Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Freitag, 14. September 2018

Rezension: Star Wars - Thrawn




USA 2017

Star Wars: Thrawn
Autor: Timothy Zahn
Verlag: Blanvalet
Übersetzung: Andreas Kasprzak
Genre: Science Fiction



Das Expanded Universe ist tot, lange lebe das Expanded Universe! So ähnlich hört es sich an, wenn man über das erweiterte Star Wars Universum der heutigen Zeit redet. Das Expanded Universe war zu Beginn der 90er maßgeblich daran beteiligt, dass das Star Wars Franchise sich wieder ins Gespräch brachte. Dieses Universum bestand zu einem Hauptteil zwar aus Romanen, dazu gabs aber auch noch andere Medien wie Comics, Videospiele und gar Spielzeug, was das Star Wars Universum um viele neue Geschichten erweiterte. Vor einiger Zeit thematisierte ich den Fall dieses Universums hier auf "Am Meer ist es wärmer" und die Geschichte dürfte unter Fans quasi ein alter Hut sein. George Lucas respektierte das Expanded Universe, äußerte sich nur nie wirklich über die Kanonisierung. Natürlich ist darunter auch viel Schund dabei, der absolut gar nichts im Star Wars Universum zu suchen hat. Ein Fakt, der gerne mal verschwiegen wird bzw. stillschweigen darüber vereinbar wird. Als Disney die Rechte an Star Wars erwarb, flog letztendlich auch das Expanded Universe nun hochoffiziell aus der offiziellen Star Wars Chronologie. Seitdem heißt dieses Universum und alles, was sich dort abspielte, "Star Wars: Legends". Disney führt jedoch auch noch eine offizielle Variante von all dem weiter, was das Expanded Universe bot, nur eben in wesentlich geordneteren Strukturen.

Als 1991 "Erben des Imperiums" erschien und später als sogenannte "Thrawn Trilogie" zum Kult wurde, war quasi der Startschuss des Expanded Universe, der von Autor Timothy Zahn damals eingeleitet wurde. Vermutlich sehen einige eingefleischte Fans die Thrawn Trilogie noch heute als einzig wahren legitimen Nachfolger zu "Die Rückkehr der Jedi Ritter" an. Zahns ikonischer Bösewicht Thrawn stand einem Darth Vader oder dem Imperator in nichts nach. Im Gegenteil, Thrawn war eher noch gnadenloser und gerissener. Mit dem Wegfall des Expanded Universe starb auch Thrawn. Zumindest so, wie wir ihn bisher kannten. Allerdings war sich auch Disney der großen Beliebtheit von Thrawn bewusst und konnte diesen Charakter nicht einfach wegwerfen wie einen Gegenstand, der nicht mehr gebraucht wird. Umso überraschender war es, dass der Charakter in der animierten TV-Serie "Star Wars Rebels" wieder aufgetaucht ist. So groß die Freude bei manchen war, so stirnrunzelnd nahm man diesen Auftritt auch zur Kenntnis. Der große Bösewicht Thrawn nun in einer Serie, konzipiert für Kinder. Grund genug für alle Beteiligten, diesem Charakter ein angemessenes Revival zu verpassen. Und kein geringerer Autor als Timothy Zahn wurde damit beauftragt, den Großadmiral aus dem Ruhestand zu holen.

Für Zahn war die Rückkehr zu einem neuen Thrawn-Roman eine Herzensangelegenheit. Als heißblütiger Fan muss man hier seine Erwartungen jedoch anders verteilen. Obwohl Name und Erscheinung gleich sind, agiert und handelt der neue Thrawn anders als der alte Thrawn (jetzt wirds verwirrend). Zeitlich spielt Thrawn nicht nach den Ereignissen von Episode IV-VI sondern davor. Hier lernen wir Thrawns Vergangenheit und somit ihn selbst besser kennen, als je zuvor. Und wir erfahren, wie er zu dem begnadeten Taktiker wurde, der von Imperator Palpatine so hoch geschätzt wurde. Der neue Thrawn ist nahbarer als zuvor und Zahn hat es geschafft, dass die Leser sich in diesem Update des Charakters besser hineinversetzen können. Überraschenderweise, obwohl er der Namensgeber des Romans ist, ist die Rahmenhandlung des Romans deutlich weiter gefächert. So verlagert sich die Geschichte nicht nur auf Thrawn, sondern auch sein Protegé Eli Vanto spielt eine wichtige Rolle. Ich habe mich zusätzlich dabei ertappt, die Kapitel rund um Eli spannender zu finden als die des eigentlichen Protagonisten, Thrawn. Politik und Intrigen kamen im Roman ebenfalls nicht zu kurz. Durch den enormen Umfang gibt es aber leider auch ein paar Durststrecken, mit denen Timothy Zahn jedoch schon immer zu kämpfen hatte. Das Ende selbst weist geschickt auf eine Fortsetzung hin, die in den USA im Juli dieses Jahres erschienen ist. Ebenfalls verfasst von Zahn.



Resümee

"Thrawn" ist eine spannende Neuinterpretation eines ikonischen Charakters, der wohl hauptsächlich den eingefleischtesten Star Wars Fans ein Begriff sein wird. Damit will ich Thrawn als Charakter natürlich nicht degradieren, im Gegenteil. Die Relevanz der Filme ist nur so enorm, dass die Roman-Charaktere praktisch ihre komplett eigene Fangemeinde haben. Genug Potential besitzt der Taktiker auch heute noch, um sämtliche Antagonisten der neuen Trilogie gegen die Wand zu spielen. In dieser Prequel-Story beweist Timothy Zahn noch immer, dass die Macht ihn in all den Jahren nicht verlassen hat (Zahn ist für wesentlich mehr Romane aus dem Star Wars Universum verantwortlich und es wäre unfair, sein Werk nur auf "Erben des Imperiums" zu reduzieren). Mit Ausnahmen einiger vermeidbarer Längen ist das Thrawn-Reboot zu einem gelungenem Star Wars Abenteuer geworden, welches sicherlich nicht so einen Einfluss haben wird wie Zahns alte Trilogie, aber seine Daseinsberechtigung mehr als nur unter Beweis gestellt hat. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Donnerstag, 6. September 2018

Ranking of the Dead: Romeros Zombies



George A. Romero prägte 1968 mit seinem Low Budget Indie-Film "Night of the Living Dead" das Genre des Horrors neu. Weniger mit blutrünstigen Effekten, dafür aber mit vollen Fokus auf eine beklemmende Atmosphäre. Night of the Living Dead glich einem Bühnenstück. Obwohl der Film, technisch gesehen, heute ziemlich altbacken wirkt, so ist er aber unverkennbar noch immer ein Highlight des Genre und der Beginn einer Ära, die bis heute nichts von ihrer Popularität eingebüßt hat. Denn, am Ende kommen sie immer wieder. Sind die Leute einmal übersättigt von den wandelnden Toten, wie es aktuell bei "The Walking Dead" der Fall ist, werden sie in einigen Jahren wieder auferstehen und vermutlich erneut die Kabelsender, Streaming-Dienste oder gar die Kinos unsicher machen.

Vor einem Jahr, im Juli 2017, verstarb George Romero im Alter von 77 Jahren. Sein letzter Film, "Survival of the Dead" erschien 2009 und konnte weder Fans, Kritiker noch Investoren großartig überzeugen. Ein Mann wie Romero wurde anscheinend nicht mehr gebraucht. Dabei hatte Romero noch längst nicht vor, sich in den Ruhestand zu setzen. Seine "Of the Dead" Reihe war noch nicht abgeschlossen. Sein Projekt "Road of the Dead" nur eine Idee.
Mit dem Tod Romeros sollen nun zwei Projekte, darunter "Road of the Dead" und "Rise of the Living Dead", realisiert werden. Der Altmeister musste also erst die Welt verlassen, damit seine nicht realisierten Projekte endlich umgesetzt werden. Romero wollte sich bereits bei "Road of the Dead" nicht mehr selbst auf den Regiestuhl setzen. Er wäre für die Story mitverantwortlich, und als Produzent und Supervisor tätig gewesen. "Road of the Dead" wird also vermutlich das letzte Werk sein, was noch auf Ideen und Konzepte des Altmeisters basiert. Bei "Rise of the Living Dead" wird sein Sohn Cameron Romero für Drehbuch und Regie zuständig sein.

Die Qualität dieser Projekte darf natürlich ganz offiziell noch angezweifelt werden. Selbst Romeros mäßigere Filme in dem Genre waren immer noch gute Filme. Zuletzt veröffentlichter Schund wie "Day of the Dead: Bloodline" geben jedoch keine große Hoffnung darauf, dass sich etwas ändern wird. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass dieses unsägliche Remake von Romeros vermutlich bestem Film nicht unter seiner Riege entstanden ist und auch keiner der Verantwortlichen, die an den neuen Projekten beteiligt sind, an Bloodline beteiligt waren.

In letzer Zeit war ich George A. Romeros schleichenden Kannibalen noch einmal auf der Spur. Die Idee zu einem Ranking, was auf den ersten Blick sicher überraschen wird, kam mir spontan in den Sinn. Qualifiziert für dieses Ranking sind alle Zombie-Filme, die unter Romero entstanden sind. Darunter zählt auch das "Night of the Living Dead" Remake von Romeros Weggefährte Tom Savini. Dort fungierte Romero als Writer, Supervisor und Produzen.
Zack Snyders ausgezeichnetes Remake zu Dawn of the Dead hingegen hat es nicht in das Ranking geschafft, da die Mitarbeit von George Romero hier sehr limitiert war. Entstanden ist eine Filmografie des Todes, die sich über mehrere Dekaden erstreckt.




7. Land of the Dead (2005)




Nach dem sensationellem Erfolg von Zack Snyders Dawn of the Dead Remake witterte Universal ein lukratives Geschäft. Mit Land of the Dead dachte man sich wohl folgendes: "Wenn ein Remake bereits so erfolgreich ist, wie erfolgreich wird dann der Film sein, wo George Romero persönlich die Regie übernimmt?" Die Antwort darauf erhielt man relativ schnell. Land of the Dead ist an den Kinokassen relativ deutlich untergegangen. Das Dawn of the Dead Momentum war verflogen und den Altmeister aus dem nicht ganz so freiwilligen Ruhestand zu holen erwies sich als nicht so lukrative Idee für das Studio. Dabei war Land of the Dead gesegnet mit einem Budget, wovon Romero bisher immer nur träumen könnte. Zusätzlich war Land of the Dead auch Romeros erster Zombie-Streifen, der mit einem R-Rating in die amerikanischen Kinos kam, etwas, wovor er sich immer gesträubt hat. Man versprach ihm jedoch, den Film für den Heimkinomarkt in einer Unrated-Fassung veröffentlichen zu dürfen. Und die sollte Land of the Dead durchaus gut tun. In Sachen Handlung wurde der Film sinnvoll erweitert, doch auch zusätzlicher Gore, der fürs R-Rating weichen musste, wurde in die Unrated-Fassung wieder eingefügt. Entstanden ist ein groß angelegtes Projekt, in das noch Ideen ihren Weg fanden, die Romero bereits für "Day of the Dead" plante. Auch schauspielerisch gewann man mit Simon Baker, John Leguizamo und sogar einem Dennis Hopper bekannte Namen. Mit dabei auch Asia Argento, der Tochter eines anderen Weggefährten Romeros, Dario Argento.

Auf dem Papier klingt hier durchaus alles nach Extraklasse. Das Endergebnis wirkt jedoch relativ ernüchternd. Oftmals wirkte es, als sei Romero mit dem großen Budget überfordert gewesen. Kein wunder für einen alternden Filmemacher, der immer wieder Budgetkürzungen hinnehmen musste. Land of the Dead ist bei weitem kein schlechter Film, er ist sogar ziemlich unterhaltsam. Doch haftet ihm nicht das an, was Romeros Filme vorher, aber auch danach immer ausmachte. Land of the Dead ist zugeschnitten für eine breite Masse. Der Plot und die Gesellschaftskritik sind dünn gehalten, die Charaktere bleiben äußerst Flach und berechnend im Verlauf des Films. Alles, was Zack Snyder mit seinem Dawn of the Dead Remake aufgebaut hat, wurde in Land of the Dead gegen verhältnismäßig einfache Unterhaltung eingetauscht. Snyders Remake lebte von einer ungeheuren Dichte und Spannung, der Altmeister hingegen war mit Land of the Dead nicht in der Lage, diese Essenz einzufangen. Stattdessen greift er das ein oder andere mal zu sehr auf alte Erfolgsrezepte zurück, die in Land of the Dead aber ungewohnt überflüssig wirken.



6. Survival of the Dead





Mit "Diary of the Dead" aus dem Jahr 2007 traf Romero den Zahn der Zeit. Wenn auch bei den Kritikern nicht gut angekommen, begrüßten seine Fans den Weg zurück zu einer eher kleineren Produktion. Survival of the Dead hingegen war vielleicht, nur zwei Jahre später, thematisch nicht die klügste Wahl, einen neuen Film zu präsentieren. Es sollte nicht nur Romeros letzter Zombie-Streifen werden, sondern gleichzeitig auch sein letzter Film überhaupt, rund 8 Jahre bevor er verstarb. Survival of the Dead kostete Romero die Leute, die in sein Schaffen investieren. Es war durchaus noch eine Zeit bevor Crowdfunding und Netflix zu unserem Alltag gehörten. Romero musste Studios noch auf altmodische art und weise von seinen Ideen überzeugen. Nach dem Misserfolg von Survival of the Dead nahmen die Studios jedoch Abstand.

Survival of the Dead ist der Film eines älteren Herrn über andere ältere Herrn, die auf einer Insel leben. Fälschlicherweise wird Survival of the Dead oftmals als Horror-Komödie betitelt, dies ist jedoch falsch. So melancholisch und bierernst wie Diary ist Survival durch seine eher lockere Atmosphäre und vieler Oneliner zwar nicht, aber die Lacher im Film halten sich doch arg in Grenzen. Survival of the Dead ist ein klassisches Spätwerk das weder das Genre revolutioniert, noch aber irgendeinen Schaden anrichtet. Es ist mal wieder eine interessante Studie von Romero in die menschlichen Abgründe. Das Setting rund um eine Insel, die von zwei rivalisierenden Familienclans beherrscht wird, ist interessanter, als es den Anschein macht. Was der Film verpasst, ist, einen richtigen Treffer zu landen. Zwar findet man hier wieder mehr Romero als in Land of the Dead, aber es haftet auch nicht sehr viel an Survival, was ihn relevant erscheinen lässt. An sich ist Survival of the Dead ein Film, der relativ kurzweilig ist und durchaus zu unterhalten weiß. Mit dem Wissen jedoch, dass es sich um George R. Romeros letzten Film handelt, hätten wir uns wohl alle gewünscht, dass ein großer Filmemacher sich mit einem großen Knall verabschiedet. Dies wird dem Film leider immer anhaften.




5. Dawn of the Dead (1978)




Romero Cut? Argento Cut? Oder doch lieber der Krekel Cut? Dawn of the Dead bietet für jeden etwas, doch die meisten Fassungen findet man sicherlich in Deutschland. Als ein in Zelluloid gebannter Albtraum für die deutschen Jugendschützer der damaligen Zeit, wurde Dawn of the Dead aka Zombie aka Zombies im Kaufhaus wohl zu einem der meist zensierten Filme in Deutschland. Bis heute noch bundesweit beschlagnahmt fristet er sein Dasein auf schummrigen Filmbörsen. Wer keine gekürzte Fassung oder ein Bootleg ergattern will, der muss hier auch weiterhin bei einer österreichischen oder anderen ausländischen Fassung zugreifen.


Dawn of the Dead ist, ohne Frage, Romeros wohl bekanntester Film zusammen mit Night of the Living Dead. Der Film erschien rund 10 Jahre nach dem Überraschungserfolg des Erstlings und führt die Geschichte mit neuen Charakteren auf einer wesentlich größeren Ebene fort. Mit David Emge und Kult-Darsteller Ken Foree in den Hauptrollen, spielt die Handlung diesmal nicht mehr in einem verlassenem Farmhaus sondern in einem Einkaufszentrum. Romero führt seine Gesellschaftskritik auf ein Maximum und hat ein schauriges Bild der Gesellschaft der 70er hinterlassen. Handwerklich brillant und doch aus heutiger Sicht ein wenig angestaubt was Präsentation und Lauflänge angeht. Hier kommt es wirklich drauf an, welche Schnittfassung man sich ansieht. So ist es   Dario Argentos Fassung, die den Film ein wenig an Balast nimmt, ihn mit einem Soundtrack der italienischen Band Goblin versieht und ihn etwas zugänglicher macht. In diesem Ranking wohl die kontroverseste Platzierung, besonders im Anbetracht der Tatsache, welcher Film hiernach folgt.



4. Diary of the Dead



Diary of the Dead war Romeros Rückkehr zu den Zombies nach Land of the Dead. Allerdings vom Budget her wieder in wesentlich kleineren Regionen angesiedelt und mit größtenteils unbekannten Schauspielern versehen. Zumindest macht dies den Anschein. In Wahrheit gibt es hier doch viele prominente Cameos von alten Weggefährten oder langjährigen Fans von Romero. Gastauftritte gibts hier in Form von Radiosprechern, deren Stimmen geliehen werden von Quentin Tarantino, Guillermo del Toro, Wes Craven, Stephen King, Simon Pegg und Tom Savini. Selbst Romero selbst ist hier in einem Cameo zu sehen. Diary of the Dead war auch, obwohl bei den Kritiken relativ durchwachsen aufgenommen, Romeros Rückkehr zu einer alten, fast vergessenen Stärke. In diesem relativ melancholisch angehauchtem Roadmovie, das chronologisch angesiedelt ist nach den Ereignissen in Night of the Living Dead, nimmt es Romero erstmals mit der modernen Generation auf. Der YouTube und Social Media Generation. Ein kleines bisschen war Romero 2007 mit seiner Filmidee dem Zeitgeist etwas voraus. Je mehr Jahre vergehen, desto relevanter scheint Diary of the Dead zu werden. Interessanterweise bestand die Idee, eine art Found Footage Film zu drehen, schon seit vielen Jahren in Romeros Kopf. Inwiefern die Umsetzung seinen alten Konzepten gleicht wird nun nicht mehr aufgeklärt werden, aber spielt nun auch sicherlich keine Rolle mehr.

Überraschend für mich selbst ist, wie frisch der Film sich auch jetzt noch anfühlt. Sein Low Budget Charakter erinnert wieder ein wenig an Night of the Living Dead. All das macht Diary of the Dead zu einem sehr ehrlichen Film. Auch wenn er in Romeros Zombie-Universum wohl nie eine sehr große Aufmerksamkeit erregen wird, so hat er durchaus seine Fans und somit seinen verdienten Platz im Ranking gefunden.



3. Night of the Living Dead (1968)




Alles hat einen Anfang, sogar ein ganzes Subgenre. Night of the Living Dead war ein überraschender Indie-Hit, der mit einem lächerlich geringem Budget auskam. So gering, dass in einer Zeit, wo unlängst in Farbe gedreht wurde, hier noch Schwarzweiß angewandt wurde. Teils als Stilmittel, größtenteils jedoch um kostengünstig drehen zu können. Natürlich ist das Schwarzweiß das Stilmittel, wieso dieser Film so verdammt gut funktioniert.Vom Aufbau her gleicht der Film einem Bühnenstück. Der Fokus liegt hier auf einer lauernden, unbekannten Furcht, die, so unglaublich es klingen mag, die Toten aus ihren Gräbern aufsteigen lässt. Eine genaue Erklärung über das "Wieso" bleibt uns Romero in eigentlich allen Filmen schuldig, doch genau das macht die Filme mitunter so ansprechend. In Night of the Living Dead könnte es die Strahlung eines Satelliten sein, die die Katastrophe ausgelöst hat. Im Tom Savinis Remake belächelt man diese Theorie eher. Die Ursprünge werden nie vollständig geklärt und es ist völlig in Ordnung so.

Night of the Living Dead hatte es nie einfach. Ein großer Faktor ist hier das Copyright, welches durch einen Fauxpas damals nicht unter dem Titel "Night of the Living Dead" registriert wurde, sondern unter einem anderen Titel. Seit seiner Veröffentlichung ist der Film somit Public Domain und frei zugänglich für nicht autorisierte Versionen. Weder die Farbfassung, noch die berüchtigte 30th. Anniversary Edition, die in Deutschland fälschlicherweise auf Liste B für jugendgefährdende Medien landete, sind autorisierte Versionen von Romero. Und ja, es gibt sogar Fassungen, wo der Soundtrack durch Techno oder Heavy Metal ausgetauscht wurde. In den letzten Jahren ist es um diese obskuren Versionen oder nicht autorisierten Remakes sehr ruhig geworden, aber da die Copyright-Lage anscheinend noch immer nicht geklärt ist, wird der Film wohl auch weiterhin vor solchen Fassungen nicht geschützt sein.

Technisch gesehen könnte Night of the Living Dead als C-Movie durchgehen. Die Dialoge wirken öfters sehr hölzern, die Kulissen improvisiert und es gibt visuelle Filmfehler wie Sand am Meer, die durch die hohen Auflösungen der heutigen Zeit noch wesentlich deutlicher werden. Aber all das macht den Charme dieses großartigen Werks aus. Anders als vielleicht bei Dawn of the Dead schadet das hohe Alter des Films der Präsentation weniger, lässt ihn noch kultiger erscheinen und macht ihn somit zu einem zeitlosen Klassiker.



2. Night of the Living Dead (1990), Regie: Tom Savini




Tom Savinis Spielfilmdebüt als Regisseur gilt heute mittlerweile beinahe als verschollener Film. Es ist, als würden wirklich nur noch die sehr eingefleischten Fans darüber bescheid wissen, dass zu Romeros Klassiker ein großartiges Remake existiert. In Farbe, mit wundervollen Effekten und einer alternativen Storyline. Romero schrieb für dieses Remake das Script und ließ Ideen mit einfließen, die es damals nicht ins Original geschafft haben. Barbara zur ultimativen Protagonistin zu machen war eine dieser verworfenen Ideen. Der Altmeister fungierte hier zusätzlich noch als einer der Produzenten und übernahm am Set die Rolle des Supervisor. Die Regie übernahm hier, für viele sehr überraschend, Special Effects Künstler Tom Savini. Savini grämte sich immer, nicht für die Effekte im Original verantwortlich gewesen zu sein. Romero arbeitete mit Savini bereits bei Dawn of the Dead und Day of the Dead zusamment und beförderte ihn bei diesem Remake sogar auf den Regiestuhl.

Die Rollen der Charaktere wurden, wenig überraschend, allesamt neu besetzt. Barbara wurde hier von Patricia Tallman, Ben von Tony Todd und Cooper von dem viel zu früh verstorbenen Tom Towles übernommen. Die Darsteller überzeugen und funktionieren allesamt. Film- und Logikfehler des Originals wurden größtenteils ausgebessert und der Umfang der Geschichte teilweise erweitert. Die Zombies sind bedrohlicher als je zuvor. Um dem Original zu huldigen, entschied man sich bereits vor Drehbeginn dafür, Blut und Splatter sehr gering zu halten. Die Effekte sind jedoch durchgehend aufwendig gehalten. Und dennoch mussten für das R-Rating einige Frames von der einen oder anderen Szene entfernt oder umgeschnitten werden. Diese Szenen findet man in einem Workprint wieder. Allerdings hält sich die Relevanz der Szenen stark in Grenzen.

Savini selbst beschreibt den Dreh als "Schlimmsten Albtraum". Eine menge Szenen konnte er nie realisieren und auch über die Anpassungen fürs R-Rating war er alles andere als begeistert. Oftmals, wenn Romero nicht am Set war, kämpfte er sogar damit, seine Contenance zu bewahren. Bei den Kritikern wurde der Film eher durchwachsen aufgenommen. Erst im Verlauf der Jahre gewann das Remake an Signifikanz und gilt auch heute als Kultfilm und eines der besten Remakes im Horrorgenre. Verdient, wie ich finde. Es ist das wunderbare Zusammenspiel einer menge Parteien. Von Perfektion ist auch dieses Remake weit entfernt, jedoch kann man darüber leicht hinwegsehen. Von Anfang bis zum Ende ein unglaublich kurzweiliger Film, der mit einem überraschend kontroversem Ende aufwartet und den Übergang zu Dawn of the Dead verständlicher macht. Ein Remake, welches hoffentlich in den kommenden Jahren auch mal wieder einer größeren Zielgruppe zugänglich gemacht wird. Besonders in Deutschland sollte einer Neuprüfung praktisch nichts mehr im Wege stehen, doch gab es erst 2017 wieder eine unnötige Folgeindizierung.



1. Day of the Dead (1985)



Day of the Dead hatte geringeres Glück als Night of the Living Dead und Dawn of the Dead und erhielt bereits zweimal ein unsäglich schlechtes Remake. Noch einmal verstärkt werden sämtliche Fehlversuche dadurch, dass George A. Romero hier einen unfassbar guten Film abgeliefert hat. Oft kopiert, besonders von den Italienern, doch eigentlich nie erreicht thront Day of the Dead an der Spitze der Zombiefilme. Alles, was Romeros Filme ausmacht, findet man in diesem Film. Für seine künstlerische Freiheit verzichtete Romero sogar auf die Hälfte des Bugdets und brachte den Film ungeprüft in die amerikanischen Kinos. Mit einem Einspielergebnis von über 34 Millionen Dollar weltweit ein voller Erfolg. Trotz seiner teils drastischen Gewaltdarstellungen im letzten Abschnitt des Filmes (auch hier war wieder Tom Savini mit seinem Team am Werk und ließ sie, wörtlich gesagt, durch die Hölle gehen), bleibt überraschenderweise nicht der Splatter in Erinnerung, sondern der Film als Gesamtwerk. Auch Day of the Dead gleicht einem Bühnenstück. Die erste Hälfte des Filmes sind wenig Zombies zu sehen und es ist die Isolation, die einen Großteil der Handlung bestimmt. Der Film baut sich langsam, aber nicht zäh auf und steuert von Minute zu Minute auf ein großartiges Finale zu.

Bedanken kann man sich für die überzeugende Aufführung bei den Schauspielern, die fast allesamt aus dem Bereich Theater stammen. Mit Lorie Cardille, die hier die Rolle der Sarah übernahm, wählte Romero erstmals eine weibliche Protagonistin (etwas, was er eigentlich schon für Night of the Living Dead vorgesehen hatte). Doch besonders die Auftritte von Terry Alexander, Joseph Pilato und Richard Liberty sind es, die für mich diesen Film besonders hervorheben.

Isolation, Wahnsinn und Verzweiflung in einer Zombie-Apokalypse. Zum Abschluss seiner ersten Trilogie ließ Romero nichts anbrennen und verabschiedete sich hier für viele Jahre mit einem Feuerwerk. Etwas, was man sich sicherlich auch bei Survival of the Dead gewünscht hätte. Doch die Zeiten waren halt andere damals, das Feuer in allen Beteiligten brannte mehr als je zuvor und gemeinsam wollte man erneut mit relativ einfachen Mitteln einen großartigen Film erschaffen. Und tatsächlich kann man hier sagen, man hat das Maximum aus dem Genre geholt und mit Day of the Dead einen fantastischen Film geschaffen.

Donnerstag, 30. August 2018

Aufziehvogel's Wühlkiste - Day of the Dead: Bloodline




USA/Bulgarien 2018

Day of the Dead: Bloodline
Basierend auf: George A. Romeros Day of the Dead (1985)
Regie: Hèctor Hernández Vicens
Darsteller: Johnathon Schaech, Sophie Skelton, Jeff Gum, Marcus Vanco, Mark Rhino Smith
Produktion/Distribution: Millennium Films, Lionsgate
Laufzeit: Circa 90 Minuten
Genre: Horror
FSK: Ab 18


Selbst zu Lebzeiten von George Romero (1940-2017) war sein "Of the Dead" Franchise nicht vor billigen Kopien oder Schund sicher. Die relativ undurchsichtige Rechtelage zu einigen Filmen, besonders jedoch zu Night of the Living Dead, lud in der Vergangenheit sogar Hobby-Filmemacher dazu ein, den Film zu remaken oder Romeros Original zu verunstalten. Doch nicht alle Neuverfilmungen/Remakes waren zum scheitern verurteilt. Gelungene Vertreter stellen Tom Savinis Night of the Living Dead Interpretation und Zack Snyders Remake zu Dawn of the Dead dar. Romeros großartiger Day of the Dead aus dem Jahr 1985 war jedoch nicht mit so viel Glück gesegnet. Bereits das erste Remake aus dem Jahr 2008 von Steve Miner galt gemeinhin unter Fans und Kritikern als Gurke. Da ist es praktisch nur logisch, dass man eine Gurke nur noch durch einen echten Stinker toppen kann. Ein Stinker, der mindestens genau so modrig und vermutlich auch übel riechend ist wie Romeros hungrige Zombies. Das oberste Ziel bei Day of the Dead: Bloodline kann also nur gewesen sein, das Remake aus dem Jahr 2008 noch einmal zu unterbieten. Und darin war man etwas über 80 Minuten sehr erfolgreich. Hier darf man sich nicht von der Laufzeit von 90 Minuten täuschen lassen, alleine über 7 Minuten fallen auf den überlangen Abspann zurück.

Regie bei diesem Stinker führte Hèctor Hernández Vicens, der 2015 mit "Die Leiche der Anna Fritz" einen kleinen Indie-Hit landen konnte. Wie viel der Misere bei Day of the Dead Bloodline auf das Konto von Vicens geht, wage ich hier nicht zu vermuten. Einen großen Einfluss schien hier auch Produzentin Christa Campbell gehabt zu haben. Auch was die Produktion angeht, bin ich mir nicht ganz sicher, wem man nun den goldenen Kaktus zuschieben soll. Bloodline riecht stark nach Millennium Films, die aber nicht alleinig für den Film verantwortlich waren. Sobald man jedoch Millennium Films hört, riecht es förmlich nach Osteuropa. Bei Bloodline ist das, wie bei so vielen anderen Filmen des Studios, nicht anders. Gedreht wurde größtenteils kostengünstig in Bulgarien, so, wie zuletzt schon der letzte Chainsaw Massacre Film ("Leatherface", der sich jedoch qualitativ in einer ganz anderen Dimension befindet) erstmals in Osteuropa gedreht wurde und nicht mehr in den USA.

Inhaltlich bedient sich Bloodline relativ sparsam am Plot von Romeros Film. Grundrisse wie den Bunker, die Soldaten und einen speziellen Zombie findet man auch in Bloodline, die Storyline, der Ausgang der Geschichte aber auch die Charaktere kann man als unabhängig bezeichnen. Nichts davon rettet Bloodline, aber es ist auch nicht wirklich eine 1:1 Kopie. Wie aber auch im Original steht hier eine Frau im Mittelpunkt der Geschichte und es gibt auch wieder einen fiesen Army-Boy, der jedoch dem großartigen Joseph Pilato aus Original nicht das Wasser reichen kann. Es sind tatsächlich die markanten Charaktere aus Romeros Film, die hier schmerzlich vermisst werden. Romero setzte in seinem Film größtenteils auf Schauspieler aus dem Bereich Theater. Dieser Fakt spielte im zusätzlich in die Karten, denn wie auch schon Night of the Living Dead ist Day of the Dead aufgebaut wie ein Theaterstück, welches von seinen Charakteren und Dialogen lebt, die Gewalt und sensationellen Effekte von Tom Savini waren so gesehen nur der Bonus. Und genau da wird es für das Remake extrem dünn. Die Dialoge sind unterirdisch und die Schauspieler haben auch nicht die nötigen Fähigkeiten, das schwache Drehbuch auszugleichen. Durch die Bank weg hat man es mit Charakteren zu tun, für die man nichts empfindet und die einem regelrecht gleichgültig sind. Hinzukommt fragwürdiger Fanservice und man Hauptdarstellerin Sophie Skelton bei jeder halbwegs passenden Gelegenheit mit offener Bluse präsentiert. Besonders die völlig übertriebene Eröffnungssequenz hätte aus einer schlechten Parodie stammen können.

Die Spezialeffekte bewegen sich glücklicherweise auf einem nicht ganz so unterirdischem Level. Wenn sie mal nicht komplett vom Computer generiert werden, sehen sie sogar recht ansehnlich aus. Ruiniert werden die blutigen Effekte dann fast immer durch hektische Kamerafahrten oder Schnitte. Um wirklich Wirkung zu zeigen, hätten die Effekte länger zu sehen sein müssen. Ein Beispiel hätte man sich hier an das Evil Dead Remake nehmen können. Da Bloodline jedoch aus der Low Budget Spate stammt, kann man ihm zumindest hier nicht wirklich einen großen Vorwurf machen.




Fazit

Unwichtige Leute werden von Zombies gefressen. Aber Zombies nennt man sie, wie in vielen anderen Filmen dieser art, nicht. Hier musste ein Begriff her der cool klingt, also nannte man sie "Rotter". Die Untoten sind auch in diesem Remake relativ hungrig, jedoch hätte man den Stoff belangloser und uninteressanter nicht umsetzen können. Einfach alles an "Day of the Dead: Bloodline" hinkt hinterher. Ob Plot, Drehbuch oder Produktionskosten (die Schauspieler würde ich hier nicht einmal verurteilen), nichts davon wird irgendeinen Zuschauer vom Sofa fegen. Es ist die Ideenlosigkeit, die hier furchterregender ist als die Zombies. Hier wirbt man einfach mit einem großen Name, sämtliche Vergleiche mit Romeros Day of the Dead verbieten sich hier und bereits zu Beginn kann man sich von der kleinen Hoffnung verabschieden, es hier mit einem einigermaßen sehenswerten Film zu tun zu kriegen. Warum Ressourcen für so ein Filmprojekt verbrannt werden, wird nicht nur Fans des Genre ein Rätsel sein, sondern, vielleicht nicht sofort aber wenn etwas Zeit vergangen ist, den Verantwortlichen dieser Produktion. Diesen Schund also ignorieren und darauf hoffen, dass das Original in Deutschland, längst überfällig, nicht mehr beschlagnahmt ist und somit auch anschließend vom Index marschiert.

Freitag, 24. August 2018

Rezension: Peter Pan (James Matthew Barrie)






Peter Pan
Originaltitel: Peter and Wendy
Autor: Sir James Matthew Barrie
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Christiane Buchner und Martina Tichy
Genre: Klassiker, Kinderbuch, Fantasy



Wenn der Name Peter Pan erklingt, werden die meisten wohl unweigerlich an den animierten Disney-Klassiker aus dem Jahr 1953 denken. Man muss sich nicht grämen oder schuldig fühlen, wenn man die Ursprünge dieser klassischen Kindergeschichte nicht kennt, auch ich hatte hier, wie sich herausstellte, eine relativ große Lücke. Doch leben wir in modernen Zeiten und keine 10 Minuten später kennt man nicht nur Peter Pans Schöpfer, sondern gleichzeitig die komplette Entstehungsgeschichte. Hinter dem frechen Burschen, der sich weigert, erwachsen zu werden steckt der schottische Dramatiker und Autor James Matthew Barrie. Überraschenderweise handelt es sich bei dem hier besprochenen Roman aus dem Jahr 1911 noch nicht einmal um die Urfassung dieser Geschichte. Barrie erfand die Figur wesentlich früher und lies sie in leicht veränderter Form in einer anderen Geschichte auftreten. Doch den Peter Pan, den wir heute kennen, der fand sein Debüt in einem Theaterstück aus dem Jahr 1904, einige Jahre vor der Veröffentlichung des Romans also.
Aufgrund der großen Beliebtheit erhielt Barrie viele Anfragen, die Geschichte auch als Buch umzusetzen. Barrie kam der Bitte nach und schrieb ein Buch und es sollte kein Abdruck des Drehbuchs des Theaterstücks werden. Auf Vorlage des Romans basieren viele Umsetzungen von Peter Pan und er gilt für viele heute als die ursprüngliche Fassung von Peter and Wendy, obwohl das Theaterstück der legitime Vorreiter bleibt.

Der Diogenes Verlag brachte die hier vorliegende Ausgabe bereits 2016 in den Buchhandel, allerdings zu dieser Zeit noch als Sonderedition, gebunden und mit sehr ansprechenden Illustrationen von Tatjana Hauptmann. Die neue Taschenbuchausgabe beinhaltet den ungekürzten Text, allerdings ohne die Illustrationen (das Cover-Motiv stammt jedoch noch aus der illustrierten Variante).

Als großer Fan der Umsetzung von Disney war ich jedoch umso gespannter, wie sich Barries Roman liest. Dabei fällt besonders auf, dass sich Buch und Film teilweise sehr ähnlich sind. Wer glaubt, Hunde-Babysitterin Nana sei eine Erfindung der Disney-Autoren gewesen, der irrt sich. Nanas Rolle im Buch ist aber doch um einiges üppiger und auch signifikanter. Es ist zudem die schiere Vorstellungskraft von James Matthew Barrie, die dieses Buch nicht nur so liebevoll macht, sondern auch ältere Leser bis heute begeistern dürfte. Die Thematik um "das Kind in uns" läuft Gefahr, oftmals in Albernheiten abzudriften, nicht jedoch bei Peter Pan. Selbstverständlich werden hier Kinder vermutlich die meiste Freude haben (besonders dank des lässigen, humoristischen Schreibstils von Barrie), doch ich habe mich nicht selten dabei ertappt, bei so manch aberwitzigen Situationen laut vor mich hin zu grunzen (ich meine tatsächlich grunzen, nicht grinsen!).

In Sachen Umfang aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit ist das Buch dem relativ kurz gehaltenem Zeichentrickfilm natürlich um einiges voraus. Das Buch scheut nicht davor, auch kritischere Themen anzuschneiden, was besonders zu Beginn der Geschichte im Hause der Darlings zu lesen ist. Hier hat ein Roman jedoch wesentlich mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, die Charaktere zur Geltung kommen zu lassen und auch mal nicht so heitere Themen anzuschneiden. Besonders das Schicksal des fiesen Captain Hook ist im Buch dann doch wesentlich bittersüßer als in Disneys kinderfreundlicher Vision der Ereignisse.



Resümee

Für mich war James Matthew Barries "Peter Pan" noch einmal ein wundervoller Ausflug ins Nimmerland. Besonders für Leute, die wirklich nur mit den filmischen Umsetzungen vertraut sind, werden hier noch einmal einen Mehrwert finden. Barries Ideen und Humor wirken nicht antiquiert oder eingestaubt, eine flüssige deutsche Übersetzung half zudem noch, das Werk etwas zeitgenössischer in der Wortwahl zu gestalten. Ein wundervoller Klassiker für Kinder, den jung gebliebenen, aber auch ganz sicher für die Erwachsenen.



Dienstag, 14. August 2018

Gantz: Zurück in Deutschland als Perfect Edition




Deutsche Fans von Hiroya Oku's Gantz hatten es nie leicht. Nach nur fünf Bänden beendete Planet Manga (Panini) im Jahr 2003 das Kapitel Gantz für sich. Schuld hieran waren nicht überzeugende Verkaufszahlen. Aufgrund des hohen Anteils an Gewalt und Nacktheit war Gantz nichts für zartbesaitete und sicherlich auch nicht das, was die Leute in einer Zeit des Terrors (11. September, Irak Krieg) unbedingt lesen wollten. Doch war 2003 an sich auch nicht die Zeit, wo Manga einen solchen Stellenwert in unserer Popkultur besaßen, wie beispielsweise heute im Jahr 2018. Es dauerte also 15 Jahre nach Paninis gescheitertem Versuch und 5 Jahre seit Beendigung des Manga im Jahr 2013, bis sich ein deutscher Verlag noch einmal an die Lizenz herantraute.

Bereits Panini plante damals schon einen Nachdruck und somit zweiten Anlauf in Deutschland, der vom japanischen Lizenzgeber nicht genehmigt wurde. Besonders in den letzten Jahren wurde eine Neuauflage des Science-Fiction-Horror Manga gefordert, aber konkrete Neuigkeiten dazu gabs nie. Stimmen wurden lauter, Egmont Manga hätte vielleicht Interesse an einer Neuauflage, da diese zuletzt Hiroya Oku's "Inuyashiki" in Deutschland publizierten. Relativ überraschend griff sich jedoch Cross Cults noch recht neues Manga Label "Manga Cult" die Lizenz, die bereits eine Neuauflage des in Deutschlands vor einigen Jahren gescheiterten Blame! von Tsutomu Nihei veröffentlichen.

Bereits vor einiger Zeit angekündigt, erscheint (offiziell) am 15. August Band 1 der neuen Perfect Edition. Inoffiziell wird der Band wohl wie immer schon vorher bei einigen Händlern vor Ort bereitstehen oder Online ausgeliefert worden sein. Manga Cult entschied sich für eine Veröffentlichung in sehr dicken Bänden mit einer Klappenbroschur. Band 1 wird satte 4 Bände umfassen, ab Band 2 dieser Edition werden 3 Einzelbände in einer Ausgabe untergebracht. Überraschenderweise ist der Band trotz seines Umfangs nicht unhandlich und die Verarbeitung in der Preisklasse von 20 Euro (die für so einen dicken Wälzer recht günstig ist) ebenfalls sehr solide. Qualitativ ist die Ausgabe zwar unter den Hardcover Master Editionen von Manga Cult anzusiedeln, aber insgesamt macht die Verarbeitung von Gantz als dicke Klappenbroschur einen sehr guten Eindruck, den man oftmals bei Omnibus-Editionen nicht so erwarten kann. Hoffen wir also, dass das Team rund um Manga Cult auch weiterhin so eine Qualität abliefern wird.

Wo ich schon von "Hoffen" schreibe, dies gilt auch für den Erfolg der Reihe in Deutschland. Ich wünsche mir sehr, dass Gantz sich beim Verlag etablieren wird und endlich nun auch, nach all den Jahren, komplett in Deutschland erhältlich sein wird. Zu wünschen wäre es.


Donnerstag, 9. August 2018

Guillermo del Toro: Der nicht so beeindruckende, beeindruckende Geschichtenerzähler



Die überschaubare Filmografie des Guillermo del Toro Gómez aus Guadalajara Mexiko ist vielseitig. Jeder seiner Filme trägt eindeutig seine Handschrift, aber keiner ist wie der andere. Der 53 jährige Visionär ist oftmals beheimatet im Horrorgenre, aber Fantasy scheint ihm doch ein wenig mehr zu liegen. In Wahrheit ist es aber die Mischung, die es bei del Toro ausmacht. Es ist sein magischer Realismus, der in Filmen wie Pan's Labyrinth und The Shape of Water das Drama mit phantastischen Elementen verbindet. Doch ist dieser eigentlich geniale Filmemacher, Produzent und Autor auch ein Widerspruch für sich. Von Hobbits, Trollen und Elben halte er eigentlich nicht viel, und dennoch fühlt sich Hellboy 2- Die goldene Armee mit all seinen Fabelwesen an wie die moderne Interpretation einer Geschichte von Tolkien. Auch machte Guillermo del Toro darauf aufmerksam, dass Filmemacher ihre Filme vielleicht nicht zu lang gestalten sollten, er selbst besäße nicht mehr so viel Sitzfleisch und Konzentration, sich Filme von über 120 Minuten im Kino anzusehen. Dabei sind es die letzten drei Filme del Toros, die zusammengerechnet eine Laufzeit von knapp 7 Stunden (Abspann allerdings mitgerechnet), aufweisen. Seine Roman-Umsetzung zu The Shape of Water, die er gemeinsam mit dem Autor Daniel Kraus verfasst hat, verdoppelt sogar noch einmal den Umfang, den der bereits lange Film bietet.

Guillermo del Toro ist ist natürlich weitaus mehr, als seine Filmografie als Regisseur hergibt. Besonders in Spanien und Mexiko genießt er ein hohes Ansehen. Unter seiner Mithilfe als Produzent realisierten del Toro und sein guter Freund Juan Antonio Bayona den ausgezeichneten spanischen Grusler "Das Waisenhaus", losgelöst von sämtlichen konventionellen Geisterfilmen mit einem beachtlichen Budget. Filme wie The Devil's Backbone und Pan's Labyrinth sind ausschließlich in Spanien und Mexiko entstanden. Guillermo del Toro brachte den Gothic-Horror wieder in Mode. Es sind seine abstrakten Kreaturen, die Lovecraft persönlich nicht besser hätten entwerfen können, die sich dem Zuschauer einprägen. Ein Handwerk, welches er sogar bei für ihn untypischen Filmen wie Blade II eingesetzt hat. Doch immer wieder scheint es del Toros Perfektionismus zu sein, der ihm im Weg steht und durchaus auch den Leuten schaden kann, mit denen er zusammenarbeitet.

Mit Cronos feierte der Mexikaner 1993 sein Spielfilmdebüt. Komplett gedreht in Mexiko gab es aber schon damals einen amerikanischen Schauspieler, der ihn über viele weitere Jahre auf seinem Weg begleiten sollte: Ron Perlman. Der Film war ein Indie-Hit, ist aber in der Filmografie von del Toro nie über den Geheimtipp hinausgekommen. Bei seinem zweiten Spielfilm aus dem Jahr 1997 sah das schon anders aus. Mimic genießt bis heute mit seiner leicht trashigen art einen relativ positiven Ruf bei Filmfans. Der Creature-Horror entstand unter Miramax und brachte prompt einige Probleme mit Patriarch Bob Weinstein mit sich. del Toro machte hier einen Anfängerfehler und tappte in eine Falle, in die auch noch viele andere Filmemacher und Schauspieler nach ihm traten: Eine Zusammenarbeit mit Bob Weinstein. Hier hakte es an künstlerischen Differenzen und ganz besonders der Lauflänge des Films. Im Jahr 2009 bekam del Toro die Gelegenheit, endlich seine Wunschfassung des Films fertigzustellen, die im Jahr 2011 dann veröffentlicht wurde und etwas später auch den Weg nach Deutschland fand. Mit rund 6 Minuten mehr Inhalt fiel die Langfassung beim Publikum jedoch durch, die bevorzugen nämlich weiterhin die Kinofassung. Einige Versprechungen del Toros über ein paar pikante Szenen haben letztendlich nie ihren Weg in den Director's Cut gefunden.

Mit der Realisierung seiner Projekte scheint Guillermo del Toro jedoch die meisten Probleme zu haben. Hellboy und Der Hobbit sind prominente Vertreter, doch es gibt noch weitaus mehr. Als großer Fan des Films Blade Runner fühlt sich del Toro auch zum Cyberpunk hingezogen. Doch auch relevante Werke von japanischen Manga und Anime Ikonen wie beispielsweise Katsuhiro Otomo habens ihm angetan. Eine Umsetzung von Otomos "Domu: A Child's Dream" scheiterte aus rechtlichen Gründen. New Line Cinema hingegen plante fest mit del Toro für Blade 3, dieser lehnte jedoch zugunsten von Hellboy ab und Blade 3 ging anschließend unter der Regie von David S. Goyer baden. Ebenfalls für Hellboy musste sein Engagement an Harry Potter und der gefangene von Azkaban weichen. Die Liste auf Wikipedia ist lang, jedoch auch ziemlich interessant. Auch der von Fans sehnsüchtig erwartete letzte dritte Teil der Hellboy Reihe ist im Sand verlaufen, stattdessen gibt es 2019 von Millennium Films ein Reboot.

Viele dieser Projekte sind aber nicht ausschließlich aufgrund von del Toros eigenen Absagen nicht entstanden. Er selbst witzelte nach der prominenten Einstampfung des Videospiels "Silent Hills" darüber, dass er am liebsten gar nicht mehr an einer Kollaboration beteiligt sein möchte, da er fürchte, mit dem Pech, welches er anziehe, würde vermutlich noch das Haus von eine der beteiligten Personen abbrennen oder gar noch schlimmeres passieren.
Sein Ausstieg aus dem Hobbit-Projekt wird heute jedoch weiterhin als sehr kontrovers betrachtet. Del Toro investierte rund zwei Jahre seiner Zeit gemeinsam mit Peter Jackson in die Realisierung der Adaption. Die original Vision des Hobbit-Projekts unterscheidet sich massiv von der Umsetzung, die wir nun kennen. Statt einer Trilogie plante man einen Zweiteiler. Del Toro wollte das komplette Buch in nur einem einzigen Film umsetzen, Teil 2 jedoch mehr als Brücke zum Herrn der Ringe nutzen. Ein eskalierter Streit rund um die Filmrechte um New Line Cinema, MGM und Tolkien Estate sorgten jedoch dafür, dass die Arbeiten an dem Projekt nicht vorankamen und del Toro zugunsten von Pacific Rim ausstieg. Seine Mitarbeit an den Hobbit Filmen wurde jedoch nicht unterschlagen und der Name Guillermo del Toro ist in jeder Edition der Filme im Abspann zu lesen. Genau wie Blade 3 hat der Ausstieg von del Toro jedoch für Probleme gesorgt. Mit ihm hätten wir hier wohl andere, mit großer Wahrscheinlichkeit aber auch bessere Filme erhalten. Selbstverständlich ist es nun ein wenig zu einfach, solch eine Behauptung aufzustellen. Seine Trilogie über den spanischen Bürgerkrieg gilt übrigens auch bis heute als unvollständig. Neben The Devil's Backbone und Pan's Labyrinth sollte der Film "3993" die voneinander unabhängige Trilogie abschließen. Del Toro gab Hellboy II jedoch den Vortritt.

Die Metamorphose von einem kleinen Indie-Filmemacher aus Mexiko zu einem mehrfachen Oscar-Gewinner ist jedoch ein interessanter Prozess. Wenn es aber etwas gibt, wo mit del Toro nicht glänzen kann, dann sind dies beeindruckende Stories. Mit anderen Worten: Guillermo del Toro ist kein beeindruckender, jedoch beeindruckender Geschichtenerzähler. Ein mindestens genau so großer Widerspruch zu seiner Person wie einige Aussagen, die von ihm selbst kamen. Wenn wir ehrlich sind, so hauen die Geschichten in Devil's Backbone, Pan's Labyrinth aber auch The Shape of Water niemanden mehr aus den Socken. Es ist jedoch die Machart del Toros, seine Visionen, seine Kreationen, die hier die eigentliche Geschichte erzählen. Der relativ simple Aufbau von del Toros Geschichten wird durch seine Bilderwelten und wundervollen Effekte ausgeglichen. Eine nicht so beeindruckende Geschichte wird somit zu einem Erlebnis. Kaum ein anderer Film als Pacific Rim beweist diesen Fakt so gut. Eine Geschichte, die inhaltlich auf 1-2 Blätter Papier passt, umgesetzt jedoch als pures Bildspektakel. Dass das aber auch mal in die Hose gehen kann hat del Toro mit Crimson Peak bewiesen. Optisch und von der Szenerie her nicht minder beeindruckend als seine anderen Werke, schafft der Film es jedoch nie, einmal aus sich herauszukommen und Charakter zu zeigen. In meiner Besprechung aus dem Jahr 2016 bin ich auf diese Schwächen eingegangen. Crimson Peak fehlte es trotz namhafter Darsteller und einem gelungenem Setting an Seele. Etwas, was seine eher generische Art der Erzählung einer Geschichte ausgleichen konnte. Doch auch bei Crimson Peak schien es wieder del Toros Perfektionismus gewesen zu sein, der ihn daran hinderte, ein lang ersehntes Projekt zu realisieren. Del Toro besaß mehrere Drafts zu der Story, ein Draft unterschiedlicher als das andere. Es entstand laut seinen eigenen Aussagen ein förmliches Zettel-Wirrwarr und am Ende entschied er sich, das Drehbuch noch einmal komplett umzuschreiben. Genau wie Mimic in den 90ern, so ist Crimson Peak in der aktuellen Fassung nicht der Film, den sich del Toro vorgestellt hat. Und diese Uneinigkeit mit sich selbst könnte auch einer der Gründe sein, wieso der Roman zu The Shape of Water so viel umfangreicher und anders ist als der Film. Keine bloße Nacherzählung in Buchform sondern ein Sammelsurium an verworfenen Ideen und einem alternativen Ende. Sozusagen der Directors Cut als Buch.

In The Shape of Water fand del Toro jedoch wieder zu alter Form zurück. Hier nähert sich der Filmemacher überraschend dem Arthouse-Genre an. Geprägt ist der Film von verschiedenen Einzelschicksalen, die den Vorzug einer großen Katastrophe wie noch in Pacific Rim erhalten haben. Ruhig und beinahe entspannt erzählt del Toro hier, anders als in Crimson Peak, diesmal wieder mit einem Konzept eine ungewöhnliche Geschichte, die aber erst wieder durch die Magie der Bilder ihre wahre Wirkung entfaltet.

Die Wege des Guillermo del Toro sind unergründlich. Ich denke, so viel kann man mittlerweile sagen. Er ist ein einzigartiger Filmemacher, der nicht so beeindruckende Geschichten auf eine jedoch beeindruckende art und weise erzählen kann. Ein Widerspruch in sich, wie del Toro selbst. In den kommenden Jahren wird del Toro vermutlich wieder mehr Projekte entwerfen als er umsetzen kann. Es ist jedoch diese unberechenbare art, die es so spannend macht, den Weg dieses Filmemachers weiter zu verfolgen und zu beobachten, was dabei wieder einmal entstehen wird.

Sonntag, 8. Juli 2018

Am Meer ist es wärmer geht in eine kleine Sommerpause




Etwas früher als geplant, verabschiedet sich "Am Meer ist es wärmer" in die Sommerpause. Gründe hierfür sind technisch, aber auch die derzeitigen Temperaturen machen es schwer, auch nur wenige Seiten in einem Buch zu verbringen. Bereits im Juni musste ich dadurch die Aktivitäten zurückschrauben. Ab August (ein genaues Datum gibt es noch nicht, wird aber nachgereicht) wird es hier dann wie gewohnt weiter gehen.

In der Zwischenzeit wünsche ich allen Lesern frohes Schwitzen, erfolgreiche Regentänze und milde Sonnenbrände!


Auf Bald,
Aufziehvogel

Donnerstag, 21. Juni 2018

Rezension: Erinnerungen aus der Sackgasse (Banana Yoshimoto)




Japan 2003 (Deutsche Ausgabe 2018)

Erinnerungen aus der Sackgasse
Originaltitel: Deddoendo no omoide
Autorin: Banana Yoshimoto
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Annelie Ortmanns
Genre: Kurzgeschichten



Genau wie Haruki Murakami, so ist auch Banana Yoshimoto ein Dauergast auf meinem Blog. Wenn mir ein Roman der Japanerin in die Hände fällt, weiß ich, dass ich von Seite 1 an von ihrem Schreibstil verzaubert werde. Es ist diese unbeschwerte Leichtigkeit, die ihren Charakteren und somit auch ihren gesamten Fundus an Geschichten so besonders macht. Ihren Charakteren haften meistens tiefe Schicksalsschläge an, der Verlust von geliebten Menschen oder einschneidenden Lebensereignissen sind wiederkehrende Elemente in ihren Geschichten. Dennoch verfallen ihre Figuren nie in hoffnungslose Depressionen oder all zu trübe Gedanken. Dafür ist es dieser besondere Hauch von Melancholie und eine ganz kleine Prise Übernatürliches, die ihre Werke so wundervoll garnieren und beispielsweise auch mir schon häufig Trost spendeten.

Eine Anthologie an Kurzgeschichten, nun, so etwas ist mir bislang von der Autorin noch nicht untergekommen. Für mich als begeisterter Leser von Kurzgeschichten eigentlich ein Unding, denn von Banana Yoshimoto sind auch in Deutschland mehrere Anthologien erhältlich. Mit "Erinnerungen aus der Sackgasse", eine Anthologie, die in Japan auf den Titel "Deaddoendo no omoide" hört und nahezu 1:1 übersetzt wurde (was bei deutschen Titel oftmals unüblich ist), kam ich endlich in den Genuss von Banana Yoshimoto in kurzer Prosa. Die Sammlung, die in Japan bereits im Jahr 2003 erschienen ist, umfasst fünf völlig unterschiedliche Kurzgeschichten von genau so unterschiedlicher Länge. Bereits wenn man das Buch aufschlägt, wird einem sofort die etwas ungewöhnliche Widmung der Autorin ins Auge fallen. Diese ist nämlich Fujiko F. Fujio (1933-1996), dem Doraemon-Schöpfer, gewidmet. Im Anbetracht der Tatsache, wie populär der mechanische blaue Kater in Japan ist, ist die Widmung vielleicht eher für westliche Leser ungewöhnlich.

Die erste Geschichte "Das Geisterhaus" könnte beim Leser rein vom Titel her falsche Erwartungen wecken. Hier könnte man nämlich glatt eine Gruselgeschichte erwarten. Fans der Autorin wissen natürlich, so einfach macht es sich Banana Yoshimoto nicht. Die Geschichte handelt stattdessen von zwei jungen Menschen, die sich, praktisch gesehen, gesucht und gefunden haben, aber anscheinend dennoch keine romantischen Gefühle füreinander hegen. Wie in den Geschichten von Banana Yoshimoto aber üblich, so ist der Titel hier nicht aus einer Laune heraus gewählt. Das sogenannte "Geisterhaus" spielt in der Geschichte eine zentrale Rolle und auch die typisch japanische art, über den Tod und paranormale Ereignisse zu reden, kommt in dieser Kurzgeschichte wieder einmal gut zur Geltung. "Das Geisterhaus" dürfte auch für neue Leser der Autorin ein guter Einstieg in ihre Welt sein. Die von mir bereits erwähnte Leichtigkeit und die Trost spendenden Elemente sind hier vorhanden und sind richtungsweisend dafür, wenn man vor hat, sich auch mal die Romane der Autorin vorzunehmen.


"Sieh mal, in Friedenszeiten, mit genug Geld und Zeit, ist es keine große Kunst, ein sanftmütiger, großherziger Mensch zu werden, meinst du nicht auch? Und genau so wäre es in meinem Fall: Wenn alles so bleibt, wie es ist, wäre das eine Gutmütigkeit nur in guten Zeiten. Und dadurch würde ich letztlich etwas Hässliches, Dunkles in mir heranzüchten. Oder mein Leben würde möglicherweise verstreichen, ohne, dass ich etwas anderes als diese oberflächliche Gutmütigkeit erreicht hätte. Aber gerade weil ich schon von Natur aus ein großherziger Mensch bin, möchte ich möglichst daran weiterarbeiten, diese Qualität weiter ausbilden. Und nicht die dunkle Seite davon."


Bei der deutschen Ausgabe fungierte erneut nicht Thomas Eggenberg, sondern die Japanologin Annelie Ortmanns. Die erfahrene Übersetzerin dürfte besonders Lesern von Haruki Murakami noch bekannt sein. Wie immer wurde hier direkt aus dem Japanischen übersetzt und trotz verschiedener Übersetzer bei den vergangenen Veröffentlichungen wurde der klare und verständliche Stil von Banana Yoshimoto beibehalten. Erneut werden exotische Begriffe aus der japanischen Kultur kurz am Ende einer Seite erklärt.

Am Ende überrascht die Autorin noch mit einem kurzen Nachwort. Dort geht sie direkt auf die Leser ein und fragt, ob sie die hier abgedruckten Geschichten wohl genau so traurig finden, wie sie sie selbst empfindet. Eine interessante Fragestellung. Wie bereits zu Beginn meiner Besprechung erwähnt, so empfinde ich persönlich die Geschichten der Autorin als melancholisch, aber nicht traurig. Banana Yoshimoto erfasst auch in diesen fünf Kurzgeschichten ihr zentrales Thema, was all ihre Geschichten begleitet, dennoch liest sich jede Kurzgeschichte völlig anders. Ich will nun nicht auf jede Geschichte eingehen, da jede einzelne exakt die perfekte Länge besitzt, sich selbst mit ihr zu befassen. Insofern ist diese Anthologie (die wie bei den Romanen der Autorin weder zu lang noch zu kurz ist) sehr wohl eine gute Gelegenheit, zu prüfen, ob man sich der Meinung von Banana Yoshimoto im Nachwort anschließt oder nicht.



Resümee

"Erinnerungen aus der Sackgasse" ist das perfekte Buch für einen sommerlichen Abend im freien (sei es im Park, auf der Veranda oder gar auf dem Balkon). Dazu am besten ein Glas gekühlten Weißwein und wenn einfach alles passt, sich auch noch von einer angenehmen Brise berieseln lassen. Bereits in der ersten Geschichte wird man mit der Vokabel "Sackgasse" konfrontiert. Glücklicherweise verläuft sich keine der Kurzgeschichten in eine Sackgasse. Die Anthologie wird nicht nur für langjährige Leser der Autorin interessant sein, auch Leser, die sich an das Werk von Banana Yoshimoto herantasten wollen, bekommen hier den wohl perfekten Einstieg geboten. Würde ich also hier eine Rubrik fürs optimale Sommerbuch eröffnen, dann würde ich "Erinnerungen aus der Sackgasse" sehr weit nach oben setzen.


Für Leute, die genau so interessiert sind am Covermotiv des Bandes wie ich: Der titel lautet Tokyo Parrots und stammt von dem Fotograf Yoshinori Mizutani.




(By Yoshinori Mizutani)

Sonntag, 10. Juni 2018

Rezension: Der dunkle Wald (Cixin Liu)





Die Trisolaris-Trilogie 2


China 2008

Der dunkle Wald
Originaltitel: Hēi'àn sēnlín
Alternativ: Three Body Part 2
Autor: Cixin Liu
Verlag: Heyne
Übersetzung: Karin Betz
Genre: Hard Science-Fiction



Auch Teil 2 von Cixin Liu's großer Trisolaris-Trilogie (besser bekannt als Three Body Problem oder Remembrance of Earth's Past) fand seinen Weg in den Westen erst relativ spät. Die Relevanz von Liu's Werk wird aber mit keinem verstrichenem Jahr unbedeutender, es ist eher das Gegenteil. Sein wundervoller Mix aus klassischer Science-Fiction vermischt mit historischen und alternativ historischen Elementen funktionierte beim Erstling makellos (wenn auch gesagt werden muss, "Die Drei Sonnen" war sicherlich keine Lektüre für Zwischendurch). Teil 1 also simpel fortzusetzen oder gar zu kopieren war für den Autor aus China sicherlich nie eine Option. Und genau so verhält es sich mit der Fortsetzung "Der dunkle Wald". Zwar ist es die offizielle Fortsetzung, dennoch unterscheiden sich die beiden Werke teilweise erheblich voneinander. Besonders Science-Fiction Fortsetzungen mit epischer Rahmenhandlung haben es schwer, sich zu beweisen (sicherlich nicht nur in der Literatur). Doch Cixin Liu hat die Regeln der Fortsetzungen verstanden: Der Umfang der Bedrohung in "Der dunkle Wald" ist größer und mächtiger als noch im Vorgänger, die Situation immer aussichtsloser und allgemein hat sich der Umfang der Geschichte ausgedehnt wie unser Universum.

Obwohl in "Der dunkle Wald" größtenteils ein neuer Cast an Charakteren das Ruder übernommen hat, finden auch noch Charaktere aus dem Vorgänger Platz in der Geschichte. Die Bedrohung um die außerirdische Rasse der Trisolarier, die auf der Erde eine neue Heimat suchen (und mit den Menschen nicht viel anfangen können), wird konkreter. Auch wenn die Ankunft der mysteriösen Spezies rund 400 Jahre in der Ferne liegt, wollen die Vereinten Nationen mit aller Macht diese Invasion verhindern. Vier Spezialisten wählen die Vereinten Nationen, einen Plan gegen diese bevorstehende Invasion zu schmieden. Protagonist Luo Ji, der in seinem Leben häufig bei der Verwirklichung seiner Träume gescheitert ist, realisiert noch nicht so ganz, warum ausgerechnet er für dieses Unterfangen ausgewählt wurde und warum er ins Visier der Trisolarier geraten ist.

Was hier nach gewohnter Science-Fiction Kostet klingt ist wesentlich komplexer und unzählige male interessanter, als es auf einem Blatt Papier zusammengefasst den Eindruck macht. Mit einer einzigen, beinahe unscheinbaren Person, Ye Wenjie, begann bei Cixin Liu eine Geschichte, wo, viele Jahre und gar Jahrhunderte später die Existenzen gleich mehrerer Spezies aufs Spiel stehen. Der Autor kennzeichnet Gut und Böse nicht in Schwarz und Weiß und in bester Asimov-Manier versteht er es, sein eigenes Science-Fiction Universum behutsam aufzubauen. Trotz der Fülle an Charakteren kommen die wichtigsten Personen nie zu kurz. Für das handeln mancher Charaktere, aber auch zum Verständnis der Geschichte ist es dennoch unabdingbar, den Vorgänger gelesen zu haben. Vom Verständnis her ist die Fortsetzung jedoch etwas bekömmlicher, da hier weniger auf historische Ereignisse der chinesischen Kultur eingegangen wird.
Doch nicht nur bei klassischer Science-Fiction Werken fand Liu seine Inspiration. Eine Erwähnung findet auch Yoshiki Tanakas nicht minder beeindruckendes, zehnbändiges Epos "Legend of the Galactic Heroes".

Koichi Inoue drehte sich um und sah Tyler zum ersten Mal direkt ins Gesicht, Die Haare klebten ihm feucht an der Stirn, und die Regentropfen auf seinem Gesicht sahen aus wie Tränen. "Ihr Ansatz, Mr Tyler, verstößt gegen die grundlegenden moralischen Prinzipien moderner Gesellschaften. Das menschliche Leben hat Vorrang vor allem anderen, und Staat und Regierung können von niemandem verlangen, eine Selbstmordmission auszuführen. Kennen sie Yoshiki Tanakas Science-Fiction-Reomanserie Legend of the Galactic Heroes? An einer Stelle sagt dort der Protagonist Yang Wenli: >Das Schicksal des Landes hängt von diesem Krieg ab, aber was bedeutet das schon neben den Rechten des Individuums und der Freiheit? Gebt einfach nur euer Bestes.<"

Bei der Übersetzung übernahm  Karin Betz von Martina Hasse, die Lesern von Mai Jia als deutsche Übersetzerin vielleicht bekannt sein dürfte. Erneut direkt übersetzt aus dem Chinesischen hat die Übersetzerin eine flüssige, gut lesbare Übersetzung abgeliefert, die sich nicht mit der Übersetzung des Erstlings widerspricht. Auch hier war es wieder die einzig sinnvolle Entscheidung, aus dem Original zu übersetzen und nicht auf Grundlage einer vorhanden, englischen Übersetzung einen deutschen Text anzufertigen. Da nimmt man auch gerne etwas längere Wartezeiten auf den neuen Band in Kauf.



Resümee

Cixin Liu liefert mit "Der dunkle Wald" nicht nur eine würdige, sondern eine beispiellose Fortsetzung ab. Alles in diesem Roman wirkt größer und umfangreicher, aber zu keiner Zeit erzwungen oder aufgesetzt. Die Story verfällt nicht in abstrusen Science-Fiction Kitsch und kopiert seinen Vorgänger nicht. Hier sind alle Zutaten für eine gelungene Fortsetzung vorhanden. Meine Begeisterung gegenüber Cixin Liu ist daher ungebrochen und ich erwarte nicht nur ein würdiges Finale seiner Trilogie im nächsten Jahr (die deutsche Ausgabe erscheint am 08.04.2019), sondern auch weitere, beeindruckende Geschichten aus seiner Feder. Genau so funktioniert Science-Fiction.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Review: Isle of Dogs





USA/Deutschland 2018

Isle of Dogs
Alternativ: Ataris Reise
Regie, Drehbuch, Produktion: Wes Anderson
Musik: Alexandre Desplat
Sprecher (englischsprachige Auswahl): Bryan Cranston, Koyu Rankin, Edward Norton, Bob Balaban, Bill Murray, Jeff Goldblum, Kunichi Nomura,  Yoko Ono, Scarlett Johansson, Harvey Keitel
Laufzeit: Circa 101 Minuten
Verleih: Fox Searchlight Pictures
FSK: Ab 6



Wes Anderson (Darjeeling Limited, Moonrise Kingdom, Grand Budapest Hotel) ist kein Filmemacher, der besonders viel in der Öffentlichkeit steht und auch nicht Filme in Fließbandarbeit produziert. Wes Anderson präsentiert circa alle 2-3 Jahre ein neues Werk, erfindet sich meistens selbst neu, heimst eine menge Preise für sein Werk ein und verschwindet dann wieder so lange, bis sich das Spiel von vorn wiederholt. Zusätzlich muss dieser Mann anscheinend nur mit den Fingern schnippen, um sämtliche Größen des öffentlichen Lebens vor die Kamera zu bekommen.

Mit "Isle of Dogs" ging Anderson nach "Fantastic Mr. Fox" aus dem Jahr 2009 erneut den beschwerlichen Weg, uns einen Stop-Motion Animationsfilm zu präsentieren. Besonders interessant hierbei ist nicht nur der Ausflug nach Japan sondern auch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Studio Babelsberg. Seine Premiere feierte der Film bereits im Februar auf der Berlinale, eine etwas größere Kinoauswertung gab es für deutsche Zuschauer jetzt im Mai. Genau wie bei Moonrise Kingdom schafft Anderson bei Isle of Dogs einen gewagten Spagat zwischen Indie-Arthouse und großer Produktion. Entstanden ist hier zwar ein Animationsfilm, aber bereits nach wenigen Minuten wird klar, wer dafür verantwortlich war. Insofern ist es schwierig, aufgrund des speziellen Humors und den Anspielungen auf die japanische Popkultur "Isle of Dogs" uneingeschränkt auch Kindern zu empfehlen (die vermutlich weiterhin bei Disney/Pixar und Dream Works mehr auf ihre Kosten kommen werden), aber dennoch bin ich mir sicher, dass auch die jüngere Zielgruppe hier ihren Spaß haben könnte. Anders als man bei der Thematik vielleicht erwarten könnte, so hat Anderson es hier nicht auf die Tränendrüsen der Zuschauer abgesehen sondern stellt elegant Humor und seine einzigartigen haarigen Hauptcharaktere sowie einen liebevollen Protagonist in den Vordergrund. Was nicht bedeutet, Isle of Dogs könne keinerlei Gefühle zeigen.

Die Geschichte ist überraschend schnell erzählt. Wie ein Theaterstück eröffnet der Film mit pummeligen Taiko-Trommlern und einer phantasievollen Vorgeschichte über Hunde und Katzen. Der Plot selbst spielt in einem recht dystopisch angesiedeltem Japan in einer nahen Zukunft. Die Hunde in Japan vermehren sich massenhaft und dabei entstand eine Hundegrippe, die bei der schieren Masse an Tieren zu einem Problem werden könnte. Die Regierung schmiedet einen Plan, all die Hunde Japans auf eine Insel namens "Trash Island" zu deportieren, wo diese anschließend auf sich selbst gestellt sind. 6 Monate später bruchlandet der junge Atari auf Trash Island um nach seinem Hund Spots zu suchen. Dieser findet gleich ein paar tierische Kumpanen und somit beginnt seine Odyssee, die in den höchsten Ebenen der japanischen Regierung ihren Höhepunkt finden wird.

Die Liste an namhaften Sprechern war zu lang, um sie weiter oben alle aufzuzählen. Besonders Darsteller aus Anderson letzten großen Filmen wie Moonrise Kingdom und Grand Budapest Hotel sind hier als Sprecher für die Hunde unterwegs. So sind in weiteren Rollen noch Frances McDormand, Tilda Swinton, Liev Schreiber, Ken Watanabe sowie Roman Coppola zu hören. Da ich leider nur die deutsche Vertonung im Kino sah (die übrigens ausgezeichnet ist und glücklicherweise nicht mit irgendwelchen deutschen Promi-Sprechern versehen wurde), kann ich zu der Performance der durchaus namhaften Besetzung leider nichts schreiben.

Die Dialoge unter den Hunden sind versehen mit trockenem Humor und Offbeat-Situationen. Das Drehbuch ist ausgeklügelt und facettenreich, auch wenn es nicht ganz ohne stereotypische Klischees auskommt. Ein paar Klischees, die im Netz leider mal wieder zu unschönen Debatten führten. Davon sollte sich jedoch niemand beeinflussen lassen, denn sämtliche Nebenschauplätze würden einem so wundervollen Film seinen Zauber nehmen.



Resümee

Untermalt mit einem gewohnt starken Soundtrack von Alexandre Desplat wird der Zuschauer gemeinsam mit dem kleinen Atari diese Reise durch Trash Island genießen. Die Stop-Motion Effekte sind großartig in Szene gesetzt und verleihen den Hunden sogar eine überraschend reale Gestalt. Etwas irreführend können vielleicht für einige Zuschauer die nicht untertitelten, japanischen Dialoge sein die im Film selbst gerne sogar mal von einem Dolmetscher übersetzt werden. Viele Nachrichtenberichte oder aber auch Dialoge unter der Yakuza Regierung wurden hier und da aber nicht vertont. Dies ist natürlich so gewollt, könnte aber besonders bei jüngeren Zuschauern eher für Verwirrung oder Langatmigkeit sorgen.

Von den kleinen Kritikpunkten abgesehen ist Isle of Dogs (die es übrigens tatsächlich in England gibt, allerdings nur vom Namen her) ein Juwel, welches man nicht nur Fans von Wes Anderson wärmstens empfehlen kann sondern auch Fans von klassischen Animationsfilmen. Ich gehe sogar so weit zu sagen, man sollte Isle of Dogs auch den jüngeren Zuschauern zeigen, die ausschließlich mit 3D CGI-Animationsfilmen aufgewachsen sind. Ein durch und durch schöner Film für sämtliche Altersgruppen. Anschauen!

Montag, 28. Mai 2018

Am Meer ist es wärmer und die EU-DSVGO

Foto: Lizenzfreie Testbild-Interpretation von Aufziehvogel zur freien Benutzung!



Ein Grund für die längere Stille auf dem Blog waren natürlich die neuen Datenschutzrichtlinien, die am 25. Mai in Kraft traten. Für viele kleine Websites oder alteingesessene Foren bedeutete die EU-DSVGO das Ende. Der Aufwand für viele Nutzer war entweder zu enorm seine Präsenz den neuen Datenschutzrichtlinien anzupassen oder manche Eigentümer sind schlicht und ergreifend in einer Flut an Abmahnungen ertrunken. Da das Gesetz bis heute für viele noch immer relativ undurchsichtig ist und praktisch unberechenbar ist, so wusste auch ich selbst nicht, wie es fortan hier weitergehen wird. Eine genaue Antwort darauf kann ich noch immer nicht geben, aber zumindest einen kleinen Ausblick auf das, was auf euch als Leser zukommen wird.

Hier mal ein paar wichtige Punkte:


- Google/Blogger informiert euch über die Verwendung von Cookies auf diesem Blog. Eure Daten sind innerhalb der Richtlinien von Google geschützt und mein Blog agiert unter den Nutzungsbedingungen von Google.

- Die beiden verwendeten Plugins auf meinem Blog "Bloglovin und Twitter" wurden überprüft und als unbedenklich eingestuft innerhalb der Richtlinien der EU-DSVGO.

- Weniger Bildmaterial auf "Am Meer ist es wärmer". Schon vor etwas über 2 Jahren trennte ich mich von Videomaterial auf meinem Blog. Bildmaterial wird fortan wesentlich eingeschränkter benutzt werden. Autorenfotos werden nur noch benutzt, sofern ich offizielles Pressematerial erhalte. Das gleiche gilt für Buch- oder Filmcover. Von mir selbst geschossene Fotos werden separat gekennzeichnet und werden für jeden Leser gut sichtbar sein.


Die wichtigsten Infos habe ich nun für euch zusammengefasst. Bei weiteren Fragen findet ihr Kontaktmöglichkeiten zu mir in der dafür erstellten Rubrik. Ein kleiner Hinweis auch dazu noch: Auch ich schätze meine Privatsphäre und werde sämtliche Anfragen über private Kanäle (was durchaus schon einmal vorgekommen ist) ignorieren. Speziell dafür habe ich vor einiger Zeit die Rubrik "Kontakt" eingeführt (klingt nun etwas schroffer, als es tatsächlich gemeint ist).

Insofern werde ich diesen Beitrag hier erst einmal ruhen lassen und bei Änderungen gegebenenfalls drauf zurückkommen.


Genießt weiterhin diese hochsommerlichen Tage und bis bald,
Aufziehvogel

Women in SciFi auf Binge Reading & More





Vor einigen Jahren berichtete ich schon einmal über "Klinken putzen unter Bloggern". Meine eher zurückhaltende Meinung gegenüber Gewinnspielen auf Blogs oder gegenseitige PR-Macherei ist bis heute bestehen geblieben. Ich selbst folge nur einer handvoll Blogs regelmäßig, dafür weiß ich aber, was ich bekomme. Die Wege von Binge Reading & More und Am Meer ist es wärmer kreuzten sich in den letzten Jahren immer wieder und ich bin sehr glücklich, dass ich diesen gemütlichen Blog hier mal präsentieren kann. Und ganz besonders will ich auf eine spezielle Rubrik aufmerksam machen. "Women in SciFi" präsentiert Autorinnen im Science-Fiction Genre, eine Gattung, die, auf den ersten Blick, Männern vorbehalten ist. Fans von Science-Fiction Literatur wissen natürlich, dem ist selbstverständlich nicht so. Alleine die Romane aus dem Star Wars Universum bilden ein erfrischendes Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Autoren. "Women in SciFi" ist aber nicht dafür da, irgendwelche Klischees und Stereotypen zu debattieren, es geht schlicht und ergreifend um Literatur in Reinkultur.

Präsentiert werden die jeweiligen Beiträge nicht nur von der Eigentümerin selbst, auch Gast-Autoren kommen hier zu Wort. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung an fantastischen Empfehlungen und neuen Eindrücken. Und so kam auch ich ins Spiel, als ich, zu meiner Überraschung, von Sabine gefragt wurde, ob ich nicht selbst einen Beitrag hinzusteuern möchte. Obwohl ich nie der große Science-Fiction Leser war, so war das Angebot zu reizvoll, um es abzuschlagen. An dieser Stelle würde nun eigentlich eine Einleitung folgen, wie ich auf Octavia E. Butler aufmerksam wurde, eine geschätzte Science-Fiction Autorin die gleichzeitig zu Lebzeiten die afroamerikanische Kultur repräsentierte. Aber wer meinen Beitrag lesen möchte, der muss auf Binge Reading & More abbiegen, denn hier geht es einzig und allein darum, auf diese wundervolle Rubrik aufmerksam zu machen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmal bedanken, dass ich einen Beitrag zu diesem schönen Projekt hinzusteuern durfte :)