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Mittwoch, 9. Oktober 2019

Gastrezension: Lumera Expedition: Survive (Jona Sheffield)





Deutschland 2019

Lumera Expedition: Survive
Autorin: Jona Sheffield
Verlag: Selbstverlag
Format: eBook
Genre: Science-Fiction



Eine Gastrezension von Lavandula für "Am Meer ist es wärmer"



Mit ihrem Debüt-Roman „Lumera Expedition: Survive“, dem ersten Band einer geplanten Trilogie, hat Jona Sheffield auf Anhieb den Sprung in die Bestsellerlisten Space Opera und Dystopien bei Amazon geschafft. Dass dies geschehen ist, liegt meiner Meinung nach nicht nur an dem angenehmen, flüssig zu lesenden Schreibstil, sondern mindestens genauso an der düsteren Zukunftsvision, die sie in ihrem Roman zeichnet – und von der es gar nicht mal so abwegig erscheint, dass sie wahr werden könnte.

Auslöser für die Ereignisse, die Jona Sheffield hier beschreibt, ist, platt gesagt, der Klimawandel. Sie denkt die Ereignisse weiter, die er zur Folge haben kann: Immer schneller schmelzende Pole, Überflutungen, schließlich Nahrungsmittelknappheit, eine zusammenbrechende Wirtschaft, Gewalt auf den Straßen, der reine Kampf ums Überleben. Die Hoffnung: Riesige Raumschiffe, die die Menschen nach Lumera, einem Planeten in einem anderen Sonnensystem, bringen sollen, damit sie dort neu anfangen können. Mittendrin sind Julia, Peter und John, die die Ereignisse jeweils aus ihrer ganz eigenen Sichtweise erleben und damit umgehen.

Im Prolog werden wir in das Jahr 2042 geworfen. Wir befinden uns auf der Erde und werden, wie uns bereits die Überschrift verrät, etwas über Julia lesen. Julia befindet sich auf einer Mission, die offensichtlich gewaltig schief gelaufen ist und ist auf der Flucht. Der Leser wird mit Begriffen wie „BID“ oder „Nantech“, einer Firma offensichtlich, beworfen, ohne, dass es hierzu an dieser Stelle weitere Erklärungen gibt. Die braucht es allerdings auch nicht.

Der Prolog endet damit, dass Julia mit recht großer Wahrscheinlichkeit ums Leben kommt. Hm. Na gut, aber vielleicht war sie auch nicht weiter wichtig, obwohl zumindest ich sie schon auf den wenigen ersten Seiten liebgewonnen hatte. Und obwohl sie im Klappentext erwähnt wird. Hm.

Der Eindruck verstärkt sich zunächst, als wir ins Jahr 2384 zu Peter katapultiert werden, der sich an einem Ort names „Platon“ befindet. Hatte er noch vor fast 370 Jahren unheilbar an Krebs gelitten, erwacht er nun aus dem Kryoschlaf und ist geheilt. Den Wundern der modernen – nun ja, der zukünftigen – Medizin sei Dank. Langsam kommt Licht ins Dunkel, denn Peter hat natürlich von den technologischen Fortschritten, wie auch von allem anderen, was in den letzten Jahrhunderten geschehen ist, nichts mitbekommen. Jona Sheffield wählt hier einen sehr eleganten Weg, den Leser mit allerlei wichtigen Informationen zu versorgen: Sie lässt es durch Jason, Peters Sohn, an Peter gerichtet berichten, anstatt ihre Erzählung immer wieder durch erklärende Einschübe zu unterbrechen.

Moment, Peters Sohn?

Richtig, Peters Sohn. Doch hierfür bekommen wir schon bald eine schlüssige und stimmige Erklärung geliefert.

Danach befinden wir uns im Jahr 2041, bei Julia – ist sie also doch nicht so unwichtig. Und die übrigens Peters Tochter zu sein scheint, Jasons Schwester.

So geht es weiter: Mal befinden wir uns Jahrhunderte in der Zukunft, mal befinden wir uns bei Julia, wo erklärt wird, wie sie in die Situation aus dem Prolog geraten ist, und dann tritt auch noch John
auf, ein FBI-Agent, der auf der anderen Seite steht. Dadurch werden nach und nach viele Puzzleteile der Geschichte offenbart und schließlich auch Stück für Stück an den richtigen Platz gerückt.

Wie eingangs bereits gesagt, wird hier eine Zukunftsvision aufgezeigt, die so unwahrscheinlich gar nicht ist. Mit teilweise dramatischen Bildern wird eine Zukunft gezeigt, in der mit Sicherheit niemand von uns leben möchte. Das Buch rüttelt auf, und das soll es auch.

Die Geschichte – oder vielmehr: die Geschichten, da aus der Sicht verschiedener Protagonisten zu teilweise Jahrhunderte auseinander liegenden Zeitpunkten erzählt wird – wirkt auf mich in sich stimmig. Es gibt keine an den Haaren herbeigezogenen Lösungen für Probleme oder Ereignisse. Sogar die einzelnen Schicksale laufen irgendwann zusammen, und das wirkt nicht konstruiert oder zu gewollt.

Die Protagonisten handeln realistisch, sie haben Tiefe und – haltet Euch fest! – Gefühle. Etwas, das viel zu viele Helden und Heldinnen aus Film und Literatur nicht haben. Hier jedoch haben wir es nicht mit Übermenschen zu tun, die bestenfalls ein dramatisches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten haben und nur deshalb heute so sind, wie sie sind, sondern mit normalen Menschen. Menschen mit ihren ganz normalen Sorgen, Menschen mit einem Gewissen, Menschen im Zwiespalt. Menschen, die im Laufe des Buches eine Entwicklung durchlaufen. Und nicht nur Menschen. Zu meinem ganz persönlichen Lieblingscharakter möchte ich an dieser allerdings Stelle nichts verraten, da er erst spät auftaucht, und ich keine Spoiler verbreiten werde.

Der Erzählstil ist flüssig und lässt sich angenehm lesen. Selten stolperte ich hier oder da mal über ein Satzkonstrukt, aber das lässt sich verzeihen und tut dem Spaß am Lesen auch keinen Abbruch.

Zum Ende hin kommt es zu der einen oder anderen überraschenden Wendung. Vielleicht kam der Anfang vom Ende des Buches sogar etwas zu schnell, nachdem so viel Vorbereitung in den Weg dahin gesteckt wurde – aber wie gesagt, es ist realistisch. Und die Realität ist eben nicht unbedingt, dass ein ausgeklügelter Plan auch wirklich funktioniert. Nein, da kommt dann die Grätsche von links und – ätsch – Plan hinüber.

Das mochte ich im Übrigen auch sehr, dass das Buch im Großen und Ganzen unvorhersehbar wurde. Natürlich hatte ich hier und da eine Vermutung, die wurde auch manchmal in ähnlich bestätigt, aber es waren mehr als genug überraschende Momente dabei. Inklusive Cliffhanger am Ende.




Abschließende Gedanken

Jona Sheffield möchte mit „Lumera Expedition: Survive“ auf ein ganz akutes Thema aufmerksam machen: Den Klimawandel. Hierzu hat sie auch die Bewegung #ScifiForFuture gestartet und leistet unter anderem mit ihrem Buch ihren Beitrag dazu. Ich bin auch gar nicht sicher, inwieweit ihr Buch überhaupt noch „Fiktion“ ist. Es rüttelt auf, keine Frage. Und es schafft eine lockere, um nicht zu sagen spielerische Annäherung an das Thema, indem uns der Ernst in einer hübschen Verpackung (das beziehe ich nun nicht auf das Cover, das unverdienter Weise allerdings noch gar nicht zu Wort kam, denn es ist wirklich schön und war das Erste, wodurch ich an diesem Buch hängen blieb), in einem Medium, dass selbst in heutiger Zeit noch viele Menschen verstehen, überreicht wird. Lesen ist für viele Menschen eine Art der Entspannung, der Ablenkung oder schlicht ein Hobby. Weshalb also nicht das Angenehme mit dem, das unbedingt gesagt werden muss, verbinden?

Für mich ist dies auf jeden Fall gelungen. Es ist ein sehr lesenswertes Buch, gut geschrieben, aufrüttelnd. Ich freue mich auf den zweiten Band und hoffe, dass da die Verbindung zu den Ursprüngen nicht gekappt wird.
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Gastrezensentin: Lavandula


Lavandula gehört zum Kult der Bibliophilen und ist neben dem Studium selbst immer mal wieder als Autorin unterwegs, sofern die Zeit es zulässt. Ungefähr in einem Spektrum wie die Zeitsprünge in "Lumera Expedition: Survive" versuche ich sie bereits für einen Beitrag auf "Am Meer ist es wärmer" zu gewinnen. Ich hoffe, mit ihrem frischen Schreibstil wird sie den Blog noch häufiger bereichern.

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