Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Dienstag, 23. Januar 2018

Japanuary Teil 2: Filme 5-8



Mit einer (leider) dreitägigen Verspätung folgt nun Teil 2 des Japanuary-Special, wo ich mir Filme 5-8 angesehen habe und darüber nun ein wenig plaudern möchte. Den dritten Tag der Verspätung widme ich exklusiv Takashi Miikes Adaption zu Blade of the Immortal, den ich mir über zwei Tage hinweg angesehen habe. Dazu im dafür vorgesehenen separaten Eintrag jedoch mehr.

Ohne weitere Umschweife gehts also nun weiter!



5.


Ryuzo and the Seven Henchmen (2015)
Alternativ: Ryuzo and his Seven Henchem
Originaltitel: Ryûzô to 7 nin no kobun tachi
Regie: Takeshi Kitano
Genre: Gangster-Komödie
FSK: Ab 12

Sucht euch einen Titel aus, jeder wird wohl korrekt sein. Während der Film international auf "..... the Seven Henchmen" hört, taufte der deutsche Verleih Capelight ihn auf "..... his Seven Henchmen" was mir persönlich wesentlich besser gefällt (und bei diesem Titel in der Besprechung bleibe). Ryuzo and his Seven Henchmen ist ein Film, wie er vermutlich nur von Takeshi Kitano kommenkann. Kruder Offbeat Humor trifft eine irrwitzige Geschichte um eine Gruppe alter Männer, die einen Großteil ihres Lebens allesamt in der kriminellen Vereinigung der Yakuza verbracht haben (im Mittelpunkt der schroffe aber eigentlich liebenswürdige Anführer und Titelheld Ryuzo). Kitano wurde außerhalb seiner Heimat Japans durch seine ernsten und sehr blutrünstigen Yakuza-Dramen auf internationaler Bühne als erstklassiger Filmemacher bekannt. Das krasse Gegenteil zu dem, wie ihn die Japaner selbst sahen wo er als Person des öffentlichen Lebens in so ziemlich jeder Aktivität als Komiker bekannt war und die Japaner sich nur schwer an seine bierernsten Filme gewöhnen konnten. Kitano ist in jedem Genre daheim und als er seinen Geburtstag am 18.01 dieses Jahres feierte, ist das Multitalent 71 Jahre alt geworden. Auch im Alter will sich Kitano noch immer weiterentwickeln was seine Projekte angeht (gegen ende letzten Jahres verfasste er sogar einen romantischen Roman, den er selbst bald verfilmen möchte). Ryuzo and his Seven Henchmen ist ein Teil dieser Weiterentwicklung. Der Film ist kein Drama wie Brother und auch keine Tragikomödie wie Kikujiros Sommer. Ryuzo and his Seven Henchmen ist eine geradlinige Komödie, die zu keiner Sekunde mehr oder weniger sein will. Die Reaktion auf Kitanos Komödie konnte man als lauwarm bezeichnen und auch einen großen internationalen Release gab es für die alten Männer nicht. Schade drum, denn Ryuzo and his Seven Henchmen ist eine wundervolle Komödie wie sie nicht nur von Kitano selbst, sondern wie sie nur aus Japan stammen kann. Sicherlich nicht Kitanos bester Film (hier ist die Messlatte so hoch angesetzt, dass sämtliche Vergleiche unfair wären), aber ein Geheimtipp, der durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen könnte.



6.


Ran (1985)
Regie: Akira Kurosawa
Genre: Drama, Epos
FSK: Ab 12


"Ran" ist das japanische Wort für "Chaos". Und dieses Wort beschreibt Akira Kurosawas letztes Epos sehr gut. Ein hartnäckiges Gerücht hält sich bis heute, Ran sei der letzte Spielfilm von Kurosawa gewesen, was aber nicht korrekt ist. Nach Ran folgten noch Spielfilme wie "Träume" und "Rhapsodie in August", sein letzter Spielfilm folgte dann 1993 mit "Maadadayo". Ran war Kurosawas Abschied vom Samuraifilm und sein letztes großes Epos, welches er erschaffen hat. Ein Epos, was ihm nach dem kommerziellen Misserfolg wie aber auch von Kritik geprägtem "Kagemusha" keiner mehr zugetraut hätte. Obwohl man bei dem Name Kurosawa häufig an "Die Sieben Samurai" denken muss, ein Meisterwerk, welches Filmgeschichte schrieb, so ist es Ran, der bei vielen Fans des Regisseurs als seine größte filmische Errungenschaft angesehen wird. Und wenn man den Film gesehen hat, wird man auch wissen, wieso viele so denken. Trotz seiner großzügigen Laufzeit von 162 Minuten lässt Ran seine Zuschauer nicht ein einziges mal los. Ein Film, der mit vielen Weisheiten und der ein oder anderen flapsigen Situation beginnt und in einer großen Tragödie endet. Im Mittelpunkt steht hier der alternde Kriegsherr und Eroberer Hidetora Ichimonji, der seine Nachfolge auf seine 3 Söhne übertragen will. Ichimonji wird hier von Tatsuya Nakadai in seiner wohl stärksten Rolle seiner Karriere verkörpert. Ran ist eine direkte Hommage an Shakespeares König Lear, aber wesentlich zugänglicher. Doch auch wenn der Film zugänglicher sein mag als ein Werk von Shakespeare, so ist es dennoch kein Film von Kurosawa, den man sich ansehen sollte, wenn man sich noch nie etwas von dem Filmemacher zuvor angesehen hat. So gleicht Ran in der meisten Zeit mehr einem perfekt inszeniertem Theaterstück als einem Kinofilm. Mit so einem Werk darf man sich gerne von der Filmbühne verabschieden. Ein Kurosawa gab sich damit jedoch noch nicht zufrieden.
Wer den Film heute erstmalig genießen möchte, dem sei die neue deutsche Blu-ray wärmstens empfohlen, diese wurde von einem 4K Master aus restauriert und lässt den Film in einem Licht erstrahlen, welches zuvor nicht denkbar gewesen wäre.



7. Haze




Haze (2005)
Regie: Shinya Tsukamoto
Genre: Horror, Mystery
FSK: Ab 18


Was Ausnahmeregisseur Shinya Tsukamoto hier in 49 Minuten abgeliefert hat gelingt so manchem Regisseur nicht einmal in 2 Stunden (besonders mit Blick auf die moderne Horrorlandschaft). In Haze gibt es wenig Dialoge, eine kryptische Handlung und eine menge verstörende Bilder. All das bildet am Ende eine Einheit und wird Zuschauer, die mit diesem exotischem Werk etwas anfangen konnten, belohnen. Um die kryptische Handlung jedoch zu verstehen ist es eigentlich zwingend notwendig, einige von Tsukamotos Filmen im Vorfeld gesehen zu haben. Einsamkeit, Isolation und die Sehnsucht, der Großstadt zu entkommen sind ein zentrales Thema im Werk des Filmemachers und Schauspielers seit Beginn seiner Karriere. Tetsuo, Tokyo Fist und Vital sind der Schlüssel dazu, Haze ein wenig besser zu verstehen, die Ängste und die Probleme des Hauptcharakters nachvollziehen zu können. Gleichzeitig war es auch Haze, der Tsukamoto und Schauspielerin Kaori Fujii nach Tokyo Fist wieder als gemeinsame Darsteller zusammenführte. So gibt es auch hier ein paar beinahe schon unheimliche Gemeinsamkeiten beider Charaktere aus Tokyo Fist (ein nicht minder exotischer Film Tsukamotos aus dem Jahr 1995). Auch heute noch hat Haze nichts von seiner bedrückenden Atmosphäre und Faszination eingebüßt. Es ist ein Film, der sich einem weder beim ersten noch zehnten mal komplett erschließen wird. Genau deshalb übersteht er die Jahre und lädt mit seiner kurzen Laufzeit immer wieder dazu ein, angesehen zu werden.



8. Blade of the Immortal



Blade of the Immortal (2017)
Originaltitel: Mugen no jûnin
Regie: Takashi Miike
Genre: Action
FSK: Ab 16


Obwohl ich mich mit Miikes aktueller Filmkunst auseinandergelebt habe, so wäre ein Japanuary ohne den Meister der Absurdität kein "echter" Japanuary. Im nachhinein muss ich aber gestehen, dass ich es ein wenig bereue, Blade of the Immortal in meine Liste aufgenommen zu haben. Hier hätte ich "The World of Kanako" stattdessen wählen sollen oder einen von zahlreichen anderen Filmen von Miike, beispielsweise "Gozu". Kommen wir erstmal zu den positiven Aspekten: Blade of the Immortal ist eine Hochglanz Filmadaption eines Manga (original von Hiroaki Samura), wie man sie zuvor nur selten gesehen hat. Vollgepackt mit Action und einem rasanten Stil ist es nicht verwunderlich, dass der Film durchaus viele wohlwollende Kritiken international eingeheimst hat (in der Heimat jedoch gefloppt ist). Doch auch in diesen Punkten konnte Blade of the Immortal mich nicht überzeugen. Bei Takashi Miike war die Fallhöhe schon immer enorm hoch. Blade of the Immortal war sein 100. Spielfilm, eine beeindruckende Zahl für einen Regisseur, die vermutlich nicht mehr häufig getoppt werden wird (Miike steht mit nicht einmal 60 Jahren noch längst nicht am Ende seiner Karriere). Miikes Filme muss man unterscheiden zwischen Auftragsarbeiten und Filmen, die wirklich komplett aus seiner Feder stammen. In den 90ern und der frühen Zeit nach der Jahrtausendwende avancierte Takashi Miike nicht nur zum Provokateur des japanischen Films, er machte sich auch einen Ruf als Kult-Regisseur. Filme wie "Dead or Alive", "Audition" oder "Ichi the Killer" werden unvergessen bleiben. Miikes Yakuza-Filme wandelten stets von Trash bis hin zu stilvollen Unterweltdramen, die gerne auch mal mit dem Ende der Welt den Abspann des Films einleiteten. Von diesem sehr experimentellem Stil verabschiedete Miike sich nach und nach. Was man von Miike am wenigstens erwartete waren wohl epochale oder ernste Samuraifilme. Mit "13 Assassins" bewies Miike jedoch 2010 das Gegenteil und lieferte einen seiner handwerklich besten Filme ab. Nur 1 Jahr später bestätigte er sein Können erneut mit dem ruhigen Samurai-Drama "Hara-Kiri". Danach ging es mit Miikes Schaffen jedoch unbeständig weiter.

Angekommen sind wir also nun bei seinem 100. Film und es ist nach "Ace Attorney" und "Terra Formars" wieder einmal eine Adaption. Blade of the Immortal lässt dabei leider die Intensivität von 13 Assassins und das Drama aus Hara-Kiri vermissen. Beides versucht der Film irgendwie unter einen Hut zu bekommen, trotz einer Laufzeit von 140 Minuten schafft es Miike aber nicht, die Geschichte um den unsterblichen Samurai Manji mit seinem Schwesterkomplex und der jungen Rin zu einem befriedigendem Gesamtwerk zu formen. Startet der Film extrem vielversprechend mit einem Rückblick und Farbfilter in monochrom (der sehr an die Optik von "Sword of Doom" aus dem Jahre 1966 erinnert), geht der Film anschließend seines Weges und verläuft sich praktisch bis in eine Sackgasse. Die Geschichte bietet wenig Höhepunkte, die Action verläuft wesentlich unblutiger als angenommen und ein großer Teil der Handlung wirkt sowohl gestrafft als auch verkürzt, beinahe, als hätte man nachträglich noch um die 30 Minuten an Film entfernt. Bereits nach rund 20 Minuten werden diese seltsamen Sprünge im Film erstmals deutlich. Sein wahres Potential schöpft Blade of the Immortal nie aus und will zu viel auf einmal. Miikes Handwerk bleibt bis auf wenige Momente im Dunkeln. Im Verlaufe des Filmes blitzt das Potential oftmals kurz auf, schnell aber verfällt diese Adaption wieder in ihre gewohnt gehetzte Monotonie. Eine gehetzte Monotonie? Das beißt sich doch, oder?

Nach "The Villainess" aus Südkorea besiegelt Blade of the Immortal bereits die zweite Enttäuschung für mich in diesem Filmjahr und ein Blick auf Miikes kommende Projekte lässt mich ihm gegenüber auch leider nicht in Euphorie verfallen. Schade drum.



Obwohl mein Japanuary mit einer persönlichen Enttäuschung endete, hat mir dieses Filmprojekt eine menge Freude bereitet. Hoffen wir auf eine Fortsetzung. 
In diesem Sinne bleibt mir nur allen Bloggern, Podcastern und Filmfans aus sämtlichen Medien weiterhin viel Freude beim Japanuary 2018 zu wünschen!


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