Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Dienstag, 14. Juli 2015

Einwurf: Keine Verwendung mehr für alte Helden?



Mein erster Einwurf seit gefühlten Monaten. Ich hatte jedoch auch wenig Redebedarf. Mein letzter Kinobesuch vor einigen Tagen hat das Feuer für meine virtuellen Selbstgespräche aber wieder entfacht.

Terminator Genisys. Der fünfte Ableger in der nicht mehr ganz so glorreichen Saga. Mit Teil 3 und Teil 4 musste das Franchise federn lassen und zog automatisch Camerons grandiose Erstwerke gleichzeitig mit in den Ruin. Ok, vielleicht ist "Ruin" das falsche Wort, aber nach Terminator Salvation habe ich die ersten beiden Filme ein wenig abgewertet. Bei einer Reihe, die so eng miteinander verknüpft ist, reicht meistens schon eine schlechte Fortsetzung, um das Gesamtwerk zu beflecken. Dabei ist handwerklich Terminator Salvation noch der wesentlich bessere Film im Vergleich zu Rise of the Machines, ein Film, der mit ständigen Slapstick-Einlagen beinahe schon seine Vorgänger parodierte statt ihnen Tribut zu zollen. Allerdings funktionierte Salvation nicht als Terminator Film und selbst als generischer Science-Fiction Actionfilm tut sich der Film noch sehr schwer.

Was konnte man da also von Terminator Genisys erwarten? Ein alternder Arnie, PG-13 und mehrere verflucht schlechte Trailer. Habe ich schon das verhunzte Filmposter erwähnt? Meine Reaktion: Traurig, deprimiert.



Die Erwartungen waren jedoch schon so gering, mein Tränenkanal erholte sich relativ schnell von dem schlechten Terminator Genisys Marketing. Niemals stand je zur Auswahl, den Film im Kino zu sehen. Die Vorab-Reviews bekräftigen mich auch in meinem Vorhaben. Doch meine Erwartung, der Film könnte auch in der IMDb ziemlich schnell den den letzten Platz im Franchise belegen, wurde ich, zu meiner Überraschung, eines besseren belehrt. Die Wertung hält sich noch immer bei einer 7,0 (macht Platz 3 bei den Filmen). James Cameron persönlich bezeichnet Genisys als den wahren dritten Teil (bei Camerons Meinung ist jedoch Vorsicht angesagt, da er ein großer Fan von Paul Anderson ist) und viele private Reviewer lobten die neuen Ansätze in der Story und haben sich gar Camerons Worten angeschlossen. Für mich war die Verlockung letztendlich zu groß und ich entschied mich dennoch für einen Kinobesuch. Da dieser Einwurf hier aber kein Review ist, werde ich nur geringfügig auf Genisys eingehen. Ich muss gestehen, der Kinobesuch hat sich gelohnt, die Altersfreigabe hat dem Film überraschenderweise nicht geschadet (auch wenn mit einem R-Rating natürlich wesentlich mehr möglich gewesen wäre) und Genisys ist trotz kleinerer Schwächen tatsächlich die beste Fortsetzung, die das Franchise seit Terminator 2 hervorgebracht hat (die Serie vorerst nicht mitgezählt). Der Film präsentiert ein interessantes Konzept, welches die in Verruf geratene Saga ein wenig aus einem Sumpf mäßiger bis schlechter Sequels gezogen hat. So viel zu meinem kurzen Fazit.

Durch die Altersfreigabe, dem schlechten Marketing und auch Schwarzeneggers Reputation in den USA stand der Erfolg von Terminator Genisys bereits vor dem Kinostart in einem weniger guten Licht. Der Name "Schwarzenegger" trägt keinen Film mehr im Alleingang durch das amerikanische Box Office. The Last Stand, Escape Plan und auch Sabotage haben dies bewiesen. Jeder dieser Filme erhielt von der amerikanischen MPAA das R-Rating, allesamt floppten sie an den amerikanischen Kinokassen. Escape Plan hingegen spielte beinahe aber noch das Dreifache seiner Produktionskosten wieder ein weil der Film in Europa und Asien sehr gut ankam. Genisys ist also zusammen mit Expendables 3 Schwarzeneggers zweiter "After Governor" Film, der mit einem familienfreundlichem PG-13 Rating versehen wurde. Altersfreigaben scheinen bei neuen Schwarzenegger-Filmen sowieso keine Rolle zu spielen, denn kein neuer Film mit seiner Beteiligung war in den USA erfolgreich. So waren die miserablen Vorab-Reviews und das desaströse Debüt beim Box Office zu Genisys (gerade mal etwas um die 30 Millionen zur Premiere, was in den USA nur für einen enttäuschenden dritten Platz reichte) eigentlich sogar wenig überraschend. Allerdings machte es auch den Anschein, als habe der Film eine regelrechte Hetzkampagne mit sich gebracht.

Mittlerweile trudeln allmählich auch die Einspielergebnisse außerhalb der USA ein. Seine Produktionskosten hat Genisys unlängst wieder eingespielt und auch die doppelte Menge wird der Film locker einspielen. Die angepeilten 400 Millionen die Paramount im Sinn hatte, könnten sich jedoch als schwierig erweisen. Bei der katastrophalen Marketingkampagne und dem an sich schweren Stand, den das Terminator-Franchise innehat, wäre eine solche Summe sogar rekordverdächtig.

Die überraschenden Sympathien, die ich für Terminator Genisys hege, darf man natürlich aber nun auch nicht als Maßstab werten. Wie immer ist es eine subjektive Meinung. Aber wenn man schon viele Filme in seinem Leben gesehen hat, erkennt man einen guten Film und einen sehr schlechten Film. Genisys gehört sicherlich nicht zur letzten Kategorie. Dabei ist es aber eigentlich überflüssig, anzumerken, an eine (immer noch bestehende) Genialität von The Terminator oder Terminator 2: Judgement Day reicht Genisys nicht heran, alleine der Vergleich verbietet sich. Trotz allem bietet Genisys etwas, was man bei den vorherigen Fortsetzungen grundsätzlich vermisst hat: Atmosphäre. Und diese kommt besonders zur Geltung, wenn man sich vorher noch einmal die ersten beiden Teile angesehen hat.


"Alt, aber nicht überflüssig"

Doch komme ich zum Ausgangspunkt meines Einwurfs zurück. Ein ergrauter Terminator gibt von sich, er sei Alt, aber nicht überflüssig. Und dem muss ich zustimmen. Aber woher rührt nun die Abneigung gegen Genisys? Hier sind einfach mehrere Faktoren zusammengeflossen. Zum einen besteht natürlich wirklich die Möglichkeit, den Film nicht zu mögen (völlig unabhängig des Shitstorms). Größtenteils dürfte es aber auch Schwarzeneggers Ansehen in den USA sein. Schwarzeneggers acht jährige Amtszeit als republikanischer Gouverneur von Kalifornien war eine lange Zeit, die ganz besonders bei vielen Amerikanern nicht spurlos vorbei ging. Viele sind nicht nur ihrem "Governator" überdrüssig geworden, sie sind auch dem Terminator-Franchise überdrüssig geworden. Genisys war die Fortsetzung, nach der niemand verlangt hat, nicht nach Terminator 3 und Terminator 4. Hinzukommt die völlig falsche Herangehensweise seitens Paramount. Nach dem kommerziell wenig beeindruckendem Erfolg von Terminator Salvation oder auch ganz aktuellen Beispielen wie The Expendables 3 hätte man wissen müssen, PG-13 ist die falsche Zielgruppe für einen Terminator Film. Prinzipiell hat der Film die Freigabe gut genutzt. Der Ruf dieser Freigabe ist aber viel mehr in Verruf geraten. Die eigentlich angepeilte Zielgruppe wird jedoch unlängst von Marvel (Disney) dominiert und schaut sich viel lieber maskierte Superhelden an. Aber auch die eigentliche Zielgruppe scheint dem Franchise längst fortgelaufen zu sein. Paramount hat den schweren Stand, den das Franchise innehat, nur noch einmal unnötig erschwert. Und dennoch sollte Paramount zumindest versuchen, es mit Genisys erneut auf dem Heimkino-Markt zu probieren um vielleicht doch noch die Zielgruppe zu erreichen, die dieser Film auch tatsächlich interessiert.

Doch was passiert nun mit Arnold Schwarzenegger? Filme drehen müsste er eigentlich nicht mehr, finanziell hat er es zumindest nicht nötig. Qualitativ gesehen haben mir aber Schwarzeneggers neue Filme relativ gut gefallen. The Last Stand war ein guter Actioner. Escape Plan, gemeinsam mit Sylvester Stallone, sogar eine äußerst erfreuliche Abwechslung. Ledlich Sabotage wird wohl Schwarzeneggers persönlicher Rohrkrepierer seit seines Comebacks bleiben (obgleich der Film noch immer ansehnlich ist und vermutlich einzigartig von der Machart in Schwarzeneggers Karriere).
Der alte Actionheld hat dennoch bewiesen, überflüssig ist er noch lange nicht. Ob er aber noch einmal einen großen Hit am amerikanischen Box Office landen wird dürfte ebenfalls so sicher sein wie ein sauberes Herrenklo auf der Kirmes. Es sei denn, Schwarzenegger geht einen unwiderstehlichen Deal mit Marvel ein.

Gehabt euch wohl!




Memo an mich: Du solltest vorsichtiger sein Aufziehvogel. Bei den aktuellen Entwicklungen die Spider-Man durchlebt könnte Schwarzenegger am Ende noch die Rolle des Onkel Ben erhalten.

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