Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Montag, 1. August 2011

AnimagiC 2011: Gantz Part 1: Next Level oder Game Over?


Japan 2010
Originalvorlage: Hiroya Oku
Regie: Shinsuke Sato
Darsteller: Kenichi Matsuyama, Kazunari Ninomiya, Takayuki Yamada, Ayako Yoshitani, Natsuna, Yuriko Yoshitaka, Tomorowo Taguchi, Kanata Hongo
Laufzeit: Circa 125 Minuten (Mit Abspann)
Genre: Science Fiction, Horror
Deutscher Verleih: Sunfilm
Veröffentlichung: 11.08.2011 (Verleih), 22.09.2011 (Verkauf)
Freigabe: FSK 16 (Ungeschnitten)


Trailer:



Falls nun jemand dieses Review liest der von Gantz noch nie etwas gehört hat sollte diese Zeile aufrichtig lesen. Ich habe damit aufgehört Gantz zu erklären. Den Inhalt wiederzugeben. Dieser ist so konfus und kompliziert, das ich erst gar nicht damit anfangen will nun eine Inhaltsangabe zu verfassen. Man muss etwas mutig sein um sich auf Gantz einzulassen, also wenn euch das folgende Review auch nur etwas zusagt, dann solltet ihr versuchen es mit Gantz aufzunehmen.

Wenn man sich an so etwas spezielles wie Gantz wagt darf man bereits im Vorfeld keine Versprechungen von sich geben die man am Ende gar nicht halten kann. Und um so etwas zu vermeiden haben die Verantwortlichen auch gleich gesagt das man nicht nur die Gewalt zurückschrauben wird, sondern die Adaption auch etwas völlig eigenständiges darstellen soll.
Die Ansage scheint was gebracht zu haben. Teil 1 der zweiteiligen Live-Action Adaption von Gantz belegte nicht nur Platz 1 der japanischen Kinocharts, auch die Einspielergebnisse darüber hinaus konnten sich sehen lassen. Teil 2 kann also kommen.


Unter Fans genießt das Werk von Hiroya Oku längst Kulst-Status. Seit fast 11 Jahren läuft die Publikation des Manga bereits und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Die Saga ist in 3 Sektionen unterteilt. Das Original, Second Phase und Final Phase. Letztere wird, wie der Name schon sagt, das Finale einleiten.

Bekannt ist die Serie durch die teilweise extreme Darstellung von Gewalt, Galgenhumor und Sexzenen. Das Shinjuku Massaker dürfte jedoch aufgrund aktueller Anlässe keine allzu große Werbung für den Manga sein.

Gantz bringt bereits eine mehr oder weniger erfolgreiche Anime Adaption mit sich die in Zwei Staffeln veröffentlicht wurde. Bis zum Ende hält sich die Serie eigentlich ziemlich nah am Original. Leider wurde jedoch das komplette Ende umgeschrieben (logisch, weil es ja noch gar kein offizielles Ende gibt). So bleibt das Ende des Anime offen, umstritten und teilweise auch völlig banal.

Die Live-Action Verfilmung die 2010 gedreht wurde, und dieses Jahr in die Kinos kam macht es sich da etwas einfacher. Man greift zwar aus dem Manga als Vorlage zurück, kreiert aber etwas völlig eigenständiges. So kann man sagen das 50% des Filmes auf dem Manga basieren, die anderen 50% jedoch nach einem eigenständigen Drehbuch vorgehen. So handeln auch die Hauptcharaktere völlig anders als im Original. Auf der anderen Seite wurden Schauplätze dafür aber teilweise 1 zu 1 aus dem Manga übernommen. Und bis zu einem speziellen Abschnitt bekommt der Film das einfach meisterhaft hin. Die Umsetzung wirkt in keiner Szene trashig (wie es bei den meisten Live-Action Filmen üblich ist). Stattdessen wirkt die Szenerie düster und ernst. Der krude Humor bleibt da leider auf der Strecke. Was auch daran liegt das Hauptcharakter Kei Kurono (hier gespielt von dem überzeugendem Kazunari Ninomiya) völlig anders agiert als im Original. Sein Charakter ist nun wesentlich ernster und zurückgezogener.

Die Gewaltdarstellung wirkt zumindest in der ersten Hälfte noch ziemlich splattrig. Ich habe mich doch schon sehr darüber gewundert, sagten die Macher doch das man die Gewalt zurückfahren will. Letztendlich taten sie das auch. Jener Splatter aus der Mission mit den Lauch-Aliens ist auch das einzige mal das der Film auf grafische Effekte setzt. Danach bekommt man genau das zu sehen was man nun einmal in einem Film zu sehen bekommt der ab 16 Jahren freigegeben ist. Das ist dementsprechend enttäuschend weil die Stimmung in der großen AnimagiC Festhalle ziemlich ruhig geworden ist nachdem man keine drastischen Szenen mehr abfeiern konnte. Dies sollte den Eindruck aber nicht trüben (im Gegenteil, nach dem Abspann wurde sogar noch applaudiert). Dafür war ich von den Effekten jedoch ziemlich begeistert. Nehmen wir zum Vergleich die Adaption von Devilman. Devilman und Gantz trennen welten. Das Budget von über 20 Millionen Dollar hat sich bezahlbar gemacht und wurde an genau den richtigen Stellen benutzt.


Die Schauspieler haben mir eigentlich allesamt gut gefallen. Auch Heulsuse Kenichi Matsuyama der die Rolle des emotionalen Masaru Kato spielt hat mir erneut gefallen. Er ist wirklich ein ordentlicher Schauspieler, bin aber immer noch der Meinung das sein Hang zum berühmten japanischen Overacting einfach übertrieben ist.
Besonders gefreut hat mich der Auftritt von Tomorowo "The Iron Man" Taguchi. Heutzutage sieht man Taguchi nur noch selten, und wenn man ihn sieht, sind es meistens kleine Nebenrollen. In Gantz hat er eine sehr passable Screen-Time und man kann davon ausgehen ihn in Teil 2 wiederzusehen. Allgemein sind alle Charaktere ziemlich gut getroffen und weisen viel Ähnlichkeit mit ihren Manga-Vorbildern auf.

Leider muss ich aber sagen das die knapp 130 Minuten nicht immer optimal genutzt wurden. Man lässt sich sehr viel Zeit in manchen Szenen. In etlichen Szenen passiert nämlich überhaupt nichts. Als ob man den Film etwas strecken wollte. Nach einem super Start kann der Film dieses Niveau leider nicht mehr halten im späteren Verlauf. Das ist besonders schade da der Film eine ziemlich hohe Qualität aufweist. Wie auch schon bei anderen Live-Action Adaptionen wurde Potential verschwendet. Einige Zuschauer die nicht mit der Welt von Gantz vertraut sind dürften sogar verwirrt sein nachdem der Film endet. Man hält sich in der Adaption noch weiter mit Erklärungen zurück als im Original. Was vielleicht auch daran liegen mag das Nishi einen kleineren Auftritt hat als im Manga. Und ohne Nishi (ein Spieler der von der aktuellen Truppe am längsten dabei ist) gibt es auch umso weniger Hintergrund. Ziemlich schade, da wäre mehr drin gewesen und so beraubt sich der Film um seine eigenen Möglichkeiten.

Um die deutsche Veröffentlichung kümmert sich das Label Sunfilm. Auch wenn der Film bereits diesen Monat in die Videothek kommt, dort bleiben die Exklusivrechte vorerst. Denn wer den Film auf DVD und BluRay gerne kaufen möchte, der muss den 22 September anpeilen. Der Film kommt unzensiert mit einer FSK 16 Freigabe daher.
Die Synchronisation ist ordentlich. Etwas seltsam klingt dabei jedoch Hannes Maurer (ich glaube zumindest das er es ist) als Kei Kurono. Evangelion Fans dürften hier wohl Shinji Ikari vor sich haben.

Fazit:

Selbstverständlich gibt es am Ende einen fiesen Cliffhanger. Das macht Laune auf Teil 2. Die einzige Kritik die man dem Film vorwerfen kann ist das die Macher wohl nach der ersten Hälfte des Films ein wenig die Euphorie verloren haben. Trotzdem gehört Gantz für mich schon jetzt zu den wohl besten Live-Action Verfilmungen die es gibt. Und die Liste ist sogar recht klein. So gesellt sich Gantz direkt neben Oldboy und Ichi The Killer. Was hier aber noch möglich gewesen wäre ist unglaublich. Ich hoffe das all jenes Potenzial noch in die Fortsetzung gesteckt wird. Oder besser gesagt, gesteckt wurde, denn der Film scheint längst fertiggestellt zu sein.
Wer also auf außergewöhnliche Filmerlebnisse steht, der wird mit Gantz bestens bedient werden.


Wertung:


7,5 Punkte (Aufgewertet auf 8 Punkte auf der Skala)

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