Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Dienstag, 10. Oktober 2017

Neuer Murakami erscheint im Januar 2018 bei DuMont


Die Ermordung des Commendatore

Autor: Haruki Murakami
Erscheinungsdatum: 22.01.2018 (Band 1), 16.04.2018 (Band 2)
Verlag: DuMont
Übersetzung: Ursula Gräfe



Inhalt (zusammengefasst vom Verlag)

Der Held des neuesten Romans von Haruki Murakami, ein namenloser junger Maler, hatte sich mit den Jahren in Tokio einen Ruf als hervorragender Porträtist erworben. Doch mit der Trennung von seiner Frau lehnt er schlagartig sämtliche Aufträge ab. Er will sein Leben neu ordnen und zieht sich in ein abgelegenes Haus zurück. 
Dort legt ihm sein Agent eines Tages ein äußerst lukratives Angebot vor: Er soll das Porträt eines steinreichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt er an. Fortan sitzt ihm Wataru Menshiki regelmäßig Modell. Doch der Ich-Erzähler findet nicht zu seiner alten Fertigkeit zurück. Das, was Menshiki ausmacht, kann er nicht erfassen. Wer ist dieser Mann, dessen Gesicht er keine Tiefe geben kann? Der ihm sehr Intimes erzählt und doch undurchsichtig bleibt?
Durch einen Zufall entdeckt der junge Maler auf dem Dachboden ein meisterhaftes Gemälde. Es trägt den Titel ›Die Ermordung des Commendatore‹. Plötzlich geschehen mehr und mehr merkwürdige Dinge um den Ich-Erzähler herum, als würde sich eine andere Welt öffnen. Soll er sich wirklich Menshiki anvertrauen und ihm davon berichten?

Wie kein anderer versteht es Haruki Murakami, Parallelwelten zu erschaffen und die Grenzen zwischen ihnen und der uns bekannten Realität zu verwischen.


Das lange Warten auf die Ankündigung hat ein Ende. Ein paar Monate später als ich vermutet habe (ich ging von Oktober/November 2017 aus) wird der DuMont Verlag aus Köln den ersten Band des Zweiteilers "Die Ermordung des Commendatore" (jap. Kishidanchō goroshi) am 22. Januar 2018 veröffentlichen. Im gleichen Monat veröffentlichte der Verlag auch 2014 Haruki Murakamis letzten großen Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki". Murakami beschrieb seinen neusten Roman selbst als "eine sehr seltsame Geschichte" und die geneigten Leser werden wohl bereits wissen, worauf sie sich auf rund 1000 Seiten verteilt wieder einstellen können. Band 2 erscheint einige Monate später dann am 16. April 2018. Eine ähnliche Veröffentlichungspolitik nahm man auch damals bei Murakamis Dreiteiler "1Q84" vor, diesmal ist der Hinweis aber unübersehbar, dass es sich hier um ein mehrteiliges Abenteuer handelt.

Die deutschsprachige Übersetzung stammt erneut von Ursula Gräfe, was sicherlich jeden Leser der deutschen Ausgabe erfreuen wird. Beide Romane kann man bereits für 26 Euro (pro Band) vorbestellen. Für die Veröffentlichung ist wie bei allen neueren Veröffentlichungen des Autors ein Hardcover mit Folienschutzumschlag geplant. Fans der japanischen Literatur haben jetzt ein Datum, was sie sehnlichst herbeisehnen können.

Freitag, 6. Oktober 2017

Kommentar: Noch 2 Jahre bis zum Jahr des Schafes

(Foto: Aufziehvogel)



Ridley Scotts Box-Office-Flop "Blade Runner", ein Neo-Noir Cyberpunk Thriller lose basierend auf einem Roman von Philip K. Dick, spielte in einer Galaxie, nicht all zu weit entfernt und auch nicht vor langer, langer Zeit. Als der Film 1982 in die Kinos kam, so war die beklemmende Zukunftsvision zwar noch etwas weiter entfernt, aber für uns Menschen sicherlich nicht unerreichbar. Der Film datiert den November im Jahr 2019 als sich Rick Deckard, ein Blade Runner im Ruhestand, darum kümmern soll, noch einmal ein paar Repilkanten zu "verabschieden". Für das Los Angeles der Zukunft, welches sich in einem melancholisch/klaustrophischen Zustand befand, interessierten sich zur Zeit der Veröffentlichung des Filmes nur wenige Menschen. Es bestand kein Bedarf an einen philosophisch angehauchten Science-Fiction Film während Star Wars noch immer ein Thema war und gerade E.T. die Kinos darum bat, nach Hause zu telefonieren. Damals hätte es sich noch niemand denken können, aber neben Star Wars und E.T. sollte auch noch Blade Runner Filmgeschichte schreiben. Ein Film, der erst viele Jahre später zu seiner verdienten Beachtung fand und unzählige Filmemacher inspirieren sollte. Nun befinden wir uns noch 2 Jahre und circa 1 Monat von dem Jahr entfernt, in dem Blade Runner spielt. Und kaum scheinen wir einmal diesen Punkt erreicht zu haben, muss ausgerechnet eine Fortsetzung erscheinen, die wieder rund 30 Jahre in er Zukunft spielt. Scheint, als sei unsere letzte Hoffnung Akira, dessen Vorkommnisse im Jahr 2020 spielen.

Ich selbst kam relativ spät zu Blade Runner. Der Titel, die Schauspieler und auch die Vorlage schwirrten immer in meinen Interessenbereichen herum, gesehen habe ich den Film aber erst 2004 oder 2005. Ich bin mir da verhältnismäßig sicher, weil nämlich nur wenige Jahre später Scotts "Final Cut" erschienen ist. Zum Start der hochgelobten Fortsetzung von Denis Villeneuve möchte ich selbst noch einmal Revue passieren lassen, wie ich das Original damals wahrgenommen habe und wieso Blade Runner auch so viele Jahre später zu meinen unangefochtenen Lieblingsfilmen gehört.

Blade Runner basiert lose auf Philip K. Dicks Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen?" aus dem Jahr 1968. Autor Hampton Fancher und Regisseur Ridley Scott machten nie ein großes Geheimnis raus, dass sie mit dem Roman nicht viel anfangen konnten (Scott hat ihn während der Dreharbeiten glaube ich überhaupt nicht gelesen). Es mag also nicht viel "Träumen Androiden von elektrischen Schafen" in der Blade Runner Verfilmung stecken, es steckt aber enorm viel Philip K. Dick in dieser Verfilmung. Eine menge Cyberpunk, viel Philosophie aber auch religiöse Aspekte und die sich immer stellende Frage um die Menschlichkeit und das berüchtigte "Cogito ergo sum" (Ich denke, also bin ich) fanden alle ihren Weg in die Verfilmung. All das waren die Leitmotive im Werk des großartigen Philip K. Dick, den die Verfilmung seines Romans posthum zu einem der einflussreichsten Science-Fiction Autoren machte. Dick gab seinen Segen für die Verfilmung und war beeindruckt, wie man seine düstere Zukunftsvision (die im Roman übrigens nicht in Los Angeles sondern San Francisco spielt) umsetzte und freundete sich daraufhin mit Ridley Scott an. Kurz vor der Premiere verstarb Dick jedoch.

Mehrere Schnittfassungen von Blade Runner sind im Umlauf. Meine erste Sichtung war der Director's Cut, der 1992 veröffentlicht wurde und der Vision der perfekten Fassung des Filmes näher kam. Die Wunschfassung von Scott war aber auch der Director's Cut noch nicht. Fest stand aber, die Version, die man 1982 auf die Kinos losgelassen hatte, war (obwohl die Kinofassung einen treuen Kreis an Fans besitzt), weit von dem entfernt, was der Film heute ist und aussagt. Schuld für die Umschnitte waren bereits Querelen während des Drehs die sich bis hin die Post-Production gezogen haben. Die Testvorführungen im Vorfeld kamen nicht gut an, viele der Zuschauer waren überfordert mit dem Film, konnten ihm nicht folgen und waren mit dem pessimistischen Grundton nicht einverstanden. Für einen der Geldgeber, der am liebsten selbst auf dem Regiestuhl gesessen hätte, Bud Yorkin, war dies die ultimative Gelegenheit, den Film zu seinen Gunsten umschneiden zu lassen. Die Geldgeber bestanden auf mehr Erläuterungen im Film, jene Erläuterungen, die letztendlich zu Deckards berüchtigtem Off-Kommentar führten und dessen Monologe nachträglich von einem gelangweilten Harrison Ford eingesprochen wurden, und, nicht zu vergessen, ein nachträgliches Happy End. Während die Geldgeber auch rund 20 Jahre später noch der Auffassung waren, die Kinofassung sei die beste Fassung des Films, behob der Director's Cut aus dem Jahr 1992 etliche dieser "Missverständnisse", die durch die Kinofassung entstanden sind. Am Ende waren all die zusätzlichen Bemühungen der Produzenten jedoch vergebens, die 80er waren einfach nicht das richtige Jahrzehnt für Blade Runner.


(Deleted Scenes gibt es in Hülle und Fülle)


Es sollte dann noch einmal 17 Jahre dauern, bis Ridley Scott endlich seine Wunschfassung bringen durfte, was vorher aus Rechtlichen Gründen nicht möglich war. 2007 erschien der sogenannte "Final Cut" und stellt im Gegensatz zu den zigfach bearbeiteten Star Wars Fassungen der Originaltrilogie die (zumindest meiner Meinung) ultimative Schnittfassung von Blade Runner dar. Ein paar Szenen wurden entfernt, ein paar wieder hinzugefügt (darunter auch Szenen die der Schere aufgrund der Altersfreigabe damals zum Opfer gefallen sind) und es wurde sogar eine berüchtigte Szene nachgedreht. Der Final Cut wurde aufpoliert fürs HD-Zeitalter und ist durch den Verzicht von CGI noch immer eine Augenweide, davon profitierte zusätzlich auch der geniale Soundtrack von Vangelis. Zeitgleich dient der Final Cut auch als die Schnittfassung, die Villeneuve als Ausgangspunkt für Blade Runner 2049 benutzt hat (obgleich dieser aber auch eine Fortführung der Kinofassung spannend gefunden hätte). Der Nachteil des "Final Cuts" ist, die Existenzen der vorherigen Schnittfassungen verschwinden nach und nach aus den Analen der Filmgeschichte. Manche Kinos spielen gerne mal noch die Kinofassung, auch der TV-Sender Arte hielt vor einigen Jahren hier eine Überraschung bereit, als er nicht den Final Cut spielte, sondern die Kinofassung (die sehr leicht am Off-Kommentar von Deckard zu erkennen ist).

Was mich angeht, in dem Moment, als "Memories of Green" gespielt wurde, hatte der Film mich endgültig für sich eingenommen. Blade Runner war der vermutlich letzte große Science-Fiction Film mit handgemachten Special Effect (dazu zählen auch Matte Painting Kulissen). Bis heute hat man es hier mit einem Film zu tun, der visuell noch immer in der obersten Liga mitspielt. Das aufwendige Set und die gesamte Arbeit des Teams haben die Illusion eines düsteren Los Angeles in einer Dystopie bis heute aufrecht erhalten können. Zu den noch immer beeindruckenden Errungenschaften des Filmes war am Ende aber auch Ridley Scott verantwortlich, der als britischer Regisseur und seiner europäischen Denkweise oftmals beim Dreh im Team und bei den Schauspielern angeeckt ist. Ohne seinen Hang zur Perfektion wäre aber vieles, besonders was das knappe Budget anging, nicht möglich gewesen. Besonders das langsame Tempo des Films überraschte mich damals ungemein positiv bei meiner ersten Sichtung. Es gibt nicht wenige Leute, die Blade Runner gar als schläfrig und zu langsam erachten. Auch in der heutigen Zeit wirkt Blade Runner auf eine menge Zuschauer noch sehr sperrig und unnahbar. Ich kenne selbst eine handvoll Leute, die nicht einmal über die erste Hälfte des Filmes hinauskommen sind. Für die Mehrheit ist und bleibt Blade Runner aber ein Film, der nicht nur den Zahn der Zeit bravurös gemeistert hat, er ist den meisten aktuellen Filmen noch immer voraus. Ähnliches erreichte Regisseur Hideaki Anno mit seinem Anime "Neon Genesis Evangelion", der in vielerlei Hinsicht auch über 20 Jahre nach seiner Entstehung unerreichbar in etlichen Aspekten bleibt.

Die Nachricht über eine Fortsetzung stimmte mich selbstverständlich skeptisch. Für mich war die Geschichte um Rick Deckard immer abgeschlossen. Die Geschichte war sogar so abgeschlossen, sobald der Abspann läuft, sich ein angenehmes Gefühl in mir ausbreitet. Über die Jahre sind natürlich Fragen aufgekommen, die interessant zu debattieren sind aber nie beantwortet werden müssen. Mit anderen Worten, Blade Runner ist ein abgeschlossenes Erlebnis woran auch nachfolgende Romane (die mittlerweile nicht mehr zum Canon gehören dürften) nichts ändern. Wozu also eine Fortsetzung? Und wozu eine Fortsetzung, die auch Rick Deckard wieder zurückholt? Eine Antwort darauf werde ich erst erhalten, sobald ich den Kinosaal verlassen habe.

Was die Regie von Blade Runner 2049 angeht, so gab es hier nur wenige logische Auswahlmöglichkeiten. Für ein unbekanntes Lichtlein wäre das Projekt zu groß und ambitioniert gewesen und Schwätzer wie Len Wiseman das Ruder zu überreichen wäre einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen. Neben Christopher Nolan gab es hier nur noch einen Name, der derzeit für Qualität und einer filmischen Vision steht, der Kanadier Denis Villeneuve. Villeneuve ist dabei nicht einmal ein klassischer Sci-Fi Regisseur (Arrival war sein erster klassischer Science-Fiction Film). Jedoch kann man Villeneuve aber auch nicht als klassischen Kunstfilmer aus der Arthouse-Szene bezeichnen oder als Regisseur, der auf Thriller ein Abo hat. Villeneuve machte bisher das, worauf er lust hatte, wo er meinte, er könne mit seiner Filmkunst ein Projekt bereichern. Der fünfzigjährige war in vielen Genres aktiv und Blade Runner 2049 würde zu seinem ambitioniertestem Projekt werden. Die Kritiken geben Denis Villeneuve derzeit recht, dass er die beste Wahl war. Ebenso ungewöhnlich scheint das Vertrauen zu sein, was Warner Brothers ihm ausstellt, denn sie gaben grünes Licht für ein R-Rating und einer Spielzeit von über 160 Minuten.

Nun sind wir an dem Punkt angekommen, wo Blade Runner 2049 als eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten betitelt wird. Eine Ehre, die Filmen wie "Der Pate II" oder "Das Imperium schlägt zurück" gebührt. Oftmals gingen solche Projekte komplett in die Hose (Stichwort Terminator 3), mittlerweile scheint man solche Revival-Projekte aber mit großer Sorgfalt anzugehen. Ganz gleich wie mir Blade Runner 2049 gefallen wird, meine Sichtweise auf das Original wird sich niemals ändern. Es ist eine filmische Errungenschaft, die meine Sichtweise auf Filme damals maßlos beeinflusst hat und meine Ansprüche automatisch nach oben geschraubt hat. Erstaunlich ist dabei, als wie zeitlos ich den Film auch in der heutigen Zeit noch betrachte und sich meine Meinung kein bisschen verändert hat. Eine Bürde durchaus für das Genre, aber keine, die die Fortsetzung alleine zu stemmen hat.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Nobelpreis für Literatur 2017 geht an Kazuo Ishiguro



Stockholm: Das Nobelpreis-Gremium überrascht einmal mehr, diesmal jedoch (zumindest meiner Ansicht nach) mit einer höchst erfreulichen Nachricht. Kazuo Ishiguro (62), Großbritannien (geboren in Nagasaki, Japan), Sohn einer japanischen Einwandererfamilie, gewinnt den renommiertesten Literaturpreis der Welt. Das Gremium gab folgende Begründung dazu ab:


"Who, in novels of great emotional force, has uncovered the abyss beneath our illusory sense of connection with the world"


Ishiguro erlangte große Aufmerksamkeit durch seinen Roman "Was vom Tage übrig blieb (1989)" und krönte seine Prosa mit "Alles, was wir geben mussten (2005)".  Sein aktuellster Roman stammt aus dem Jahr 2005 und heißt "Der begrabene Riese".

Im Jahr 2011 verfasste ich eine Rezension zu "Alles, was wir geben mussten" und es war ein Roman, den ich nicht nur sehr genossen habe, sondern der mich auch noch lange nach der letzten Seite über Tage befasst hat. Der Roman hört in seinem Heimatland auf den Titel "Never let me go" und behandelt realitätsnahe Science-Fiction, die Ishiguro nahe der Perfektion glaubhaft in seiner Geschichte präsentiert.

Meine Glückwünsche gehen an den Japaner und Großbritannien. Der Preis ging an einen klassischen Erzähler von Geschichten, eine Gattung, die heutzutage eine Seltenheit geworden ist.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Einwurf: Was sich bei den Rezensionen geändert hat und Google+





Seit der Gründung von "Am Meer ist es wärmer" im Januar 2011 habe ich relativ stur an meinem Stil, sämtliche Rezensionen zu verfassen, festgehalten. Über die Jahre gabs natürlich einige wichtige Änderungen, von denen die Texte sichtlich profitierten. Boulevard-Einträge finden hier schon seit mehreren Jahren keinen Platz mehr und das Punktesystem hat sich nach 2 Revisionen in den Rezensionen komplett verabschiedet. Der geneigte Leser muss nun zumindest das Resümee lesen, um meine Meinung zu den besprochenen Titeln zu erhalten. Damit wollte ich damals nicht erreichen, dass die Leser des Blogs mehr Zeit hier verbringen. Sich jedoch nur auf die Wertung zu stürzen wird aber weder den Büchern selbst, den Verlagen oder den wichtigsten Protagonisten, den Autoren und Übersetzern, nicht gerecht.

Eine längst überfällige Revision, die ich jetzt an meinen Texten vorgenommen habe und weiter vornehmen werde war ebenfalls längst überfällig. Während ich bei Filmen einen wesentlich lockereren Stil pflege, sobald ich eine Besprechung verfasse, waren die Texte zu den Besprechungen für Bücher geprägt von einem gewissen Ablauf. Jede Rezension startete mit einem langen Zitat aus dem besprochenem Titel, es folgte eine relativ lange Einführung, danach folgte die Inhaltsangabe und anschließend folgte der Teil mit meiner persönlichen Meinung. Hält man an so einem System über Jahre fest, nutzt man sich als Verfasser dieser Einträge irgendwann ab. Dies ist bereits vor mindestens 2 Jahren passiert und mir fehlte die Motivation, mich an neue Rezensionen zu setzen. Der Wegfall des Zitats zu Beginn einer Rezension dürfte auch den Lesern ihren Einstieg in den Text erleichtern. Es soll ab jetzt sofort zur Sache gehen. Die Texte sollen etwas kürzer, dafür aber inhaltlich relevanter werden. Dazu habe ich mich für kurze Zitate aus den jeweiligen Büchern entschieden, die ich über die Rezension verteilt gerne einsetzen möchte. Ein Limit für benutzte Zitate gibt es nicht, nur was die Länge dieser Zitate angeht, darüber ist bereits entschieden. Der Wegfall des langen Zitates zu Beginn der Besprechung spart natürlich auch Zeit, die ich anschließend für den eigentlichen Text verwenden kann.

Von den kleinen, aber doch relevanten Änderungen erwarte ich mir, dass die Rezensionen informativer werden in ihrem Umfang jedoch kürzer. Von dieser Revision könnt ihr euch bereits in den letzten beiden Rezensionen zu "Ich war Hitlers Trauzeuge" und "Die Insel der Freundschaft" überzeugen, die beide im September Online gegangen sind.

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Ein weiteres Anliegen, was für die Zukunft des Blogs nicht relevant ist, aber durchaus anzumerken; Google+. Durch ein paar Veränderungen bei der +1 Funktion ist es für den Verfasser der Beiträge nun wesentlich schwieriger, seine Einträge nun über Google zu verteilen. Dies sorgt automatisch dafür, dass die Beiträge in einem Pool voller Beiträge regelrecht ertrinken. Wer meinen Blog verfolgt weiß, das ich diesen nicht kommerziell führe und es somit bis auf gewöhnliche Google-Ads keine Affiliate-Links, Patreon-Aufrufe oder andere versteckte Werbung gibt. Ob monatlich 1 neuer Leser, 10 neue Leser oder 100 neue Leser den Weg hierher finden ist dabei irrelevant. Dennoch bleibt Google einer der relevantesten Verteiler für Blogs die agieren, wie ich es tue. Durch die neue Verteilung finden, und das ist nicht überraschend, deutlich weniger neue Leser zu "Am Meer ist es wärmer".

Mein erster und vermutlich letzter Aufruf, den ich hier jemals anprangern werden, ist, solltet ihr gefallen an den Inhalten des Blogs finden und euch zum Beispiel die Rezensionen gefallen, verteilt die Beiträge via den sozialen Netzwerken und/oder drückt einfach folgenden Button unterhalb des Textes: 


Damit sorgt ihr dafür, dass die Beiträge auf "Am Meer ist es wärmer" verteilt werden und der Blog im Gespräch bleibt. Noch einmal: Dies ist kein Aufruf, Werbebanner anzuklicken. Der Blog wird nicht kommerziell betrieben und die weitere Verteilung der Beiträge bringt mir und diesem Projekt keinen einzigen Cent ein. Die Titel, die hier besprochen werden, haben es verdient, geteilt zu werden, auf sie aufmerksam zu machen und letztendlich eine Kaufoption für interessierte Leser sind. 
Euch hat eine Empfehlung hier schon einmal zugesagt? Dann teilt diese Beiträge und klickt den Google+ Button an.


Mit diesen Worten möchte ich den Einwurf abschließen und wünsche euch allen eine angenehme Restwoche.

Bis bald,
Aufziehvogel

Samstag, 30. September 2017

Rezension: Die Insel der Freundschaft (Durian Sukegawa)


(©DuMont Buchverlag)




Japan 2014

Die Insel der Freundschaft
Originaltitel: Pinza no Shima
Autor: Durian Sukegawa
Verlag: DuMont
Übersetzung aus dem Japanischen: Luise Steggenwentz
Genre: Drama, Slice of Life




Mit 28 Jahren scheint Ryosuke bereits am Ende seines Lebensweges zu stehen. Sein Studium hat er abgebrochen und ist wie sein Vater seiner Leidenschaft, dem Kochen, nachgegangen. Und als wolle er seinem Vater imponieren und es ihm gleichtun, so rammt er sich ein scharfes Kochmesser selbst in die Brust, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Anders als bei seinem Vater aber versprüht sein Sohn den euphorischen Drang weiterzuleben. Ein Drang, der sein Leben in letzter Minute gerettet hat. Es gibt da auch noch etwas, was der junge Mann zu tun hat. Auf einer einsamen Insel einer gewissen Person etwas überreichen, wieder einen Lebenssinn zu finden und vielleicht noch einmal von vorn anfangen. Zusammen mit zwei weiteren Aussteigern aus dem Stadtleben beginnt für Ryosuke eine neue Zeitrechnung. Aus einer Arbeitsgemeinschaft die wahllos zusammengestellt wurde bahnt sich eine Freundschaft an. Zu dritt suchen sie gemeinsam einen Platz in der Gesellschaft, die sie anscheinend so viele Jahre verstoßen hat.

Nur 1 Jahr nach "Kirschblüten und rote Bohnen" veröffentlichte Durian Sukegawa in seiner Heimat "Die Insel der Freundschaft" (jap. Pinza no Shima). Der Japaner hat diesmal aber eine umfangreichere Geschichte zu erzählen. Das Buch ist wesentlich dicker und er lädt seine Leser diesmal dazu ein, die große Stadt zu verlassen und ihm auf eine einsame Insel zu folgen. Besser gesagt, dorthin schickt Durian Sukegawa seine 3 melancholischen Protagonisten. Ryosuke, ein schweigsamer Zeitgenosse der als Koch arbeitete und auf der Insel noch etwas persönliches zu erledigen hat. Tachikawa, der ein wenig ungestüm wirkt und ein ehemaliger Host ist. Zu guter letzt wäre da noch Kaoru, ein Mädchen, die sich zumindest optisch gibt wie eine Punk-Rockerin. Gemeinsam soll das ungleiche Trio auf der abgelegenen wie einsamen Insel Aburi-jima Bauarbeiten übernehmen. Neben dem neuen Job bringt jeder der drei sein eigenes, schweres Paket mit auf die Insel. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den dreien eine Freundschaft und mit dem Auftauchen des alten Inselbewohners Hashi gelingt es Ryosuke, aus seiner Melancholie zu entfliehen. Doch ist es wirklich so leicht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen?

Durian Sukegawa verfeinert in diesem Roman seinen Stil. Bereits der Abschnitt, der die Geschichte eröffnet, ist starke Prosa, die mich direkt in ihren Bann zog:


"Als es aufhörte zu regnen und die Wolkendecke aufbrach, wurde der Abend in ein klares Licht getaucht. Die Möwen flogen über der Mole hin und her und die Männer gingen im Schrein der Abendsonne auf dem Containerplatz ihrer Arbeit nach. Das Fährschiff, das von R. zu den Aburi-Inseln unterwegs war, hatte soeben vom Kai abgelegt und verließ langsam die Bucht. Von seinem Platz im Speiseraum des Schiffes aus sah Ryosuke das Hafenbecken vorüberziehen und konnte auch einen Teil des Decks und den Gang an der Reling betrachten. Dort hatte sich eine Wasserpfütze gebildet, die so intensiv schimmerte, als wäre ein Stück der Sonne hineingefallen. Lichtreflexe wanderten über die Kommandobrücke, ein flimmerndes Muster aus vielen sich überlappenden Kreisen, das sich im Takt der schwankenden Fähre beständig auflöste und wieder zusammenfügte. Ryosuke verfolgte diesen Rhythmus aus den Augenwinkeln. Während er die unsteten Lichtkreise besah, drifteten seine Gedanken ab."


"Die Insel der Freundschaft" ist durch und durch japanische Literatur in Reinform. Es entwickelte sich beim lesen durchaus ein Gefühl bei mir, wie ich es in den Frühwerken von Haruki Murakami oft wahrgenommen habe. Die Sehnsucht nach einer neuen Herausforderung, das Fernweh gegenüber unbekannten Orten, sein Glück finden. All diese Elemente verknüpft Durian Sukegawa wundervoll. Doch nur weil der Kern der Geschichte sehr japanisch ist, so wird sich der Roman aber auch vor westlichen Lesern ganz sicher nicht verschließen. Die Charaktere wachsen einem ans Herz. Wir lassen die großen Städte hinter uns und treten ein in die ungefilterte Natur. Ein Trip zu Aburi-jima, eine Insel ohne Krankenhäuser, Polizei oder Geschäften, die uns das Leben erleichtern.

Eine besondere Erwähnung ist einmal mehr die Übersetzung wert. Der DuMont Verlag setzt hier auf einen Namen, von dem ich vorher noch nichts gehört habe. Direkt aus dem Japanischen übersetzt Luise Steggenwentz und beerbt hier die routinierte Ursula Gräfe, die uns über viele Jahre beim Verlag mit hochwertigen Übersetzungen beliefert hat. Die dagegen noch recht junge Luise Steggenwentz (Geburtsjahr 1988) setzt die Linie der hochwertigen Übersetzungen aber mehr als souverän fort. Der ruhige, abgeklärte Stil von Durian Sukegawa kommt auch hier bestens zur Geltung und überrascht mit einer flüssigen Sprache. Auch der Humor, der durchaus in diesem Buch vorhanden ist, kommt wunderbar zur Geltung.



Resümee

"Die Insel der Freundschaft" von Durian Sukegawa ist eine beeindruckende Geschichte darüber, wie man sein altes Leben hinter sich lassen kann. Ein Neuanfang auf einer einsamen Insel, die Großstadt hinter sich lassen und Freundschaften zu knüpfen zwischen Menschen, die auf normale weise vermutlich niemals zueinander gefunden hätten. Durian Sukegawa verknüpft schwierige Schicksale mit Optimismus, ohne jedoch in Rührseligkeit oder penetrante Euphorie zu verfallen. Ein Roman, der in mir des öfteren eine angenehme Wärme entfacht hat. Literatur, wie man sie heutzutage nur noch selten zu lesen bekommt. Eine große Empfehlung von mir.