Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Montag, 31. Oktober 2022

Halloween-Rezension: Sensor (Junji Ito)

 



Japan

Sensor
Originaltitel: Muma no Kikou
Autor und Zeichner: Junji Ito
Verlag: Carlsen
Format: Hardcover
Übersetzung: Jens Ossa
Genre: Horror, Mystery


Japans Horrormeister Junji Ito beglückt seine wartenden Fans immer seltener mit brandneuen Werken. Er lässt sich für seine Fieberträume gerne Zeit. Doch wenn Ito an einem neuen Einzelband oder neuen Kurzgeschichten sitzt, dann beschwört er die pure Anarchie hinauf. Sensor entstand zwischen 2018-2019 und die einzelnen Kapitel wurden kurze Zeit später in seiner Heimat dann auch als einzelner Sammelband veröffentlicht. Sensor zählt somit zur "Horror World of Junji Ito", eine riesige Anthologie, die Itos One-Shots und Kurzgeschichten beinhaltet.

Es hat zwar etwas gedauert, aber nun hat sich auch nach kleineren Versuchen vor einigen Jahren mit Uzumaki und Gyo der Carlsen Verlag etabliert, was die Veröffentlichungen von Junji Ito angeht. Man veröffentlicht in einem schicken, einheitlichem Design Hardcover-Ausgaben zu bezahlbaren Preisen. Somit dürfte Junji Ito auch in Deutschland nun eine feste Heimat haben.

Sensor ist, wie nicht anders zu erwarten, wieder einmal eine bizarre Geschichte, die ich nicht wirklich erklären oder beschreiben kann. Ein Fiebertraum passt hier schon, aber die Geschichte hat besonders durch seine abstrakten Illustrationen etwas hypnotisierendes. Beim lesen der Geschichte ist mir daher folgendes aufgefallen: Sensor könnte völlig ohne Probleme eine zusätzliche Geschichte in "Der König in Gelb" von Robert Chambers sein, ein Mythos, den später auch H.P. Lovecraft weiterführen sollte.




Sensor ist auf den ersten Blick nicht der gewohnte blanke Horror, den man von ihm kennt. Im Fokus steht ein wenig japanische Folklore, allen voran der stille Vulkan Sengoku und ein kleines, ländliches Dorf direkt in der Nähe. Das Dorf ist vollkommen bedeckt von Pele-Haar (zum besseren Verständnis führt hier ein Link in einem separaten Fenster zu Wikipedia). Diese goldenen Fäden, so die Dorfbewohner, verleihen ihnen übernatürliche Fähigkeiten. Als eine junge Frau das Dorf besucht, wird sie bereits mit offenen Armen empfangen - ihr Besuch wurde von den Dorfbewohnern vorhergesehen und sie soll das auserwählte Medium sein, dessen Ankunft schon lange vorausgesagt wurde. Der Albtraum für alle Beteiligten beginnt damit erst und es finden seltsame und bizarre  Ereignisse über ganz Japan verteilt statt.

Wie üblich bei Junji Itos One-Shot Geschichten, besitzt jedes Kapitel das Potential dazu, als eigenständige kleine Kurzgeschichte durchzugehen. Ein Reporter ist dem Mysterium auf der Spur und gerät dabei immer tiefer in eine Geschichte, die ihn regelrecht den Verstand rauben wird. Je weiter die Geschichte in Sensor geht, desto mehr kommt Itos klassischer Horror, Extremsituationen und sein herrlicher schwarzer Humor zur Geltung. Ito scheut sich auch in Sensor nicht vor Absurditäten, die nur er in ein Horrorgewand verpacken kann, welches die Leser noch für einige Zeit nach Beendigung der Geschichte begleiten wird. Daher geht die Warnung gleich mal raus: Obwohl Sensor relativ bodenständig beginnt, gibt es auch hier wieder eine ordentliche Portion Body-Horror, der vor einem gewissen Grad an Ekel nicht zurückschreckt. Doch wie immer kommen auch eine subtile Gesellschaftskritik und die ganz menschlichen Abgründe der verschiedenen Charaktere hier nicht zu kurz.





Abschließende Gedanken

Nach Remina ging es für mich geradewegs weiter zu Sensor. In beiden Werken entfaltet sich der ganze Wahnsinn von Junji Itos Horrorwelt. Ich habe aufgegeben zu versuchen, Itos Stil und Geschichten zu erklären. Wie in meinem Beitrag von 2017 schon erwähnt: Man muss die Geschichten selbst erleben und auf sich wirken lassen. Ohne Frage sind Itos Geschichten aber auch der perfekte Begleiter zu Halloween. Am besten, man deckt sich mit so vielen Bänden wie möglich ein und, sofern es die Zeit zulässt, verbringt eine komplette Nacht damit, sie in einem gedimmten Raum, ohne Technikgedöns in Reichweite und laufenden Fernseher im Hintergrund, zu lesen. Dem Wahnsinn wird man nach so einer Nacht sicherlich ein Stück näher gekommen sein.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Mit Dokico geht in Deutschland nächstes Jahr der erste Light Novel Verlag an den Start

 

Copyright: Dokico


Eine Meldung, die mich in den vergangenen Tagen sehr erfreute war die Ankündigung des ersten eigenständigen Light Novel Verlags in Deutschland. Das Team hört auf den Name "Dokico", welches sich aus den Worten "Doki-Doki" und "Comedy" auseinandersetzt und auch gleichzeitig das Verlagsmotto zur Geltung bringt: Emotionen und Unterhaltung. Man möchte die bunte Vielfalt der japanischen Belletristik deutschen Lesern näher bringen und möchte Genres wie RomComs, Drama, Slice of Life und Mystery abdecken. Von Isekai möchte man sich wohl vorerst fernhalten.
Für das Logo des Verlags gab es bereits prominente Unterstützung: Hierfür war der Highschool DxD Mangaka Hiroji Mishima verantwortlich.

Der Verlag soll 2023 seine ersten Titel veröffentlichen. Veröffentlichen will man Printausgaben und E-Books, zudem soll es über den hauseigenen Shop wohl noch Spezialeditionen geben.
Aktuell gibt es zwar noch keine angekündigten Lizenzen, man sollte aber wachsam die Website des Verlags beobachten, was sich da in kommender Zeit tun wird.

Sofern man sich an gewisse Spielregeln hält, kann man dem sehr sympathischen Team vom Dokico Verlag auch Lizenzwünsche schicken. Was man beachten muss erfährt man in einem kleinen FAQ. Da ich mich hier nicht selbst jinxen möchte, verrate ich in diesem Absatz einfach mal nicht, was ich mir gewünscht habe ;P

Der Aufziehvogel drückt dem Team alle verfügbaren Daumen, da das Thema Light Novels in Deutschland immer noch eine Herausforderung sein dürfte. Was in anderen Ländern wie den USA oder Frankreich unlängst etabliert ist, ist bei uns in Deutschland noch immer eine Nische. Auf diesen Verlag aufmerksam zu machen war also Pflichtprogramm!


Link zur Website (Öffnet neues Browserfenster zur Website des Verlags): Dokico

Samstag, 1. Oktober 2022

Durchgeschaut und durchgelesen: Das ABC der Videospiele Level 2 (Gregor Kartsios)

 



Deutschland 2022


Das ABC der Videospiele Level 2
Autor: Gregor Kartsios
Format: Hardcover, E-Book
Genre: Sachbuch, Videospiele



Es ist nicht ganz ein Jahr vergangen, da habe ich kurz vor Jahresende im Dezember in meinem ersten "Durchgeschaut und durchgelesen" den ersten Band zu "Das ABC der Videospiele" von Gregor Kartsios besprochen, den die meisten vermutlich trotz mittlerweile zwei erfolgreicher Bücher wohl immer noch als Retro-Meister bei Rocket Beans und JRPG-Fanatiker auf seinem eigenen YouTube Kanal am besten kennen. Und letztes Jahr gab es von mir den Hinweis als Fan der guten alten Retrozeit das Sachbuch von Gregor nicht zu verpassen. Besonders für ein Debütwerk (und ganz besonders zu einem sehr sympathischen Preis) war das ABC der Videospiele eine mehr als interessante Lektüre, auch ganz abseits des wöchentlichen Retro Klubs bei den Rocket Beans.

Von A-Z schrieb sich Gregor in dem ausführlichen ersten Band durch die frühen Anfänge der Videospielwelt. Kritik zu vergeben hatte ich kaum. Einige Themen hätten ein wenig ausführlicher besprochen werden können, ein paar Themen hätten etwas nischiger sein können und die Auswahl der Bilder und die Größe der Bilder war nicht ganz so optimal. Keine 12 Monate später zähle ich das ABC erneut auf und muss feststellen: An genau diesen Stellschrauben wurde gearbeitet. Während ich krank im Bett lag begleitete mich die Fortsetzung, diesmal noch umfangreicher, erneut von A wie Activision bis Z wie Zilog Z80.

Dank des größeren Inhalts konnten in Level 2 die Themen noch ausführlicher besprochen werden, die Themen sind allgemein ein wenig "nischiger" geworden (besonders für Fans japanischer Videospiele ist hier einiges dabei) und die Auswahl und Auflösung der abgedruckten Bilder hat sich noch einmal deutlich verbessert. Und dann gibt es auch noch für alle Masochisten die mal mit Konami sympathisierten besonders emotionale Themengebiete die nicht unter K wie Konmai, sondern unter H wie Hideo Kojima oder S wie Silent Hill zu finden sind!


                                                                 Metal Gear Solid


Die Zutaten aus dem ersten Band wurden zudem in dieser Fortsetzung weiterverwendet. Nur ganze 2 Seiten benötigt Gregor für ein Vorwort, hält sich nicht an staubigen Belanglosigkeiten auf und kommt direkt zur Sache. Die Texte haben alle eine optimale Länge, sind weiterhin gut verständlich und sympathisch verfasst und ausgezeichnet recherchiert. Der Autor hat sich hier aber nun selbst die Freiheit genommen, sich nicht selbst durch die Länge eines jeweiligen Artikels unter Druck zu setzen. Jedes Thema bekommt so viel Zuwendung, bis es abgearbeitet ist. So gibt es in Level 2 eine recht üppige Besprechung über die gefühlt zweihundertjährige Entwicklungszeit von Duke Nukem Forever.

Für alle Fans von "Spiele mit Bart" (Rocket Beans Showformat mit Gregor und Simon) gibt es übrigens auf Seite 22 ein kleines Easter Egg).


                                                                       Silent Hill



Besonders hervorheben möchte ich hier die Auswahl der Bilder, die stimmig aus offiziellen Postern, Promomaterial, Screenshots, Artworks und Covern zusammengestellt wurde. Es gibt hier zudem auch noch einige schöne Vintage-Scans, die alle sehr gut in die Artikel eingebunden wurden.

Zu den weiteren Themen im ABC gehört auch ein großer Abschnitt zu Mortal Kombat, welches geschickt mit dem Thema Jugendschutz und der damaligen Problematik nicht nur in Deutschland verknüpft wurde. Die guten Nachrichten: Über die Anfangszeit von Mortal Kombat darf auch endlich in der Bundesrepublik wieder berichtet werden, was besonders für die Videospielhistorie relevant ist, zuletzt wurden zahlreiche ältere Mortal Kombat Titel vom Index entfernt, nachdem neuere Titel bereits zügig in Deutschland eine Altersfreigabe bereits erhalten hatten.

Level 2 widmet sich auch dem Thema Videospiel Engine. Unter U wie Unreal Engine befindet sich ein sehr interessanter Artikel über die wohl geschichtsträchtigste Engine in der Welt der Videospiele.

Während die ruhmreiche Historie auch für Videospiele bereits geschrieben ist, merkt man aber immer wieder wie kurzlebig die Gegenwart doch ist. In einem der letzten großen Artikel - nämlich unter Y wie Yu Suzuki, berichtet der Autor noch über eine geplante Fortsetzung des Shenmue Anime und einer Hoffnung für einen vierten Teil der Videospielreihe; erst vorgestern wurde die Serie trotz guter Klickzahlen und sehr zum Unmut der Produzenten eingestampft.



Abschließende Gedanken


Das ABC der Videospiele Level 2 ist praktisch das Mortal Kombat 2 unter den Sachbüchern. Es übernimmt die Stärken des Originals und expandiert sinnvoll in zahlreiche verschiedene Richtungen. So ist auch hier erneut ein umfangreiches Sachbuch über das Thema Videospielhistorie entstanden, welches immer bei der Themenauswahl und ganz besonders die Länge der Themen On Point ist. Die Hardcover-Aufmachung passt sich nahtlos dem Erstling an und ist für einen Preis von 16 Euro erneut robust verarbeitet. Gregor Kartsios hat nun schon zweimal bewiesen, dass er das Alphabet von A-Z drauf hat. Und wer weiß schon, ob er nicht auch noch ein drittes mal das Alphabet runterbeten kann. Da fällt mir ein, Super Mario Spiele haben ja meistens 8 Welten!

Sonntag, 18. September 2022

Rezension: Papyrus (Irene Vallejo)





Spanien


Papyrus
Originaltitel: El infinito en un junco. La invención de los libros en el mundo antiguo
Autorin: Irene Vallejo
Veröffentlichung: 27.04.2022 
Verlag: Diogenes
Übersetzung: Maria Meinel und Luis Ruby
Genre: Sachbuch, Antike Literatur



"Niemand hat die Farben Alexandrias und die körperlichen Eindrücke, die der Ort in ihm auslöste, präziser beschrieben als er. Die erdrückende Stille und den hohen Sommerhimmel. Die Tage in sengender Hitze. Das strahlende Blau des Meeres, die Wellenbrecher, die gelben Ufer. Im Landesinneren der Mariout, zuweilen konturenlos wie eine Fata Morgana. Zwischen den Wassern des Hafens und des Sees unzählige Straßen voller Staub, Bettler und Fliegen. Palmen, Luxushotels, Haschisch, Trunkenheit. Die trockene, vor Elektrizität knisternde Luft. Abende in Zitronengelb und Lila. Fünf große Ethnien, fünf Sprachen, ein Dutzend Religionen, das Spiegelbild von fünf Flotten im öligen Wasser. In Alexandria, schreibt Durrell, erwacht das Fleisch zum Leben und rüttelt an den Gitterstäben seines Gefängnisses. Im Zweiten Weltkrieg erlebte die Stadt schwere Zerstörungen. Im letzten Roman des Quartetts beschreibt Clea eine melancholische Landschaft. Gestrandete Panzer am Meeresufer, die Dinosaurierskeletten gleichen, die großen Kanonen wie umgestürzte Bäume in einem versteinerten Wald, die Beduinen, die sich in Minenfelder verirren. Die Stadt, schon immer ein Ort der Perversionen, schließt er, ähnelt jetzt einem riesigen öffentlichen Pissoir."


Ich habe hier schon etliche interessante Sachbücher besprochen. Es ist noch gar nicht so lang her, da besprach ich mit Life Lessons auf dem Amazonas bereits ein unglaublich gelungenes Sachbuch, welches sich nicht trocken mit einem Thema auseinandersetzte sondern sich beinahe schon so abenteuerlich wie ein richtiger Roman las. Obwohl thematisch auf einem komplett anderen Ufer angesiedelt, schlägt die Spanierin Irene Vallejo mit "Papyrus" in eine ähnliche Kerbe. Der Titel ist Programm. Ein Buch über Bücher. Auf über 700 Seiten (in der deutschen Übersetzung) verteilt könnte das Thema also so staubig wie ein antiker Papyrus sein, doch die Philologin mit einer Liebe für die Antike hat es vollbracht, aus dieser Thematik etwas einzigartiges zu erschaffen. Dies wird direkt im Prolog deutlich, der auch zum Auftakt eines großen, historischen Romans gehören könnte.

Die Autorin stellt sich nach dem abenteuerlichen Prolog vor. Vor lauter Büchern weiß sie in ihrer Wohnung manchmal gar nicht, wo sie hin tritt. Sie berichtet über die riesige Überwindung, die es kostete, dieses Buch zu verfassen. Die schier unendliche Recherche und dazu noch die Gabe zu besitzen, die antike Thematik in eine flotte, moderne Sprache umzuwandeln sehe ich jedoch als größte Hürde, wenn man sich so ein ambitioniertes Projekt vornimmt. Beim hervorheben meines Eröffnungszitats für diese Rezension konnte ich mich kaum bremsen und beinahe noch den Rest der Seite hier hinzugefügt.

Irene Vallejo nimmt uns hier mit auf eine Zeit- und Weltreise durch die Geschichte der Bücher. Angefangen im antiken Griechenland, hin zu der Bibliothek von Alexandria, weit hinaus über den Eroberungsfeldzuges von Alexander dem Großen der zum einschlafen keinen Teddybär brauchte, sondern sein Exemplar der Ilyas. Der Weg dieser langen Reise geht bis in unsere Moderne Gegenwart, wo das E-Book mittlerweile ein alter Hut ist und gedruckte Buch aber bis heute nicht abgelöst hat. Die Autorin verpackt all diese verschiedenen Epochen des Buches in kleine, unterhaltsame Geschichten, die historisch alle großartig recherchiert wurden. Mit einer lockeren Sprache garniert blättern sich die einzelnen Seiten dieses doch recht umfangreichen Buches wie von selbst.


"Das ägyptische Alexandria wurde, wie könnte es anders sein, aus einem literarischen Traum geboren, einem homerischen Wispern. Im Schlaf sah Alexander, wie ein grauhaariger alter Mann an seine Seite trat. Der rätselhafte Unbekannte rezitierte einige Verse aus der Odyssee, in denen von einer Insel namens Pharos die Rede ist, die umgeben vom Meeresrauschen vor der ägyptischen Küste liegt. Die Insel gab es wirklich, nahe der Schwemmebene, in der sich das Nildelta mit den Wassern des Mittelmeers vereint. Alexander sah in dieser Vision, wie damals üblich, ein Vorzeichen und gründete dort die vorbestimmte Stadt."


Von Unordnung, antikem Chaos oder babylonischer Sprachverwirrung ist in Papyrus keine Spur. Die junge Autorin geht im Schongang von einem Thema zum nächsten und erzählt jede historische Anekdote wie eine kleine Kurzgeschichte. Die Hingabe, die in dieses Buch geflossen ist liest man an genau dieser präzisen Ordnung, die man auf jeder Seite, in jedem Kapitel vorfinden wird.



Abschließende Gedanken


In einer schönen Hardcover-Ausgabe wird der Diogenes Verlag dem Papyrus gerecht. Es ist eine schöne Edition für das Bücherregal. Auch die beiden Übersetzer haben hier eine hervorragende Arbeit abgeliefert, indem sie eine flüssige Sprache präsentieren und den Wortwitz der Autorin gut in die deutsche Sprache übertragen haben. Für mich als einstigen Sachbuch-Muffel erlebe ich derzeit ein wunderschönes Repertoire an gelungenen Titeln. Für jemanden wie mich, der selbst seit Ewigkeiten wissbegierig ist was die Antike angeht, hat diese ausführliche Weltreise eine menge Spaß gemacht. Im Anhang gibt es noch ein riesiges Quellenverzeichnis. Ich hätte es ganz schön gefunden, wenn es in einem separaten Abschnitt im Buch vielleicht noch ein paar bebilderte Seiten gegeben hätte, die sich mit antiken Schriftrollen auseinandersetzen. Ich kenne die Originalausgabe nun nicht und kann daher nicht mit einer Bestimmtheit sagen, ob solche Abbildungen dort vielleicht enthalten sind.

Irene Vallejo hat hier nicht nur eine Liebeserklärung an ihren Hang zur Antike abgeliefert, es ist auch eine Liebe an die Bücher selbst. An das Papier. An den Druck, An alles, was so ein Buch nun einmal ausmacht. Doch ein Buch ist eben nicht nur das von mir aufgezählte, ein Buch ist auch unsere Weltgeschichte. Hinter jeder noch so kleinen Anekdote steckt ein Stück unser Weltgeschichte. Irene Vallejo hat hier ihren Beitrag geleistet, diese kleinen und großen Geister der literarischen Vergangenheit zu sammeln und uns von ihnen zu erzählen.

Dienstag, 13. September 2022

Eine Charakterstudie in Lila: Rent-a-Girlfriend: Sad Simping

 



In einer für mich stressigen, turbulenten Zeit suche ich nach Entspannung für das beanspruchte Gehirn. Ich will etwas schauen, wobei ich mich wohlfühle und meine Synapsen nicht beanspruchen muss bzw. maximal um das Signal vom Kopf zur Hand zu senden, welche mir das gut gekühlte Bierglas reichen soll. Ich schaue relativ wenig Anime im Jahr. Mir kommt es vor, als würden es jährlich weniger werden. Vermutlich beläuft es sich auf zwei, vielleicht maximal drei Serien pro Jahr und die haben besser weniger als 24 Folgen und eine abgeschlossene Geschichte. Eine Serie, wo ich mich komplett fallen lassen konnte und mich nur auf mein kühles Bier konzentrieren musste: Laid Back Camp (Yuru Camp). Ich dachte, dies könnte ich wiederholen und schien fündig zu werden, als ich folgenden Clip über den Crunchyroll YouTube Kanal entdeckte:




Ich war gewarnt: Bei Rent-a-Girlfriend (Kanojo, Okarishimasu) handelt es sich um einen sogenannte Harem-Anime. Ein gefährliches Gebräu wo der verzweifelte Hauptcharakter von den süßen Ladies umzingelt ist und nie einen Treffer landen wird, denn die wahre Liebe findet man bekanntlich nur im True Ending in der Monogamie. Wenn der Hauptcharakter also der ewigen Jungfräulichkeit entkommen möchte, muss er sich für die einzig Wahre entscheiden. Was konnte also schief gehen? Ich war vorgewarnt und habe mich auf die Standardprozedur eingelassen. Auf den trotteligen Hauptcharakter fliegen die Mädels, er vergeigt dennoch alles und am Ende steht er mit 4 Damen vor dem Traualtar.

Was aber folgte war etwas ganz anderes. Ich habe seichte Unterhaltung erwartet, bekam aber stattdessen eine bizarre Charakterstudie vor den Latz geknallt. Diese Charakterstudie traf mich mit solcher Wucht, dass ich keine Kraft mehr hatte, zum Bierglas zu greifen. Es ist eine Charakterstudie namens Kazuya Kinoshita, der traurigste Simp auf Erden.




Kazuya ist 21 Jahre alt, hatte noch nie eine richtige Freundin und sein Leben auf der Uni beginnt denkbar schlecht. Seine vermeintliche erste große Liebe Mami hat ihn bereits nach wenigen Wochen wieder abgeschossen, sie scheint bereits einen neuen Freund zu haben. In Kazuyas Mülleimer in seinem Zimmer stapelt sich das benutzte Küchenpapier, er ist selbst über sich überrascht, dass ihn Phantasien anturnen wo Mami mit ihrem vermutlich neuem Lover Sex hat. Eine Freundin scheint für Kazuya nicht in Sicht zu sein. Die sich sorgende Familie (allen voran seine Großmutter) haben die Hoffnung scheinbar aufgegeben: Der Liebes-Versager wird niemals eine andere Freundin finden als seine Hand. Das Küchenpapier im Mülleimer wird sich weiter stapeln und irgendwann werden selbst Kazuyas Kommilitonen, ebenfalls allesamt Single und Jungfrauen, eine feste Freundin haben mit der sie irgendwann Sex haben werden. Kazuya kommt also auf eine brillante Idee: Wieso sich ernsthaft eine Freundin suchen, wenn er sich auch einfach eine Freundin für Geld mieten kann?

Um die wichtigste Frage, die sich vielleicht einige schon länger stellen (ob man die Serie nun kennt oder vielleicht auf sie aufmerksam wird wie durch einen solchen Einwurf hier): Kann man sich in Japan wirklich eine Freundin mieten? Kann man, aber man sollte nicht überrascht sein, dass die Dating App in Rent-a-Girlfriend ein reales Vorbild hat, immerhin reden wir hier von und über Japan. Die inspirierende Website hinter dem Manga nennt sich "Puchikano" (die genaue Bedeutung des Begriffs kenne ich nicht, aber das "Kano" am Ende ist auf "Kanojo" bezogen, was "Freundin (romantisch)" bedeutet). Wenn man also etwas mehr Kleingeld als im Manga und Anime mitbringt, kann man sich hier für 1-2 Stunden eine Freundin mieten, die einen im wahren Leben vermutlich nicht einmal als Fußabtreter benutzen würde. Wer mehr darüber erfahren möchte: Anime Corner (Link)

Kazuya mietet also eine Freundin und bereits in der ersten Folge wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass das für Kazuya und alle Beteiligten in einer großen Katastrophe enden wird. Kazuya mietet für einige Tausend Yen Chizuru, die perfekte Freundin. Sie ist unaussprechlich hübsch, gebildet, witzig, charmant und hat große Brüste. Alles Eigenschaften, die nicht nur Kazuya liebt sondern vermutlich auch unzählige andere Männer. Chizuru spielt Kazuya die perfekte Freundin vor - für wenige Stunden kann sie Kazuya und jeden anderen Mann zur glücklichsten Person in diesem Universum machen. Doch schnell bemerkt Kazuya, als er noch bei Sinnen ist, dass das ganze Gehabe und Getue von Chizuru natürlich nur ein Schauspiel ist. Er trifft sich mit ihr, ist von ihr verzaubert und doch schlau genug zu erkennen, dass Chizuru ein absoluter Profi ist. Kazuya ist ihr Kunde, er bezahl sie, um sie für eine kurze Zeit als seine Freundin ausgeben zu können. Kazuya ist frustriert und gibt Chizuru eine negative Bewertung, bucht sie erneut um ihr noch einmal persönlich sagen zu können, ob sie ihren Job gewissenhaft ausführen kann wenn sie genau weiß, dass sie Männern hier praktisch nur eine Illusion vorspielt. In dieser ersten Episode denkt Kazuya rational und logisch. In seiner Phantasie hat er natürlich Sex mit Chizuru und verbrauchte vermutlich in dieser einen Nacht eine ganze Rolle Küchenpapier, aber er dachte noch rational genug um seinem ganz persönlichem Simp-Abtraum zu entkommen.
Doch, wie man sich sicherlich denken kann, kommt es ganz anders. Durch eine Verkettung sehr unglücklicher Zufälle sind Kazuya und Chizuru mehr oder weniger gezwungen, eine Fake-Beziehung zu führen um eine Lüge aufrecht zu erhalten. Dies endet für Kazuya letztendlich damit, dass er sich in Chizuru verliebt. Kazuyas Lebensinhalt wird fortan aus Chizuru bestehen. Dass er eine feste Freundin haben könnte scheint ihm bewusst zu sein, aber er bringt lieber sich und sein gesamtes Umfeld in eine missliche Lage, denn für Kazuya gibt es nur Chizuru, die sich zwar auch in Kazuya verliebt, dies aber niemals zugeben würde und ihm circa pro Folge 30 mal sagt, dass da nie etwas zwischen den beiden laufen wird.




Die Serie suggeriert, dass sich die Mietfreundinnen nicht ausschließlich mit jungen Männern verabreden. Man sieht in einigen wenigen Szenen auch mal Silhouetten, die auf deutlich ältere Männer zurückzuführen sind: Der sogenannte Ugly Bastard.
Es scheint kein Mindestalter für die Klienten zu geben, vielleicht gibt es im Serviceangebot also auch die Kategorie Miettochter?

Von den widerlichen Vorstellungen mal abgesehen wer sich alles eine Mietfreundin mieten kann, möchte ich gerne auf Kazuya zurückkommen. Meiner Meinung nach ist Kazuya ein extrovertierter, etwas trotteliger aber liebenswürdiger Twen, der nicht halb so schlecht aussieht, dass er nicht auf normalem Wege eine Freundin finden würde. Er ist lebensfreudig und scheint Ziele in seinem Leben zu haben. Zumindest schien er die noch zu haben, bevor er Chizuru kennenlernte und sein Lebensinhalt fortan Sie sein sollte. Wie es der Zufall so will ist Chizuru auch noch Kazuyas Nachbarin und sie gehen auch noch auf die gleiche Uni, was weitere Probleme mit sich bringen wird. Kazuya ist aber auch ein extrem unentschlossener Typ. Wie schon erwähnt geilt es ihn auf, wenn er daran denkt, dass seine manisch-psychotische Ex-Freundin Mami mit ihrem neuen Freund gerade Sex haben könnte. Zur Verteidigung von Kazuya: In diesem Alter denkt man vielleicht öfters mal darüber nach, was und mit wem es die Ex so treibt. Bis zu einem gewissen Grad ist dies vielleicht normale Neugier. Doch hat er diese Phantasien letztendlich auch bei jeder anderen Frau, mit der er länger als 5 Minuten gemeinsam an einer Stelle verweilt. Im Verlauf der Serie lernt Kazuya neben Mami und Chizuru auch noch Ruka (die sich unsterblich in Kazuya verliebt und ihn als ultimativen Liebesbeweis in ein Love Hotel mitnimmt, Kazuya aber nur an Chizuru denken kann und mal wieder eine Gelegenheit verstreichen lässt die Jungfrau hinter sich zu lassen) und die einsilbige, schüchterne Sumi kennen. Sie alle scheinen sich in Kazuya zu verlieben, der in dieser kurzen Zeit bereits zum Stalker geworden ist und sehr häufig seiner Angebeteten nachspioniert oder ihre privaten Gespräche belauscht.


Spoiler zum Ende der ersten Staffel

Am Ende der ersten Staffel könnte man meinen, dass Chizuru durch Kazuyas 12 monatiges Gesimpe letztendlich weich geworden ist. Ihr fällt allmählich auf, dass der junge Mann bei den hübschen Mädels gar nicht so schlecht ankommt. Und auch ihr ist in dieser Zeit anscheinend etwas aufgefallen, nämlich die Lüge, die sie gemeinsam mit Kazuya lebt, eigentlich gar nicht mal so unangenehm ist. Kazuya wittert seine Chance, da er es bereits in dieser finalen Folge verpasst hat, Ruka endlich seine Liebe zu gestehen. Am Ende bekommt er also die ultimative Gelegenheit dazu, Chizuru seine Gefühle zu gestehen, die sich unlängst durstig auf Kazuya ist mehr mit Kazuya vorstellen kann. Nun können sich all die Erniedrigungen, das viele Geld und die vielen verbrauchten Rollen Küchenpapier auszahlen: Chizuru endlich zu sagen, was er fühlt. Das Tor steht völlig frei, er muss nur noch einnetzen. Und er tut es: Er gesteht Chizuru, dass er sie gerne weiter als Mietfreundin buchen möchte.

Das eigentlich faszinierende an Kazuya ist, dass er, wie ich finde, eine Blaupause für viele Männer ist, nicht nur Männer in dieser Altersklasse. Und sicherlich nicht nur japanische Männer. Ich erinnerte mich beim schauen von Rent-a-Girlfriend immer wieder mal an meine eigene Jugend und welche Hürden man als talentloser Durchschnittstyp auf sich nehmen musste, um sich bei den Damen ins Gespräch zu bringen. Obwohl das noch alles gar nicht so extrem lang her ist, so waren zumindest die virtuellen Möglichkeiten, eine Freundin zu finden, limitiert. Heute gibt es unzählige Dating-Apps die ihren teils verzweifelten Kunden das Geld aus den Taschen ziehen. Sicherlich könnte man bei den heutigen Möglichkeiten ins grübeln kommen, den einfachen Weg zu wählen indem man einfach eine Freundin mietet und weiter in einer Scheinwelt lebt. Männer wie Kazuya, die ehrliche und aufrichtige Intentionen haben und einfach nicht den passenden Partner finden, gibt es wie Sand am Meer. Aber wenn Kazuya für eine Sache die perfekte Blaupause ist, dann ist dies die folgende: Unerwiderte Liebe kann sich über Jahre hinziehen und wenn die Serie eines lehrt, dann, dass man sich damit verdammt unglücklich machen kann.

Und somit bleibt mir bei dieser interessanten Charakterstudie nur noch folgendes zu sagen: Sei nicht wie Kazuya, sei kein Simp und gib nicht dein ganzes Geld für Küchenrollen aus.


Bis dahin, seid artig und denkt immer dran: Der November ist nicht mehr so weit entfernt.
Euer Dr. Aufziehvogel


Dieser Einwurf ist D. Thered gewidmet: Ein unverbesserlicher Simp, der eine 8 gesimpt hat

Dienstag, 30. August 2022

Meercast Episode 6: Murakami-Adaptionen 1 - Burning

 


Aus der etwas verlängerten Sommerpause melde ich mich mit einer neuen Episode des Meercast. In einem zweiteiligem Special möchte ich mich den Haruki Murakami Adaptionen "Burning" sowie "Drive My Car" widmen. Bei diesen Besprechungen handelt es sich um Reviews, keine Interpretationen.
Diesmal kann der Meercast auch endlich wieder direkt über den Blog abgespielt werden. Für den zweiten Teil des Specials gibt es aktuell noch kein Veröffentlichungsdatum, die neue Episode ist aber für Ende September angepeilt! Relevante und wissenswerte Links sind über die Beschreibung im YouTube Video zu finden.


Infos zum Films:

Südkorea 2018

Burning
Regie: Lee Chang-dong
Genre: Mystery-Drama
Laufzeit: Circa 148 Minuten
FSK: 16




Donnerstag, 2. Juni 2022

Review: Der Rausch

 




Dänemark 2020


Der Rausch
Originaltitel: Druk
Regie: Thomas Vinterberg
Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Markus Millang, Lars Ranthe, Maria Bonnevie
Genre: Tragikomödie
Verleih: Weltkino
FSK: Ab 12



Was für ein Leben.....


Das dänische Kino hat sich vor vielen Jahren zu eine meiner liebsten Filmlandschaften entwickelt. Von Regisseuren wie Susanne Bier, Anders Thomas Jensen, Nicolas Winding Refn bis zu eben jenem Thomas Vinterberg - in jedem dieser Namen steckt Qualität und einzigartige Filmkunst. Und irgendwie führen all diese Namen praktisch unweigerlich automatisch zu Mads Mikkelsen, der sich in den vergangenen 10 Jahren unlängst zu einem der begnadetsten Charakterdarsteller entwickelt hat. Während er in seinen Hollywoodauftritten meistens comichafte Bösewichte spielt, sind seine Hauptrollen in seiner dänischen Heimat weitaus bodenständiger, greifbarer und menschlicher. Dieser Spagat zwischen überzeichneten Charakteren wie Le Chiffre und Gellert Grindelwald und einer anschließenden Verwandlung zu einer Rolle, wo er einen gewöhnlichen 0815 Typen der Mittelklasse spielt, ist herausragend, immer glaubhaft und bodenständig. Nach "Die Jagd (2012)" führen die Wege von Thomas Vinterberg, Mads Mikkelsen und Thomas Bo Larsen wieder zusammen - und enden in einem Vollrausch.

Der Rausch behandelt ein Thema, was in Filmen relativ unterrepräsentiert ist. Findet man zu nahezu jeder bekannten Szenedroge einen passenden Film dazu, kam die Volksdroge Nummer 1 bisher immer relativ glimpflich davon. In dieser Tragikomödie geht es letztendlich um den Alkoholismus und den damit verbunden Folgen. Im Fokus stehen hier vier Freunde, die allesamt Lehrkräfte an einem Gymnasium sind. Die vier Männer befinden sich unweigerlich vor einer Midlife Crisis, ganz besonders stark hat es hier den Geschichtslehrer Martin (Mads Mikkelsen) erwischt, dessen langjährige Ehe stagniert, seine Schüler ihn nicht ernst nehmen und er verpassten Lebenschancen nachtrauert. Eines Tages hat Nikolaj (Magnus Millang) eine haarsträubende Idee, die auf einer missverstandenen These des norwegischen Psychologen Finn Skårderud basiert. Jeder Mensch werde angeblich mit einem Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille geboren. Dies entspricht ungefähr 1-2 Gläsern Wein (je nachdem, wie voll dieses Glas ist). Diese Menge bringe den Geist angeblich zu neuen Höchstleistungen. Eine regelrechte Schnapsidee, doch die Männer sind nicht abgeneigt und starten unter strengen Regeln das Experiment - gepichelt wird ausschließlich während der Arbeit. Ein zum scheitern verurteiltes Experiment, was auf dem Papier attraktiv wirkt, aber natürlich unabsehbare Gefahren mit sich bringt sowohl gesundheitlich, gesellschaftlich und familiär. Für die Männer entwickelt sich das 0,5 Promille Experiment zu einem Erfolg. Doch lädt man den Dämon erst einmal zu seiner Party ein, möchte er diese nicht so schnell wieder verlassen.

Was hier als nächstes also folgt ist ein regelrechter Rausch mit all seinen Höhen und Tiefen, die ein Alkoholrausch mit sich bringt. Die ersten Schlucke schmecken, berieseln und berauschen. Der Körper verlangt noch ein kleines bisschen mehr, um diesen herrlichen Pegel aufrechtzuerhalten. Die Euphorie übernimmt und löst das Gehirn ab was Entscheidungen angeht. Ab jetzt feiert einzig und allein der Dämon die Party weiter. Was hier als eine seichte Sommerkomödie beginnt, entwickelt sich für die vier Freunde schnell zu einem Totalabsturz der Sorte All Inclusive. Ehen drohen zu scheitern, Jobs stehen auf der Kippe und der Durst wird immer unerträglicher. Ähnlich wie bereits in "Die Jagd" erleben die Charaktere hier eine persönliche Tour de Force, die ihr ganzes Leben ruinieren könnte. Mal humorvoll, mal einfühlsam und mal völlig radikal geht Thomas Vinterberg hier vor. Begleitet wird diese Regiearbeit durch eine großartige Schauspielleistung der Hauptdarsteller.




Unangenehme Längen hat der Oscargewinner des besten fremdsprachigen Films von 2021 nicht. Und doch ist der Cut von einer seichten dänischen Komödie zum knallharten Drama drastisch. Er traf mich unvorbereitet und meine Stimmung veränderte sich. Als Zuschauer erleben wir diesen Vollrausch regelrecht mit, sind Live dabei wie die Charaktere ihre höchsten Höhen und tiefsten Abgründe erleben.
Und dennoch, ähnlich wie in "Die Jagd" ist Thomas Winterberg ein Regisseur, der am Ende auch wieder einen kleinen Ausweg aus diesem Grund anbietet und Hoffnung auf Versöhnung macht. Eine Versöhnung mit seinem eigenem Leben. Am Ende tanzen zu "What a Life" die Abiturienten in einem Meer aus Bier, Sekt und anderen Spirituosen gemeinsam mit ihren Lehrern, denen sie ihren erfolgreichen Abschluss zu verdanken haben. Eine letzte Runde noch, dann ist Schluss!




Fazit

"Der Rausch" ist ein weiterer großartiger Vertreter der dänischen Filmschule. Ein Film, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird, da er stets auf den Punkt genau die wichtigen Dingen anspricht. Hier dümpelt nichts herum. Jeder Schauspieler steht da, wo er stehen soll, säuft, wo er saufen soll und torkelt genau in den Abgrund rein, wo ihn Thomas Vinterberg gerne sehen würde. Es ist das Feingefühl, was so vielen zeitgenössischen Filmemachern und deren Werke mittlerweile abhandengekommen zu sein scheint. Alle Beteiligten, so merkt man es ihnen an, hatten hier großen Bock darauf, einen Film zu drehen. Eine Eigenschaft, die heutzutage alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Skål!

Sonntag, 29. Mai 2022

Rezension: Männer und Frauen (Yosano Akiko)

 






2022

Männer und Frauen
Autorin: Yosano Akiko
Verlag: Manesse
Erscheinungsdatum: 23.05.2022
Auswahl der Texte, Übersetzung und Nachwort: Eduard Klopfenstein
Genre: Essays, Sammlung



"Die Japaner liegen jedoch in ihrer inneren zivilisatorischen Entwicklung noch weit hinter den Europäern zurück. Besonders die japanischen Frauen haben in überwiegender Mehrheit keine Vorstellung von Würde oder von der Zielsetzung der menschlichen Existenz; vielmehr schwanken sie wie Treibgut auf den Wellen der materiellen Zivilisation. Rousseau hat einmal dem Sinne nach Folgendes gesagt: >>Ich bilde nicht in erster Linie Gelehrte, Politiker oder Generale aus, sondern Menschen.<< In gleicher Weise ist es die dringlichste Pflicht, den japanischen Frauen, noch bevor sie Ehefrauen und Mütter werden, das wahre Bewusstsein von der Gleichheit als Menschen einzupflanzen. Ideen, die in Europa bald schon zum alten, etablierten Bestand gehören werden - seien es der Naturalismus oder die Frauenrechte -, müssen in Japan endlich als lebendiges Gedankengut von Grund auf studiert werden."
(aus "Die essenzielle Gleichheit von Mann und Frau")



Yosano Akiko (1872-1942) war zu Lebzeiten eine viel beschäftigte Frau. Schon in jungen Jahren stieg sie im wohlhabenden Familiengeschäft ein und wurde später Schriftstellerin, Essayistin, Poetin. Sie war dreizehnfache Mutter, Frauenrechtlerin und politisch sehr engagiert. Über die Person Yosano Akiko (Akiko ist hier der Vorname) gibt es nicht weniger zu erfahren als über ihre schriftstellerischen Werke. Yosano Akiko gehörte zu Zeit ihrer schriftstellerischen Karriere zu den bekanntesten weiblichen Autorenstimmen Japans. 1942, mitten in den Tumulten des Pazifikkrieges, verstarb sie im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Mit ihrem Tod, so schien es, starb auch ihre Arbeit als Schriftstellerin. In Japan wurde die Werke von Yosano erst Jahrzehnte später wieder entdeckt, es würde weitere Jahrzehnte aber dauern, bis ihre Themenvielfalt rund um Frauenrechte sowie ihre poetischen Arbeiten wieder an Relevanz gewinnen. Besonders in ihren späteren Lebensjahren jedoch galt sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer politischen Ansichten als kontrovers. Heute sind ihre Verdienste als Autorin aber kaum höher einzuschätzen.

"Männer und Frauen", so der simple Titel der Hardcover-Ausgabe, ist Yosanos deutschsprachiges Debüt. Der erfahrene Japanologe Eduard Klopfenstein stellte hier eine Sammlung an verschiedenen Essays von Yosano Akiko zusammen, die aus verschiedensten Schaffensphasen aus ihrem Leben stammen. Überraschend gut hat mir hier die variierende Themenvielfalt gefallen, die sehr sorgsam ausgewählt wurde. Zwar nimmt das Thema rund um Gleichberechtigung der Geschlechter in diesem Band einen großen Teil ein, aber die Autorin schreibt hier auch gerne entspannt über den Alltag, das Leben als vielfache Mutter sowie Japans damalige Politik. Was hier vermuten lässt, die Autorin wolle in diesen Essays den Lesern vielleicht per Holzhammermethode ihre feministischen und politischen Ansichten aufzwingen, haben wir es stattdessen wieder einmal mit der einzigartigen japanischen Harmonie zu tun, die ich an der japanischen Literatur so sehr schätze. Yosano Akiko ist eine Frau mit klaren Ansichten und mit einer klaren Lebensphilosophie. Doch wir lernen in den verschiedenen Texten auch eine gefühlvolle, einsichtige Frau kennen. Besonders zu Beginn des Buches wird dies deutlich, wenn die Autorin auf eine junge Generation an Schriftstellerin vorausblickt und sich über dessen Zukunft Gedanken macht. Yosano spricht aber vor allem auch über ihr eigenes Leben als Schriftstellerin und welche Hürden darin bestehen, Auftragsarbeiten annehmen zu müssen, um die Familie zu ernähren und die Texte schreiben zu dürfen, die ihr auf der Seele liegen. Es sind sehr inspirierende, motivierende Worte, die zum nachdenken anregen.

Die ausgewählten Essays sind allesamt extrem kurzweilig. Die Autorin zeigt in den verschiedenen Werken ein sehr geschicktes Händchen darin, immer schnell zum Punkt zu kommen, trotzdem aber alles wichtige zu erzählen. Zum Abschluss des Bandes befinden sich noch zwei sehr interessante Essays aus den Jahren 1918 und 1920, die die spanische Grippe thematisieren und die auch auch vor Japan keinen Halt machte. Die Texte sind oftmals mit der großen Leidenschaft von Asano verknüpft: Der japanischen Dichtkunst. Sehr oft baut sie in ihren Texten kleine Tankas und Haikus  mit ein:


"Lebenstausch
zwischen einem Kind
und seiner Mutter...
Kiste aus Holz
als kostbares Gefäß

Das Nichts gebären
den Tod gebären
Gewaltige Dinge
... höre davon an der Grenze
von Traum und Wirklichkeit"
(aus "Aufzeichnungen aus dem Wochenbett")


Das hier präsentierte Gedicht setzt sich natürlich mit einem finsteren Lebensereignis der Autorin auseinander.

Nach 130 Seiten etwa folgt ein ausführliches Nachwort von Eduard Klopfenstein, der mal wieder seine langjährige Expertise als Japanologe zum Ausdruck bringt. Hier lernen wir noch mehr über das bewegte Leben von Yosano Akiko als Schriftstellerin, aber auch als Mensch.



Abschließende Gedanken

Die erste deutschsprachige Übersetzung von Yosano Akiko sehe ich als eine sehr gelungene Sache. Besonders die bereits angesprochene Themenvielfalt von "Männer und Frauen" sorgt für einen angenehmen Lesefluss. In die Welt der Autorin einzutauchen war eine interessante Erfahrung und ich wünschte mir, aus dieser schriftstellerischen Periode aus Japan würde im deutschsprachigen Raum kontinuierlich etwas neues erscheinen. Yosano Akiko legte den Grundstein für japanische Schriftstellerinnen im modernen Japan. Mit MurasakiShikibu und Sei Shonagon hatte man berühmte Schriftstellerinnen aus der japanischen Antike. Doch was genau passierte, als dieses hohe Ansehen bei japanischen Schriftstellerinnen über die Jahrhunderte geringer wurde? Yosano Akiko macht sich über solche Themen Gedanken. Mehr als 80 Jahre nach ihrem Tod wäre sie aber vermutlich sehr stolz darauf, welch hohes Ansehen japanische Romanschriftstellerinnen heute wieder genießen, die mit ihren Werken weltweite Erfolge feiern. Ob Banana Yoshimoto, Yoko Ogawa, Hiromi Kawakami, Sayaka Murata - oder Mieko Kawakami, die praktisch die zeitgenössische Stimme von Yosano Akiko ist - sie alle führen in beeindruckender Weise das fort, wofür Yosano Akiko in ihren Texten gekämpft hat. Eine beeindruckende kleine Zeitreise in eine schwierige Epoche der japanischen Literatur, über die im Westen noch immer zu wenig bekannt ist. Solche Veröffentlichungen sorgen dafür, diese Lücken zu schließen.

Freitag, 27. Mai 2022

Meercast Episode 5: Goodbye, Neon Genesis Evangelion

 



Wirklich verworfen wird eine Idee bei mir nie. Die Idee zum Thema einer Nachbesprechung des finalen Rebuild of Evangelion Films (3.0+1.0 Thrice Upon a Time) existiert bereits seit der Bekanntgabe, dass Amazon Prime den Film als Streaming-Premiere veröffentlichen wird. Nun ist fast 1 Jahr vergangen, die Ideen zu dem Thema kamen und gingen. Doch es war der Leser "BuildingBridges302" der mir vor kurzem eine Nachricht zugesendet hatte, ob ich mich diesem Thema noch einmal annähern werde. BuildingBridges302 ist durch die vorherige Berichterstattung zu Neon Genesis Evangelion auf "Am Meer ist es wärmer" aufmerksam geworden. Da ich bereits eine Idee für eine neue Meercast Episode verwerfen musste, kam also Evangelion 3.0+1.0 auf die Ideenliste zurück, ein Film, zu dem mir bisher so lange die Worte fehlten.

Entstanden ist ein knapp 100 minütiger Podcast, der sich in Retrospektive und Besprechung zum finalen Rebuild Film aufteilt. Es ist die bislang aufwendigste Episode des Meercast und es wurde sich mit einiger Kritik auseinandergesetzt, die ich teilweise selbst nach der vergangenen vierten Episode hatte.

Diese Ausgabe des Meercast setzt sich mit der problematischen Produktionsgeschichte der Rebuild of Evangelion Reihe auseinander und geht umfangreich auf den neusten Film mit all seinen Stärken und Schwächen ein. Für weitere Details zum Video wie zum Beispiel Timestamps zur besseren Navigation durch die einzelnen Kapitel und Details wie den Links zu den Evangelion Kurzfilmen, klickt bitte auf das Video, welches euch zu YouTube und der Videobeschreibung führen wird. Viel Spaß!
(Für Hörer mit Kopfhörern: Es ist leider das Geräusch prasselnden Regens mit aufgenommen worden, eure Kopfhörer knacken nicht, die Geräusche stammen aus der Aufnahme.)



Meercast Episode 5: Goodbye, Neon Genesis Evangelion
Hinweis: Das Video wird aufgrund lizenzrechtlicher Gründe auf vielen Geräten nicht direkt auf dem Blog angezeigt. Der Podcast kann durch das klicken auf das Fenster natürlich weiterhin problemlos direkt auf YouTube angesehen werden. 
Oder einfach diesem Link folgen: Goodbye, Neon Genesis Evangelion


Montag, 23. Mai 2022

Rezension: Life Lessons auf dem Amazonas (Pip Stewart)

 





Großbritannien 2021

Life Lessons aus dem Amazonas
Originaltitel: Life Lessons from the Amazon
Autorin: Pip Stewart
Erscheinungsdatum in Deutschland: 05.04.2022
Übersetzung: Violeta Topalova
Genre: Sachbuch, Reisebericht



"Ich kam gerade rechtzeitig zum Lagerfeuer zurück, um zu hören, wie Nereus, der Sohn des Dorf-Toshaos, uns Ratschläge für den Fall der Begegnung mit einem Jaguar gab: >>Lauft bloß nicht weg, dann erwischt er euch. Nehmt eure Macheten und macht euch bereit zu kämpfen<<, warnte er uns. Ich muss sagen, dass ich diese Gutenachtgeschichte nicht als besonders schlaffördernd empfand. Der Gedanke, einem Jaguar oder >>Tiger<<, wie unsere Führer sagten, zu begegnen, erfüllte mich nicht gerade mit Freude. Schäfchen zählen ist entspannender, so viel ist sicher. >>Oh, und nehmt immer eure Macheten mit, wenn ihr euch alleine erleichtern geht<<, fügte er hinzu."



Ein Buch, welches mich die vergangene Zeit in recht trübseligen Momenten begleitet hat war "Life Lessons auf dem Amazonas" von der Abenteurerin Pip Stewart. Wenn ich in ein Buch vertieft bin, versinke ich auch in die Geschichte. Ich kam nicht umhin, mich hier zu fühlen als würde ich mir gerade die Werner Herzog Klassiker Aguirre und Fitzcarraldo ansehen. Die einzigen beiden Ausnahmen bestehen darin, die Abenteuer in diesem Buch sind wirklich passiert und statt eines cholerisch-wahnsinnigen Klaus Kinskis erzählt eine charmante, witzige aber auch selbstkritische Abenteuerin von ihrer Reise mit zwei Freundinnen, die ziemlich unmöglich scheint. Wir haben es hier nämlich nicht mit irgendeinem trockenen Reisebericht zu tun, "Life Lessons auf dem Amazonas" ist viel mehr. Es ist, selbstverständlich, auch ein Reisebericht (der Widerspruch wird nun aufgeklärt). Aber der ist weder trocken noch ist es das vorausgehende Element dieses Buches. Es hat etliche Facetten. Bei knapp 350 Seiten erwartet die Leser ein Mix an Themenvielfalt die von Selbstfindung bis zu den sogenannten Lebenslektionen reichen. All das gelingt der Autorin zeitgleich zu der Erzählung ihres Abenteuers (welches schon ein kleines Epos an sich ist).

Das Vorhaben der drei Damen im Buch ist überraschend schnell erzählt. In rund 3 Monaten wollen sie etwas nie dagewesenes schaffen: Den abgeschiedenen Dschungel Guyanas durchqueren und anschließend mit einem Kajak den unbändigen Essequibo River überwinden. So simpel klang das auch, als die Ideengeberin Laura Bingham der euphorischen Pip Stewart ihre Pläne offenlegte und sie bat, an dieser Unternehmung, die schon in 8 Monaten stattfinden sollte, teilzunehmen. Außerdem würde noch eine weitere Freundin von Laura an der Unternehmung teilnehmen, Ness Night. Den ersten Dämpfer gab es für Pip bereits kurze Zeit später, als Pip's Lebensgefährte ihr klarmachte, dass sie Kajakfahren doch eigentlich absolut verabscheuen würde. Die Reise der rastlosen Journalistin stößt vor den gleichen Hürden wie jede große Unternehmung. Auf dem Papier hört sich etwas nach der besten Idee an, die es jemals gab. Man verfällt in Euphorie und möchte, dass es am besten sofort losgeht. Doch die Zeit verstreicht und auf einmal kommen Unsicherheiten und Zweifel sowie die berechtigte Frage dazu, ob man jemals wieder heimkehren wird. Die Reise in den Dschungel, ist das wirklich so eine gute Idee? Für circa 3 Monate von der Bildfläche zu verschwinden. Eine ungewisse Prämisse, die einen erwarten wird da man es hier mit einer unbezwingbaren Gestalt zu tun bekommt: Ein ungezähmter Dschungel, weit abgeschieden von der westlichen Zivilisation.

Die Abenteurerin Pip ist ein kleiner Widerspruch an sich. Sie erscheint rastlos, geplagt von unbändigem Fernweh und Abenteuern. Gleichzeitig ist sie aber auch ein ängstlicher und unsicherer Mensch. Ein Zitat von ihr zu Beginn des Buches macht dies noch einmal deutlich: "Ich habe auf dieser Reise meine Angst nicht überwunden; ich habe nur gelernt, mit ihr zu leben."
Dieses Zitat bezieht sich auf ein mehr als einjähriges Abenteuer zusammen mit ihrem Lebensgefährten, als dieser die Idee hatte vom damaligen Wohnort "Asien" mit dem Fahrrad zurück nach "Großbritannien" zu radeln (was mehr als 12 Monate in Anspruch nahm und Pip bereits an der ersten Hürde beinahe scheiterte). Sich seinen Ängsten und Dämonen zu stellen ist die größte Hürde, die wir überwinden müssen. Der Entdeckerdrang der Autorin ist jedoch größer als diese Ängste und Unsicherheiten, von denen sie häufig geplagt wird. Zu jedem Kapitel im Buch gibt es die sogenannten "Life Lessons - Lebenslektionen", die bereits im Titel vorkommen. Hierbei handelt es sich um kurze, motivierende Intermezzos die direkt an die Leser gerichtet sind. Die eigentliche Kunst hierbei ist, dass Pip Stewart nicht in irgendwelche Glückskeks-Floskeln oder Möchtegern-Esoterik abdriftet. Es sind aufrichtig gemeinte Worte, die vor jedem Kapitel noch einmal Antrieb geben. Aufgeteilt ist das Buch zudem in zwei Teile - "Im Dschungel" und "Auf dem Fluss". Der Weg ist das Ziel. Der Fluss ist in diesem Falle das Ziel, doch der Weg dahin ist der unberechenbare Dschungel. Beide Unternehmungen sind alles andere als ungefährlich, selbst mit Führung der Mitglieder des lokalen Stammes aus Guyana.

In diesem Buch gibt es bis auf farbliche Bilder im Innenteil der Klappenbroschur keine weitere Abbildungen. Es gibt ab und an Illustrationen im Buch wo eine Landkarte gezeigt wird, für alles andere wird aber die Fantasie und Vorstellungskraft der Leser vorausgesetzt. Gerne wird der Umfang von Reiseberichten mit Unmengen an Bildern gefüllt. Bei "Life Lessons auf dem Amazonas" handelt es sich aber schon beinahe um eine klassische Abenteuergeschichte, die sehr gut ohne Bilder auskommt. Und dennoch, einen kleinen Abschnitt mit Fotografien hätte ich natürlich begrüßt (hier wird man aber Online durchaus fündig. Im Copyright-Abschnitt des Bildes unterhalb des Fazits führt der Link zu einem lesenswerten Interview),




Abschließende Gedanken

"Life Lessons auf dem Amazonas" ist ein überraschend dickes Buch. Trotzdem wird die Reise nie langweilig. Das Buch ist der berüchtigte Eskapismus in eine fremde Welt, in die man sich für viele Stunden flüchten kann. Die charmante, witzige Art von Pip Stewart die Leser durch ihr erlebtes Abenteuer zu führen ist das eigentliche Highlight an diesem Buch. Wir haben es hier nicht mit einem nüchternen Dokumentarfilmer oder Abenteurer zu tun, hier berichtet eine absolut nahbare und sympathische Frau, die den großen Drang hatte, ihr großes Abenteuer niederzuschreiben. Für mich eine große Entdeckung in einem bisher sehr finsteren Jahr 2022. Für alle weiteren Abenteuer und Unternehmungen der jungen Mutter bleibt mir nur noch eines zu sagen: You Go, Girl!



Copyright: Medium, Peiman Zekavat
Von Links nach Rechts: Laura Bingham, Pip Stewart, Ness Knight

Montag, 4. April 2022

Einwurf: Meeresrauschen

 



Mit einem kurzen Update möchte ich mich in einem Einwurf melden. Anders als geplant, ist es nun schon eine ganze Weile still auf "Am Meer ist es wärmer". Die Antwort auf die Frage nach dem "Wieso" ist fast schon selbst erklärend. Ich habe mich all die Jahre immer dagegen entschieden, Weltgeschehen und politische/geopolitische Einflüsse in dieses Blog-Projekt einfließen zu lassen. Daran wird sich auch nach wie vor nichts ändern. Aber auch ich kann nicht einfach fröhlich weiterschreiben, als würde mich das alles nichts angehen. Von drei geplanten, bereits fertiggestellten Rezensionen, sind zwei besprochene Titel derzeit nicht wirklich angemessen, diese hier zu besprechen. Das gleiche gilt für die neue Episode des Meercast, der wie die besprochenen Bücher im März hätte erscheinen sollen.

Wie genau geht es denn nun weiter? Nun, einige Tage werde ich noch dem Meerrauschen zuhören und mich nach einer außerdem privat stressigen Zeit ein wenig anders aufstellen. Die geplanten Themen für "Am Meer ist es wärmer" werden etwas nach hinten geschoben. während andere Ideen in den Vordergrund rücken. Mein Blog soll weiterhin ein gemütlicher Ort sein, der eine kleine Insel für Liebhaber außergewöhnlicher Literatur und Filmkunst darstellt. Gleichzeitig plane ich aber keinen virtuellen Maulkorb für den Blog. Alle geplanten Rezensionen (inklusive Meercast) werden demnächst erscheinen, die Veröffentlichung wurde nur etwas weiter nach hinten verschoben. Das Ersatzprogramm steht noch nicht vollständig, aber bis zum 18.04 wird "Am Meer ist es wärmer" mit neuen Beiträgen versorgt werden. (der nächste Beitrag muss noch ein wenig länger warten, allerdings nicht so lange wie G.R.R.M.'s "The Winds of Winter").

Macht es euch also ein wenig gemütlich und stöbert durch mehr als 10 Jahre Meeresrauschen im Blog-Archiv.


Eine schöne Woche wünscht euch,
Aufziehvogel




Dienstag, 22. Februar 2022

Podcast-Review: Death in Ice Valley

 


Norwegen/Großbritannien 2018-2021

Death in Ice Valley
Genre: True Crime Podcast
Produktion: NRK und BBC
Moderation: Marit Higraff, Neil McCarthy
Verfügbarkeit: YouTube, Apple Podcast, Spotify und anderen Podcast Plattformen (kostenlos)
Sprache: Englisch


Ein Hinweis vorweg: Der Podcast ist ausschließlich auf Englisch verfügbar. Sichere Englischkenntnisse sind hier für ein ausgewogenes Hörerlebnis unabdingbar.


Die Winterpause auf "Am Meer ist es wärmer" ist vorbei und ich möchte mich mit einem Review zurückmelden, zu dem der Inhalt mich nun über die vergangenen Wochen sehr gepackt hat. Reviews zu Podcasts und Hörbüchern sollen künftig ein wenig die Themenvielfalt erweitern und frischen Wind in ein neues Jahr bringen. Mir ist es also ein umso größeres Vergnügen, Death in Ice Valley etwas näher vorstellen zu dürfen.

Death in Ice Valley ist vermutlich der frostigste Podcast, den man zu dieser Jahreszeit hören kann. Ich selbst führe eine relativ komplizierte Beziehung zum True Crime Genre. Auf der einen Seite bin ich leicht zu gruseln, ich steigere mich in die Fälle hinein und kann, wie ein kleiner Junge der sich vor Monstern fürchtet, auch anschließend nicht gut schlafen (der Fall zum Verschwinden von Emma Fillipoff bereitete mir sogar schlaflose Nächte). Doch einem interessanten Fall und einer gut erzählten Geschichte kann ich einfach nicht widerstehen. Ich muss hier vielleicht vorab anmerken, mich interessieren bei True Crime hauptsächlich unaufgeklärte Fälle. Unaufgeklärte Fälle haben natürlich die Angewohnheit, einen immer tiefer in den sogenannten Kaninchenbau mitzunehmen. Je tiefer man gräbt, desto finsterer wird es. Dabei habe ich nicht einmal die Isdal-Frau aus Norwegen gesucht, sie hat, mehr oder weniger, mich gefunden. Um es weniger kryptisch auszudrücken: Auf den Podcast wurde ich im "Unresolved Mystery" Subreddit auf Reddit aufmerksam gemacht. Ein User empfahl mir den Podcast wärmstens und bereits nach dem Trailer wusste ich, dass das eine höchst interessante Reise werden wird, die mir den Schlaf rauben wird.



Doch immer langsam. Wie bin ich denn nun zur Isdal-Frau gekommen? Es gab einen Fall aus Norwegen, der wollte mich nicht loslassen. Ich hörte vor einigen Jahren die Geschichte von einer unidentifizierten Toten aus Norwegen, Etwas, was mir stark im Gedächtnis geblieben ist, ist, dass einige Augenzeugen diese Frau als elegant beschrieben, sie aber sehr stark nach Knoblauch gerochen hätte. Ich las exakt einmal über den Fall und erst vergangenes Jahr kehrte der Fall aus Norwegen zu mir zurück. Die Geschichte über eine unbekannte Tote aus Norwegen, die auf unnatürlichste Weise mit einem Kopfschuss am 03.06.1995 in einem Osloer Luxushotel aufgefunden wurde. Ich habe zu dem Fall um die Tote aus Zimmer 2805 so ziemlich alles aufgesaugt, was man dazu aufsaugen kann. Eine unheimliche Geschichte, die bis heute ungeklärt ist. Das einzige, was mich jedoch zutiefst wurmte, war, dass die Beschreibung der Dame aus Zimmer 2805 nicht zu der Dame passte, von der ich zuvor hörte. Auch wurde von keiner einzigen Person erwähnt, dass die Tote aus Zimmer 2805 intensiv nach Knoblauch gerochen hätte. Und hier wurde es mir langsam klar: Ich befand mich hier nicht in nur einem ungelösten Fall aus Norwegen, sondern in zwei völlig verschiedenen Fällen die rund 25 Jahre auseinander liegen. Die Tote aus Zimmer 2805 (Pseudonym Jennifer Fairgate) ist nicht die Frau, die nach Knoblauch gerochen hat. Die Frau, um die es hier geht, hört schlicht und ergreifend auf den Name "Isdal-Frau", da ihre Leiche im Eistal in der norwegischen Stadt Bergen aufgefunden wurde. Da diese beiden Fälle so viele Parallelen zueinander aufwiesen und ich von der Isdal-Frau zuvor nur einmal hörte, bestand für mich nie ein Zweifel daran, dass es sich hier nicht um ein und den selben ungeklärten Fall handeln könnte.

Ich wurde in meiner Berichterstattung über Jennifer Fairgate im Subreddit freundlich von einem hilfsbereiten Nutzer darauf aufmerksam gemacht, dass die Isdal-Frau ein weitaus bekannterer Fall aus Norwegen sei, der sich am 29.11.1970 in Norwegen ereignete. Da ich über den Fall nicht zu viel vorweg nehmen möchte da man den Podcast selbst für sich entdecken sollte, möchte ich nur kurzen Kontext zum Fall liefern: Bei der Isdal-Toten handelt es sich um eine bis heute unidentifizierte Frau die sowohl ihr Alter als auch ihre Identitäten und Herkunft bestens verschleiern konnte. Sie reiste unter mehreren gefälschten Pässen durch Norwegen und fand am Ende ihrer Reise ein heißkaltes Ende in Isdal, wo sie von zwei Mädchen und ihrem Vater entdeckt wurde. Noch lebenden Augenzeugen ist diese Frau, besonders ihr Geruch, auch Jahrzehnte später noch im Gedächtnis geblieben. Ihr seltsames Verhalten, ihr Auftreten, ihr Akzent - Menschen, denen sie begegnete und die zu Ihr Kontakt hatten, auf die hinterließ sie einen bleibenden Eindruck. Über 50 Jahre später ist der Fall noch immer ungelöst, die Mehrheit der Hobby-Detektive vermutet hierhinter bis heute Spionage, da sich der Fall exakt zur Zeit des kalten Krieges ereignete.

Der Podcast Death in Ice Valley befasst sich in 10 Episoden nicht mit verschiedenen True Crime Fällen, er befasst sich und widmet sich ausschließlich der Isdal-Frau. Bei diesem Podcast handelt es sich um eine gemeinschaftliche Produktion des norwegischen NRK und der britischen BBC. Durch die Sendung begleitet uns die norwegische Reporterin Marit Higraff und der Brite Neil McCarthy, der hier auch gleichzeitig als Produzent fungiert. Insgesamt 10 Episoden wurden im Jahr 2018 produziert, im Jahr 2019 und 2021 erschienen 2 Bonus-Episoden. Hiermit sei auch gesagt, Death in Ice Valley gilt noch nicht als abgeschlossen, das Ziel ist es, immer mal wieder über neue Zwischenmeldungen und Ereignisse zu diskutieren. Insofern sollte man sich also nicht wundern, wenn demnächst mal wieder vielleicht eine neue Episode erscheinen wird. Mein Hauptanliegen im Review werden aber die 10 Episoden sein, die 2018 erschienen sind. Die Laufzeit der einzelnen Folgen liegt zwischen 30-40 Minuten (ausgenommen davon sind die Specials, die eine Laufzeit von je über eine Stunde haben).

Bereits in Folge 1 ist mir aufgefallen, dass man an diesen Fall nicht Klein-Klein herangeht, sondern die schweren Geschütze in Sachen Qualität auffährt. Dies fängt direkt an, bevor auch nur irgendein Wort gesprochen wird: Die Soundkulisse. Ich kann alleine aus diesem Grund schon nur dazu raten, Death in Ice Valley mit Kopfhörern zu genießen. Das Main-Theme ist ein unglaublich atmosphärisches wie mysteriöses Stück, welches bedrohlich und gleichzeitig unheilvoll klingt. Man weiß, dass man nun in den wohl bekanntesten, ungeklärten Kriminalfall von Norwegen gezogen wird. Ich versuche mich hier, so gut es möglich ist, zurückzuhalten den Begriff "Mordfall" zu benutzen, da der Fall offiziell von der norwegischen Polizei als Selbstmord deklariert wurde.
Nachdem die herausragende Soundkulisse funktioniert, geht es auch schon los. Es ist ein regnerischer, stürmischer Tag in Bergen und die Journalisten Marit (die gleichzeitig auch die Expertin ist, was diesen Fall angeht da sie sich seit Jahren damit befasst hat) und Neil erklären uns, worum es in diesem Podcast gehen wird. Die beiden sitzen nicht bequem in einem kleinen Kabuff und diskutieren am Tisch miteinander, sie sind vor Ort, in dieser Szene mit dem letzten noch lebenden Mitglied der Polizei Taskforce, die damals für den Fall abgestellt wurde. Man ist Live dabei. Man hört jeden Regentropfen, jeden knirschenden Kieselstein. Es fühlt sich an, als sei der Hörer direkt im Geschehen drin, als nehme er an dieser Unternehmung teil.





Der Podcast ist aufgeteilt in mehrere Segmente. Von Theorien über forensische Analysen bis hin zu Interviews mit ehemaligen Augenzeugen und Experten, die sich mit dem Fall befasst haben oder bereits damals an diesem Fall direkt mitgearbeitet haben. Hier entsteht einfach eine unglaublich starke Synergie zwischen den handelnden Personen, mir kam es beinahe wirklich so vor, als würde ich einen Krimi schauen (und ich habe normalerweise absolut nichts für Krimis übrig). Obwohl ich selbst leider noch nie in Norwegen war, so fühlte es sich für mich aber doch an, als würde sich vor meinem geistigen Auge die komplette norwegische Kulisse aufbauen, was auch an den äußerst detailreichen Beschreibungen von Marit und Neill liegt. Es gab einige wenige Momente bei den Interviews, wo ich mir ein paar Untertitel gewünscht hätte (was natürlich nicht möglich war über Apple Podcast) oder einem zusätzlichen Zweikanalton, der die Aussagen der etwas schwerer zu verstehenden Personen noch einmal wiedergegeben hätte.

Das ultimative Ziel des Podcast ist es nicht, die Identität der Isdal-Frau aufzudecken (auch wenn dies natürlich ein herausragender Nebeneffekt wäre). Man möchte hier mit modernen, zeitgenössischen Methoden neue Hinweise in einem Fall finden, der vor Jahrzehnten verjährt ist. Man möchte der Frau in diesem anonymen, einsamen Grab endlich einen Namen geben, dies wäre natürlich ein riesiger Erfolg für das gesamte Team.

In Folge 9 geht es nach Deutschland, da viele Spuren der Isdal-Frau ins Deutschland der Nachkriegszeit führen. So interessant diese Episode auch aufgebaut war und so viel Mühe man in diese Episode steckte, dies war für mich als Zuhörer jedoch das erste mal, dass ich das Gefühl hatte, Death in Ice Valley hätte sich in einer fiesen Sackgasse verheddert. Obwohl die Investigation in Deutschland vielversprechend begann, so merkte man sehr schnell, dass es in Sachen Hinweise und Erkenntnisse nicht viel neues zu erkunden gab. In der finalen Folge 10 kehrte man dann aber noch einmal extrem stark zurück.

Wie geht es mit Death in Ice Valley weiter? Im Jahr 2019 und im Jahr 2021 gab es, wie schon erwähnt, zwei Spezial-Episoden. Die Interaktion mit der Community spielt hier eine enorm wichtige Rolle, was natürlich auch eine großartige Eigenschaft des gesamten Podcasts ist. Die Zuhörer/die Community tragen/trägt einen großen Anteil daran, dass der Podcast solche Kreise zog. Vieles, was in den einzelnen Episoden des Podcasts besprochen wird, ist auch auf eine offizielle Facebook-Gruppe zurückzuführen. Hier fühlte ich mich leider ein bisschen ausgeschlossen, da ich seit vielen Jahren kein Facebook mehr benutze. Das Problem an Social-Medial Gruppen ist natürlich, irgendwann wird es dort bei viel Andrang recht chaotisch. So erging es mir dann auch, als ich extra für die Death in Ice Valley Gruppe nach sehr langer Zeit mal wieder Facebook besucht hatte. Allerdings fand ich es wirklich chaotisch, dort für mich einige lesenswerte Beiträge zu finden, an Bildmaterial wurde mittlerweile auch so viel von Fans gepostet, dass es schwer war, dort den Überblick zu behalten.

Wer Bildmaterial sehen möchte, der sollte jedoch die offizielle Website der BBC besuchen (oben verlinkt) oder den Podcast auf YouTube verfolgen, denn dort werden auch dazugehörige Bilder zu den wichtigen Szenen gezeigt, wo Beweismaterial ins Spiel kommt (und zum Verständnis des Kontext ungemein helfen könnte. Leider erfuhr ich von den YouTube Uploads erst, als ich mit dem Podcast via Apple Podcast bereits komplett durch war). Wer noch mehr Bildmaterial und Informationen zu einzelnen Beweisstücken recherchieren möchte, der wird hier fündig: The Isdal Woman dot com

Etwas gemischte Gefühle hatte ich jedoch bei den zwei Bonus-Episoden. Bei dem großen Special aus dem Jahr 2019 wurde teils vor Live-Publikum aufgenommen. Hier lag der Charme natürlich eindeutig darauf, bei diesem Event Live anwesend zu sein. Hier gab es viel Interaktion mit Fans, aber es gab auch keine neuen spannenden Erkenntnisse. Episode 12 erschien 2021 und geht einen ganz anderen Weg. Auch hier gibt es Interaktion mit Fans, anders als in der Episode zuvor wird hier aber die Geschichte von zwei verschiedenen Frauen erzählt, die eine ähnlich mysteriöse Hintergrundgeschichte wie die Isdal-Frau haben. So spannend ich den Ansatz fand, umso weniger konnte ich mich auf die Geschichten der beiden Damen einlassen, weil es einfach zu sehr vom eigentlichem Thema abwich. Hier hätte ich mir wirklich etwas gewünscht, was vielleicht tatsächlich in die Richtung Jennifer Fairgate geht, denn diese beiden Fälle haben eine menge unheimliche Parallelen und ich könnte mir vorstellen, die Zuhörer würden es sehr spannend finden, mal einen Einblick in diesen Fall zu erhaschen.




Fazit

Draußen stürmt es, es ist ungemütlich und kalt. Für diese Jahreszeit gibt es wohl kaum einen besseren Podcast als Death in Ice Valley, sofern man sich für ungeklärte True Crime Fälle interessiert. Die Soundkulisse und die Moderation des Podcasts sind herausragend gut und das Thema selbst weiß 10 Episoden lang zu fesseln. Ich wünschte, so einen Glückgriff in Sachen Podcasts würde mir schnell wieder gelingen, da ich nun auch hungrig auf mehr davon bin. Obwohl die Geschichte von Death in Ice Valley vorerst wohl als erzählt angesehen werden dürfte, so verliert der Podcast aber nicht an Relevanz. Der Fall ist noch immer ungeklärt und so lange dies der Fall ist, kann man diesen Podcast wohl vor allem als eines betrachten: Eine fortlaufende Serie. Ich würde natürlich aus allen Wolken fallen, wenn die nächste Episode heißen sollte: "The Identity of the Isdal Woman finally revealed". Dem Team, welches so viel Arbeit in diesen Podcast gesteckt hat, wäre es zu wünschen.