Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Sonntag, 9. Oktober 2016

Tag 7 Review: Train to Busan (Schocktober)



Trailer





Südkorea 2016

Train to Busan
Originaltitel: Busanhaeng
Regie: Sang-ho Yeon
Darsteller: Yoo Gong, Soo-an Kim, Yu-mi Jeong, Dong-seok Ma, Sohee
Laufzeit: Circa 118 Minuten
Genre: Horror, Action, Drama
Deutscher Verleih: Splendid
Deutscher Start: 1 Quartal 2017
FSK: Noch ausstehend


Was habe ich aus der verspäteten Sommerpause denn für Souvenirs mitgebracht? Viel befindet sich in meinem Koffer zwar nicht, dafür aber ein echter Geheimtipp, der längst kein Geheimtipp mehr sein dürfte. "Train to Busan" (Busanhaeng orig. Titel) ist die "quasi" südkoreanische Antwort auf "World War Z". Minus überlandenden CGI-Effekten und Minus PG-13 Einschränkungen. Eine Splatter-Orgie, und so viel will ich schon einmal vorwegnehmen, wird es aber auch in Train to Busan nicht zu sehen geben, der Film hat in dem sonst so strengem Südkorea eine milde "Ab 15" Freigabe erhalten. Eine Splatter-Orgie hat diese Zombie-Apokalypse aber auch gar nicht nötig, denn Train to Busan punktet dafür auf wesentlich wichtigeren Ebenen.

Die Geschichte ist schnell erklärt und wird sicherlich nicht den Preis für Tiefgang und Innovation erhalten. Im Mittelpunkt steht ein Familienvater mit seiner jungen Tochter, die ihre Mutter in Busan besuchen will. Besonders scharf darauf ist der sture Erfolgsmensch Seok Woo nicht, da er aber seiner Tochter bereits zum zweiten mal eine Nintendo Wii zu ihrem Geburtstag geschenkt hat, kann er der Tochter ihren Wunsch nicht abschlagen, gemeinsam als Wiedergutmachung für das misslungene Geschenk zur Mutter und somit zu Seok Woo's "Noch-Ehefrau" zu verreisen. Spontan packen die beiden ihre Sachen zusammen und nehmen den Zug nach Busan, wo sie natürlich fest im glauben sind, unbeschadet anzukommen. Doch im Fernsehen des Zuges werden bereits beunruhigende Bilder aus der Stadt gezeigt, die von seltsamen Aufständen berichten und Menschen, die anscheinend wahllos Fremde Personen anfallen. Kaum legt der Zug ab und befindet sich außerhalb des Bahnhofes, wird dieser schon von den Untoten überrannt ohne das die Fahrgäste etwas mitbekommen, bis zu jenem Moment, wo es einer der hungrigen Zeitgenossen mit an Board geschafft hat und seinen Hunger stillen will.


(Quelle: Fandango)


Gerade wo man meint, die Ära an hochqualitativen Filmen aus Südkorea sei unlängst vorbei, lehrt uns Train to Busan das Gegenteil. Doch beweist der Film nicht nur, dass er gelungene Filmkost aus Südkorea ist, sondern sich auch durchaus mit westlichen Zombiestreifen messen kann. In der Vita von Regisseur Sang-ho Yeon sind noch nicht all zu viele Filme verzeichnet (hauptsächlich sind es sogar Animationsfilme), Train to Busan ist handwerklich aber so routiniert, dass man meinen könnte, man schaue das Werk eines etablierten Filmemachers. Ich werde mich natürlich nun hüten, die Filmkunst nicht mit der von Park Chan-wook oder Jee-woon Kim zu vergleichen. Dennoch gibt es an Train to Busan nichts, was man stark bemängeln könnte. Besonders der Einsatz von eher wenig Computereffekten (wenn auch gegen Ende stärker vorhanden) hat mich sehr heiter gestimmt, denn gerade moderne Zombiefilme triefen leider vor visuellen Effekten, ganz besonders bei den Zombies selbst (Resident Evil lässt grüßen). Train to Busan beginnt ruhig, nimmt aber sehr schnell furios an Fahrt auf und ehe man sich versieht, befindet man sich mitten im Getümmel. Der Zug selbst verleiht dem ganzen Szenario noch einen zusätzlich klaustrophobischen Touch. Die Zombies sind schnell, gefährlich und hinterlassen Angst und Panik.

Mit der Zeit stoßen weitere Gefährten zu Seok Woo und seiner Tochter Soo-ann. Der Cast (mir leider größtenteils unbekannt) ist hervorragend gewählt und die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz (manche hingegen weniger, was jedoch ein Spoiler wäre). Genau hier liegt aber auch die größte Schwäche von Train to Busan. So kommt dem Film aus Südkorea in die Quere, dass es sich hier um einen südkoreanischen Film handelt. Klingt es zu verstrickt? Dann erkläre ich es. Train to Busan haftet leider auch eine große Portion Schmalz an. Dann und Wann kommt es einem vor, als schaue man ein K-Drama, welches sich unter der Hülle eines Zombiefilms geschmuggelt hat. Von Kitsch über Overacting und über-dramatischer Szenen ist alles dabei. Diese Szenen spiegeln sich dann auch leider in der Laufzeit wieder und man wünscht sich, der Film würde 15-20 Minuten kürzer sein (was nicht bedeutet, dass ich um eine unsägliche, für den Westen getrimmte Fassung bitte). Relativ zügig fängt sich die Situation jedoch und konzentriert sich wieder vollkommen auf seine Stärken. Hier hat man aber ein wenig an Potential verspielt. Besonders gegen Ende hin wäre mehr drin gewesen, stattdessen setzte Regisseur Sang-ho Yeon etwas zu viel auf Klischees und altbewährtes.


(Ein Teil der Besetzung von Train to Busan inklusive Regisseur Sang-ho Yeon oben rechts)




Fazit

"Train to Busan" war ein großer Erfolg in Südkorea. Auf dem Bild über diesen Text bedankt sich die Besetzung für den wahnsinnigen Erfolg. Und genau dieser Erfolg machte schnell die Runde. Auf Filmfestivals außerhalb Südkoreas machte das Zombie-Drama die Runde. Genau so war Train to Busan auf auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest ein Hit. So war es wenig überraschend, dass sich bereits ein deutscher Verleih die Lizenz geangelt hat. Im 1. Quartal 2017 wird Train to Busan, inklusive dem Prequel-Anime in Spielfilmlänge, "Seoul Station" (beide Werke sind eng miteinander verknüpft), in Deutschland via "Splendid" erscheinen.

Alles in Allem ließ mich Train to Busan mit einem guten Gefühl zurück. Meine Begleitung war sogar noch wesentlich beeindruckter als ich. Train to Busan ist nicht die Revolution des Zombiefilms, aber genau das versucht der Film auch gar nicht zu sein. Stattdessen steigt der Zuschauer einfach in den Zug ein und befindet sich mitten im Geschehen. Und das macht der Film verdammt gut, seine Zuschauer so mitzureißen, wie die Fahrgäste im Film. Wie immer bei solchen Filmen bekommt hier niemand eine Garantie, die Reise zu überleben, weder das kleine Mädchen, nicht der sympathische Spaßvogel und auch nicht der sich sorgende Familienvater. Aber trotzdem haben sie alle von Beginn an eine realistische Chance, diese Apokalypse zu überleben. Genau dieses Prinzip macht Train to Busan bis zur letzten Minute unberechenbar.

Wir haben es hier also mit einem richtig guten Zombiefilm zu tun, der mit etwas mehr Raffinesse ein herausragender Zombiefilm hätte werden können. Sehenswert ist Train to Busan allemal, selbst für Asia-Neulinge ist der Film eindeutig einen Blick wert.

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