Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Sonntag, 30. Oktober 2016

Rezension: Von Beruf Schriftsteller (Haruki Murakami)






Die Murakami Rezensionen 9

Japan 2015
Von Beruf Schriftsteller
Originaltitel: Shokugyo toshite no shosetsuka
Autor: Haruki Murakami
Veröffentlichung: 18.10.2016 bei DuMont
Übersetzung: Ursula Gräfe
Genre: Essays, Non-Fiction



"Der erste Pitcher der Hiroshima Carps war Satoshi Takahashi, glaube ich. Für Yakult spielte Yasuda. Als Takahashi in der zweiten Hälfte des Innings eröffnete, schlug Hilton den Ball sauber nach links und erzielte einen Two-Base-Hit. Der schöne, satte Ton, mit dem der Ball auf den Schläger traf, hallte im ganzen Stadion wider. Es erönte vereinzelter Applaus. Und just in diesem Moment kam mir völlig zusammenhanglos der Gedanke: >>Das ist es! Ich werde einen Roman schreiben.<<
In erinnere mich noch ganz genau an diesen Augenblick. Ich hatte das Gefühl, etwas wäre langsam vom Himmel gesegelt und ich hätte es mit den Händen aufgefangen. Warum es zufällig in meinen Händen landete, weiß ich nicht. Ich weiß es bis heute nicht. Doch was auch immer der Grund sein mag, es ist geschehen. Es war - wie soll ich sagen - wie eine Offenbarung. Am besten passt wahrscheinlich der Ausdruck >>Epiphanie<<. An jenem Nachmittag geriet plötzlich etwas in mein Blickfeld, das meine Perspektive völlig veränderte. In dem Moment, als Dave Hilton im Jingu Stadion den schönen Two-Base-Hit erzielte, wurde mein Leben ein anderes."
(Aus dem Essay "Wie ich Schriftsteller wurde" von Haruki Murakami, Übersetzung: Ursula Gräfe, DuMont Verlag)



Den Murakami-Oktober möchte ich mit einer in Deutschland brandneuen Veröffentlichung abschließen. DuMont hat Haruki Murakamis Essay-Sammlung "Von Beruf Schriftsteller" ein knappes Jahr nach der japanischen Veröffentlichung nach Deutschland gebracht. Und obwohl wir uns auf den nächsten großen Roman von Murakami wohl noch lange gedulden müssen, so ist das Non-Fiction Werk für jeden Fan des Autors (und vielleicht auch darüber hinaus?) ein mehr als gelungenes "Trostpflaster". Alles, was man in Murakamis Kurzgeschichten und Romanen findet, ist auch in dieser umfangreichen Essay-Sammlung vorhanden. Der DuMont Verlag geht die Vermarktung des Buches genau richtig an und bewirbt den Titel nicht als Autobiografie. Obwohl wir so viel über den eher scheuen und zurückgezogenen Autor erfahren wie nie, ist die Person >>Haruki Murakami<< nicht der Mittelpunkt dieser Essay-Sammlung. Gleiches gilt übrigens auch für seine Memoiren "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede".

"Von Beruf Schriftsteller" ist aufgeteilt in insgesamt 11 Essays inklusive eines Nachworts. Für mein obligatorisches Eröffnungszitat habe ich bewusst diesen Absatz aus dem zweiten Essay "Wie ich Schriftsteller wurde" gewählt. Dieses Essay gehört mit zu den persönlichsten Abschnitten in dem Buch. Wenn es etwas gibt, was man beim recherchieren über Murakami immer wieder liest, so ist es der Moment, was den Japaner dazu inspirierte, Romanautor zu werden. Man liest immer wieder etwas "Von einem beeindruckendem Schlag während eines Baseballspiels". In dieser Essay-Sammlung erfahren wir von Murakami persönlich, wie sich dieser beinahe schon abstrakte Moment zugetragen hat. Anhand von seinen surrealen und bizarren Geschichten wissen wir bereits, bei Murakami hat man es nicht unbedingt mit einem gewöhnlichem Autor zu tun. Mit großer Freude blickt Haruki Murakami auf dieses Ereignis aus dem Jahr 1978 zurück. Murakami verfasste anschließend den kurzen Roman "Wenn der Wind singt". Jedoch sollte es eine lange Zeit dauern, bis der Autor seinen einzigartigen Stil gefunden hat. Viele Jahrzehnte verwehrte es Murakami, seine beiden Frühwerke "Wenn der Wind singt" und "Pinball 1973" international neu auflegen zu lassen. Irgendwann konnte er vermutlich das Flehen seiner Leser nicht mehr ertragen und gab grünes Licht dafür, diese beiden Werke komplett neu auflegen zu lassen. Die Romane sind, ebenfalls über DuMont, als Sammelband vereint mit beiden kurzen Romanen, im vergangenem Jahr in Deutschland erschienen.

Beim lesen der Essays habe ich mich dabei ertappt, wie ich in die Gedankenwelt Murakamis eingetaucht bin und das Buch gar nicht mehr für ein Non-Fiction Werk hielt, sondern für eine neue Sammlung von Murakamis Kurzgeschichten. Dabei sind die Essays nicht abenteuerlich geschrieben. Dafür aber sehr unterhaltsam, mit Wortwitz und dem typischen Murakami-Stil. Doch er findet, besonders im ersten Essay "Schriftsteller - ein toleranter Menschenschlag?" auch kritische Worte. Kritische Worte gegenüber der Schriftstellergilde, aber auch kritische Worte den Kritikern gegenüber. Dabei verfällt Murakami aber nie in eine Selbstverliebtheit gegenüber sich selbst, genau so wenig auch nicht in übertriebene Demut. Murakami weiß, was er kann (und auch nicht kann), beschreibt dies aber mit einer sympathischen Bescheidenheit, einer Bodenständigkeit. Seine Texte wirken wieder einmal motivierend. Ganz besonders Anfänger, die sich selbst ans Schreiben wagen, dürften hier inspiriert werden.

Haruki Murakami erweist sich auch hier wieder einmal als wichtiger Autor für eine noch junge Generation. Besonders die Altersklasse zwischen 20-30 Jahren, die ihren Lebensweg noch nicht so richtig gefunden hat, dürften in den Essays etliche tröstende Worte finden. Der Autor mahnt dennoch dazu, selbst wenn man durch glückliche Zufälle seinen Lebensweg gefunden hat, man hart arbeiten muss, um im Geschäft zu bleiben, oder, wie er es in einer Metapher ausdrückt, die Karriere mit einem Battle Royal beim Wrestling vergleicht. Egal ob Schriftsteller, Maler oder Handwerker, am Ende kommt es drauf an, nach wie vielen Runden man noch im Ring stehen wird.

In zahlreichen weiteren Essays schreibt Murakami über alltägliche Dinge, die allesamt mit dem Thema "Von Beruf Schriftsteller" zu tun haben. Ein weiteres interessantes Essay folgt direkt an Nummer 3: "Über Literaturpreise".

Die deutschsprachige Ausgabe ist wie gewohnt beim DuMont Verlag erschienen. Und wie gewohnt war die routinierte Japanologin Ursula Gräfe für die Übersetzung (selbstverständlich eine Übersetzung direkt aus der japanischen Sprache, eine englische Ausgabe existiert meines Wissens sowieso noch nicht) verantwortlich. In einem kurzen Austausch auf Facebook mit ihr konnte ich erhaschen, dass die Übersetzung diesmal ein relativ harter Brocken war. Von den Strapazen bekommen wir als Leser nicht viel mit, denn wie immer liest sich die Übersetzung flüssig und absolut hervorragend.

"Die Spezies Schriftsteller (zumindest die meisten von ihnen) gehört unbedingt zum Typ des weniger klugen Mannes. Sie können nicht begreifen, was der Fuji ist, solange sie ihn nicht wirklich auf ihren eigenen Beinen bestiegen haben. Es liegt womöglich sogar in der Natur des Schriftstellers, dass er den Berg, selbst wenn er ihn mehrmals besteigt, noch immer nicht versteht oder sogar umso weniger, je öfter er ihn besteigt. Hier hätten wir dann einen Fall von >>Sub-Effektivität<<.  Einem scharfsinnigen Menschen würde so etwas nie passieren." (Aus dem Essay: "Schriftsteller - ein toleranter Menschenschlag?" von Haruki Murakami. Übersetzung: Ursula Gräfe, DuMont Verlag)


Resümee

Für Leser/Fans von Haruki Murakami ist "Von Beruf Schriftsteller" Pflichtprogramm. Doch an diesem Werk könnten auch noch ganz andere Leute ihre Freude haben. Leute, die als Hobby gerne Texte verfassen, werden in dieser Essay-Sammlung etliche interessante Anekdoten finden. Aber auch außerhalb der Schriftstellerei gibt es in diesem Band genug zu entdecken, um sich in Murakamis Gedankenwelt zu verlieren.

Die Sammlung ist kein trockenes oder staubiges Sachbuch, kein Ratgeber und auch keine Autobiografie. "Von Beruf Schriftsteller" ist 100% Haruki Murakami. Mehr gibts da auch gar nicht zu schreiben, denn manchmal sind die Dinge einfach selbsterklärend.


Freitag, 28. Oktober 2016

Kurzgeschichten-Intermezzo: Glühwürmchen (Haruki Murakami)







Die Murakami Rezensionen 8

Japan 1984
Glühwürmchen
Originaltitel: Hotaru
Autor: Haruki Murakami
Anthologie: Blinde Weide, schlafende Frau
Verlag: DuMont (Hardcover), btb (Taschenbuch)
Übersetzung: Ursula Gräfe
Genre: Drama, Slice of Life


"Vielleicht leuchteten Glühwürmchen nur in meiner verklärenden Erinnerung so hell. Oder es war in meiner Kindheit draußen dunkler gewesen. Ich wusste es nicht mehr; ich wusste nicht einmal mehr, wann ich zum letzten mal ein Glühwürmchen gesehen hatte.
Woran ich mich erinnern konnte, war das Rauschen von Wasser in der Nacht - an eine alte Backsteinschleuse, die mit einer Kurbel geöffnet und geschlossen wurde, und an einen von Pflanzen überwachsenen Bach. Ringsum war es stockdunkel, und über der Schleuse flogen Hunderte von Glühwürmchen. Eine Masse aus gelbem Licht loderte über dem Wasser, als stünde es in Flammen. Wann war das nur gewesen? Und wo?"
(Haruki Murakami, Glühwürmchen. Übersetzung: Ursula Gräfe)


Eingefleischte oder gar mittlerweile eingerostete Leser von "Am Meer ist es wärmer" können sich vielleicht noch dumpf an die Kategorie "Kurzgeschichte des Monats" erinnern. Die Rubrik wurde nicht nur schmerzlich vernachlässigt, sie ist quasi nicht mehr existent. Überraschend schaute ich auf den einzigen Eintrag aus dem Jahr 2014 der Kurt Vonnegut's großartiger Erzählung Harrison Bergeron (Link zur Besprechung) gewidmet war. Obwohl ich die kurze Geschichte verehre, ist die Auswahl an guten Geschichten viel zu enorm, um sich monatlich für eine entscheiden zu können. Dementsprechend möchte ich die Rubrik zum "Kurzgeschichten-Intermezzo" umtaufen, um nach und nach herausragende Kurzgeschichten, ohne zeitliche Begrenzung, entspannt präsentieren zu können.

Wenn man über Kurzgeschichten berichtet, darf man selbstverständlich nicht Haruki Murakami übergehen. Da ich den Oktober aus diversen Gründen immer mit Murakami in Verbindung bringe und die herbstliche Stimmung perfekt zu seinen Geschichten passt, da war es nicht schwer, Murakami für die wiedergeborene Rubrik auszuwählen. Die Frage war nur, welche Geschichte sollte ich wählen? Viele von Murakamis Kurzgeschichten brauchen sich nicht vor seinen großen Romane verstecken. Jede Geschichte ist ein Kleinod. Meine Wahl fiel als erstes auf "Tony Takitani", eine für Murakami typisch melancholische Kurzgeschichte von genau der passenden Länge. In der wundervollen Anthologie "Blinde Weide, schlafende Frau" könnte man aber quasi jede Kurzgeschichte wählen. Als ich dann aber bei der Geschichte "Glühwürmchen" angelangte, sie las und mir darüber Gedanken machte, da habe ich mir meine Auswahl noch einmal anders überlegt. Aber wieso? Nun, der Geschichte haftet etwas besonderes an sich, etwas, was Murakami ein paar Jahre nach der Veröffentlichung dieser Kurzgeschichte in seinem Heimatland zu einem der gefragtesten Schriftsteller machte.

"Glühwürmchen" spielt ende der 60er Jahre. Protagonist ist ein namenloser Ich-Erzähler. Ein Student, der über seine Zeit in einem etwas skurrilen Studentenwohnheim berichtet. Etwas trübe berichtet der Erzähler über alltägliche Dinge, seinen Tagesablauf und einem spleenigen Mitbewohner.
Eines Tages trifft unser Erzähler er eine alte Freundin wieder, beide haben sich lange nicht gesehen und er verrät dem Leser, wie sehr sie sich optisch verändert hat, jedoch noch hübscher geworden ist. Das Mädchen ist die ehemalige Partnerin des besten Freundes des Erzählers. Jener bester Freund, der vor einiger Zeit ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen, den Freitod gewählt hat. Der Erzähler und das Mädchen haben sich nicht viel zu sagen. Sie schlendern planlos die Straßen entlang ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Beide spüren sie jedoch eine Lücke in ihrem Leben, verfolgt von der Vergangenheit fühlen sie sich dennoch irgendwie zueinander hongezogen. Die beiden müssen einen gemeinsamen Weg finden, den Geistern ihrer Vergangenheit zu entkommen.

Wenn ich die Kurzgeschichte mit einem Wort beschreiben könnte, so würde ich "herbstlich" sagen. Eine Kurzgeschichte, die eine Jahreszeit wiederspiegelt und man beinahe den Laub riechen kann, der sich auf den herbstlichen Straßen und Wäldern tümmelt. Murakamis Protagonist ist einer seiner typischen 0815 Helden, ohne das dieser jedoch in ein surreales Abenteuer verwickelt wird. "Glühwürmchen" ist bodenständiger, weniger abenteuerlich und doch berührt einen die Geschichte, ohne das viel passiert. Der Erzähler erzählt selbst traurige Ereignisse nüchtern und beinahe teilnahmslos. Die Passagen im Wohnheim sind trocken-witzig und erheitern die oftmals melancholische Stimmung.

Gelegenheitsleser, oder Leser, die vielleicht erst durch Murakamis neuste Werke wie "1Q84" in die Welt des Autors eingetaucht sind, wissen es vielleicht noch gar nicht. Einige von Murakamis Erzählungen dienten als Inspiration für seine großen Romane. Die Kurzgeschichte "Der Aufziehvogel und die Dienstagfrauen" (Anthologie: Der Elefant verschwindet) diente als Prolog für einen von Murakamis bekanntesten Romanen, "Mister Aufziehvogel". Die Kurzgeschichte "Menschenfressende Katzen" (Anthologie: Blinde Weide, schlafende Frau) verarbeitete er in "Sputnik Sweetheart". Und wenn einem beim lesen von "Glühwürmchen" ein leichtes Déjà-vu beschleicht, der liegt nicht falsch. Denn "Glühwürmchen" diente als Inspiration für Murakamis Bestseller "Naokos Lächeln". Das Grundkonzept ist in der Kurzgeschichte schon enthalten. Die Charaktere besitzen noch keine Namen und benehmen sich ein wenig anders als im Roman, aber schnell wird man als aufrichtiger Leser sämtliche Parallelen entdecken. Die Kurzgeschichte kann dennoch problemlos als eigenständiges Werk angesehen werden. Das Ende wirkt rund, lässt wenige Fragen auf und dennoch regt es zum nachdenken an.



Resümee

Eine Geschichte wie eine Jahreszeit. "Glühwürmchen" ist eine kurze, aber wundervolle Erzählung die einen gut durchdachten Aufbau hat und für die wenige Seitenanzahl sogar einiges an Charaktertiefe aufweist. Haruki Murakamis Stil ist auch in diesem Frühwerk sehr gut erkennbar. Egal ob man Fan von Murakamis Kurzgeschichten ist oder aber einfach nur den Vorreiter zu "Naokos Lächeln" kennen lernen will, seine Zeit wird man mit dieser Kurzgeschichte sicherlich nicht verschwenden.

Montag, 24. Oktober 2016

Rezension: Die Stadt der Blinden (José Saramago)

Für mich sind die Werke von José Saramago (1922-2010) äußerst interessant, weil der Autor eine ganz eigene Art hat, mit Worten umzugehen.


Die Stadt der Blinden ist zwar erst der zweite Roman, den ich von ihm gelesen habe, aber es wird definitiv nicht der letzte sein.
Zur Handlung: Ein Mann erblindet eines Tages ganz plötzlich, während er in seinem Auto an einer Ampel steht. Es gibt keine Erklärung für diese Blindheit, auch der Augenarzt, den er aufsucht, kann keine Ursache feststellen. Auch dieser erblindet kurze Zeit später und mit ihm viele weitere Menschen. Die plötzliche Blindheit entwickelt sich langsam aber sicher zu einer Art Volkskrankheit und die Regierung weiß sich nicht anders zu helfen, als die Blinden gemeinsam in einer verlassenen Irrenanstalt unterzubringen. Die Frau des Augenarztes kann zwar noch sehen, gibt aber vor, ebenfalls erblindet zu sein, damit sie zusammen mit ihrem Mann in besagter Anstalt weiterleben kann.
Der Roman kann als eine Art Gedankenexperiment beschrieben werden: Was wäre, wenn die gesamte Menschheit erblinden würde? Wie würde das tägliche Leben funktionieren? Wie ist ein solches Leben möglich?
Die Zustände in der Anstalt verschlechtern sich. Zunächst herrscht noch Ordnung, die Essensrationen werden gerecht unter den Internierten aufgeteilt, die sanitären Anlagen sind noch intakt und der Platz reicht aus. Doch je mehr Blinde eingewiesen werden, desto desaströser wird die Lage. Für die Frau des Arztes wird ihre Fähigkeit, zu sehen, zunehmend zur Belastung, da sie den Zerfall und das Elend in ganzem Ausmaß erblicken kann.
Und dieses Ausmaß wird drastisch beschrieben. Die Schilderungen sind schonungslos, ausführlich und was dort geschieht, ist nicht nur hygienisch, sondern auch menschlich betrachtet, häufig widerwärtig. Doch gerade das macht den Roman aus, das Gedankenexperiment wird konsequent durchgespielt.

Eine Eigenart von Saramagos Stil sind die langen Sätze, in denen direkte Rede nicht als solche gekennzeichnet, sondern einfach durch Kommata aneinandergereiht wird, was dem Leser ein Gefühl von Unmittelbarkeit gibt, aber auch Aufmerksamkeit fordert.

"[...] Ich möchte damit sagen, dass es vierzig Tage wie vierzig Wochen sein können, vierzig Monate oder vierzig Jahre, wichtig ist vor allem, dass die Menschen isoliert bleiben, Jetzt müssen wir nur noch entscheiden, wohin wir sie schicken, Herr Minister, sagte der Präsident der Kommission für Logistik und Sicherheit, die schnell zu diesem Zweck gebildet worden war und sich um den Transport kümmern wollte, um die Isolierung und Versorgung der Infizierten, Welche unmittelbaren Möglichkeiten haben wir denn, wollte der Minister wissen, Wir haben eine leerstehende Irrenanstalt, die darauf wartet, einer Bestimmung zugeführt zu werden, militärische Einrichtungen, die aufgrund der plötzlich erfolgten Umstrukturierung der Armee nicht mehr gebraucht werden, ein Messegelände, das fast fertiggestellt ist, und außerdem, wobei mir niemand eine Erklärung dafür geben kann, einen Großmarkt, der Konkurs angemeldet hat, Welches von diesen Geländen würde Ihrer Meinung nach unseren Zwecken am besten dienen, Die militärische Einrichtung bietet die besten Sicherheitsvorkehrungen, Natürlich, Sie hat jedoch einen Nachteil, sie ist zu groß, und die Bewachung der Internierten wäre schwierig und aufwendig, Aha, ich verstehe [...]."

(Man bedenke, dass Anfang und Ende des Satzes hier fehlen, er ist also eigentlich deutlich länger... insgesamt erstreckt er sich etwa über eineinhalb Seiten.)



Der Roman steckt trotz der drastischen und auch oft brutalen Schilderungen voll schöner Wahrheiten und Weisheiten:

"Wir haben alle unsere Augenblicke der Schwäche, und es ist nur gut, dass wir noch weinen können, das Weinen ist oft eine Rettung, es gibt Situationen, da würden wir sterben, wenn wir nicht weinen könnten [...]."

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Saramagos Stil vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist, es sich aber wirklich lohnt, sich darauf einzulassen. Ein solcher Stil zeugt von einem gekonnten Umgang mit Sprache.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Tag 7 Review: Attack on Titan - Part 1




Trailer

Aus lizenzrechtlichen Gründen nicht verfügbar




Japan 2015

Attack on Titan - Part 1
Originaltitel: Shingeki no kyojin
Vorlage: Hajime Isayama (Manga)
Regie: Shinji Higuchi
Darsteller: Haruma Miura, Kiko Mizuhara, Kanata Hongo, Jun Kunimura, Hiroki Hasegawa
Laufzeit: Circa 98 Minuten
Genre: Action, Horror, Endzeit-Drama
Deutscher Verleih: AV Visionen
Veröffentlichung: 24.02.2017
FSK: Ab 16


Weltweit feierte Hajime Isayamas düsterer Manga Attack on Titan (Shingeki no Kyojin in Japan) Erfolge. Diesen regelrechten Hype zu krönen, dafür sorgte anschließend noch die gleichnamige Anime TV-Serie, die im nächsten Jahr in Japan eine lang ersehnte zweite Staffel erhält. Die Fragen wurden schnell lauter, wann denn endlich die Live-Action Verfilmung in die japanischen Kinos kommen sollte. Nicht wenige machten sich dabei jedoch sorgen, die Japaner könnten überfordert mit einer Verfilmung sein, da besonders im Bereich Spezialeffekte nicht unbedingt die größten Stärken der Japaner liegen. Was allerdings viel mehr mit dem meist wesentlich geringerem Budget (im Vergleich zu Hollywood oder auch anderen Ländern) für die Filme zusammenhängt als der Mangel an fähigen Leuten, die mit Spezialeffekten umgehen können. Eine kleine Kostprobe, wie die Japaner eine mögliche Verfilmung von Attack on Titan handhaben, konnte man bereits 2014 in einem kurzen Werbespot einer bekannten japanischen Automarke entdecken. Man kann davon ausgehen, dass die gleiche Technik, die man später für den Film einsetzte, vorher für diesen Werbespot verwendet wurde.



 
(Werbespot wird für "Am Meer ist es wärmer" nicht zu Werbezwecken und nur als Zusatzmaterial für die Besprechung verwendet)





Das erste Material für den ersten Abendfüllenden Attack on Titan Spielfilm ließ dann nicht lange auf sich warten. Geplant hatte man einen Zweiteiler, der weniger auf Isayamas bekannter Vorlage basiert, als viel mehr von einem Original-Script Gebrauch macht und lediglich einige Charaktere und das Grundkonzept aus dem Manga übernimmt. Theoretisch optimale Voraussetzungen, wenn man bedenkt, wie umfangreich das Material rund um Manga/Anime doch ist. Eine Entscheidung, die eingefleischte Fans vermutlich nicht begrüßen, aber für ein rundes Filmerlebnis sicherlich nicht die schlechteste Wahl, was eine Adaption angeht. Dafür muss man dann aber zusehen, eine brauchbare Geschichte zu schreiben, die die Zuschauer über 2 Filme lang fesselt. Ist der Attack on Titan Verfilmung dieses Wagnis gelungen? Ich wills nicht weiter ausschmücken und die Frage mit "Nein" beantworten. Attack on Titan - Part 1 mag kein Rohrkrepierer sein, da gibt es ganz andere japanische Live Action Produktionen bekannter Manga, die gleich mehrere Ligen unter Attack on Titan spielen, allerdings ist diese Adaption nach freier Interpretation auch alles andere als gelungen oder sehenswert.

Die ersten 30 Minuten folgen relativ strikt (mit Ausnahme der Familienverhältnisse und den Charaktereigenschaften einiger Protagonisten) der Originalvorlage. Eren und Co. sind von Beginn an bereits junge Erwachsene, Eren selbst ist ein bisschen zu sehr von sich überzeugt und die Motivationen der Charaktere unterscheiden sich ebenfalls von den Vorbildern aus der Originalvorlage. Nach einer Weile greift der große Titan an, reißt ein Stück der Mauer nieder, der letzten großen Festung der Menschheit vor den menschenfressenden Titanen, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Schon danach folgt die Verfilmung ihrer eigenen Geschichte, die weder originell, noch mitreißend ist, dafür jedoch häufig mal konfus und auch als relativ stirnrunzelnd anzusehen ist. Das größte Problem ist nicht nur das Script an sich, welches man als relativ dünn bezeichnen kann, auch die Darsteller sind alles andere als überzeugend. Eren Darsteller Haruma Miura kann das über-dramatische Overacting nicht sein lassen, Mikasa Darstellerin Kiko Mizuhara (unter anderem zu sehen als Midori in der Adaption zu Haruki Murakamis "Norwegian Wood") scheint ebenfalls überfordert mit ihrer Rolle zu sein. Schuld daran ist jedoch nicht Kiko Mizuhara sondern viel mehr eine unausgegorene Charakterentwicklung. Besonders darunter leiden musste letztendlich Mikasa selbst, wo man mit Fug und Recht behaupten kann, die Autoren haben absolut nicht verstanden, wie man diesen Charakter umsetzt. Eine derartige Entgleisung fällt Kennern des Originals sofort auf, Zuschauer, die mit der Verfilmung zum ersten mal etwas von Attack on Titan sehen, denen wird vermutlich nur auffallen, wie seltsam unsympathisch dieser Charakter (wie so ziemlich die meisten Figuren in diesem Film) ist.




Die größte Sorge, die Spezialeffekte, hat man relativ solide hinbekommen. Etliche Hintergründe sind wenig ansehnlich, da man die CGI-Effekte sofort bemerkt. Der große Titan, der leider nur einen sehr kurzen Auftritt hat, sieht schon sehr authentisch aus. Die kleineren Titanen variieren von einfallsreich bis weniger gut. Auch in diesem Bereich werden sich viele Zuschauer vermutlich mehr gewünscht haben, jedoch ist zu weiteren Eskapaden wohl nur Hollywood selbst fähig. Die Action-Szenen sind ebenfalls noch relativ gut choreografiert. Vom technischen Aspekt her kann man Attack on Titan durchaus als oberes Mittelmaß ansehen.

Regie führte Shin Godzilla Co-Regisseur Shinji Higuchi. Ein alter Weggefährte von Evangelion-Schöpfer Hideaki Anno (mit dem er letztendlich gemeinsam Regie beim neuen Godzilla führte). 
Fürs Writing engagierte man den durchaus bekannten Yusuke Watanabe (Gantz) und Tomohiro Machiyama. Das erste, was an den Änderungen rund um das Szenario auffallen dürfte: Die Autoren trennten sich von den Nachnamen der Protagonisten. Die kultigen deutschen Nachnamen wie "Jäger" oder "Ackerman" findet man in dieser Verfilmung nicht mehr vor, die Charaktere werden nur noch mit ihren Vornamen angesprochen. Auch wurden relativ viele japanische Ortsnamen eingebaut, was ebenfalls für die Reihe recht ungewöhnlich ist, da das Setting definitiv europäisch, und nicht japanisch ist. Dies dürfte aber der Live Action Verfilmung per se geschuldet sein, denn alle Darsteller sind durchweg ostasiatischer Herkunft (vielleicht hätte man dann aber auch "Armin" noch umbenennen sollen). Tatsächlich funktioniert bei dieser Verfilmung so einiges nicht, wie es sollte. Bester Beweis ist dafür noch der Song, der während des Abspanns läuft.


Deutsche Veröffentlichung

Für die deutsche Version ist AV Visionen verantwortlich. Hierhinter stecken vermutlich Kaze und/ oder Koch Media. Ende September lief der Film in einer etwas größeren Kinoauswertung einmalig während der Kaze Anime Night. An der deutschen Vertonung gab es sicherlich nichts auszusetzen. Besser macht sie den Film jedoch nicht, man wird vermutlich einfach nur ein wenig mehr von Haruma Miuras Overacting verschont bleiben. Trotz seines recht hohen Anteils an Gewalt/Splatter hat der Film von der FSK den "Ab 16" Segen erhalten (ähnliche Geschichte wie bei dem Zweiteiler zu Gantz). Am 24. Februar 2017 kann der Film dann auch fürs Heimkino erworben werden.


Fazit:

Meine Vorfreude auf Part 2 hält sich arg in Grenzen. Gegen Ende folgt die Verfilmung wieder etwas mehr dem ursprünglichem Material und prompt hat auch das Finale des ersten Teils an Fahrt gewonnen. Aus meiner anfänglichen Begeisterung, eine eigenständige Geschichte könnte dem Film zugute kommen, hat sich leider Enttäuschung entwickelt. Solide Technik wird begleitet von einem schwachen Script, mäßigen Darstellern und einigen teils haarsträubenden Dialogen und Situationen. Hier hätte man vielleicht doch darauf setzen sollen, sich etwas mehr an die Vorlage zu halten, denn gleich mehrmals steuert die Verfilmung auf eine Sackgasse zu. Was bleibt ist eine mäßige Live Action Verfilmung, der es so ziemlich an allem mangelt, was die Vorlage so bekannt machte. 

Ob neutrale Zuschauer hier ihre Freude haben werden, auch die Frage ist schwer zu beantworten. Nicht selten driftet die Geschichte in einige seltsame Momente ab die von sehr abstrusen Szenen begleitet wird. Auch für die neutralen Zuschauer wird der Mehrwert dieses Filmes sich wohl als relativ gering erweisen.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Einwurf: Verliert die Weltliteratur an Bedeutung?




Anstoß für diesen Einwurf war der Artikel "Why Bob Dylan shouldn't have gotten a Nobel". Veröffentlicht am 16.10.2016 bei der New York Times. Verfasst von Anna North: Link zum Artikel 


Noch immer wird über die kontroverse Entscheidung, Bob Dylan mit dem Nobelpreis für Literatur auszuzeichnen, heftig diskutiert. Ein Artikel der New York Times schließt sich den kritischen Stimmen an, ohne jedoch Bob Dylan zu anzugreifen (der ja überhaupt keinen Einfluss auf die Entscheidung hatte) oder sich abstrusen Verschwörungstheorien anzuschließen. Die Journalistin Anna North sieht in der Vergabe einen Gewinn für die Musikindustrie, jedoch nicht für die Weltliteratur.

"[...]He does deserve the many Grammys he has received, including a lifetime achievement award, which he won in 1991. He unquestionably belongs in the Rock & Roll Hall of Fame, into which he was inducted in 1988 along with the Supremes, the Beatles and the Beach Boys.[...]
[...]But by awarding the prize to him, the Nobel committee is choosing not to award it to a writer, and that is a disappointing choice.[...]" 

Der Tenor des Artikels der New York Times: Hier wurde ein Musiker ausgezeichnet, kein Schriftsteller. Bob Dylan, der große Auszeichnungen in seinem Leben bereits für seine Verdienste als Musiker erhalten hat, nun auch noch mit einem Preis ausgezeichnet wird, mit dem er eigentlich gar nichts zu tun hat. Dies würde, so die Journalistin weiter, die Weltliteratur an sich schmälern, denn immer weniger Leute würden zu einem Buch greifen. Die Journalistin macht natürlich darauf aufmerksam, dass es sich hier natürlich nicht um den Untergang der Literatur an sich handelt, sondern die Musikindustrie, der es relativ gut geht (um es nüchtern auszudrücken), nun auch noch von dem Nobelpreis der Literatur profitiert.

Die Frage ist natürlich, wieso hat man sich ausgerechnet für Bob Dylan entschieden? David Bowie, wenn vielleicht auch etwas kontroverser, hat zu seinen Lebzeiten nicht weniger erreicht als Bob Dylan und hatte bis zu seinem Tod zu beginn dieses Jahres neue Musik gemacht, die weltweit anklang fand. Somit dürften aber auch andere Vertreter dieser Zunft wie Paul McCartney, Bruce Springsteen oder auch Neil Young zu künftigen Favoriten für den Preis zählen, die allesamt enorme Erfolge vorzuweisen haben und legendäre Songwriter sind. Wieso man sich ausgerechnet nun für Bob Dylan entschieden hat, wo ich mir nicht unbedingt sicher bin, dass seine Musik Generationsübergreifend ist (zumindest bezogen auf die aktuelle Generation), kann man natürlich nachlesen. Das Zitat des Komitees kling etwas zufällig ausgewählt und würde auch auf unzählige andere Musiker zutreffen.

[...[By honoring a musical icon, the committee members may have wanted to bring new cultural currency to the prize and make it feel relevant to a younger generation.[...]
[...]But there are many ways they could have accomplished this while still honoring a writer. They could have chosen a writer who has made significant innovations in the form, like Jennifer Egan, Teju Cole or Anne Carson.[...] 

War die Entscheidung zugunsten Bob Dylans also ein Versuch, die Kategorie rund um den Nobelpreis für Literatur ein wenig zu modernisieren? Dies ist eine Theorie der Journalistin des Artikels. Wobei ich hier widersprechen muss. Wie ich bereits einmal erwähnt habe, Bob Dylan wurde von den Buchmachern bereits einige Jahre zuvor als Favorit für den Preis gehandelt. Von Modernisierung kann hier jedoch nicht die Rede sein. Den Nobelpreis für Literatur jüngeren Leuten zugänglich zu machen und sich dann für Bob Dylan entscheiden hat nichts mit Modernisierung zu tun. Bob Dylan macht in der Tat noch neue Musik, anders als bei dem erwähnten David Bowie jedoch ist diese aus heutiger Sicht weniger generationsübergreifend. Wenn man mit der Vergabe ein jüngeres Publikum ansprechen wollte, war Bob Dylan sicherlich die falsche Person.

Eine grundsätzliche Modernisierung des Preises, und da liegt Anna North komplett richtig, ist dringend nötig. Die vergangenen Jahre, und damit will ich nun nicht die Preisträger schmälern, hatten die Vergaben häufig mal politische Hintergründe oder aber der Preisträger war schlicht und ergreifend nur in Fachkreisen bekannt und geschätzt. Der Nobelpreis für Literatur kann aber so viel besser eingesetzt werden. Denn neben dem Preisgeld ist ganz besonders der kommerzielle Schub für Autor und Verlag sehr relevant. Kann der Verlag seine Veröffentlichungen des Autors mit "Nobelpreis für Literatur 20XX" Aufklebern schmücken, werden die Leser darauf aufmerksam. Selbst für die breite Masse weniger bekannte Autoren, darunter vergangene Preisträger zu denen Alice Munro oder Patrick Modiano zählen, profitierten eine ganze Zeit lang von der Auszeichnung. Natürlich bleibt die Frage, benötigt ein erfolgreicher Autor die Auszeichnung überhaupt? Die Frage ist schwer zu beantworten. Im Vordergrund sollte jedoch immer die Literatur stehen und einen populären und/oder modernen Autor, der über genau so moderne Themen schreibt (ohne zu sehr ins politische abzudriften), auszuzeichnen, dies wäre ein wichtiger Schritt. Auch mit der Entscheidung pro Bob Dylan wird der Nobelpreis für Literatur sicherlich nicht mehr jüngere Menschen erreichen als zuvor, oder, besser gesagt, jüngere Menschen dazu zu bringen, sich aus freien Stücken ein Buch zur Hand zu nehmen. Die Auszeichnung wirkt angestaubt, wie ein Altherrengetränk, bei dem sich die Verantwortlichen weigern, ihre Philosophie etwas an die modernen Zeiten anzupassen.

"Instead, the committee gave the prize to a man who is internationally famous in another field, one with plenty of honors of its own. Bob Dylan does not need a Nobel Prize in Literature, but literature needs a Nobel Prize. This year, it won’t get one."

Mit schönen Abschlussworten hat Anna North das Thema dann noch einmal auf den Punkt gebracht. Das Nobelpreis-Komitee zeichnete einen bedeutenden Mann aus, der allerdings in der völlig falschen Rubrik den Preis gewonnen hat. Auch wenn ich die Entscheidung noch immer relativ neutral sehe, kann ich den Aussagen einfach nicht widersprechen. Dieses Jahr ging die Zunft der Schriftsteller leer aus. Gewonnen hat ein Mann, der bereits alle nur erdenklichen Auszeichnungen in seinem Gebiet abgeräumt hat. Definitiv eine Schlappe für die Weltliteratur. Natürlich sollte man die Situation auch nicht überdramatisieren.

Viele Gegner des Nobelpreises wollen die Kategorien immer kleinreden. Die Auszeichnung, und daran wird sich auch nichts ändern, besitzt noch immer eine menge Prestige. Wenn die richtigen Leute, die tatsächlich einen positiven Einfluss auf unsere Generation haben, ausgezeichnet werden, kann man den Glanz dieses angestaubten Preises wiederherstellen. So wie es jedoch aktuell aussieht, ist man auf einem falschen Weg. Musiker sollten Musikpreise gewinnen, Schriftsteller Literaturpreise. In gewissen Aspekten konservativ zu sein ist gewiss kein Rückschritt. Immerhin wird ein Koch bestimmt auch nicht mit Sternen ausgezeichnet, weil er als Hobby sehr gut Haare schneiden kann.

Die Frage, ob die Weltliteratur nun an Bedeutung verliert kann sicherlich nicht beantwortet werden. Die Trends liegen derzeit aber eher bei Jugendliteratur, Romantic-Fantasy und Self Publishing Werken (die Leser günstig digital erwerben können). Tatsächlich sollte der Nobelpreis für Literatur genug Tragkraft besitzen, um auch anspruchsvollere Werke mal wieder auf die Besteller-Listen unserer Welt zu fegen. Etwas, worüber das Nobelpreis-Komitee sich vielleicht mal mehr Gedanken machen sollte. Ich bezweifle jedoch stark, dass sich an den Prinzipien dieser Herren und Damen in den kommenden Jahren etwas ändern wird. Bereits die nächste Auszeichnung könnte wieder an eine Person vergeben werden, wo sich selbst Bob Dylans Kritiker noch wünschen werden, sie hätten sich der Kritik gegen den Musiker besser nicht angeschlossen.


Bis zum nächsten Einwurf,
Aufziehvogel