Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Samstag, 5. Juni 2021

Nach 14 Jahren: David Peace schließt seine Tokio-Trilogie ab

 

Foto: Aufziehvogel - Verlag: Liebeskind


Es gibt Dinge, die ich eigentlich gar nicht mehr für möglich gehalten habe. Fans des Videospiels Half-Life 2 warten seit nun 15 Jahren auf die Veröffentlichung der dritten Erweiterung. Noch viel länger warten Hip-Hop Fans auf das finale, dritte Studioalbum von Dr. Dre, welches unter dem Titel "Detox" erscheinen sollte. Schrauben wir das Spektrum des Bekanntheitsgrades mal ein kleines bisschen zurück, so warten Fans gepflegter Krimi/Mystery Literatur seit 14 Jahren auf den Abschluss der sogenannten Tokio-Trilogie des britischen Autors David Peace.


2007: Tokyo Year Zero (dt. 2009 als Tokio im Jahr Null)
2009: Occupied City (dt. 2010 als Tokio, besetzte Stadt)
2021: Tokyo Redux (dt. 2021 als Tokio, neue Stadt)


David Peace hielt sich über die Jahre etwas bedeckt was den Abschluss der Trilogie anging, aber saß er in seiner schriftstellerischen Tätigkeit nicht untätig rum. 2013 erschien mit "Red or Dead" ein Sachbuch über den schottischen Fußballer Bill Shankly in seiner Zeit als Trainer beim FC Liverpool. Deutlich interessanter für Fans der Tokio-Trilogie dürfte aber der 2018 veröffentlichte Roman "Patient X" sein, ein experimenteller Roman der sich mit dem ikonischen japanischen Autor Ryunosuke Akutagawa auseinandersetzt, allerdings nicht so trocken, wie man es bei einer üblichen Biografie vielleicht erwarten dürfte. Beide Werke sind nach meinen Informationen nicht in deutscher Übersetzung erschienen.

Im Jahr 2013 hatte ich eine Rezension zu Tokio im Jahr Null hier auf "Am Meer ist es wärmer" veröffentlicht. Damals sagte ich mir, ich werde den zweiten Band wohl nicht eher lesen, bis die Trilogie vollendet ist. Dass es nach der Rezension noch einmal rund 8 Jahre dauern würde, bis ich mein Exemplar des zweiten Teils endlich mal lesen würde, hätte ich auch nicht erwartet. Allerdings bin ich hier auch ehrlich, Band 2 (den ich seit 2011 besitze) zu lesen ist über die Jahre bei mir einfach in Vergessenheit geraten. Ich hätte nicht mehr mit einem Abschluss der Trilogie gerechnet, insofern hätte ich den Roman schon längst gelesen, hätte ich ihn mit der Zeit nicht vergessen. Die Geschichten sind übrigens alle nur lose miteinander verknüpft, teilen aber alle das gemeinsame Thema um ein Tokio in der frühen Nachkriegszeit während der Besatzung der Amerikaner im besiegten Japan.

"Tokio, neue Stadt" sollte nach meiner eigenen Recherche wohl schon 2020 erscheinen, der offizielle Startschuss der englischen Ausgabe war nun der 03.06.2021. Dies betone ich insofern, da die deutschsprachige Ausgabe vom Liebeskind Verlag zu meiner Verblüffung bereits still und heimlich am 26.04.2021 erschienen ist.

Im dritten und letzten Teil der Tokio-Trilogie geht es um den mysteriösen Mordfall des Präsidenten der japanischen Eisenbahngesellschaft. Dieser finale Akt spielt zeitlich somit rund 3 Jahre nach Teil 1 und rund 1 Jahr nach Teil 2.

Wer von dem Release ebenfalls nichts mitbekommen hat und schon lange wartet, hier ist er, der lang ersehnte Abschluss einer experimentellen Krimi-Trilogie. Für alle Neulinge die interessiert sind: Gebt diesem außergewöhnlichem Autor eine Chance! Die deutschsprachige Übersetzung ist ab sofort beim Liebeskind Verlag als Hardcover für 24 Euro erhältlich und glücklicherweise in Folie verschweißt, was in diesen Zeiten auch kein unwichtiger Faktor ist, besonders für den Einkauf in Buchhandlungen.

1 Kommentar:

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