Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Donnerstag, 9. April 2015

Einwurf: Können sich Light Novels in Deutschland endlich etablieren?

(Foto: Aufziehvogel)



Die Popularität von Light Novels ist in Japan auch weiterhin ungezähmt. Immer mehr Manga, Anime oder auch heimische Film Adaptionen basieren auf den beliebten Romanen, in denen meistens auch Illustrationen vorzufinden sind. Die Autoren der jeweiligen Werke arbeiten eng mit bekannten Manga-Künstlern zusammen. Die Illustrationen in den Büchern helfen natürlich ungemein, sich noch bessere in die Charaktere und das Szenario hineinzuversetzen zu können. Light Novels werden vermutlich nie einen Stellenwert in der großen Weltliteratur einnehmen, die Beliebtheit der größtenteils gut geschriebenen Novellen hat in Japan jedoch längst die angepeilte Zielgruppe überschritten.

Im Westen hat man sich mit den Light Novels bisher schwer getan. Das größte Problem: Kosten und Vermarktung. Die Übersetzung der Romane ist teuer, auch wenn diese nur selten 300 Seiten überschreiten. Das Problem liegt eher darin, viele beliebte Light Novel Reihen umfassen in Japan Bände, die in einem zweistelligen Bereich liegen. Sind die Kosten bereits ein Problem, ist das zweite Problem direkt die Vermarktung. Nicht jeder Manga Leser oder Fan von Anime ist gleichzeitig auch ein potentieller Kunde für eine Light Novel. Dies hat bereits die Vergangenheit bewiesen. Sowohl Tokyopop als auch Carlsen mit seinen Nippon Novels bemühten sich, einen neuen Trend neben den auch in Deutschland erfolgreichen Manga zu erschaffen. Der Ertrag hielt sich in Grenzen. Fantastische Serien wie Kinos Reise wurden bereits nach wenigen Bänden bei Tokyopop eingestellt. Bei Carlsen ist es sogar in diesem Bereich noch stiller geworden. Auf das Konto von Tokyopop gehen aber die äußerst erfolgreichen Veröffentlichung der beiden Death Note Romane "Another Note" und "L Change the World". Eine Anmerkung, die nicht klein geredet werden sollte.

Einige Jahre später will es der Hamburger-Verlag Tokyopop noch einmal wissen. Ziel, so scheint es, ist eine bessere Vermarktung. Simultane Veröffentlichungen. Nehmen wir Reki Kawaharas erfolgreiche Serie Sword Art Online als Beispiel. Während der Anime bereits beliebt ist, die Serie in Deutschland eine feste Fangemeinde hat, kann es unmöglich schaden, nicht nur den Manga zu uns bringen, sondern auch die Original Romanreihe. Die Ausführung des eigentlich sicheren Planes sieht dann aber anders aus. Bereits im Herbst 2014 sollte der erste Band von Sword Art Online erscheinen. Mehrfach musste Tokyopop diesen jedoch um einige Wochen verschieben, bis es sogar so weit kam, die Reihe auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Man muss vielleicht noch erwähnen, es sind nicht unbedingt wenige deutsche Leser, die sich auf Sword Art Online bei Tokyopop gefreut haben. Mittlerweile hat der Verlag im offiziellen Forum sich bereits ehrlich und sehr direkt zu den Verschiebungen geäußert. Der Grund? Erhebliche Probleme bei der komplizierten Übersetzung. Übersetzer 1 war sprang ab, Übersetzerin 2 hat den Stoff so detailliert umgesetzt, dass dieser in der deutschen Sprache anscheinend einfach nicht funktioniert. Nun sei man dabei, so Managing Director Jo Kaps, den Text lesbar und verständlich zu machen. Von vornherein muss man natürlich zugeben, einem so bekannten Verlag wie Tokyopop dürfte so etwas eigentlich nicht passieren. Das sich ein Übersetzer aber auch vielleicht mal maßlos überschätzt oder mit der Materie nicht vertraut ist, ist nicht unbedingt etwas, womit man zwangsläufig rechnen muss.
Allerdings kann man da nun nichts mehr dran ändern. Jo Kaps ist allerdings zuversichtlich: Sword Art Online wird bald erscheinen.

So ärgerlich solche Pannen sind, so peinlich verhält sich die Leserschaft. Ein Video von zwei Mitgliedern des Tokyopop Forums kursiert auf YouTube, die schlecht recherchiert der Marke "Fremdschämen" über dieses Thema berichten. Solchen Leuten möchte ich auf meinem Blog natürlich keine Showtime gewähren und somit ist es auch ausgeschlossen, dass ich besagtes Video jemals hier verlinken werde.




Da Reki Kawahara aber ein beschäftigter Mann ist, hat er neben Sword Art Online noch mehrere erfolgreiche Serien, an denen er aktuell arbeitet. Eine davon heißt Accel World und ist lose mit dem Sword Art Online Universum verknüpft. Bereits 17 Bände umfassen die Romane in Japan. Entstanden ist aus dem Light Novel ein Multimedia Franchise und so gibt es neben einem gleichnamigen Manga auch noch eine Anime TV-Serie, die 24 Episoden umfasst.

Tokypop besitzt auch die Lizenz für Accel World und veröffentlichte ohne weitere Zwischenfälle am 09. März 2015 Band 1 der Light Novel Reihe und Band 1 des Manga. Genau wie bei Hiroshi Sakurazakas "All You Need Is Kill" (verfilmt als "The Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise) setzt Tokyopop auf eine simultane Veröffentlichung zwischen Novel und Manga, was sich bei All You Need Is Kill bereits ausgezeichnet hat.

Sobald Tokyopop auch endlich Sword Art Online etablieren kann, heißt es abwarten, wie sich die Serien in Deutschland machen. Ganz persönlich gönne ich Tokyopop den Erfolg, weil sie sich Mühe geben, zum zweiten mal einen Anlauf in diesem Sektor zu wagen. Ob sich eine neue Leserschaft finden wird, wird sich also zeigen. Nun ist Accel World seit genau einem Monat erhältlich, eine Prognose darf man hier natürlich noch nicht abgeben.

Im Juni erscheint mit Black Bullet die nächste Light-Novel Reihe bei Tokyopop, auf die ich mich sehr freue. Letztendlich kommt natürlich auch der Erfolg dieser Reihen den deutschen Lesern von Light Novels zugute. Bei aller Euphorie muss ich natürlich auch noch loswerden, ich wäre gerne etwas optimistischer was die Zukunft dieser Werke in Deutschland angeht.

Wer sich einen kleinen Überblick über aktuelle und kommende Veröffentlichungen über Light Novels bei Tokyopop machen will, der kann ihre offizielle Seite besuchen, die ich zum Abschluss dieses Einwurfs hier verlinken werde.

Alle, die mal wieder mein ausgiebiges Selbstgespräch verinnerlicht haben, habt ein schönes (kommendes) Wochenende, genießt das gute Wetter oder, noch viel besser: Verbringt eure wertvolle Zeit vor dem Fernseher, denn in wenigen Minuten wird das Masters aus Augusta übertragen, was ich mir bestimmt bei 1 oder 2 Gläsern Wein das komplette Wochenende zu Gemüte führen werde ;D

Bis bald,
Euer Aufziehvogel


Light Novels bei Tokyopop (Übersicht und Leseproben)Link zur offiziellen Website


P.S.

Viele Leser meines Blogs wissen es schon, aber wenn ich hier einen Link zum Verlag anhefte, tue ich dies selbstverständlich freiwillig und werde weder von dem Verlag gefördert, noch mit einem Abo auf Lebzeiten für alle neuen Veröffentlichungen entlohnt ;)
Es besteht sogar die ultimative Möglichkeit, dass Tokyopop niemals von der Existenz dieses Eintrages erfahren wird. Es sei denn, man sieht "Am Meer ist es wärmer" als den einzigen und bekanntesten Blog im Web an, was natürlich nicht auszuschließen ist.

1 Kommentar:

  1. Ich finde, dass - wie du auch beschrieben hast - ein großes Problem bei der Vermarktung liegt. Warum erscheinen denn Werke in Japan in so unterschiedlichen Formaten (Novel, Hörspiel, Manga etc.): Um neue Leser auf den Titel aufmerksam zu machen.
    In Japan stehen daher die Novels/Light Novels auch in einer anderen Ecke als Manga. Das heißt, Light Novel-Leser wissen wohin sie müssen und Manga-Leser greifen nicht ausversehen zur Light-Novel.
    Dadurch, dass man die Titel aber bei uns im "Manga"-Bereich findet, grenzt man eigentlich seine Leserschaft eher ein. Man müsste es mit den Bücherläden so kommunizieren, dass die Titel in eine andere Ecke (Z.B. neben den Romanen o.ä.) kommen.

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