Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

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Freitag, 28. März 2025

Einwurf: Warum mich der Light Novel Vorstoß in Deutschland weiterhin nicht vom Sockel haut

 


Erst einmal muss ich in diesem Einwurf, der mit seiner Überschrift provokant anmuten lässt, etwas klarstellen um gleichzeitig auch mal etwas die Brisanz aus den Segeln zu nehmen: Dieser Einwurf könnte auch als etwas egoistisch angesehen werden, denn hier geht es mir nicht um den allgemeinen Stand des Marktes rund um japanische Light Novel Lizenzen in Deutschland, sondern viel mehr spielt hier mein persönlicher, ganz eigener Geschmack mit. Und zudem ist mir durchaus bewusst, wie schwer es auch ist, Lizenzen an Land zu ziehen. Ich hatte bereits in den Jahren, wo der Blog hier sehr aktiv war, zahlreichen Kontakt zu deutschen Manga Verlagen wie Carlsen Manga und Tokyopop. Außerdem ganz kurz, als noch keine einzige Lizenz bekannt war, hatte ich auch Kontakt zu dem auf Light Novels spezialisierten Verlag Dokico. Meine besten Wünsche dem netten Team gegenüber, die ich im Jahr 2022 hier auf "Am Meer ist es wärmer" geäußert habe, sind weiterhin ernst gemeint und ich wünsche dem Verlag noch viel Erfolg auf seinen weiteren Wegen: Artikel: Dokico geht in Deutschland an den Start (vom 27.10.24)

Aber ich bin weniger irgendein Typ, der über das Thema journalistisch und wissenschaftlich schreibt als viel mehr ein Typ, der Konsument dieses Themas ist. Und hier habe ich diverse Probleme, Verlangen, Sehnsüchte (sucht euch einen Begriff aus). Erst einmal müssen wir etliche Jahre zurückreisen. Es gab schon vor rund 20 Jahren und immer mal wieder danach Versuche deutscher Verlage, Light Novels in Deutschland zu vermarkten. Ganz prominent fällt mir hier zum Beispiel noch Tokyopop ein, die es mit einer echt schönen Ausgabe zu Kinos Reise probiert haben. Die deutschsprachige Veröffentlichung fand ein jähes Ende, weil die Verkäufe einfach nicht dem großen Aufwand gerecht wurden, so eine Reihe kleiner Romane über mehrere Ausgaben, direkt übersetzt aus dem Japanischen, weiter zu veröffentlichen. Persönlich sagte man mir damals "Um einen Gewinn zu machen, da müssten wir dann einen Band für 20 Euro oder mehr anbieten". Selbstverständlich ist hier die Inflation nicht mitgerechnet, als ich die erhältlichen Bände erworben habe, was wirklich viele Jahre her ist und der Titel bereits zu diesem Zeitpunkt Out of Print war.

Während es in Deutschland nicht klappte, etablierten sich in den USA, wo es ganz andere Möglichkeiten gibt, viele Verlage, die sich entweder ausschließlich auf Light Novels spezialisieren wie der J-Novel Club oder etablierte, große Manga-Verlage wie Yen Press, Seven Seas oder Vertical - letzterer natürlich auch zahlreiche andere Romane von japanischen Belletristik-Schriftstellern in seinem Programm hat. In Deutschland näherte man sich den Light Novels in den letzten Jahren auch wieder an. Erneut fungiert Tokyopop hier als eine Art Pionier, bringt aber teilweise wirklich nur die ganz bekannten Titel wie Sword Art Online und Overlord (Einfach mal als Beispiel, um zwei sehr prominente Titel zu nennen). Meines Wissens (man möge mich korrigieren, wenn ich hier komplett falsch liege) setzt Tokyopop bei einigen Titeln auf kostengünstigere Übersetzungen und greift auf vorhandene englische Übersetzungen zurück. Egmont hat mit Titeln wie den Romanen von Makoto Shinkai auch noch den ein oder anderen prominenten Vertreter im Programm. Altraverse bedient die Fans mit Solo Leveling, Goblin Slayer und vermutlich der bekanntesten Lizenz "Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt".

Überraschend dürfte aktuell sein, dass es in Deutschland noch keine Lizenz zu "Die Tagebücher der Apothekerin" gibt, eine Reihe, die trotz ihrer Popularität hier lediglich als Manga-Adaption verfügbar ist. Dennoch, was populäre Reihen angeht, so hat man auch in Deutschland mittlerweile überraschend viele Titel, auch wenn es immer noch ein Bruchteil von dem ist, was man in den USA vorfindet. Und auch dort gilt, viele Reihen interessieren mich nicht. Besonders der Isekai-Wahn ist an mir vorbeigerauscht wie eine Corvette bei Höchstgeschwindigkeit. Wie schon erwähnt, all das ist meckern auf sehr hohem Niveau, denn ich tue mich bekanntermaßen auch schwer mit neuen Serien, egal ob das Manga, Anime oder Light Novels sind. Für mich besteht das meiste heutzutage aus Reihen, die einen so langen Titel haben, dass ich ihn mir nicht einmal merken kann und der Inhalt dieser ganzen Serien sich kaum voneinander unterscheiden. Irgendwo bin ich dann doch vermutlich in der Anime-Kultur der frühen 90er kleben geblieben!

Mit Dokico haben wir in Deutschland einen neuen Verlag, der sich fast ausschließlich der Veröffentlichung von Light Novels verschrieben hat (man veröffentlicht zudem auch einige Manga-Lizenzen). Und relativ schnell hatte man sich auch festgelegt, was man gerne veröffentlichen möchte. Eher kürzere Reihen mit einem Schwerpunkt auf Slice of Life, Romance und Drama. Das war eine Info, die ich aber erst las, nachdem ich meine Lizenzwünsche da gelassen habe und so weit das Thema des Verlags verfehlt habe, dass ich mich letztendlich nicht trauen würde, euch diese Wünsche hier offen zu nennen! Ein bisschen Selbstachtung muss sich Herr Aufziehvogel bewahren. Das größte Problem, was sich darauf aber, zumindest meiner Meinung nach, ergeben hat, ist dann doch ein recht festgefahrenes Programm von bestimmten Genres. Und dennoch finden sich auch Titel im Programm, von denen man eigentlich erstmal nichts wissen wollte: Isekai (was aber auch im Programm nicht Überhand nimmt). Ich habe nun abgewartet, bis der Verlag sich etabliert hat und da muss ich nun einfach sagen, vielleicht bin ich mit Männlich, 38 auch gar nicht die angepeilte Zielgruppe. Als jemand, der so ein Projekt gerne unterstützen möchte, saß ich vor einiger Zeit überraschend unbeeindruckt vor dem Programm, bei dem mir die meisten Titel nicht einmal irgendwas sagten und es auch auf diversen Seiten wie MyAnimeList relativ wenig Infos gibt, die mir weiter helfen. Ja, zum einen holt man sich hier tatsächlich Lizenzen ins Boot, die weniger bekannt sind und eben nicht diesen großen, globalen Hype besitzen, obwohl man mit Titeln wie Arifureta und 7th Timeloop auch deutlich prominentere Titel im Programm hat. Auch positiv hervorzuheben ist natürlich, dass der Verlag mehrere Editionen anbietet von Taschenbuch-Formaten über teurere Hardcover-Ausgaben, die es exklusiv im Webshop von Dokico gibt. Zu einigen Titeln, leider nicht zu allen, werden auch E-Books angeboten. Auch werden anscheinend sämtliche Light Novels direkt aus dem Japanischen übersetzt, was natürlich ein riesiger Pluspunkt ist.

Doch für "Probiere ich einfach mal aus" sind die Preise mit teilweise 20 Euro für ein Taschenbuch auch einfach zu pikant, es dann wirklich einfach mal auszuprobieren (Leseproben verschaffen hier nicht die gewünschte Hilfe bei der Entscheidung). Und dennoch habe ich es getan mit "The Ashes of My Flesh and Blood is the Vast Flowing Galaxy" von Yuyuko Takemiya und einer wundervollen Cover-Illustration des begnadeten Inio Asano. Da mich die Story ein kleines bisschen an "Heaven" von Miko Kawakami erinnert hat (ein Roman, schwer zu verdauen aber einfach auch herausragend gut geschrieben), habe ich mal zugegriffen. Leider konnte sich die Geschichte um den Oberschüler Kiyosumi sich bei mir noch nicht entfalten, möchte dem Roman zu einem späteren Zeitpunkt aber nochmal die Chance geben, sich entfalten zu können.

Mein eigentliches Ziel, den Verlag auf seiner Reise auch zu begleiten, ist so für mich gar nicht umsetzbar, was ich als Fan/Leser natürlich schade finde. Und dennoch möchte ich hier den Verlag gar nichts ankreiden, außer, dass man sich vielleicht zu schnell auf gewisse Themengebiete festgefahren hat. Angebot und Nachfrage bestimmen ein Programm und ein so dominierendes Genre wie Isekai-Fantasy kann schlicht und ergreifend nicht ignoriert werden. Das gleiche gilt für Titel aus dem Genre Romance und Comedy. Dass ein Verlag sich hier seine eigene Nische aufbauen möchte, ist dementsprechend auch nachzuvollziehen und damit scheint man sich auch eine treue Fanbase aufgebaut zu haben. Der kleine, quengelnde Junge in mir schreit aber "Was ist mit mir? Hallo Leute, ich bin auch noch da und würde euch gerne etwas von meinem Geld überlassen". Während ich es weiterhin nicht wagen würde, die Lizenzwünsche zu nennen, die ich ursprünglich mal an den Verlag weitergereicht habe, denke ich mir, es würde da aber andere Reihe geben, die eigentlich wie für Dokico gemacht sind. Reihen wie "The Empty Box and Zeroth Maria" oder, ein Knaller, dessen Lizenz-Verkündung beinahe schon surreal anmuten würde: Violet Evergarden. Besonders letztere Reihe, die natürlich als Anime weltweit riesige Erfolge feierte, mutet fast schon realitätsfern an, denn bis heute gibt es ja noch nicht einmal eine englische Ausgabe. Oder sich vielleicht doch mal ins Science-Fiction-Genre wagen und Legend of the Galactic Heroes (Ginga Eiyū Densetsu) zu lizensieren, sofern sich eine Chance ergibt. Doch bevor das hier in den wirren Fieberträumen um Lizenzwünsche ausartet: All das waren natürlich nur Beispiele von Titeln, die mich ausflippen lassen würden. Ich habe gerade deshalb so hoch ins Regal gegriffen, weil besonders solche Titel einfach nicht wirklich realistisch sind, sonst hätten sie vor Jahren vermutlich schon andere Verlage gebracht, bevor es Dokico überhaupt gab. All diese Lizenzwünsche nun an einen einzigen Verlag abzuwälzen, der sich auf Light Novels spezialisiert hat, ist natürlich mit keiner Silbe meine Absicht.

Am Ende besteht mein lamentieren über das Light Novel Programm deutscher Verlage aus purem Egoismus, weil einfach wenig für mich dabei ist. Und daher muss man auch einfach mal die etwas abgedroschene Weisheit "It's simply not for you" dann auch so hinnehmen. Aber wer weiß, vielleicht bringt das jammern am Ende doch mal was und in den nächsten 1-2 Jahren hauen die Verlage aus dem Nichts dann auch mal Lizenzen raus, die mich nicht nur vom Sockel hauen, sondern gleichzeitig auch noch dafür sorgen, dass die Kinnlade den Boden berührt.

Aber eines ist am wichtigsten: Wer diesen Beitrag hier, aus welchen Gründen des heiligen Algorithmus auch immer, entdeckt und euch diese hier angesprochenen Reihen interessieren: Unterstützt deutsche Verlage wie Tokyopop, Altraverse, Dokico und viele mehr. Denn nur so wird dieser Markt auch fortbestehen und die Verlage können sich noch weiter hervorwagen, was neue Lizenzen angeht.


Aufziehvogel

Dienstag, 4. Juli 2023

Rezension: Boogiepop and Others (Kouhei Kadono)

 



Japan 1998

Boogiepop and Others
Alternativ: Boogiepop Doesn't Laugh
Originaltitel: Boogiepop wa Warawanai
Autor: Kouhei Kadono
Illustrationen: Kouji Ogata
Übersetzung: Andrew Cunningham
Verlag: Seven Seas
Format: Taschenbuch, E-Book
Genre: Mystery, Slice of Life, Science-Fiction, Psychologischer Horror



Light Novels ist ein Begriff, der in Japan heimisch ist und die Welt mittlerweile darüber hinaus erobert hat. In Wahrheit ist "Light Novel" praktisch nur ein anderer Begriff für "Young Adult", da sich die Geschichten häufig an jüngere Leser richten. Und dennoch wäre es zeitgleich auch falsch, Light Novels als "Young Adult" zu bezeichnen. Es ist halt mal wieder ganz japanisch. Bekannt und doch anders. Auch Light Novels setzen sich mit Themen auseinander, die bei Jugendlichen durchaus von Belang sind. Unsicherheiten, die erste große Liebe und das Erwachsenwerden. Was sich in den Light Novels aber vermischt sind klassische Elemente der japanischen Literatur, der japanischen Populärkultur sowie aber auch Manga/Anime. So sind die Romane stets mit Illustrationen untermalt, die in einem Band mal weniger, mal mehr vorkommen. Oftmals aber beschränken sich diese Illustrationen lediglich auf den Beginn des Buchs und gelegentlich wenn ein neues Kapitel startet oder es einen sehr wichtigen Schlüsselmoment zu sehen gibt, der den geschriebenen Worten auch ein Bild vermitteln soll.

In Japan sind Light Novels seit den 80ern beliebt. So gehörte Ryo Mizunos "Lodoss to Senki" (Record of Lodoss War) zu den frühsten Werken dieser Art. Mittlerweile, so viele Jahre später, befinden wir uns im Zeitalter von weltweiten Millionensellern wie Sword Art Online. Light Novels sind unlängst nicht mehr nur exklusiv für japanische Leser verfügbar, sie genießen internationalen Kultstatus und es gibt sogar komplette Verlage, die sich ausschließlich auf die Lizensierungen und Übersetzungen von Light Novels fokussieren. Und wer keine Lust auf lesen hat, der muss meistens nicht lange warten, bis es eine Manga- und/oder Anime-Adaption gibt.

Doch irgendwie muss dieser Trend ja auch mal so richtig ins Rollen gekommen sein. Wie ist aus einer Nische ein riesiger Markt geworden? Genau wie Neon Genesis Evangelion die heute bekannte Anime-Kultur mitgeprägt hat, so ist die Boogiepop-Reihe aus der Feder von Kouhei Kadono praktisch das Light Novel äquivalent zu NGE. Mittlerweile bringt es die Reihe auf über 22 Bände. Der literarische Output von Kouhei Kadono ist massiv, hat er sein eigenes Universum gesponnen in dem all seine Reihen spielen (auch Kadono-Verse genannt). All das ist für westliche Leser kaum relevant, haben es nur etwas mehr als eine handvoll Romane von Kadono zu uns geschafft. Genau genommen insgesamt 6 Bände aus seiner Boogiepop-Reihe sind in einer englischen Übersetzung erschienen, Band 1 bereits sogar schon 2006. Im Jahr 2019 legte Seven Seas die Lizenz neu auf, verpasste den Büchern einen Re-Run, ein neues Cover, neue Illustrationen, Omnibus-Editionen sowie E-Books. Doch genau wie schon bei Lodoss War bleibt die Reihe beim US-Verlag unvollständig und laut eigenen Aussagen sei auch nicht geplant, diese Reihen fortzusetzen.

Bei uns ist Boogiepop somit immer noch exotischerer Herkunft, aber als der erste Band in Japan erschienen ist traf Kadono einen Nerv. Und zwar einen Nerv bei der angepeilten Zielgruppe. "Boogiepop wa Warawanai" (übersetzt heißt das so viel wie "Boogiepop der niemals lacht") ist zu einer Zeit erschienen, als in Japan große Unruhen in den Schulen und Klassenzimmern herrschten. Der Autor hat selbst eine komplizierte Schulzeit hinter sich (daher sollte man unbedingt das kurze Nachwort des Bandes lesen und worauf ich gegen Ende der Rezension auch noch eingehen werde) und kennt die Sprache derer, die sich in einem schwierigen Alter befinden, sich nicht zugehörig fühlen, unglücklich verliebt sind, abgewiesen werden, gemobbt werden oder einfach schlicht und ergreifend keinen Bock auf Schule haben. Die Themen, die im Buch angesprochen werden, umfassen all das von mir erwähnte und noch viel mehr. Dabei geht Kadono aber nicht mit roher Gewalt/Splatter/Gore im Buch voran und auch auf explizite Sexszenen wird konsequent verzichtet. Man darf halt nicht vergessen, es handelt sich hier immer noch um einen Jugendroman. Doch geht Kadono viel weiter als so manch andere Autoren in der japanischen Jugendliteratur und was häufig besonders im Bereich Manga/Anime undenkbar wäre. Die Beziehungen unter den Teenagern im Buch werden relativ offen und detailliert beschrieben. Die Shinyo Academy, eine etwas elitäre Schule die diese Schüler besuchen, untersagt Liebesbeziehungen. Doch die verbotene Frucht schmeckt am besten. Die Schüler halten sich nicht wirklich an diese Regel. Themen wie Sex oder auch Drogen sind in Boogiepop and Others kein Tabuthema, Kouhei Kadono verschweigt sie nicht oder redet sich um den heißen Brei herum. Dies sind auch die expliziten Details, die in der neuen Anime-Adaption von 2019 keinerlei Beachtung finden und den Romanen vorbehalten sind.

Kommen wir nun aber zum Teil, der durchaus kompliziert ist: Worum geht es in Boogiepop eigentlich?
Besonders Band 1 der Romanreihe wurde nun schon relativ häufig adaptiert. Zum Beispiel als zweiteiliger Manga. Im Jahr 2000 erschien auch eine Live-Action-Adaption, die sich, so gut es halt bei der Laufzeit möglich ist, an die Vorlage hält. Ebenfalls erschien im Jahr 2000 eine 12 teilige Anime-Adaption von Madhouse, die sich jedoch viele Freiheiten nahm und den Stil der Romane praktisch komplett über Board geworfen hat und für einen recht einzigarten Stil ersetzt, der den Werken von David Lynch sehr nahe kommt. 2019 dann die aktuelle Anime-Adaption, erneut von Madhouse produziert und mit 18 Folgen den ersten Bänden der Romanvorlage sehr genau folgt und trotzdem noch immer sehr "anders" ist, besonders was chronologische Abläufe und Charakterentwicklung angeht.
Jede Adaption hat jedoch ihre Probleme, die Geschichte der Romane wirklich schlüssig widerzugeben. Dies dürfte allen voran in der Natur der Geschichte liegen, die gefühlt keinen wirklich roten Faden hat. Die Geschichte um den Shinigami Boogiepop, der immer wieder von der Schülerin Touka Miyashita Besitz ergreift, ist abenteuerlich. Im Grunde haben wir es hier mit einer Coming of Age Geschichte zu tun, die mit Elementen aus Mystery, Science-Fiction sowie Psychologischem-Horror angereichert ist. An der Shinyo Academy gibt es seltsame Vorkommnisse; es verschwinden am laufenden Band Schüler und dann ist da auch noch eine gefährliche Droge im Spiel, die unter den Schülern die Runde macht. Der eigentliche Protagonist selbst, Boogiepop, nimmt besonders im Debütroman eine ziemlich passive Rolle ein (im Anime hat er bedeutend mehr Auftritte). Fungiert er meistens nur als Beobachter und tritt erst am Ende so richtig in Erscheinung. Doch sein Ziel ist schnell klar: Er will sich um die wirren Geschehnisse kümmern und alles wieder ins Gleichgewicht bringen. Die eigentliche Handlung wird aber von mehreren POV-Charakteren vorangetrieben, die allesamt als klassischer Ich-Erzähler fungieren.

Auch wenn es am Anfang noch nicht so erscheint, so gibt es den roten Faden in der Geschichte jedoch und bereits Band 1 steuert am Ende auf einen spannenden Showdown zu. Doch viel beeindruckender an Boogiepop and Others ist jedoch, wie der Autor es schafft, die vielen Genres miteinander zu verknüpfen und daraus eine explosive Mischung zu kreieren. Der eigentliche Star der Geschichte ist nicht einmal der titelgebende Anti-Held sondern das Kollektiv. Und dieses Kollektiv sind die vielen Charaktere, die hier das Wort ergreifen und ihre Geschichte erzählen. Natürlich kann es durch die vielen Namen und verschiedenen Ereignisse durchaus mal verwirrend und unübersichtlich werden, aber beim lesen habe ich immer relativ schnell den Zugang zur Geschichte zurückgefunden.

Am Ende sollte man für ein kurzes Nachwort des Autors dranbleiben. So beschreibt er hier doch sein eigenes, recht schweres Verhältnis zur Schulzeit. Diese Worte waren für mich wie ein Spiegel aus meiner eigenen Schulzeit, in der ich mich so oft verloren, deplatziert und allein gefühlt habe, obwohl ich nahezu immer von wundervollen Menschen umgeben war. Doch der, der sich am meisten im Weg stand war am Ende vermutlich ich selbst. Der Autor hat immer wieder diesen Traum, zurück in der Schule zu sein. Im vollen Wissen, dass er seinen Abschluss seit Jahrzehnten hinter sich hat. Die Shinyo Academy hat er nach diesem immer wiederkehrenden Traum gestaltet.

So, even now, I don't really get the idea of going to school. I was twenty-eight when I wrote this nove, and over ten yyears have passed since I graduated. Even if I try to find the answer, I no longer have a school to go to, so the whole thing is permanently out of reach. It's all too late now. It's one of many, but this "what did I do in school?" question is a pretty big trauma for me. It's like my first love that I never asked out. Augh! I was a dirty little angst-ridden idiot without a single thought for love. I imagine the reason behind the dreams is my conviction that I would be much better at being a high school student now. - Kouhei Kadono


 Fazit

"Boogiepop and Others" ist ein herausragender Auftakt in eine fantastische Light Novel Reihe. Der Roman lebt von seinen traumartigen Szenarien und strickt eine mysteriöse Geschichte ohne Comedy-Elemente, die der Geschichte die Ernsthaftigkeit nehmen. Kouhei Kadonos Sprache ist klar, philosophisch angehaucht und seine Charaktere bekommen genug Freiraum, ihre Gefühle zu entfalten. Hier liegen die vielen verborgenen Stärken der Story und all das fügt sich mit diesen traumartigen, surrealen Szenen zusammen und ergibt eine starke Einheit. Es ist wirklich enorm schade, dass der Verlag die Reihe über Band 6 hinaus nie fortgesetzt hat. Man muss nehmen, was man kriegen kann. Jeder Roman ist mehr oder weniger in sich abgeschlossen. Aber es darf halt nicht verheimlicht werden, die Geschichte rund um Boogiepop ist nach den hier erhältlichen Bänden noch längst nicht am Ende angekommen.

Während die Printausgabe mittlerweile deutlich schwerer zu bekommen ist, ist auch hier das E-Book wieder als günstige Alternative verfügbar. Und wer weiß, vielleicht wird die Reihe bei einer neuen Adaption für Seven Seas nochmal interessant. Aber ich schiele nicht nur auf den US-Markt. Mit Dokico startet auch ein deutscher Verlag in Sachen Light Novels nun durch (auch wenn die Hoffnung da sicherlich mehr als gering ist, da der Verlag sich vorerst auf kürzere Reihen konzentriert und Boogiepop nicht wirklich in das Programm passt, was man aktuell anscheinend so verfolgt). Derzeit sieht es also so aus, als würde es keine neuen Bände der Boogiepop-Reihe in unseren Gefilden geben. Aber als Fans exotischer Serien sind wir doch unlängst daran gewöhnt mit dem zu arbeiten, was uns zur Verfügung gestellt wird!

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Mit Dokico geht in Deutschland nächstes Jahr der erste Light Novel Verlag an den Start

 

Copyright: Dokico


Eine Meldung, die mich in den vergangenen Tagen sehr erfreute war die Ankündigung des ersten eigenständigen Light Novel Verlags in Deutschland. Das Team hört auf den Name "Dokico", welches sich aus den Worten "Doki-Doki" und "Comedy" auseinandersetzt und auch gleichzeitig das Verlagsmotto zur Geltung bringt: Emotionen und Unterhaltung. Man möchte die bunte Vielfalt der japanischen Belletristik deutschen Lesern näher bringen und möchte Genres wie RomComs, Drama, Slice of Life und Mystery abdecken. Von Isekai möchte man sich wohl vorerst fernhalten.
Für das Logo des Verlags gab es bereits prominente Unterstützung: Hierfür war der Highschool DxD Mangaka Hiroji Mishima verantwortlich.

Der Verlag soll 2023 seine ersten Titel veröffentlichen. Veröffentlichen will man Printausgaben und E-Books, zudem soll es über den hauseigenen Shop wohl noch Spezialeditionen geben.
Aktuell gibt es zwar noch keine angekündigten Lizenzen, man sollte aber wachsam die Website des Verlags beobachten, was sich da in kommender Zeit tun wird.

Sofern man sich an gewisse Spielregeln hält, kann man dem sehr sympathischen Team vom Dokico Verlag auch Lizenzwünsche schicken. Was man beachten muss erfährt man in einem kleinen FAQ. Da ich mich hier nicht selbst jinxen möchte, verrate ich in diesem Absatz einfach mal nicht, was ich mir gewünscht habe ;P

Der Aufziehvogel drückt dem Team alle verfügbaren Daumen, da das Thema Light Novels in Deutschland immer noch eine Herausforderung sein dürfte. Was in anderen Ländern wie den USA oder Frankreich unlängst etabliert ist, ist bei uns in Deutschland noch immer eine Nische. Auf diesen Verlag aufmerksam zu machen war also Pflichtprogramm!


Link zur Website (Öffnet neues Browserfenster zur Website des Verlags): Dokico

Donnerstag, 9. April 2015

Einwurf: Können sich Light Novels in Deutschland endlich etablieren?

(Foto: Aufziehvogel)



Die Popularität von Light Novels ist in Japan auch weiterhin ungezähmt. Immer mehr Manga, Anime oder auch heimische Film Adaptionen basieren auf den beliebten Romanen, in denen meistens auch Illustrationen vorzufinden sind. Die Autoren der jeweiligen Werke arbeiten eng mit bekannten Manga-Künstlern zusammen. Die Illustrationen in den Büchern helfen natürlich ungemein, sich noch bessere in die Charaktere und das Szenario hineinzuversetzen zu können. Light Novels werden vermutlich nie einen Stellenwert in der großen Weltliteratur einnehmen, die Beliebtheit der größtenteils gut geschriebenen Novellen hat in Japan jedoch längst die angepeilte Zielgruppe überschritten.

Im Westen hat man sich mit den Light Novels bisher schwer getan. Das größte Problem: Kosten und Vermarktung. Die Übersetzung der Romane ist teuer, auch wenn diese nur selten 300 Seiten überschreiten. Das Problem liegt eher darin, viele beliebte Light Novel Reihen umfassen in Japan Bände, die in einem zweistelligen Bereich liegen. Sind die Kosten bereits ein Problem, ist das zweite Problem direkt die Vermarktung. Nicht jeder Manga Leser oder Fan von Anime ist gleichzeitig auch ein potentieller Kunde für eine Light Novel. Dies hat bereits die Vergangenheit bewiesen. Sowohl Tokyopop als auch Carlsen mit seinen Nippon Novels bemühten sich, einen neuen Trend neben den auch in Deutschland erfolgreichen Manga zu erschaffen. Der Ertrag hielt sich in Grenzen. Fantastische Serien wie Kinos Reise wurden bereits nach wenigen Bänden bei Tokyopop eingestellt. Bei Carlsen ist es sogar in diesem Bereich noch stiller geworden. Auf das Konto von Tokyopop gehen aber die äußerst erfolgreichen Veröffentlichung der beiden Death Note Romane "Another Note" und "L Change the World". Eine Anmerkung, die nicht klein geredet werden sollte.

Einige Jahre später will es der Hamburger-Verlag Tokyopop noch einmal wissen. Ziel, so scheint es, ist eine bessere Vermarktung. Simultane Veröffentlichungen. Nehmen wir Reki Kawaharas erfolgreiche Serie Sword Art Online als Beispiel. Während der Anime bereits beliebt ist, die Serie in Deutschland eine feste Fangemeinde hat, kann es unmöglich schaden, nicht nur den Manga zu uns bringen, sondern auch die Original Romanreihe. Die Ausführung des eigentlich sicheren Planes sieht dann aber anders aus. Bereits im Herbst 2014 sollte der erste Band von Sword Art Online erscheinen. Mehrfach musste Tokyopop diesen jedoch um einige Wochen verschieben, bis es sogar so weit kam, die Reihe auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Man muss vielleicht noch erwähnen, es sind nicht unbedingt wenige deutsche Leser, die sich auf Sword Art Online bei Tokyopop gefreut haben. Mittlerweile hat der Verlag im offiziellen Forum sich bereits ehrlich und sehr direkt zu den Verschiebungen geäußert. Der Grund? Erhebliche Probleme bei der komplizierten Übersetzung. Übersetzer 1 war sprang ab, Übersetzerin 2 hat den Stoff so detailliert umgesetzt, dass dieser in der deutschen Sprache anscheinend einfach nicht funktioniert. Nun sei man dabei, so Managing Director Jo Kaps, den Text lesbar und verständlich zu machen. Von vornherein muss man natürlich zugeben, einem so bekannten Verlag wie Tokyopop dürfte so etwas eigentlich nicht passieren. Das sich ein Übersetzer aber auch vielleicht mal maßlos überschätzt oder mit der Materie nicht vertraut ist, ist nicht unbedingt etwas, womit man zwangsläufig rechnen muss.
Allerdings kann man da nun nichts mehr dran ändern. Jo Kaps ist allerdings zuversichtlich: Sword Art Online wird bald erscheinen.

So ärgerlich solche Pannen sind, so peinlich verhält sich die Leserschaft. Ein Video von zwei Mitgliedern des Tokyopop Forums kursiert auf YouTube, die schlecht recherchiert der Marke "Fremdschämen" über dieses Thema berichten. Solchen Leuten möchte ich auf meinem Blog natürlich keine Showtime gewähren und somit ist es auch ausgeschlossen, dass ich besagtes Video jemals hier verlinken werde.




Da Reki Kawahara aber ein beschäftigter Mann ist, hat er neben Sword Art Online noch mehrere erfolgreiche Serien, an denen er aktuell arbeitet. Eine davon heißt Accel World und ist lose mit dem Sword Art Online Universum verknüpft. Bereits 17 Bände umfassen die Romane in Japan. Entstanden ist aus dem Light Novel ein Multimedia Franchise und so gibt es neben einem gleichnamigen Manga auch noch eine Anime TV-Serie, die 24 Episoden umfasst.

Tokypop besitzt auch die Lizenz für Accel World und veröffentlichte ohne weitere Zwischenfälle am 09. März 2015 Band 1 der Light Novel Reihe und Band 1 des Manga. Genau wie bei Hiroshi Sakurazakas "All You Need Is Kill" (verfilmt als "The Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise) setzt Tokyopop auf eine simultane Veröffentlichung zwischen Novel und Manga, was sich bei All You Need Is Kill bereits ausgezeichnet hat.

Sobald Tokyopop auch endlich Sword Art Online etablieren kann, heißt es abwarten, wie sich die Serien in Deutschland machen. Ganz persönlich gönne ich Tokyopop den Erfolg, weil sie sich Mühe geben, zum zweiten mal einen Anlauf in diesem Sektor zu wagen. Ob sich eine neue Leserschaft finden wird, wird sich also zeigen. Nun ist Accel World seit genau einem Monat erhältlich, eine Prognose darf man hier natürlich noch nicht abgeben.

Im Juni erscheint mit Black Bullet die nächste Light-Novel Reihe bei Tokyopop, auf die ich mich sehr freue. Letztendlich kommt natürlich auch der Erfolg dieser Reihen den deutschen Lesern von Light Novels zugute. Bei aller Euphorie muss ich natürlich auch noch loswerden, ich wäre gerne etwas optimistischer was die Zukunft dieser Werke in Deutschland angeht.

Wer sich einen kleinen Überblick über aktuelle und kommende Veröffentlichungen über Light Novels bei Tokyopop machen will, der kann ihre offizielle Seite besuchen, die ich zum Abschluss dieses Einwurfs hier verlinken werde.

Alle, die mal wieder mein ausgiebiges Selbstgespräch verinnerlicht haben, habt ein schönes (kommendes) Wochenende, genießt das gute Wetter oder, noch viel besser: Verbringt eure wertvolle Zeit vor dem Fernseher, denn in wenigen Minuten wird das Masters aus Augusta übertragen, was ich mir bestimmt bei 1 oder 2 Gläsern Wein das komplette Wochenende zu Gemüte führen werde ;D

Bis bald,
Euer Aufziehvogel


Light Novels bei Tokyopop (Übersicht und Leseproben)Link zur offiziellen Website


P.S.

Viele Leser meines Blogs wissen es schon, aber wenn ich hier einen Link zum Verlag anhefte, tue ich dies selbstverständlich freiwillig und werde weder von dem Verlag gefördert, noch mit einem Abo auf Lebzeiten für alle neuen Veröffentlichungen entlohnt ;)
Es besteht sogar die ultimative Möglichkeit, dass Tokyopop niemals von der Existenz dieses Eintrages erfahren wird. Es sei denn, man sieht "Am Meer ist es wärmer" als den einzigen und bekanntesten Blog im Web an, was natürlich nicht auszuschließen ist.