Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Freitag, 4. September 2015

Rezension: Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong (Mai Jia)

(Foto: Aufziehvogel)





China 2002

Der verhängnisvolle Talent des Herrn Rong
Autor: Mai Jia
Originaltitel: Jiemi
Veröffentlichung: 2002 (China), 31. August 2015 in deutscher Übersetzung bei DVA
Übersetzung: Karin Betz
Genre: Familienroman, Historischer Roman, Spy Fiction


"Ehrlich gesagt, gefiel mir die Geschichte gar nicht. Ich muss Ihnen ja nicht verraten, dass wir, falls er nur so tat als ob, ein ernsthaftes Problem gehabt hätten. Denn warum sollte man seine Forschungsaktivitäten verschleiern, wenn nicht deshalb, weil sie aus ethischen oder rechtlichen Gründen nicht vertretbar waren? Und wenn es so war, war der arme Zhendi das ideale Opfer, das sich zu seinen Zwecken missbrauchen ließ. Die Gerüchte, die an der Fakultät um das Verhältnis der beiden kreisten, hatten mich schon länger misstrauisch gemacht. Ich war ehrlich darum besorgt, dass der Junge getäuscht und benutzt wurde. Er war schließlich immer noch ein Kind, naiv und emotional unreif, er wusste nichts von menschlichen Abgründen. Wollte man jemanden übervorteilen, gab es kein besseres Opfer. Er war gutgläubig, einsam, respektvoll und fraß alles in sich hinein, statt sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren.
Glücklicherweise tat Lisewicz wenig später etwas völlig unerwartetes, das meine Sorgen mit einem Schlag zerstreute." - Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong. Übersetzung: Karin Betz


Bevor ich mit der eigentlichen Besprechung beginne, im Vorfeld noch etwas zur Übersetzung: Hier geht der Lob an DVA und Zhejiang Literature & Art Publishing House, die diese deutsche Ausgabe gefördert haben. Man hätte sich nämlich leicht davonstehlen können und auf eine kostengünstige Übersetzung aus der bereits erhältlichen englischen Ausgabe setzen können, ist diesen Schritt aber glücklicherweise nicht gegangen. Stattdessen wurde, wie es sich gehört, direkt aus dem Chinesischen übersetzt. Sollte Usus sein, viele Verlage bewiesen leider schon gegenteiliges. Die deutsche Übersetzung von Karin Betz liest sich flüssig und leicht verständlich, ein bereits großer Pluspunkt, bevor man überhaupt richtig in diese komplexe Geschichte eintaucht.

Nun aber zur Besprechung. Da stoße ich gleich vor meine erste Frage: Wer ist eigentlich Mai Jia? Seine Vita verrät, er gehört zu den erfolgreichsten Autoren Chinas (5 Millionen Buchverkäufe an physischen Exemplaren, 10 Millionen an digitalen Absätzen). Mai Jia ist aber in Wirklichkeit Jiang Benhu. Ein Autor, der also unter einem Pseudonym arbeitet und über den sich in seinem Heimatland viele Gerüchte ranken. Die Öffentlichkeit scheut Mai Jia aber nicht, im Gegenteil. In Interviews redet er relativ frei und unbeschwert, und, etwas, was mir schnell aufgefallen ist, extrem selbstbewusst, ohne jedoch arrogant zu wirken. Ein Mann, der von seinen Fähigkeiten, von seiner langen Erfahrung anscheinend überzeugt ist. Ein genauer Geburtsmonat von Mai Jia ist anscheinend nicht bekannt. Da er 1964 geboren ist, ist er also entweder 50 oder 51 Jahre alt. Zudem ist der Chinese auch noch Präsident der Zhejiang (chinesische Provinz) Writers Association sowie Vizepräsident der Zhejiang Literature and Art Association.

Ich muss zugeben, bevor ich "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" begonnen habe zu lesen, hatte ich eine menge Freude daran, mir Hintergrundinformationen über den Autor selbst anzueignen. Genau wie die japanische Literatur, stagniert auch die für viele Leser so exotische chinesische Literatur im Westen. Die Übersetzungen sind kostspielig, und ob die Titel den westlichen Lesern zusagen ist genau so riskant wie auf einen völlig unbekannten Autor große Hoffnungen zu setzen. Mit der Veröffentlichung von "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" ist aber schon einmal ein wichtiger Anfang gemacht worden was den Trend zur modernen chinesischen Unterhaltungsliteratur angeht. Und so exotisch ist das fremde Terrain gar nicht, denn wie in jedem anderen Land auch, befinden sich ebenfalls im fernen Osten hochtalentierte Autoren.

"Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" ist in China bereits 2002 unter dem Titel "Jiemi" (auf deutsch so viel wie "Entschlüsselung") erschienen und war dort ein Bestseller. Zu einem landesweit bekannten Autor wurde Mai Jia aber nicht durch "Jiemi", sondern viel mehr durch die TV-Adaptionen, die man aus seinen Werken machte. Mai Jias Name wurde dabei häufig von den Produzenten übergangen oder man degradierte ihn im Abspann häufig zu einem einfachen Writer der an der Adaption mitgewirkt hat. Der Autor kämpfte jedoch als Schöpfer seiner Werke öffentlich dagegen an, prangerte an und gewann praktisch seine Autorschaft zurück. In China nicht unbedingt die Tagesordnung. Es war also dieses Ereignis, welches Mai Jia landesweit bekannt machte und automatisch dadurch wurde so ziemlich jedes seiner bis dato veröffentlichten Werke nachträglich zu einem Bestseller.

Im vergangenem Jahr bereits erschien "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" auch erstmals in englischer Übersetzung, die jedoch weitgehend kritisiert wurde. Ein weiterer Grund, wieso eine deutsche Übersetzung nur aus der chinesischen Sprache sinn machte.
Besonders die Amerikaner nahmen das Buch mit gemischten Gefühlen auf. Die Leser, die aber mit allen Hintergründen vertraut waren, waren angetan. Doch wie kommt so eine zweigeteilte Meinung zustande? Der Grund ist wenig plausibel. Viele Leser haben hier mit einer echten Biografie gerechnet. Mit einer authentischen Biografie eines Genies, welches wirklich einmal lebte. Mai Jia versteht es zwar perfekt historische Ereignisse und die Realität mit Fiktion und seinen Charakteren zu verknüpfen, die Geschichte um das Mathematik-Genie, den brillanten Codeknacker Rong Jinzhen, die ist komplett aus Mai Jias Fantasie entsprungen. Der Autor selbst hat hier aber eine menge Erfahrung seiner rund 17 jährigen Dienstzeit bei der chinesischen Armee mit einfließen lassen. In einigen übersetzten Interviews redet Mai Jia offen darüber, dass er Romane schreibt, die die Menschen unterhalten sollen. Wer hier also nach wahren Begebenheiten sucht, der wird wohl nicht fündig werden. Mai Jia ist für einen Chinesen aber an sich sehr offen. Er macht keinen Hehl daraus, die Namen einiger Provinzen, Städte oder Parteien für seine Romane umgeändert zu haben (ihm blieb nichts anderes übrig um der staatlichen Zensur zu entgehen), damit endete die Selbstzensur aber bereits. Er bewegt sich geschickt im Rahmen seiner Möglichkeiten, ohne seine Geschichten verharmlosen zu müssen.




Das beeindruckende, was mir während des Lesens von "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" aufgefallen ist, ist wie sich die Geschichte entfaltet. Der Roman beginnt recht klassisch als Familienroman. Im Fokus steht die große Familie Rong, sie alle sind Salzhändler. Doch wie kommt es, dass die Familiendynastie sich im laufe der Jahre zu Genies entwickelt, hochbegabten Mathematik-Genies wohlgemerkt, und sogar ihre eigene Universität eröffnet? Wie ein Dominostein, den Mai Jia anstößt, erzählt er eine Familiensaga ohne dabei in unnötige Längen abzudriften. Häufig wechselt der Erzählstil, ein Stilmittel, welches den Leser immer wieder aufs neue mit ins Geschehen reißt. Verwirrend wird die Geschichte selbst nie, lediglich mit den vielen verschiedenen Namen dürfte der ungeübte westliche Leser häufig noch einmal nachschlagen müssen, um wen es genau geht. Hier hätte ich mir vielleicht ein kleines Personenregister (Dramatis personæ) gewünscht, welches einmal die wichtigsten Charaktere der Geschichte vor Beginn des Prologs einmal separat auflistet. Allerdings will ich es aber auch nicht dramatischer machen, als es ist, man gewöhnt sich relativ schnell an die verschiedenen Namen.

Und irgendwann, ganz überraschend, kommt dann auch der eigentliche Protagonist endlich ins Spiel. Herr Rong. Rong Jinzhen oder von seiner Familie auch einfach Zhendi genannt. Ein etwas komischer Junge mit einem etwas zu groß geratenen Kopf. Von den Beschreibungen im Buch her scheint die Kopfform von Jinzhen aber gar nicht mal so abnormal zu sein, dies wird relativ zu Beginn auch noch einmal bestätigt. Hier beginnt nach der Familiensaga dann eine art fiktive Biografie. Häufig verknüpft Mai Jia die fiktionalen Ereignisse mit geschichtlichen Ereignissen aus der Vergangenheit. Man hat es also auch ein wenig mit etwas alternativer Geschichtsschreibung zu tun. Natürlich darf man hier keine Eskapaden erwarten wie es beispielsweise Philip K. Dick in "Das Orakel vom Berge" tut. In Mai Jias Geschichte geht alles etwas irdischer zu.

Was man von "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" nicht erwarten darf ist ein klassischer Spionageroman in James Bond Manier. Das Buch widmet sich im späteren Verlauf der Geschichte der Spionage. Man kann den Roman also durchaus auch zum Spy Fiction Genre zählen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auch weiterhin viel mehr auf die Entwicklungen, die Jinzhen durchmacht. Ein junger Mann, der es im Leben nie ganz einfach hatte und später von seinen so geliebten Zahlen praktisch in den Wahnsinn getrieben wird. Die Spionage ist lediglich ein Element der Geschichte, nicht der Fokus. Ein sehr interessanter Aspekt, wenn man sich zum Vergleich mal westliche Vertreter des Genre näher anschaut.


Resümee

Mal wieder eine Rezension mit Überlänge. Und dabei habe ich es nun nicht einmal geschafft, etwas mehr über die komplexe Geschichte des Buches zu verraten. Aber dies ist auch gar nicht nötig.

"Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" ist ein so facettenreicher Roman, so souverän geschrieben, dass man als Leser schneller in die Geschichte findet, als man vielleicht denkt. Mai Jia deckt viele Genres ab, hat seinen eigenen Stil und versteht es, den Leser anspruchsvoll zu unterhalten. Phrasen wie "Der Dan Brown aus China" lese ich daher ungerne, ehrlich gesagt gibt es keinen unpassenderen Vergleich (ich könnte noch einmal einen genau so langen Text verfassen, was mir alles an Dan Brown nicht passt, aber diese Geschichte hebe ich mir für ein anderes mal auf).

"Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" ist eine längst überfällige Veröffentlichung und hoffentlich ein Anstoß dafür, mehr chinesische Literatur zu uns zu bringen. Dies schließt natürlich Mai Jias Werke mit ein.

Selten ist ein deutscher Buchtitel (der vom Originaltitel drastisch abweicht) mal so treffsicher und elegant gewählt wie in diesem Falle. Und selten blättern sich die Seiten bei meiner Lesegeschwindigkeit so schnell um. Wenn dies tatsächlich Mai Jias angepriesene Vision seiner Unterhaltungsliteratur ist, dann hat er bereits mit diesem Frühwerk eine menge richtig gemacht. Sollte meine virtuelle Stimme auch nur etwas bewirken, so hoffe ich, meinen Teil dazu beigetragen zu haben, damit die Geschichte um das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong nicht ungelesen bleibt.

Mittwoch, 2. September 2015

Einwurf: "Das Mädchen, welches gegen die Vergessenheit kämpft": Über Verschwörung




In Skandinavien brodelt es. Stieg Larssons elfter Todestag nähert sich, ein neuer "Millennium-Roman" ist erschienen und Jussi-Adler Olsen, der Paulo Coelho des Kriminalromans, ruft zum Boykott des Buches auf. Puh! Da ist ja einiges im Gange. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ich las, ausgerechnet der Meister der Fließband-Literatur, Adler Olsen, boykottiert die erste legitime Fortsetzung einer Reihe, die vor rund 8 Jahren endete.

Vor einigen Wochen erfuhr ich ausgerechnet über eine Mail, die mir Amazon sendete, von der bevorstehenden Veröffentlichung von "Verschwörung", dem vierten, offiziellen Roman der "Millennium-Reihe". Da alle 3 Romane, die Stieg Larsson schrieb, posthum veröffentlicht wurden, lag es nahe, dass der im Jahr 2004 verstorbene schwedische Journalist und Autor mit großer Wahrscheinlichkeit nicht an der Fortsetzung beteiligt sein wird. Und dies ist kein Galgenhumor meinerseits, denn die Chance bestand durchaus, dass ein neuer Millennium-Roman von Larsson erscheinen könnte. Laut Larssons Lebensgefährtin, Eva Gabrielsson, existiert ein zu rund 30% fertiggestelltes Manuskript zu einem vierten Roman der Reihe ("Guds hämd", übersetzt: "Die Rache Gottes"), welches Larsson aber zu Lebzeiten nicht mehr beenden konnte. Es ranken sich um dieses mysteriöse Manuskript seit Jahren Gerüchte und es gab bislang keinen beweis dafür, das dieses überhaupt und tatsächlich existiert (auch wenn es keinen Grund gibt, Eva Gabrielsson nicht zu glauben). Rund 200 Seiten soll dieses Manuskript füllen. Der Ausgang dieser teils schon kuriosen Rechtslage ist jedoch bekannt. Da Larsson durch seinen links ausgerichteten Journalismus häufig ein Ziel von Rechtsextremen war, kam für ihn eine Heirat zum Schutze seiner Lebensgefährtin, die nicht ins Fadenkreuz geraten sollte, nie in Frage. Durch Stieg Larssons überraschenden Tod jedoch gab es keine Dokumente, in denen vermerkt war, das die Rechte für Larssons posthum veröffentlichte Millennium-Romane an seine Lebensgefährtin gehen sollten. Somit wanderten die Rechte automatisch an Stieg Larssons Familie, und fortan sollten sein Vater und sein Bruder nicht nur die Millionen erben, sondern auch sämtliche Rechte. Eva Gabrielsson ging, zumindest war dies die Version für die Öffentlichkeit, leer aus. Laut eigenen Aussagen hätte sie das unfertige Manuskript beenden können. Laut Kurdo Baksi, einem Freund von Larsson und Gabrielsson, existiere wohl sogar noch Material für gar einen fünften oder sechsten Roman, also eine zweite Trilogie. Somit sei nicht geklärt, dass das zu 30% fertiggestellte Material des vierten Bandes auch wirklich dem vierten Band zugeordnet werden kann, da Larsson anscheinend gerne in nicht chronologischer Reihenfolge arbeitete. Wie begeistert Eva Gabrielsson über den neuen Roman ist, der nun weltweit Ende August erschienen ist, kann man sich vermutlich denken (sie hat ihrem Unmut auch schon öffentlich Luft gemacht).




Auch ich staunte nicht schlecht, dass sich Larssons Familie gegen das vorhandene Material entschieden hat. Damit ist ein versöhnliches Ende dieses Rechtsstreites auch weiterhin nicht in Sicht. Einen Ghostwriter zu engagieren war für beide Parteien jedoch nie eine Option. Also musste ein Autor her, der ähnlich veranlagt ist wie Larsson, sich aber doch erheblich von ihm unterscheidet. Die Wahl fiel auf einen Routinier, nämlich auf den schwedischen Journalist und Autor David Lagercrantz. Hier enden die Parallelen aber auch schon. Lagercrantz stammt aus einer bekannten, schwedischen Familie von Intellektuellen (Lagercrantz selbst sieht seine gehobene Herkunft als großen Malus an). Als Redakteur für die bekannte schwedische Tageszeitung Expressen machte sich Lagercrantz in den 80er und 90er Jahren jedoch einen Namen als Journalist für Kriminalfälle. Als Autor ist Lagercrantz sowohl für Sachbücher (Biografien) als auch Belletristik in seinem Heimatland bekannt. Außerhalb von Schweden dürfte er Bekanntheit gewonnen haben, weil er es war, der die Interviews, die er mit dem schwedischen Fußballprofi und Enfant Terrible Zlatan Ibrahimovic führte, zu einem Bestseller machte (deutscher Titel: "Ich bin Zlatan Ibrahimovic").

Larsson und Lagercrantz bewegten sich auf ähnlichen Territorien, doch bereits von ihrer journalistischen Karriere her könnten sie sich nicht weiter voneinander unterscheiden. Und vielleicht ist genau dieser Punkt ausschlaggebend. In einem Statement sprach Lagercrantz großes Lob für Larssons Werk aus. Er hätte es schade gefunden, wenn Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist, zwei so wunderbare Charaktere, irgendwann in Vergessenheit geraten könnten. Man muss kein Geheimnis drum machen, Stieg Larsson revolutionierte nicht mit seinen komplexen Plots das Genre des Kriminalromans. Seine Plots waren dank unerwarteter Wendungen solide und unterhaltsam, mehr aber auch nicht (teilweise aber auch zu politisch und enorm linkslastig ausgelegt). Das Prunkstück waren stets seine stark ausgearbeiteten Charaktere die dem eigentlichem Plot häufig die Show stahlen (auch wenn in den letzten beiden Millennium-Romanen Lisbeth Salander eng mit dem Plot verknüpft war). In diesem Punkte hat Larssons Trilogie einiges mit der US-Amerikanischen TV-Serie True Detective gemein, wo die beiden Protagonisten dem eigentlichem Plot die Aufmerksamkeit gestohlen haben.

Durch ein striktes Embargo konnte größtenteils verhindert werden, dass zu Millennium 4: "Det some inte dödar oss" (dt. "Das, was uns nicht tötet", deutscher Titel des Verlages: "Verschwörung") keine Vorab-Rezensionen veröffentlicht wurden. Eine interessante Methode, um die Leser nicht bereits im Voraus zu beeinflussen.

Und ich gehe nun einmal mal so weit zu sagen, die Leser haben auf einen neuen Millennium Roman so sehr gewartet, wie die Fans von Harry Potter auf einen achten Band warten.
Und auch ich habe gewartet. Natürlich wird es schwer sein, unvoreingenommen an "Verschwörung" heranzugehen. Besonders mit dem Wissen, es existieren anscheinend noch unvollendete Manuskripte von Stieg Larsson selbst.
Da mein Exemplar heute eingetroffen ist, werde ich schon bald schlauer sein was die Qualität des Romans angeht. Liest man sich Online mal durch, scheint trotz erheblicher Skepsis im Vorfeld Autor David Lagercrantz eine gute Fortsetzung gelungen zu sein (er bestätigte, von einigen nicht vollendeten Plot-Ideen Larssons Gebrauch gemacht zu haben). Ein Autor, der, wie er sagte, unbedingt mit seiner Interpretation vermeiden wollte, eine Kopie von Stieg Larsson zu werden. Hoffen wir, der Autor hat seine Freiheiten intelligent genutzt, denn auf ähnliche weise sind einige extrem gute 007-Romane entstanden, die nach Ian Flemings Ableben entstanden sind.

"Verschwörung" ist am 27. August bei Heyne erschienen.

Dienstag, 1. September 2015

Der Meister ist fort, der Horror bleibt: Wes Craven (1939-2015)



Es ist glaube ich kein Geheimnis, wenn ich zugebe, lieber Beiträge über angenehme Themen zu verfassen. So kam es leider in diesem Jahr schon häufig vor, dass ich eine traurige Mitteilung verfasse. Bereits am gestrigen morgen las ich die Meldung in der IMDb. Der Altmeister des modernen Horrorfilms, Wes Craven, erlag im Alter von 76 Jahren am 30. August seinem Krebsleiden.
Die Meldung kam sehr überraschend, was wohl aber auch daran liegen dürfte, dass der Regisseur von Kult Slasher-Filmen wie "A Nightmare on Elm Street" und "Scream" in den vergangenen Jahren bereits nicht mehr großartig als Filmemacher aktiv war.

Stets gekleidet wie ein Gentleman und zudem auch noch sympathisch, ist es Wes Craven wie kaum einem anderen Regisseur gelungen, ein Genre über 3 Dekaden stets neu zu erfinden. In den 70ern revolutionierte Craven das Slasher-Genre. Mit Horror, Exploitation und überraschend viel Sarkasmus inszenierte er Filme wie "The Last House on the Left" und "The Hills Have Eyes". In den 80ern erschuf er mit "A Nightmare on Elm Street" einen erneuten Boom im mittlerweile angestaubten Genre. Zeitgleich war dies natürlich auch die Geburt von Freddy Krüger. Als die Welt der Horrorfilme erneut stagnierte, holte Craven den Teenie-Slasher zurück aus der Versenkung und landete mit "Scream" einen großen Kinohit der 90er. Diese Neuentdeckung des Genres zog unzählige Kopien mit sich, die, von der Qualität her, jedoch nie an Cravens Stil heranreichten.

Mit "Scream 4" lieferte Wes Craven seinen letzten Film ab und beförderte das Franchise, an dessen späterer Ideenlosigkeit er nicht komplett unbeteiligt war, zurück zu alter Stärke. Als Executive Producer und Writer war Craven an weitaus mehr Projekten beteiligt (darunter auch beim gelungenem Remake zu seinem Frühwerk "The Last House on the Left"). Zuletzt wirkte Craven an der TV-Serie zu Scream als ausführender Produzent mit.

Wes Craven hat ein großartiges Werk hinterlassen und kaum einem anderen Regisseur wird es vermutlich noch einmal gelingen, ein derzeit so sehr in Mitleidenschaft gezogenes Genre wie den Horrorfilm erneut kreativ zu revolutionieren. Der Meister ist abgetreten, sein Horror bleibt für immer bestehen.


In Gedenken an Wes Craven

Mittwoch, 19. August 2015

Deutscher Buchpreis 2015: Die Longlist ist da!


Alle Jahre wieder. Der Deutsche Buchpreis 2015 steht vor unserer Tür und vor wenigen Stunden wurde die Longlist bekanntgegeben, die insgesamt 20 Autoren und ihre jeweiligen Werke umfasst.
Errötend muss ich zugeben, bis auf Peter Richters 89/90 (ein Titel, der weit oben auf meiner "Lese-Liste" steht) kenne ich diesmal keinen der ausgewählten Titel.

Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb ist die Verleihung in diesem Jahr für mich umso interessanter. Die Longlist will ich nicht vorenthalten. Bedient habe ich mich dafür freundlicherweise bei dem "Börsenverein des Deutschen Buchhandels".
Genauere Infos zum Preis und der diesjährigen Jury findet ihr im bereitgestellten Link.
Während die Longlist bereits erst einmal ein leichtes antasten ist (angeblich wurden aus 199 Titel verschiedene Titel ausgewählt), wird es am 16. September schon ernster. Dann erscheint nämlich die Shortlist, wo dann die sechs heißesten Kandidaten auf den Preis bekanntgegeben werden. Der Gewinner des Preises erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro, die fünf Autoren, die es nicht geschafft haben, gehen aber auch nicht leer aus und erhalten ein Preisgeld von 2.500 Euro.


Deutscher Buchpreis 2015: Longlist

- Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe (Kiepenheuer & Witsch, August 2015)

- Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua (Wallstein, August 2015)

- Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen (Knaus, August 2015)

- Valerie Fritsch: Winters Garten (Suhrkamp, März 2015)

- Heinz Helle: Eigentlich müssten wir tanzen (Suhrkamp, September 2015)

- Gertraud Klemm: Aberland (Droschl, Februar 2015)

- Steffen Kopetzky: Risiko (Klett-Cotta, Februar 2015)

- Rolf Lappert: Über den Winter (Carl Hanser, August 2015)

- Inger-Maria Mahlke: Wie Ihr wollt (Berlin Verlag, März 2015)

- Ulrich Peltzer: Das bessere Leben (S. Fischer, Juli 2015)

- Peter Richter: 89/90 (Luchterhand, März 2015)

- Monique Schwitter: Eins im Andern (Droschl, August 2015)

- Clemens J. Setz: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (Suhrkamp, September 2015)

- Anke Stelling: Bodentiefe Fenster (Verbrecher Verlag, März 2015)

- Ilija Trojanow: Macht und Widerstand (S. Fischer, August 2015)

- Vladimir Vertlib: Lucia Binar und die russische Seele (Deuticke, Februar 2015)

- Kai Weyand: Applaus für Bronikowski (Wallstein, März 2015)

- Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Matthes & Seitz, Februar 2015)

- Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura (Berenberg, März 2015)

- Feridun Zaimoglu: Siebentürmeviertel (Kiepenheuer & Witsch, August 2015)

Dienstag, 11. August 2015

Einwurf: Gewinnspiele auf Blogs= Virtuelles klinkenputzen?




Bei meinem neusten Einwurf könnte es oberflächlich gesehen etwas kontroverser zugehen. Wird es aber nicht sein, so viel kann ich schon einmal versprechen (für alle, die sich nun gefreut haben, hier einen Rundumschlag gegen andere Blogs vorzufinden).

In weniger als 6 Monate geht "Am Meer ist es wärmer" in sein fünftes Jahr. Ich gab meinem eigenen Blog-Projekt zu Beginn vielleicht 1 Jahr gegeben, sofern ich wirklich an der Alleinunterhaltung Freude haben sollte. Aus der Alleinunterhaltung wurde aber relativ schnell eine feste Leserschaft und ich teile mit meinem Blog Erinnerungen, die ich nicht mehr missen möchte. So ist es mir natürlich nicht entgangen, dass viele kommerziell unabhängige Blogs (Literatur-Blogs mit einbezogen) häufig Gewinnspiele präsentieren. Entweder gesponsert oder aber komplett ohne Unterstützung auf die Beine gestellt. Sicherlich wird den Lesern, die "Am Meer ist es wärmer" häufiger besuchen, auffallen, so etwas gibt es hier nicht. Hab ich da etwa einen Trend verpasst? Ich muss zugeben, obwohl ich selbst einen Blog betreibe, lese ich relativ wenige andere Blogs, um ehrlich zu sein, ich verfolge gerade mal eine handvoll (dafür aber mit großer Freude). Aber durch diverse Gruppen im Social Media stoße ich natürlich immer wieder mal auf interessante Blogs die mich interessieren. Und die dort angebotenen Gewinnspiele oder Interaktionen mit den Betreibern könnte man durchaus als lebhafter bezeichnen als hier.

Wird es also zum fünften Jubiläum meines Blogs im kommenden Jahr ein Gewinnspiel geben? Nein!
Auf den ersten Blick mag die Antwort vielleicht ein wenig arrogant klingen. Aber ich habe natürlich meine Gründe, die ich selbstverständlich gerne teilen möchte. Bereits vor einem Jahr äußerte ich mich bei einer anderen Blogger-Kollegin kritisch gegenüber Gewinnspielen. Natürlich versuchte sie mir (und auch nicht zu unrecht) solche Aktionen etwas schmackhafter zu machen. Gewinnspiele haben durchaus die Macht, neue Besucher für einen Blog zu gewinnen. Verknüpft mit sozialen Netzwerken wie Facebook wird sich der Blog sicherlich verbreiten. Ein Beispiel, wie man es häufig auf Facebook findet (Beispiel stammt aus meiner eigenen Phantasie):


"Huhu ihr Lieben! Heute gibts bei mir auf XXX XXX mal wieder ein Super Gewinnspiel für euch! Gewinnt XXX XXX denn ich will das XX Bestehen meines Blogs feiern! Was ihr dafür tun müsst? Ganz einfach! Liked diesen Beitrag, teilt ihn und kommentiert und ihr nehmt automatisch an der Verlosung teil."

Schon bekommt Blog XXX XXX natürlich eine menge neue Follower (sofern das liken der Facebook-Seite des Blogs auch noch dazugehört). Da es hauptsächlich ums gewinnen eines Preises geht, ist es vielen Leuten bekanntermaßen egal, was sie gewinnen. Solange es nicht unbedingt eine rostige Bratpfanne aus dem zweiten Weltkrieg ist dürfte ein Gewinnspiel selbst für Leute attraktiv sein, die, mal als Beispiel, nur selten ein Buch in die Hände nehmen. Während Blog XXX XXX automatisch viele neue Follower gewinnt und die Klicks sich auf der Seite erhöhen werden, bleibt aber ein fader Beigeschmack zurück, den ich weniger gut finde. Nicht nur ziehen viele Leute ihr "Gefällt mir" schnell wieder zurück sofern sie nicht gewinnen. Genau wie auf manchen Websites bei deren Gewinnspiele man sich im hauseigenem Forum anmelden muss um teilnehmen zu dürfen, bleiben Geister zurück (ungenutzte Accounts die sich nur für ein einziges Gewinnspiel angemeldet haben oder bewusst nur für Gewinnspiele von den Usern benutzt werden). Für die Liste der Follower wird sich ein Gewinnspiel immer grundsätzlich positiv auswirken. Doch kann diese relativ gezwungene Methode, neue Leser und Klicks zu gewinnen, wirklich überzeugen? Erreicht man so tatsächlich eine treue Leserschaft? Dies muss dann jeder für sich selbst entscheiden. In Sachen Promotion für den eigenen Blog ist ein Gewinnspiel grundsätzlich keine schlechte Idee. Ob man so aber an treue Leser gelangt ist keine Garantie. Ich gehe so weit zu sagen, kein Blogger kreiert uneigennützig ein Gewinnspiel. So ticken die virtuellen Kritiker nicht. Für einen bereits stark etablierten Blog können Gewinnspiele aber natürlich auch unabdingbar werden, um Stammlesern weiterhin Abwechslung zu bieten, mehr mit ihnen zu interagieren und ihr Interesse zu halten. Ich persönlich nehme sogar gerne an Gewinnspielen in sozialen Netzwerken teil sofern sie kreativ gestaltet sind und keine dubiosen Aktionen dahinterstecken. Ein Gewinnspiel, egal ob in sozialen Netzwerken, auf Blogs oder aber Websites konnte mich je dazu bringen, ein fester Leser dieser Seite zu werden. Dies schafft ausschließlich nur die Qualität des Inhaltes, den die jeweilige Seite anbietet.

All solche kleinen Extras gibt es auf "Am Meer ist es wärmer" nicht. Mein Blog besitzt keine Präsenz auf Facebook (abgesehen von meinem privaten Account über den ich häufiger mal Beiträge meines Blogs teile), es gibt keine Seite, die man dort bestaunen kann und die hierher führt. Somit gibts auch keine Gewinnspiele. Ich bin mir sehr sicher, würde ich mich dafür entscheiden, wären mir ein paar neue Follower, Klicks und etwas Vitamin B sicherlich garantiert. Aber ich habe mir auch ohne diesen Bonus eine eigene Leserschaft aufgebaut. Ich erhalte eine menge Feedback zu meinen Rezensionen und konnte viele der hier besprochenen Bücher oder Filme bereits empfehlen. Leser, die alleine durch Inhalt gewonnen werden konnten.

Natürlich darf man meine persönliche Einstellung Gewinnspielen gegenüber nun nicht falsch interpretieren. Worauf ich hinaus will, ich persönlich brauche sie einfach nicht. Genau so sehr werden sich Gewinnspiele für viele Blog-Eigentümer aber auch rentieren und ganz sicher ihren Zweck erfüllen. Was mir jedoch wichtig bleibt und ich auch rund 5 Jahre später nicht ändern will: Ich will meinen Blog niemandem aufzwingen. Ich will die mir gegebenen Möglichkeiten nutzen, "Am Meer ist es wärmer" bekannter zu machen ohne auf die sehr bekannten Mittel zurückgreifen zu müssen. Genau so kann ich aber auch nie garantieren, dass es nicht irgendwann doch Umbrüche hier zu entdecken geben wird. Ganz sicher weiß ich aber, ein Gewinnspiel wird man hier vermutlich auch in Zukunft vergebens suchen.

Damit habe ich von mir aus alles zu dem Thema geschrieben, was mir so eingefallen ist. Seltsamerweise ging mir das Thema leichter von den Fingern, als ich annahm. Dass ich nun so schnell die Worte für alles gefunden habe, dafür habe ich mir nun ein kaltes Bier verdient. In diesem Sinne, Cheers!


Bis zum nächsten mal,
Aufziehvogel