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Dienstag, 15. Oktober 2013

Rezension: Träume (Akira Kurosawa)




Japan 1990

Originaltitel: Yume
Regie: Akira Kurosawa
Darsteller: Akira Terao, Mitsuko Baisho, Toshie Negishi, Mieko Harada, Mitsunori Isaki, Martin Scorsese
Lauflänge: Circa 119 Minuten
Genre: Magical Realism
Verleih: Warner
FSK: 12


Trailer




Akira Kurosawa ist vermutlich nicht nur einer der brillantesten Regisseure Japans, er ist auch einer der großen Visionäre, der die Sichtweise der bekanntesten westlichen Filmemacher beeinflusst hat. Ob Sergio Leone, George Lucas oder Steven Spielberg, sie alle verehrten den Japaner und, recht interessant, arbeiteten teilweise sogar mit ihm zusammen. Im hohen Alter von 88 Jahren verstarb Kurosawa 1998 und hinterließ ein bis Heute unumstrittenes Erbe. Ein Erbe, welches ihm praktisch nur noch einmal Hayao Miyazaki mit seinem Lebenswerk streitig machen könnte.

Eine Rezension zu Träume könnte dem Filmemacher somit nicht ganz gerecht werden. Sein drittletzter Film aus dem Jahr 1990 zählt ganz eindeutig zu den eher schwächeren seiner Karriere. Doch selbst ein schwächerer Kurosawa ist eigentlich immer noch ein fantastischer Film. Das Thema aber, dies setzte Takeshi Kitano rund 12 Jahre später mit seinem Meisterwerk Dolls aber wesentlich besser um.

Die Geschichte dieses in Deutschland recht unbekanntem Kurosawa Filmes ist als besonders ärgerlich zu bezeichnen. Vor etlichen Jahren sollte bzw. ist eine DVD erscheinen, die vom Warner Verleih angekündigt wurde, aber nur sehr limitiert veröffentlicht wurde. Grund dafür waren weniger Lizenzprobleme als vielmehr ein Eklat der Käufer. Warner legte etliche ältere Filme neu auf, und veröffentlichte diese, beinahe komplett ohne Restauration, erneut auf DVD. Ich habe eine dieser umstrittenen DVD's damals gesehen (Tommyknockers) und war weder überschwänglich begeistert, noch komplett enttäuscht von der gezeigten Qualität. Abgesehen davon ist Tommyknockers eine TV-Produktion die an sich nicht teuer produziert war. Die Geschichte endete letztendlich damit, dass die Produktionen aufgrund mangelhafter Qualität eingestellt wurden.

Der Inhalt von Träume ist relativ fix zusammengefasst. Immerhin sind Dialoge, gewollt, Mangelware in diesem Film (und dennoch sind es immer noch zu viele). In knapp 2 Stunden präsentiert Kurosawa 8 unterschiedliche Kurzfilme, die allesamt auf den Träumen des Regisseurs basieren. Wie viel da letztendlich dran ist, kann man natürlich nicht so genau sagen. Die Idee dahinter ist fantastisch, die Umsetzung jedoch weniger befriedigend. Alle 8 Geschichten (nur die Kurzfilme Sunshine through the Rain und The Peach Orchard sind inhaltlich miteinander verknüpft) sind fantasievoll gestaltet, und unterscheiden sich sehr voneinander. Auch thematisch zeigt jeder Traum eine andere Welt. Neben den teils wunderschön surrealen Bildern, haben die Kurzgeschichten aber recht wenig zu bieten. In vielen Geschichten, wie zum Beispiel The Tunnel, eine Geschichte über einen Soldat, der aus dem Krieg heimkehrt und von den Geistern seiner gefallenen Kameraden heimgesucht wird, wo ein beinahe schon penetranter Pathos mitschwingt, und Mount Fuji in Red, ein Kurzfilm, der ein in Japan immer wieder aktuelles Thema wie Nuklearkatastrophen aufgreift, haftet eine seltsame Moralpredigt an. Beinahe, kam es mir vor, war es, als wollte Akira Kurosawa vor dem Ende seiner Karriere noch einmal auf die Fehler in der modernen Gesellschaft hinweisen. Gelungen ist ihm das nicht wirklich gut. Ich hätte mir eher gewünscht, wenn es neben den grandiosen Bildern überhaupt keine Dialoge gegeben hätte. Jeder Kurzfilm folgt dann aber doch einem Plot, und genau dieser Plot tut dem Film als Ganzes nicht ganz so gut.



Träume lässt ein wenig Kurosawas Perfektion und Ehrgeiz vermissen. Das war bereits bei Kagemusha schon so, der, genau wie Träume, international produziert war. Zu den Geldgebern gehörten sowohl George Lucas als auch Steven Spielberg. Und, obwohl die Hollywood Giganten Kurosawa völlige künstlerische Freiheiten gaben, floppten sowohl Kagemusha als auch Träume an den Kinokassen.

Zieht man die Plots aber von der Summe ab, dann können alleine die gezeigten Bilder überzeugen. Träume ist sehr ruhig gehalten, was auch für die gut gewählten Klangeffekte gilt. Es gibt auch einige schöne und entspannende Musikstücke. Wer sehr experimentierfreudig ist, der kann den Hauptfilm ja mal auf stumm schalten und zu den gezeigten Bilder die Musik von Joe Hisaishi laufen lassen. Selbstverständlich nur, wenn man sich Träume einmal komplett im Original angeschaut hat.


Resümee

Nicht einmal ein Martin Scorsese als Vincent van Gogh (eindeutig aber ein gelungener Auftritt) schafft es, Träume zu einem Film zu machen, der in Erinnerung bleiben wird. Obwohl alle Kurzfilme auf Träume des Regisseurs basieren, folgen sie doch einem Plot (was bei Träumen und Albträumen ja völlig absurd wäre), und obendrauf ein ziemlich moralischer dazu. Wunderschöne Bilder wie in The Peach Orchard oder eher verstörende Bilder wie bei Mount Fuji in Red werden meistens durch langweilige, wie aber auch unterdurchschnittlich geschriebene Dialoge zunichte gemacht. Das macht die so vielversprechende Idee dann doch sehr fade und für einen Kurosawa Film wenig interessant. Und dennoch sage ich nicht, Träume ist ein schlechter Film. Wer die Filme des Japaners verehrt, der wird auch Träume mögen. Das gleiche gilt natürlich für alle Fans der japanischen Filmkunst. Westliche Zuschauer dürften aber überfordert oder gelangweilt sein, sollten sie Träume dann doch komplett gesehen haben. Aber all die Kritik kann jedem Kurosawa Fan auch egal sein. Denn beweisen musste der Mann mit diesem Film sicherlich nichts mehr.

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