Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Freitag, 14. November 2025

Kill Bill: Rache wird auch nach zwei Jahrzehnten immer noch am besten kalt serviert

 



„Look Quentin, here's the thing, man. My Uncle Artie would love this movie. I mean, he would love it. He wouldn't love it at 4 hours.“


Die Gerüchte oder viel mehr nie manifestierten Pläne zur "Whole Bloody Affair" von Kill Bill sind beinahe so alt wie die Filme selbst. Tarantino hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, die Filme als einen Film geschrieben und an einem Stück gedreht zu haben und das Gesamtwerk gerne als einen einzigen Film veröffentlicht hätte. Dies war aber nie wirklich umsetzbar, teilweise war ein vierstündiger Film ja nicht einmal bei Peter Jacksons Herr der Ringe Spielfilmtrilogie im Kino möglich. Anders aber als bei der Ring-Trilogie, wo relativ zügig Langfassungen nachgereicht wurden, ist Tarantinos großer Wunsch, sein blutiges Magnum Opus als einen kompletten Film zu zeigen, nie in Erfüllung gegangen. Zum Unmut vieler Fans, denn im laufe der Jahre sprach Tarantino immer wieder von seinen Plänen, Kill Bill endlich so zu zeigen, wie er sich das immer gewünscht hatte. Und es wäre ja nicht nur dabei geblieben, die beiden Filme zusammenzuschneiden. Diverse Szenenabläufe wären anders gewesen (der Film würde zum Beispiel mit der Braut um Auto starten, die über ihre finsteren Rachepläne in einem Monolog philosophiert und dem Zuschauer haarklein erklärt, was sie vor hat), sämtliche Zensuren für das R-Rating, die in der japanischen Fassung für den japanischen Markt rückgängig gemacht wurden, hätten ebenfalls ihren Weg in den Film gefunden. Die komplette Anime-Szene, die von Production I.G. einige Zeit nach dem Film noch erweitert und fertiggestellt wurde, hätte ihren Weg in den Film gefunden und wer weiß, was Tarantino am Schneidetisch noch alles gefunden hätte.

Um es kurz zu machen: Über 20 Jahre später wird das nun zur Realität. Leider aktuell nur für Zuschauer aus den USA. Aus Liebe zum Kino wird mit einer Laufzeit von fast 5 Stunden diese exklusive und Unrated "Whole Bloody Affair" Fassung mit all den gerade genannten Extras in amerikanischen Kino auf 70mm Filmband laufen. Ein Grund zur Freude, ein Grund, enttäuscht zu sein. Jeder weiß, wie strikt Tarantino hier agieren kann. Die Japan-Fassung von Kill Bill Vol. 1 blieb exklusiv in Japan und die Asia-Fassung von Vol. 2 blieb exklusiv in Asien (Bootlegs und irgendwelche Fan-Edits mal ausgenommen). Die Roadshow-Fassung von The Hateful Eight wurde meines Wissens nie wieder irgendwo gezeigt und auch ein Extended Cut von Once Upon a Time in Hollywood geistert ja auch noch durch die Weltgeschichte. Bleibt sich Quentin Tarantino treu, wird die Wholy Bloody Affair zu Kill Bill eine einmalige Affäre bleiben. Am 05.12 wird die übrigens in amerikanischen Kinos bereits laufen. Stand jetzt ist zu einer Kino- oder Heimkino-Auswertung in Europa noch rein gar nichts bekannt. So nah und letztendlich doch so fern, wie es scheint. Den Film in dieser Fassung im Kino genießen zu dürfen wäre für meine von aktuellen Filmen geschundene Seele eine Art warme Umarmung, die dringend benötigt wird.

Und genau das bringt mich dazu, noch einmal auf 20 Jahre Kill Bill zurückzublicken. Vol. 1 kam 2003 in die Kinos, das 20 jährige Jubiläum ist, technisch gesehen, auf dem besten Weg zum 25. Jubiläum. Aber das hält mich dann doch nicht ab, diese kleine Retrospektive zu schreiben.

Der 4. Film von Quentin Tarantino, so wurde er beworben, war lange Zeit ein Mysterium an sich. Niemand wusste genau, was in diesem Film nun passieren würde, aber der Titel lies viel erahnen. Genau wie bei der Whole Bloody Affair aktuell war das Kino für mich eine unüberwindbare Hürde, da ich 2003 gerade einmal 16 Jahre alt war und sicherlich 2-3 Jahre jünger aussah. Mit seiner verdienten FSK 18 Freigabe für mich also keine Chance, den im Kino sehen zu können. Das sah bei Vol. 2 schon anders aus, da war ich zwar erst 17 und sah mindestens 2-3 Jahre jünger aus, der Film war aber bereits ab 16 Jahren freigegeben, was eine absolut korrekte Altersfreigabe für diesen Teil ist, da Tarantino sich mit blutigen Gewaltorgien hier nahezu komplett zurückgehalten hat. Kill Bill war damals ein Gesprächsthema auf dem Pausenhof und irgendwie hatten wir dann doch alle Teil 1 gesehen, obwohl die wenigstens von uns alt genug waren, ihn wirklich im Kino sehen zu können. 20 Jahre später stellt sich natürlich die Frage, wie gut beide Teile noch mithalten können. Besonders im direkten Vergleich zu Tarantinos Filmen, die danach folgten. Für mich ist es jedoch so, dass Tarantino hier mit diesem Zweiteiler, und das gilt nach wie vor, seinen Höhepunkt als Filmemacher erreicht hat. Theoretisch könnte ich schon sagen, dass er diesen mit seinem Regiedebüt Reservoir Dogs zuvor erreicht hatte und seinen Stil dann in Pulp Fiction ausgebaut hat, aber Kill Bill war dann doch nochmal etwas ganz besonderes. Wie so oft bei Tarantino glänzt Style over Substance - wirklich originell ist die Rachestory per se nicht. Auch darüber hatte Tarantino nie einen Hehl gemacht, dass die Geschichte seine eigene Interpretation von alten japanischen Klassikern mit Meiko Kaji ist. Lady Snowblood und Sasori zum Beispiel. Generell stand das japanische Kino für Vol. 1 Pate während für Vol. 2 der Eastern und der Italo Western hergehalten haben. Dass Vol. 2 der eigentlich deutlich komplexere, rundere Film ist, wird bis heute nicht so gewürdigt, wie es der Film verdient. Besonders dieser starke Kontrast nach dem Japan-Arc ist es, wieso Kill Bill als Filmprojekt so vielschichtig ist. Obwohl Vol. 2 weder ein reiner Eastern noch ein reiner Italo-Western ist, hat Tarantino hier gleich zwei vermeintlich tote Filmgenres in großem Glanz in einer modernen Interpretation zurück auf die große Leinwand gebracht. Tarantino hat es nicht nur geschafft, die Seele dieser Genres einzufangen, er hat es am Ende auch geschafft, seine eigene Geschichte zu einem runden Abschluss zu bringen. Gelungen ist ihm das natürlich mit der immer wieder viel zitierten Liebe zum Film - zum Beispiel Schauspieler aus dieser Ära zurückzubringen wie David Carradine, Sonny Chiba und Gordon Liu oder aber einzigartige Musikstücke von Ennio Morricone wie "L'arena" aus dem Spaghetti-Western "Il Mercenario" einzubauen. Doch in keinem anderen seiner Filme setzte Tarantino seine eigenen Ideen so konsequent um wie in Kill Bill. Insofern wird es spannend zu sehen sein, wie die Whole Bloody Affair als ein kompletter Film funktionieren wird, besonders, wenn man den dann doch schon relativ eigenbrötlerischen zweiten Teil des Gesamtwerks mit einbezieht.

Und so stelle man sich vor, Kill Bill wäre in der heutigen Zeit entstanden. Wir hätten es vermutlich unlängst mit einem Film-Franchise zu tun wie es aktuell bei John Wick und unzähligen anderen Filmen der Fall ist. Es ist Tarantino umso höher anzurechnen, dass er Kill Bill zur damaligen Zeit zu einem popkulturellen Hit gemacht hat, an den man sich heute noch gerne zurückerinnert. Vielleicht heutzutage noch mehr als jemals zuvor. Tarantino hatte in der Vergangenheit oft über die Lore von Kill Bill gesprochen und auch darüber, wie es durchaus hätte Prequels oder auch ein vermeintliches Sequel hätte geben können. Kill Bill Vol. 3 ist nicht weniger sagenumwoben wie die Whole Bloody Affair. Tarantino, der nach seinem nächsten Film ja gerne seine Karriere als Regisseur an den Nagel hängen möchte, wird auf Kill Bill vielleicht nochmal ganz speziell zurückblicken. Das Filmprojekt war die Kumulation von allem, was er bis zu diesem Punkt in seiner Karriere als Filmemacher erreicht hatte. Bereits mit Jackie Brown bewegte er sich aus seiner Komfortzone, doch mit Kill Bill kehrte er nach seiner bis dahin längsten Filmpause mit etwas zurück, was ihm so vermutlich keiner zugetraut hätte. Kill Bill war der beste Beweis dafür, wie Tarantino als Filmemacher gewachsen ist und nicht zu dem Typen wurde, der insbesondere mit Pulp Fiction für immer in den 90ern gefangen war. Vielleicht der wichtigste Film für ihn in seiner Laufbahn als Regisseur. Für uns Filmfans ein schönes Andenken an eine Zeit, in der das Kino noch einen ganz anderen Stellenwert hatte.


Text und Idee: Aufziehvogel 

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Retrospektive: Donnie Darko - 20 Jahre später

 

Poster: Arthaus


"Schlümpfe sind asexuell. Sie haben ja nicht einmal so etwas wie ein Geschlechtsorgan in ihren kleinen weißen Hosen. Das ist ja das unlogische am Schlumpfsein überhaupt. Welchen Spaß hast du im Leben, wenn du keinen Schwanz hast?" - Donnie Darko


!Spoilerwarnung für alle, die den Film noch nicht kennen!


Wir schreiben das Jahr 2021. 20 Jahre sind seit der Erstaufführung von Donnie Darko vergangen. Ich bin, ganz offensichtlich, 20 Jahre älter mittlerweile. Doch andere Dinge sind seit der Uraufführung von Donnie Darko im Januar 2001 passiert. Der 11. September erschütterte die Welt. Patrick Swayze ist 2009 verstorben und dies war auch jenes Jahr, wo Regisseur Richard Kelly seinen letzten Film gedreht (The Box) hat. Zum 15. jährigen Jubiläum zu Donnie Darko sagte Filmemacher Kevin Smith 2016 über Kelly, er sei vermutlich einer der begabtesten Filmemacher, die es derzeit gäbe, nur scheint sein Talent niemand wahrzunehmen. Mit Southland Tales lieferte Kelly 2006 einen weiteren ungewöhnlichen Film ab (mit Dwayne "The Rock" Johnson in frühen ernsthaften Hollywood-Gehversuchen und Seann William Scott sowie Sarah Michelle Gellar, die ja heutzutage auch keiner mehr kennt). Allerdings entwickelte sich dieser (wie ich finde, leider) nicht zu einem Indie-Megahit wie Donnie Darko und geriet, wie einige Schauspieler die in diesem Film mitspielen, in Vergessenheit. Irgendwie war Richard Kelly also schon immer irgendwie "nur" Donnie Darko. Der Film war sein Karrieresprungbrett und immer wieder wurde er daran gemessen und fälschlicherweise dichteten ihm viele Leute das furchtbare Sequel "S. Darko" an, mit dem er nichts am Hut hatte.

Donnie Darko und Frank das Riesenkaninchen sind geblieben. Und allgemein muss sich der Film um all das überhaupt keine Sorgen machen, der spielt nämlich in einem kurzen Zeitraum im Oktober 1988. Richard Kelly war zu dieser Zeit im echten Leben 13 Jahre alt und im Jahr 1987 feierte Patrick Swayze mit Dirty Dancing seinen wohl größten Filmerfolg. Michael Dukakis und George Bush Senior kämpften um den Einzug ins Weiße Haus, der erste Golfkrieg war noch einige wenige Jahre entfernt und Autor Graham Greene weilte noch unter den Lebenden. In dieser Zeit spielt Donnie Darko. Wir haben es hier mit einem verträumten Film zu tun der irgendwo zwischen psychologischem Horror, Science-Fiction und Coming of Age Story spielt. Im zentralen Punkt der seltsamen Ereignisse in diesem Vorstadtort in Middlesex, Virgina, steht der begabte und wissbegierige, aber auch etwas unkonventionelle und schwierige Teenager Donald Darko (Jake Gyllenhaal bevor er zu einem Weltstar wurde, hier gemeinsam zu sehen mit seiner leiblichen Schwester Maggie Gyllenhaal). Er schlafwandelt, wacht irgendwo mitten im Nirgendwo auf, immer ein Stückchen weiter entfernt von seinem Zuhause. Ein Umstand, der ihm das Leben retten soll wenn eines Abends ein Flugzeugturbine unbekannter Herkunft auf einmal in das Haus der Darkos kracht und Donnie im Schlaf getötet hätte. Von diesem Tag an ändert sich im Leben des an sich schon seltsamen Teenager alles. Seine Halluzinationen werden intensiver und ein Typ in einem Hasenkostüm erzählt ihm dabei, die Welt würde gegen Ende des Monats untergehen und gibt ihm sogar ein spezifisches auf die Sekunde exaktes Datum mit auf den Weg. Und dann wären da auch noch Mädchen, Schlümpfe und ein unbändiges Verlangen nach Christina Applegate, die den Verstand des Teenagers vernebeln.

Man mag es kaum glauben wie viele Themen Donnie Darko angeht und diese alle nahezu bravourös meistert. Als Ausgangspunkt hat man hier, wie man sie eigentlich klassisch aus Stephen King Romanen kennt ("Es" ist das Buch, welches Donnies Mutter liest), eine Kleinstadt. Etwas ländlich, friedlich und überwiegend von weißen Mittelständlern bewohnt, die anscheinend etwas über den Durchschnitt leben. Doch wie in jeder Kleinstadt brodelt es auch im Innern. Rassismus, Mobbing und eine allgemeine Verlogenheit des Vorstadtlebens sind in dem Film dauerhaft präsent. Die junge engagierte wie motivierte Lehrerin (gespielt von Drew Barrymore die nicht nur als Kind in einer Stephen King Adaption mitspielte sondern hier auch als Produzentin fungierte) die aus ihrem Job geekelt wird weil sie den Horizont ihrer Schüler erweitern will, während ein pädophiler Motivationsguru von der Masse gefeiert wird ist hier nur ein Teil der schmutzigen Vorstadtgesellschaft. Neben den sozialen Problemen die im Film auf eine humorvolle, beinahe satirische weise angegangen werden, steht aber allen voran auch ein großer Anteil Science-Fiction im Vordergrund. Zeitreisen. Auf eine sehr subtile Art baut der Film hier eine unglaublich komplexe Zeitreisethematik mit ein, über die Filmfans noch heute diskutieren, debattieren und philosophieren. Darauf hier einzugehen würde den Rahmen nun sprengen und würde auch die pure Freude am spekulieren nehmen, was man noch 20 Jahre nach der Veröffentlichung des Filmes tut.

Der wohl wichtigste Begleiter des Films ist wohl unbestritten die Musik. Und hier wählte man einige sehr starke lizenzierte Songs von 80er Bands wie Tears for Fears und Duran Duran während der Musiker Michael Andrews für den Original Score zuständig war (sein wohl bekanntestes Werk ist das "Mad World" Cover von Tears for Fears). Mit minimalen Musical-Einlagen werden wichtige Szenen unterlegt und würden ohne den starken Soundtrack nie so eine Intensität erreichen. Eine der wohl stärksten Kombinationen zwischen Bildgewalt und Musik ist die bekannte Szene zwischen Donnie, der schlafenden Gretchen sowie Frank im Kino während im Hintergrund "Tanz der Teufel" läuft. Der Film vermittelt hier eine einzigartige Weltuntergangsstimmung. Etwas bedrohliches bahnt sich an. Kelly macht hier deutlich, dass sich ein regelrecht stürmischer Showdown anbahnt. Dieses Thema rund um diese minimalen Musical-Einlagen führte Kelly in seinem späteren Film Southland Tales auf einen neuen Höhepunkt.

Doch besonders das Thema Musik machte noch einmal für Richard Kelly deutlich, was möglich ist und was nicht. Lizenzen waren teuer oder schlicht und ergreifend nicht verfügbar. Bei einem Budget von nicht einmal 5 Millionen Dollar war es sowieso ein Wunder, wie viel prominente Unterstützung der Film erhalten hat. Und dennoch, oder vielleicht gerade deshalb bleibt Donnie Darko ein Low Budget Indie-Film, der bei seiner limitierten Kinoauswertung (die teilweise von Christopher Nolan und seiner Frau ermöglicht wurde) kaum irgendwelche Beachtung erhalten hat. Durch seine Veröffentlichung auf DVD gewann Donnie Darko aber ein weltweites Publikum, was wohl genau so wenig abzusehen war wie die prominente Unterstützung, die den Film zu dem gemacht hat, was er heute ist. Durch eben diesen Erfolg bekam Kelly die Gelegenheit, 2004 den Film noch einmal als Director's Cut zu bringen. Diese Fassung, die mit mehr Budget ausgestattet war, ermöglichte ihm Zugang zu der Musik, die er wollte, rund 20 Minuten an neuen Szenen und Umschnitten sowie den Film in kleine Kapitel zu unterteilen. Das Resultat endete damit; bis heute werden sowohl Kinofassung als auch Director's Cut favorisiert. Wohl auch einer der Gründe, wieso beide Fassungen mittlerweile auf Blu-ray immer in einem Gesamtpaket zu finden sind. Beide Fassungen haben ihre Vorteile. Die Kinofassung wirkt ohne die zusätzlichen Erklärungen kryptischer, mysteriöser und flotter. Der Director's Cut mit seinen Erweiterungen runder und durch neue Szenen und Musik deutlich professioneller, strukturierter. Man kann nichts falsch machen, beide Fassungen zu schauen und es ist vermutlich einer der wenigen Filme, wo man sich ein neues Filmerlebnis erschaffen kann wenn man beide Fassungen hintereinander schaut.

Zum 20. Jubiläum brachte Arthaus/Studiocanal mehrere neue deutsche Editionen zum Film heraus, restauriert von einem 4K Master und erstmals auch eine 4K UHD Veröffentlichung. Durch einen selten dämlichen Fehler seitens Amazon, wo das Blu-ray Cover von Standard Blu-ray und 4K UHD vertauscht wurden (und der Fehler noch immer nicht behoben wurde), erhielt ich die Standard Blu-ray und entschied mich letztendlich, diese zu behalten. Neugierig auf die UHD-Variante wäre ich dennoch mal und wird auch sicherlich noch nachgeholt. Die neue deutsche Blu-ray macht aber einen mehr als soliden Eindruck und ist der alten UK Blu-ray Veröffentlichung die ich 2014 erworben habe (Label Metodrome Entertainment, Kinofassung und Director's Cut Doppelpack) meilenweit voraus was das Bild angeht. Zwar ist der Low-Budget Faktor dem Film weiterhin anzusehen was in einer schwankenden Qualität etlicher Szenen resultiert, allgemein ist das restaurierte Bild aber in einem guten Zustand und fiel mir besonders positiv durch seine satten Farben auf. Auch das deutsche DTS-HD Master ist in Sachen Klangqualität sehr anständig. Dies dürfte an sich die deutsche Premiere für den Director's Cut auf Blu-ray gewesen sein.

Nun sind beinahe 7 Jahre seit meiner Lost in Translation Retrospektive vergangen. Lost in Translation hatte meinen Test der Zeit bestanden (der Film feierte ja nun, wenn auch lediglich limitiert, kürzlich seine deutsche Blu-ray Premiere). Wie sieht es bei Donnie Darko aus? Ich habe den Film gestern erstmals seit 2014 wieder gesehen (Kinofassung) und ich konnte mich schon gar nicht mehr dran erinnern, wann ich den Director's Cut zuletzt gesehen habe. Nach so einer langen Zeit blickt man erst einmal sehr kritisch auf einen seiner Lieblingsfilme. Blade Runner könnte ich auch heutzutage noch unendlich viele male schauen, ohne, dass die Flamme der Liebe jemals erlöschen würde. Kill Bill wiederum (Gesamtwerk), sehe ich heute mit 34 Jahren deutlich kritischer als als 18 jähriger. Und auch Donnie Darko muss sich keine Sorgen machen, von mir nicht mehr geliebt zu werden (vermutlich ist dem Film das sogar sehr egal ob ich ihn liebe oder nicht). Die ganze Faszination ist noch vorhanden. Dieser kleine verträumte Indie-Film übt noch immer eine gewaltige Wucht auf mich aus und dieses Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Genres sowie der zeitlosen Musik funktioniert auch im Jahr 2021 noch bedingungslos. So sehr ich mir für Richard Kelly einen weiteren großen Wurf wünsche, so fest verankert wird er jedoch für immer mit Donnie Darko sein. Den Film als Karrierefluch zu sehen wäre eindeutig falsch (und so eine Einstellung hat er auch nie in Interviews an den Tag gelegt), da Kelly hier einen Film geschaffen hat, der den Test der Zeit bestanden hat und auch in vielen Jahren noch relevant sein wird. Es ist zudem auch ein Film, der in dieser Art und Weise kein zweites mal existieren könnte. Vielleicht ist dies einer der Gründe, wieso eine Fortsetzung in diesem Universum alles andere als ein brillanter Geniestreich war. Richard Kelly selbst hat zu S. Darko nie einen filmischen Kommentar abgegeben, denn er hat den Film nie gesehen.

Mit diesem hoffnungsvollen Schlusswort über unnötige Sequels möchte ich diese Retrospektive beenden. Ursprünglich sollte dies mal ein Meercast werden (meine eigene Variante eines Podcasts, die genau das ist, was der Name suggeriert), allerdings habe ich mich sehr kurzfristig für eine schriftliche Version entschieden. Einiges, was ich für diese Retrospektive plante, konnte ich in schriftlicher Ausführung leider nicht umsetzen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, wenn ich die UHD-Version in kommender Zeit mal gesehen habe, werde ich dies nachholen. Donnie Darko ist ein Film, der mir bis heute sehr viel bedeutet (und er gestern wieder eindrucksvoll bewiesen hat) und ich bin sicher, ihm einen eigenen Meercast in absehbarer Zeit widmen zu können.

Für alle, die den Film noch noch nicht gesehen haben: Wir schreiben das 20. Jubiläum des Films, wir haben Oktober und die Welt ist auch so gut wie untergegangen - worauf wartet ihr? Anschauen!


"Unser Leben hat nicht nur zwei Kategorien, so einfach ist das nicht." - Donnie Darko

Mittwoch, 10. Januar 2018

Japanuary 2018 Teil 1: Filme 1-4



Ein Blick auf die Startseite dürfte dem Besucher der Seite folgendes verdeutlichen: Im Januar dreht sich bei mir alles um Japan und Filme. Eine Grundlage, auf die dieser Blog auch aufgebaut wurde. Wie versprochen folgt nun mein erstes von zwei Specials zum Thema Japanuary. In diesem Beitrag werden die ersten 4 von 8 Filme kompakt besprochen. Viel Spaß!




1.


Pulse (2001)
Originaltitel: Kairo
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Genre: Mystery, Horror, Science-Fiction
FSK: Ab 16



Kiyoshi Kurosawa (nicht verwandt mit Akira Kurosawa) ist ein herausragender Filmemacher, der mit relativ einfachen Mitteln in seinen Filmen menschliche Dramen in einen packenden Mystery-Horrorfilm verwandeln kann. Kurosawa ist in Japan auch heute noch ein beliebter Regisseur, der viele neue Filme veröffentlicht. Im Westen hingegen hat man Versuche, sein komplexes Filmwerk zu veröffentlichen, beinahe komplett eingestellt. In Deutschland hat es bisher nicht einmal Kurosawas vermutlich bekanntestes Werk aus dem Jahr 2001 auf Blu-ray zu uns geschafft, "Pulse". Im Jahr 2006 brachte seinerzeit Splendid den Film in Deutschland erstmals auf DVD. Bei der britischen Blu-ray von Arrow Video, die der Verleih vergangenes Jahr veröffentlicht hat, handelt es sich vermutlich um einen DVD to HD Upscale als um ein Remaster. Zwar ist Bild und Ton eine Steigerung zur DVD, eine Offenbarung wird man hier aber nicht finden. Das Bild ist durchweg von Filmkörnung geprägt, überzeugt weder in den Innen- noch Außenaufnahmen besonders und der Gelbstich, dem der Film schon immer anhaftete, ist präsenter als je zuvor. Vermutlich ist hier aber auch das im letzten Artikel von mir erwähnte japanische Filmmaterial schuld, was zu dieser Zeit alles andere als hochwertig war.

Doch nun zum Film. Der japanische Titel von Pulse lautet "Kairo". Damit ist nicht die ägyptische Hauptstadt gemeint sondern übersetzt bedeutet dies soviel wie "Schaltkreis". Denn die Technik ist es, die das zentrale Thema im Film bildet. Verglichen zur heutigen Zeit war das Internet im Jahr 2000/2001 noch alles andere als ein Alltagsgeschäft. Die Charaktere im Film wählen sich noch mit einem Modem ein, um das WWW betreten zu können. Das Internet wird also als etwas exotisches präsentiert, etwas, was noch als relativ argwöhnisch angesehen wird. Und so ist es auch das Internet, was im Film für seltsame Vorkommnisse sorgt, die letztendlich zum Ende der Welt führen (auch wenn darauf am Ende nicht weiter eingegangen wird, wie es weitergeht). Stilistisch verbindet der Film Arthouse mit Mystery und Horror, driftet in der zweiten Hälfte aber auch in Science-Fiction Gefilde ab. Außerhalb Japans wurde Pulse gerne mal als Klon von Filmen wie "The Ring" oder "The Grudge" beworben, hinkt dieser Vergleich jedoch, sobald man sich den Film anschaut. Kurosawa setzt auf ruhige Töne. Die Bedrohung im Film wird nie richtig erklärt. Viele der Charaktere gehen eher als berüchtigte unzuverlässige Erzähler durch, die die Zuschauer mit ihren eigenen Theorien über Geister und Jenseits verwirren wollen. Eine genaue Erklärung zu den unheimlichen Geschehnissen in Pulse wird es nämlich nicht geben. Auf die ruhige Gangart von Pulse muss man sich einlassen können. Schafft man es, sich in den Film hineinzuversetzen, bekommt man auch im Jahr 2018 noch einen zeitlos unheimlichen Film geboten der nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird, und sehr zum nachdenken anregt. Bekannte japanische Gesellschaftskritik wie Einsamkeit, Isolation und Trauer ist eng mit dem Fortschritt der Technik verknüpft und Kiyoshi Kurosawa hat daraus ein beeindruckendes Gesamtpaket kreiert. Zurecht wurde Pulse viele Jahre später zu einem der einflussreichsten Horrorfilme aus Japan gekürt. Im Jahr 2006 folgte ein Remake aus den USA, welches von Presse und Zuschauer zerpflückt wurde und noch 2 Video-Fortsetzungen folgten.



2.



Loft (2005)
Originaltitel: Rofuto
Regie: Kyoshi Kurosawa
Genre: Mystery, Drama
FSK: Ab 12


Am ehesten kann man "Loft" mit Kurosawas TV-Spielfilm "Seance" aus dem Jahr 2000 vergleichen (ein wirklich sehr sehenswerter Film trotz des TV-Formats). Loft war nach Pulse Kurosawas zweiter Film der international sehr ordentlich vermarktet wurde. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Die Kritiken von Presse und Filmfans fiel aber weitestgehend ernüchternd aus. Bei meiner allerersten Sichtung des Filmes überhaupt vergangene Nacht kann ich mich der Kritik nur teilweise anschließen. Das größte Problem womit Loft zu kämpfen hat ist die relativ lange Laufzeit von 115 Minuten. Zu häufig gibt es Szenen, die stark in die länge gezogen wurden und in denen gar nichts passiert. Rund 10-15 Minuten an Ballast hätte man bei Loft abwerfen können, um den Film vielleicht etwas temporeicher zu machen. Aber genau das wäre nicht Kurosawas Stil. Langsam baut der Film Charaktere und Atmosphäre auf. Die Thematik des Films birgt eine menge an Potential und hat mir sehr gut gefallen. Übernatürliche Situationen gibt es in Loft dafür kaum. Viele der surrealen Szenen finden in Tagträume statt und die kryptische Erzählweise tut ihr übriges. An und für sich gesehen ist Loft aber weniger ein Horrorfilm als viel mehr ein gut durchdachtes Mystery-Drama. Die Geschichte um eine 2000 Jahre alte Mumie klingt auf dem Papier wesentlich kurioser als im Film tatsächlich umgesetzt. Kurosawa wählte eine perfekte ländliche Kulisse für den Film und hat einige sehr schöne Bilder eingefangen. Die allerletzten 20-30 Sekunden von Loft bescheren dem Zuschauer noch einmal ein Ende, welches definitiv in Erinnerung bleiben wird. Insgesamt hat mir Seance, der eine relativ ähnliche Thematik und den fast gleichen Stil besitzt, besser gefallen. Dennoch ist Loft durchaus sehenswert und kann durch seine Atmosphäre und einer schönen Cinematographie überzeugen.




3.


Suicide Circle (2001)
Originaltitel: Jisatsu sâkuru
Regie: Sion Sono
Genre: Independent Horrorfilm
FSK: Ab 18


Mit Suicide Circle von Sion Sono verbindet mich schon eine lange Geschichte. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse bezüglich des Inhalts, sah ich den Film um 2003 herum mit ein paar Freunden im japanischen Original ohne Untertitel. Wir verstanden kein Wort und der Film war anders als alles, was wir je zuvor gesehen hatten. Trotz der Sprachbarriere übte der Film auf uns einen unglaublichen Reiz aus. Dafür waren überraschenderweise nicht einmal die teils drastisch blutrünstigen Szenen für verantwortlich. Es war der gesamte Film, der einfach alles so anders machte und somit diesen besagten Reiz ausübte. Für Regisseur Sion Sono, der sich in den vergangenen Jahren zu einen meiner liebsten Filmemacher mauserte, ist ein Film wie Suicide Circle keine Seltenheit. Eine ungewöhnliche Story verknüpft der Regisseur mit einzigartigen Charakteren. Bei Sion Sonos Filmen spielt außerdem ein origineller Soundtrack stets eine wichtige Rolle. In Suicide Circle wird dieser von der fiktiven Band "Dessart" dazugesteuert. Diese junge Idol Popgruppe scheint jedoch keine normale Mädchenband zu sein. Genau genommen scheinen sie der Drahtzieher einer Welle an mysteriösen Massenselbstmorden zu sein, die Japan in einem Zeitraum von 6 Tagen erwischt. Im Jahr 2005 brachte der deutsche Verleih I-On New Media den Film unzensiert nach Deutschland, was durchaus für eine Überraschung sorgte da Battle Royale zuvor mit ähnlicher Thematik mit großen Problemen in Deutschland zu kämpfen hatte (und erst seit einigen Monaten in Deutschland endlich unzensiert eine Freigabe besitzt). Bei meiner Sichtung von vor einigen Tagen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es bei Suicide Circle nichts ausmacht, ob es eine Sprachbarriere gibt oder nicht. Selbstverständlich sollte man den Film in einer Sprache schauen, die man versteht, aber zum Verständnis des Filmes wird auch die Muttersprache nichts beitragen. Ähnlich wie bei Kiyoshi Kurosawas "Pulse" erzählen die beiden Filmemacher aber eine relativ ähnliche Geschichte mit einer nahezu identischen Gesellschaftskritik. Genau wie auch der bereits erwähnte Battle Royale, entstanden alle 3 Filme in einem dicht angesiedelten Zeitraum von rund 2 Jahren. 
Suicide Circle hat auch jetzt noch nichts von seiner seltsamen Faszination auf mich eingebüßt. Für mich ein Beweis dafür, den Film als persönlichen modernen Klassiker nennen zu können.


4.


Tag (2015)
Originaltitel: Riaru onigokko
Regie: Sion Sono
Genre: Avantgardefilm
FSK: Ab 16



Was Marketing angeht, so war der deutsche Verleih I-On New Media noch nie wirklich auf der Höhe. Die Zielgruppe von "Tag" dürfte laut dem Verlieh dann bei Fans von japanischen Splatterfilmen im Stile von "Stacy" oder "The Machine Girl" liegen. Genau so etwas möchte man dann auch mit dem Cover ausdrücken was per se nicht schlecht ist, aber einen Film verspricht, den der Zuschauer am Ende nicht zu sehen bekommt. Auch verschweigt man auf dem Cover den Regisseur und auch nur irgendeine Bemerkung, dass es sich hier um eine unzensierte Fassung handelt, erschienen 90% aller japanischen Splatterfilme während des Booms (ab 2005 aufwärts) in Deutschland trotz 18er Freigabe ausschließlich stark gekürzt. Ein genauer Blick in die Datenbank der FSK verrät jedoch, dass Tag unzensiert für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben ist und die FSK 18 Freigabe vom Verleih künstlich erzwungen wurde. Doch auch darüber hinaus bekleckert man sich nicht mit Ruhm. Untertitel für den O-Ton gibt es nicht, die deutsche Vertonung kann als durchaus solide angesehen werden, wäre die deutsche Tonspur in Sachen Qualität nicht so ein Graus. Alles in Allem werden Fans des Regisseurs wohl nicht auf den Film aufmerksam wenn sie ihn im Geschäft sehen und die angepeilte Zielgruppe wird vermutlich maßlos enttäuscht sein.


Auch Tag habe ich mir vergangene Nacht angesehen und war mehr als angenehm überrascht. Genau wie Loft kein reinrassiger Horrorfilm ist, ist Tag kein Splatterfilm. Was nicht bedeutet, dass es im Film zimperlich zugeht (eine "echte" 18er Freigabe wäre gar nicht mal so eine Überraschung gewesen). Tag selbst kann man schlecht einem Genre zuordnen, daher wird man nichts falsch machen, den Film dem Genre Avantgardefilm zuzuordnen (dem sogenannten Experimentalfilm). Tag bietet von Horror, Drama bis hin zu Exploitation einfach alles, was die Filmwelt so hergibt. Der wirre Plot wird am Ende auf die nur denkbar absurdeste weise aufgelöst, so, dass der geneigte Zuschauer diese Auflösung für extrem logisch ansehen wird. Still habe ich mir gedacht: "Ja, genau so muss dieser Film enden. Etwas besseres hätte dem Regisseur und Autor nicht einfallen können". Die Absurdität am Ende als einzige logische Erklärung anzusehen ist etwas, was sich derzeit im japanischen Film nur Sion Sono leisten kann, ein Mann, der in keinem Genre so wirklich daheim ist und die Filmkunst eines Takashi Miike aus den 90ern und frühen 2000ern mehr als würdig fortsetzt. Das Zusammenspiel zwischen Story, Charaktere und Musik macht auch Tag zu einem harmonischen Gesamtwerk, was aber vermutlich nur eingefleischte Fans des Regisseurs zu schätzen wissen werden. Nach dem eher kommerziellen (aber nicht weniger abgedrehten) "Tokyo Tribe" kehrte Sion Sono mit Tag zu einem Film zurück, den wohl nur die wenigsten genießen werden. Aber damit war er bei mir mal wieder genau an der richtigen Adresse.








Und damit endet Teil 1 des Japanuary. Teil 2 mit den vier verbleibenden Filmen Ryuzo and the Seven Hechmen, Ran, Haze und Blade of the Immortal (diesmal somit auch von vier verschiedenen Filmemachern) folgt in einem neuen Post am 20.01.2018 23.01.2018. Würde mich freuen, euch dann wieder hier begrüßen zu dürfen!

Montag, 18. Juli 2016

Ein Bond-Rückblick: Die Craig-Ära




Vergangene Nacht konnte ich meine allererste Heimkino-Sichtung von "Spectre" verbuchen. Eine erneute Sichtung stand zwar schon länger auf den Plan, ließ sich aber leider nicht früher einrichten. Denn, im Gegensatz zur allgemeinen Mehrheit war Spectre für mich eine etwas chaotische, gar absurde aber durchaus solide Vorstellung, die noch immer alles in den Schatten stellt, was Brosnans letzte Bond-Abenteuer geleistet haben.

Nach meiner erneuten Sichtung von Spectre kam ich eigentlich nicht umher, Craigs-Ära, die 4 Filme umfasst, noch einmal Revue passieren zu lassen. Es ist kein großes Geheimnis mehr, Daniel Craig möchte nicht mehr in den Anzug schlüpfen. Genaue Gründe hat er nie genannt, aber je aufwendiger die Filme werden, desto schneller nutzt man sich als Schauspieler ab was sich letztendlich wohl auch außerhalb des Jobs auswirken wird. Craig soll zuletzt ein 68 Millionen Pfund schweres Angebot abgelehnt haben, ein fünftes und letztes mal die Rolle zu spielen, die ihn weltberühmt machte. Doch auch vergangene Aussagen von vor einigen Monaten, klangen so, als würde die Welt eher untergehen als das Craig noch einmal 007 spielen wird:


I’d rather break this glass and slash my wrists. No, not at the moment. Not at all. That’s fine. I’m over it at the moment. We’re done. All I want to do is move on.


Natürlich haftet dem Bond-Franchise die magische Phrase "Never Say Never Again" an. Auch Sean Connery flüchtete seinerzeit regelrecht vom Set und kehrte dem Geheimagent den Rücken, nur um ihn noch 2 weitere male danach zu spielen. Eine Rückkehr von Craig ist also nicht ausgeschlossen, derzeit aber unwahrscheinlich wenn nicht gar unrealistisch. Sollte Craig die 5 aber noch vollmachen, dann wäre er zumindest Pierce Brosnan einen Schritt voraus.

Viel interessanter als Daniel Craigs Verbleib ist derzeit eher seine Nachfolge. Neben den immer wieder hoch gehandelten Idris Elba (welcher den ersten farbigen Bond spielen könnte) und Tom Hardy, steht derzeit auch Tom Hiddleston hoch im Kurs. Doch wie schon bei dem relativ überraschend ausgewählten Craig selbst und Clive Owen eigentlich schon in den Startlöchern stand, könnte es eine erneute Überraschung geben.

In diesem Beitrag geht es allerdings nicht über die Zukunft des Franchise, sondern um die Vergangenheit. Ein etwas ausführlicher Rückblick auf die Craig-Ära. Ein Rückblick auf beinahe 10 Jahre James Bond. Das Stimmungsbarometer der Craig-Filme würde sich ungefähr so lesen:

Auferstehung des Geheimagent --> Erneute Selbstzerstörung des Franchise --> Glorreiche Rückkehr aus dem Chaos --> Erneute Selbstzerstörung des Franchise

Das Stimmungsbarometer bei den Fans kippt schnell. Der Spagat zwischen "Gefeierter Held" und "Lachnummer" scheint nicht sonderlich groß zu sein (auch wenn dies meine eigene Meinung nicht wiederspiegelt). Ich möchte daher etwas genauer auf die vier Filme eingehen, ganz besonders auf Spectre (Achtung, wird länger). Auf das, was richtig lief, was falsch lief und was keinen Sinn ergibt, auch nach Spectre nicht. Und seien wir ehrlich, ein bisschen Trash gehört zum Bond-Franchise dazu wie Eis zum Jack Daniels Black Label. Viel Eis. So viel Eis, bis der Geschmack eine erträgliche Note annimmt.


Hinweis:
Dieser Abschnitt geht genau auf die Filme ein und auf Einzelheiten rund um die zusammenhängende Geschichte. Spoiler sind somit garantiert! Bitte umkehren, wer die Filme noch nicht gesehen hat und plant, diese demnächst zu schauen.



Aufgrund der Länge des Textes werde ich nicht weiter auf die Bond-Songs eingehen können!


Vor Casino Royale ist nach Die Another Day (2002-2006)

Bevor Casino Royale ende 2006 in die Kinos kam, war die Zukunft des Bond-Franchise unsicher. Die Leute waren Pierce Brosnan überdrüssig und die Qualität der Filme nahm stets ab. Bond erinnerte eher an einen Comic-Superhelden mit übermenschlichen Kräften, der aber gleichzeitig nur aufgrund seiner Gadgets die jeweiligen Missionen überlebt. Die Produzenten hielten eine mehrjährige Pause für angebracht. Das Franchise driftete quasi in den Modus der Drei Affen ab. "Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen".  Im Hintergrund tat sich allerdings einiges. So einigte man sich darauf, Bond müsse wieder "Back to Basics" gehen, bodenständiger werden. Mit anderen Worten: Man wollte eine art Reboot, welches aber gleichzeitig die Anfänge von Bond erzählt und mehr wie ein Prequel agiert. Und welche Geschichte würde sich dazu besser eigenen, als der allererste Roman, den Bond-Urvater Ian Fleming verfasst hat? Casino Royale sollte als die erste Bond-Adaption seit Jahrzehnten herhalten für das mutige Projekt. Aufgrund eines Rechtsstreits, der beinahe genau so alt war wie das Buch selbst (erschienen 1953) war es zuvor nicht möglich, Casino Royale zu adaptieren wenn man mal von "Climax" und der Parodie "Casino Royale" mit Peter Sellers absieht. Der Weg war frei, das Buch zu adaptieren. Brauchte man also nur noch einen fähigen Regisseur. Sich selbst ins Spiel brachte sich Quentin Tarantino, dem es eine Ehre gewesen wäre, Casino Royale zu adaptieren. Doch weder der Broccoli-Clan noch MGM selbst waren von Tarantino begeistert und erteilten ihm eine Abfuhr. Stattdessen fiel die Wahl auf  Martin Campbell, der brachte bekanntlich bereits 1995 Bond mit Goldeneye zurück in die erste Liga des Kinos.

Die Wahl der neuen 007 hingegen erwies sich jedoch als wesentlich schwieriger. Es standen sehr viele Namen zur Auswahl. Brosnan selbst war sich relativ sicher, auch bei Casino Royale noch dabei zu sein. Das Studio entschied sich jedoch schnell gegen ihn. Für viele war Clive Owen seinerzeit der heißeste Anwärter auf das Erbe von Brosnan. Doch auch Owen, der selbst von Craig überzeugt ist und meinte, er habe sich nie wirklich um die Rolle beworben, wurde zum Entsetzen vieler 007 Fans umgangen. Die Wahl fiel stattdessen auf den damals noch mäßig bekannten Daniel Craig, der allen voran durch seine Rolle in Matthew Vaughns "Layer Cake" und Steven Spielbergs "München" einigen Leuten bekannt gewesen sein dürfte. Craig widersprach optisch so ziemlich jedem Ideal, welches James Bond verkörperte. Besonders prägnant waren dabei die blonden Haare und die blauen Augen. Craig erntete im Vorfeld Hohn und Spott sämtlicher Fans, die sich einen traditionellen Bond wünschten. Craig war der erste wichtige Faktor für den Umbruch, den das Franchise so dringend nötig hatte.

Als Casino Royale, Bond Nummer 21, nach langer Planung, vielen Trailern und viel Vorab-Kritik in die Kinos kam, wurden die Skeptiker aber relativ schnell ruhig gestellt. Man hat eingehalten, was man versprach. Casino Royale deckt die Geschichte ab, wie Bond seinen 00 Status erhalten hat. Dementsprechend hatte man es im Film mit einem eher unerfahrenen, waghalsigen Bond zu tun der sich nicht auf irgendwelche Spielereien und Gadgets verlässt, sondern auf seinen Überlebensinstinkt. Entgegen vieler Erwartungen bekam man es mit einem Bond zu tun, der rohe Gewalt nicht scheute, verletzlich wirkte und kein Übermensch war. Einen Vorgeschmack darauf gab in den 80ern bereits Timothy Dalton, der mit seiner Bond-Interpretation seiner Zeit voraus war und von den damaligen Zuschauern nie wirklich akzeptiert wurde. Craig führte mit einer Portion Sarkasmus diese Interpretation fort und lieferte mit Casino Royale nicht nur einen äußerst lukrativen Bond ab, sondern wurde zeitgleich von der strengen Presse und den sensiblen Fans gefeiert. Auch ist nach langer Zeit die Adaption zu Casino Royale mal wieder seiner literarischen Vorlage relativ treu geblieben, ein Problem, womit die meisten Bonds zu kämpfen hatten. In der Moore-Ära übernahm man meistens einfach nur den Titel und einige Charaktere, schrieb dafür die Story aber komplett um. Casino Royale folgt dem Roman relativ eng, biegt aber hier und da mal in eine andere Seitenstraße ab. Zum einen tat man dies, um die Geschichte mehr an unsere Zeit anzupassen. Auf Organisationen wie SMERSH ging man gar nicht erst ein, auch das Ende wurde leicht umgeschrieben mit dem Wissen, dass es Fortsetzungen geben wird. Man wollte Casino Royale nicht nur als eine Prequel-Geschichte benutzen, man hatte vor, diese Geschichte mitsamt den Charakteren weiter zu spinnen (dazu im nächsten Abschnitt mehr). Überraschend blieb Judy Dench der Rolle als weibliche M treu, was später noch eine wichtige Bedeutung haben sollte. Da wir uns hier in einem Reboot befinden, fehlt auch von Bonds schrulliger Sekretärin Moneypenny und dem Wissenschaftler Q jede Spur.

Die Anfänge waren gemacht. Handwerklich einwandfrei, schnörkellose Actionszenen und ein überraschender Cliffhanger zum Ende des Films haben lust auf mehr gemacht. Eva Green mimte ein selbstbewusstes, aber kein unsympathisch emanzipiertes Bond-Girl und Mads Mikkelsen als Le Chiffre wohl einen der gelungensten Bond-Bösewichte seit Sean Connery das erste mal 007 spielte und gegen die wahnsinnigen Typen antrat, die die Welt beherrschen wollten.

Nur 2 Jahre später sollte Bond Nr. 22 einen noch größeren Umbruch präsentieren. Gefeiert wurde diesmal aber nicht.



Ein Quantum Trost (2008)


Die Verantwortlichen, darunter auch Paul Haggis, der hier als einer führenden Schreiber agierte, hatten einen festen Plan mit dem erfolgreichen Neuanfang für James Bond. Man hatte diesen zerbrechlichen Mann, der gerade von seiner großen Liebe Vesper Lynd verraten (und wiederum nicht verraten) wurde und ihr Live beim sterben zusehen musste, indem sie auf eigenen Willen ertrank. Bond wollte wenige Stunden zuvor noch seine Karriere beim MI6 wegwerfen und mit Vesper Lynd durchbrennen, bis Bonds zweite große Liebe, M, ihn in Kenntnis setzte, dass Vesper eine Doppelagentin ist und in Wahrheit für eine geheime Organisation namens Quantum arbeitet. 
Ziel war es, diesen Bond menschlicher darzustellen. Mit all seinen Fehlern und seinem nahezu zerbrechlichem Temperament. Bonds letzte wahre Bezugsperson ist M. Es wäre übertrieben zu sagen, sie sei für ihn eine Mutterfigur, aber keiner anderen Person traut Bond mehr und im Verlaufe von "Ein Quantum Trost" und "Skyfall" wird sich das Verhältnis der beiden noch wesentlich mehr intensivieren.

Ein Novum in der Reboot-Reihe ist jedoch folgendes: Sobald sich Bond in Casino Royale an den Pokertisch setzt, beginnt eine fortlaufende Mission für ihn. Alle 4 Filme sind keine individuellen Missionen für Bond, es handelt sich hier um eine echte Tetralogie, die aufeinander aufbaut und eine fortlaufende Geschichte erzählt. Wenn man es also streng sieht beginnt ab Casino Royale eine Mission, die in der letzten Szene von Spectre endet und ihren ultimativen Abschluss findet.

Ein weiteres Novum an sich ist jedoch "Ein Quantum Trost" selbst. Der Film ist nämlich eine direkte Fortsetzung zu Casino Royale und beginnt genau in dem Moment, wo Casino Royale endet. Bond schießt dem geheimnisvollen Drahtzieher Mr. White in den Schlappen, sperrt ihn in den Kofferraum und eine waghalsige Verfolgungsjagd beginnt (kein Novum). Bis hierher ging der Plan der Autoren vermutlich noch auf. Als Regisseur wählte man den deutschen Marc Forster (nicht zu verwechseln mit der trällernden Basecap die ein K in ihrem Vorname trägt), der sich unter anderem mit "Monster's Ball" und "Stranger than Fiction" bis dato einen Namen machte.

Viele Kinobesucher witzelten nach der anschließenden Sichtung von "Ein Quantum Trost," sie würden an Motion Sickness (Reisekrankheit) leiden. Dies ist eine Anspielung auf die schnellen, hektischen sowie chaotischen Schnitte im Film. Diese sollten Bond Nr. 22 rasanter und besonders in den Schießereien "härter" wirken lassen. Doch nicht nur das filmische Handwerk wurde kritisiert, auch inhaltlich wurde "Ein Quantum Trost" regelrecht zerfetzt. Das größte Problem ist eigentlich, der Film funktioniert nicht so recht als direkte Fortsetzung, wirkt häufig unorganisiert und wirft am Ende zu viele Fragen auf. Bond selbst, noch immer auf persönlicher Vendetta, legt sich in diesem Film mit Dominic Greene (Matthieu Amalric) und dessen Organisation Quantum an. Schnell wird jedoch klar, Greene wird von einer wesentlich mächtigeren Instanz gesteuert, wohinter mit großer Wahrscheinlichkeit Mr. White steckt, der wiederum von einer nochmals größeren Organisation befehligt wird. Statt SMERSH oder SPECTRE gabs also Quantum und keiner wusste am Ende von "Ein Quantum Trost" so wirklich, was nun Quantum so genau war und wieso die Typen so mysteriös agierten. Greene war ein passiver Bösewicht und trat erst gegen Ende richtig in Erscheinung. Olga Kurylenko als Bond-Girl machte nicht unbedingt eine schlechte Figur, war jedoch gezeichnet von einer Hintergrundgeschichte voller Klischees die trockener war als jeder Martini und konnte auch an sich nicht mit der charismatischen Eva Green mithalten. Giancarlo Gianninis Charakter Mathis noch einmal zurückzuholen, der übrigens im Casino Royale Roman ein treuer Gefolgsmann von Bond ist, war ebenfalls ein Geniestreich, den man im nachhinein bereut haben dürfte.

Trotz all der Fehler die "Ein Quantum Trost" anhaften, so unterhält der Film aber auch bei einer schmalen Laufzeit von nur etwas über knapp 100 Minuten. Noch immer profitiert das 22. Bond Abenteuer von seinem Vorgänger. Die Atmosphäre ist durchaus noch da. Weder zählt "Ein Quantum Trost" für mich zu den schlechtesten Bonds oder gar als der schlechteste Bond aller Zeiten. Es ist ein solider, unterhaltsamer aber auch konfuser Film, bei dem vermutlich zu viele Köche den Brei verdorben haben.

Einen erneuten Umbruch sollte es dann 2012 mit Bond 23. geben. Skyfall.


Skyfall (2012)

Ganze 4 Jahre machte man Pause. Man war mit der Entwicklung nach "Ein Quantum Trost" nicht zufrieden. Desweiteren kam hinzu, der Film war zu teuer und sprengte das damals festgelegte Budget. Skyfall war nicht unbedingt günstiger, allerdings verwendete man das Budget wesentlich geschickter und zusätzlich muss man bedenken, der Film hat noch eine wesentlich längere Laufzeit.

Für Skyfall trennte man sich von Haggis und Co. und engagierte neue Autoren und einen gestanden, erfahrenen Regisseur. Sam Mendes übernahm das Ruder und eine seiner ersten Amtshandlungen war "Ein Quantum Trost" so gut es zu ignorieren. Verdutzt ließ man die Zuschauer zurück, die Fragen wegen Quantum und anderen Logiklöchern stellten und präsentierte stattdessen eine beinahe völlig neue Storyline, die sich sowohl stilistisch als aber auch inhaltlich von den beiden Vorgängern abhebte (zumindest dachte man das, bevor Spectre in die Kinos kam). Bonds persönliche Vendetta blieb jedoch bestehen. Der Film beginnt mit einer furiosen Eröffnungssequenz in Istanbul. Bond hat sich von seinem Vesper-Trauma erholt und ist ein gestandener MI6 Agent. Gejagt wird ein Söldner, der an wichtige Informationen zu MI6 Agenten gekommen ist. In dem Moment, wo Bond den Söldner schnappt, trifft M eine fatale Fehlentscheidung, die Bond fast das Leben kostet. Der Schuss der unerfahrenen MI6 Agentin Eve traf Bond da, wo es weh tat- nämlich in seine Karriere. Bond tauchte unter, versank in Selbstmitleid weil ihn nun auch seine engste Vertraute hat hängen lassen und wurde zum Trinker. Dies geht eine ganze Weile dann so bis Bond nach London zurückkehrt, weil eine geheime Organisation es aufs MI6 und ganz besonders M abgesehen hat.

Skyfall erreicht den Höhepunkt was Bonds persönliche Hintergrundgeschichte angeht. Im Fokus steht nicht nur die Bindung zwischen Bond und seiner Mentorin M, sondern auch Bonds Kindheit, die hier ein wenig thematisiert wird. Als Bösewicht hat man sich für Javier Bardem entschieden, der hier einen abtrünnigen MI6 Agent spielt und jenen Abgrund, nachdem M ihn hat fallen lassen, im Gegensatz zu Bond nicht überwunden hat. Bardem verkörpert den rachsüchtigen Silva natürlich absolut großartig. Und das, obwohl dieser Bösewicht überhaupt erst in der zweiten Hälfte des Filmes erstmals in Erscheinung tritt. Silva ist, ohne Frage, Bonds bis dato gefährlichster Gegner. Man kann ihn nicht lesen, genau so wenig seine wahre Intention und was er genau geplant hat. Im Gegensatz zu Greene aus "Ein Quantum Trost" nimmt Silva aktiv an der Geschichte teil. Irgendwann wird dann auch klar, was Silva möchte. Genau wie Bond ist auch er auf persönliche Vendetta unterwegs und möchte nichts anderes als M töten, seine ehemalige Mentorin, die damals sein Leben opferte um mehrere Menschen zu retten.

Auch in Skyfall gibt es mal wieder ein Novum. Nämlich ist Skyfall das erste Bond Abenteuer überhaupt, an dem der Bösewicht an sein Ziel gelangt. Silva tötet M, auch wenn er kurz danach von Bond mit einem Armeemesser hinterrücks penetriert wird. Silva war jedoch bereit zu sterben. Zusammen mit der schwer verletzten M in seinen Armen, wollte er ihr Schicksal gemeinsam beenden. Nun, Bond kam Silva in die Quere, konnte aber letztendlich das Schicksal von M nicht mehr verhindern.

Und genau hier greift der Reboot-Faktor nun komplett. Nach M's Bestattung sehen wir neben dem jungen Q (Ben Whishaw), der bereits zu Beginn des Filmes vorgestellt wurde, auch noch wie Sekretärin Moneypenny (Naomie Harris) ihren Job erhält. So versteckt sich in dem Falle die unfähige MI6 Agentin Eve hinter Bonds kultiger Sekretärin, mit der er nie ins Bett steigt. Ralph Fiennes Charakter Mallory entpuppte sich zeitgleich wenig überraschend als neuer M. 
Bond entwickelt sich langsam zu der 007, die wir seit den ersten Filmen mit Sean Connery kennengelernt haben. Er wächst mit seinen Aufgaben und schlägt nach dem Tot seiner Mentorin ein neues Kapitel auf.

Handwerklich war ich von Skyfall sehr beeindruckt. Man hat nicht nur wunderschöne Drehorte ausgesucht, auch vom Tempo her hat man einige Gänge zurückgeschaltet. Die Story geht wesentlich mehr auf die persönlichen Gefühle der Charaktere ein anstatt neue Organisationen oder Super-Bösewichte einzuführen, die die Welt beherrschen wollen. Silva war ein Bösewicht, der einen relativ realistischen Plan hatte und diesen auch umsetzen konnte.

Zu kurz kommen auch hier die Bond-Girls, bzw. das Bond-Girl sofern man Naomie Harris als Eve Moneypenny nicht mitzählt. Das "echte" Bond-Girl in Skyfall ist Bérénice Marlohe die Severine spielt. Bond darf auch einmal mit ihr spielen bis Silva ihr dann relativ schnell, überraschend schnörkellos bei einem geschmacklosen Spiel in den Kopf schießt. So setzt Skyfall auch hier ein Novum, wie schnell man sich eines Bond-Girls entledigen kann.

Leider ist, trotz meiner Begeisterung Skyfall gegenüber, der Film mindestens 20 Minuten zu lang geraten. Besonders die Szenen in Großbritannien ziehen sich gegen Ende ein wenig. Bond Nummer 24 sollte der Überlänge treu bleiben.


Spectre - Inklusive Analyse (2015)

Laut Reaktionen von Kritikern und Fans ist Spectre der schlechteste Bond seit Moonraker. Viele Leute waren nach ihrem Kinobesuch regelrecht erzürnt und bis heute werden im Forum der IMDb noch Hasstiraden auf den Film verfasst. Genau wie "Ein Quantum Trost" ist Spectre weit davon entfernt, der schlechteste Bond zu sein. Es ist allerdings auch sicherlich nicht der beste. Dafür sind jedoch mehrere Gründe verantwortlich.

Bereits der erste Wunsch vieler Zuschauer erfüllte sich nicht, Christopher Nolan auf dem Regiestuhl. Nachdem es ein kleines Hickhack gab, wer denn nun der Regisseur für Bond Nr. 24 werden sollte, kündigte man überraschend Mendes an, der nach Skyfall noch einmal die Regie übernehmen durfte. So begeistert viele von Skyfall auch waren, so nahmen die Neuigkeit eine menge Leute eher skeptisch auf, dass der gleiche Regisseur ein zweites mal ran darf (aus diesen Gründen bin ich sehr dankbar, das man diese Abnutzungserscheinungen mit der neuen Star Wars Trilogie vermeiden wird). Auch Neil Purvis und Robert Wade durften als Autoren wieder mit dabei sein. Gleiches Team, gleiche Erfolgsgeschichte? Nicht ganz. Spectre leidet teilweise an einer völlig zusammenhangslosen, verworrenen Geschichte, die sich größtenteils anfühlt, als wurde sie kurz vor Drehbeginn noch 5 mal umgeschrieben.

Die Geschichte von Spectre beginnt in Mexiko während des Fests der Toten. Ein wenig erinnert diese an de furiosen Einstieg in "Ein Quantum Trost". Bond nietet alles und jeden um der ihm in die Quere kommt. Die Zielscheibe ist jedoch auf Marco Sciarra gerichtet, der Mitglied einer mysteriösen Vereinigung sein soll.Wie wir Bond kennen und lieben bringt er Sciarra jedoch während der Verfolgung um (genau gesagt stößt er ihn aus einem fliegenden Helikopter und danach "Das Fest der Toten" eine ganz besondere Bedeutung erhält). Glücklicherweise erhält Bond einen essentiell wichtigen Gegenstand der ihn quasi zur Organisation führt, die in Rom ein geheimes Meeting abhält. Bond wendet sich ab von M, beginnt wieder mit der Geheimniskrämerei und verlangt von Moneypenny (die mittlerweile vergeben ist, ein weiteres Novum also) ein wenig hier und da zu schnüffeln und weiht sie gleichzeitig in seine Pläne ein. Bond schaltet in seiner spartanisch eingerichteten Wohnung den Fernseher ein und zeigt Moneypenny, wer Bond den Auftrag gab, in Mexiko Amok zu laufen. Niemand geringeres als Bonds verstorbene Mentorin M steckt dahinter (noch immer gespielt von Judy Dench, allerdings mit neuer deutscher Synchronstimme). Einzelheiten über das mysteriöse Video gibt es nicht, ebenfalls die Beweggründe und woher M diese Informationen hat, werden nicht weiter erleuchtet. All die Hinweise führen Bond näher zu einer Geheimorganisation namens Spectre, die der wahre Drahtzieher hinter Quantum sind und die von einem Mann namens Franz Oberhauser (gespielt von Christoph Waltz, der hier seine Rolle als Hans Landa aus Inglourious Basterds fortführt) angeführt wird.

Und dann folgt das Familiendrama Deluxe. Bond erkennt Oberhauser und traut seinen Augen nicht. Dieser Mann müsste tot sein, genau wie dessen Vater, begraben von einer Lawine. Hinter all dem Leid, was Bond die vergangenen knapp 10 Jahre widerfahren ist, steckte niemand geringeres als sein eigener Stiefbruder, der zufälligerweise eine der mächtigsten terroristischen Untergrundorganisationen der Welt anführt und George Orwells 1984 Dystopie in die Tat umsetzen will. Für Bond beginnt eine Tour de Force um den halben Globus, um Oberhauser endlich in die Finger zu kriegen. Nebenbei schließt Bond noch Freundschaft mit dem geächteten Mr. White, ausgestoßen aus Spectre und Bonds Erzfeind der vergangenen 3 Filme, der ihm anschließend mitteilt, er solle auf seine Tochter Madeleine aufpassen (gespielt von der goldigen Léa Seydoux).

Es kam natürlich, wie es kommen musste. Wir befinden uns noch immer in der Reboot-Welt und der Filmtitel gab schon eigentlich alles Preis, was man wissen musste. Christoph Waltz verneinte es im Vorfeld relativ häufig bis es im Film dann die eher wenig beeindruckende Enthüllung gab: Franz Oberhauser ist niemand geringeres als Ernst Stavro Blofeld. Nicht einmal die IMDb macht daraus mehr ein Geheimnis, wenn man sich den Cast dort anschaut. Vermutlich die wohl offensichtlichste Enthüllung seit "Khan" in "Star Trek Into Darkness".

Liest man sich die Story einmal auf dem Papier durch, könnte man bei all den Absurditäten glauben, man ließt die Geschichte zu einer Parodie. Beinahe alles, was man sich die vergangenen Filme über aufgebaut hat, hat man relativ mühelos in Trümmer geworfen. Die Intention hinter Spectre wird aber dennoch deutlich. Aufgrund der Tatsache, dass man in Skyfall "Ein Quantum Trost" beinahe komplett ignoriert hat, sind große Lücken in der zusammenhängenden Geschichte entstanden. Es gab ungeklärte Fragen bezüglich Quantum und wer der Drahtzieher dieser Organisation war, inwieweit Greene in die Geschichte verwickelt war und welche Rolle nun der ständig präsente und doch so mysteriöse Mr. White in der Geschichte einnahm. Eine komplette Storyline, die man nun in einen Film quetschen musste. Man machte sich sogar die Mühe, neben Le Chiffre und Greene auch noch Silva als Mitglied von Spectre zu entlarven. Doch auch die Geschichte von Mr. White wird noch zu einem Ende geführt. White entpuppt sich als einer der wahren Hintermänner von Quantum und vermutlich sogar die rechte Hand von Oberhauser aka Blofeld. In Spectre findet Bond White als gebrochenen, todkranken Mann in einer einsamen Hütte in Österreich vor. Es gab eine "Meinungsverschiedenheit" (mit anderen Worten, White wollte sich nicht an Morden von Frauen und Kindern beteiligen) zwischen ihm und Blofeld und White wurde nicht nur aus der Organisation verbannt, er wurde nachträglich auch noch mit Thallium vergiftet und rottet nun langsam vor sich dahin. Das, was die ganze Sache rund um White jedoch so unglaubwürdig macht ist sein Sinneswandel, der wenig glaubhaft dargestellt wird. Und auf einmal wird aus dem Nichts noch Whites Tochter ins Spiel gebracht, die zufällig das neue Bond-Girl und für Bond selbst die perfekte, fehlerlose Verkörperung von Vesper Lynd wird. Hab ich wen vergessen? Ach, genau! Monica Bellucci ist nicht nur das älteste Bond-Girl, welches jemals von Bond verführt wurde, sondern gleichzeitig auch noch das überflüssigste. Circa 10 Minuten Screentime wurden ihr vergönnt. Monica Bellucci stand schon einmal in "Der Morgen stirbt nie" zur Auswahl, wurde dann aber durch Teri Hatcher ersetzt, das zweit überflüssigste Bond-Girl des Franchise. Der Kreis schließt sich.

Aber ich drifte ab. Letztendlich kommt es zwischen Bond und Blofeld zum ersten Showdown in einer Geheimbasis von Spectre. Blofeld weiht Bond und Madeleine in seine Welt und Machenschaften ein, anschließend foltert er Bond vor den Augen von Madeleine, will ihm mit seinem Hirnbohrer (oh ja, ein klassischer Blofeld) alles an Erinnerungen nehmen, die jemals relevant für ihn waren (also die Frauen) und ihn dann anschließend töten. Der allgemeine Tenor unter den Fans ist oftmals, Franz Oberhauser, Bonds Stiefbruder, hätte seinen Vater damals aufgrund kindlicher Komplexe getötet, weil Vati den Ziehsohn bevorzugt hat, diese Theorie wäre aber viel zu einfach. Oberhauser/Blofeld ist nicht mehr und nicht weniger als ein nach Macht strebender Terrorist. Bonds Leben zu ruinieren und ihn anschließend zu töten ist für ihn eher die Zugabe. Blofelds Machenschaften werden aus niederen Beweggründen ausgeführt, Familie bzw. persönliche Rache spielen hier eine zweitrangige Rolle.


(Madeleine muss zuschauen, wie Blofeld seinen Hirnbohrer an Bond ausprobiert) 


Anschließend geschehen seltsame Dinge während Blofelds Folterstündchen. Auf einmal wird es regelrecht surreal und noch einmal eine ganze Spur absurder, als die Reise zu Blofeld an sich schon war. Ein Kolumnist von Entertainment Weekly beschreibt besonders die letzten 30 Minuten von Spectre als eine art Fiebertraum von Bond, der sich lediglich in seinem Verstand abspielt und in der Realität noch von Blofeld zu Tode gefoltert wird. Madeleine tritt vor Bond und erinnert sich ohne weitere Probleme an sie. Auf einmal findet auch noch Bonds Uhr der Marke Omega ihren Verwendungszweck, die sich als Sprengstoff entpuppt, sie Madeleine unterjubelt und die sie anschließend Blofeld vors Gesicht schmettert und explodiert. Blofeld, in Panik, drückt den Knopf zur Selbstzerstörung der Geheimbasis (ah, ein klassischer Blofeld) und wie durch ein Wunder entkommen Bond und sein Mädchen. Dies alles geschah, nachdem Madeleine dem gezeichneten Bond auf dem Folterstuhl noch einmal ihre Liebe gestand. Auch wenn ich die (nie so ganz ernst gemeinte) Theorie von Entertainment Weekly nicht unterstütze (immerhin ist diese Theorie des sterbenden Hauptcharakters und seinem Fiebertraum bereits Final Fantasy VIII vorbehalten), so halte ich es für naiv, nicht zu glauben, Bond könnte von Blofelds Hirnbohrer keinen nachträglichen Schaden erlitten haben. In Ian Flemings Roman "Man lebt nur zweimal" ist Blofelds Gehirnwäsche erfolgreich und Bond endet temporär als ahnungsloser Fischermann in Japan, der sein gesamtes Leben als MI6 00 Agent vergessen hat.

Sobald Bond in London angekommen ist, läuft auch alles wie am Schnürchen. Der finale Showdown findet im zerbombten, ehemaligen Hauptquartier des MI6 statt und Bond wird noch einmal mit seiner Vergangenheit konfrontiert und den Menschen, die Bond die Frauen nahmen, die er so sehr liebte. In diesem, wie schon erwähnt, surrealem zweiten Showdown trifft Bond dann auch Blofeld, beide getrennt von einer Wand aus Panzerglas. Blofeld ist durch die Detonation der Uhr in der nähe seines Gesichts grässlich entstellt. Seine optische Erscheinung soll eine Hommage an Donald Pleasence Interpretation von Blofeld in der Filmadaption zu "Man lebt nur zweimal" (hat nichts mit dem Roman zu tun) sein. Vielmehr dürfte seine Erscheinung aber an Le Chiffre aus Casino Royale erinnern.

Blofeld droht Bond, Blofeld hat Madeleine in seiner Gewalt, will das ehemalige MI6 Hauptquartier sprengen und gibt Bond die Wahl, sich für das Mädchen oder seine eigenes Leben zu entscheiden. Bond entscheidet sich für beides, rettet das Mädchen, entkommt dem einstürzenden Gebäude und flieht. Blofeld flieht per Helikopter. Per Jet-Ski verfolgt Bond Blofelds Helikopter und schießt diesen mit einer einfachen Automatik-Handfeuerwaffe vom Himmel. Blofeld überlebt den Absturz als einziger und auf der Westminster Bridge begegnen sich die ungleichen Brüder noch einmal und wo sich der Kreis schließt. Es endet eine Mission, die ihren Anfang in Casino Royale fand. Bond entscheidet sich letztendlich für ein ehrbares Leben, verschont Blofeld und entscheidet sich zusätzlich für Madeleine. In einer finalen Sequenz sieht man die beiden, wie sie London hinter sich lassen.

Spectre zu beschreiben ist tatsächlich ein schweres Unterfangen. Leider baut der Film zu sehr auf Zufälle auf. Angefangen mit der mysteriösen Botschaft der verstorbenen M, die alles ins Rollen bringt und als MacGuffin im Film fungiert. Bond wird in Spectre auf Händen zu seinem Ziel getragen. Sieht man einmal von den harten Schlägen von Hinx (Dave Bautista) ab, der mir überraschend gut gefallen hat. Ein klassischer, schweigsamer, von der Stärke her nahezu übermenschlicher Mini-Boss, den Bond überwinden muss, um zu seinem Hauptziel zu gelangen. Abgesehen von Hinx verläuft Bonds Reise aber nahezu perfekt. Filmisch bietet Spectre aber zumindest für die Augen einiges. Exotische Kulissen, wunderschön gefilmt von Hoyte van Hoytema (Interstellar), gut inszenierte Actionszenen inklusive eines klassischen Kampfes in einem fahrenden Zug und ein ansehnliches Bond-Girl, was sich nicht bereits nach 20 Minuten ins Jenseits verabschiedet. Es gibt all den Bond-Kitsch, den wir so gerne mögen und einen stimmigen Soundtrack. Mendes und sein Team waren jedoch unweigerlich Gefangen in einem Story-Wirrwarr, welches spätestens gegen Ende kaum noch Sinn ergab. Der Drang, alle Filme miteinander zu verknüpfen, war anscheinend zu gewaltig. Und genau diese Verknüpfung wirkte leider relativ häufig aufgezwungen und wenig glaubhaft.

Nun aber zur Nebenhandlung rund um M, C, Q und die Abschaffung der 00 Agenten und dem geheimen Auftritt von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman..... Ach, interessiert doch keinen Mensch!

Trotzdem glaube ich nicht, dass dies die alleinigen Gründe waren, wieso Spectre bei den Kritikern und Fans durchgefallen ist. Wie jeder Bond, so ist auch Spectre ein Opfer des aktuellen Zeitgeistes geworden. Jede Bond-Ära spiegelt die aktuellen Geschehnisse in der Welt wieder. Brosnans Filme kränkelten an Klischees aus der Zeit nach dem kalten Krieg. Spectre spielt in der Ära von WikiLeaks und Co.
Die Leute waren der Thematik müde, vermutlich einer Story müde, die 2006 ihren Anfang nahm und vermutlich waren sie auch müde von Daniel Craig. Und Daniel Craig war einfach allem überdrüssig. So ist der Lauf einer Bond-Ära. Mit einem Budget von anscheinend 250 Millionen Dollar (weltweit wurde knapp 1 Milliarde jedoch wieder eingespielt) war Spectre die bislang kostspieligste Mission von Bond,

Spectre hat eine menge falsch gemacht und mich dennoch unterhaltsam zurückgelassen. Ich sehe daher die Geschichte um Craigs Bond, so kurios es klingen mag, für beendet.


Ein Fazit

Wie man es auch dreht und wendet was "Ein Quantum Trost" und "Spectre" angeht, Craigs Bond-Ära kann als Mission Accomplished angesehen werden. Die Idee hinter dem Reboot/Prequel macht zu viel richtig, um die Filme abzustrafen. Letztendlich sind es 007 Filme, gemacht, um zu unterhalten. Zwar wäre bei Spectre sicherlich wesentlich mehr drin gewesen (besonders, wenn man sich für einen neuen Regisseur und neue Autoren entschieden hätte), aber wir müssen den Film als die teilweise skurrile Angelegenheit nehmen, die sie ist. Meiner Meinung nach macht dies den gesamten Film sogar noch wesentlich unterhaltsamer, auch wenn man nichts zu sehr schönreden sollte.

Es wird sicherlich interessant sein, welche neuen Wege das Franchise nun gehen wird und ob man auf das sich neu aufgebaute Universum weiter setzen wird. Nun wieder alles wegzuwerfen, wäre eine Verschwendung und würde einen mehr als faden Beigeschmack hinterlassen. Jedoch müssen auch wieder Änderungen her, die sich von diesen vier Filmen erheblich absetzen.



Für alle, die sich durch diesen gewaltigen Text gelesen haben und nicht eingeschlafen sind und vielleicht sogar ganz gut unterhalten wurden, habt dank. 

Für alle, die zu faul zum lesen sind wartet wie immer ein rund  fünfstündiger Podcast auf meinem YouTube Channel auf euch wo wir dann gemeinsam den hier geschriebenen Content besprechen können und ihr mich anschließend bei Patreon unterstützen könnt, damit ich weiterhin solch hochwertigen Content abliefern kann. Alle Unterstützer bei Patreon werden namentlich am Ende des Podcasts genannt.


P.S.

Der letzte Absatz war sowas von gelogen.


Gehabt euch wohl und einen schönen Start in die neue Woche wünscht,
Aufziehvogel

Freitag, 3. Juli 2015

[Retrospektive] Hellraiser: 1986 - 2015

(Zum Start der deutschen Ausgabe von "The Scarlet Gospels (dt. Das Scharlachrote Evangelium)": Eine Zeitreise durch das Hellraiser Universum)


Es ist beinahe 15 Jahre her, als ich zum ersten mal Hellraiser im Free-TV sah. Selbstverständlich in einer gekürzten Fassung, dies wäre durch die damalige Indizierung des Filmes auch gar nicht anders möglich gewesen. Gleich mal eine interessante Trivia meinerseits: Ich habe bis heute nie die ungekürzte Fassung des Filmes gesehen, trotz der (mittlerweile) Listenstreichung vom Index. Aber ich spüre, dieses Erlebnis schon bald nachholen zu können.

Fasziniert wie ein junger Filmfan nur sein konnte, befand sich im Freundeskreis noch ein weiterer Bewunderer (seinerzeit schon über 18 und damit war das Portal der nicht jugendfreien Filme geöffnet) der Reihe. Somit war für Nachschub gesorgt.

Doch womit begann alles? Diese bizarren Horrorfilme rund um die Puzzlebox eines französischen Spielzeugmachers. Viele dürften es mittlerweile mitbekommen haben, der damals junge britische Künstler (er  istja viel mehr als ein Schriftsteller) Clive Barker zeichnete sich für diesen Horror verantwortlich. Der Film wurde jedoch adaptiert und ist, grob genommen, kein originales Werk. Allerdings darf man dies hier nicht zu eng sehen. Wer jedoch nach einem Buch namens "Hellraiser" sucht wird nicht fündig werden. Der Film basiert auf Barkers Novelle "The Hellbound Heart". Und genau damit beginnt diese kleine Retrospektive, die sich samt mit den Höhepunkten, dem Tiefpunkt und dem Neubeginn des Franchise befassen wird.

Hinweis: Comics oder Kurzfilme finden in dieser Retrospektive keine Erwähnung.
Die kurzen Kommentare zur Qualität der hier aufgezählten Werke sind rein subjektiv und spiegeln ausschließlich meine eigene Meinung wider.



1986: The Hellbound Heart (Novelle, Autor: Clive Barker)



Veröffentlicht in der dritten Ausgabe von Dark Harvest's Night Visions (u.a. herausgegeben von George R.R. Martin), wurde Clive Barkers Horror-Novelle abgedruckt. Im Fokus der Haupthandlung stand der Hedonist Frank Cotton der in Düsseldorf in den Besitz eines seltsamen Zauberwürfels gelangt ist. Was der skrupellose Frank noch nicht ahnt: Statt neuen und aufregenden sexuellen Erfahrungen setzt dieser Würfel wahrlich die Dämonen der Hölle frei. Der erste Auftritt der Zenobiten ist bereits in der kurzen Novelle ein Highlight und Barkers Inspiration für einen großen Kinofilm: Hellraiser.



1987: Hellraiser ( Story und Regie: Clive Barker)



Nicht ganz 1 Jahr nach der Veröffentlichung von "The Hellbound Heart" drehte Clive Barker die Verfilmung zu seiner eigenen Novelle. Mit einem Budget von rund 1 Million Dollar ein anständiges Budget für eine britische Produktion und einen damals noch immer unbekannten Regisseur. Was Barker jedoch kreierte war eine Revolution des Horrorgenre. Die 70er boomten von Exploitation-Horrorfilmen, nutzen sich aber auch in den Jahren nach ihrer Blütezeit ziemlich ab. Wes Craven machte es 1984 mit "A Nightmare on Elm Street" bereits vor in dem er dem etwas in die Jahre gekommenem Genre neue Frische verlieh. Cliver Barkers "Hellraiser" setzte noch einmal eine ganzen Portion Wahnsinn drauf. Während Freddy Krüger immer einen lockeren Spruch parat hatte, war Clive Barkers Pinhead und seine Horde an Zenobiten das komplette Gegenteil zu Wes Cravens Schöpfung. Barkers Story wandelt zwischen Horror und sehr düsterem Fantasy. Überzeugende Darsteller, ein gutes Script und bis heute exzellente und bizarre, handgemachte Effekte haben "Hellraiser" zu einem Klassiker des Horrorgenre gemacht. Ein Remake des Filmes wurde von Barker vor Jahren bereits angedeutet.


1988: Hellbound: Hellraiser II (Story: Clive Barker, Regie: Tony Randel)



Für viele Fans die vermutlich beste der insgesamt 8 Fortsetzungen. "Hellbound" setzt die Geschichte des ersten Teiles fort und etabliert die gruseligen Zenobiten. Natürlich ist der Zuschauer mittlerweile mit dem Stil des Vorgängers vertraut und somit bleibt ein "Aha-Effekt" aus, als Fortsetzung zu einem erfolgreichen Horrorfilm macht "Hellraiser II" aber einfach alles richtig. Besonders bei den handgemachten, teils sehr ekligen Effekten konnte man noch einmal mehr überzeugen als im Vorgänger. Im wahrsten Sinne der Worte ist die Hölle in "Hellraiser II" los. Der Film stellt vor allem dank enger Mitarbeit Barkers eine der wenigen gelungenen Ausnahmen dar, was Fortsetzungen in diesem Genre angeht. Ich selbst habe im vergangenem Jahr "Hellraiser II" auf Platz 5 der schönsten Filme zum Weltuntergang gewählt.


1992: Hellraiser III: Hell on Earth (Story: Peter Adkins, Tony Randel, Regie: Anthony Hickox)



Hellraiser verschwand für einige Jahre von der Kinoleinwand. 1992 kehrte Doug Bradley in seiner ikonischen Rolle als Pinhead jedoch zurück. Clive Barker zog sich endgültig aktiv als Regisseur bzw. Autor für das Franchise zurück. Als Executive Producer gab er Ideen aber grünes Licht und hatte auch insgesamt noch einen guten Überblick darüber, wie es mit dem Projekt voran anging. Barkers ursprüngliche Idee war es, einen größeren Fokus auf Pinhead zu legen. Dies sollte auch so geschehen, Adkins und Randel entschieden sich aber für eine andere Varianteder Story. Dennoch blieb Pinhead bzw. der Mensch, der er einmal war, das große Thema des Filmes. Der Fokus des Filmes ist klar auf Unterhaltung gelegt und er lässt ein wenig die alptraumhaften Szenarien der Vorgänger vermissen. "Hellraiser III" ist aber noch immer ein grundsolider Horrorfilm mit einigen netten Splattereinlagen. Als Abschluss für eine Trilogie wäre "Hellraiser III" jedoch eher ungeeignet gewesen.


1996: Hellraiser IV: Bloodline (Story: Peter Atkins, Regie: Kevin Yagher, Joe Chappelle)



In vielerlei Hinsicht ist "Hellraiser IV: Bloodline" ein Schlüsselfilm des gesamten Franchise. "Bloodline" sollte der letzte Film der Chronologie werden und gleichzeitig Clive Barkers Abschied aus der Produktion der Filme. Da jedoch kein weiterer Film erscheinen sollte, wäre dies auch nicht weiter problematisch gewesen. Allerdings sollte es anders kommen. Denn "Bloodline" war, unschwer zu erkennen, nicht der finale Part des Franchise. Gleichzeitig war "Bloodline" jedoch der letzte Hellraiser Film, der eine Kinoleinwand schmückte.
Das Konzept des Filmes war lange vorher geplant. Die Saga rund um Pinhead sollte mit einem vierten Teil enden. Gleichzeitig sollte "Hellraiser IV" sowohl als Prequel und Sequel fungieren und auch die Hintergründe um Philip LeMarchand lüften, dem Erbauer der dämonischen Puzzlebox. Auf dem Papier sah das ganz gut aus, jedoch sollte bei der Produktion einiges anders laufen. Während der Film gedreht wurde, wurde das Script geändert. Kritisiert wurde Pinheads geringe Screentime und die Angst davor, Zuschauer zu verlieren wenn die ikonische Filmfigur nicht omnipräsent wäre. Regisseur Kevin Yagher hatte relativ schnell genug von Dimensions Zickereien und verließ das Set und damit den Posten als Regisseur. Übernommen hatte Joe Chappelle, der aber ebenfalls mit den Änderungen so unzufrieden war, und, genau wie Yager, im Abspann nicht namentlich genannt werden wollte. Es verlief dann alles genau so, wie es die Produzenten bei Dimension/Miramax haben wollten. Keine gute Basis, einen Film zu drehen und ihre Entscheidungen sollten immer etwas weiter zum Tiefpunkt des gesamten Franchise führen. Insgesamt war "Hellraiser IV" aber, obwohl bei den Fans nicht sonderlich beliebt, eine wesentlich reifere (von den unplatzierten Science-Fiction Szenen mal abgesehen) und bessere Fortsetzung als "Hellraiser III". Kaum auszudenken, wie gut der Film geworden wäre, hätten die Regisseure das ursprüngliche Drehbuch nach ihrem Willen verfilmen dürfen.


2000: Hellraiser V: Inferno (Story: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson, Regie: Scott Derrickson)


Die Gebrüder Weinstein sahen den Fokus des Hellraiser Franchise nicht mehr auf der großen Leinwand, sondern in den Videotheken. Das Budget wurde runtergeschraubt, es wurden bereits vorgefertigte Stories eingekauft die nichts mit dem Hellraiser Universum zu tun hatten (die Hellraiser Figuren wurden dann während des Drehbuchs nachträglich eingefügt) und schon war der Grundstein für insgesamt 5 Videoproduktionen gelegt. Hellraiser Inferno ist eine davon. Und dennoch gehört Inferno mit zu den besten Fortsetzungen des Franchise. Längst nicht mehr so bizarr und abgedreht wie die Vorgänger, dafür legte der Film aber wert auf Spannung und einigen sehr surrealen Effekten. Die Geschichte um den korrupten Cop Thorne war ein kompletter Neuanfang außerhalb der Pinhead-Saga, auch wenn dieser noch seinen Auftritt im Film haben sollte. Fortan sollten die Zenobiten aber eine etwas passivere Rolle einnehmen.


2002: Hellraiser VI: Hellseeker (Story: Michael Leahy, Rob Schmidt, Regie: Rick Bota)



Bei den professionellen Kritiken kam "Hellseeker" nicht gut an. Unter den Fans rankt sich Hellseeker aber heimlich unter den Favoriten der vielen Fortsetzungen. Und diesen Ruf hält der Film gar nicht mal zu unrecht inne. "Hellraiser VI" (wenn auch offiziell mittlerweile ohne Nummerierungen) schaltet genau wie Inferno ein paar Gänge zurück und setzt eher auf psychologischen Horror. Eine Besonderheit an dem Film: Ashley Laurence, Protagonistin aus den ersten beiden Teilen nimmt ihre Rolle als Kirsty Cotton wieder auf (mittlerweile verheiratet). Auch in "Hellraiser VI" nehmen die Zenobiten wieder eine wesentlich passivere Rolle ein. Doug Bradley überzeugt erneut in seiner Rolle als Pinhead, der hier mehr die Rolle des Beobachters spielt. Ebenfalls noch erwähnenswert: Während Clive Barker zwar mit "Bloodline" seinen Abschied verkündete, war er aber bei "Hellraiser VI" aber wieder minimal involviert. Hellseeker sollte jedoch der endgültige Ausstieg von Barker sein. Und was danach folgte, ist wahrlich ein Ritt in die tiefsten Höllen.


2005: Hellraiser VII: Deader (Story: Neil Marshall Stevens, Tim Day, Regie: Rick Bota)



Rick Bota durfte erneut als Regisseur ran. Viel vom wirklich gelungenen sechsten Teil ist aber nicht übrig geblieben. Allmählich machte sich ein schaler Beigeschmack breit und "Hellraiser VII: Deader" wurde praktisch nur noch vom bekannten Namen des Franchise und Doug Bradly getragen, der einmal mehr als Pinhead auftrat und den Zuschauer ein wenig entschädigen konnte. Die Idee hinter "Deader", hinter dem Titel sich ein bizarrer Ritualmord-Kult verbirgt, hatte Potential. Die Aufmachung des Filmes wirkt jedoch billig (was auch daran liegen dürfte, dass das Osteuropa Setting wie immer dafür sorgte), die Schauspieler waren nie austauschbarer und das gesamte Konzept wollte nicht so richtig aufgehen. Es gibt tatsächlich weitaus schlechtere Fortsetzungen im Horrorgenre, die Abnutzungserscheinungen bei "Hellraiser VII" sind aber unschwer zu erkennen.


2005: Hellraiser VIII: Hellworld (Story, Carl V. Dupré, Regie: Rick Bota)


Rick Bota zum dritten. Das interessante an Botas Filmen ist, kontinuierlich haben sie an Qualität verloren. Bislang vermisste man aber trotz der vielen Fortsetzungen aber noch den ersten richtigen Rohrkrepierer. Zu finden ist dieser in Hellworld, dem zweiten Hellraiser Film der im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Zwar versucht einem das grauenhaft schlechte Cover hier einen futuristischen Hellraiser zu verkaufen, dem ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Auch wenn die Quelle des Übels diesmal ein Online-Spiel ist, gab es keinen Cyberpunk Overkill. Stattdessen ist das Nokia 3310 in diesem Film anscheinend der Höhepunkt der mobilen Kommunikation. Trotz namhafter Besetzung bleibt "Hellworld" ein schlechter Film. Ein schlechter Hellraiser und ein schlechter Horrorfilm. Da können weder Lance Henriksen noch Doug Bradley etwas ausrichten (sehr kurios: Henriksen sollte ursprünglich Frank Cotton im ersten Hellraiser spielen, der jedoch damals für eine andere Rolle absagte). Erneut merkt man, die Hellraiser-Mythologie wurde ohne Sinn und Verstand wahllos in eine bereits längst vorgefertigte Geschichte gepresst. Das Gesamtergebnis geht nicht auf. Die Darsteller nerven, die Dialoge sind banal und auch die Auflösung ist vorhersehbar. Was halbwegs positiv zurückbleibt sind die teils gelungenen Effekte, von denen es jedoch viel zu wenige gibt.


2011: Hellraiser IX: Revelations (Story: Gary J. Tunnicliffe, Regie: Victor Garcia)



Nach dem Flop um "Hellword" wurde es ruhig um Hellraiser. Und es scheint, als hätte Rechteinhaber Dimension die Reihe vergessen, denn die Verträge für das Franchise liefen aus. Ein Schnellschuss musste her und unter dem Label "Dimension Extreme" wurde dieses Machwerk kreiert, welches die Zenobiten persönlich angefertigt haben mussten, um die irdischen Bewohner der Erde zu geißeln.
"Hellraiser IX: Revelations" ist ein heimtückischer Film, denn man könnte auf den Gedanken kommen, hier handle es sich um das lang ersehnte Remake. Denn ungefähr so wurde der Film damals promotet. Die Wahrheit sieht aber wesentlich düsterer aus. Der Film musste innerhalb weniger Wochen produziert werden, bevor Dimension (die Weinsteins) die Lizenz am Franchise verlieren würden. Pinhead Darsteller Doug Bradly war nicht nur über die Eile verwundert, sondern auch über das zusammengeschusterte Script. Es kam also, wie es irgendwann kommen musste: Doug Bradly würde nicht erneut als Pinhead zu sehen sein. Das Script war allerdings schon fertig geschrieben und Pinhead spielte wieder einmal eine eher passive, aber nicht unbedingt kleine Rolle. Man brauchte einen neuen Schauspieler und hätte keine unpassendere Wahl als den wenig charismatischen Stephan Smith Collins finden können. Mit nur 75 Minuten ist "Revelations" auch gleichzeitige der kürzeste Film der gesamten Reihe. Der Low-Budget Charakter ist dem Film stets anzusehen und vom Stil her erinnert Revelations sogar an Werke von Olaf Ittenbach. Aber das wäre sogar noch eine Beleidigung Ittenbach gegenüber. Die grauenhaften Darsteller runden diese furchtbare schlechte Videoproduktion letztendlich ab. Clive Barker bestritt unter Worten, die ich hier nicht wiedergeben möchte, über seinen offiziellen Twitter-Account jegliche Mitarbeit an diesen Hellraiser Ableger. Falls es überhaupt etwas positives an dieser Gurke hervorzuheben gibt so ist es der Fakt, es ist der erste Hellraiser Film seit "Bloodline" der auf einem eigens für den Film verfassten Script basiert (was sich jedoch als Boomerang erwiesen hat) und einige erwähnenswerte Effekte im Finale. Nichts jedoch bewahrte diesen Schund vor seinem absoluten Untergang. "Hellraiser IX" ist wohl am besten damit bedient, von allen Beteiligten totgeschwiegen zu werden.


2015: The Scarlet Gospels (Roman, Autor: Clive Barker)

(Cover von links nach rechts: US, UK, DE)


Meine Retrospektive zu Hellraiser begann mit einer Novelle und enden tut sie mit einem Roman. Es begann mit Clive Barker und aktuell endet es auch mit ihm. Bereits in den 90ern von Clive Barker angekündigt, mussten Fans viele Jahre auf diesen Roman warten. "The Scarlet Gospels" ist dabei aber keine direkte Fortsetzung zu "The Hellbound Heart". Das Werk ist etwas anders gestaltet. Es ist viel mehr eine Neuinterpretation der Mythologie. Und so begegnen sich in diesem Buch zwei der bekanntesten Figuren aus Clive Barkers Feder: Pinhead aus Hellraiser (im Buch benannt als der Höllen Priester) und Okkult-Detektiv Harry D'Amour, der durch Barkers Blutbücher bekannt wurde. Und obwohl hier zwei Welten miteinander verschmelzen, so ist es dennoch zu 100% Barkers Rückkehr in die dämonische Welt der Zenobiten. Es war Zeit für einen Neuanfang. Auch wenn "The Scarlet Gospels" vermutlich über die Jahre häufig von Barker umgeändert wurde (das Original-Manuskript besaß vor einigen Jahren noch rund 2000 Seiten). Ob "The Scarlet Gospels" wie damals "The Hellbound Heart" auch als Basis für einen neuen Hellraiser Film dienen wird, bleibt weiterhin ungewiss. Alleine aber die Existenz dieses Romans dürfte Fans von Barkers Werk aber ungemein beschwichtigt haben, die besonders durch die letzten beiden Filme eigentlich schon den Glauben verloren haben dürften, der Altmeister könne jemals wieder einen Roman in seinem wohl bekanntestem Universum verfassen.

In den USA erschien "The Scarlet Gospels" bereits im Mai dieses Jahres. Seit dem 25. Juni ist die deutsche Ausgabe unter dem Titel "Das Scharlachrote Evangelium" (eine wortgetreue deutsche Übersetzung des englischen Titels) beim Festa Verlag erhältlich, bei dem Barkers Werke endlich mal die gebürtigen Wertschätzungen im deutschsprachigem Raum erhalten, die sie verdient haben.