Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Posts mit dem Label Verstorben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verstorben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. Januar 2025

David Keith Lynch (1946 - 2025)

 



Wie beginnt man einen Abgesang auf einen Menschen zu schreiben, der mich, den Verfasser dieses Textes, weder kannte und somit nicht wusste, wie viel er mir gegeben hat. Oder eine ganz andere Frage: Wo beginnt man bei David Lynch überhaupt?

Am 15.01.2025 ist der amerikanische Filmemacher, der mit seinen Werken ganze Jahrzehnte prägte, verstorben. Erst vor einigen Monaten äußerte sich der Regisseur nach langer Abstinenz aus den Medien mal wieder selbst. Es waren traurige, bedrückende Worte, seinen trockenen Humor legte er aber auch da nicht ab. Für das rauchen, welches er fast sein ganzes Leben genoss, müsse er nun den Preis bezahlen. Zum Zeitpunkt dieser Worte hatte sich sein Gesundheitszustand bereits so rapide verschlechtert, dass er sein Haus nicht mehr eigenständig verlassen konnte.

Doch ein trauriger Nachruf auf David Lynch als Mensch wäre völlig deplatziert. Maximal würde er sich vermutlich darüber ärgern, dass das nun 5 Tage vor seinem 79. Geburtstag passiert ist. Was er uns aber hinterlassen hat, macht ihn und seinen Namen für immer unsterblich.

Mit Hollywood hat David Lynch allen voran in seinen letzten beiden Spielfilmen Mulholland Drive (2001) und Inland Empire (2006) abgerechnet. Spielfilme, so Lynch, hatte er da schon nicht mehr vor, zu drehen. Stattdessen wolle er sich nochmal einer TV-Serie widmen, was bereits mit Mulholland Drive gescheitert ist und der fertiggedrehte Pilotfilm stark erweitert und zu einem Kinofilm umgebaut wurde. 2017 dann die Sensation: In einem Serien-Event setzte Lynch Twin Peaks in einer dritten Staffel fort. Kontrovers, wundervoll gefilmt und mit einem Ende versehen, worüber noch lange diskutiert wurde. David Lynch machte das unmögliche möglich und holte einen großen Teil des Casts mit wenigen Ausnahmen zurück, entweder in größeren Rollen oder als kleine Cameos versehen. Diese dritte Staffel von Twin Peaks war zeitgleich auch ein Familientreffen, nicht nur was den Cast untereinander anging, sondern auch Millionen von Fans. Zeitgleich sollte es das letzte mal gewesen sein, dass die Darsteller noch einmal zueinander fanden und diese Serie zustande kam. Kurz nach den Dreharbeiten und wenige Jahre danach verstarben Warren Frost, Miguel Ferrer, Catherine E. Coulson, Peggy Lipton, Julie Cruise und Angelo Badalamenti, die beide den ikonischen Soundtrack der Serie geprägt haben. Nach diesem Revival gesellt sich nun auch Serienschöpfer David Lynch zur ewigen Ruhe. Diese Staffel sollte das Abschiedsgeschenk des großen Filmemachers sein.

Mit David Lynch ist ein weiteres Stück amerikanische Filmgeschichte von uns gegangen. Dabei wäre Hollywood auf ihn mehr angewiesen denn je, bröckelt die Fassade von Tinseltown doch viel zu sehr und schon seit einigen Jahren. Lynch eckte immer wieder an. Im Mainstream sah er sich nie (siehe das ganze Debakel rund um Dune), umso schwerer wurde es, für zahlreiche Projekte Geldgeber zu finden. Unter seiner Regie gelangten Schauspieler wie Kyle MacLachlan und Laura Dern zur Größe. Immer wieder kehrten etablierte Darsteller zu Lynch zurück, wenn er gerufen hat. Es wäre schön gewesen, wenn er im Zeitalter des Streamings noch ein letztes großes Projekt auf die Beine gestellt hätte, noch einmal allen gezeigt hätte, wie unkonventionelle Filmkunst geht.

Filmemacher wie David Lynch gibt es nur noch wenige. Aber dafür sind sie aktuell äußerst erfolgreich wie der griechische Regisseur Giorgos Lanthimos und Robert Eggers, aber auch ein Brandon Cronenberg, der vielleicht so wie kein anderer den Indie-Sprit von David Lynch derzeit verkörpert. Doch so wie diese aufgezählten Filmemacher alle eigenständig sind, so war, ist und wird es für immer David Lynch sein. In den nächsten Jahren wird sein Werk vermutlich relevanter denn je werden. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, färbt etwas davon auf den Zeitgeist der aktuellen Filmlandschaft ab. Zu wünschen wäre es uns Filmliebhabern, aber auch dem Erbe von David Lynch, allemal.

Freitag, 6. April 2018

Über Isao Takahata (29.10.1935 - 05.04.2018)



An dieser Stelle sollte heute eigentlich eine Rezension erscheinen, aus gegebenem Anlass jedoch hat diesen Platz heute Isao Takahata verdient. Im hohen Alter von 82 Jahren ist Isao Takahata, einer der Mitbegründer des legendären Studio Ghibli, verstorben. Sein Lebenswerk, welches er in großer Fülle hinterlassen hat, wird auch über die vielen kommenden Jahre unerreicht bleiben und hoffentlich auch ein Wegweiser für junge Filmemacher aus der Animation (ob westlich oder östlich spielt dabei keine Rolle) sein.

Doch ich will auch die Möglichkeit ergreifen, ein wenig über Isao Takahata zu plaudern. Fans des Studio Ghibli werden seinen Namen kennen und vermutlich niemals vergessen, doch wie sieht es darüber hinaus aus? Nennt man Filme wie "Prinzessin Mononoke" oder "Chihiros Reise ins Zauberland", werden mit großer Wahrscheinlichkeit selbst in dieser Materie nicht so versierte Zuschauer den Name Hayao Miyasaki nennen können. Doch welcher Name kommt euch in den Sinn, wenn ich nun "Die letzten Glühwürmchen" oder "Pom Poko" nenne? Für die Mehrheit war Isao Takahata immer "Einer der drei älteren Herren, die was mit Studio Ghibli zu tun haben". Ohne Frage waren "Die letzten Glühwürmchen" Takahatas Meisterstück. Ein Meisterstück, was auch seinen Namen bei den Zuschauern hätte verewigen müssen. Kurios genug jedoch, eine menge Leute verbinden den Film nicht einmal mit dem Studio Ghibli, weil sich das Drama aus dem zweiten Weltkrieg extrem stark von dem abhebt, wofür das Studio eigentlich bekannt war. "Mein Nachbar Totoro" und "Die letzten Glühwürmchen" liefen damals in Japan ungefähr zur gleichen Zeit in den Kinos an und die dortigen Zuschauer waren von Takahatas Werk mehr verstört als alles andere und suchten direkten Trost in Miyasakis heiteren Familienfilm. Isao Takahata war immer der "Andere Miyazaki". Der Mann, der relativ schweigsam neben Japans größten, noch lebenden Animator agierte. Zumindest auf dem Papier. Takahatas Werke als Familienfilme zu bezeichnen ist schwer. Es sind sehr spezielle Werke, die sich hauptsächlich an ein älteres Publikum richten. Es war dieses wundervolle Gleichgewicht, was das Studio Ghibli so einzigartig machte. Meistens folgte nach einem Miyazaki relativ zügig auch das neuste Werk von Takahata.

Ich entdeckte das Filmwerk Takahatas auch erst, nachdem ich mir jenes von Hayao Miyazaki zu Gemüte führte. Egal wie viele Trailer ich mir zu den Werken Takahatas ansah, sie alle sahen mir ein wenig zu exotisch aus. Als ich "Die letzten Glühwürmchen" nachholte, da hatte ich dann Blut geleckt. Takahata verkörperte nicht nur eine andere Seite des Studio Ghibli, er war auch viel mehr als nur der Nebenmann, der in dem gleichen Studio wie Hayao Miyazaki arbeitete. Ich schaute mir anschließend "Pom Poko", "Tränen der Erinnerung" und "Meine Nachbarn die Yamadas" an. Was Takahata hier ablieferte war große Filmkunst. Seine Geschichten und seine Charaktere spiegelten seine ganz eigene Philosophie wieder und allmählich begann ich sogar, seine Werke denen von Miyazaki leicht vorzuziehen (aus heutiger Sicht schätze ich natürlich die Filme beider Männer). Doch seltsamerweise waren es nicht "Die letzten Glühwürmchen", ein Film, der mich enorm bewegte, der meine Liebe zur Filmkunst von Isao Takahata entfachte. Es war "Pom Poko". Ein Film über den japanischen Tanuki -Waschbär-. Ein Film mit sprechenden Waschbären deren riesige Hoden omnipräsent im Film dargestellt wurden. In diesem wundervollen Film steckt so viel Leidenschaft und Magie, am Ende kamen selbst einem Eisblock wie mir ein paar Tränchen. "Pom Poko" ist einer von Takahatas wenigen Filmen, mit denen sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichzeitig etwas anfangen können. Kinder werden mit der verspielten art sicherlich ihren Spaß haben, Erwachsene werden hier vermutlich eine Allegorie auf ihre eigene Kindheit sehen. Meine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Film besteht auch weiterhin und daran wird sich auch in Zukunft ganz sicher nichts ändern.

Doch wieso unterscheiden sich Takahata und Miyazaki, zwei Freunde, die an ihrem Arbeitsplatz auch gerne mal als altes, streitendes Ehepaar bezeichnet wurden, so sehr voneinander? Die Antwort ist vielleicht einfacher zu erklären als man annehmen mag. Takahata war kein Animator. Eigenen Aussagen zu Folge besaß er kein großes zeichnerisches Talent. Einige Mitarbeiter des Studio Ghibli sagten jedoch das komplette Gegenteil, als sie seine Storyboards begutachteten. Darüber hinaus war Takahata im Gegensatz zu Miyazaki nie selbst für die Animationen zuständig. Er war als Regisseur und Autor tätig und fungierte oftmals sogar als Produzent einiger Frühwerke von Miyazaki. Takahata agierte mit den Augen eines echten Filmemachers während Miyazaki seine Magie direkt durch seine eigenen Zeichnungen kreierte. Vermutlich waren es diese Unterschiede, weshalb die beiden Männer oft aneinander gerieten und sich dennoch blind verstanden haben.

Neben bekannten TV-Serien wie "Heidi" und "Anne mit den roten Haaren" begann Takahata seine Karriere im TV. Nur die wenigsten deutschen Fans der oben genannten Serien werden wohl seinen Namen mit diesen Werken verbinden (besonders "Anne mit den roten Haaren" ist auch hierzulande noch sehr bekannt). Von der großen Bühne verabschiedete Takahata sich bereits 2013 mit "Die Legende der Prinzessin Kaguya", der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte. Der Film erschien zu einer Zeit in Japan, in der das Studio Ghibli für die Zuschauer nicht mehr das Maß aller Dinge war. Man merkte, wie sich eine Ära dem Ende neigte und die Kinokassen relativ hungrig zurückblieben. Ein Umstand, der mich selbst als Außenstehender sehr traurig machte. In diesem Film vereinte Takahata noch einmal sein ganzes Können. Von der künstlerischen Leitung bis hin zu der tragischen Geschichte der Mond-Prinzessin. Diese moderne Variante der klassischen japanischen Erzählung hat sich in meine Liste der Lieblingsfilme des Studio Ghibli sehr weit nach oben geschlichen. Ich hoffe, der Film wird in Zukunft eine größere Wertschätzung, ganz besonders von den Landsleuten, erhalten.

Takahatas letzte Aktivität auf jener großen Bühne war die gemeinsame Produktion mit Studio Ghibli Mitbegründer Toshiro Suzuki von "Die rote Schildkröte" (2016), ein Film von Michaël Dudok de Wit (ebenfalls nominiert für einen Oscar).

Eine große Karriere des japanischen Animationsfilms endete damit. Eine beeindruckende Geschichte eines sehr beeindruckenden Mannes der sich immer nur zu Wort meldete, wenn er auch wirklich etwas zu sagen hatte. Wehmütig werden Fans von Isao Takahata zurückblicken, doch seine Filme werden immer da sein und uns Trost spenden (vielleicht nicht "Die letzten Glühwürmchen" aber dafür alle anderen Filme, die aus seiner Feder stammen).


Sarabada, Takahata Isao.




Sonntag, 5. November 2017

Aufziehvogel's Geschichtsstunde: Mein letzter Kampf (Game of Death)






Hong Kong 1978

Bruce Lee - Mein letzer Kampf
Originaltitel: Game of Death
Regie: Robert Clouse, Bruce Lee
Darsteller: Bruce Lee (Archivmaterial/Stock Footage), Kim Tai-jong, Yuen Biao, Colleen Camp, Dean Jagger, Gig Young, Hugh O'Brian, Samo Hung, Chuck Norris (Stock Footage), Robert Wall, Kareem Abdul-Jabbar
Lauflänge: Circa 100 Minuten
Verleih: Universum
FSK: Ab 16
Genre: Kampfsport, Action, Drama


Bruce Lee gehörte, ganz ohne Frage, zu den herausragendsten Persönlichkeiten zur späten zweiten hälfte des letzten Jahrhunderts. Kampfsportler, Philosoph, Schauspieler, Regisseur und Erfinder seiner eigenen Kampfsportart. Der sympathische Mann aus Hong Kong (bürgerlicher Name Lee Jun-fan 1940-1973) war ehrgeizig und wollte sein ganzes Leben lang hoch hinaus. Ein Ehrgeiz, der ihm letzten Endes zum Verhängnis wurde, denn noch vor seinem 33. Geburtstag verstarb Lee an einem Ödem im Kopf. Der Tod kam völlig überraschend und hat bis heute einen relativ mysteriösen Beigeschmack hinterlassen, der Verschwörungstheoretiker bis heute nährt. Die tatsächlichen Gründe werden für viele nur schwer zu akzeptieren sein. Lee brachte seinen Körper ans Limit, täglich und beinahe ein Leben lang. Die Überanstrengung des Körpers soll letztendlich für das Ödem verantwortlich gewesen sein.

Lee selbst machte nie ein Geheimnis daraus, die Filme, in denen er mitspielte, die sollten zur Unterhaltung dienen. Wer hier einen tieferen Sinn suche, der sei Fehl am Platz, so Lee. In der Hauptrolle eines Spielfilms sah man ihn nur ganze 4 male (man kann sich streiten, ob man das fünfte mal mitzählen kann). Viele Leser werden jetzt vermutlich aus allen Wolken fallen, haben sie Bruce Lee doch mindestens schon in 50 Filmen gesehen, die gerne mal nach 23 Uhr auf den privaten Fernsehsendern liefen. Weder spielte aber Bruce Lees rastlose Seele mit (atmet auf, Karate Tiger Fans), noch waren es Filme, die zu seinen Lebzeiten abgedreht wurden. Meistens war es jedoch ein asiatischer Schauspieler, der dem Maestro ähnlich sah und unter Namen wie "Bruce Li, Bruce Leigh, Bruce Lie" agierte. Da man so etwas in Deutschland nie so genau nahm, so lange man Geld mit einem bekannten Namen machen konnte, schrieb man meistens "Bruce Lee" aufs Cover und somit entstanden unzählige dieser Nachahmer, wohinter meistens ein billiger Actionfilm aus Hong Kong steckte.

Obwohl die Filme von Bruce Lee eher auf seichte Unterhaltung ausgelegt waren, so profitierten besonders die 3 Produktionen aus Hong Kong (The Big Boss, Fist of Fury, Way of the Dragon) von Lee's Präsenz und seiner Performance als Kampfsportler. Die Geschichten kamen nie über den Plot eines Bud Spencer und Terence Hill Filmes hinaus, doch genau darin lag der Charme. Alle warteten auf fliegende Fäuste und messerscharfe Tritte. Lee spielte meistens den zurückhaltenden Protagonist, der durch einen Schwur daran gebunden war, seine enorme Kampfkraft nicht zu benutzen. Jeder Film steuerte also auf den Höhepunkt zu, wo Bruce Lee's Charakter endlich die Fäuste sprechen ließ. Die gut choreografierten Kampfszenen fanden damals ihren Höhepunkt in "Way of the Dragon", wo sich Lee gegen einen schweigsamen Chuck Norris im Kolosseum einen Kampf auf Leben und Tod lieferte.

Ein vierter Film aus der Hong Kong Ära von Lee sollte 1972 folgen. Ein Film, wo Lee erstmals persönlich auf dem Regiestuhl platz nahm mit dem Ziel, den ultimativen Martial Arts Film zu erschaffen. Die Rede ist von Game of Death. In diesem Film sollte sich Lee als Hai Tien, ein Kampfsportler im Ruhestand, mit der koreanischen Unterwelt anlegen. Ziel der verbrecherischen Organisation war es, an einen besonderen Schatz zu gelangen, der in einer riesigen Pagode von den weltbesten Kampfsportlern gehütet wurde. Die koreanischen Verbrecher wollten dabei von Hai Tiens Kampfkünsten Gebrauch machen, der wiederum ablehnte. Als die Verbrecher Hai Tiens Geschwister kidnappten, wurde er dazu gezwungen, am tödlichen Spiel teilzunehmen.
Mitten während der Dreharbeiten bekam Lee jedoch das Angebot, an einem noch größerem Projekt mitzuwirken. Unter der Leitung von Warner Bros. mit namhaften Schauspielern und einem Budget,  welches Lee's bisherige Projekte maßlos in den Schatten stellte. Lee selbst würde bei diesem großen Projekt nicht nur Hauptdarsteller sein, er würde auch sämtliche Choreographien für die Kämpfe übernehmen. Das typische Angebot, was man nicht abschlagen kann. Lee nahm das Angebot an und Enter the Dragon (Der Mann mit der Todeskralle dt.) wurde nicht nur sein größter Film, er wurde auch einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1973 und gleichzeitig der letzte Spielfilm von Lee, der nur wenige Tage vor der Premiere des Films verstarb.

Lee wandte sich nach den Dreharbeiten zu Enter the Dragon wieder Game of Death zu. Rund 100 Minuten an Filmmaterial soll zu Game of Death existieren, das meiste davon sei jedoch in den Archiven der Filmproduktionsfirma Golden Harvest verloren gegangen. Ein Umstand, den viele Experten bis heute anzweifeln. Als 1978 der Film Game of Death anschließend für die Kinos angekündigt wurde, staunte man nicht schlecht.


Eines der zwei Double im Film


Der Tod von Bruce Lee lag bereits einige Jahre zurück und es war bekannt, dass das fertige Material nicht ausreichte, um daraus einen kompletten Spielfilm zu produzieren. Der Film, der am Ende entstanden ist, war so weit von Bruce Lee's wahrer Vision entfernt wie die Erde zum Mars. Winzige Bruchstücke des Plots wurden in das neue Script übernommen. Lee's Charakter Hai Tien wurde aus dem Script geschrieben und zu Billy Lo, einem aufstrebenden Schauspieler, umgebaut. Lee wurde von 2 Doubles verkörpert, die restlichen Szenen wurden nahezu dilettantisch zusammengesetzt aus Archivmaterial und Stock Footage aus vergangenen Filmen. In den 70ern gab es noch kein CGI um hier nachzuhelfen, doch die art und weise, wie man Lee hier doubelte, war selbst für damalige Verhältnisse amateurhaft und nah an der Grenze des guten Geschmacks (Szenen von Lee's tatsächlicher Beerdigung wurden hier ebenfalls verwendet). Als Regisseur setzte man hier Robert Clouse ein, der bereits bei Enter the Dragon Regie führte.

Am Ende landeten gerade einmal etwas über 10 Minuten aus dem echten Game of Death in dieser 1978 Version des Films. Man hätte nahezu problemlos Lee's Script übernehmen können und aus dem vorhanden Material mit besserer Tricktechnik hier ein wesentlich besseres Ergebnis abliefern können. Stattdessen entschied man sich bei Golden Harvest dazu, das letzte Andenken an Bruce Lee dafür zu verwenden, um eine Allegorie auf das Leben des verstorbenen Stars zu erschaffen, die auf eine recht penetrante art und weise das Filmgeschäft für Lee's Tod verantwortlich macht (und sich unter anderem deshalb bei vielen Fans die Theorie eingebürgert hat, dass Lee von gewissen Leuten vergiftet wurde).


Der Kopf aus Pappe ist eine der vielen Kuriositäten im Film


Warum ist dieser Film entstanden? Die Antwort hierauf ist relativ einfach. Vertraglich war Lee Golden Harvest mindestens noch einen weiteren Film schuldig. Verträge schützen vor dem Tod nicht und man konnte immer noch Lee's Frau dafür haften lassen, diesen Vertrag nicht mehr einhalten zu können. Woran liegt es aber, das dieser Film nicht in Vergessenheit geraten ist und von den Kritiken, Ausnahmen ausgenommen, nicht verrissen wurde? Zum einen hat Clouse hier zumindest handwerklich einen Film geschaffen, der für eine Hong Kong Produktion nicht billig wirkte. Auch die Choreografie der Kämpfe, die komplett unter der Leitung von Samo Hung stattfand, kann sich bis heute sehen lassen. Es ist aber auch die Kuriosität an sich, die dieser Film darstellt, wieso man sich an ihn erinnert. Spätestens seit der Dokumentation "A Warrior's Journey" weiß man, wie viel Material von Lee's ursprünglicher Vision noch existiert. Und trotzdem besitzt diese Version des Filmes eine durchaus gefestigte Fangemeinde. Wusste Bruce Lee wie man Baskettballer Kareem Abdul-Jabbar in einem Kampfsportfilm auftreten lässt, so wirkte Hugh O'Brian in der Version von 1978 in der Pagode des Todes wie ein Fremdkörper. Hier wurden namhafte Schauspieler verbraten, die zu keiner Zeit wirklich den Eindruck machten, als wüssten sie, wofür man sie angeheuert hat.

Tatsächlich lebt dieser Film davon, das er eine Kuriosität ist. Positiv hervorzuheben wäre hier noch die Performance von Colleen Camp, die mit "Will this be the song I'll be singing tomorrow" einen recht melancholischen Titelsong hinzusteuerte (komponiert von dem bekannten John Barry), der die Zuschauer durch den gesamten Film führt und gar nicht so deplatziert wirkt, wie man anfangs annehmen mag.


Der echte Bruce Lee im ikonischem Outfit


Die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Nichts auf einmal eine Version von Lee's Version von Game of Death in Spielfilmlänge auftaucht, ist vermutlich noch wesentlich geringer als die finale Langfassung zu Segio Leones "Es war einmal in Amerika". Der Film, der stattdessen im Jahr 1978 entstanden ist, ist wahrscheinlich von allen Lösungen die schlechteste gewesen, dennoch wird der Film durch den ein oder anderen Aspekt davor gerettet, eine Existenz als Gurke zu führen. Obwohl mehr als 5 Jahre nach Lee's Tod durch die Lande gezogen sind, wirkt der Film oftmals aber unprofessionell und gehetzt. Ob Szenen von der Beisetzung von Bruce Lee hier einen Mehrwert des Films geschaffen haben oder eher als geschmacklos anzusehen sind, dies bleibt jedem selbst überlassen. 
In Deutschland hat man seit 2011 2008* wieder die Gelegenheit dazu, öffentlich darüber zu diskutieren. Denn genau wie Lee's andere Hong Kong Filme ist Game of Death unzensiert nach Jahren auf dem Index in die Kaufhäuser und TV-Sender Deutschlands zurückgekehrt und nun ab 16 freigegeben.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Ein Visionär verlässt die große Bühne: George Romero (1940-2017)




Filmemacher, Autoren, Musiker oder Schauspieler machen sich durch ihr Werk unsterblich. Allerdings macht der Tod selbstverständlich auch vor ihnen nicht halt. In unseren Erinnerungen werden die größten Künstler durch ihre Hinterlassenschaften ewig weiterleben.

In den letzten 2 Monaten hat der Lungenkrebs gleich zweimal zugeschlagen. Am 27. Juni erlag der schwedische Schauspieler Michael Nyqvist mit nur 56 Jahren seinem Krebsleiden. Auch er wird in diesem Gedenk-Posting mit eingeschlossen. In der schwedischen Verfilmung der Millennium-Reihe erlangte Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist auch international große Aufmerksamkeit.

Vor wenigen Tagen, am 15. Juli, verstarb Martin Landau im hohen Alter von 89 Jahren. Einer jüngeren Generation wird Martin Landau als Bela Lugosi in Tim Burtons Verfilmung zu Ed Wood in Erinnerung geblieben sein, eine Rolle, die ihm einen Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte.

Nur einen Tag später, am 16. Juli, erreichte die Medien auch die traurige Nachricht, George (Andrew) Romero verstarb im Alter von 77 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs. Seit nun einigen Jahren rankten sich Gerüchte um den Gesundheitszustand des großen Visionärs.
George Romero gilt nicht nur als Urvater des Zombie-Genre, seine gesellschaftskritischen Horrorfilme inspirierten zahlreiche Filmemacher, sich seinen einzigartigen Stil als Vorbild zu nehmen. Oft kopiert doch unerreicht, so wird das Werk von George Romero genau wie das von Wes Craven vermutlich unerreicht bleiben.



Donnerstag, 14. Januar 2016

In Gedenken an David Bowie und Alan Rickman



Nun ist es schon so weit gekommen, dass ich einen Sammelpost erstelle, um die Verstorbenen zu ehren.

Neben David Bowie, einer der einflussreichsten und bekanntesten Britischen Künstler, ist im gleichen Alter, nur 4 Tage später, eine weiteres britisches Schwergewicht verstorben. Die Rede ist von Alan Rickman. Nach dem Tod von Christopher Lee vermutlich der prägnanteste (zu seiner Zeit noch lebende) britische Charakterdarsteller. Und ohne auf das Thema weiter eingehen zu wollen, da ich es die ganze Zeit lese: Ja, Alan Rickman war unlängst vor seiner Rolle als Professor Snape in Harry Potter ein weltbekannter Schauspieler aus dem Bereich Film und Theater.

Als hätten sie sich beide abgesprochen, erlagen beide Männer im Alter von 69 Jahre einem Krebsleiden. Ein großer Verlust, nicht nur für die britische Musik- und Filmindustrie, sondern für die gesamte Zunft der Musiker und Schauspieler. Lebt wohl und lasst es euch gut gehen, da wo ihr nun seid.

Samstag, 28. November 2015

Buen viaje, Norbert Gastell (1929-2015)



Eine Meldung, die schnell ihre Runde gemacht haben dürfte. Norbert Gastell, 1929 geboren in Buenos Aires als Sohn eines deutschen Journalisten, ist im hohen Alter von 86 Jahren in München verstorben.

Obwohl Norbert Gastell vielen Charakteren im laufe seiner Karriere seine Stimme geliehen hat, so ist es natürlich unmöglich, 24 Jahre Homer Simpson auszublenden. Noch bevor ich überhaupt eine komplette Episode der Simpsons gesehen habe, war es die markante Stimme von Norbert Gastell, die sich bei mir eingeprägt hat. Ich bin selbst verhältnismäßig spät zu den Simpsons gekommen (was ungefähr 1998 gewesen sein dürfte) und konnte der Serie vorher nie viel abgewinnen. Aber der bekannte deutsche Privatsender blieb penetrant und man konnte den Simpsons damals nur schwer entkommen. Und so erwischte es auch irgendwann mich und ich konnte mich der Faszination nicht entziehen.

Vielleicht sogar noch mehr als Dan Castellaneta (Homers englischer Sprecher und beinahe 30 Jahre jünger), prägte Norbert Gastell den Charakter und es ist somit auch keine Überraschung, das seine Interpretation auch weit aus unseren Wohnzimmern hinaus von vielen Fans der Serie geschätzt wurde. Was bleibt ist ein tonnenschweres Erbe von fast 3 Dekaden, knapp 600 Folgen und ein Kinofilm.

Was die Simpsons in Deutschland angeht, könnte dies bereits der endgültige Todesstoß gewesen sein. Denn bereits als Anke Engelke die 2006 verstorbene Elisabeth Volkmann (Dialogregisseur und Sprecher Ivar Combrinck verstarb kurze Zeit später) ersetzte, hat sie es mit ihrer deutschen Interpretation der Marge Simpson nie geschafft, dem Charakter einen Stempel aufzudrücken, wie es ihre Vorgängerin getan hat (was auch nur schwer zu erreichen ist, wenn man die ganze Zeit erfolglos versucht, Julie Kavner zu kopieren)

All das ist aber auf einmal so unwichtig. Mir bleibt nämlich nur noch eines zu sagen: Eine Gute Reise, Norbert Gastell, du wirst uns fehlen.

Samstag, 3. Oktober 2015

In Gedenken an Hellmuth Karasek (1934-2015)

(Helmuth Karasek verstarb im Alter von 81 Jahren am 29. September 2015)


Als ich vor (mittlerweile bereits) rund 3 Tagen von dem Tod von Hellmuth Karasek erfuhr, betrübte mich das sehr. Der Literaturkritiker war einer jener Haudegen, der vermutlich ewig leben würden, würde es keinen Spielverderber geben, der sich im Himmel ein neues literarisches Quartett aufbauen will. Somit folgt ein weiteres Mitglied des bekanntes literarischen Quartetts dem 2012 verstorbenen Marcel Reich-Ranicki.

Hellmuth Karasek lediglich als Literaturkritiker zu bezeichnen wäre natürlich eine bodenlose Untertreibung. Ich habe mich aber entschieden, diesen Begriff zu verwenden, weil ich ihn so kennen und schätzen lernte. Wie für vermutlich viele deutsche Haruki Murakami Leser, wird Hellmuth Karasek sich alleine durch die legendäre Sendung des literarischen Quartetts aus dem Jahr 2000 unsterblich gemacht haben.

Deutschland hat einen weiteren großen Denker verloren. Machen sie es gut, Herr Karasek.

Freitag, 13. März 2015

Der Schöpfer verlässt seine Welt: Terry Pratchett (1948-2015)

Sir Terence David John "Terry" Pratchett: 28.04.1948 - 12.03.2015


Als der Brite 1983 seine Scheibenwelt erschuf, hätte er sich den Fankult, den diese Welt einmal hervorbringen wird, wohl nie erträumt. Was als kleine Spielerei begann, wurde zu einem großen Mythos des Fantasy-Genre. Mit Humor und Satire hat Terry Pratchett seine Leser über Dekaden (auch fernab der Scheibenwelt) begeistert und eine schier unbegrenzte Welt hinterlassen, die viele Autoren wohl auch in den kommenden Jahren noch prägen wird.

Gestern, am 12. März, ist Terry Pratchett im Alter von 66 Jahren an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung verstorben. Sein Schaffen hat Pratchett jedoch längst unsterblich gemacht.