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Samstag, 1. Oktober 2022

Durchgeschaut und durchgelesen: Das ABC der Videospiele Level 2 (Gregor Kartsios)

 



Deutschland 2022


Das ABC der Videospiele Level 2
Autor: Gregor Kartsios
Format: Hardcover, E-Book
Genre: Sachbuch, Videospiele



Es ist nicht ganz ein Jahr vergangen, da habe ich kurz vor Jahresende im Dezember in meinem ersten "Durchgeschaut und durchgelesen" den ersten Band zu "Das ABC der Videospiele" von Gregor Kartsios besprochen, den die meisten vermutlich trotz mittlerweile zwei erfolgreicher Bücher wohl immer noch als Retro-Meister bei Rocket Beans und JRPG-Fanatiker auf seinem eigenen YouTube Kanal am besten kennen. Und letztes Jahr gab es von mir den Hinweis als Fan der guten alten Retrozeit das Sachbuch von Gregor nicht zu verpassen. Besonders für ein Debütwerk (und ganz besonders zu einem sehr sympathischen Preis) war das ABC der Videospiele eine mehr als interessante Lektüre, auch ganz abseits des wöchentlichen Retro Klubs bei den Rocket Beans.

Von A-Z schrieb sich Gregor in dem ausführlichen ersten Band durch die frühen Anfänge der Videospielwelt. Kritik zu vergeben hatte ich kaum. Einige Themen hätten ein wenig ausführlicher besprochen werden können, ein paar Themen hätten etwas nischiger sein können und die Auswahl der Bilder und die Größe der Bilder war nicht ganz so optimal. Keine 12 Monate später zähle ich das ABC erneut auf und muss feststellen: An genau diesen Stellschrauben wurde gearbeitet. Während ich krank im Bett lag begleitete mich die Fortsetzung, diesmal noch umfangreicher, erneut von A wie Activision bis Z wie Zilog Z80.

Dank des größeren Inhalts konnten in Level 2 die Themen noch ausführlicher besprochen werden, die Themen sind allgemein ein wenig "nischiger" geworden (besonders für Fans japanischer Videospiele ist hier einiges dabei) und die Auswahl und Auflösung der abgedruckten Bilder hat sich noch einmal deutlich verbessert. Und dann gibt es auch noch für alle Masochisten die mal mit Konami sympathisierten besonders emotionale Themengebiete die nicht unter K wie Konmai, sondern unter H wie Hideo Kojima oder S wie Silent Hill zu finden sind!


                                                                 Metal Gear Solid


Die Zutaten aus dem ersten Band wurden zudem in dieser Fortsetzung weiterverwendet. Nur ganze 2 Seiten benötigt Gregor für ein Vorwort, hält sich nicht an staubigen Belanglosigkeiten auf und kommt direkt zur Sache. Die Texte haben alle eine optimale Länge, sind weiterhin gut verständlich und sympathisch verfasst und ausgezeichnet recherchiert. Der Autor hat sich hier aber nun selbst die Freiheit genommen, sich nicht selbst durch die Länge eines jeweiligen Artikels unter Druck zu setzen. Jedes Thema bekommt so viel Zuwendung, bis es abgearbeitet ist. So gibt es in Level 2 eine recht üppige Besprechung über die gefühlt zweihundertjährige Entwicklungszeit von Duke Nukem Forever.

Für alle Fans von "Spiele mit Bart" (Rocket Beans Showformat mit Gregor und Simon) gibt es übrigens auf Seite 22 ein kleines Easter Egg).


                                                                       Silent Hill



Besonders hervorheben möchte ich hier die Auswahl der Bilder, die stimmig aus offiziellen Postern, Promomaterial, Screenshots, Artworks und Covern zusammengestellt wurde. Es gibt hier zudem auch noch einige schöne Vintage-Scans, die alle sehr gut in die Artikel eingebunden wurden.

Zu den weiteren Themen im ABC gehört auch ein großer Abschnitt zu Mortal Kombat, welches geschickt mit dem Thema Jugendschutz und der damaligen Problematik nicht nur in Deutschland verknüpft wurde. Die guten Nachrichten: Über die Anfangszeit von Mortal Kombat darf auch endlich in der Bundesrepublik wieder berichtet werden, was besonders für die Videospielhistorie relevant ist, zuletzt wurden zahlreiche ältere Mortal Kombat Titel vom Index entfernt, nachdem neuere Titel bereits zügig in Deutschland eine Altersfreigabe bereits erhalten hatten.

Level 2 widmet sich auch dem Thema Videospiel Engine. Unter U wie Unreal Engine befindet sich ein sehr interessanter Artikel über die wohl geschichtsträchtigste Engine in der Welt der Videospiele.

Während die ruhmreiche Historie auch für Videospiele bereits geschrieben ist, merkt man aber immer wieder wie kurzlebig die Gegenwart doch ist. In einem der letzten großen Artikel - nämlich unter Y wie Yu Suzuki, berichtet der Autor noch über eine geplante Fortsetzung des Shenmue Anime und einer Hoffnung für einen vierten Teil der Videospielreihe; erst vorgestern wurde die Serie trotz guter Klickzahlen und sehr zum Unmut der Produzenten eingestampft.



Abschließende Gedanken


Das ABC der Videospiele Level 2 ist praktisch das Mortal Kombat 2 unter den Sachbüchern. Es übernimmt die Stärken des Originals und expandiert sinnvoll in zahlreiche verschiedene Richtungen. So ist auch hier erneut ein umfangreiches Sachbuch über das Thema Videospielhistorie entstanden, welches immer bei der Themenauswahl und ganz besonders die Länge der Themen On Point ist. Die Hardcover-Aufmachung passt sich nahtlos dem Erstling an und ist für einen Preis von 16 Euro erneut robust verarbeitet. Gregor Kartsios hat nun schon zweimal bewiesen, dass er das Alphabet von A-Z drauf hat. Und wer weiß schon, ob er nicht auch noch ein drittes mal das Alphabet runterbeten kann. Da fällt mir ein, Super Mario Spiele haben ja meistens 8 Welten!

Sonntag, 12. März 2017

Durchgesehen: The Art of Metal Gear Solid V






The Art of Metal Gear Solid V
Künstler: Yoji Shinkawa/Kojima Productions
Rubrik: Artbook
Verlag: Dark Horse (Bisher keine Veröffentlichung in Europa)
Sprache: Japanisch/Englisch



Wer mit Metal Gear Solid V auch fast 2 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer nicht abschließen konnte, oder aber einfach atemberaubende Artworks und Designs bestaunen will, der bekommt mit "The Art of Metal Gear Solid V" eine letzte Zugabe geboten. Das etwas über 200 Seiten dicke Hardcover-Artbook umfasst eine riesige Sammlung an Konzeptzeichnungen, kunstvolle Artworks und gar unveröffentlichtes Material. Inwieweit hier Konami seine wachende Hand über dieses Artbook hielt, die Frage wird wohl ungeklärt bleiben, man kann aber davon ausgehen, selbst im Artbook wird sich nur ein Fingerhut voll von dem Material befinden, was es nie ins fertige Spiel geschafft hat.

"The Art of Metal Gear Solid V" ist insofern ein besonders interessantes Buch, da es veröffentlicht wurde, nachdem Publisher und Lizenzinhaber Konami die Verträge der Mitarbeiter von Kojima Productions nicht verlängert hat und das Gesamtwerk Metal Gear Solid V unfertig veröffentlicht wurde. Normalerweise sind Artbooks zu Videospielen kein Thema auf "Am Meer ist es wärmer", das in dem Buch abgedruckte Material macht das Buch aber zu etwas besonderem und ist sicherlich für Sammler, aber auch begeisterte wie enttäuschte Fans nicht uninteressant. Dementsprechend folgt nun ein kleiner Ausblick auf das Artbook zu Metal Gear Solid V, erschienen bei Dark Horse Comics am 15. November 2016.


(Foto: Aufziehvogel. Copyright: Konami/Dark Horse)



Obwohl sich Konami bereits vor etlichen Monaten von Metal Gear Schöpfer Hideo Kojima und seinem Studio Kojima Productions verabschiedet hat, kehrte für ein kleines Vorwort für das Artbook zumindest eine bekannte Person zurück: Yoji Shinkawa. Shinkawa debütierte im Metal Gear Franchise 1998 beim Sony PlayStation Debüt "Metal Gear Solid". Mit seinem ikonischem Stil prägte Shinkawa mit seinen Zeichnungen zu Charakteren und den gigantischen Mechs, sowie zahlreichen anderen Vehikeln zu Land und Luft, fortan die künstlerische Richtung der Reihe. Yoji Shinkawa setzte um, was Kojima forderte und die beiden wurden zu einem unzertrennlichem Team, welches auch privat eine enge Freundschaft pflegt. In einem kurzen Vorwort im Artbook richtet sich Shinkawa an die langjährigen Fans des Metal Gear Franchise und verabschiedet sich zudem noch einmal förmlich. Eine Möglichkeit, die sein Kumpel Hideo Kojima in der unschönen Schlammschlacht rund um Konami und Kojima Productions leider nicht mehr hatte.

Aufgeteilt ist das Artbook in mehrere Abschnitte. Da Metal Gear Solid V sowohl in "Ground Zeroes" als auch "The Phantom Pain" aufgeteilt ist, gibt es im Artbook zu beiden Geschichten ausgewählte Artworks, Designs aber auch Promo-Material zu sehen. In "The Art of Metal Gear Solid V" gibt es aber noch einen finalen Abschnitt. Einen Abschnitt, der gerade mal 3 Seiten umfasst, aber separat gelistet ist und für Fans besonders interessant sein dürfte, denn in diesem Abschnitt sehen wir Konzeptzeichnungen über den finalen Showdown des Spiels, der es aufgrund zu hoher Entwicklungskosten nicht mehr ins Spiel geschafft hat: "Kingdom of the Flies".


(Foto: Aufziehvogel. Copyright: Konami/Dark Horse)


Die Hauptkampagne von Metal Gear Solid V ist in 2 Kapiteln unterteilt (In den Daten der PC-Version haben sogenannte Data Miner sogar Hinweise auf ein drittes Kapitel mit dem Titel "Peace" gefunden). Während das mysteriöse dritte Kapitel wohl immer ein Mysterium bleiben wird, so ist die finale und 51. Mission im zweiten Kapitel sehr real. Kojima hatte sein Budget überschritten, Konami wollte nicht noch mehr Geld in Metal Gear Solid V investieren (angeblich belaufen sich die Produktionskosten auf 80 Millionen Dollar), drehte den Geldhahn zu und das Spiel endet abrupt kurz vor dem Ende des zweiten Kapitels. Die Entwickler versuchten jedoch, das beste draus zu machen und bauten gleich 2 Pseudo-Epiloge ein, die den Spielern ein Gefühl der Komplettierung vermitteln sollten. Dies funktionierte jedoch mehr schlecht als recht und viele Handlungsstränge und Entwicklungen wurden unklar und verkompliziert. All das hinterließ einen extrem faden Beigeschmack.

Da das Artbook von Konami abgesegnet ist und sämtliches Material von Konami freigegeben werden muss, bestätigt die Zugabe in "The Art of Metal Gear Solid V" ein weiteres mal, dass keiner der Verantwortlichen bisher so richtig mit dem Thema abgeschlossen hat. Das Artbook zeigt im letzten Abschnitt, genau wie das damals veröffentlichte Video, Konzepte zu dem nicht mehr realisierten Showdown. Das Material zu diesem Abschnitt hätte ruhig ein wenig üppiger ausfallen können, aber vermutlich kann man bereits sagen, man habe eher damit gerechnet, dass Konami dieses Thema komplett totschweigen würde. Sämtliche Konzepte, Designs und ein dazugehöriges Storyboard befinden sich nahe der Komplettierung, von den Entwicklern ist jedoch niemand mehr da, dieses Material zu vervollständigen und Konami selbst verfolgt keine Pläne, in Zukunft daran etwas zu ändern (für die Fertigstellung sind die ursprünglichen Mitarbeiter nicht einmal nötig, da alle wichtigen Inhalte bereits existieren).


(Foto: Aufziehvogel. Copyright: Konami/Dark Horse)



"The Art of Metal Gear Solid V" ist gespickt mit hunderten Artworks. Einige so detailliert und realistisch, man könnte meinen, man lese hier geheime Konzeptzeichnungen einer mächtigen Militärmacht. Viele Zeichnungen sind auch mit Kommentaren versehen, die meisten wurden jedoch nicht übersetzt und in der japanischen Sprache belassen. Einige wenige Kommentare und Begriffe aus dem Spiel findet man jedoch auch in englischer Sprache vor. Wieso man sich hier aber nicht mehr die Mühe gemacht hat, alle Kommentare zu übersetzen, was sicherlich kein großer Mehraufwand gewesen wäre, wird wohl ebenfalls ein Geheimnis bleiben. Hier können aber auch Lizenzprobleme vorliegen. Besonders zu einigen Konzepten, die es nicht ins Spiel geschafft haben, wäre ein übersetzter Kommentar sehr interessant gewesen.

Anzumerken ist übrigens noch, nicht alle Konzepte, die es in dem Artbook zu sehen gibt und nicht ins Spiel geschafft haben, seien Inhalte, die aus Kostengründen aus dem Spiel entfernt wurden. Wie es bei Filmen oder Videospielen oder sämtlichen anderen Medien übrig ist, kommen viele Ideen eines großen Projektes nicht über die Planungsphase hinaus und dienen einfach als interessantes Beiwerk, in welche Richtungen die Entwickler gedacht haben.

Egal, wie die Spieler sich von Big Boss verabschiedet haben, ob im Groll oder in Versöhnung, "The Art of Metal Gear Solid V" dürfte das letzte Abschiedsgeschenk aller an dem Franchise beteiligten Parteien gewesen sein. Sowohl für Konami als auch Kojima Productions ist es an der Zeit, in die Zukunft zu blicken. Im Artbook finden sich viele kleine Schätze, die entdeckt werden wollen. Und vielleicht denkt der ein oder andere beim durchblättern dieses Buches ja sogar ein wenig wehmütig auf seine Zeit zurück, als er mit Snake auf dem Pferd staubige Wüsten und dichte Dschungel durchquert hat und dabei die verrücktesten und kuriosesten Dinge getan und gesehen hat.

Da ich auch einer dieser Typen bin, die mit dem Spiel nie so wirklich abschließen konnten, möchte ich diesen Beitrag hier mit den Worten auf dem Klappentext des Artbooks beenden:

"Someday the world will no longer need us. No need for the gun, or the hand to pull the trigger... Another Mission, Right, Boss?"

Nun, die nächste Mission scheint gewiss gesichert zu sein wenn man sich Konamis neue Pläne ansieht. Viele Weggefährten des Franchise dürften nun aber wohl ebenfalls den wohlverdienten Ruhestand angetreten haben.


(Foto: Aufziehvogel. Copyright: Konami/Dark Horse)


(Foto: Aufziehvogel. Copyright: Konami/Dark Horse)


Hinweis: Alle hier präsentierten Bilder dienen der Berichterstattung zu dem Artbook "The Art of Metal Gear Solid V" im Vertrieb von Dark Horse Comics. Das Metal Gar Franchise stammt aus der Feder von Hideo Kojima und gehört Lizenzinhaber Koami. Die hier präsentierten Bilder dürfen nicht ohne Erlaubnis des Rechteinhabers verwendet werden.

Attention: The presented pictures serve for review purposes only. "The Art of Metal Gear Solid V" is published by Dark Horse Comics. The Metal Gear Franchise was created by Hideo Kojima and is under the license of Konami. Do not use these pictures without the permission of the license holder.

Sonntag, 27. November 2016

Tag 7 Review: Kingsglaive: Final Fantasy XV



Trailer

Aufgrund der strikten Copyright-Richtlinien auf YouTube und Co. sowie der Kurzlebigkeit der Videos wird es auf "Am Meer ist es wärmer" fortan keine Trailer mehr zu den jeweils besprochenen Filmen geben. Danke für euer Verständnis.



Japan 2016

Kingsglaive: Final Fantasy XV
Regie: Takeshi Nozue
Drehbuch: Takashi Hasegawa
Englische Stimmen: Aaron Paul, Sean Bean, Lena Headey, David Gent, Darin DePaul
Laufzeit: Circa 110 Minuten
Genre: Fantasy, Action, Animationsfilm
Verleih: Sony Pictures
Premiere: 9 Juli 2016
FSK: Ab 12



In genau zwei Tagen endet für viele Fans des Final Fantasy Franchise eine Odyssee, die nun beinahe 10 Jahre andauert. Eine rund 10 jährigen Reise, in der das geplante Final Fantasy XIII Spin-Off "Versus" im laufe der Jahre zum neuen, nummerierten Final Fantasy wurde. Und was eignet sich da so kurz vor der [offiziellen] Veröffentlichung des Videospiels besser, als das filmische Tie-in, welches im Juli dieses Jahres seine Premiere in Japan feierte. Kingsglaive: Final Fantasy XV dient nicht nur als Prequel, sondern auch als Interquel zum kommendem Videospiel. Die Macher waren dabei jedoch sehr ambitioniert, versprachen sie, Kingsglaive können auch die Leute genießen, die weder was mit den Videospielen am Hut haben, noch vor haben, Final Fantasy XV zu spielen.
Auf dem Papier mag das nicht falsch sein, ein Vorwissen über die Welt von Final Fantasy XV als aber auch das offene Ende des Filmes wird es den Zuschauern schwerer machen, durch die Bedeutung dieses Multimedia-Projekts durchzusteigen.

Von den professionellen Kritikern fast ausnahmslos in den Boden gestampft, hat es Kingsglaive aber durchaus geschafft, sich bei Fans aus verschiedensten Bereichen einen Namen zu machen. Alleine die beinahe realitätsnahen CGI-Animationen brachten dem Film eine menge Lob ein. Doch wieso ging Kingsglaive ausgerechnet bei der Filmkritik baden? Funktioniert Kingsglaive nicht als eigenständiger Film? Nun, dies könnte mehrere Gründe haben, einer davon hat seinen Ursprung sogar relativ weit in der Vergangenheit. Vor über 16 Jahren hatte Hironobu Sakaguchi, Schöpfer des Final Fantasy Franchise, die Vision, Filme, komplett generiert aus CGI, können irgendwann einmal mit echten Spielfilmen aus Hollywood mithalten. Sakaguchis kostspielige Vision war als Trilogie geplant (aus offensichtlichen Gründen blieb es aber bei nur einem einzigen Film) und zusammen mit dem neu gegründeten Square Pictures Studio ging er das große Wagnis ein, den Name "Final Fantasy" für sein ambitioniertes Projekt zu benutzen. An den Kinokassen ging Sakaguchis "Final Fantasy: The Spirits Withing (Die Mächte in dir)" unter wie ein Segelboot in einem Taifun. Die wenigen Bezüge zum Final Fantasy Franchise machten die Kritiker und Kinogänger stutzig und man warf Sakaguchi vor, den mächtigen Namen für sein egoistisches Filmprojekt benutzt zu haben. Trotz für damalige Verhältnisse realitätsnahe Animationen (die sich auch heute noch sehen lassen können), bot sein Film eine eher wirre, beinahe schon belanglose Geschichte, die nur wenig Anklang fand. Die Moral von Sakaguchis Ausflug in die Filmwelt: Square Pictures ging Bankrott, Squaresoft, die kurz davor waren, sich mit dem einstigen Rivalen Enix zu fusionieren, drohte ebenfalls ein finanzielles Desaster und für Sakaguchi bedeutete es das Aus in der Firma, der er so viele Jahre die Treue hielt. Bei den strengen japanischen Hierarchien in der Arbeitswelt ist jedoch kein Platz für Romantiker. Über die Jahre hinweg fand "The Spirits Within" jedoch seine Anhängerschaft und man konnte bereits vor etlichen Jahren die Produktionskosten wieder einspielen. Rückblickend kann man also sagen, der Misserfolg von damals könnte dafür gesorgt haben, dass bei der internationalen Presse ein neuer Film aus dem Final Fantasy Universum grundsätzlich einen schweren Stand hat. Über die letzten Jahre hinweg sind Fans neue Final Fantasy Produkte eher skeptisch angegangen. Jeder neue Ableger muss sich daher erneut den hohen Erwartungen und den überkritischen Stimmen stellen, ist kein Selbstläufer mehr wie es vor rund 10 Jahren noch der Fall war, wo das Franchise das Maß aller Dinge in der Videospielwelt für viele Videospieler darstellte.

Nach der durchaus soliden, filmischen Final Fantasy VII Fortsetzung aus dem Jahr 2005, nämlich "Advent Children", sollte es über 10 Jahre dauern, bis Square Enix einen weiteren, komplett aus CGI kreierten Spielfilm in die Kinos bringt. Dabei sollte noch angemerkt werden, hierbei handelte es sich nur um eine streng limitierte Kinoauswertung. Um sich modernen Standards anzupassen, wählte Square Enix für die breite Masse noch vor der Blu-ray und DVD Auswertung eine Veröffentlichung auf "On Demand" Plattformen, Online.


(Crowe Altius auf geheimer Mission ins Königreich Tenebrae)


Bei Kingsglaive kann sich aber der Fan wie auch der Filmfan ohne erweitertes Wissen über das Franchise, zurücklehnen. Von der ersten Minute an ist Kingsglaive da und unterhält rund 2 Stunden äußerst kurzweilig. Der Spagat, dem Franchise treu zu bleiben mit kleinen Fanservice-Einlagen und kompletter Eigenständigkeit, einen actionreichen Spielfilm mit grandiosen Effekten abzuliefern, ist durchaus gelungen. Die Geschichte rund um eine Spezialeinheit, die auf direkten Befehlen des Königs (Sean Bean) handelt und von dessen Magie profitiert weist sogar einiges an Aktualität zum Weltgeschehen auf. Die politischen Aspekte des Films nehmen dabei aber nie Überhand. Der einstige Leitspruch des Final Fantasy XV Projekt "A Fantasy based on Reality" ist auch bei Kingsglaive noch absolut zutreffend. Zudem hat man mit Protagonist Nyx Ulric (Aaron Paul) noch eine charmante Alternative zum sich aufdrängenden Bilderbuch-Helden ins Rennen gebracht. Die teils tragischen Ereignisse in Kingsglaive sind, und da macht der Film keinen Hehl draus, darauf ausgelegt, als Vorlage für das kommende Videospiel zu dienen. Charakterentwicklungen zu manchen Figuren kommen dementsprechend etwas kurz, könnten ein wenig weiter ausgearbeitet sein für die Leute, die nicht vorhaben, das kommende Videospiel zu spielen. Kingsglaive jedoch als eine rund 2 stündige Actionszene zu bezeichnen ist aber grundsätzlich falsch. Neben den sehr actionreichen Passagen gibt es im Film genügend Verschnaufpausen, um die Zuschauer etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Der eigentliche Twist des Films, nämlich, welcher Charakter sich unter der dicken, gepanzerten Rüstung (ein Markenzeichen des Franchise so wie der maskierte Bösewicht aus dem Gundam Franchise) von Antagonist Glauca befindet, hätte ein wenig spektakulärer ausfallen können und bringt leider auch einige Logiklöcher bzw. fehlende Erklärungen mit sich.

Für den stimmigen Soundtrack war John R. Graham verantwortlich. Zusätzlich wählte man noch ein paar ausgewählte Stücke aus dem Videospiel, die von der großartigen Yoko Shimomura komponiert wurden. Darunter auch das wunderschöne, mittlerweile 10 Jahre alte Stück "Somnus Nemoris", was bei der Ankündigung der ursprünglichen Version von Final Fantasy XV im Jahr 2006 benutzt wurde.
Noch eine interessante Info am Rande: Für Kingsglaive wurden zahlreiche verworfene Konzepte benutzt, die in das ursprünglich angekündigte Videospiel "Versus XIII" ihren Weg finden sollten. Veteranen, die schon lange dabei sind was die Entwicklung von Final Fantasy XV angeht, werden vielleicht einige bekannte Szenen aus alten Trailern in Kingsglaive wiederfinden. Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um Recycling, die besagten Szenen wurden alle komplett neu konzipiert und animiert.
Neben einer guten deutschen Vertonung (die japanische Tonspur hat es leider weder in die digitale Version, noch in die fürs Heimkino produziertem Versionen geschafft), hat man sich für die englische Adaption (auf der, soweit ich recht informiert bin, auch die Bewegungen der Lippen im Film abgestimmt sind) etwas besonderes einfallen lassen. So engagierte man bekannte Größen wie Sean Bean (König Regis) und Lena Heady (Lunafreya), gemeinsam zu sehen in der ersten Staffel von Game of Thrones, als auch Aaron Paul (Nyx Ulric), den meisten wohl noch bekannt aus Breaking Bad. Die prominenten Sprecher, auch wenn Lena Heady vielleicht ein wenig zu alt für ihren Charakter Lunafreya klingt, liefern hier einen Klasse Job ab. Im Videospiel werden sie jedoch nicht zu hören sein. Auch die gesamten Designs im Film wurden an westliche Darsteller angepasst und unterscheiden sich teilweise sogar von denen aus dem Videospiel, besonders deutlich ist dies bei Prinzessin Lunafreya zu sehen. Insgesamt eine leichte Inkonsistenz bei den Designs, allerdings war dies wohl unvermeidbar weil man hier nicht auf asiatische Darsteller für das Motion Capture gesetzt hat.



(Ardyn Izunia wird auch im Videospiel den Protagonisten der Geschichte das Leben schwer machen)




Fazit

Kingsglaive: Final Fantasy XV bietet furiose, kurzweilige Unterhaltung mit großartigen Effekten. Von den 3 abendfüllenden Final Fantasy Spielfilmen hat Kingsglaive sich souverän bei meinem persönlichem Ranking als Nummer 1 durchgesetzt. Kleinere Schwächen was den Tiefgang der Geschichte und einiger Charaktere angeht, kann der Film überraschend gut kompensieren und ausgleichen. Ob Kingsglaive letztendlich dann was für Leute ist, die mit dem Franchise rund um Final Fantasy wenig oder gar nichts zu tun haben, kann hier nicht beantwortet werden und muss persönlich beurteilt werden. In Sachen ordentlicher Videospieladaption als aber auch beeindruckender CGI-Technik kann man den Film durchaus als Referenz nennen. Kingsglaive ist also nicht nur ein Warm-Up für das kommende Videospiel, sondern funktioniert durchaus als eigenständiges Werk.