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Sonntag, 14. April 2013

Rezension: Resident Evil: Marhawa Desire (Band 1)




Japan 2012 (wird fortgesetzt)

Resident Evil: Marhawa Desire 1, Alternativ: Biohazard: Marhawa Desire 1
Veröffentlichung: Juni 2012
Verlag: Kaze Manga
Zeichner: Naoki Serizawa
Szenario: Capcom
Übersetzung: Josef Shanel, Matthias Wissnet
Genre: Action
Kategorie: Seinen
Altersempfehlung des Verlags: Ab 16
Preis: 7,99 Euro




Die Filme haben es vorgemacht, Capcom war beeindruckt. Resident Evil (Biohazard in Japan) muss ein ganz großes Franchise werden.
Die Produzenten machten kein Geheimnis daraus als sie sagten: "Für Horror ist der Markt mittlerweile zu klein." 
Und was tut man dann? Ganz einfach! Man setzt auf Action. Während Schöpfer Shinji Mikami 1996 das Grauen auf unsere Playstation brachte, bringt eine neue Generation von Capcom Mitarbeitern nun die Ballerei auf unsere Konsolen. Resident Evil muss einfach noch viel größer und bekannter werden als es in der Vergangenheit war. 2012 sollte das Jahr von Resident Evil werden. 3 neue Spiele, 2 Spielfilme und ein Manga. Lediglich der 3DS Handheld-Titel Resident Evil: Revelations und der CGI-Film Resident Evil: Damnation wurden dabei nicht von Fans und Presse zerrissen. Es sollte das Jahr von Resident Evil werden, und nun muss das Franchise nach dem Misserfolg von Resident Evil 6 um sein fortbestehen bangen. Die Capcom Bosse sind unzufrieden und werden wohl nun den ein oder anderen Mitarbeiter zur Verantwortung ziehen. Man hat sich maßlos überschätzt und nun weiß man nicht so wirklich, was man mit all der Kritik anfangen soll.

Einen Manga von Resident Evil gab es bis dato nicht. Es gibt die Romane und auch Comics, in die Welt der japanischen Zeichenkunst hatte man sich allerdings noch nicht gewagt (wenn auch durchaus oft geplant). Doch kann wenigstens der Manga an die ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen? Leider macht Band 1 nicht diesen Eindruck. Man engagierte den recht unbekannten Zeichner Naoki Serizawa für die Illustrationen (wohinter aber in Wahrheit ein komplettes Team steckt). Zumindest in diesem Punkt glänzt Marhawa Desire. Die Zeichnungen sind detailreich und man verzichtete auf große Kulleraugen und exorbitante weibliche Rundungen. Die Story hingegen ist so hauchdünn wie Blätterteig. Zeitlich gesehen spielt Marhawa Desire vor dem sechsten Teil und im Mittelpunkt steht die konservative Marhawa Academy im Nirgendwo von Asien. Professor Douglas Wright, Experte in Sachen Bioterrorismus, wird von der Schulleiterin, einer alten Freundin und Geliebten, gebeten, sich die Vorkommnisse an der Schule mal anzusehen. Es scheint sich ein Fall von Biohazard ereignet zu haben. Ein Mädchen scheint sich mit dem T-Virus infiziert zu haben. Zusammen mit seinem Neffe Ricky Tozawa macht sich Wright auf, der seltsamen Bitte nachzugehen. An der Akademie angekommen, spitzt sich die Lage zu weil die strenge Schulleiterin sämtliche Hilfe von Außerhalb verweigert um den guten Ruf der Schule zu bewahren. Als das Virus immer mehr Schüler befällt, kann nur noch Chris Redfield und seine BSAA helfen.

Verliebte Teenager, Teeniegeilheit und fragwürdige Dialoge. All das bekommt man bis zur ersten Hälfte des ersten Bandes zu sehen und zu lesen. Die Geschichte ist dermaßen belanglos, dass es nicht gerade einfach für mich war, den Band fortzuführen. Zwar wird der Plot in den letzten Kapiteln nicht gerade spannender, aber dafür zum Glück wesentlich ernster. Irgendwann fängt sich Marhawa Desire und mutiert letztendlich sogar zu einem soliden Manga dessen Fokus eindeutig auf Action liegt. Selbst etwas Splatter gibt es zu sehen, wenn man auch sicher sagen kann, dass es kein einziges mal zu grafisch wird.

Resident Evil Routinier Chris Redfield und sein Team nehmen einen überraschend unbedeutenden Part im ersten Band ein. Allerdings dürfte sich das spätestens in der Fortsetzung ändern.
Was die Geschichte angeht, hat sich Resident Evil bereits in Teil 4 der Videospiele ein wenig verirrt. In dessen Fortsetzung fand man dann doch noch einen einigermaßen brauchbaren Abschluss, bevor man dann für den sechsten Teil aber den Gott der Übertreibung beschworen hat. In Marhawa Desire ist das nicht anders. Der Plot liegt auf dem Niveau eines mäßigen B-Movie Streifens. Ich weiß nicht genau wie viel Anteil Capcom und wie viel davon von dem Mangaka Serizawa selbst stammt. Der Fakt ist allerdings, was hier geboten wird, hat nur noch im Entferntesten mit Resident Evil zu tun.

Preislich gesehen bewegt sich Kaze Manga am Rande des guten Geschmacks. Sind sie bereits ein teures Label was die Vermarktung ihrer DVD's und BluRay's angeht, stehen sie dem in Sachen Manga  in nichts nach. Das Büchlein ist gerade mal etwas über 150 Seiten dick und kostet stolze 7,99 Euro. Damit gehört Kaze Manga zu den teuersten Vertretern der deutschen Manga-Szene.


Resümee

Ob ich zur Marhawa Academy noch einmal zurückkehren werde, weiß ich nicht. Zwar interessiert mich nun inwieweit sich die Ereignisse in Band 2 zuspitzen werden, allerdings kann ich mir nicht so ganz vorstellen, dass man aus dem dünnen Plot noch viel Saft herausquetschen kann. Es gibt einfach zu wenig interessante Charaktere, geschweige nennenswerte Momente. Zeichnerisch hat Mangaka Naoki Serizawa einiges zu bieten, alle anderen Inhalte sind solide bis mäßig. Die Hardcore-Fans werden wohl die ersten sein, die von diesem Werk Abstand nehmen. Gelegentliche Manga-Leser, die Zombies mögen, könnten aber ihren Spaß haben. Wer jedoch nach einer ernsten Zombie-Alternative aus dem Seinen-Genre sucht, der ist mit I am Hero wesentlich besser bedient.

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