Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film
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Donnerstag, 22. März 2018
Aufziehvogel's Geschichtsstunde: Als Hellraiser amerikanisch wurde
In einer Retrospektive aus dem Jahr 2015 setzte ich mich schon einmal mit dem Thema auseinander. Jetzt möchte ich auf das Hellraiser Franchise und seiner turbulenten Historie seit der Übernahme der Produktionsfirma Dimension genauer eingehen.
Hellraiser war zu seiner Veröffentlichung im Jahr 1987 eine erfrischend britische Alternative zu den amerikanischen Slasher-Filmen, dem sogenannten Grindhouse-Kino was seinen Zenit allmählich hinter sich hatte. Hinter dem visionärem Horrorfilm dessen Spezialeffekte bis heute teilweise noch unerreicht sind steckt das britische Multitalent Clive Barker. Barker verfilmte hier seine eigene Novelle "The Hellbound Heart" und setzt diese ziemlich detailgetreu um. Zugeben, Barker dürfte den meisten Fans eher als Autor und weniger als Filmregisseur bekannt sein, so war der erste Hellraiser gleichzeitig auch die letzte Regiearbeit Barkers an dem Franchise. Barker zog sich als Filmemacher zurück und fungierte fortan als Produzent, als immer wachsames Auge und war besonders bei der Fortsetzung für die Geschichte zuständig. Clive Barker selbst hielt dem Franchise lange die Treue, so lange, bis es selbst dazu kam, dass er mit dem gesamten Hellraiser-Universum nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte (seine Beteiligung hielt bis Teil 6).
Teil 1 konnte größtenteils als britische Produktion betrachtet werden (für die Finanzierung der ersten beiden Filme war größtenteils die amerikanische Produktionsfirma New World Pictures zuständig, dies hatte aber keinen großen Einfluss auf die Filme). Man setzte komplett auf eine Riege an britischen Schauspielern, einem britischen Team hinter den Kameras und einer Filmlocation in London. Beiden Filmen haftet die britische art der Filmkunst an. Auf flache Oneliner der Bösewichte wurde verzichtet, die Cenobiten wurden so grausam und skrupellos wie möglich dargestellt. Diese sehr ernste Machart des Films sorgte stets für eine angespannte Atmosphäre, den Zuschauern wurden selten Verschnaufpausen gegeben.
Hellraiser II war eine direkte Fortsetzung des Erstlings und erschien überraschenderweise zuerst ende 1988 in den USA anstelle des Heimatlandes Großbritannien. Obwohl das Script und die Story häufiger umgeschrieben wurden, verlief die Produktion größtenteils reibungslos. Zwar war Hellbound: Hellraiser II noch immer ein Horrorfilm, es schlichen sich aber auch mehr und mehr phantastische Elemente ein, die zusätzlich den Fantasy-Charakter des Films unterstrichen. Musste Clive Barker für den Vorgänger noch Schnitte für die MPAA vornehmen um ein R-Rating zu erhalten, so hat sich Barker bei der Fortsetzung bewusst dazu entschieden, von der MPAA ein X-Rating zu erhalten (diese Freigabe wurde später durch das gefürchtete NC-17 ersetzt). Auch noch heute genießt die Fortsetzung unter Fans ein hohes Ansehen.
Kommen wir nun aber zum Kernthema dieser Geschichtsstunde. Mit Hellraiser III: Hell on Earth begann gleichzeitig auch ein schleichender Niedergang des Hellraiser-Franchise. Hellraiser III war nicht nur der erste Ableger in der Reihe, der komplett in den USA mit amerikanischen Schauspielern gedreht wurde, es war auch die Zeit wo Bob Weinstein mit seiner Produktionsfirma Dimension Interesse an der Marke gefunden hatte. Die Produktion zu Hellraiser III war kompliziert und nach der falschen Vermarktung von 20th. Century Fox zu Barkers Film Nightbreed ging dieser an den amerikanischen Kinokassen unter. Nightbreed war ein Flop und Fox wandte sich von Hellraiser III ab. Es war schwer, einen neuen Geldgeber zu finden. Als Hauptgeldgeber fand sich später Dimension Films, die den Film anschließend unter ihrem Miramax-Label veröffentlichen würden. Zumindest die Regie übernahm hier noch immer ein Brite, Anthony Hickox. Während der Produktion sind zahlreiche Probleme entstanden die wiederum häufig mit Bob Weinstein zusammenhingen, allerdings unterscheiden sich die Aussagen von Hickox und Barker teilweise. Weinstein bestand auf mehr Action, mehr Gewalt und mehr Spezialeffekte. Dies resultierte unter anderem darin, dass Hellraiser III einer der ersten Horrorfilme mit computergenerierten Effekten wurde. Barkers Aussagen nach zu Urteilen fand die Effekte billig und bestand darauf, im Abspann nicht namentlich als Produzent genannt zu werden. Es gab einen Dissens zwischen Barker und Weinstein, beide einigten sich jedoch und Barker wird im Abspann wieder gelistet.
Am Ende ist Hellraiser III, wenn auch mit deutlichem Vorsprung der schwächste Ableger der ersten drei Filme, ein halbwegs solider Film geworden. Schauspielerisch wird der Film alleine von Doug Bradley getragen, der hier erneut die Rolle des Höllenpriester Pinhead übernimmt (tatsächlich der erste Film, wo dieser Name etabliert wurde). Doch alles, was die Vorgänger ausmachte fehlt in diesem Ableger. Der Film ist komplett auf Unterhaltung getrimmt. Es ist ein Film, der die 90er repräsentiert und den typischen Stil etablierte, wofür die Weinsteins heute bekannt sind. Hellraiser III ist gespickt mit fragwürdigen Onelinern, viel Splatter, explodierenden Autos und mehr Pinhead. Mehr Pinhead, mehr Cenobiten. Hellraiser III beweist, wer den Wunsch hat, so kann jeder ein sadomasochistisch veranlagter Cenobit werden. So unterhaltsam der Film ist, so plump ist er am Ende. Eleganter Horror vermischt mit Fantasy-Elementen mussten schneller Action und viel Gekröse weichen. Dimension wusste, es war der nächste Schritt der Reihe, in diese Richtung zu gehen. Zusätzlich war man sich um der Beliebtheit des Charakters Pinhead bewusst und spendierte diesem eine sehr großzügige Screentime.
Hellraiser III erfüllte seinen Soll schließlich und ein abschließender vierter Teil sollte die Höllensaga beenden (Spoiler: Sie haben gelogen). Doch hier bahnte sich gleich das nächste große Debakel an, was nach der Übernahme des Franchise durch Dimension entstanden ist. Bevor ich darauf eingehe, muss aber vorher noch erwähnt werden, dass die sogenannte zweite Trilogie, obwohl nie wieder das Niveau der ersten beiden Filme erreicht wurde, durchaus noch sehenswert ist. Hellraiser IV-VI stufe ich dabei wesentlich stärker ein als Hellraiser III. Den tatsächlichen Tiefpunkt erreichte das Franchise erst wesentlich später.
Fungierte Hellraiser III sowohl als Prequel was den Charakter Pinhead angeht sowie als offizielle Fortsetzung von Hellraiser II, so leitete der Film auch den damals geplanten finalen Akt ein, Hellraiser IV: Bloodline. Mit diesem Film setzte man nicht nur wieder mehr auf Horror, man brachte auch die phantastischen Elemente zurück und wagte sich sogar ins Weltall. So kurios das ganze klingen mag und so unbeliebt der Film bei vielen Zuschauern ist, so funktioniert er einwandfrei. Die Entstehungsgeschichte hingegen war ein regelrechtes Debakel. Dies ging sogar so weit, dass Regisseur Kevin Yagher aus Vor- und Abspann entfernt wurde und fortan als der berüchtigte Alan Smithee bekannt wurde (ein Synonym für Filmemacher, die darauf bestehen, nicht mehr mit der Produktion des Filmes in Verbindung gebracht zu werden). Bereits ein simpler Blick auf den englischsprachigen Wikipedia-Eintrag des Films aus dem Jahr 1996 macht den problematischen Dreh deutlich und liefert eigentlich sämtliche Infos. Miramax bestand drauf, mehrere Szenen aus dem Film zu entfernen, neu zu drehen, Pinhead früher in den Film einzuführen und Hellraiser IV ein unspektakuläres Happy End zu verschaffen. Insgesamt fehlen zum Rough Cut rund 25 Minuten. Aufgrund des Disputs mit Miramax stieg Yagher aus dem Projekt aus und Joe Chappelle übernahm seinen Posten für die restlichen Szenen, die noch gedreht werden mussten. All der Aufwand seitens Miramax lohnte sich jedoch nicht, Hellraiser IV war ein kommerzieller Flop und die Kritiken waren durchweg negativ. In den vergangenen Jahren relativierte sich die Sicht auf Hellraiser IV bei vielen Fans, vermutlich auch weil besonders die letzten Ableger der Reihe den filmischen Tiefpunkt erreicht haben. Zu Hellraiser IV existiert noch ein offizieller Workprint, der in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt hat. Der Workprint stellt einige der verlorenen Szenen wieder her und gibt einen Ausblick darauf, wie die ursprüngliche Vision des Filmes aussah, doch auch der Workprint ist noch weit entfernt von der ursprünglichen Fassung. Hellraiser IV gilt als negatives Beispiel, wie sehr das Eingreifen des Studios in die künstlerische Leitung einen Film beeinträchtigen kann. Auf ähnlich schmalem Grad wandelte auch Disney, als sie gleiches bei dem ersten Star Wars Spin-Off Rogue One in die Wege leiteten, aber das ursprüngliche Team samt Regisseur weiter mit an Bord blieben und somit ein gelungener Film entstanden ist.
Und damit endet die Kinogeschichte von Hellraiser, fortan würde die Saga in den Videotheken weitergehen. Obwohl Teil 4 gleichzeitig auch für die gesamte Serie das Ende bedeuten sollte, so wollte sich Dimension von der Hellraiser-Lizenz nicht trennen. Und eine Zeit lang war das gar nicht mal eine so schlechte Idee. Man lernte aus den Fehlern und setzte auf junge Filmemacher und verringerte die Auftritte von Pinhead, die nun wieder mehr an seine geringe Interaktion aus dem ersten Film erinnerten. Man legte eine knapp 4 jährige Pause ein und mit Hellraiser V: Inferno folgte eine atmosphärische Video-Fortsetzung. Regie führte hier der damals noch recht unbekannte Scott Derrickson (Sinister, Doctor Strange), der ebenfalls fürs Drehbuch verantwortlich war. Der Twist an der Geschichte war, die Story von Inferno war nie als Hellraiser geplant und es kommen im Original Draft auch keine Cenobiten vor. Dimension machte es sich hier sehr einfach und um die Hellraiser Lizenz weiter nutzen zu können, baute man die Story einfach um. Dabei entstanden ist ein atmosphärischer, ziemlich surrealer Mysteryfilm den einige Kritiker mit Filmen wie Jacob's Ladder oder aber dem Videospiel Silent Hill verglichen haben. Hellraiser V: Inferno gilt bis heute als Geheimtipp der Reihe und überzeugt von der Machart als aber auch schauspielerisch.
Dimension ging diesen Weg 2002 mit Hellraiser VI: Hellseeker weiter und wenn auch bei den Kritiken weniger gut angekommen, so zählt der Film bei den Fans als letzter sehenswerter Ableger der Reihe. Was danach folgte, ist kaum noch erwähnenswert. Die Produktionskosten wurden geringer und die Reihe verwandelte sich zu einem generischen Slasher-Franchise, wo nicht einmal die Anwesenheit eines Lance Henriksen noch etwas positives ausrichten konnte.
Bis heute hat Bob Weinstein nicht vor, das Franchise auf die Kinoleinwand zurückzubringen. Doch er hat auch nicht vor, sich von der Lizenz zu trennen. Diese erneuert sich immer wieder, sobald ein neuer Film gedreht wird. Damit man die Lizenz behalten darf, wird so ein Schund wie wie Hellraiser: Revelations produziert. Schlüsselfiguren wie Clive Barker und auch Doug Bradley sind unlängst fort und Clive Barkers Drehbuch für ein Remake des Originals gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Ob nun Barkers neuster Hellraiser-Roman "The Scarlet Gospels" jemals verfilmt wird bleibt ungewiss. Zuletzt hatte Dimension größeres Interesse daran, die Lizenz zu erneuern und veröffentlichte Hellraiser: Judgment. Hier soll laut Kritiker ein gewisser aufsteigender Trend zu erkennen sein, doch bringen die Aussagen einen zum schmunzeln wenn man auf das zurückblickt, was diese Reihe einmal in der Horrorwelt darstellte. Die amerikanischen Rechteinhaber haben keine konkreten Pläne, wie man mit dem Franchise fortfahren soll. Genau so wenig möchte man sich von seinem Spielzeug trennen. Derzeit zählt nur, es zu besitzen. So lange kann man es auf dem Dachboden etwas staub ansetzen lassen. Bald wird die Lizenz wieder erneuert werden müssen und somit sollte die nächste Fortsetzung gesichert sein.
Freitag, 3. Juli 2015
[Retrospektive] Hellraiser: 1986 - 2015
(Zum Start der deutschen Ausgabe von "The Scarlet Gospels (dt. Das Scharlachrote Evangelium)": Eine Zeitreise durch das Hellraiser Universum)
Es ist beinahe 15 Jahre her, als ich zum ersten mal Hellraiser im Free-TV sah. Selbstverständlich in einer gekürzten Fassung, dies wäre durch die damalige Indizierung des Filmes auch gar nicht anders möglich gewesen. Gleich mal eine interessante Trivia meinerseits: Ich habe bis heute nie die ungekürzte Fassung des Filmes gesehen, trotz der (mittlerweile) Listenstreichung vom Index. Aber ich spüre, dieses Erlebnis schon bald nachholen zu können.
Fasziniert wie ein junger Filmfan nur sein konnte, befand sich im Freundeskreis noch ein weiterer Bewunderer (seinerzeit schon über 18 und damit war das Portal der nicht jugendfreien Filme geöffnet) der Reihe. Somit war für Nachschub gesorgt.
Doch womit begann alles? Diese bizarren Horrorfilme rund um die Puzzlebox eines französischen Spielzeugmachers. Viele dürften es mittlerweile mitbekommen haben, der damals junge britische Künstler (er istja viel mehr als ein Schriftsteller) Clive Barker zeichnete sich für diesen Horror verantwortlich. Der Film wurde jedoch adaptiert und ist, grob genommen, kein originales Werk. Allerdings darf man dies hier nicht zu eng sehen. Wer jedoch nach einem Buch namens "Hellraiser" sucht wird nicht fündig werden. Der Film basiert auf Barkers Novelle "The Hellbound Heart". Und genau damit beginnt diese kleine Retrospektive, die sich samt mit den Höhepunkten, dem Tiefpunkt und dem Neubeginn des Franchise befassen wird.
Hinweis: Comics oder Kurzfilme finden in dieser Retrospektive keine Erwähnung.
Die kurzen Kommentare zur Qualität der hier aufgezählten Werke sind rein subjektiv und spiegeln ausschließlich meine eigene Meinung wider.
1986: The Hellbound Heart (Novelle, Autor: Clive Barker)
Veröffentlicht in der dritten Ausgabe von Dark Harvest's Night Visions (u.a. herausgegeben von George R.R. Martin), wurde Clive Barkers Horror-Novelle abgedruckt. Im Fokus der Haupthandlung stand der Hedonist Frank Cotton der in Düsseldorf in den Besitz eines seltsamen Zauberwürfels gelangt ist. Was der skrupellose Frank noch nicht ahnt: Statt neuen und aufregenden sexuellen Erfahrungen setzt dieser Würfel wahrlich die Dämonen der Hölle frei. Der erste Auftritt der Zenobiten ist bereits in der kurzen Novelle ein Highlight und Barkers Inspiration für einen großen Kinofilm: Hellraiser.
1987: Hellraiser ( Story und Regie: Clive Barker)
Nicht ganz 1 Jahr nach der Veröffentlichung von "The Hellbound Heart" drehte Clive Barker die Verfilmung zu seiner eigenen Novelle. Mit einem Budget von rund 1 Million Dollar ein anständiges Budget für eine britische Produktion und einen damals noch immer unbekannten Regisseur. Was Barker jedoch kreierte war eine Revolution des Horrorgenre. Die 70er boomten von Exploitation-Horrorfilmen, nutzen sich aber auch in den Jahren nach ihrer Blütezeit ziemlich ab. Wes Craven machte es 1984 mit "A Nightmare on Elm Street" bereits vor in dem er dem etwas in die Jahre gekommenem Genre neue Frische verlieh. Cliver Barkers "Hellraiser" setzte noch einmal eine ganzen Portion Wahnsinn drauf. Während Freddy Krüger immer einen lockeren Spruch parat hatte, war Clive Barkers Pinhead und seine Horde an Zenobiten das komplette Gegenteil zu Wes Cravens Schöpfung. Barkers Story wandelt zwischen Horror und sehr düsterem Fantasy. Überzeugende Darsteller, ein gutes Script und bis heute exzellente und bizarre, handgemachte Effekte haben "Hellraiser" zu einem Klassiker des Horrorgenre gemacht. Ein Remake des Filmes wurde von Barker vor Jahren bereits angedeutet.
1988: Hellbound: Hellraiser II (Story: Clive Barker, Regie: Tony Randel)
Für viele Fans die vermutlich beste der insgesamt 8 Fortsetzungen. "Hellbound" setzt die Geschichte des ersten Teiles fort und etabliert die gruseligen Zenobiten. Natürlich ist der Zuschauer mittlerweile mit dem Stil des Vorgängers vertraut und somit bleibt ein "Aha-Effekt" aus, als Fortsetzung zu einem erfolgreichen Horrorfilm macht "Hellraiser II" aber einfach alles richtig. Besonders bei den handgemachten, teils sehr ekligen Effekten konnte man noch einmal mehr überzeugen als im Vorgänger. Im wahrsten Sinne der Worte ist die Hölle in "Hellraiser II" los. Der Film stellt vor allem dank enger Mitarbeit Barkers eine der wenigen gelungenen Ausnahmen dar, was Fortsetzungen in diesem Genre angeht. Ich selbst habe im vergangenem Jahr "Hellraiser II" auf Platz 5 der schönsten Filme zum Weltuntergang gewählt.
1992: Hellraiser III: Hell on Earth (Story: Peter Adkins, Tony Randel, Regie: Anthony Hickox)
Hellraiser verschwand für einige Jahre von der Kinoleinwand. 1992 kehrte Doug Bradley in seiner ikonischen Rolle als Pinhead jedoch zurück. Clive Barker zog sich endgültig aktiv als Regisseur bzw. Autor für das Franchise zurück. Als Executive Producer gab er Ideen aber grünes Licht und hatte auch insgesamt noch einen guten Überblick darüber, wie es mit dem Projekt voran anging. Barkers ursprüngliche Idee war es, einen größeren Fokus auf Pinhead zu legen. Dies sollte auch so geschehen, Adkins und Randel entschieden sich aber für eine andere Varianteder Story. Dennoch blieb Pinhead bzw. der Mensch, der er einmal war, das große Thema des Filmes. Der Fokus des Filmes ist klar auf Unterhaltung gelegt und er lässt ein wenig die alptraumhaften Szenarien der Vorgänger vermissen. "Hellraiser III" ist aber noch immer ein grundsolider Horrorfilm mit einigen netten Splattereinlagen. Als Abschluss für eine Trilogie wäre "Hellraiser III" jedoch eher ungeeignet gewesen.
1996: Hellraiser IV: Bloodline (Story: Peter Atkins, Regie: Kevin Yagher, Joe Chappelle)
In vielerlei Hinsicht ist "Hellraiser IV: Bloodline" ein Schlüsselfilm des gesamten Franchise. "Bloodline" sollte der letzte Film der Chronologie werden und gleichzeitig Clive Barkers Abschied aus der Produktion der Filme. Da jedoch kein weiterer Film erscheinen sollte, wäre dies auch nicht weiter problematisch gewesen. Allerdings sollte es anders kommen. Denn "Bloodline" war, unschwer zu erkennen, nicht der finale Part des Franchise. Gleichzeitig war "Bloodline" jedoch der letzte Hellraiser Film, der eine Kinoleinwand schmückte.
Das Konzept des Filmes war lange vorher geplant. Die Saga rund um Pinhead sollte mit einem vierten Teil enden. Gleichzeitig sollte "Hellraiser IV" sowohl als Prequel und Sequel fungieren und auch die Hintergründe um Philip LeMarchand lüften, dem Erbauer der dämonischen Puzzlebox. Auf dem Papier sah das ganz gut aus, jedoch sollte bei der Produktion einiges anders laufen. Während der Film gedreht wurde, wurde das Script geändert. Kritisiert wurde Pinheads geringe Screentime und die Angst davor, Zuschauer zu verlieren wenn die ikonische Filmfigur nicht omnipräsent wäre. Regisseur Kevin Yagher hatte relativ schnell genug von Dimensions Zickereien und verließ das Set und damit den Posten als Regisseur. Übernommen hatte Joe Chappelle, der aber ebenfalls mit den Änderungen so unzufrieden war, und, genau wie Yager, im Abspann nicht namentlich genannt werden wollte. Es verlief dann alles genau so, wie es die Produzenten bei Dimension/Miramax haben wollten. Keine gute Basis, einen Film zu drehen und ihre Entscheidungen sollten immer etwas weiter zum Tiefpunkt des gesamten Franchise führen. Insgesamt war "Hellraiser IV" aber, obwohl bei den Fans nicht sonderlich beliebt, eine wesentlich reifere (von den unplatzierten Science-Fiction Szenen mal abgesehen) und bessere Fortsetzung als "Hellraiser III". Kaum auszudenken, wie gut der Film geworden wäre, hätten die Regisseure das ursprüngliche Drehbuch nach ihrem Willen verfilmen dürfen.
2000: Hellraiser V: Inferno (Story: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson, Regie: Scott Derrickson)
Die Gebrüder Weinstein sahen den Fokus des Hellraiser Franchise nicht mehr auf der großen Leinwand, sondern in den Videotheken. Das Budget wurde runtergeschraubt, es wurden bereits vorgefertigte Stories eingekauft die nichts mit dem Hellraiser Universum zu tun hatten (die Hellraiser Figuren wurden dann während des Drehbuchs nachträglich eingefügt) und schon war der Grundstein für insgesamt 5 Videoproduktionen gelegt. Hellraiser Inferno ist eine davon. Und dennoch gehört Inferno mit zu den besten Fortsetzungen des Franchise. Längst nicht mehr so bizarr und abgedreht wie die Vorgänger, dafür legte der Film aber wert auf Spannung und einigen sehr surrealen Effekten. Die Geschichte um den korrupten Cop Thorne war ein kompletter Neuanfang außerhalb der Pinhead-Saga, auch wenn dieser noch seinen Auftritt im Film haben sollte. Fortan sollten die Zenobiten aber eine etwas passivere Rolle einnehmen.
2002: Hellraiser VI: Hellseeker (Story: Michael Leahy, Rob Schmidt, Regie: Rick Bota)
Bei den professionellen Kritiken kam "Hellseeker" nicht gut an. Unter den Fans rankt sich Hellseeker aber heimlich unter den Favoriten der vielen Fortsetzungen. Und diesen Ruf hält der Film gar nicht mal zu unrecht inne. "Hellraiser VI" (wenn auch offiziell mittlerweile ohne Nummerierungen) schaltet genau wie Inferno ein paar Gänge zurück und setzt eher auf psychologischen Horror. Eine Besonderheit an dem Film: Ashley Laurence, Protagonistin aus den ersten beiden Teilen nimmt ihre Rolle als Kirsty Cotton wieder auf (mittlerweile verheiratet). Auch in "Hellraiser VI" nehmen die Zenobiten wieder eine wesentlich passivere Rolle ein. Doug Bradley überzeugt erneut in seiner Rolle als Pinhead, der hier mehr die Rolle des Beobachters spielt. Ebenfalls noch erwähnenswert: Während Clive Barker zwar mit "Bloodline" seinen Abschied verkündete, war er aber bei "Hellraiser VI" aber wieder minimal involviert. Hellseeker sollte jedoch der endgültige Ausstieg von Barker sein. Und was danach folgte, ist wahrlich ein Ritt in die tiefsten Höllen.
2005: Hellraiser VII: Deader (Story: Neil Marshall Stevens, Tim Day, Regie: Rick Bota)
Rick Bota durfte erneut als Regisseur ran. Viel vom wirklich gelungenen sechsten Teil ist aber nicht übrig geblieben. Allmählich machte sich ein schaler Beigeschmack breit und "Hellraiser VII: Deader" wurde praktisch nur noch vom bekannten Namen des Franchise und Doug Bradly getragen, der einmal mehr als Pinhead auftrat und den Zuschauer ein wenig entschädigen konnte. Die Idee hinter "Deader", hinter dem Titel sich ein bizarrer Ritualmord-Kult verbirgt, hatte Potential. Die Aufmachung des Filmes wirkt jedoch billig (was auch daran liegen dürfte, dass das Osteuropa Setting wie immer dafür sorgte), die Schauspieler waren nie austauschbarer und das gesamte Konzept wollte nicht so richtig aufgehen. Es gibt tatsächlich weitaus schlechtere Fortsetzungen im Horrorgenre, die Abnutzungserscheinungen bei "Hellraiser VII" sind aber unschwer zu erkennen.
2005: Hellraiser VIII: Hellworld (Story, Carl V. Dupré, Regie: Rick Bota)
Rick Bota zum dritten. Das interessante an Botas Filmen ist, kontinuierlich haben sie an Qualität verloren. Bislang vermisste man aber trotz der vielen Fortsetzungen aber noch den ersten richtigen Rohrkrepierer. Zu finden ist dieser in Hellworld, dem zweiten Hellraiser Film der im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Zwar versucht einem das grauenhaft schlechte Cover hier einen futuristischen Hellraiser zu verkaufen, dem ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Auch wenn die Quelle des Übels diesmal ein Online-Spiel ist, gab es keinen Cyberpunk Overkill. Stattdessen ist das Nokia 3310 in diesem Film anscheinend der Höhepunkt der mobilen Kommunikation. Trotz namhafter Besetzung bleibt "Hellworld" ein schlechter Film. Ein schlechter Hellraiser und ein schlechter Horrorfilm. Da können weder Lance Henriksen noch Doug Bradley etwas ausrichten (sehr kurios: Henriksen sollte ursprünglich Frank Cotton im ersten Hellraiser spielen, der jedoch damals für eine andere Rolle absagte). Erneut merkt man, die Hellraiser-Mythologie wurde ohne Sinn und Verstand wahllos in eine bereits längst vorgefertigte Geschichte gepresst. Das Gesamtergebnis geht nicht auf. Die Darsteller nerven, die Dialoge sind banal und auch die Auflösung ist vorhersehbar. Was halbwegs positiv zurückbleibt sind die teils gelungenen Effekte, von denen es jedoch viel zu wenige gibt.
2011: Hellraiser IX: Revelations (Story: Gary J. Tunnicliffe, Regie: Victor Garcia)
Nach dem Flop um "Hellword" wurde es ruhig um Hellraiser. Und es scheint, als hätte Rechteinhaber Dimension die Reihe vergessen, denn die Verträge für das Franchise liefen aus. Ein Schnellschuss musste her und unter dem Label "Dimension Extreme" wurde dieses Machwerk kreiert, welches die Zenobiten persönlich angefertigt haben mussten, um die irdischen Bewohner der Erde zu geißeln.
"Hellraiser IX: Revelations" ist ein heimtückischer Film, denn man könnte auf den Gedanken kommen, hier handle es sich um das lang ersehnte Remake. Denn ungefähr so wurde der Film damals promotet. Die Wahrheit sieht aber wesentlich düsterer aus. Der Film musste innerhalb weniger Wochen produziert werden, bevor Dimension (die Weinsteins) die Lizenz am Franchise verlieren würden. Pinhead Darsteller Doug Bradly war nicht nur über die Eile verwundert, sondern auch über das zusammengeschusterte Script. Es kam also, wie es irgendwann kommen musste: Doug Bradly würde nicht erneut als Pinhead zu sehen sein. Das Script war allerdings schon fertig geschrieben und Pinhead spielte wieder einmal eine eher passive, aber nicht unbedingt kleine Rolle. Man brauchte einen neuen Schauspieler und hätte keine unpassendere Wahl als den wenig charismatischen Stephan Smith Collins finden können. Mit nur 75 Minuten ist "Revelations" auch gleichzeitige der kürzeste Film der gesamten Reihe. Der Low-Budget Charakter ist dem Film stets anzusehen und vom Stil her erinnert Revelations sogar an Werke von Olaf Ittenbach. Aber das wäre sogar noch eine Beleidigung Ittenbach gegenüber. Die grauenhaften Darsteller runden diese furchtbare schlechte Videoproduktion letztendlich ab. Clive Barker bestritt unter Worten, die ich hier nicht wiedergeben möchte, über seinen offiziellen Twitter-Account jegliche Mitarbeit an diesen Hellraiser Ableger. Falls es überhaupt etwas positives an dieser Gurke hervorzuheben gibt so ist es der Fakt, es ist der erste Hellraiser Film seit "Bloodline" der auf einem eigens für den Film verfassten Script basiert (was sich jedoch als Boomerang erwiesen hat) und einige erwähnenswerte Effekte im Finale. Nichts jedoch bewahrte diesen Schund vor seinem absoluten Untergang. "Hellraiser IX" ist wohl am besten damit bedient, von allen Beteiligten totgeschwiegen zu werden.
2015: The Scarlet Gospels (Roman, Autor: Clive Barker)
(Cover von links nach rechts: US, UK, DE)
Meine Retrospektive zu Hellraiser begann mit einer Novelle und enden tut sie mit einem Roman. Es begann mit Clive Barker und aktuell endet es auch mit ihm. Bereits in den 90ern von Clive Barker angekündigt, mussten Fans viele Jahre auf diesen Roman warten. "The Scarlet Gospels" ist dabei aber keine direkte Fortsetzung zu "The Hellbound Heart". Das Werk ist etwas anders gestaltet. Es ist viel mehr eine Neuinterpretation der Mythologie. Und so begegnen sich in diesem Buch zwei der bekanntesten Figuren aus Clive Barkers Feder: Pinhead aus Hellraiser (im Buch benannt als der Höllen Priester) und Okkult-Detektiv Harry D'Amour, der durch Barkers Blutbücher bekannt wurde. Und obwohl hier zwei Welten miteinander verschmelzen, so ist es dennoch zu 100% Barkers Rückkehr in die dämonische Welt der Zenobiten. Es war Zeit für einen Neuanfang. Auch wenn "The Scarlet Gospels" vermutlich über die Jahre häufig von Barker umgeändert wurde (das Original-Manuskript besaß vor einigen Jahren noch rund 2000 Seiten). Ob "The Scarlet Gospels" wie damals "The Hellbound Heart" auch als Basis für einen neuen Hellraiser Film dienen wird, bleibt weiterhin ungewiss. Alleine aber die Existenz dieses Romans dürfte Fans von Barkers Werk aber ungemein beschwichtigt haben, die besonders durch die letzten beiden Filme eigentlich schon den Glauben verloren haben dürften, der Altmeister könne jemals wieder einen Roman in seinem wohl bekanntestem Universum verfassen.
In den USA erschien "The Scarlet Gospels" bereits im Mai dieses Jahres. Seit dem 25. Juni ist die deutsche Ausgabe unter dem Titel "Das Scharlachrote Evangelium" (eine wortgetreue deutsche Übersetzung des englischen Titels) beim Festa Verlag erhältlich, bei dem Barkers Werke endlich mal die gebürtigen Wertschätzungen im deutschsprachigem Raum erhalten, die sie verdient haben.
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