Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Donnerstag, 7. April 2011

Erzählung: Poetry and the City


Poetry and the City (damals noch Poetry in the City) habe ich gegen Ende 2009 geschrieben. Damals wo ich noch motiviert genug war neue Geschichten zu schreiben. Eigentlich wollte ich eine kleine Anthologie veröffentlichen die "Der Vielfraß" heißen sollte. Inklusive des Erstlings "Vielfraß Gesellschaft"
sollten es Fünf Erzählungen werden. Da die Plattform, wo ich immer voller Motivation meine Geschichten veröffentlicht habe, immer mehr zu Staub verfallen ist, habe ich das Projekt vorzeitig beendet. Fragmente davon gibt es nun in der aktuellen Geschichte. Poetry and the City. Diese poste ich nun aus reiner Nostalgie. Ich habe sie etwas verändert, aber Fehler werden wohl immer noch enthalten sein.

Ich habe es sogar geschafft wieder etwas neues zu schreiben. Auch nicht schlecht. Seht es als kleinen Vorgeschmack zu der kommenden Sammlung die ich Gravitation nenne.


Der Vielfraß
Die neuen Chroniken


Prolog:

Wir sind die Dichter des Volkes. Wir sind die Poeten der Gesellschaft. Wir lassen ein "Fick Dich" klingen wie eine freundliche Begrüßung. Unsere Namen sind es die ihr niemals in einem Feuilleton zu lesen bekommt.

Wir geben uns Pseudonyme weil wir mutig genug sind über das Chaos zu sprechen. Aber nicht damit klarkommen würden wenn unsere Familien, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen oder Vorgesetzte von unserem Denken mitbekommen. Wir verlassen jeden Morgen unsere Liebsten um einen weiteren Tag für diese profane Gesellschaft zu arbeiten. Und wenn wir Abends heimkommen, fragen wir uns, während wir unsere Kinder zu Bett bringen oder mit unseren Frauen schlafen, wer in dieser Gesellschaft eigentlich die Fäden zieht. Wer ist jener Puppenspieler der uns vorschreibt wie wir uns zu verhalten haben?

Wir sind jene Dichter und Poeten dessen Namen im Feuilleton stehen sollten. Über die diskutiert werden sollte. Aber wir viel zu eitel sind uns jemals zu erheben.

Ich werde jedoch diese Leute finden. Ich werde mir ihre Geschichten anhören. Ich werde sie in einem Buch verewigen. Ein Buch was genau diese Gesellschaft spalten wird. Doch wohin wird mich meine Reise überhaupt führen? Habe ich ein Gespür eben jene unglaubliche Leute zu finden, die mir "Ihre" Geschichte erzählen werden?

Nun, finde ich diese Leute nicht, so bleiben diese Seiten blank.


Intermission 01
16 November 2009


Obwohl ich für Heute eigentlich Schluss machen, und den Abend in einer Bar ausklingen lassen wollte, traf ich einen unglaublich interessanten Kerl. In dieser kleinen versifften Bar kam ich ins Gespräch mit dem Barkeeper. Der redete und redete, ohne das es ihn interessierte ob ich überhaupt zuhörte. Wahrscheinlich erzählt er jedem Gast, der an der Bar sitzt, diese Geschichten. Ich bezweifle, dass dieser Laden überhaupt mehr als Fünf Gäste pro Tag bedient.

Dieser Barkeeper bemerkte überhaupt nicht, dass ich, während ich dieses nach Pisse riechende Bier trank, ihm genau zuhörte wie er mir seine Lebensgeschichte erzählte. Manchmal verschluckte ich mich beim trinken wenn er erneut ein widerliches Detail erzählte. Manchmal verschluckte ich mich wenn er etwas wirklich lustiges erzählte.

Als er sich letztendlich zu mir umdrehte, bemerkte er schließlich das ich gespannt zugehört habe. Und so lernte ich Stephen Nicholson kennen. Die Begründung für dieses Pseudonym ist diese: Stephen liebt die Geschichte "The Shining". Er hasst aber sowohl Stephen King als auch Jack Nicholson. Jedoch ist er trotzdem von der Verfilmung begeistert. Diese Mischung aus Yin und Yang gefällt ihm.

Stephen, dieser verkommene Barkeeper im mittlerem Alter erzählte mir, dass er mal beinahe ein berühmter Schriftsteller geworden wäre. Natürlich fragte ich mich, wie man es "beinahe" schafft ein berühmter Schriftsteller zu werden. Und Stephen meinte, dass er noch eine ganz besondere Geschichte für mich auf Lager hätte. Er widmete diese Geschichte seiner Frau. Dabei schenkte er mir, obwohl ich abgelehnt hatte, noch einen Krug von diesem abscheulichen Bier ein.

Cheers.


Kapitel 1: Poetry and the City
(Die Geschichte Von Stephen Nicholson)

Hallo Schatz. Hier schreibt dir mal wieder dein geliebtes Stück Scheiße. Hast du von meinen letzten Zwei Selbstmordversuchen gehört? Wahrscheinlich nicht. Ist ja auch egal. Dies ist der letzte Brief den ich dir schreiben werde.
Sei dir dies jedoch gesagt: Ich hasse dich. Welche Droge hat mich dazu nur gerissen bei der Entscheidung, einen Vertrag bei einem renommierten Verlag sausen zu lassen und dich dafür zu heiraten? Und weißt du was das schlimme ist? Dieses Angebot habe ich auch während unserer Ehe ein zweites mal sausen lassen.
Sei dir auch dies gesagt: Ich habe dich nicht aufgrund deiner Schönheit geheiratet. Der nicht vorhandenen.
Nein, ich hatte ehrlich gesagt immer angst vor dir.
Um es etwas poetisch auszudrücken: Die Ehe mit dir fühlte sich an als wäre man in einen Kerker geschmissen worden und dort eingesperrt. Man wird nach jahrelanger Einsamkeit und Folter freigelassen und anschließend sagt dir ein hässlicher Zwerg das Weihnachten eine Erfindung von Coca Cola sei. So fühlte sich die Ehe mit dir an.

Wahrscheinlich hattest du recht damit das ich kein guter Geschichtenerzähler sei. Daher habe ich in den letzten Zwei Jahren, nachdem ich euch verlassen habe auch keine einzige Geschichte mehr geschrieben. Und ich dachte das mir diese widerwärtige Stadt Ideen liefern würde. Diese Stadt ist jedoch wie ein riesiger Mastbetrieb für Schweine. Ich suche nur noch irgendwo, am Ende der Stadt (falls es ein solches überhaupt gibt), einen riesigen Fleischwolf. Du würdest perfekt zu dieser Stadt passen.

Nun, ich schreibe dir ja nicht weil ich Spaß daran habe, sondern weil ich noch eine echt lustige Geschichte auf Lager habe, die mir kürzlich bei meinem Nebenjob als Versicherungsvertreter (wie ich zu dieser Tätigkeit gekommen bin ist an sich schon eine Geschichte die es wert ist erzählt zu werden), widerfahren ist.

Es war also kurz vor 13 Uhr an einem heißen Dienstagnachmittag. Meine Mittagspause. Die mache ich immer pünktlich. Pünktlich zur Mittagspause bedeutet jedoch das ich es nicht geschafft habe auch nur einen einzigen dieser ledigen Yuppie Ärsche eine Versicherung angedreht zu haben.

Da stand ich nun, in meinem von Schweiß durchnässten Hemd. Die Krawatte war so eng geschnürt das ich dachte meine Eier würden explodieren. Ich lockerte sie anschließend. In der Innenstadt herrschte Hochbetrieb. Diese ganzen abscheulichen Menschen holten sich etwas zu essen oder tranken etwas zur Erfrischung. Das ich diese ganzen Menschen bildlich als Schweine sehe (nicht die Beleidigung, sondern tatsächlich das Tier), liegt nicht einmal daran das ich sie nicht leiden kann. Nein, es ist diese verdammte Stadt. Die wirkt sehr bedrückend auf mich mit den ganzen Hochhäusern. Doch wir Bauernidioten sehen doch sogar unsere eigenen Kinder als Tiere, nicht wahr?

Da stand an der Haltestelle also ein fetter Eber. Ich meine, da stand an der Haltestelle also so ein fetter Kerl.
Meine Güte, dieser Fettsack war ein echter Sadist. Ich beobachtete ihn schon die ganze Zeit wie er einen Burger nach dem anderen fraß. Von weitem hätte man denken können das du da stehst.
Ich beobachtete diesen Kerl. Er stellte sich absichtlich neben ein junges Mädchen. Das Mädchen war ungefähr 16. Sehr zärtlich gebaut und ein zuckersüßes Gesicht. Keine von diesen Oberschulschlampen. Diesem Kerl tropften die Schweißperlen von der Stirn. Sie tropften auf seine riesige Brille. Sah aus als hätte er Flaschenböden als Gläser. Das Mädchen schaute angeekelt zu ihm rüber. Tat mir richtig Leid die kleine. Ich überlegte, ob sie wohl zu unserem Sohn passen würde.

Ich beobachtete immer noch alles aus der Ferne. Ohne das ich es jedoch richtig bemerkte näherte ich mich dem ganzen Geschehen. Die anderen Passanten nahmen all das anscheinend nicht wahr. Irgend ein Oberschüler schien in seiner Karre Bloc Party zu hören. Es dröhnte regelrecht aus den Boxen. Ich konnte mich dabei nicht konzentrieren. Ich beschloss an der Haltestelle zu verweilen und dort meinen Sandwich zu essen.

Und schon stand ich am Ort des Geschehens. Ich konnte einfach nicht anders als mir dieses Spektakel anzusehen.

Der Fettsack überlegte etwas und nahm dann all seinen Mut zusammen und sprach das Mädchen an.

Fettsack: Hallo, ich wollte nur mal fragen.....
Mädchen: Nicht sprechen deine Sprache.


Nicht sprechen deine Sprache, säuselte das Mädchen mit einem französischem Akzent. Doch die Unterhaltung ging weiter. Während der Fettsack nach seinen Hosenträgern griff, so als ob ihn eine weitere Antwort des Mädchens umhauen würde und diese Haltung seinen Sturz bremsen würde, nahm er erneut seinen Mut zusammen und sprach das Mädchen an.

Fettsack: Mich würde interessieren.....
Mädchen: va te faire foutre, connard.
Fettsack: Tut mir leid ich verstehe nicht.....
Mädchen (lächelnd): foutre le camp.
Fettsack (In Bedrängnis): Nun damit kann ich nichts.....
Mädchen: Clochard
Fettsack: Aber.....


Ich verstand die Ausdrücke des Mädchens. Zumindest Verbal konnte er absolut nichts dagegen ausrichten. Also fing dieser Kerl nun etwas schwerer an zu atmen. Dabei taumelte er etwas. Er nahm seine Schweinepfote, ich meine, er nahm seinen Arm und stützte sich auf der rechten Schulter des zierlichen Mädchens ab. Er schunkelte weiter und begrabschte die Kleine dabei. Auch ihre Brüste blieben nicht unberührt. Noch immer wurde keiner der Anwesenden aufmerksam auf dieses Geschehen.

Was auch immer dieser Kerl da vorspielen wollte, es war peinlich. Das Mädchen schubste den Fettsack mit voller Kraft von sich und schimpfte ihm ein sympathisches Fils de pute hinterher. Als der Kerl schließlich auf dem Boden knallte bekamen diese Leute um mich herum dann auch endlich mal was mit. Da lag es nun auf dem Boden, dieses Riesenbaby, vor all den Schaulustigen. Seine Show zog er dabei weiter ab. Ich hörte die Leute reden ob er vielleicht einen Hitzschlag erlitten hätte, weil es ja Heute so verdammt heiß sei. Daran das dieser dämliche Idiot den Leuten nur etwas vorspielte, und davor ein minderjähriges Mädchen belästigte, darauf kam jedoch niemand.

Mittlerweile versammelten sich an der eh schon überfüllten Haltestelle noch viel mehr Menschen. Aber selbst wenn er wirklich einen Hitzschlag erlitten hätte, bisher rief noch niemand einen Krankenwagen. Auch das Mädchen stand noch dort. Alle schauten sich das Spektakel bloß an. Ich hörte von einer Ecke bemitleidende Worte von einigen Personen, wie er sich da so auf dem Boden räkelte. Andere gaben ein paar höhnische Bemerkungen ab.

Doch plötzlich richtete sich dieser unästhetische Kerl auf. Seine Show würde nun bizarre Wendungen nehmen. Immerhin will man ja eine gute Einschaltquote erreichen.

Die dort anwesenden Angestellten, samt einem erfolglosen Schriftsteller (und einen noch erfolgloseren Versicherungsvertreter) waren sein Publikum. Wir warteten gespannt was wohl als nächstes kommen würde. Also ergriff er nach einem misslungenen Flirt-Versuch und gespielten Hitzeschlag nun die letzte, einzig vernünftige Methode. Sich entkleiden.

Ein mit Schweiß durchtränktes Kleidungsstück nach dem anderen flog durch die Gegend. Er verspürte dabei weder Scham noch war es ihm peinlich das nun alle anwesenden Frauen anfingen zu kreischen und alle Männer ihn dafür am liebsten ins Jenseits geprügelt hätten.

Da stand das Wesen nun. Nur noch mit einer Windel bekleidet vor einem aufgebrachten Pöbel. Ganz in der Ecke vor der Imbissbude das süße französische Mädchen, die nun völlig schockiert beobachtete was nun weiter geschah.

Nun sahen wir etwas wahrlich unglaubliches. Die Meute war sprachlos. Zumindest diese eine Haltestelle beteiligte sich für jenen Moment, als dieses Riesenbaby entblößt vor uns stand, nicht am Lärm dieser Stadt. Was wollte er damit nur bezwecken? Diese Geschichte war nun völlig außer Kontrolle. Da fragte ich mich, ob dies wirklich gerade die Realität ist. Im Fernsehen sieht man häufig skurrile Dinge, doch wann bekommt man so etwas mal wirklich mit eigenen Augen zu sehen?

Der fette Kerl der tatsächlich eine Windel für Erwachsene trug fing nun an sich auf einer Stelle zu bewegen. Erstaunen und kichern waren zu hören. Wieso rief denn niemand einen Krankenwagen?Dieser Kerl musste abgeführt werden. Abgeführt in die Psychiatrie.

Allmählich begann die Meute wieder etwas lauter zu werden. Aus den Bewegungen auf einer Stelle war inzwischen zu erkennen das dieser Kerl einen Tanz andeuten wollte. Nun standen bereits um die 50 Leute an der Haltestelle.

Du findest das alles übertrieben oder? So unglaublich das du vielleicht längst aufgehört hast diesen Brief zu lesen. Du denkst das ich mir alles nur ausgedacht habe. Mir eine neue Geschichte für einen Roman ausdenke. Aber du irrst dich Liebling. Auf dem Sofa wirst du jedoch nie eine solch abstrakte Situation kennenlernen.

Bisher ist das nur eine ganz normale, abstrakte Geschichte. Nun will ich aber über das große Finale schreiben. Dieses Finale, oder besser gesagt der letzte Akt dieses Theaterstücks, ist auch gleich der Beste. Er nahm mir nicht nur jeglichen Glauben an diese Gesellschaft, nein, er hat mich so aus der Realität gerissen das ich keinen Zweifel mehr daran habe das wir alle absolut verblödet sind.

Plötzlich hörte ich wieder Bloc Party aus der Ferne. Der Sound näherte sich dieses mal allerdings. Da war wieder dieser Oberschüler in seinem aus Ersatzteilen zusammengebauten Ford Cabrio. Wahrscheinlich besuchte er die $&€$ Oberschule hier ganz in der Nähe. Auch er konnte nicht glauben was sich an dieser Haltestelle gerade abspielte. Der Fettsack tanzte jedoch weiter und weiter. Die laute Musik im Autoradio erlosch wie die Flamme einer abgebrannten Kerze. Doch der Oberschüler wechselte nur die CD. Das eine Bloc Party Album wurde durch ein anderes ersetzt.

Es ertönte ein Beat. Ein verdammter House-Beat war zu hören! Es war laut, die Boxen waren aufgedreht. Selbst der Fettsack hörte auf zu tanzen. Doch nur für einen Moment. Denn dieser stimmte sich nun auf den Song ein der aus dem Cabrio ertönte. Er stimmte sich absolut zu diesen elektronischen Klängen ein. Ja, beinahe sah es elegant aus wie dieses Ekel versuchte zu tanzen.

Nun wippte der Büroangestellte neben mir schon ein wenig mit seinem Fuß mit. Auch er begann zu diesem Beat zu tanzen. Ich schaute durch die Reihe, diese mehr als 50 Personen die sich hier versammelt hatten. Sie alle begannen zu diesem Song zu tanzen. Dann ertönten nun auch die Vocals zu One More Chance aus dem Auto:

give me one more chance
give me one more chance
give me one more chance to love you


Beinahe hätte es mich bei den melodischen Klängen mitgerissen. Doch was passierte hier? Was war das für ein albernes Theater? Sie alle tanzten. Und um sie herum ein fettes Riesenbaby in einer Windel das den Takt angab. Waren denn alle wahnsinnig geworden?

Ja, das französische Mädchen an der Imbissbude bliebe da ja noch. Doch wo war sie nur hin? Sie war weg. Ich habe es gar nicht mitbekommen, doch sie stand nun neben dem Fettsack. Auch sie tanzte mit. Zusammen mit dem fetten Kerl. Welch ein abscheulicher Anblick das war. Sie schmiss sich an ihn ran, rieb sich in tänzerischer Bewegung an seinen nackten, verschwitzten Körper. Dieser Griff ihr dann mit seinen Schweinepfoten an die Hüfte. Und anscheinend war der Konflikt von davor völlig vergessen. Die Ansammlung von Idioten jubelten den beiden zu. Beinahe konnte man dies hier als eine echte Bloc Party bezeichnen. Nur ich stand völlig verblüfft da. Und ich beobachtete das Schauspiel weiter. Der Platz war völlig überfüllt. Wo blieb eigentlich der verdammte Bus?

Auch wenn ein kleiner Teil von mir sich danach sehnte, sich ebenfalls in diese tanzende Meute zu stürzen, so hatte mich doch mein klarer Verstand davor bewahrt es nicht zu tun. Dieser abgefuckte klare Verstand. Das ich den nicht einfach ausschalten kann. Wenn ich es so überlege hätte ich an dieser abstrakten Party gerne teilgenommen. Doch der verdammte klare Verstand. Wie viele Biere bräuchte ich nun diese Geschichte zu vergessen?
Ich wusste von da an das es ein Fehler war in die Stadt zu ziehen.

Aber ganz plötzlich, als der Song endete, war alles vorbei. Der Fette stand nicht mehr im Rampenlicht. Und auch die kleine Französin löste sich von ihm. Die Leute gingen an ihre gewohnten Plätze zurück. Der Oberschüler fuhr weiter. Als sei überhaupt nichts passiert. Hat denn niemand Bilder oder Videos von diesem Ereignis gemacht? Was habe ich da nur mit angesehen? Vielleicht bekam mir die Hitze ja auch nicht.

Der fette Kerl rannte so schnell wie er konnte davon. Der Bus war aus der Ferne bereits zu sehen. Die Leute die gerade noch ausgelassen zu Bloc Party tanzten würden sich nun nicht einmal mehr anschauen wenn die Welt im Begriff wäre unterzugehen. Ich entschloss mich dazu, nicht in den Bus einzusteigen. Nicht in den Bus einzusteigen und zu kündigen. Mich dafür zu entscheiden, jetzt wo ich die Wahrheit über diese Stadt kenne, ein Leben der Bedeutungslosigkeit vorzuziehen. Ich verzichte darauf Schriftsteller zu werden. Nein, sogar von den Selbstmordgedanken bin ich nun befreit.

Ja, und sogar von dir Liebling. Das alles interessiert mich nun nicht mehr. Und auch wenn ich geschrieben habe das du gut zu dieser Stadt passen würdest, so rate ich dir doch, bleib einfach weiter auf deinem Sofa liegen. Ich hoffe wirklich das dich meine kleine und letzte Geschichte die ich dir zu erzählen hatte ein wenig unterhalten hat. Und nun verabschiede ich mich von dir.

In Liebe, Dein $&ß&$


Das Fazit von K. an Stephen Nicholsons Geschichte

Stephen erzählte mir das diese Geschichte nun fünf Monate her sei. Ich habe mich stets gefragt ob sie wohl stimmt. Denn wie er bereits sagte, es existieren keinerlei Bilder oder Videos, geschweige Zeitungsberichte von diesem Ereignis. Stephen erzählte mir ebenfalls das seine Frau, nachdem sie diesen Brief gelesen hatte, sich erhängen wollte. Durch ihr Gewicht sei der Strick jedoch gerissen. Sie entschloss sich danach dazu Schriftstellerin zu werden und hat bereits einen Roman veröffentlicht. Das Buch habe ich in einer Buchhandlung gesehen und trägt den Titel Poetry and the City.

In diesem Buch geht es exakt um die Geschichte die mir Stephen in der Bar erzählte. Nur eben auf 500 Seiten aufgeplustert und mit einer Frau als Ich-Erzählerin. Der Teil den mir Stephen so genüsslich erzählte umfasst nur Zwei Kapitel in diesem Buch. Vielleicht war alles gelogen was er mir erzählte. Und die Autorin ist weder seine Frau, noch ist diese Geschichte jemals wirklich passiert. Das Buch erschien tatsächlich erst im letzten Monat. Jedoch ist dies kein Beweis für Stephens Glaubwürdigkeit, er hätte es längst lesen können und seine Frau dafür verklagen können das sie seine Geschichte geklaut hat. Irgendwie albern wenn ich es mir recht überlege. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr muss ich schmunzeln das mich hier vielleicht ein verkommender Barkeeper reingelegt hat. Unterhaltsam war diese seltsame Geschichte alle male. Und die Seiten bleiben somit auch nicht blank. Ein guter Start.

Ende der ersten Geschichte

Kommentare:

  1. Sowas Abgefahrenes! Sehr coole Geschichte. Bei dem tanzenden Kerl musste ich spontan an das Musikvideo zu Slam von Pendulum denken. Und wie der Erzähler mit seiner Frau spricht, hat genau meinen Humor getroffen.
    Was dir auch gut gelungen ist, wie ich finde, ist der Prolog.

    Jedenfalls hast du es geschafft, die Ebene zwischen Realität und Imagination schön zu verzerren. Dieser Ekel gegenüber dem dicken Kerl war auch deutlich zu spüren. Hat mir insgesamt echt gut gefallen.

    Falls du auch Kritik hören willst: Du hast viele Zeichensetzungfehler. Die Kommas fehlen oft (Bsp: Unterscheidung zwischen ,das ,dass). Aber das lässt sich ja leicht beheben. Inhaltlich fand ich es zumindest sehr geil und es ließ sich super flüssig lesen. Das ist viel Wert!

    Ich freu mich darauf mehr zu lesen! Und jetzt werde ich Bloc Party hören.

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  2. Hallo Salvo

    Ich weiß gar nicht, wieso ich überhaupt meine Geschichten auf meinem Blog veröffentliche. Ich glaube, weil ich damals echt viel Zeit damit verbracht habe? Sie nicht verstauben lassen will?

    Ich bin dir jedenfalls sehr dankbar für deinen Kommentar. Ich werde immer mal eine Geschichte von mir hier veröffentlichen. Ich bin ja sogar an etwas ganz neuem dran.

    Und Kritik nehme ich wie immer, gerne an. Ich habe mittlerweile aufgegeben was die deutsche Rechtschreibung angeht. Kommas und das/dass werden ewig meine Feinde bleiben. Aber da du dich doch unterhalten hast bei der Geschichte, bin ich froh das die Fehler nicht das Lesevergnügen ruinieren.

    Ich hatte es zwar schon länger vor, fand aber bisher noch keinen passenden Moment eine von deinen Geschichten zu lesen. Aber das wird nachgeholt. Freue mich schon.

    Liebe Grüße
    Das Aufziehvögelchen

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