Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Freitag, 20. Oktober 2023

Rezension: Honigkuchen (Haruki Murakami & Kat Menschik)

 





Japan/Deutschland 2023


Honigkuchen
Originaltitel: Hachimitsu Pai
Auch zu finden in: Nach dem Beben (DuMont Buchverlag, 2004)
Autor: Haruki Murakami
Illustratorin: Kat Menschik
Übersetzung: Ursula Gräfe
Veröffentlichung: 10.10.2023 bei DuMont
Genre: Kurzgeschichte, Magischer Realismus, Artbook
Format: Hardcover, E-Book


>>Wie immer. Ich schreibe eine Geschichte, sie wird in einer Literaturzeitschrift gedruckt, und niemand liest sie.<<
>>Ich habe alles von dir gelesen.<<
>>Danke. Du bist ja auch nett<<, sagte Jun. >>Aber die Kurzgeschichte gerät immer mehr aus der Mode, wie der bedauernswerte Rechenschieber.<<


Morgen ist Klassentreffen. Ich sehe einige Menschen wieder, die ich nun über 20 Jahre nicht gesehen habe. Ich überlegte lange, ob ich hingehen oder den Termin verstreichen lassen soll. Aber vielleicht..... vielleicht würde es wieder 20 Jahre dauern, bis so ein Treffen zustande kommt. Also habe ich zugesagt. Und wie es der Zufall so möchte, fällt mir eine Kurzgeschichte von Haruki Murakami in die Hände. Haruki Murakami, mindestens die Stimme der etwas verlorenen Generation, nun etwas über 30 Jahre alt, noch immer den verspielten Träumen hinterherjagend, in Erinnerungen an die Jugend schwelgend und dabei gute Musik hören und, wenn es die bescheidenen Kochkünste dann zulassen, selbstgemachte Spaghetti essen. Der japanische Autor hat mich durch die schwierigsten Zeiten in meinem Leben begleitet und bis zum heutigen Tage habe ich mir noch einige wenige Romane zurückgelegt, die ich noch nicht gelesen und für irgendwelche "Turbulenten Tage" zurückgelegt habe. Wenn ich nach der aktuellen Weltlage gehe, müsste ich praktisch täglich etwas von Murakami lesen. Dass ich nach langer Zeit mal wieder so redselig bin, hat natürlich etwas damit zu tun, dass ich "Honigkuchen" nach so vielen Jahren wieder für mich entdeckt habe. Ich habe aus der Leidenschaft und Liebe zu den Werken Murakamis und der Literatur aus Japan vor über 10 Jahren diesen Blog ins Leben gerufen. Doch besonders in den vergangenen Jahren wurde es um Murakami still hier. Ist die Faszination verflogen? Begleiten mich seine verträumten Protagonisten etwas nicht mehr auf meinem alltäglichen Weg? Komplett falsch. Murakami ist in meinem Unterbewusstsein noch so präsent wie immer. Sein Werk für mich wiederzuentdecken, habe ich nun bemerkt, ist spannender denn je. Besonders, wenn man eine Geschichte noch einmal bebildert praktisch komplett neu erleben darf.

Am dieser Stelle wollte ich eigentlich schreiben: "Über 10 Jahre nach der Veröffentlichung von "Die unheimliche Bibliothek" finden Haruki Murakami und die deutsche Künstlerin Kat Menschik ein weiteres mal zueinander." 
Aber zum Glück recherchiere ich dann doch noch, bevor ich hier meine Groschen hinzusteuere. Denn im Jahr 2021 ist bei dieser Kollaboration noch eine weitere Kurzgeschichte Murakamis in dieser Reihe entstanden: Birthday Girl. Diese Kurzgeschichte ist zu finden in dem Kurzgeschichtenband "Blinde Weide, schlafende Frau" (DuMont 2006). Damit kommt die Reihe rund um Kurzgeschichten von Haruki Murakami und Illustrationen von Kat Menschik nun auf 5 Bände (Schlaf, Die Bäckereiüberfälle, Die unheimliche Bibliothek, Birthday Girl sowie Honigkuchen). Ich habe diese schöne Reihe wirklich nahezu komplett verschlafen, zuvor befand sich nur "Die unheimliche Bibliothek" in meinem Besitz. Meine eigene Bibliothek wartet auf die Komplettierung, was schwer werden dürfte, denn "Schlaf" wurde aus dieser Reihe anscheinend nicht noch einmal als Hardcover gedruckt.

Mit Ausnahme von "Die unheimliche Bibliothek" handelt es sich bei den Kurzgeschichten, die hier veröffentlicht werden und mit Illustrationen von Kat Menschik untermalt werden, zwar um Geschichten, die bereits in deutscher Übersetzung vorliegen, hier aber neues Leben eingehaucht bekommen. "Honigkuchen" findet man in Murakamis Kurzgeschichtenband "Nach dem Beben". Dieser Kurzgeschichtenband ist insofern besonders, da Murakami sich hier der Erdbebenkatastrophe widmet, die 1995 Kobe heimsuchte. Subtil und mit seinem unverkennbar surrealen Stil versehen, arbeitete Murakami in dem Band die schrecklichen Geschehnisse dieser Naturkatastrophe auf. Wenn man Murakami liest, erinnert man sich nicht nur an seine Kurzgeschichten und Romane, sondern auch an all jenes, was drumherum stattfand. So erinnere ich mich noch, fast schon unheimlich lebhaft, daran, wann ich "Nach dem Beben" in der Buchhandlung gekauft habe, wo ich danach essen war, was ich gegessen habe und wie ich am späten Abend angefangen habe, den Band zu lesen. Zugegeben, als ich das kleine Hardcover gestern aufgeschlagen habe, erinnerte ich mich nur noch an winzige Umrisse der Kurgeschichte. Doch bereits nach zwei Seiten war es so, als hätte mein Erinnerungsvermögen den komplett abgedruckten Text wieder hervorgeholt.

"Honigkuchen" ist zweifelsohne eine der schönsten Kurzgeschichten aus "Nach dem Beben" (und vermutlich auch eine der einfühlsamsten Kurzgeschichten von Murakami überhaupt) und der DuMont Verlag hat eine ausgezeichnete Wahl getroffen, diese Geschichte für diese illustrierte Einzelveröffentlichung auszuwählen. Da es sich um eine verhältnismäßig kurze Geschichte handelt, möchte ich nicht großartig auf den Inhalt eingehen, um nichts vorwegzunehmen. Zudem möchte ich auch nur eine einzige Illustration aus dem Buch an diese Rezension anhängen, da sie bei dieser Veröffentlichung ganz klar das Highlight sind und von den Lesern selbst entdeckt werden sollen. Der surreale Stil von Kat Menschik vereint sich hier regelrecht "magisch" mit dem magischen Realismus von Murakami. Jede Illustration ist ein kleines Kunstwerk, welches man lange bewundern kann. Mal abstrakt, mal irdisch, mal verträumt. Die Illustrationen sind ein Begleiter für diese unglaublich geerdete Kurzgeschichte von Murakami.

Mit all seinen Stärken erzählt Murakami in "Honigkuchen" eine Geschichte, die nach einer schlimmen Tragödie spielt. Seine Fähigkeiten als Geschichtenerzähler lässt Murakami in seinen Protagonist Junpei mit einfließen. Die Kurzgeschichte funktioniert als melancholische Coming of Age Geschichte dreier Freunde und zugleich auch als eine sehr zarte Liebesgeschichte, die über Jahrzehnte andauert und man erst auf der letzten Seite erfährt, ob diese Liebesgeschichte eine Zukunft hat, oder endgültig vom Winde verweht wird. Die Geschichte in der Geschichte um zwei sehr ungleiche Bären geht dabei aber auch zu keiner Sekunde unter.







Abschließende Gedanken

Oktoberzeit ist meistens Murakami-Zeit. Dies könnte allen voran auch mit einer gewissen Preisvergabe zusammenhängen, die im Oktober verliehen wird. Aber eingebürgert hat sich doch auch, Murakami ist ein ausgezeichneter Herbst-Autor. Die Tage werden kürzer, draußen wird es ungemütlicher und die Stimmung der Menschen trüber. Haruki Murakami ist der Autor für die goldene Jahreszeit. Mit "Honigkuchen" erscheint in der illustrierten Reihe zwischen Haruki Murakami und der Künstlerin Kat Menschik eine wunderschöne Kurzgeschichte für alle Träumer, trüb gelaunte und all diejenigen, die gerne die kurze Geschichte lieben. Obwohl die Erinnerungen an die Kurzgeschichte beim lesen schnell zurückkehrten, so nahm ich sie durch die herrlichen Illustrationen so intensiv wahr, wie nie zuvor. Man könnte diese illustrierte Reihe natürlich noch über viele Jahre fortführen, denn bekanntermaßen hat Haruki Murakami ein sagenhaft umfangreiches Portfolio an Kurzgeschichten. Sollte dies der Fall sein, so hoffe ich, dass der Verlag bei der Auswahl der Geschichten auch weiterhin so ein gutes Händchen hat.

Dienstag, 10. Oktober 2023

Haruki Murakami hat im April einen neuen Roman veröffentlicht, und kaum einer weiß davon: The City and its Uncertain Walls

 



Um Haruki Murakami ist es nach der Veröffentlichung des Zweiteilers "Die Ermordung des Commendatore" (Erstveröffentlichung 2017 in Japan) etwas ruhiger geworden. Doch Murakami blieb seiner Veröffentlichungspolitik treu. Nach einem großen Roman folgten Kurzgeschichten und somit erschien 2020 der gelungene Kurzgeschichtenband "Erste Person Singular" in seinem Heimatland. Die Werke sind natürlich auch alle zügig international und selbstverständlich auch in deutscher Sprache erschienen. Heute, an diesem 10.10.2023, hat der DuMont in Zusammenarbeit mit der Berliner Künstlerin Kat Menschik einen weiteren illustrierten Band einer Murakami-Kurzgeschichte veröffentlicht: Honigkuchen.

Was vielleicht nur die wenigsten aber wissen dürften, am 13.04 dieses Jahres hat Murakami über seinen Verlag Shinchosha seinen neusten Roman veröffentlicht: Machi to Sono Futashika na Kabe. Interessant hierbei ist, auf dem japanischen Buchcover befindet sich zeitgleich auch der englische Titel: The City and Its Uncertain Walls.

Mit fast 700 Seiten ist der Roman, auch wenn es diesmal kein Zweiteiler ist, ein echtes Schwergewicht geworden. Murakami soll während der Pandemie knapp 3 Jahre in völliger Isolation an dem Roman gearbeitet haben. Doch es gibt noch andere Dinge, die hier aufhorchen lassen. Bei Haruki Murakami ist es nichts neues, dass aus einer von ihm verfassten Kurgeschichte mal ein kompletter Roman entsteht. Aus "Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen" wurde bekanntermaßen sein Magnum Opus "Die Chroniken des Aufziehvogels". Etwas weniger bekannt: Aus "Menschenfressende Katzen" wurde "Sputnik Sweetheart". Bei The City and Its Uncertain Walls ist es ein wenig komplizierter. Murakami plante diesen Roman schon einmal in den 80ern, hat die Idee aber verworfen, eine Kurzgeschichte daraus gemacht und etliche andere Ideen landeten dann in "Hard Boiled Wonderland und das Ende der Welt". Nach über 40 Jahren wagte Murakami also einen zweiten Anlauf und kehrt stilistisch hier wieder zu einer alten Stilform zurück. Gemeinsamkeiten zum gerade genannten "Hard Boiled Wonderland und das Ende der Welt" sind also nicht rein zufälliger Natur in Murakamis neuem großen Roman.

Wie immer ist der Roman auch in seinem Heimatland ohne große Fanfare im Vorfeld erschienen. Ähnlich geht man es in Fankreich bei Michel Houellebecq an. Ein Luxus, den sich nur wahrlich bekannte Autoren auch leisten können.

Aktuell ist bei The City and Its Uncertain Walls weder etwas von einer deutschsprachigen, noch von einer englischsprachigen Übersetzung bekannt (zumindest habe ich nichts dergleichen gelesen, ich lasse mich hier aber mehr als gerne korrigieren). Bei der üppigen Seitenanzahl wäre es nicht verwundernd, wenn der Roman in unserer ausschweifenden deutschen Sprache rund 1000 Seiten in Anspruch nimmt. So etwas beansprucht Zeit. Ich würde dennoch mit einer Veröffentlichung 2024 rechnen.

Wer mehr über den Roman erfahren möchte (Achtung Spoiler), es gibt eine ausführliche  Rezension dazu: Jean -Michel Serres

Sonntag, 8. Oktober 2023

Indiana Jones und das Geheimnis der Jedi Reliquie

 

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Review zum fünften Indy Abenteuer "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" folgen. Aber ich möchte mal etwas anderes präsentieren. Ich spare mir das Review und möchte meine Kritik zum Film mit einem Movie-Pitch näherbringen, den ich zusammen mit der KI ChatGPT entworfen habe. Auch das Filmposter stammt von einer KI, nämlich DALL.E mini.

Das neuste Indiana Jonaes Abenteuer hat mir nämlich eines mit auf den Weg gegeben: Heutzutage kann jeder anscheinend ein neues Indy-Abenteuer schreiben. Doch was kommt dabei raus, wenn sich Mensch und Maschine zusammentun?

Das Ergebnis: Ich habe richtig Bock, basierend auf diesem Pitch eine komplette Geschichte zu schreiben. Vielleicht tue ich das auch.

Allen Lesern wünsche ich nun viel Spaß bei dieser etwas anderen Rezension zu "Indiana Jones und das Rad des Schicksals".
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Indiana Jones und das Geheimnis der Jedi-Reliquie


In einer düsteren und von Konflikten zerrütteten Welt verschwinden wertvolle Artefakte, die einst von Jedi-Rittern geschützt wurden. Der verbitterte und gnadenlose Archäologe Henry Jones Jr., gespielt von Liam Neeson, ist auf einer gefährlichen Mission der Rache. Sein Verlangen nach Vergeltung wurzelt in einer persönlichen Tragödie: Sein langjähriger Freund und Mitstreiter, Dr. Samuel "Sam" Turner, ein einstiges Mitglied des Jedi-Ordens, wurde von einer geheimen Organisation unter der Leitung von Victor Krieg ermordet. Sam war immer ein treuer Freund von Indy und hatte die Jedi-Reliquie geschützt, bevor er sein Leben für sie opferte.

An seiner Seite befindet sich sein ungewöhnlicher Sidekick, Max Peterson, ein tollpatschiger, aber liebenswerter Archäologie-Enthusiast, gespielt von Kevin James. Max ist ein tollpatschiger Charakter, der ständig in Schwierigkeiten gerät, aber er hat eine Leidenschaft für Archäologie und bewundert Indiana Jones zutiefst. Während ihrer gefährlichen Reise entwickelt sich eine unerwartete romantische Spannung zwischen Indy und Max.

Victor Krieg, der skrupellose Schatzjäger und ehemalige Verbündete von Indiana Jones, entpuppt sich als der Drahtzieher hinter dem Mord an Sam Turner. Krieg plant, die Macht der Jedi-Reliquie zu nutzen, um seine eigene finstere Macht zu stärken und die Welt zu unterwerfen. Als Twist stellt sich heraus, dass Krieg einst ein gefallener Jedi-Ritter war, der von den anderen Jedi verstoßen wurde. Er hat dunkle Kräfte entwickelt und will nun Rache an der Jedi-Ordnung nehmen.

Der erste schockierende Twist kommt, als enthüllt wird, dass Liam Neesons Indiana Jones in Wahrheit ein verlorener Jedi-Ritter ist, der seine Kräfte unterdrückt hatte, nachdem er von dem Jedi-Orden verstoßen wurde. Er hatte sich zurückgezogen und versucht, ein normales Leben zu führen, bevor ihn die Nachricht vom Tod seines Freundes Sam erreichte.

Der zweite Twist tritt auf, als Max Peterson, durch seine tollpatschige Art oft unterschätzt, plötzlich ungeahnte Fähigkeiten zeigt. Es stellt sich heraus, dass Max latent machtsensitiv ist und die Macht der Jedi in sich trägt. Diese Fähigkeit war bisher verborgen, aber sie manifestiert sich, wenn er und Indy in tödlicher Gefahr sind.

Schließlich kommt es nach einer intergalaktischen Reise zu vielen exotischen Planeten im epischen Showdown zu einem letzten Twist, als sich herausstellt, dass Sam Turner, der totgeglaubte Freund von Indiana Jones, sie alle hintergangen hat. Er enthüllt seine finsteren Absichten und sagt zu Indy: "Du warst ein Narr, mir zu vertrauen, genau wie dein Vater vor dir." Doch Indy, der alles durchschaut hat, entgegnet ruhig: "Sam, mein alter Freund, du hast vergessen, den Fangstrahler zu deaktivieren." Auf diesen Satz hin explodiert die Plattform, auf der Sam steht, und er wird in die Weiten des Universums geschleudert. Indy kann gerade noch die Jedi-Reliquie retten und auffangen.

Der Showdown mit Victor Krieg findet statt, als Victor versucht, die Reliquie in seinen Besitz zu bringen. Doch die Reliquie erkennt die finsteren Absichten von Krieg und ergreift die Initiative. In einem letzten, dramatischen Moment wird Krieg von unsichtbaren Kräften ergriffen, die ihn in die Luft heben und in eine wirbelnde Säule aus gleißendem Licht einschließen. Indy sieht zu und sagt mit einem kühnen Lächeln: "Die Macht der Jedi-Reliquie richtet über diejenigen, die sie missbrauchen."

Die Säule aus Licht und Dunkelheit verschlingt Victor Krieg auf grausame Weise, während seine Schreie im Chaos der Mächte verhallen. Sein Ende ist eine Warnung an all jene, die versuchen, die Macht der Jedi-Reliquie für böse Zwecke zu nutzen – sie wird ihre Zerstörung herbeiführen, ohne Gnade und ohne Reue.

Die Geschichte endet damit, dass Harrison Ford als Han Solo und John Wick auftauchen, um Indy und Max zu unterstützen, weil sie von den Ereignissen gehört haben und sich der Bedeutung der Jedi-Reliquie bewusst sind. Indy sagt zu ihnen: "Möge die Macht für immer mit euch sein, meine treuen Freunde." Sie sind bereit, ihre Fähigkeiten und Ressourcen einzusetzen, um sicherzustellen, dass die Reliquie in guten Händen bleibt und nicht in die falschen gerät.


Pitch Ende



Original Copyright: Disney
Schöpfer: George Lucas, Philip Kaufman

Dienstag, 19. September 2023

Shunas Reise jetzt als Hardcover auch in Deutschland erhältlich


Bereits seit dem 04.09.23 ist eines der wundervollen Frühwerke von Hayao Miyazaki endlich auch in Deutschland erhältlich. Der Never-Ending-Man Hayao Miyazaki ist natürlich unweigerlich mit den Werken des Studio Ghibli verbunden. Doch der Workaholic ist und war schon immer bekannt dafür, all seine Arbeiten gerne selbst zu verrichten. So gibt es in der Karriere des Filmemachers auch ein paar seltene Ausflüge als Mangaka. In seiner Manga-Reihe Nausicaä, die von 1982-1994 (und die Filmadaption den späteren Start des Studio Ghibli einleiten sollte) lief, bewies Miyazaki in 7 Bänden, dass er auch sehr umfangreiche Geschichten abseits von Spielfilmen erzählen konnte. In dem 1984 veröffentlichten One-Shot "Shuna no Tabi", zu deutsch "Shunras Reise", präsentierte sich der Altmeister als Illustrator einer Graphic-Novel. Wunderschön gemalt mit Wasserfarben und somit komplett in Farbe, erzählt Miyazaki hier seine eigene Version eines tibetanisches Volksmärchens.


Shunas Reise hat es nun erstmals in die größten Buchmärkte außerhalb Japans geschafft. Nachdem es bereits eine Veröffentlichung in den USA im letzten Jahr gab, legte nun der deutsche Verlag Reprodukt nach - natürlich ebenfalls als sehr schöne Hardcover-Ausgabe. Übersetzt wurde das Werk aus dem Japanischen von der erfahrenen Übersetzerin Nora Bierich.

Externer Link zur Website des Reprodukt Verlag: Link

Und somit erscheint die deutsche Veröffentlichung auch passend zu Hayao Miyazakis neuestem Werk des Studio Ghibli: The Boy and the Heron (einen deutschen Titel gibt es noch nicht). Der englische Titel unterscheidet sich hierbei enorm von dem japanischen Titel der da lautet: Kimitachi wa Dō Ikiru ka ("Wie lebst du?"). Eine klare Referenz am gleichnamigen Buchtitel des Autors Genzaburo Yoshino, dessen Werk Miyazaki sehr verehrt.

Donnerstag, 14. September 2023

Rezension: Wechselbalg (Clarissa Bühler)

 


Großbritannien 2023

Wechselbalg
Autorin: Clarissa Bühler
Verlag: Selbstverlag
Genre: Roman
Format: E-Book



Vor über 12 Jahren habe ich meinen Blog gegründet, um hauptsächlich japanische Schriftsteller eine virtuelle Bühne zu geben. Eine Nische in einer Nische, die mein Blog, ganz besonders damals, war. Doch im Laufe der der Jahre habe ich auch die junge deutschsprachige Literatur für mich entdeckt. Spannende Autoren und Autorinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Verschiedenste Genre wurden abgedeckt, ich habe die unterschiedlichsten Facetten dieser jungen Literatur kennengelernt. Schaut man sich auf "Am Meer ist es wärmer" also etwas im Archiv um, wird man so manche spannende Titel finden, die ich in den vergangenen Jahren besprochen habe. In dieses Archiv gesellt sich nun eine weitere junge Autorin die zwar aus Deutschland stammt, aber bereits seit einigen Jahren auf einer nicht so weit entfernten Insel lebt (Luftlinie von meiner kleinen Privatinsel hier zum Vereinigten Königreich ist aber doch noch etwas zu weit zum hinschwimmen). Ich hatte bereits kleineren Kontakt zu ein paar der hier auf dem Blog besprochenen Autoren, aber bei Clarissa Bühler hatte ich das große Vergnügen, sie als Mensch und Schriftstellerin besser kennenlernen zu dürfen (hier folgt in einigen Tagen noch ein kleines Autorenprofil). Dies hat meine Erfahrung unglaublich bereichert, noch tiefer in ihr Debütwerk eintauchen zu können.

Dabei wusste ich zu Beginn absolut noch gar nicht, worauf ich mich hier genau einlassen würde. Ich sage es frei heraus, unter dem Titel "Wechselbalg" habe ich keinen bodenständigen Roman mit Coming of Age Elementen erwartet, der sehr ernste Themen anspricht. Stattdessen habe ich eher seichte Young Adult Fantasy-Kost erwartet. Doch schon nach der Leseprobe wurde ich eines besseren belehrt. Wechselbalg könnte gar nicht weiter entfernt von einer Fantasy-Welt sein. Was die Autorin stattdessen hier in ihrem Debütwerk abgeliefert hat, ist eine überraschend komplexe Charakterstudie über 3 völlig verschiedene Menschen. Allen voran stehen hier im Mittelpunkt die beiden sehr ungleichen Brüder Maurice und Jerome (im Buch aber nennen die Brüder sich untereinander Mo und Joe, was es besonders einfach gemacht hat, sich die Namen zu merken), Söhne des Vaters eines Verlagsimperiums, der sich weniger um seine Kinder sorgt als viel mehr darum, die Familiendynastie aufrecht zu erhalten. Während der jüngere Bruder Joe eher das Abfallprodukt des Patriarchen ist, lebt sein älterer Bruder Mo praktisch nach dem Drehbuch seines Vaters. Sein Werdegang ist unlängst vorherbestimmt, in absehbarer Zeit soll er das Familiengeschäft übernehmen, ohne Widerrede. Als die Brüder von einem schweren Verlust informiert werden als ihr Onkel bei einem Autounfall stirbt, die vermutlich wichtigste Person im Leben der beiden jungen Männer, geraten einige Dinge ins Rollen, die vielleicht vom Drehbuch des mächtigen Vaters abweichen könnten. Parallel zu der Geschichte der beiden Brüder kommt aber noch eine dritte Person ins Spiel: Marie. Marie ist schüchtern, besitzt kein nennenswertes Selbstbewusstsein und möchte sich dennoch von ihrem kleinen Provinzdorf in die große Stadt aufmachen, nach Freiburg. Marie kommt aus nicht minder komplizierten Familienverhältnissen. Die Eltern, streng gläubig und konservativ, sehen die Zukunft ihrer Tochter auf dem Hof, dort, wo die Familie halt schon seit Generationen lebt. Auch ihr Schicksal scheint vorherbestimmt, sieht sie sich doch aber zu einem anderen Leben bestimmt. Marie möchte aus ihrem Gefängnis ausbrechen und ihren Eltern das Gegenteil beweisen. Noch ist ihr nicht bewusst, dass das Abenteuer Großstadt noch eng mit dem Schicksal weiterer Menschen verknüpft sein wird.


"Vier Tage später ließ Mo seinen Kopf gegen die weiche Lehne des Erste.Klasse-Sitzes sinken. Durch das Fenster blickte er auf die dunkle, verregnete Startbahn des Hamburger Flughafens. Als die Maschine langsam zu rollen begann, schloss er die Augen. Er hatte gehofft, der räumliche Abstand würde ihm etwas Ruhe und Entspannung verschaffen, aber die Wolke dunkler Sorgen hatte sich als dumpfer Schmerz in seinem Kopf festgesetzt. Der Ärger mit Joe - seine Nutzlosigkeit und völliger Mangel an Ehrgeiz, an Produktivität - die Auseinandersetzung mit seinem Vater - der in seiner Dummheit die Bereicherung nicht sah, die Mo durch ein Philosophie-Studium in den Verlag bringen würde - Er wollte ihn, Mo, nur zu einer jüngeren Ausgabe von sich selbst machen. Von dem Ideal, das er selbst nie hatte erreichen können."

Das beeindruckende an Wechselbalg ist der leichte Einstieg in die Geschichte. Der Schreibstil der Autorin ist für ein Debütwerk unglaublich souverän, liest sich enorm flüssig und flott. Durch die verschiedenen Point of View Kapitel kommt ein angenehmes Pacing in die Geschichte, das wenig Raum für unangenehme Prolog-Längen lässt. Man lernt die Charaktere auf eine ganz natürliche Art kennen, besonders hervorzuheben hier ist, dass alle 3 Charaktere im Buch grundverschieden sind. Angefangen bei Mo mit seiner professionellen, kühlen Art hin zu dem aufmüpfigen, rebellischen Bruder Joe mit seiner vulgären, von oben herabblickenden Art (die ich teilweise als überraschend derb und krass empfunden habe). Doch auch Maries Entwicklung in dem Buch ist höchst spannend zu beobachten, da sie zu Beginn noch nicht mehr als ein schüchternes Mauerblümchen vom Lande ist. Die große Frage, die ich mir hier recht lange gestellt habe, war die, wann die verschiedenen Erzählstränge ineinandergreifen würden. Ob sie überhaupt ineinandergreifen werden. Ich habe mich hier ein wenig an 1Q84 von Haruki Murakami zurückerinnert, wo der Leser bis auf die letzten Seiten dieses massiven Werkes qualvoll warten mussten, bis sich die Wege von Tengo und Aomame erstmals kreuzen würden. Nun, wenn ich hier nun zu viel schreiben würde, würde ich zu sehr ins Spoiler-Territorium eindringen, aber die Erzählstränge in Wechselbalg finden noch zueinander. Vielleicht nicht so, wie man es sich denken mag, aber bereits früh im Buch bekommt man einen Hinweis darauf, dass das Schicksal der handelnden Charaktere miteinander verknüpft ist.

Was ich als besonders interessant und mutig empfand ist der experimentelle Schreibstil der Autorin. Nicht nur haben wir es hier mit verschiedenen Erzählern zu tun, auch greift Joe mit einigen sehr frechen Bemerkungen gerne mal in ein aktuelles Kapitel ein. Da ich hier schon das Wort "Experimentell" benutze, bedeutet dies auch, dass das mal mehr und mal weniger gut klappt. Manchmal sorgt der Twist für Überraschungen, manchmal wird aber auch der Lesefluss dadurch ein wenig gehemmt und man fühlt sich als Leser etwas aus dem Tunnel gerissen. Doch je weiter man im Buch kommt, desto mehr gewöhnt man sich an die verschiedenen Stilmittel der Autorin.

Die Kapitel in Wechselbalg haben immer die perfekte Länge, was das Buch trotz seiner beachtlichen Länge von weit über 400 Seiten deutlich kurzweiliger macht, als es die Seitenzahl vermuten lässt. Garniert werden die Übergänge zu neuen Kapitel wie in einer japanischen Light Novel immer wieder mit einer Illustration, die eng mit der Thematik in dem Buch verknüpft ist.

Manchmal gibt es wenige Phasen, wo sich die Autorin aber auch klassischen Debütfehlern hingeben muss. Das fängt bei kleineren Logiklöchern wie Maries Herkunft an, als Joe erzählt, sie komme aus einem winzigen Dorf in NRW, Marie sich mit ihren Eltern allerdings in einem bayrischen Dialekt unterhält. Auch ist Joe gerne mal über Dinge im Bilde bei Marie, wo ich mich frage, woher er das wissen könnte. Bei einem Werk dieser Größenordnung sehe ich das nicht ein all zu großes Problem. Das Ende des Buches lässt auf eine Fortsetzung schließen und ich habe so viel Vertrauen zur Autorin, zu wissen, dass sie diese kleinen Stolpersteine bei einer Fortsetzung beheben würde. Für ein Debütwerk mit dieser Seitenanzahl überwiegt die Souveränität und es steckt eine menge Recherche im Buch.


"Es war ein bemitleidenswertes Beispiel von Sozialisation: Die anderen Studenten, aufgewachsen in Familien mit einem bildungsnäheren Hintergrund, hatten Zeit ihres Lebens die Worte aufgesogen, mit denen Marie nun so zu kämpfen hatte. Ihnen war diese Sprache geläufig, und selbst wenn sie nicht jedes Fachwort kannten, so waren sie doch in der Lage, sich den Sinn der Sätze zu erschließen. Sie waren strukturiertes, analysierendes Denken gewohnt, das Zusammenhänge erschloss und Vergleiche anstellte. Marie hingegen ... nun, sie hatte gelernt, einen mehrköpfigen Haushalt aus dem Dorf zu führen und Windeln zu wechseln."




Abschließende Gedanken


Clarissa Bühler liefert mit Wechselbalg einen beachtlichen Debütroman ab. Das Buch scheut sich nicht davor, ernste Themen anzugehen und besonders die Direktheit der Dialoge hat mich freudig überrascht. Die Kapitel sind kurzweilig aufgebaut und trotzdem geben sie den Charakteren genug Zeit, sich zu entwickeln. Für eine etwaige Fortsetzung würde ich mir in der Seitenanzahl etwas mehr Kompaktheit wünschen und vielleicht ein paar weniger experimentelle Handlungsstränge, ohne aber die freche, direkte Art aus dem Erstling über Board zu werfen. 
Was die Autorin aber hier abgeliefert hat ist ein Werk, worin viel Arbeit geflossen ist und als Leser habe ich das auch auf jeder Seiten förmlich aufsaugen können. Ich werde den Weg von Clarissa Bühler aufmerksam verfolgen und bin bereits sehr gespannt, was es als nächstes von ihr zu lesen geben wird.
---------------------------------------------------------



Vertriebsform: Wechselbalg ist als E-Book direkt von der Autorin als Self-Publish Ausgabe erschienen und kann digital über Amazon erworben werden.