Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Dienstag, 13. März 2018

Review: Hibana: Spark




Japan 2016

Hibana: Spark
Romanvorlage: Naoki Matayoshi
Regie: Ryuichi Hiroki u.v.m.
Darsteller: Kento Hayashi, Kazuki Namioka, Masao Yoshii, Tomorowo Taguchi, Mugi Kadowaki
Episoden: 10
Distributor: Netflix
Genre: Drama-Serie


Leichte Spoiler zu Episode 8-9


Durch eine Berichterstattung bei NHK World wurde ich bereits vor einigen Jahren auf Naoki Matayoshis Roman "Hibana: Spark" aufmerksam. In Japan löste das Buch einen regelrechten Hype aus und bescherte dem jungen Manzai-Künstler (geboren 1980) im Jahr 2015 sogar den begehrten Akutagawa Preis, der Literatur-Debütanten überreicht wird. Zwischen der Veröffentlichung des Buches, des Akutagawa Preises und der TV-Serie von Netflix liegen gerade einmal rund 2 Jahre. Doch der Erfolg dieser Geschichte war damit noch nicht am Ende. Erst zum Ende vergangenen Jahres erschien ein exklusiv in Japan veröffentlichter, alternativer Kinofilm mit einem komplett neuem Ensemble an Darstellern. Da Matayoshis Roman meines Wissens nach bisher nicht im Westen erschienen ist und es weder eine deutsch- oder englischsprachige Übersetzung gibt, fehlt mir leider die Referenz zu dem Buch und daher sind mir Vergleiche zur Originalvorlage leider nicht möglich.

Wenn das Buch also nicht verfügbar ist, dann muss halt die Serie herhalten. Aufgrund einiger Empfehlungen (besonders zur Zeit des Japanuary) habe ich mir die Serie vor einiger Zeit auf meine Watchlist gepackt. Mit 10 Episoden und über 50 Minuten Laufzeit pro Episode bei einer Vorlage, die keine 200 Seiten umfasst, ist diese Netflix-Produktion üppig ausgestattet. Ich tue mich bei Serien bekanntlich sehr schwer und normalerweise bin ich für eine Serie bei einer rund 10 stündigen Laufzeit pro Staffel bereits nicht mehr zu haben. Hibana ist glücklicherweise eine der Serien, die unglaublich gut auf meine Interessen und Sehgewohnheiten abgestimmt ist und keinen so extremen Spannungsbogen besitzt, dass man sich genötigt fühlt, mehr als 2 Episoden pro Tag zu schauen.

Im Fokus der Geschichte steht die japanische Form der Comedy "Manzai". Diese extrem beliebte art der Komik umfasst in den meisten Fällen ein Duo an Komikern und ist berüchtigt für ihre extrem schnellen Wortwechsel die oftmals auf Missverständnissen und Wortspielen basieren. Im Mittelpunkt selbst steht in dieser Serie aber nicht die Komik sondern die Leute, die mit Manzai groß rauskommen wollen. Ziel des Erfolges sind in Japan nicht einmal die Live-Bühnen sondern das Fernsehen.
Das zentrale Thema der Serie dreht sich jedoch um eine Freundschaft, Bewunderung, Träume und eigentlich alles, was normalerweise ein Großstadtroman zu bieten hat. Dafür, dass es in Hibana um die Komik geht, werden am Ende tatsächlich mehr Tränen vergossen als man Leute zum lachen gebracht hat. Hibana: Spark ist eine waschechte Drama-Serie, oftmals sehr experimentell, ausgestattet mit wunderschönen Bildern und einem exzellent aufgewählten Cast. Für eine japanische Drama-Serie ist Hibana fast schon bodenständig.

Über einen Zeitraum von 10 Jahren erstreckt sich die Geschichte und wir begleiten den aufstrebenden Comedian Tokunaga mit seinem Manzai-Partner Yamashita, gemeinsam haben sie die Formation "Sparks" gegründet. Nach einem missglückten Auftritt lernt Tokunaga den älteren, extrovertierten Comedian Kamiya des Duos "Ahondara" (Schwachkopf) kennen. Schnell ist Tokunaga von der art Kamiyas und seinem Manzai fasziniert und bittet ihn schließlich darum, ihn als Schüler zu akzeptieren. Als Kamiya ebenfalls nach Tokio zieht, beginnt eine einzigartige Freundschaft, die viele Hürden zu überstehen hat.

Bereits die Pilotfolge ist optisch ein Fest für die Sinne. Die mehr als anständigen Produktionskosten werden hier auf den ersten Blick deutlich. Die Serie entfaltet einen wundervollen Charme und man möchte wissen, wie es mit diesen ungleichen Charakteren weitergeht. Inhaltlich haben wir es hier natürlich lediglich mit einer typischen "streben nach Ruhm" Geschichte zu tun. Doch es ist die Art, wie diese Geschichte erzählt wird, genau darin liegt die eigentliche Stärke von Hibana. Oftmals passiert in den einzelnen Folgen nicht einmal dramatisch viel (worin automatisch auch der größte Kritikpunkt liegt). Erstmals empfand ich diese Leere jedoch in Episode 5 und dabei sollte es auch bis auf wenige Segmente in den weiteren Folgen bleiben. Trotzdem bleiben aber auch automatisch einige Chancen ungenutzt. Über die Charaktere und ihrer Vergangenheit erfährt man nur selten etwas. Tokunagas Kindheit wird öfters mal angeschnitten aber nie wirklich zufriedenstellend zu einem Ende gebracht (seine Kindheit in einem Elternhaus der unteren Mittelschicht zum Beispiel oder das persönliche Verhältnis zu seiner Schwester). Auch die heftigen Zeitsprünge von mehreren Monaten bis zu einem Jahr pro Episode machen sich bemerkbar. Bei der langen Laufzeit muss man da inhaltlich eigentlich wesentlich mehr zu sehen bekommen oder aber man hätte sich auf 30-40 Minuten Laufzeit pro Episode einigen sollen. Besonders zu leiden haben darunter die letzten beiden Episoden. Feierten die Sparks in Episode 8 noch unerwartete Erfolge und konnten von ihrem Einkommen als Comedians leben, so rangen sie in Episode 9 auf einmal wieder um ihre Existenz und mussten wieder in Supermärkten auftreten. Die Geschicke wurden hier nicht wirklich konsequent fortgeführt und es kam mir des öfteren mal vor, als gäbe es immer mal wieder größere Lücken in der Geschichte.

Diese erzählerischen Schwächen werden aber immer wieder durch herausragende schauspielerische Leistungen von Kento Hayashi und Kazuki Namioka gerettet. Obwohl die Serie durch die Bank weg stark besetzt ist (in einer etwas kleineren Rolle ist auch "Tetsuo: The Iron Man" Tomorowo Taguchi ein fester Bestandteil der Besetzung), so sind es diese beiden Schauspieler, die die Serie tragen. Besonders interessant sind die Unterschiede beider Charaktere. Ist Tokunaga schüchtern, zurückhaltend und beinahe introvertiert, so ist der hektische Kamiya das passende Gegenstück zu ihm.

Angemerkt muss noch werden, es fließen verdammt viele Männer-Tränen in dieser Serie. So viele, dass einige Zuschauer hier vielleicht sogar etwas abgeschreckt werden könnten. Die emotionalen Momente habe ich jedoch nie als Overacting wahrgenommen. Viele japanische Drama-Serien driften oftmals gerne in eine zu theatralische Darstellung ab, was gleichzeitig für eine gewisse unfreiwillige Komik sorgt. Den salzigen Geschmack der Tränen kann man als Zuschauer von Hibana beinahe schmecken. Es sind ehrliche Tränen über geplatzte Träume, Freundschaften und über falsche Entscheidungen. Vermutlich kann sich mit der ein oder anderen vergossenen Träne auch der Zuschauer Dann und Wann mal identifizieren. Die ganze Inszenierung wird dabei noch von unglaublich passender Musik begleitet.



Resümee

"Hibana: Spark" hat mich 10 Episoden lang auf eine beeindruckende Reise durch Tokio mitgenommen. Beinahe kann man diese Mini-Serie auch als einen kleinen Reiseführer bezeichnen. Mit dem sympathischen Cast wird man lachen, mitfiebern und vielleicht auch mal weinen. Streiten kann man sich über die üppige Laufzeit der Episoden und ob manchmal nicht etwas Straffung angebrachter gewesen wäre. Dennoch weiß die Serie auch in der veröffentlichten Form zu überzeugen. Mehr noch, die Serie bringt eigentlich alles mit, was der japanischen Filmwirtschaft derzeit fehlt. Es wäre schön, irgendwann mal die Romanvorlage lesen zu können, auch wenn eine Übersetzung derzeit wohl ziemlich unwahrscheinlich sein dürfte. Die Serie uneingeschränkt zu empfehlen wäre falsch und vielleicht liege ich eher mit der Empfehlung als Geheimtipp richtig (am ehesten kann man Hibana mit Takeshi Kitanos Film "Kid's Return" aus dem Jahr 1996 vergleichen). Ein Hang zur japanischen Kultur sollte vorhanden sein, vielleicht auch noch etwas Experimentierfreude. Eine faire Chance sollte man der Serie aber auch geben, wenn man meint, man würde Netflix bestens kennen.





Keine Kommentare:

Kommentar posten