Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Sonntag, 29. Oktober 2017

Top 10: Horror-Sequels



Wir nähern uns der Crunchtime zur Halloween-Nacht, die vermutlich auch bei uns mal wieder viele Filmfans und Familien zusammenbringen wird. Zeit, in letzter Sekunde noch sein eigenes Bier zu brauen und sich dem Netz mitzuteilen, wie zum Beispiel eine Top 10 für Horror-Sequels aussehen könnte. In dieser Aufzählung (von 10 abwärts) zähle ich nicht die "Besten Horror-Sequels" aller Zeiten auf, da so etwas, ganz realistisch betrachtet, kaum machbar ist bei der Menge an Filmen, dafür aber Filme, die mich auf eine spezielle weise auf lange Sicht begeistert haben.

Altmeister Wes Craven hat uns unzählige male die Regeln der Fortsetzung eines Horrorfilms erklärt. Mehr Blut, mehr Opfer und neue Twists. Meistens klappt die Regel noch ganz gut bei einer direkten Fortsetzung, alles darüber hinaus wird aber bereits problematisch, besonders, wenn ein Horror-Franchise mehr als 5 Filme vorzuweisen hat. Dennoch gibt es immer mal wieder im blutrünstigem Genre diverse Ausreißer, die den Karren aus dem Dreck fahren nachdem Studio und Produzenten eine bekannte Reihe gegen die Wand gefahren haben.

In dieser Aufzählung haben zahlreiche Horrorikonen ihren Platz gefunden. Regeln gibt es dennoch zu beachten. Nur 1 Film pro Franchise, keine Reboots/Remakes sofern es nicht die Fortsetzung eines solchen Projektes ist (Prequels hingegen sind ein Sonderfall). Zusätzlich müsste ich noch anmerken, auf das Alien-Franchise werde ich hier nicht eingehen, auch wenn die Filme Horrorelemente enthalten. Ebenfalls abwesend ist Romeros "Dawn of the Dead", der leider nicht mehr lebhaft genug in meiner Erinnerung ist, um ihn einwandfrei zuordnen zu können.

Sind alle vorgewarnt? Dann kanns doch losgehen. Wer besonders mutig ist, kann sich beim lesen in gedämpfter Atmosphäre den Kinderreim aus "Mörderische Träume" antun <(*.*<)







10.
Hellraiser: Hellseeker aka Hellraiser VI
Jahr: 2002, USA
Regie: Rick Bota



Wenn man Hellraiser mit in seine Aufzählung nimmt und es dann auch noch um nennenswerte Fortsetzungen geht, so würde jeder Fan der Reihe wohl "Hellbound" schreien. Tatsächlich ist Hellbound: Hellraiser II eine großartige Fortsetzung. Genau das ist auch das Problem, die erste Hellraiser Fortsetzung hat den anderen Ablegern komplett (zurecht) die Show gestohlen. Was aber nicht bedeutet, dass das Franchise an Bedeutungslosigkeit verloren hat. Miramax hat die Serie erst mit Teil 7 in die Abgründe der Hölle manövriert.
Hellseeker war eine Auftragsarbeit. Das Studio kaufte fertige Scripte, die zu einem neuen Hellraiser-Ableger passen könnten. Nach Inferno (Teil 5) blieb man dieser Linie treu. Man wählte ein passendes Script aus und fügte Charaktere aus dem Hellraiser-Universum ein. Dabei ist jedoch ein recht interessanter Film entstanden. Nicht nur bringen die Macher hier Kristy Cotton, die Protagonistin aus den ersten beiden Filmen, zurück, auch die Zenobiten rund um Pinhead und seiner Höllen-Entourage nehmen wieder einen wesentlich kleineren Part im Film ein. Blut und Splatter wird gut dosiert auf  wenig ausgewählte Szenen verteilt. Viel mehr legt der Film jedoch wert auf Mystery-Elemente und Suspense. Der finale Twist am Ende des Filmes ist gelungen und macht Hellseeker zu dem wohl ungewöhnlichsten, aber auch (bis dato) letzten sehenswerten Ableger der Reihe.



09.
Halloween II (Remake-Timeline)
Jahr: 2009, USA
Regie: Rob Zombie




Für die Puristen der Horror-Ikone eindeutig der traurige Tiefpunkt einer einst legendären Horrorreihe, die, rückblickend betrachtet, jedoch nicht wirklich viel zu bieten hatte was Fortsetzungen angeht. Zombies Halloween II hat sich in meiner Liste knapp vor der Original Fortsetzung aus dem Jahr 1981 durchgesetzt. Die Fortsetzung des Remakes aus dem Jahr 2007 (ebenfalls von Zombie) ist, genauer betrachtet, ein Leckerbissen für Freunde von Exploitation. Diese Fortsetzung ist so eigenständig und exotisch, nur die wenigsten Fans des Franchise konnten mit dem Film etwas anfangen. Im Kino ging Rob Zombies Fortsetzung sang und klanglos unter Buhrufen unter. Der hohe Anteil an Gewalt und Splatter, sowie aber auch einige kontroverse Thematiken waren für die meisten Zuschauer kaum zumutbar und ernteten dem Regisseur viel Kritik ein, dem es letztendlich aber auch egal sein konnte, denn bereits im Vorfeld verkündete Rob Zombie, keinen weiteren Halloween Film mehr drehen zu wollen. Fürs Heimkino gab es einen noch härteren Director's Cut der dem Film aber auch mehr Handlung und ein neues Ende spendierte. Zombies Halloween II ist vermutlich genau der richtige Film für einen Filmabend an Halloween, allerdings wohl aber am wenigsten geeignet für Fans des Franchise.



08. 
Texas Chainsaw Massacre 2
Jahr: 1986, USA
Regie: Tobe Hooper




Der ganze Wahnsinn dieses Films wird einem wohl erst bewusst, nachdem der Abspann gelaufen ist. Nach dem großen Erfolg von Tobe Hoopers Indie-Horrorfilm "The Texas Chainsaw Massacre" folgte mehr als 12 Jahre später eine Fortsetzung des Exploitationsfilmes aus den 70ern. Das Endergebnis der Fortsetzung war  schließlich noch mehr Exploitation, mehr Budget und ein Dennis Hopper, der, glaubt man den Produzenten, manchmal nicht einmal wusste, in welchem Film er gerade mitspielte. Hoppers miserable Performance verlieh dieser Fortsetzung einen etwas ungewollten Trash-Faktor, was aber kaum ins Gewicht viel. War der Vorgänger noch ein bierernster Horrorfilm, so reichten sich in der Fortsetzung wie bei Evil Dead II Horror und Comedy die Hände. Für zartbesaitete ist aber auch dieser Film nichts, denn besonders gegen Ende geht es ziemlich heiß her. Eine Fortsetzung, um die vermutlich niemand gebeten hatte und wahscehinlich dies der Grund dafür war, wieso sie sich so dermaßen vom Original unterschied. Sehenswert ist Texas Chainsaw Massacre 2 aber allemal und in Deutschland nach vielen Jahren endlich wieder für volljährige frei zugänglich.



07. 
Ring 0
Jahr: 2000, Japan
Regie: Norio Tsuruta




Waren die US-Amerikanischen Fortsetzungen zum Ring Remake eine einzige Katastrophe, so konnten sich die Fortsetzungen der japanischen Filme mehr als sehen lassen. Während man eine Bruchlandung hinnehmen musste, als man sich direkt daran machte, Material von Koji Suzuki zu verfilmen (und damit bereits im Science-Fiction Genre angelangt war), so war Ring 2 eine direkte, eigenständige Fortsetzung des ersten Filmes (der bereits relativ freizügig auf Suzukis Roman basierte). Zugegeben, die Fortsetzung war eigentlich ausschließlich war für Leute, die das Original kannten, denn es wurden fast nur offene Fragen aus dem Vorgänger aufgegriffen. Die ruhige, bodenständige Fortführung der Handlung wusste jedoch zu überzeugen.
Ring 0 aus dem Jahr 2000 ist, streng genommen, kein Sequel sondern ein Prequel, welches vor den eigentlichen Ereignissen der Haupthandlung spielt, dennoch habe ich ich mich dazu entschlossen, den Film dieser Liste hinzuzufügen.
Ring 0 basiert auf Koji Suuzkis Kurzgeschichte "Lemonheart", die die tragische Geschichte des Geistermädchens (wie sie zu diesem wurde) Sadako beschreibt. Die Verfilmung von Norio Tsuruta degradiert den Horror ein wenig, dafür sind die Charaktere jedoch wunderbar ausgearbeitet. Etwas mehr Drama als Horror, macht dieses ruhige Prequel dafür aber umso mehr richtig in den Aspekten, wo es drauf ankommt. Durchaus ein Film, der vielleicht mehr Sinn macht für Filmfreunde, die vorhaben, die gesamte Reihe noch einmal oder gar erstmals zu schauen.



06. 
Scream 4
Jahr: 2011, USA
Regie: Wes Craven




Wes Cravens letzter großer Film sollte das Ende der Saga rund um Sidney Prescott einläuten. Und genau dies ist dem Retter des Horrorgenre der 80er und 90er auch gelungen. Wollte Scream 2 zu sehr die Fortsetzung der Fortsetzungen sein und scheiterte dabei, indem Craven und Williamson einfach in größerem Stil Teil 1 kopierten, so driftete man mit Scream 3 sogar den Fluss Absurdum ab. Ganze 11 Jahre dauerte es, bis Scream 4 es in die Kinos schaffte und das bis dato relativ ausgestorbene Slasher-Genre wieder aufleben lies. Dabei spielen Craven und Williamson in diesem Film mehr als zuvor auf der Meta-Ebene und führen die Zuschauer an der Nase herum. Zentrale Themen wie soziale Netzwerke und Smartphones spielen eine wichtige Rolle, der Twist am Ende dürfte selbst Fans der Reihe überrascht haben. In allen Belangen eine erfrischende Fortsetzung, die lange genug auf sich warten ließ, um wieder aktuell sein zu können. Am Ende zahlte sich für alle Beteiligten das Unterfangen nicht sonderlich aus, aber über die Jahre hinweg wird man sich wohl durchaus positiv an Scream 4 erinnern.



05. 
Saw II
Jahr: 2005, USA
Regie: Darren Lynn Bousman



Eine Fortsetzung zu Saw aus dem Jahr 2004 war vermutlich unausweichlich. Rückblickend hat sich Saw in den vergangen über 10 Jahren zu einem Klassiker des Genre gemacht, was so natürlich nie abzusehen war. Die vielen Fortsetzungen haben bei dem Original keinen all zu großen Schaden angerichtet. Saw II war die logische Fortsetzung, leitete aber gleichzeitig auch den Niedergang der Reihe ein. Als Fortsetzung macht Saw II aber zumindest all das richtig, wo zum Beispiel Scream 2 zu viel damals wollte. Teil 1 zu kopieren war hier keine Option. Man musste stattdessen die Stärken des Vorgängers (der Twist also) mit den Regeln der Fortsetzung koppeln. Mehr Blut, mehr Opfer, neue Twists. In der blutrünstigen Fortsetzung setzte Darren Lynn Bousman Jigsaws Vermächtnis fort. Bousman löste James Wan vom Regiestuhl ab, Leigh Whannell war aber noch immer mitverantwortlich für das Drehbuch, weshalb man zumindest auf dieser Position eine fachgerechte Fortsetzung der Ereignisse erwarten durfte. Somit dürfte Saw II bei vielen als wohl sehr brauchbare Fortsetzung in Erinnerung geblieben sein. Leider läutete der Film auch einen düsteren Trend für die weiteren Fortsetzungen ein, die den Begriff "Folterpornos" in der Filmlandschaft etablierten. So lange an Bousman als Regisseur festzuhalten tat der Reihe sicherlich nicht gut, wobei die Reihe es uns schuldig geblieben ist, einen Rohrkrepierer der Güteklasse A vorzulegen.



04. 
Freddy's New Nightmare
Jahr: 1994, USA
Regie: Wes Craven




Es war gar nicht so einfach, sich für eine der Nightmare-Fortsetzungen zu entscheiden. So spielte selbst der bis heute von Fans und Wes Craven persönlich verschmähte zweite Teile eine Rolle bei meiner Entscheidung. Auch Nightmare 3 (Dream Warriors) war hier selbstverständlich eine Option. Besonders waren es aber Nightmare Teil 5 und Teil 6, die die Reihe unweigerlich nach unten zogen. Das größte Problem der Filme war Freddy Krüger zu einer Comedy-Figur zu machen. Freddy Krüger war bekannt für seine Oneliner, ihn aber zu einem wandelnden Joke zu machen war nie die Intention dieser Figur. Die Serie hatte ihren "Ernst" verloren. Freddy Krüger ist nicht der Kumpeltyp, mit dem man gerne abhängen möchte. Dieser Kerl war zu Lebzeiten ein Kinderschänder und im Tod suchte sein ruheloser Geist die Kinder seiner Mörder heim und sorgte für Angst und Schrecken. Genau diese zentralen Elemente benutzte Wes Craven in dieser finalen Fortsetzung, die Freddy Krüger nicht nur in den Träumen weiterleben ließ, sondern auch in der realen Welt. Wie schon Scream, so spielt Freddy's New Nightmare auf einer Meta-Ebene. Die Charaktere spielen größtenteils sich selbst und dem Zuschauer wird klipp und klar deutlich gemacht, dass es sich bei den Vorgängern um Filme handelte, die jetzigen Ereignisse aber in der Realität spielen. Craven verzichtete auf den Humor und lieferte hier einen ernsten Slasher ab. Eine intelligente und gelungene Fortsetzung.



03. 
The Devil's Rejects
Jahr: 2005, USA
Regie: Rob Zombie



Genau wie bei Halloween 2 verkündete Rob Zombie bereits im Vorfeld, bei diesem Film würde es sich um das Ende dieser bizarren Familiensaga handeln. The Devil's Rejects ist die Fortsetzung eines, bestenfalls, mittelklassigen Horrorfilms. "Das Haus der 1000 Leichen" war Zombies Spielfilm-Debüt als Regisseur und in Anbetracht dieser Tatsache hat der Film sogar eine menge richtig gemacht. Hillbilly-Terror gepaart mit Exploitation und ein unerwarteter Showdown machten Zombies Erstling zu einem brauchbaren Film, den man im Vorfeld sicherlich nicht von ihm erwartete hätte. The Devil's Rejects hingegen spielt in einer komplett anderen Liga. Erneut setzt uns Zombie diese unsympathische, mörderische Familie in einer art Horror-Roadmovie vor, die aber unerwartet emotionale Wendungen nimmt, so kurios es klingen mag. Gepaart mit einem großartigen Soundtrack schickt Zombie die Familie Firefly auf eine unangenehme Tour de force. Sämtliche Horrorelemente laufen eher auf Sparflamme, dafür steht der Terror ganz oben. Von sämtlichen surrealen Elementen verabschiedete Zombie sich spätestens bei der Post-Production (darunter eine berüchtigte Szene mit Dr. Satan). Das schmälert jedoch nicht im geringsten den Unterhaltungswert des Filmes. The Devil's Rejects ist einer der wenigen Fälle im Genre, wo die Fortsetzung das Original übertrifft.



02. 
Ju-on 2 (The Grudge 2, Japan-Timeline)
Jahr: 2003, Japan
Regie: Takashi Shimizu



Ich muss mich schuldig bekennen, ich fand den amerikanischen "The Grudge 2" relativ sehenswert. Was auch daran liegen könnte, bei beiden amerikanischen Remakes hat Schöpfer Takashi Shimizu Regie geführt. Das Remake-Sequel war ein Mix aus den japanischen TV- und Kinofilmen und für das westliche Publikum weich gespült, watete dafür aber mit einem überraschend pessimistischem Ende auf. Auf einer komplett anderen Qualitätsebene (wenn auch nicht in Sachen Budget) verhält es sich da aber mit der japanischen Fortsetzung zur Ju-on Saga von Takashi Shimizu, die in Japan als Reihe von TV-Filmen begann. Auch Ju-on 2 ist eine der wenigen Fortsetzungen, die den Erstling noch einmal übertreffen. Die nicht lineare Erzählweise der einzelnen Episoden erschweren das Verständnis des Filmes auf eine positive weise. Angemerkt muss aber auch werden, die Episoden sind eng mit den Vorkommnissen der Ereignisse aus dem ersten Teil verknüpft. Für Leute, die Teil 1 nicht gesehen haben kann dieser von mir erwähnte positive Effekt daher als das komplette Gegenteil wahrgenommen werden. Die durchaus komplexe Fortsetzung ist ein waschechter Horrorfilm, wie er nur aus Japan kommen kann. Am Ende schließt sich ein blutrünstiger Kreis und offenbart noch ein bisschen weniger Hoffnung als das bereits angesprochene US-Sequel. Ju-on 2 ist ein moderner Klassiker des Genre, der in den vergangenen Jahren etwas in der Versenkung verschwunden ist (was auch an fehlender HD-Veröffentlichung liegt) und heute beinahe schon wieder als Geheimtipp gilt.




01. 
Evil Dead II
Jahr: 1987, USA
Regie: Sam Raimi





Sequel/Reboot/Remake, Evil Dead 2 ist alles zusammen. Auf dem Papier ist Evil Dead II natürlich eine waschechte Fortsetzung, aufgrund eines langen Rechtsstreites mit der Produktionsfirma war Sam Raimi für die Fortsetzung dazu gezwungen, diverse Änderungen vorzunehmen. Somit musste auch die Geschichte in den Rückblenden ein wenig anders erzählt werden, als wir sie kennen. Am Ende jedoch spielt all das keine Rolle mehr, weil ja doch niemand mehr danach fragt, sobald der Abspann läuft. War Teil 1 noch ernster Splatter, so schickte Sam Raimi Ash Williams noch einmal in die Horrorhütte, doch diesmal sollte alles anders kommen. Evil Dead II ist eine wahnwitzige Fortsetzung die alles anders macht als das Original und daher kaum noch mit dem Vorgänger verglichen werden kann. Ein Film, wie er vermutlich nur in den 80ern entstehen konnte und oft kopiert wurde, jedoch in all seiner Verrücktheit einzigartig bleibt. Evil Dead II als reine Horrorkomödie zu bezeichnen ist übrigens auch nicht korrekt. Es ist besser, man nimmt den Film genau so, wie er ist und ordnet ihn nicht in Unterkategorien unter. Befolgt man diese Regeln, erwartet einen hier auch heute noch eine der originellsten Fortsetzungen im Horrorgenre.

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