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Donnerstag, 25. September 2025

Der ungeklärte Fall von Kris Kremers und Lisanne Froon Teil 2: Verschollen in Panama (Rezension)

 



Verschollen in Panama: Die wahre Tragödie vom Pianista Trail

Verschollen in Panama
Autoren: Christian Hardinghaus, Annette Nenner
Verlag: Selbstverlag (Self-Publishing)
Genre: True-Crime, Mystery


Das war so nicht geplant. Klingt nun wie die Fehlermeldung, wenn eine beliebte Seite, die man gerne im Internet besuchen würde, mal wieder nicht erreichbar ist. In meinem Falle geht es hier um meine kleine True-Crime Reihe um das mysteriöse verschwinden der beiden jungen niederländischen Frauen Kris Kremers und Lisanne Froon, die im Jahr 2014 bei einer für dortige Verhältnisse alltäglichen Wanderung verloren gegangen und, wie Knochenfunde bewiesen haben, dort ihr Leben lassen mussten. Meine Besprechung zu dem Buch "Verschollen in Panama" war bereits vor einigen Monaten geplant. Aber vieles kommt wie immer anders, besonders, als man denkt.

Der Fall ist in True-Crime Communities seit seiner Bekanntmachung ein Dauerthema, medial war der Fall aber lediglich in den Niederlanden und in Panama wirklich relevant. Woher kommt also nun auf einmal ein so gestiegenes Interesse dem Fall von Kris und Lisanne gegenüber? Nun, zum einen liegt das natürlich daran, dass wir heute, man mag es ja kaum glauben, deutlich besser vernetzt sind als noch vor über 10 Jahren. Die Tragödie um die beiden jungen Frauen und die vielen Ungereimtheiten bei der Ermittlung waren Futter für unzählige True-Crime Kanäle auf YouTube sowie diverser Podcasts. Doch es war ein Podcast, der diesem Fall eine Frische verliehen hat, die einen Dominoeffekt mit sich brachte: Lost in Panama, ein Zusammenspiel der beiden Journalisten Mariana Atencio und Jeremy Kryt. Letzterer ist mit dem Fall sehr gut vertraut, gehörte er zu den ersten englischsprachigen Journalisten, die den Fall prominent besprochen haben. Und dieser Podcast war, obwohl ich mit dem Fall seit einigen Jahren vertraut bin, auch eine meiner Anlaufstellen. Besprochen habe ich diesen Podcast im April: Lost in Panama - Podcast Review (Link öffnet neues Fenster, ihr bleibt auf meinem Blog)

In meiner Besprechung habe ich den Podcast für gelungene Production-Values, großartiger Soundkulisse und generell dafür gelobt, diesem Cold-Case wieder neues Leben eingehaucht zu haben - gleichzeitig aber auch stark für eine extrem reißerische Berichterstattung kritisiert, die damit anfängt, wahllos Menschen an den Pranger zu stellen und damit endet, irgendwelche Gerüchte, die man vom Hörensagen aufgeschnappt hat, als blutrünstige, grafische Tatsachen im Podcast unterzubringen. Ein zweischneidiges Schwert und man muss für sich als Hörer abwiegen, wie man selbst zu den Inhalten im siebenteiligen Podcast steht und damit umgeht.

Der April ist hier bei Veröffentlichungsdaten, wie auch bei meinem Podcast-Review, nicht zufällig gewählt. Es war das Unglück, welches sich am 01.04.2014 ereignete. Und so ist das Veröffentlichungsdatum des hier besprochenen Buches zweier deutscher Autoren natürlich auch nicht zufällig gewählt. Am 01.04.2024, exakt 10 Jahre nach dem Unglück von Kris und Lisanne, veröffentlichten in gemeinsamer Sache der Historiker Christian Hardinghaus und die studierte Germanistin und Weltenbummlerin Annette Nenner ihr eigenes Buch zu diesem Fall. Der Titel ist dabei so einprägsam wie ein wenig verwunderlich, haben sie ihr eigenes Buch doch nach jenem Podcast benannt, den sie in ihrem Werk auf fast jeder einzelnen Seite einmal kritisieren. Verschollen in Panama: Die wahre Tragödie vom Pianista Trail.

Vorab muss ich sagen, völlig unvoreingenommen an das Buch herangegangen zu sein. Ich las gemischte Meinungen zum Buch, die weit auseinandergingen. Rezensionen, die das Buch von Christian und Annette feierten und andere, die es deutlich kritischer sahen. Ich selbst sehe mich wohl irgendwo in der Mitte und denke mir, dass man gute Arbeit geleistet hat, den Fall einmal gründlich aufzuarbeiten und ein paar Missverständnisse aus der Welt zu schaffen, zeitgleich es aber auch versäumt hat, sich durch viele unglückliche Entscheidungen fast schon selbst im Wege steht, diesen Fall weiterzubringen, geschweige den beiden jungen Frauen aus den Niederlanden den nötigen Respekt zu zollen. Doch alles nach der Reihe.

Verschollen in Panama besticht besonders im ersten Teil des Buches durch eine klare Sprache, eine sachliche Aufarbeitung der Geschehnisse und einem gelungenen Schreibstil. Deutsche Nüchternheit könnte man dazu sagen, im positiven Sinne. Ich konnte den Kindle nicht aus der Hand legen, denn noch nie zuvor habe ich in so einem Detailgrad über so viele Hintergründe und allen voran Details zu den Anfängen der Reise von Kris und Lisanne erfahren. Von der Abreise und der emotionalen Verabschiedung der Eltern hin zu dem malerischen Aufenthalt in Bocas del Toro hin zu ihrem verhängnisvollen ersten Tag in Boquete, wo einfach alles schief gehen sollte. Hier zeigt das Buch seine wahren Stärken und ungefähr das war es, was ich mir gewünscht habe. Eine nüchterne Aufarbeitung der Geschehnisse, vielleicht ein wenig garniert mit eigenen Theorien und Recherchen. Besonders die Zwischenkapitel mit Annette, die vor Ort in Boquete anwesend war und ihr Reiselogbuch mit den Lesern teilt, fand ich bis zu einem gewissen Punkt sehr stimmig.

Doch bereits sehr früh fielen mir Dinge auf, die mir weniger gefallen haben. Immer wieder werden Nadelstiche und Giftpfeile der Autoren zu anderen Berichterstattern gesendet. Sei es die niederländischen Autoren Marja West und Jürgen Snoeren, die immer wieder in fast jedem Kapitel eine volle Breitseite zu spüren bekommen, wie auch die Behörden sowie die ermittelnde Staatsanwältin aus Panama und, nicht zu vergessen, Mariana Atencios und Jeremy Kryt. Zuerst war ich fein damit, dass hier Dinge korrigiert und richtiggestellt werden, allen voran auch mal ein wenig schärfer kritisiert werden. Immerhin war ich selbst der gleichen Meinung, dass der Podcast zu viele Grenzen des guten Geschmacks überschritten hat. Doch nach einer Weile wurden die ständigen Anfeindungen gegenüber den Journalistenkollegen ermüdend und befremdlich, besonders, weil es in einem geschriebenen Buch natürlich keine Gegenwehr derer gibt, die man gerade kritisiert. Irgendwann nervte es mich und ich rollte tatsächlich während des lesens mit den Augen. Chris Hardinghaus und Annette Nenner nehmen am Ende Bezug auf diese Anfeindungen und erklären diese so:

[...]Unseren Lesern wird nicht entgangen sein, dass wir als Journalisten enttäuscht sind von den Arbeiten unserer Vorgänger West/Snoeren und Kryt/Atencio. Unsere Enttäuschung ist natürlich nicht persönlicher oder abspenstiger Natur. Da ihre Publikationen aber eine äußerst hohe Reichweite haben, ist uns nichts anderes übrig geblieben, als die daraus abgeleiteten Versäumnisse und Falschinformationen darzulegen. [...]

Für mich liest sich das nach sehr seltsamen Rechtfertigungen, immerhin muss es ja der Podcast oder eine andere kritisierte Berichterstattung gewesen sein, der die beiden Autoren erstmal auf die Idee brachte, sich dem Fall selbst anzunehmen. Man hätte sich einem separaten Kapitel widmen können, diese vermeintlichen Falschinformationen richtigzustellen. Stattdessen genießt man es viel zu sehr, andere Journalistenkollegen hier an den Pranger zu stellen. Etwas, was man ja selbst unbedingt vermeiden wollte, indem man die Ungerechtigkeit dem armen Tourguide Feliciano reinwaschen wollte, zeitgleich diesen als Heiligen porträtiert und mit dem Tourguide Plinio (der sich, meiner Meinung nach, Annette absolut vorbildlich gegenüber verhalten hat) sich einen neuen Candyman sucht, den man sich ja mal näher anschauen sollte. Meine eigene Meinung: Lasst die Tourguides, die hier einen harten Job erledigen und westliche Touristen durch die Gegend führen, einfach allesamt in Frieden. Hier wurden bereits zu viele Menschen in irgendetwas hineingezogen, womit sie offensichtlich nichts zu tun haben.

Die eigenen Theorien von Chris Hardinghaus und Annette Nenner widersprechen sich gerne häufiger. Mal liest man, der Ausflug zum Pianista sei von den jungen Frauen längerfristig geplant gewesen. Nur zwei Seiten später liest man hingegen wieder, dass das sehr wahrscheinlich doch eine sehr spontan getroffene Entscheidung war, allen voran geboren aus der Enttäuschung, nicht wie geplant den Ferienjob in der Aura Grundschule antreten zu können.

Zu oft entgleisen leider die eigenen Theorien und Recherchen, ruht sich stattdessen auf Lorbeeren aus, Akteneinsicht zu besitzen. Interessant hingegen fand ich die Recherche um das mittlerweile legendäre, unscharfe Schwimmfoto, welches Kris und Lisanne mit einer lokalen Jugendgang zeigen soll. Durch eine Befragung von Annette kommt hier jedoch zu Tage, dass auf den besagten Fotos keine der beiden Niederländerinnen zu sehen ist sondern viel mehr der unter mysteriösen Umständen verstorbene junge Mann Osmane und ein paar Freunde. Auch hier fehlen zwar absolut klärende Beweise, jedoch hat die Berichterstattung um das sogenannte Schwimmfoto noch mit die meiste Substanz von den eigenen Recherchen der beiden Autoren.

Da die Autoren Verfechter einer Verbrechenstheorie sind, möchte man am Ende noch etwas bringen, worauf niemand zuvor gekommen ist: Der rote Pickup-Truck. Gegen Ende des Buches möchte man seine eigene Recherche um diesen besagten roten Pickup-Truck schmackhaft machen und verhaspelt sich dabei nach wenigen Seiten durch irgendwelche Zeugenaussagen bereits in eine Sackgasse. Für mich führt die Verbrechenstheorie rund um den roten Pickup Truck ins Nichts und ist für mich an dieser Stelle auch nicht relevant genug, weiter auf dieses Kapitel einzugehen.

Auch hier, gegen Ende dieser Besprechung des Buches, möchte ich nochmal erwähnen, kein Anhänger irgendeiner Theorie zu sein. Gerne wird im Netz über die sogenannte "Lost" und "Foulplay" Theorie debattiert. Beides wäre denkbar. Vielleicht sind sogar beide Möglichkeiten eingetroffen. Aber für mich ist davon nichts greifbar und würde mich somit niemals einem Lager anschließen. Man darf letztendlich nicht vergessen, hierbei handelt es sich nicht um ein Spiel oder einen Wettbewerb, sondern um die Aufklärung eines Cold-Case.



Abschließende Gedanken

Egal ob als Podcast, Non-Fiction Buch oder Internetforen - der mysteriöse Fall rund um Kris Kremers und Lisanne Froon bewegt Menschen weltweit. Doch die Faszination scheint noch deutlich weiter zugehen. So stand dieser Fall Pate für den neusten Roman von Dorothee Elmiger der ganz schlicht "Die Hölländerinnen" lautet (sicherlich eine Anspielung auf die in Panama gebräuchliche Bezeichnung "Holandesas" im Zusammenhang mit diesem Fall). Ein fiktionaler Roman, der es nun sogar auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat und ich sicherlich demnächst hier auch noch besprechen werde.

"Verschollen in Panama" von Christian Hardinghaus und Annette Nenner ist eine weitere Interpretation des Falles. Nicht fiktional sondern als Non-Fiction Werk. Auch wenn beide Autoren ihre Aufarbeitung als die gründlichste verkaufen wollen, so bleibt vieles im Rahmen der eigenen Interpretationen und Auslegungen beider Autoren. Zieht man ständige Seitenhiebe gegen andere Journalisten ab, erhält man hier immer noch ein gut geschriebenes, teilweise exzellent recherchiertes True-Crime Buch geboten. Aber nach so einem starken Auftakt habe ich mir hier mehr erwartet. Mehr sachliche Aufarbeitung, weniger Emotionalität. Aber auch meine eigene Meinung zum Buch ist, wie zu dem Fall selbst, natürlich rein persönlich und subjektiv. Generell würde ich das Buch dem Podcast von Atencio und Kryt in allen Belangen vorziehen. Aber die gleichen Spielregeln wie beim letzten mal gelten auch für "Verschollen in Panama": Das Buch ist nur eine Meinung von sehr vielen zu dem gleichen Thema. Das solltet ihr als Leser immer beachten.


Rezension: Aufziehvogel
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Mehr zum Fall inklusive Bildmaterial über viele der hier angesprochenen Bilder und Situationen findet man gut kuratiert bei der niederländischen Bloggerin Scarlet R.

Link führt in einem neuen Fenster auf eine externe Website: Koude Kaas

Dienstag, 8. April 2025

Der ungeklärte Fall von Kris Kremers und Lisanne Froon Teil 1: Podcast Review - Lost in Panama

 




Aus dem Jahr 2022


Lost in Panama
Genre: True Crime Podcast
Produktion: Podcast One
Hosts: Mariana Atencio, Jeremy Kryt
Verfügbarkeit: Überall da, wo es Podcasts gibt (Kostenlos)
Sprache: Englisch
Episodenzahl: 7
Laufzeit: Zwischen 45-60 Minuten


Hinweise zur Berichterstattung in diesem Text:

- Ich werde in dieser Besprechung keine eigenen Theorien aufstellen

- Ich werde keine Bilder von Kris und Lisanne in den Text einbetten oder verlinken

- Es wird keinen Link zu den besagten Fotos geben, die man aber einfach auf YouTube recherchieren kann. Die Bilder selbst sind nicht grafisch, können aber ein gewisses Unbehagen auslösen, wenn man die Geschichte dahinter kennt


Die Zeit vergeht wie im Fluge. Es ist jetzt etwas über 3 Jahre her, als ich meine damals neu angekündigte Rubrik "Podcast Review" auf die Leser von "Am Meer ist es wärmer" losgelassen habe. Es sollte bei diesem einen Review bleiben, zumindest bis heute. Dennoch möchte ich gerne noch einmal das Review hervorheben, denn "Death in Ice Valley" war ein herausragend guter, atmosphärischer Podcast über einen ungeklärten Mordfall aus Norwegen, der weit in die geheimsten Winkel der Spionage und des Kalten Krieges reichte.

Heute möchte ich mich mit einem Fall befassen, der deutlich weiter in unserer Gegenwart angesiedelt ist. Genau genommen ereignete sich dieser mysteriöse Fall zum zwei junge Frauen aus den Niederlanden im April 2014. Bereits mehr als 10 Jahre ist es her als die beiden Studentinnen Kris Kremers (damals 21 Jahre alt) und Lisanne Froon (damals 22 Jahre alt) in ihrem Urlaub in Panama, im malerischen Ort Boquete, auf einem Wanderweg, den Pianista, spurlos verschwanden. An und für sich wäre dies maximal ein tragischer Fall, da der Dschungel von Zentralamerika gnadenlos ist und ohne Führung eines Experten tödlich sein kann, wenn man auch nur minimal vom Weg abkommt. Doch der gesamte Fall ändert sich, nimmt mysteriöse, teils bizarre Züge an, als einige Monate später Leichenteile der jungen Frauen sowie Habseligkeiten gefunden werden. Darunter eine Fotokamera, die Aufnahmen enthält, die auch viele Jahre später immer noch Rätsel aufgeben.

Der Fall von Kris und Lisanne ist, wie bei echten True Crime Fällen üblich, traurig. Besonders für Familie, Freunde und sonstige Angehörige, da sie noch immer keine eindeutigen Antworten haben. Die überforderten Behörden von Panama änderten ihre Meinung zu den Todesumständen der beiden Frauen häufiger. Schlossen sie zu Beginn ein Gewaltverbrechen nicht aus, korrigierten sie dies aber im Laufe der Ermittlungen zurück zu einem Unfalltod durch die Widrigkeiten der Natur. Im Falle von Kris und Lisanne sollen die beiden eine Brücke hinabgestürzt sein.

Im laufe der Jahre entwickelte sich der Fall von einem nationalen Vermisstenfall zu einem weltweiten True Crime Mysterium. Egal, was man also letztendlich von dem hier besprochenen Podcast halten mag (meine Meinung inklusive), er brachte die Untersuchungen noch einmal ins Rollen und alleine in den letzten 2 Jahren sind noch einmal viele neue Details an die Öffentlichkeit geraten. Doch dies kommt natürlich auch zu einem Preis. Sowohl der Podcast "Lost in Panama" wie aber auch viele andere schriftliche Berichterstattungen entgleisen häufig, verstricken sich in Sensationsgeilheit und wollen sich aus ihren ganz eigenen Theorien ihre "einzig wahre" Lösung des tragischen Falls zusammenspinnen. War es ein Unfall oder ein Gewaltverbrechen? Darauf gibt der weit über 2000 Seiten dicke Abschlussbericht der Behörden keine endgültige Antwort. Es kann das eine oder das andere sein. Die Frauen haben Reisetagebücher hinterlassen, aber haben in ihren letzten Momenten nichts über ihre Lage verfasst. Einer der letzten Zeugen, der Kris und Lisanne lebend gesehen hat ist bereits vor längerer Zeit verstorben und könnte, selbst wenn er gewollt hätte, nichts zum Fall beisteuern, da es sich bei diesem Zeugen um einen ortsansässigen Hund handelte, der häufig Touristen auf den Pianista begleitet hat und auch wieder mit ihnen zurück ins Dorf marschiert ist. Die rund 200 aufgenommen Fotos der beiden Frauen, darunter zahlreiche seltsame Nachtfotos, geben weder Hinweise auf einen genauen Standort noch geben sie Aufschluss über die letzten Tage der zwei Freundinnen. Die gefunden Handys bestätigten zumindest, dass mehrmals Notrufnummern gewählt wurden, die aber aufgrund nicht vorhandenen Empfangs somit auch nicht durchgingen.

Das erste mal, dass dieser Fall internationale Aufmerksamkeit erlangte, geschah durch eine Berichterstattung eines Journalisten namens Jeremy Kryt, der für "The Daily Beast" als Reporter unterwegs war. Kryts Kenntnisstand galt bereits damals als wackelig, etwas, was er im Podcast auch anmerkt. Im Jahr 2022  tat er sich dann gemeinsam mit der amerikanisch-venezolanischen Journalistin Mariana Atencio zusammen, um zum bevorstehenden 10. Jahrestag des Falles einen groß angelegten Podcast zu produzieren, der in Zusammenarbeit mit Podcast One entstanden ist. Was hier auf 7 Episoden entstanden ist, ist ein teils beklemmender, aber auch reißerischer Podcast über einen Cold Case, der bis heute abertausende True Crime Fans und Hobby-Detektive zusammenbringt. Doch zu welchem Preis ist man dazu bereit, den Fall zu lösen? Natürlich nur, um den Angehörigen endlich eine endgültige Antwort zu liefern, oder etwa nicht?


Zwischen Spannung, Erzählfreude und Sensationsgeilheit


Der Podcast von Mariana und Jeremy dürfte mittlerweile die erste Anlaufstelle sein, um sich mit dem Fall von Kris und Lisanne vertraut zu machen (ich selbst bin auf den Fall bereits vor einigen Jahren aufmerksam geworden, aber nicht in diesem Detailgrad, wie hier besprochen). Er fasst grob zusammen, was vorgefallen ist, ohne aber zu sehr ins Detail rund um die beiden Frauen einzugehen, was bereits in der ersten Episode auffällt und schade ist. Dabei gibt es durch die Tagebucheinträge eine menge zu den beiden Freundinnen zu erzählen, besonders geben zahlreiche Einträge Einblicke in die Gefühlswelt der eher introvertierten Lisanne, die schon bei Ankunft in ihrer Gastfamilie anfing, sich unwohl zu fühlen. Die beiden Freundinnen wollten in diesem besonderen Urlaub, weit weg von der Heimat und vor allem erstmals weit weg von der Familie, unter anderem gemeinnützige Arbeit an einer Schule verrichten. Dies kam bereits gar nicht zustande und eine der Hauptmotivationen für den Urlaub war dadurch bereits Geschichte. Die beiden Frauen wollten sich die Laune dennoch nicht verderben lassen, fanden schnell Freunde und wollten das beste aus ihrer Zeit in Zentralamerika machen. Ihren Trip wollten sie damit krönen, den Pianista, einem bekannten Wanderweg in der Ortschaft, zu begehen und auf dem Höhepunkt des Weges die einzigartige Aussicht zu genießen. Auf den gefundenen Fotos lächeln Kris und Lisanne in Selfie-Manier in die Kamera. Doch von diesem eigentlich gewöhnlichem Ausflug sollten sie nie mehr zurückkehren.


Foto: boileddogs (Subreddit r/KremersFroon)





Zum optimalen Verständnis musste ich hier nun etwas weiter ausholen, um jetzt wieder auf den Podcast einzugehen. Erst einmal muss gesagt werden, die Production Values von "Lost in Panama" sind ausgezeichnet. Es ist als Hörer fast so, als hätte ich als eben jener Hörer an der Expedition des Teams ebenfalls teilgenommen, die noch einmal, 2022 vor Ort, die Wege abgegrast haben, die auch Kris und Lisanne bestritten haben. Die rauen Umstände und Witterungen des Dschungels bekommen auch Mariana, Jeremy und das gesamte Team schnell zu spüren. Untermalt wird der Podcast von einer großartigen Soundkulisse, die von klaren Geräuschen aus dem Dschungel begleitet wird hin zu melodischen Klängen, die speziell für den Podcast komponiert wurden. Und ich würde besonders die ersten 2-3 der insgesamt 7 Episoden noch als unglaublich hörenswert einstufen. Die beiden Hosts kommen schnell zum Punkt und verlieren sich selten in irgendwelche Spinnereien. Einen sogenannten Candyman, einen Hauptverdächtigen, hat man mit dem ortsansässigen und bekannten Tourguide, ein älterer aber robuster Mann namens Feliciano, jedoch schnell gefunden. Hier sei schon vorab angemerkt, dass dieser Man mit seiner Firma "Feliciano Tours" bei ausländischen Touristen ungemein beliebt ist. Im Falle von Kris und Lisanne war er schnell zur Stelle, um bei der reibungslosen Aufklärung seine Expertise als Tourguide zur Verfügung zu stellen. Der besondere Twist hier: Einen Tag vor dem verschwinden der beiden Frauen aus den Niederlanden sollten sie eigentlich den Pianista gemeinsam mit Feliciano besteigen. Dies machte ihn schnell zu einem Verdächtigen, dies geschieht im Podcast auch sehr schnell und Jeremy teilt zudem noch eine persönliche Geschichte mit Feliciano, die kein gutes Verhältnis der beiden zueinander erahnen lässt. Im Zuge der neuen Kenntnisse scheint der Name von Feliciano, anscheinend aber auch von seinem Sohn (der in der ganzen Geschichte eine nicht unwichtige Rolle spielt) größtenteils reingewaschen zu sein. Auf persönliche Theorien gehe ich hier nicht ein, was man mir bitte verzeihen möge.

Und hier kommen wir zu den größten Problemen von "Lost in Panama". Man scheut sich nicht davor, Namen offenzulegen und ohne aussagekräftige Beweise eine Hexenjagd zu veranstalten. In der finalen Episode rudert man in einem Resümee noch einmal zurück und möchte keine klaren Bekenntnisse machen, was mit Kris und Lisanne nun passiert ist. Aber in den vorherigen Episoden macht man keinen großen Hehl daraus, alles und praktisch jeden, darunter eine lokale Jugendgang, zu verdächtigen (hierzu gibt es aber noch andere neue Erkenntnisse). Besonders in den letzten beiden Episoden hält man sich mit grafischen Details nicht zurück und die auf völlig unbegründeten "Ich habe damals von mehreren Ecken folgendes gehört" Aussagen zurückgehen, die viele Jahre zurückliegen. Praktisch dem "Unreliable Narrator" in einem Roman das volle Vertrauen schenken und sich zu sagen "Diese Person hat das so überzeugend rübergebracht, ich bin geneigt, all das zu glauben". Während ich die ersten Episoden insgesamt als sehr hörenswert bezeichnen würde, kommt das Pacing der späteren Episoden schon deutlich mehr ins stottern. Besonders, weil die Verantwortlichen stets in neue Sackgassen im Fall laufen. Mariana Atencio hört sich zudem sehr gerne selbst reden, was dem Hörer aber auch schon früher auffallen dürfte. Auch macht sie keinen Hehl daraus, dass der Podcast ihre ins stocken geratene Karriere wieder aufgebessert hat. Besonders aber die geringe Rücksichtnahme darauf, dass auch Angehörige auf diesen Podcast stoßen könnten, machen die unbestätigten, sehr grausamen "Hörensagen" Aussagen einiger Zeugen umso unfassbarer. Ja, vieles riecht hier nach aufbauschen und aufgeilen. Alles dafür, den Podcast ein wenig mehr wie einen TV-Krimi auszuschmücken.

Immer mal wieder kommen im Podcast aber auch durchaus noch interessante Leute zu Wort wie Mediziner/Forensiker, die den Fall anhand der Fallakte begutachten. Aber vieles im Podcast hat einfach zu wenig Substanz, womit ich als Hörer was anfangen konnte. Handwerklich ist "Lost in Panama" rein gar nichts vorzuwerfen und, wie bereits erwähnt, er sorgte dafür, dass das Interesse des Falles nochmals weltweite Aufmerksamkeit generiert. Dies ist bei so mysteriösen, ungeklärten Fällen immer wichtig. Aber der Podcast scheitert in 7 Episoden genau da, wo er eigentlich ansetzen sollte. Viele Details, die noch bekannt sind, werden überflogen oder finden erst gar keine Erwähnung, dabei ist noch viel mehr an die Öffentlichkeit gedrungen. Zu oft verrennt der Podcast sich aus einer gewissen Sensationsgeilheit stattdessen in irgendwelche vermeintlichen, konfusen Zeugenaussagen.

Doch ist "Lost in Panama" trotzdem empfehlenswert oder zumindest ein guter Einstiegspunkt, den Fall von Kris Kremers und Lisanne Froon besser kennenzulernen? Auf alle Fälle. Es gibt hier abseits des Podcasts noch eine menge zu entdecken, so viel, dass vor einiger Zeit mit dem bereits im Bild erwähnten Subreddit "r/Kremers/Froon" auch weiterhin viele Hobbydetektive unterwegs sind. Wie immer bei solchen Fällen kommt hier alles mit positiven und negativen Vorzügen. Menschen, die den Fall aufrichtig vorantreiben wollen und Trittbrettfahrer, die aufgrund eigener Interessen egoistische Ziele verfolgen. Der "Lost in Panama" Podcast schlägt praktisch in beide Kerben.

Der Grund, wieso ich diesen Artikel mit "Teil 1" gekennzeichnet habe, ist natürlich offensichtlich. Als nächstes möchte ich demnächst gerne noch ein neues, komplettes Buch zu diesem Fall von zwei deutschsprachigen Autoren besprechen. Mit "Verschollen in Panama" geht das Duo Christian Hardinghaus und Annette Nenner detailgenau auf den Fall auf über 300 Seiten ein, vermutlich aktuell die umfangreichste Berichterstattung des Falles. Die Autoren versprechen im Vorwort vieles richtigzustellen, was unter anderem der Podcast sowie andere Berichterstatter falsch dargestellt haben. Der Sache werde ich auf den Grund gehen und in Teil 2 des True Crime Specials "Verschollen in Panama" besprechen. Das Buch gibt es übrigens auch als englische Ausgabe unter dem Titel "Still Lost in Panama".

Meine Besprechung des selbst publizierten Buches wird auf völlig unvoreingenommener, neutraler Ebene stattfinden, da ich kein Rezensionsexemplar angefragt habe und über den Falls aus eigenem Antrieb berichte. Insofern bin ich also sehr gespannt, was die beiden Autoren bei diesem Fall richtigstellen und bestenfalls noch hinzufügen können.

Dienstag, 22. Februar 2022

Podcast-Review: Death in Ice Valley

 


Norwegen/Großbritannien 2018-2021

Death in Ice Valley
Genre: True Crime Podcast
Produktion: NRK und BBC
Moderation: Marit Higraff, Neil McCarthy
Verfügbarkeit: YouTube, Apple Podcast, Spotify und anderen Podcast Plattformen (kostenlos)
Sprache: Englisch


Ein Hinweis vorweg: Der Podcast ist ausschließlich auf Englisch verfügbar. Sichere Englischkenntnisse sind hier für ein ausgewogenes Hörerlebnis unabdingbar.


Die Winterpause auf "Am Meer ist es wärmer" ist vorbei und ich möchte mich mit einem Review zurückmelden, zu dem der Inhalt mich nun über die vergangenen Wochen sehr gepackt hat. Reviews zu Podcasts und Hörbüchern sollen künftig ein wenig die Themenvielfalt erweitern und frischen Wind in ein neues Jahr bringen. Mir ist es also ein umso größeres Vergnügen, Death in Ice Valley etwas näher vorstellen zu dürfen.

Death in Ice Valley ist vermutlich der frostigste Podcast, den man zu dieser Jahreszeit hören kann. Ich selbst führe eine relativ komplizierte Beziehung zum True Crime Genre. Auf der einen Seite bin ich leicht zu gruseln, ich steigere mich in die Fälle hinein und kann, wie ein kleiner Junge der sich vor Monstern fürchtet, auch anschließend nicht gut schlafen (der Fall zum Verschwinden von Emma Fillipoff bereitete mir sogar schlaflose Nächte). Doch einem interessanten Fall und einer gut erzählten Geschichte kann ich einfach nicht widerstehen. Ich muss hier vielleicht vorab anmerken, mich interessieren bei True Crime hauptsächlich unaufgeklärte Fälle. Unaufgeklärte Fälle haben natürlich die Angewohnheit, einen immer tiefer in den sogenannten Kaninchenbau mitzunehmen. Je tiefer man gräbt, desto finsterer wird es. Dabei habe ich nicht einmal die Isdal-Frau aus Norwegen gesucht, sie hat, mehr oder weniger, mich gefunden. Um es weniger kryptisch auszudrücken: Auf den Podcast wurde ich im "Unresolved Mystery" Subreddit auf Reddit aufmerksam gemacht. Ein User empfahl mir den Podcast wärmstens und bereits nach dem Trailer wusste ich, dass das eine höchst interessante Reise werden wird, die mir den Schlaf rauben wird.



Doch immer langsam. Wie bin ich denn nun zur Isdal-Frau gekommen? Es gab einen Fall aus Norwegen, der wollte mich nicht loslassen. Ich hörte vor einigen Jahren die Geschichte von einer unidentifizierten Toten aus Norwegen, Etwas, was mir stark im Gedächtnis geblieben ist, ist, dass einige Augenzeugen diese Frau als elegant beschrieben, sie aber sehr stark nach Knoblauch gerochen hätte. Ich las exakt einmal über den Fall und erst vergangenes Jahr kehrte der Fall aus Norwegen zu mir zurück. Die Geschichte über eine unbekannte Tote aus Norwegen, die auf unnatürlichste Weise mit einem Kopfschuss am 03.06.1995 in einem Osloer Luxushotel aufgefunden wurde. Ich habe zu dem Fall um die Tote aus Zimmer 2805 so ziemlich alles aufgesaugt, was man dazu aufsaugen kann. Eine unheimliche Geschichte, die bis heute ungeklärt ist. Das einzige, was mich jedoch zutiefst wurmte, war, dass die Beschreibung der Dame aus Zimmer 2805 nicht zu der Dame passte, von der ich zuvor hörte. Auch wurde von keiner einzigen Person erwähnt, dass die Tote aus Zimmer 2805 intensiv nach Knoblauch gerochen hätte. Und hier wurde es mir langsam klar: Ich befand mich hier nicht in nur einem ungelösten Fall aus Norwegen, sondern in zwei völlig verschiedenen Fällen die rund 25 Jahre auseinander liegen. Die Tote aus Zimmer 2805 (Pseudonym Jennifer Fairgate) ist nicht die Frau, die nach Knoblauch gerochen hat. Die Frau, um die es hier geht, hört schlicht und ergreifend auf den Name "Isdal-Frau", da ihre Leiche im Eistal in der norwegischen Stadt Bergen aufgefunden wurde. Da diese beiden Fälle so viele Parallelen zueinander aufwiesen und ich von der Isdal-Frau zuvor nur einmal hörte, bestand für mich nie ein Zweifel daran, dass es sich hier nicht um ein und den selben ungeklärten Fall handeln könnte.

Ich wurde in meiner Berichterstattung über Jennifer Fairgate im Subreddit freundlich von einem hilfsbereiten Nutzer darauf aufmerksam gemacht, dass die Isdal-Frau ein weitaus bekannterer Fall aus Norwegen sei, der sich am 29.11.1970 in Norwegen ereignete. Da ich über den Fall nicht zu viel vorweg nehmen möchte da man den Podcast selbst für sich entdecken sollte, möchte ich nur kurzen Kontext zum Fall liefern: Bei der Isdal-Toten handelt es sich um eine bis heute unidentifizierte Frau die sowohl ihr Alter als auch ihre Identitäten und Herkunft bestens verschleiern konnte. Sie reiste unter mehreren gefälschten Pässen durch Norwegen und fand am Ende ihrer Reise ein heißkaltes Ende in Isdal, wo sie von zwei Mädchen und ihrem Vater entdeckt wurde. Noch lebenden Augenzeugen ist diese Frau, besonders ihr Geruch, auch Jahrzehnte später noch im Gedächtnis geblieben. Ihr seltsames Verhalten, ihr Auftreten, ihr Akzent - Menschen, denen sie begegnete und die zu Ihr Kontakt hatten, auf die hinterließ sie einen bleibenden Eindruck. Über 50 Jahre später ist der Fall noch immer ungelöst, die Mehrheit der Hobby-Detektive vermutet hierhinter bis heute Spionage, da sich der Fall exakt zur Zeit des kalten Krieges ereignete.

Der Podcast Death in Ice Valley befasst sich in 10 Episoden nicht mit verschiedenen True Crime Fällen, er befasst sich und widmet sich ausschließlich der Isdal-Frau. Bei diesem Podcast handelt es sich um eine gemeinschaftliche Produktion des norwegischen NRK und der britischen BBC. Durch die Sendung begleitet uns die norwegische Reporterin Marit Higraff und der Brite Neil McCarthy, der hier auch gleichzeitig als Produzent fungiert. Insgesamt 10 Episoden wurden im Jahr 2018 produziert, im Jahr 2019 und 2021 erschienen 2 Bonus-Episoden. Hiermit sei auch gesagt, Death in Ice Valley gilt noch nicht als abgeschlossen, das Ziel ist es, immer mal wieder über neue Zwischenmeldungen und Ereignisse zu diskutieren. Insofern sollte man sich also nicht wundern, wenn demnächst mal wieder vielleicht eine neue Episode erscheinen wird. Mein Hauptanliegen im Review werden aber die 10 Episoden sein, die 2018 erschienen sind. Die Laufzeit der einzelnen Folgen liegt zwischen 30-40 Minuten (ausgenommen davon sind die Specials, die eine Laufzeit von je über eine Stunde haben).

Bereits in Folge 1 ist mir aufgefallen, dass man an diesen Fall nicht Klein-Klein herangeht, sondern die schweren Geschütze in Sachen Qualität auffährt. Dies fängt direkt an, bevor auch nur irgendein Wort gesprochen wird: Die Soundkulisse. Ich kann alleine aus diesem Grund schon nur dazu raten, Death in Ice Valley mit Kopfhörern zu genießen. Das Main-Theme ist ein unglaublich atmosphärisches wie mysteriöses Stück, welches bedrohlich und gleichzeitig unheilvoll klingt. Man weiß, dass man nun in den wohl bekanntesten, ungeklärten Kriminalfall von Norwegen gezogen wird. Ich versuche mich hier, so gut es möglich ist, zurückzuhalten den Begriff "Mordfall" zu benutzen, da der Fall offiziell von der norwegischen Polizei als Selbstmord deklariert wurde.
Nachdem die herausragende Soundkulisse funktioniert, geht es auch schon los. Es ist ein regnerischer, stürmischer Tag in Bergen und die Journalisten Marit (die gleichzeitig auch die Expertin ist, was diesen Fall angeht da sie sich seit Jahren damit befasst hat) und Neil erklären uns, worum es in diesem Podcast gehen wird. Die beiden sitzen nicht bequem in einem kleinen Kabuff und diskutieren am Tisch miteinander, sie sind vor Ort, in dieser Szene mit dem letzten noch lebenden Mitglied der Polizei Taskforce, die damals für den Fall abgestellt wurde. Man ist Live dabei. Man hört jeden Regentropfen, jeden knirschenden Kieselstein. Es fühlt sich an, als sei der Hörer direkt im Geschehen drin, als nehme er an dieser Unternehmung teil.





Der Podcast ist aufgeteilt in mehrere Segmente. Von Theorien über forensische Analysen bis hin zu Interviews mit ehemaligen Augenzeugen und Experten, die sich mit dem Fall befasst haben oder bereits damals an diesem Fall direkt mitgearbeitet haben. Hier entsteht einfach eine unglaublich starke Synergie zwischen den handelnden Personen, mir kam es beinahe wirklich so vor, als würde ich einen Krimi schauen (und ich habe normalerweise absolut nichts für Krimis übrig). Obwohl ich selbst leider noch nie in Norwegen war, so fühlte es sich für mich aber doch an, als würde sich vor meinem geistigen Auge die komplette norwegische Kulisse aufbauen, was auch an den äußerst detailreichen Beschreibungen von Marit und Neill liegt. Es gab einige wenige Momente bei den Interviews, wo ich mir ein paar Untertitel gewünscht hätte (was natürlich nicht möglich war über Apple Podcast) oder einem zusätzlichen Zweikanalton, der die Aussagen der etwas schwerer zu verstehenden Personen noch einmal wiedergegeben hätte.

Das ultimative Ziel des Podcast ist es nicht, die Identität der Isdal-Frau aufzudecken (auch wenn dies natürlich ein herausragender Nebeneffekt wäre). Man möchte hier mit modernen, zeitgenössischen Methoden neue Hinweise in einem Fall finden, der vor Jahrzehnten verjährt ist. Man möchte der Frau in diesem anonymen, einsamen Grab endlich einen Namen geben, dies wäre natürlich ein riesiger Erfolg für das gesamte Team.

In Folge 9 geht es nach Deutschland, da viele Spuren der Isdal-Frau ins Deutschland der Nachkriegszeit führen. So interessant diese Episode auch aufgebaut war und so viel Mühe man in diese Episode steckte, dies war für mich als Zuhörer jedoch das erste mal, dass ich das Gefühl hatte, Death in Ice Valley hätte sich in einer fiesen Sackgasse verheddert. Obwohl die Investigation in Deutschland vielversprechend begann, so merkte man sehr schnell, dass es in Sachen Hinweise und Erkenntnisse nicht viel neues zu erkunden gab. In der finalen Folge 10 kehrte man dann aber noch einmal extrem stark zurück.

Wie geht es mit Death in Ice Valley weiter? Im Jahr 2019 und im Jahr 2021 gab es, wie schon erwähnt, zwei Spezial-Episoden. Die Interaktion mit der Community spielt hier eine enorm wichtige Rolle, was natürlich auch eine großartige Eigenschaft des gesamten Podcasts ist. Die Zuhörer/die Community tragen/trägt einen großen Anteil daran, dass der Podcast solche Kreise zog. Vieles, was in den einzelnen Episoden des Podcasts besprochen wird, ist auch auf eine offizielle Facebook-Gruppe zurückzuführen. Hier fühlte ich mich leider ein bisschen ausgeschlossen, da ich seit vielen Jahren kein Facebook mehr benutze. Das Problem an Social-Medial Gruppen ist natürlich, irgendwann wird es dort bei viel Andrang recht chaotisch. So erging es mir dann auch, als ich extra für die Death in Ice Valley Gruppe nach sehr langer Zeit mal wieder Facebook besucht hatte. Allerdings fand ich es wirklich chaotisch, dort für mich einige lesenswerte Beiträge zu finden, an Bildmaterial wurde mittlerweile auch so viel von Fans gepostet, dass es schwer war, dort den Überblick zu behalten.

Wer Bildmaterial sehen möchte, der sollte jedoch die offizielle Website der BBC besuchen (oben verlinkt) oder den Podcast auf YouTube verfolgen, denn dort werden auch dazugehörige Bilder zu den wichtigen Szenen gezeigt, wo Beweismaterial ins Spiel kommt (und zum Verständnis des Kontext ungemein helfen könnte. Leider erfuhr ich von den YouTube Uploads erst, als ich mit dem Podcast via Apple Podcast bereits komplett durch war). Wer noch mehr Bildmaterial und Informationen zu einzelnen Beweisstücken recherchieren möchte, der wird hier fündig: The Isdal Woman dot com

Etwas gemischte Gefühle hatte ich jedoch bei den zwei Bonus-Episoden. Bei dem großen Special aus dem Jahr 2019 wurde teils vor Live-Publikum aufgenommen. Hier lag der Charme natürlich eindeutig darauf, bei diesem Event Live anwesend zu sein. Hier gab es viel Interaktion mit Fans, aber es gab auch keine neuen spannenden Erkenntnisse. Episode 12 erschien 2021 und geht einen ganz anderen Weg. Auch hier gibt es Interaktion mit Fans, anders als in der Episode zuvor wird hier aber die Geschichte von zwei verschiedenen Frauen erzählt, die eine ähnlich mysteriöse Hintergrundgeschichte wie die Isdal-Frau haben. So spannend ich den Ansatz fand, umso weniger konnte ich mich auf die Geschichten der beiden Damen einlassen, weil es einfach zu sehr vom eigentlichem Thema abwich. Hier hätte ich mir wirklich etwas gewünscht, was vielleicht tatsächlich in die Richtung Jennifer Fairgate geht, denn diese beiden Fälle haben eine menge unheimliche Parallelen und ich könnte mir vorstellen, die Zuhörer würden es sehr spannend finden, mal einen Einblick in diesen Fall zu erhaschen.




Fazit

Draußen stürmt es, es ist ungemütlich und kalt. Für diese Jahreszeit gibt es wohl kaum einen besseren Podcast als Death in Ice Valley, sofern man sich für ungeklärte True Crime Fälle interessiert. Die Soundkulisse und die Moderation des Podcasts sind herausragend gut und das Thema selbst weiß 10 Episoden lang zu fesseln. Ich wünschte, so einen Glückgriff in Sachen Podcasts würde mir schnell wieder gelingen, da ich nun auch hungrig auf mehr davon bin. Obwohl die Geschichte von Death in Ice Valley vorerst wohl als erzählt angesehen werden dürfte, so verliert der Podcast aber nicht an Relevanz. Der Fall ist noch immer ungeklärt und so lange dies der Fall ist, kann man diesen Podcast wohl vor allem als eines betrachten: Eine fortlaufende Serie. Ich würde natürlich aus allen Wolken fallen, wenn die nächste Episode heißen sollte: "The Identity of the Isdal Woman finally revealed". Dem Team, welches so viel Arbeit in diesen Podcast gesteckt hat, wäre es zu wünschen.