Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Donnerstag, 9. April 2015

Einwurf: Können sich Light Novels in Deutschland endlich etablieren?

(Foto: Aufziehvogel)



Die Popularität von Light Novels ist in Japan auch weiterhin ungezähmt. Immer mehr Manga, Anime oder auch heimische Film Adaptionen basieren auf den beliebten Romanen, in denen meistens auch Illustrationen vorzufinden sind. Die Autoren der jeweiligen Werke arbeiten eng mit bekannten Manga-Künstlern zusammen. Die Illustrationen in den Büchern helfen natürlich ungemein, sich noch bessere in die Charaktere und das Szenario hineinzuversetzen zu können. Light Novels werden vermutlich nie einen Stellenwert in der großen Weltliteratur einnehmen, die Beliebtheit der größtenteils gut geschriebenen Novellen hat in Japan jedoch längst die angepeilte Zielgruppe überschritten.

Im Westen hat man sich mit den Light Novels bisher schwer getan. Das größte Problem: Kosten und Vermarktung. Die Übersetzung der Romane ist teuer, auch wenn diese nur selten 300 Seiten überschreiten. Das Problem liegt eher darin, viele beliebte Light Novel Reihen umfassen in Japan Bände, die in einem zweistelligen Bereich liegen. Sind die Kosten bereits ein Problem, ist das zweite Problem direkt die Vermarktung. Nicht jeder Manga Leser oder Fan von Anime ist gleichzeitig auch ein potentieller Kunde für eine Light Novel. Dies hat bereits die Vergangenheit bewiesen. Sowohl Tokyopop als auch Carlsen mit seinen Nippon Novels bemühten sich, einen neuen Trend neben den auch in Deutschland erfolgreichen Manga zu erschaffen. Der Ertrag hielt sich in Grenzen. Fantastische Serien wie Kinos Reise wurden bereits nach wenigen Bänden bei Tokyopop eingestellt. Bei Carlsen ist es sogar in diesem Bereich noch stiller geworden. Auf das Konto von Tokyopop gehen aber die äußerst erfolgreichen Veröffentlichung der beiden Death Note Romane "Another Note" und "L Change the World". Eine Anmerkung, die nicht klein geredet werden sollte.

Einige Jahre später will es der Hamburger-Verlag Tokyopop noch einmal wissen. Ziel, so scheint es, ist eine bessere Vermarktung. Simultane Veröffentlichungen. Nehmen wir Reki Kawaharas erfolgreiche Serie Sword Art Online als Beispiel. Während der Anime bereits beliebt ist, die Serie in Deutschland eine feste Fangemeinde hat, kann es unmöglich schaden, nicht nur den Manga zu uns bringen, sondern auch die Original Romanreihe. Die Ausführung des eigentlich sicheren Planes sieht dann aber anders aus. Bereits im Herbst 2014 sollte der erste Band von Sword Art Online erscheinen. Mehrfach musste Tokyopop diesen jedoch um einige Wochen verschieben, bis es sogar so weit kam, die Reihe auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Man muss vielleicht noch erwähnen, es sind nicht unbedingt wenige deutsche Leser, die sich auf Sword Art Online bei Tokyopop gefreut haben. Mittlerweile hat der Verlag im offiziellen Forum sich bereits ehrlich und sehr direkt zu den Verschiebungen geäußert. Der Grund? Erhebliche Probleme bei der komplizierten Übersetzung. Übersetzer 1 war sprang ab, Übersetzerin 2 hat den Stoff so detailliert umgesetzt, dass dieser in der deutschen Sprache anscheinend einfach nicht funktioniert. Nun sei man dabei, so Managing Director Jo Kaps, den Text lesbar und verständlich zu machen. Von vornherein muss man natürlich zugeben, einem so bekannten Verlag wie Tokyopop dürfte so etwas eigentlich nicht passieren. Das sich ein Übersetzer aber auch vielleicht mal maßlos überschätzt oder mit der Materie nicht vertraut ist, ist nicht unbedingt etwas, womit man zwangsläufig rechnen muss.
Allerdings kann man da nun nichts mehr dran ändern. Jo Kaps ist allerdings zuversichtlich: Sword Art Online wird bald erscheinen.

So ärgerlich solche Pannen sind, so peinlich verhält sich die Leserschaft. Ein Video von zwei Mitgliedern des Tokyopop Forums kursiert auf YouTube, die schlecht recherchiert der Marke "Fremdschämen" über dieses Thema berichten. Solchen Leuten möchte ich auf meinem Blog natürlich keine Showtime gewähren und somit ist es auch ausgeschlossen, dass ich besagtes Video jemals hier verlinken werde.




Da Reki Kawahara aber ein beschäftigter Mann ist, hat er neben Sword Art Online noch mehrere erfolgreiche Serien, an denen er aktuell arbeitet. Eine davon heißt Accel World und ist lose mit dem Sword Art Online Universum verknüpft. Bereits 17 Bände umfassen die Romane in Japan. Entstanden ist aus dem Light Novel ein Multimedia Franchise und so gibt es neben einem gleichnamigen Manga auch noch eine Anime TV-Serie, die 24 Episoden umfasst.

Tokypop besitzt auch die Lizenz für Accel World und veröffentlichte ohne weitere Zwischenfälle am 09. März 2015 Band 1 der Light Novel Reihe und Band 1 des Manga. Genau wie bei Hiroshi Sakurazakas "All You Need Is Kill" (verfilmt als "The Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise) setzt Tokyopop auf eine simultane Veröffentlichung zwischen Novel und Manga, was sich bei All You Need Is Kill bereits ausgezeichnet hat.

Sobald Tokyopop auch endlich Sword Art Online etablieren kann, heißt es abwarten, wie sich die Serien in Deutschland machen. Ganz persönlich gönne ich Tokyopop den Erfolg, weil sie sich Mühe geben, zum zweiten mal einen Anlauf in diesem Sektor zu wagen. Ob sich eine neue Leserschaft finden wird, wird sich also zeigen. Nun ist Accel World seit genau einem Monat erhältlich, eine Prognose darf man hier natürlich noch nicht abgeben.

Im Juni erscheint mit Black Bullet die nächste Light-Novel Reihe bei Tokyopop, auf die ich mich sehr freue. Letztendlich kommt natürlich auch der Erfolg dieser Reihen den deutschen Lesern von Light Novels zugute. Bei aller Euphorie muss ich natürlich auch noch loswerden, ich wäre gerne etwas optimistischer was die Zukunft dieser Werke in Deutschland angeht.

Wer sich einen kleinen Überblick über aktuelle und kommende Veröffentlichungen über Light Novels bei Tokyopop machen will, der kann ihre offizielle Seite besuchen, die ich zum Abschluss dieses Einwurfs hier verlinken werde.

Alle, die mal wieder mein ausgiebiges Selbstgespräch verinnerlicht haben, habt ein schönes (kommendes) Wochenende, genießt das gute Wetter oder, noch viel besser: Verbringt eure wertvolle Zeit vor dem Fernseher, denn in wenigen Minuten wird das Masters aus Augusta übertragen, was ich mir bestimmt bei 1 oder 2 Gläsern Wein das komplette Wochenende zu Gemüte führen werde ;D

Bis bald,
Euer Aufziehvogel


Light Novels bei Tokyopop (Übersicht und Leseproben)Link zur offiziellen Website


P.S.

Viele Leser meines Blogs wissen es schon, aber wenn ich hier einen Link zum Verlag anhefte, tue ich dies selbstverständlich freiwillig und werde weder von dem Verlag gefördert, noch mit einem Abo auf Lebzeiten für alle neuen Veröffentlichungen entlohnt ;)
Es besteht sogar die ultimative Möglichkeit, dass Tokyopop niemals von der Existenz dieses Eintrages erfahren wird. Es sei denn, man sieht "Am Meer ist es wärmer" als den einzigen und bekanntesten Blog im Web an, was natürlich nicht auszuschließen ist.

Mittwoch, 1. April 2015

Rezension: Das Voynich Manuskript






Das Voynich Manuskript
Herausgeber: Wilfrid Michael Voynich, Yale University (Beinecke Rare Books & Manuscript Library)
Erscheinungsjahr: Unbekannt
Verfasser: Unbekannt
Sprache: Unbekannt
Übersetzung: Keine Übersetzung
Genre: Botanik, Körperpflege





Vor circa einer Woche befand sich ein seltsames Rezensionsexemplar in meinem Briefkasten. Der Absender war nirgends zu finden, genau so wenig befand sich im Paket ein Kärtchen mit einem Ansprechpartner. Lediglich der Name meines Blogs befand sich auf der Vorderseite des Rezensionsexemplares aufgeklebt. Fein säuberlich von Hand geschrieben.

Was also tun mit einem Dokument, dessen Handschrift ich nicht entziffern kann und zusätzlich noch bestückt ist mut surrealen Zeichnungen? Glücklicherweise bin ich nicht weltfremd und habe Freunde aus den unterschiedlichsten Branchen. Nach mehrmaligem durchblättern kam ich zum Entschluss, hierbei könnte es sich um ein Werk der Kräuterheilkunde handeln! Dies verrieten mir zumindest die wirren Zeichnungen von Pflanzen, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe. Ich rief also meinen Kumpel Gregor an, der als erfahrener Botaniker schon weit in der Welt herum gekommen ist. Ich erzählte Gregor also von diesem seltsamen Rezensionsexemplar. Als ich meine Erzählung und Vermutung beendete, hörte ich auf der anderen Seite bereits Hohn und Spott. Wie ich denn noch nie etwas von dem Voynich Manuskript gehört haben konnte, fragte mich Gregor und ob ich mich auf meinem Blog mit Literatur oder Schmink-Tipps befasse. Einige herablassende Sprüche später, erklärte mir Gregor die Bedeutung dieses eigenartigen Manuskriptes. So musste Gregor für seine Abschlussprüfung in Botanik aus dem Voynich Manuskript zitieren und eine umfangreiche Arbeit über die antiken Schriften verfassen. Ich staunte nicht schlecht, besonders, als er mir berichtete, alle angehenden Botaniker müssten das Voynich Manuskript als eine art Bibel ihrer Zunft ansehen.

Mehrere Geschichtsstunden später hatte ich genug recherchiert. Der polnische Buchhändler Wilfrid Michael Voynich, der gleichzeitig auch noch Sammler antiker Schriften war, fand das unbekannte Manuskript (circa 1912) eher zufällig. Sein ganzes Leben verbrachte er damit, die Schriften zu entziffern oder sie zumindest einem Autor zuzuordnen. Voynich blieb bis an sein Lebensende erfolglos. Bis heute kann die im Voynich Manuskript präsentierte Sprache keiner gebräuchlichen oder ausgestorbenen Sprache zugeordnet werden. Experten aus aller Welt sind am Manuskript gescheitert. Handelt es sich also um eine Geheimsprache? Wurde das Manuskript vielleicht sogar von Außerirdischen verfasst und sind die Abbildungen im Buch unser Weg ins Paradies? Nach vielen schlaflosen Nächten bin ich auf ein interessantes Fazit gekommen.

Die nahezu perfekte symmetrische Handschrift im Buch machte es mir leichter als angenommen, mich in die vermeintliche Handlung des Manuskripts einzufinden. Anhand der Zeichnungen konnte ich auch relativ zügig die Darstellungen interpretieren. Anhand der antiken (und gleichfalls mysteriösen) Tierkreiszeichen, die das Ende des Manuskripts füllen, kam ich zu folgender Schlussfolgerung: Das Voynich Manuskript ist lediglich auf den ersten Seiten der Botanik gewidmet. Alles, was danach folgt, ist eine ausführliche Gebrauchsanweisung, wie man sich vernünftig badet. Auf den ersten Seiten wird detailreich beschrieben, aus welchen Pflanzen man die wohltuendsten Aufgüsse und Bäder erschaffen kann. Zu unserer eigenen Schande existiert keine der dort dargestellten Pflanzen mehr. Doch dank der Illustrationen und Tierkreiszeichen kann man zumindest noch einen Teil des Manuskripts in die Tat umsetzen. Viele der im Manuskript abgebildeten Sternzeichen existieren in unserer heutigen Zeit nicht mehr, alle bekannten Sternzeichen sind aber dennoch vertreten. Mal als Beispiel: Ich bin Steinbock. Das Voynich Manuskript erklärt mir beinahe schon peinlich genau, wie und wann ich mich als Steinbock zu baden habe. Wie lange, wie gründlich und mit welcher Bekleidung ich es tun muss. Insgesamt kommt der Steinbock auf 3 Vollbäder im Jahr, von denen ich einmal komplett nackt das Bad betreten darf.
Es wird noch ein Update von mir zu dieser Rezension geben, ob diese Praktiken auch tatsächlich ihren Zweck erfüllen (erst einmal müsste ich erfahren, welchen Zweck sie überhaupt erfüllen).

Eine schwere Zugänglichkeit ist dem Manuskript aber wahrlich nicht zu leugnen, was das Lese-Vergnügen immer wieder trübte.


Resümee

Das Voynich Manuskript ist keine leichte Kost. Die bereits erwähnte schwere Zugänglichkeit hinderte ein flüssiges Vorankommen. Dennoch habe ich meine Zeit mit dieser antiken Schrift nicht bereut. Die dargestellten Techniken im Manuskript zum anständigen Baden halte ich für ziemlich sinnvoll. Ob das Manuskript aber tatsächlich unverzichtbar für die Menschheit ist, diese Frage kann und will ich auch gar nicht beantworten.

Wer sich mit Botanik auskennt, wird eine noch größere Freude an diesem Werk haben. Alle Laien (wie auch ich) müssen sich mit dem Voynich Manuskript erst einmal anfreunden, bevor sie vielleicht einen Nutzen aus diesen Schriften ziehen können.

Einwurf: Gilt man jetzt eigentlich als uncool, wenn man Nolans Filme feiert?



Regisseur, Autor, Produzent. Christopher Nolan ist einer der letzten Architekten Hollywoods. Ein Filmemacher alter Schule. von seiner Präsenz her zurückhaltend, ja, beinahe schon kühl und unnahbar. Aber es sind diese Eigenschaften, die Nolans Faszination ausmachen. Genau wie Ridley Scott und Stanley Kubrick in ihren besten Zeiten, so erfindet sich auch Nolan immer wieder neu.
Die Statistiken und der Renommee sind deutlich: Nolan ist nicht nur einer der kommerziell erfolgreichsten Regisseure seit der Jahrtausendwende (darunter befinden sich leider auch weniger illustre Namen), er genießt auch bei Kritikern und Filmfans gleichermaßen ein hohes Ansehen.

Nolan ist nicht nur bekannt dafür, den dunklen Rächer aus der Klamauk-Kiste befreit zu haben, in die er von Joel Schumacher gesteckt wurde, Nolan ist auch bekannt dafür, das PG-13 Genre revolutioniert zu haben. Spätestens seit Batman Begins funktionierte die Nolan-Formel. Düster und ernst sind seine Filme und sprechen dabei überraschenderweise auch noch ein riesiges Publikum an.

Lange musste ich mir für diesen Einwurf eine Überschrift ausdenken. Ich wollte sie ein wenig überzeichnen und fragte mich selbst, mit einem Schmunzeln auf den Lippen, gilt man jetzt eigentlich als uncool, wenn man Nolans Filme feiert? Pünktlich zum Heimkino-Release von Interstellar (Rezension wird auch zeitnah hier erscheinen) stelle ich mir diese Frage. Denn wofür Christopher Nolan vor wenigen Jahren noch gefeiert wurde, scheint in der heutigen Zeit sein Verhängnis zu werden. Gleichermaßen von Regie-Kollegen und Filmfans hagelt es Kritik. Landsmann sowie Kick-Ass und X-Men: First Class Regisseur Matthew Vaughn wirft Nolans Filmkunst vor, zu pessimistisch zu sein in einer Zeit, wo die Menschen unterhalten werden wollen. Die Aussage hielt Interstellar nicht davon ab, ebenfalls in die Top 250 Liste der IMDb einzusteigen, in der Nolans Filme nun ganze 7 mal vorzufinden sind. Und auch Online ist es unbehaglich geworden, wenn man sich für Nolans Filme ausspricht. Bekennt man sich zu Nolan, wird man vom gemeinen Pöbel häufig als ignorant und exzentrisch betitelt die keinerlei Kritik an ihren geliebten Regisseur zulassen. Ja, vom Papier her scheint meiner Überschrift tatsächlich etwas wahrhaftiges anzuhaften.

Allerdings dürfte mein Einwurf wesentlich dramatischer klingen, als er es letztendlich ist. Meine persönliche Meinung ist, ja, es ist schade wenn man sich in Foren mittlerweile rechtfertigen muss, wieso man Nolans Filme gerne sieht. Solch ein überraschender Erfolg bringt mit der Zeit natürlich Neider mit sich. Und dennoch stelle ich mir die Frage: Wieso feiere ich Nolans Filme? Für mich ganz einfach zu erklären. Christopher Nolan hat Kino verstanden. Er weiß, wie Blockbuster-Kino funktioniert. An seinen Filmen haftet ein Glanz, der den meisten Modernen Big Budget Produktionen völlig abhanden gekommen ist. Dies ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass ich automatisch jeden Film von Nolan in den Cineasten-Himmel hieve. Wenn ein Matthew Vaughn einem Christopher Nolan vorwirft, zu pessimistisch zu sein, ist das natürlich sein gutes Recht. Aus dem ganz einfachen Grund, weil Vaughn sich unlängst als Filmemacher bewiesen hat und seine Kritik sehr wohl mit der Welt teilen darf, wie es ihm beliebt, da er aufgeblasenen Trash-talk aufgrund seiner Erfolge nicht nötig hat. Die Kontroverse liegt eher darin, ob man seiner Aussage auch zustimmt und wer hier vielleicht etwas zu viel hineininterpretiert.

The Dark Knight Rises katapultierte Batman für mich in eher düstere Gefilde zurück (qualitativ gesehen). Ein schwacher, unspektakulärer Abschluss einer Erfolgsgeschichte. An The Dark Knight Rises kann man sehr gut erkennen, wie müde Nolan gewesen sein muss, als er diesen Film drehte. Für ihn war der Film mehr eine Auftragsarbeit als wirkliche Passion (er schuldete Warner 3 Batman Filme). Und dies sieht man dem Film auch leider sehr häufig an. Handwerklich hebt sich The Dark Knight Rises natürlich noch immer von Bays oder Emmerichs (oder wie sie alle heißen mögen) Œuvre ab.

Wenn Filme wie Inception oder Interstellar bei den Oscars aber so sträflich ignoriert werden, kann man dies eigentlich schon als kriminell bezeichnen. Die Frage muss nicht gestellt werden, ob Nolan reif für den Oscar ist. Er ist sogar längst überfällig dafür. Genau wie bei Scorsese (der lediglich ausgezeichnet wurde, weil der Academy endgültig die Argumente ausgingen) oder aber auch DiCaprio glaube ich, wird Nolan auch in absehbarer Zeit nicht für die Auszeichnung berücksichtigt werden. Die Debatte, ob Nolans Filmkunst also der Meilenstein des Blockbuster Genre ist, oder aber aufgeblasener Humbug, wird noch genau so lange andauern wie die Wartezeit auf den Oscar (auf den jeder Filmemacher mittlerweile genau so gut auch verzichten kann).

Alle Filmfreunde, die solche Diskussionen jedoch unberührt lassen: Ihr seid die Gewinner!

Donnerstag, 26. März 2015

Einwurf: Das Ende deutscher TV-Unterhaltung




Mein zweiter Einwurf in diesem Jahr. Und mal wieder ein Einwurf, der in einer bedrückenden Zeit veröffentlicht wird.

Doch was genau hat die Tragödie rund um Germanwings denn mit dem Ende der deutschen TV-Unterhaltung zu tun? Nun, ganz einfach. Während viele TV-Sender seit Beginn der Woche ihr Programm umgestellt oder angepasst haben, plärrt auf RTL II immer noch der Scripted-Reality Wahn rund um den Zoo von "Köln 50667" und "Berlin Tag und Nacht". Für alle Leser, die das geistige Alter von 14 überschritten haben: Ja, das Affentheater erfreut sich noch immer großer Beliebtheit zum deutschen Feierabendverkehr.




Als RTL II "Berlin Tag und Nacht" 2011 ins Programm nahm, konnte man dort selbst vermutlich nicht glauben, dass eine Serie um geistig umnachtete WG-Bewohner es einmal auf 890 Folgen bringen würde und fortan zu den beliebtesten Serien im Vorabendprogramm gehören wird. Nur 2 Jahre später schob man einen Köln Ableger hinterher, der seit der Erstausstrahlung im Jahr 2013 auch bereits (laut Wikipedia) über 560 Folgen zählt.

Während auf vielen anderen TV-Sendern also den aktuellen Geschehen zufolge ein angepasstes Programm läuft, wird auf RTL II zwischen 18-20 Uhr geflucht, gevögelt, betrogen, gesoffen, geprügelt und geheult. Mal zynisch, mal asozial.

In Zeiten, wo selbst ein Raab auf die zündende Idee kam, das Programm mal auszusetzen, scheut RTL II sich anscheinend davor, zwei Serien, die seit Jahren schlechte Werte vermitteln, diesen mal für nur wenige Tage die Sendezeit zu entziehen.

Ich möchte mich diesmal auch ausnahmsweise kurz fassen. Zu dem Thema muss nicht mehr viel geschrieben werden. Während ich diese Worte verfasse, wurden vermutlich zur gleichen Zeit die Drehbücher zu neuen aufregenden Episoden von Deutschlands Deppen-TV verfasst. Vielleicht schafft man es ja auch noch irgendwie, die Serien mit der aktuellen Tragödie demnächst zu verknüpfen.

Da mit dem Ende beider TV-Formate auch in kommender Zeit wohl nicht zu rechnen ist, kann man als deutscher Konsument nur weiter den Kopf einziehen. Man müsste in der Sendeanstalt von RTL II eigentlich schon gebückt gehen, denn man könnte mahnende Blicke von Außerhalb auf sich ziehen. Blicke, die sagen: "Glückwunsch! Denn ihr habt einer bereits trostlosen Generation den Gnadenstoß versetzt".

In diesem Sinne, gehabt euch wohl und genießt das anstehende Wochenende,
Euer Aufziehvogel

Sonntag, 15. März 2015

Rezension: Japanische Jahreszeiten

(Foto: Aufziehvogel)



Japanische Jahreszeiten
Diverse Autoren
Erscheinungsjahr: Originalausgabe 1963, Neuauflage 2015 beim Manesse Verlag
Übersetzung: Gerolf Coudenhove-Kalegri
Genre: Lyrik

Erhältlich seit dem 09.03.2015


Von den Freunden, die
sich in holder Frühlingszeit
einst mit mir gefreut,
blieb mir niemand als allein
nur der Kirschblütenbaum!
                                      
                                     Koide Tsubara



Schon seit frühster Schulzeit hatte ich immer ein Problem. Obwohl ich immer gerne las, konnte ich mich nie auf Lyrik einlassen. Gedichte waren für mich schwer verständlich, konnte mich nie in sie hineinversetzen. Auch schreibe ich selbst gerne, doch nur der Gedanke daran, ein Gedicht zu verfassen, bricht in meinem Gedankenwald gleich ein Großbrand aus.
Als im letzten Jahr jedoch die Neuauflage zu "Die Geschichte vom Prinzen Genji" erschienen ist, brachte mir die Autorin Murasaki Shikibu diese exotische Welt näher. Genau genommen ist die Genji Monogatari  zwar ein waschechtes Roman-Epos, allerdings, immer mal wieder, hat die Autorin ihre Seiten mit kleinen Haikus geschmückt, die sich wunderschön in die Geschichte einfügten. Diese kleinen Gedichte von gerade einmal fünf Zeilen reichten aus, um mich zu beeindrucken. Ausdrucksstark und wortgewandt fließen diese kleinen Haikus wie frisches Wasser durch einen kristallklaren Bach. Meine bildhafte Beschreibung wird den Haikus und Tankas nicht wirklich gerecht werden. Daher will ich auch nicht länger Reden schwingen, sondern den Titel präsentieren, der im Rampenlicht steht: Japanische Jahreszeiten.

Wie bereits beim Prinzen Genji liefert der Manesse Verlag in hoher Qualität eine unglaublich schöne Neuauflage ab. Japanische Jahreszeiten ist eine Sammlung von über tausend Haikus und Tankas (ich habe nicht persönlich nachgezählt!) der bekanntesten japanischen Dichter und Denker. Wie der Name schon vermuten lässt, dieser üppige Gedichtband ordnet die kleinen Kunstwerke nach Jahreszeiten an. Manche Bücher sind nur bestimmt für spezielle Jahreszeiten geeignet, dieser Gedichtband passt aber immer, ob es warm oder kalt ist, ob die Stimmung erheitert oder bedrückt ist.
Gesammelt und übersetzt und mit einem interessanten Nachwort abgerundet wurde die Sammlung von dem österreichischem Japanologe Gerolf Coudenhove-Kalegri -1896-1978- (Bruder von Richard Coudenhove-Kalegri). Coudenhove selbst war Sohn einer japanischen Mutter.
Die Gedichte wurden, selbstverständlich, aus der japanischen Sprache übersetzt und, immer wenn mal etwas nicht ganz so klar erscheint, hat der Übersetzer verständliche Fußnoten verwendet, um die Situation zu erklären. Neben dem ausführlichen Nachwort gibt es zu jeder Jahreszeit noch ein kleines Vorwort über die jeweiligen Gedichte, die auf den folgenden Seiten präsentiert werden. Dazu gibt es noch von verschiedensten japanischen Künstler 94 Tuschzeichnungen, die stets dem Thema im Buch angepasst sind.

(Foto: Aufziehvogel)


Unter den Verfassern der jeweiligen Haikus und Tankas befinden sich viele bekannte Persönlichkeiten der japanischen Geschichte. Darunter Kaiser Meiji, Buson oder Basho. Aber auch unbekannte Verfasser, die namentlich nicht mehr benannt werden konnten, beinhaltet dieser Sammelband. Eröffnet werden die japanischen Jahreszeiten mit den traditionellen Neujahrsgedichten. Die Stimmung der jeweiligen Gedichte pendelt sehr. Von fröhlichen heiteren Gedichten bis zu melancholischen sowie traurigen Gedichten ist alles dabei.


Morgennebeldunst -
Wie ein hingemalter Traum
geht ein Mensch vorbei!
                                 
                                  Buson 


Was ich mir persönlich gewünscht hätte wären vielleicht noch ein paar dieser Gedichte mal in ihrem unübersetzten Original zu sehen. Bei so vielen Gedichten wäre dies allerdings schwer geworden und hätte vermutlich eher für Verwirrung gesorgt, diese auch noch im Band unterzubringen. Dafür ist jedes Gedicht sauber auf jede Seite angeordnet und selbstverständlich, sofern verfügbar, stets mit dem Namen des jeweiligen Autors versehen. Im Nachwort erklärt Übersetzer Coudenhove noch den unverkennbaren Stil der Haikus und Tankas.


(Matsuo Basho -1644 - 1694 -)



Resümee

Erneut liefert der Manesse Verlag eine hochwertige Ausgabe für bibliophile Sammler ab. Freunde der japanischen Literatur oder der Lyrik werden hier einen exotischen und umfangreichen Sammelband finden, der liebevoll zusammengestellt wurde. Ob man die japanischen Gedichte nun in wenigen Sitzungen durchliest oder sie sich für die einzelnen Jahreszeiten aufhebt, man findet immer ein passendes Gedicht für jede Lebenslage. Im Gegensatz zu vielen bekannten westlichen Gedichten sind die japanischen Haikus und Tankas sehr zugänglich und leicht verständlich.  
Da diese Lesereise auch für mich mal etwas ganz neues war, gibt es hier von mir eine klare Empfehlung.