Film nicht unter seiner Riege entstanden ist und auch keiner der Verantwortlichen, die an den neuen Projekten beteiligt sind, an Bloodline beteiligt waren.

In letzer Zeit war ich George A. Romeros schleichenden Kannibalen noch einmal auf der Spur. Die Idee zu einem Ranking, was auf den ersten Blick sicher überraschen wird, kam mir spontan in den Sinn. Qualifiziert für dieses Ranking sind alle Zombie-Filme, die unter Romero entstanden sind. Darunter zählt auch das "Night of the Living Dead" Remake von Romeros Weggefährte Tom Savini. Dort fungierte Romero als Writer, Supervisor und Produzen.
Zack Snyders ausgezeichnetes Remake zu Dawn of the Dead hingegen hat es nicht in das Ranking geschafft, da die Mitarbeit von George Romero hier sehr limitiert war. Entstanden ist eine Filmografie des Todes, die sich über mehrere Dekaden erstreckt.




7. Land of the Dead (2005)




Nach dem sensationellem Erfolg von Zack Snyders Dawn of the Dead Remake witterte Universal ein lukratives Geschäft. Mit Land of the Dead dachte man sich wohl folgendes: "Wenn ein Remake bereits so erfolgreich ist, wie erfolgreich wird dann der Film sein, wo George Romero persönlich die Regie übernimmt?" Die Antwort darauf erhielt man relativ schnell. Land of the Dead ist an den Kinokassen relativ deutlich untergegangen. Das Dawn of the Dead Momentum war verflogen und den Altmeister aus dem nicht ganz so freiwilligen Ruhestand zu holen erwies sich als nicht so lukrative Idee für das Studio. Dabei war Land of the Dead gesegnet mit einem Budget, wovon Romero bisher immer nur träumen könnte. Zusätzlich war Land of the Dead auch Romeros erster Zombie-Streifen, der mit einem R-Rating in die amerikanischen Kinos kam, etwas, wovor er sich immer gesträubt hat. Man versprach ihm jedoch, den Film für den Heimkinomarkt in einer Unrated-Fassung veröffentlichen zu dürfen. Und die sollte Land of the Dead durchaus gut tun. In Sachen Handlung wurde der Film sinnvoll erweitert, doch auch zusätzlicher Gore, der fürs R-Rating weichen musste, wurde in die Unrated-Fassung wieder eingefügt. Entstanden ist ein groß angelegtes Projekt, in das noch Ideen ihren Weg fanden, die Romero bereits für "Day of the Dead" plante. Auch schauspielerisch gewann man mit Simon Baker, John Leguizamo und sogar einem Dennis Hopper bekannte Namen. Mit dabei auch Asia Argento, der Tochter eines anderen Weggefährten Romeros, Dario Argento.

Auf dem Papier klingt hier durchaus alles nach Extraklasse. Das Endergebnis wirkt jedoch relativ ernüchternd. Oftmals wirkte es, als sei Romero mit dem großen Budget überfordert gewesen. Kein wunder für einen alternden Filmemacher, der immer wieder Budgetkürzungen hinnehmen musste. Land of the Dead ist bei weitem kein schlechter Film, er ist sogar ziemlich unterhaltsam. Doch haftet ihm nicht das an, was Romeros Filme vorher, aber auch danach immer ausmachte. Land of the Dead ist zugeschnitten für eine breite Masse. Der Plot und die Gesellschaftskritik sind dünn gehalten, die Charaktere bleiben äußerst Flach und berechnend im Verlauf des Films. Alles, was Zack Snyder mit seinem Dawn of the Dead Remake aufgebaut hat, wurde in Land of the Dead gegen verhältnismäßig einfache Unterhaltung eingetauscht. Snyders Remake lebte von einer ungeheuren Dichte und Spannung, der Altmeister hingegen war mit Land of the Dead nicht in der Lage, diese Essenz einzufangen. Stattdessen greift er das ein oder andere mal zu sehr auf alte Erfolgsrezepte zurück, die in Land of the Dead aber ungewohnt überflüssig wirken.



6. Survival of the Dead





Mit "Diary of the Dead" aus dem Jahr 2007 traf Romero den Zahn der Zeit. Wenn auch bei den Kritikern nicht gut angekommen, begrüßten seine Fans den Weg zurück zu einer eher kleineren Produktion. Survival of the Dead hingegen war vielleicht, nur zwei Jahre später, thematisch nicht die klügste Wahl, einen neuen Film zu präsentieren. Es sollte nicht nur Romeros letzter Zombie-Streifen werden, sondern gleichzeitig auch sein letzter Film überhaupt, rund 8 Jahre bevor er verstarb. Survival of the Dead kostete Romero die Leute, die in sein Schaffen investieren. Es war durchaus noch eine Zeit bevor Crowdfunding und Netflix zu unserem Alltag gehörten. Romero musste Studios noch auf altmodische art und weise von seinen Ideen überzeugen. Nach dem Misserfolg von Survival of the Dead nahmen die Studios jedoch Abstand.

Survival of the Dead ist der Film eines älteren Herrn über andere ältere Herrn, die auf einer Insel leben. Fälschlicherweise wird Survival of the Dead oftmals als Horror-Komödie betitelt, dies ist jedoch falsch. So melancholisch und bierernst wie Diary ist Survival durch seine eher lockere Atmosphäre und vieler Oneliner zwar nicht, aber die Lacher im Film halten sich doch arg in Grenzen. Survival of the Dead ist ein klassisches Spätwerk das weder das Genre revolutioniert, noch aber irgendeinen Schaden anrichtet. Es ist mal wieder eine interessante Studie von Romero in die menschlichen Abgründe. Das Setting rund um eine Insel, die von zwei rivalisierenden Familienclans beherrscht wird, ist interessanter, als es den Anschein macht. Was der Film verpasst, ist, einen richtigen Treffer zu landen. Zwar findet man hier wieder mehr Romero als in Land of the Dead, aber es haftet auch nicht sehr viel an Survival, was ihn relevant erscheinen lässt. An sich ist Survival of the Dead ein Film, der relativ kurzweilig ist und durchaus zu unterhalten weiß. Mit dem Wissen jedoch, dass es sich um George R. Romeros letzten Film handelt, hätten wir uns wohl alle gewünscht, dass ein großer Filmemacher sich mit einem großen Knall verabschiedet. Dies wird dem Film leider immer anhaften.




5. Dawn of the Dead (1978)




Romero Cut? Argento Cut? Oder doch lieber der Krekel Cut? Dawn of the Dead bietet für jeden etwas, doch die meisten Fassungen findet man sicherlich in Deutschland. Als ein in Zelluloid gebannter Albtraum für die deutschen Jugendschützer der damaligen Zeit, wurde Dawn of the Dead aka Zombie aka Zombies im Kaufhaus wohl zu einem der meist zensierten Filme in Deutschland. Bis heute noch bundesweit beschlagnahmt fristet er sein Dasein auf schummrigen Filmbörsen. Wer keine gekürzte Fassung oder ein Bootleg ergattern will, der muss hier auch weiterhin bei einer österreichischen oder anderen ausländischen Fassung zugreifen.


Dawn of the Dead ist, ohne Frage, Romeros wohl bekanntester Film zusammen mit Night of the Living Dead. Der Film erschien rund 10 Jahre nach dem Überraschungserfolg des Erstlings und führt die Geschichte mit neuen Charakteren auf einer wesentlich größeren Ebene fort. Mit David Emge und Kult-Darsteller Ken Foree in den Hauptrollen, spielt die Handlung diesmal nicht mehr in einem verlassenem Farmhaus sondern in einem Einkaufszentrum. Romero führt seine Gesellschaftskritik auf ein Maximum und hat ein schauriges Bild der Gesellschaft der 70er hinterlassen. Handwerklich brillant und doch aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt was Präsentation und Lauflänge angeht. Hier kommt es wirklich drauf an, welche Schnittfassung man sich ansieht. So ist es   Dario Argentos Fassung, die den Film ein wenig an Balast nimmt, ihn mit einem Soundtrack der italienischen Band Goblin versieht und ihn etwas zugänglicher macht. In diesem Ranking wohl die kontroverseste Platzierung, besonders im Anbetracht der Tatsache, welcher Film hiernach folgt.



4. Diary of the Dead



Diary of the Dead war Romeros Rückkehr zu den Zombies nach Land of the Dead. Allerdings vom Budget her wieder in wesentlich kleineren Regionen angesiedelt und mit größtenteils unbekannten Schauspielern versehen. Zumindest macht dies den Anschein. In Wahrheit gibt es hier doch viele prominente Cameos von alten Weggefährten oder langjährigen Fans von Romero. Gastauftritte gibts hier in Form von Radiosprechern, deren Stimmen geliehen werden von Quentin Tarantino, Guillermo del Toro, Wes Craven, Stephen King, Simon Pegg und Tom Savini. Selbst Romero selbst ist hier in einem Cameo zu sehen. Diary of the Dead war auch, obwohl bei den Kritiken relativ durchwachsen aufgenommen, Romeros Rückkehr zu einer alten, fast vergessenen Stärke. In diesem relativ melancholisch angehauchtem Roadmovie, das chronologisch angesiedelt ist nach den Ereignissen in Night of the Living Dead, nimmt es Romero erstmals mit der modernen Generation auf. Der YouTube und Social Media Generation. Ein kleines bisschen war Romero 2007 mit seiner Filmidee dem Zeitgeist etwas voraus. Je mehr Jahre vergehen, desto relevanter scheint Diary of the Dead zu werden. Interessanterweise bestand die Idee, eine art Found Footage Film zu drehen, schon seit vielen Jahren in Romeros Kopf. Inwiefern die Umsetzung seinen alten Konzepten gleicht wird nun nicht mehr aufgeklärt werden, aber spielt nun auch sicherlich keine Rolle mehr.

Überraschend für mich selbst ist, wie frisch der Film sich auch jetzt noch anfühlt. Sein Low Budget Charakter erinnert wieder ein wenig an Night of the Living Dead. All das macht Diary of the Dead zu einem sehr ehrlichen Film. Auch wenn er in Romeros Zombie-Universum wohl nie eine sehr große Aufmerksamkeit erregen wird, so hat er durchaus seine Fans und somit seinen verdienten Platz im Ranking gefunden.



3. Night of the Living Dead (1968)




Alles hat einen Anfang, sogar ein ganzes Subgenre. Night of the Living Dead war ein überraschender Indie-Hit, der mit einem lächerlich geringem Budget auskam. So gering, dass in einer Zeit, wo unlängst in Farbe gedreht wurde, hier noch Schwarzweiß angewandt wurde. Teils als Stilmittel, größtenteils jedoch um kostengünstig drehen zu können. Natürlich ist das Schwarzweiß das Stilmittel, wieso dieser Film so verdammt gut funktioniert.Vom Aufbau her gleicht der Film einem Bühnenstück. Der Fokus liegt hier auf einer lauernden, unbekannten Furcht, die, so unglaublich es klingen mag, die Toten aus ihren Gräbern aufsteigen lässt. Eine genaue Erklärung über das "Wieso" bleibt uns Romero in eigentlich allen Filmen schuldig, doch genau das macht die Filme mitunter so ansprechend. In Night of the Living Dead könnte es die Strahlung eines Satelliten sein, die die Katastrophe ausgelöst hat. Im Tom Savinis Remake belächelt man diese Theorie eher. Die Ursprünge werden nie vollständig geklärt und es ist völlig in Ordnung so.

Night of the Living Dead hatte es nie einfach. Ein großer Faktor ist hier das Copyright, welches durch einen Fauxpas damals nicht unter dem Titel "Night of the Living Dead" registriert wurde, sondern unter einem anderen Titel. Seit seiner Veröffentlichung ist der Film somit Public Domain und frei zugänglich für nicht autorisierte Versionen. Weder die Farbfassung, noch die berüchtigte 30th. Anniversary Edition, die in Deutschland fälschlicherweise auf Liste B für jugendgefährdende Medien landete, sind autorisierte Versionen von Romero. Und ja, es gibt sogar Fassungen, wo der Soundtrack durch Techno oder Heavy Metal ausgetauscht wurde. In den letzten Jahren ist es um diese obskuren Versionen oder nicht autorisierten Remakes sehr ruhig geworden, aber da die Copyright-Lage anscheinend noch immer nicht geklärt ist, wird der Film wohl auch weiterhin vor solchen Fassungen nicht geschützt sein.

Technisch gesehen könnte Night of the Living Dead als C-Movie durchgehen. Die Dialoge wirken öfters sehr hölzern, die Kulissen improvisiert und es gibt visuelle Filmfehler wie Sand am Meer, die durch die hohen Auflösungen der heutigen Zeit noch wesentlich deutlicher werden. Aber all das macht den Charme dieses großartigen Werks aus. Anders als vielleicht bei Dawn of the Dead schadet das hohe Alter des Films der Präsentation weniger, lässt ihn noch kultiger erscheinen und macht ihn somit zu einem zeitlosen Klassiker.



2. Night of the Living Dead (1990), Regie: Tom Savini




Tom Savinis Spielfilmdebüt als Regisseur gilt heute mittlerweile beinahe als verschollener Film. Es ist, als würden wirklich nur noch die sehr eingefleischten Fans darüber bescheid wissen, dass zu Romeros Klassiker ein großartiges Remake existiert. In Farbe, mit wundervollen Effekten und einer alternativen Storyline. Romero schrieb für dieses Remake das Script und ließ Ideen mit einfließen, die es damals nicht ins Original geschafft haben. Barbara zur ultimativen Protagonistin zu machen war eine dieser verworfenen Ideen. Der Altmeister fungierte hier zusätzlich noch als einer der Produzenten und übernahm am Set die Rolle des Supervisor. Die Regie übernahm hier, für viele sehr überraschend, Special Effects Künstler Tom Savini. Savini grämte sich immer, nicht für die Effekte im Original verantwortlich gewesen zu sein. Romero arbeitete mit Savini bereits bei Dawn of the Dead und Day of the Dead zusamment und beförderte ihn bei diesem Remake sogar auf den Regiestuhl.

Die Rollen der Charaktere wurden, wenig überraschend, allesamt neu besetzt. Barbara wurde hier von Patricia Tallman, Ben von Tony Todd und Cooper von dem viel zu früh verstorbenen Tom Towles übernommen. Die Darsteller überzeugen und funktionieren allesamt. Film- und Logikfehler des Originals wurden größtenteils ausgebessert und der Umfang der Geschichte teilweise erweitert. Die Zombies sind bedrohlicher als je zuvor. Um dem Original zu huldigen, entschied man sich bereits vor Drehbeginn dafür, Blut und Splatter sehr gering zu halten. Die Effekte sind jedoch durchgehend aufwendig gehalten. Und dennoch mussten für das R-Rating einige Frames von der einen oder anderen Szene entfernt oder umgeschnitten werden. Diese Szenen findet man in einem Workprint wieder. Allerdings hält sich die Relevanz der Szenen stark in Grenzen.

Savini selbst beschreibt den Dreh als "Schlimmsten Albtraum". Eine menge Szenen konnte er nie realisieren und auch über die Anpassungen fürs R-Rating war er alles andere als begeistert. Oftmals, wenn Romero nicht am Set war, kämpfte er sogar damit, seine Contenance zu bewahren. Bei den Kritikern wurde der Film eher durchwachsen aufgenommen. Erst im Verlauf der Jahre gewann das Remake an Signifikanz und gilt auch heute als Kultfilm und eines der besten Remakes im Horrorgenre. Verdient, wie ich finde. Es ist das wunderbare Zusammenspiel einer menge Parteien. Von Perfektion ist auch dieses Remake weit entfernt, jedoch kann man darüber leicht hinwegsehen. Von Anfang bis zum Ende ein unglaublich kurzweiliger Film, der mit einem überraschend kontroversem Ende aufwartet und den Übergang zu Dawn of the Dead verständlicher macht. Ein Remake, welches hoffentlich in den kommenden Jahren auch mal wieder einer größeren Zielgruppe zugänglich gemacht wird. Besonders in Deutschland sollte einer Neuprüfung praktisch nichts mehr im Wege stehen, doch gab es erst 2017 wieder eine unnötige Folgeindizierung.



1. Day of the Dead (1985)



Day of the Dead hatte geringeres Glück als Night of the Living Dead und Dawn of the Dead und erhielt bereits zweimal ein unsäglich schlechtes Remake. Noch einmal verstärkt werden sämtliche Fehlversuche dadurch, dass George A. Romero hier einen unfassbar guten Film abgeliefert hat. Oft kopiert, besonders von den Italienern, doch eigentlich nie erreicht thront Day of the Dead an der Spitze der Zombiefilme. Alles, was Romeros Filme ausmacht, findet man in diesem Film. Für seine künstlerische Freiheit verzichtete Romero sogar auf die Hälfte des Bugdets und brachte den Film ungeprüft in die amerikanischen Kinos. Mit einem Einspielergebnis von über 34 Millionen Dollar weltweit ein voller Erfolg. Trotz seiner teils drastischen Gewaltdarstellungen im letzten Abschnitt des Filmes (auch hier war wieder Tom Savini mit seinem Team am Werk und ließ sie, wörtlich gesagt, durch die Hölle gehen), bleibt überraschenderweise nicht der Splatter in Erinnerung, sondern der Film als Gesamtwerk. Auch Day of the Dead gleicht einem Bühnenstück. Die erste Hälfte des Filmes sind wenig Zombies zu sehen und es ist die Isolation, die einen Großteil der Handlung bestimmt. Der Film baut sich langsam, aber nicht zäh auf und steuert von Minute zu Minute auf ein großartiges Finale zu.

Bedanken kann man sich für die überzeugende Aufführung bei den Schauspielern, die fast allesamt aus dem Bereich Theater stammen. Mit Lorie Cardille, die hier die Rolle der Sarah übernahm, wählte Romero erstmals eine weibliche Protagonistin (etwas, was er eigentlich schon für Night of the Living Dead vorgesehen hatte). Doch besonders die Auftritte von Terry Alexander, Joseph Pilato und Richard Liberty sind es, die für mich diesen Film besonders hervorheben.

Isolation, Wahnsinn und Verzweiflung in einer Zombie-Apokalypse. Zum Abschluss seiner ersten Trilogie ließ Romero nichts anbrennen und verabschiedete sich hier für viele Jahre mit einem Feuerwerk. Etwas, was man sich sicherlich auch bei Survival of the Dead gewünscht hätte. Doch die Zeiten waren halt andere damals, das Feuer in allen Beteiligten brannte mehr als je zuvor und gemeinsam wollte man erneut mit relativ einfachen Mitteln einen großartigen Film erschaffen. Und tatsächlich kann man hier sagen, man hat das Maximum aus dem Genre geholt und mit Day of the Dead einen fantastischen Film geschaffen.

Donnerstag, 30. August 2018

Aufziehvogel's Wühlkiste - Day of the Dead: Bloodline




USA/Bulgarien 2018

Day of the Dead: Bloodline
Basierend auf: George A. Romeros Day of the Dead (1985)
Regie: Hèctor Hernández Vicens
Darsteller: Johnathon Schaech, Sophie Skelton, Jeff Gum, Marcus Vanco, Mark Rhino Smith
Produktion/Distribution: Millennium Films, Lionsgate
Laufzeit: Circa 90 Minuten
Genre: Horror
FSK: Ab 18


Selbst zu Lebzeiten von George Romero (1940-2017) war sein "Of the Dead" Franchise nicht vor billigen Kopien oder Schund sicher. Die relativ undurchsichtige Rechtelage zu einigen Filmen, besonders jedoch zu Night of the Living Dead, lud in der Vergangenheit sogar Hobby-Filmemacher dazu ein, den Film zu remaken oder Romeros Original zu verunstalten. Doch nicht alle Neuverfilmungen/Remakes waren zum scheitern verurteilt. Gelungene Vertreter stellen Tom Savinis Night of the Living Dead Interpretation und Zack Snyders Remake zu Dawn of the Dead dar. Romeros großartiger Day of the Dead aus dem Jahr 1985 war jedoch nicht mit so viel Glück gesegnet. Bereits das erste Remake aus dem Jahr 2008 von Steve Miner galt gemeinhin unter Fans und Kritikern als Gurke. Da ist es praktisch nur logisch, dass man eine Gurke nur noch durch einen echten Stinker toppen kann. Ein Stinker, der mindestens genau so modrig und vermutlich auch übel riechend ist wie Romeros hungrige Zombies. Das oberste Ziel bei Day of the Dead: Bloodline kann also nur gewesen sein, das Remake aus dem Jahr 2008 noch einmal zu unterbieten. Und darin war man etwas über 80 Minuten sehr erfolgreich. Hier darf man sich nicht von der Laufzeit von 90 Minuten täuschen lassen, alleine über 7 Minuten fallen auf den überlangen Abspann zurück.

Regie bei diesem Stinker führte Hèctor Hernández Vicens, der 2015 mit "Die Leiche der Anna Fritz" einen kleinen Indie-Hit landen konnte. Wie viel der Misere bei Day of the Dead Bloodline auf das Konto von Vicens geht, wage ich hier nicht zu vermuten. Einen großen Einfluss schien hier auch Produzentin Christa Campbell gehabt zu haben. Auch was die Produktion angeht, bin ich mir nicht ganz sicher, wem man nun den goldenen Kaktus zuschieben soll. Bloodline riecht stark nach Millennium Films, die aber nicht alleinig für den Film verantwortlich waren. Sobald man jedoch Millennium Films hört, riecht es förmlich nach Osteuropa. Bei Bloodline ist das, wie bei so vielen anderen Filmen des Studios, nicht anders. Gedreht wurde größtenteils kostengünstig in Bulgarien, so, wie zuletzt schon der letzte Chainsaw Massacre Film ("Leatherface", der sich jedoch qualitativ in einer ganz anderen Dimension befindet) erstmals in Osteuropa gedreht wurde und nicht mehr in den USA.

Inhaltlich bedient sich Bloodline relativ sparsam am Plot von Romeros Film. Grundrisse wie den Bunker, die Soldaten und einen speziellen Zombie findet man auch in Bloodline, die Storyline, der Ausgang der Geschichte aber auch die Charaktere kann man als unabhängig bezeichnen. Nichts davon rettet Bloodline, aber es ist auch nicht wirklich eine 1:1 Kopie. Wie aber auch im Original steht hier eine Frau im Mittelpunkt der Geschichte und es gibt auch wieder einen fiesen Army-Boy, der jedoch dem großartigen Joseph Pilato aus Original nicht das Wasser reichen kann. Es sind tatsächlich die markanten Charaktere aus Romeros Film, die hier schmerzlich vermisst werden. Romero setzte in seinem Film größtenteils auf Schauspieler aus dem Bereich Theater. Dieser Fakt spielte im zusätzlich in die Karten, denn wie auch schon Night of the Living Dead ist Day of the Dead aufgebaut wie ein Theaterstück, welches von seinen Charakteren und Dialogen lebt, die Gewalt und sensationellen Effekte von Tom Savini waren so gesehen nur der Bonus. Und genau da wird es für das Remake extrem dünn. Die Dialoge sind unterirdisch und die Schauspieler haben auch nicht die nötigen Fähigkeiten, das schwache Drehbuch auszugleichen. Durch die Bank weg hat man es mit Charakteren zu tun, für die man nichts empfindet und die einem regelrecht gleichgültig sind. Hinzukommt fragwürdiger Fanservice und man Hauptdarstellerin Sophie Skelton bei jeder halbwegs passenden Gelegenheit mit offener Bluse präsentiert. Besonders die völlig übertriebene Eröffnungssequenz hätte aus einer schlechten Parodie stammen können.

Die Spezialeffekte bewegen sich glücklicherweise auf einem nicht ganz so unterirdischem Level. Wenn sie mal nicht komplett vom Computer generiert werden, sehen sie sogar recht ansehnlich aus. Ruiniert werden die blutigen Effekte dann fast immer durch hektische Kamerafahrten oder Schnitte. Um wirklich Wirkung zu zeigen, hätten die Effekte länger zu sehen sein müssen. Ein Beispiel hätte man sich hier an das Evil Dead Remake nehmen können. Da Bloodline jedoch aus der Low Budget Spate stammt, kann man ihm zumindest hier nicht wirklich einen großen Vorwurf machen.




Fazit

Unwichtige Leute werden von Zombies gefressen. Aber Zombies nennt man sie, wie in vielen anderen Filmen dieser art, nicht. Hier musste ein Begriff her der cool klingt, also nannte man sie "Rotter". Die Untoten sind auch in diesem Remake relativ hungrig, jedoch hätte man den Stoff belangloser und uninteressanter nicht umsetzen können. Einfach alles an "Day of the Dead: Bloodline" hinkt hinterher. Ob Plot, Drehbuch oder Produktionskosten (die Schauspieler würde ich hier nicht einmal verurteilen), nichts davon wird irgendeinen Zuschauer vom Sofa fegen. Es ist die Ideenlosigkeit, die hier furchterregender ist als die Zombies. Hier wirbt man einfach mit einem großen Name, sämtliche Vergleiche mit Romeros Day of the Dead verbieten sich hier und bereits zu Beginn kann man sich von der kleinen Hoffnung verabschieden, es hier mit einem einigermaßen sehenswerten Film zu tun zu kriegen. Warum Ressourcen für so ein Filmprojekt verbrannt werden, wird nicht nur Fans des Genre ein Rätsel sein, sondern, vielleicht nicht sofort aber wenn etwas Zeit vergangen ist, den Verantwortlichen dieser Produktion. Diesen Schund also ignorieren und darauf hoffen, dass das Original in Deutschland, längst überfällig, nicht mehr beschlagnahmt ist und somit auch anschließend vom Index marschiert.

Freitag, 24. August 2018

Rezension: Peter Pan (James Matthew Barrie)






Peter Pan
Originaltitel: Peter and Wendy
Autor: Sir James Matthew Barrie
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Christiane Buchner und Martina Tichy
Genre: Klassiker, Kinderbuch, Fantasy



Wenn der Name Peter Pan erklingt, werden die meisten wohl unweigerlich an den animierten Disney-Klassiker aus dem Jahr 1953 denken. Man muss sich nicht grämen oder schuldig fühlen, wenn man die Ursprünge dieser klassischen Kindergeschichte nicht kennt, auch ich hatte hier, wie sich herausstellte, eine relativ große Lücke. Doch leben wir in modernen Zeiten und keine 10 Minuten später kennt man nicht nur Peter Pans Schöpfer, sondern gleichzeitig die komplette Entstehungsgeschichte. Hinter dem frechen Burschen, der sich weigert, erwachsen zu werden steckt der schottische Dramatiker und Autor James Matthew Barrie. Überraschenderweise handelt es sich bei dem hier besprochenen Roman aus dem Jahr 1911 noch nicht einmal um die Urfassung dieser Geschichte. Barrie erfand die Figur wesentlich früher und lies sie in leicht veränderter Form in einer anderen Geschichte auftreten. Doch den Peter Pan, den wir heute kennen, der fand sein Debüt in einem Theaterstück aus dem Jahr 1904, einige Jahre vor der Veröffentlichung des Romans also.
Aufgrund der großen Beliebtheit erhielt Barrie viele Anfragen, die Geschichte auch als Buch umzusetzen. Barrie kam der Bitte nach und schrieb ein Buch und es sollte kein Abdruck des Drehbuchs des Theaterstücks werden. Auf Vorlage des Romans basieren viele Umsetzungen von Peter Pan und er gilt für viele heute als die ursprüngliche Fassung von Peter and Wendy, obwohl das Theaterstück der legitime Vorreiter bleibt.

Der Diogenes Verlag brachte die hier vorliegende Ausgabe bereits 2016 in den Buchhandel, allerdings zu dieser Zeit noch als Sonderedition, gebunden und mit sehr ansprechenden Illustrationen von Tatjana Hauptmann. Die neue Taschenbuchausgabe beinhaltet den ungekürzten Text, allerdings ohne die Illustrationen (das Cover-Motiv stammt jedoch noch aus der illustrierten Variante).

Als großer Fan der Umsetzung von Disney war ich jedoch umso gespannter, wie sich Barries Roman liest. Dabei fällt besonders auf, dass sich Buch und Film teilweise sehr ähnlich sind. Wer glaubt, Hunde-Babysitterin Nana sei eine Erfindung der Disney-Autoren gewesen, der irrt sich. Nanas Rolle im Buch ist aber doch um einiges üppiger und auch signifikanter. Es ist zudem die schiere Vorstellungskraft von James Matthew Barrie, die dieses Buch nicht nur so liebevoll macht, sondern auch ältere Leser bis heute begeistern dürfte. Die Thematik um "das Kind in uns" läuft Gefahr, oftmals in Albernheiten abzudriften, nicht jedoch bei Peter Pan. Selbstverständlich werden hier Kinder vermutlich die meiste Freude haben (besonders dank des lässigen, humoristischen Schreibstils von Barrie), doch ich habe mich nicht selten dabei ertappt, bei so manch aberwitzigen Situationen laut vor mich hin zu grunzen (ich meine tatsächlich grunzen, nicht grinsen!).

In Sachen Umfang aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit ist das Buch dem relativ kurz gehaltenem Zeichentrickfilm natürlich um einiges voraus. Das Buch scheut nicht davor, auch kritischere Themen anzuschneiden, was besonders zu Beginn der Geschichte im Hause der Darlings zu lesen ist. Hier hat ein Roman jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, die Charaktere zur Geltung kommen zu lassen und auch mal nicht so heitere Themen anzuschneiden. Besonders das Schicksal des fiesen Captain Hook ist im Buch dann doch wesentlich bittersüßer als in Disneys kinderfreundlicher Vision der Ereignisse.



Resümee

Für mich war James Matthew Barries "Peter Pan" noch einmal ein wundervoller Ausflug ins Nimmerland. Besonders für Leute, die wirklich nur mit den filmischen Umsetzungen vertraut sind, werden hier noch einmal einen Mehrwert finden. Barries Ideen und Humor wirken nicht antiquiert oder eingestaubt, eine flüssige deutsche Übersetzung half zudem noch, das Werk etwas zeitgenössischer in der Wortwahl zu gestalten. Ein wundervoller Klassiker für Kinder, den jung gebliebenen, aber auch ganz sicher für die Erwachsenen.



Dienstag, 14. August 2018

Gantz: Zurück in Deutschland als Perfect Edition




Deutsche Fans von Hiroya Oku's Gantz hatten es nie leicht. Nach nur fünf Bänden beendete Planet Manga (Panini) im Jahr 2003 das Kapitel Gantz für sich. Schuld hieran waren nicht überzeugende Verkaufszahlen. Aufgrund des hohen Anteils an Gewalt und Nacktheit war Gantz nichts für zartbesaitete und sicherlich auch nicht das, was die Leute in einer Zeit des Terrors (11. September, Irak Krieg) unbedingt lesen wollten. Doch war 2003 an sich auch nicht die Zeit, wo Manga einen solchen Stellenwert in unserer Popkultur besaßen, wie beispielsweise heute im Jahr 2018. Es dauerte also 15 Jahre nach Paninis gescheitertem Versuch und 5 Jahre seit Beendigung des Manga im Jahr 2013, bis sich ein deutscher Verlag noch einmal an die Lizenz herantraute.

Bereits Panini plante damals schon einen Nachdruck und somit zweiten Anlauf in Deutschland, der vom japanischen Lizenzgeber nicht genehmigt wurde. Besonders in den letzten Jahren wurde eine Neuauflage des Science-Fiction-Horror Manga gefordert, aber konkrete Neuigkeiten dazu gabs nie. Stimmen wurden lauter, Egmont Manga hätte vielleicht Interesse an einer Neuauflage, da diese zuletzt Hiroya Oku's "Inuyashiki" in Deutschland publizierten. Relativ überraschend griff sich jedoch Cross Cults noch recht neues Manga Label "Manga Cult" die Lizenz, die bereits eine Neuauflage des in Deutschlands vor einigen Jahren gescheiterten Blame! von Tsutomu Nihei veröffentlichen.

Bereits vor einiger Zeit angekündigt, erscheint (offiziell) am 15. August Band 1 der neuen Perfect Edition. Inoffiziell wird der Band wohl wie immer schon vorher bei einigen Händlern vor Ort bereitstehen oder Online ausgeliefert worden sein. Manga Cult entschied sich für eine Veröffentlichung in sehr dicken Bänden mit einer Klappenbroschur. Band 1 wird satte 4 Bände umfassen, ab Band 2 dieser Edition werden 3 Einzelbände in einer Ausgabe untergebracht. Überraschenderweise ist der Band trotz seines Umfangs nicht unhandlich und die Verarbeitung in der Preisklasse von 20 Euro (die für so einen dicken Wälzer recht günstig ist) ebenfalls sehr solide. Qualitativ ist die Ausgabe zwar unter den Hardcover Master Editionen von Manga Cult anzusiedeln, aber insgesamt macht die Verarbeitung von Gantz als dicke Klappenbroschur einen sehr guten Eindruck, den man oftmals bei Omnibus-Editionen nicht so erwarten kann. Hoffen wir also, dass das Team rund um Manga Cult auch weiterhin so eine Qualität abliefern wird.

Wo ich schon von "Hoffen" schreibe, dies gilt auch für den Erfolg der Reihe in Deutschland. Ich wünsche mir sehr, dass Gantz sich beim Verlag etablieren wird und endlich nun auch, nach all den Jahren, komplett in Deutschland erhältlich sein wird. Zu wünschen wäre es.