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Samstag, 4. Juli 2026

Rezension: Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung (Sawako Natori)

 




Japan

Band 2 der Freitagsbuchhandlung

Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung
Autorin: Sawako Natori
Übersetzerin: Charlotte Scheurer
Verlag: Piper
Veröffentlichung: 29.05.2026
Genre: Healing Fiction, Cozy Literature


"Über uns explodierte weiter das Feuerwerk. Jetzt, ausgerechnet jetzt, stiegen die Raketen pausenlos nach oben und blühten am Himmel auf. Sie waren alle so schön, dass ich hätte weinen können. Ich dachte an die weißen Nächte, die ich noch nie gesehen hatte, in fernen Ländern, in denen ich noch nie gewesen war. Eine Zeile aus "Knütt findet einen Freund" kam mir dabei direkt in den Sinn: >>Plötzlich fühlte er sich mutig, stark und froh, so sehr, dass er ein kaltes, aber glückliches Band im Mondschein nahm.<< Ich konnte den Wunsch nicht unterdrücken, dass mir genau wie Knütt die Welt neu leuchten würde."

In Japan und Südkorea seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken, hat das Literatur-Untergenre "Healing Fiction" auch unlängst in Deutschland Einzug gehalten. Nicht nur in Deutschland, Autoren und Autorinnen aus aller Welt versuchen sich am Genre. Die Popularität und die Nachfrage ist ist leicht zu erklären - wir leben in stressigen, turbulenten Zeiten. Literatur als Rückzugsort funktionierte schon immer, doch was, wenn wir diesem Rückzugsort zu etwas manifestieren, ein Ort, der unscheinbar wirkt, nicht auf Anhieb zu finden ist und dennoch jeden Willkommen heißt? Ein kleines Café, eine Bar oder..... eine Buchhandlung. Tatsächlich kann man all das genannte nun auch nach Belieben miteinander kombinieren. Die Zutatenliste ist einfach, doch daraus ein ansprechendes literarisches Gericht zu kreieren ist wie immer keine leichte Aufgabe.

Mit der vierteiligen "Freitagsbuchhandlung" der japanischen Autorin Sawako Natori, begleitet uns die gemütliche Buchhandlung mit ihren vielen Geschichten durch die Jahreszeiten. Hierbei muss angemerkt werden, ich bespreche hier bereits Band 2 der Reihe. Band 1 hört auf den Titel "Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung" und ist bereits vor einigen Monaten erschienen. Die Romane werden direkt aus dem Japanischen von Charlotte Scheurer übersetzt.

Da ich selbst in turbulenten und stressigen Zeiten lebe, hatte ich mir bereits vor einiger Zeit eine kleine Liste mit Titeln aus dem Genre zusammengestellt. "Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" war ein Titel, der aufgrund seines aktuellen Erscheinungsdatums mein Interesse weckte. Dass ich hier direkt mit Band 2 anfange, war mir anfangs noch nicht bewusst (eine Anmerkung gibt es aber auf der Rückseite des Buches), anhand der abgebildeten Jahreszeiten kann man sich dies aber denken. Meine Sorge, dass ich hier vielleicht den Anschluss verpasse, war jedoch unbegründet. Die Geschichten stehen für sich selbst und die Autorin schafft es, beinahe beiläufig die Hintergründe der Figuren, die man schon aus dem ersten Band kennt, den Lesern näher zu bringen.

Im Fokus der Geschichte steht der Ich-Erzähler Fumiya, der als Mitarbeiter der Freitagsbuchhandlung seinen Alltag mit den Lesern teilt. In diesem zweiten Band hat er sich mit der etwas eigensinnigen Art der Buchhandlung und seinen nicht minder eigensinnige Inhabern bereits akklimatisiert. Zu den Inhabern der Buchhandlung gehören Makino, Yasu und Sugawa, allesamt alte Klassenkameraden, die in ihrer Schulzeit den Freitagsleseclub gründeten. Fumiya beneidet das eingespielte Trio um ihre vielen gemeinsamen Erinnerungen und möchte mehr über die Anfänge der Buchhandlung erfahren. Als an einem heißen Sommertag eine Schülerin aus dem angrenzendem Gymnasium die Buchhandlung betritt, könnte Fumiyas Wunsch, mehr über das Trio zu erfahren, sich bald erfüllen.

Das besondere an der Struktur von "Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" sind die an und für sich ineinander abgeschlossenen Geschichten. Jedes neue Kapitel baut auf der Handlung des vorherigen zwar auf und bringt die Reise der Charaktere voran, erzählt aber konstant eine neue Rahmenhandlung. Dies macht das Buch zum optimalen Begleiter für kürzere Lese-Sessions.

Der Schreibstil von Sawako Natori ist eingängig und gar beruhigend. Die Autorin verschwendet keine Zeit für langwierige Einführungen und zieht die Leser direkt in die Geschichte. Hintergründe und Beziehungen entfalten sich auf ganz natürliche Art. Man kann sich als Leser entspannt zurücklehnen und sich hier berieseln lassen. Die gesamte Crew wirkt nahbar wie liebenswert und mit dem unverkennbaren Stil der japanischen Literatur fühlt man sich schnell heimisch. Abgerundet wird das ganze von einer absolut flüssigen, gut lesbaren Übersetzung von Charlotte Scheurer.



Abschließende Gedanken

"Sommerleuchten über der Freitagsbuchhandlung" ist ein wundervolles Kleinod der Literatur. Ein Rückzugsort für alle, die gerne in einen anderen Alltag flüchten wollen. Literatur kann besänftigen, trösten und die Energie aufladen. Hierbei handelt es sich um Literatur über Literatur. Der Stellenwert von Büchern in unserer Gesellschaft. Kleine Buchhandlungen sterben immer mehr aus - Orte, an denen wir uns heimisch fühlen und über das reden können, was wir so lieben. Sawako Natori schreibt hier über etwas so alltägliches, was aber schon seit einer längeren Zeit gar nicht mehr so alltäglich ist. Es liegt wie immer an uns, ob das, worüber die Autorin hier schreibt, bald vielleicht ein Relikt aus der Vergangenheit sein wird.

Ich freue mich bereits auf den kommenden dritten Band, der bereits am 31.07.2026 erscheint und auf den Titel "Blätterrascheln in der Freitagsbuchhandlung" hört (alle 4 Bücher nebeneinandergestellt ergeben übrigens ein schönes Muster). Hier steht der Herbst im Fokus, eine wunderschöne Jahreszeit, die gefühlt schon länger ein Relikt der Vergangenheit ist.



Besprochen von: Aufziehvogel

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