Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Mittwoch, 10. Januar 2018

Japanuary 2018 Teil 1: Filme 1-4



Ein Blick auf die Startseite dürfte dem Besucher der Seite folgendes verdeutlichen: Im Januar dreht sich bei mir alles um Japan und Filme. Eine Grundlage, auf die dieser Blog auch aufgebaut wurde. Wie versprochen folgt nun mein erstes von zwei Specials zum Thema Japanuary. In diesem Beitrag werden die ersten 4 von 8 Filme kompakt besprochen. Viel Spaß!




1.


Pulse (2001)
Originaltitel: Kairo
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Genre: Mystery, Horror, Science-Fiction
FSK: Ab 16



Kiyoshi Kurosawa (nicht verwandt mit Akira Kurosawa) ist ein herausragender Filmemacher, der mit relativ einfachen Mitteln in seinen Filmen menschliche Dramen in einen packenden Mystery-Horrorfilm verwandeln kann. Kurosawa ist in Japan auch heute noch ein beliebter Regisseur, der viele neue Filme veröffentlicht. Im Westen hingegen hat man Versuche, sein komplexes Filmwerk zu veröffentlichen, beinahe komplett eingestellt. In Deutschland hat es bisher nicht einmal Kurosawas vermutlich bekanntestes Werk aus dem Jahr 2001 auf Blu-ray zu uns geschafft, "Pulse". Im Jahr 2006 brachte seinerzeit Splendid den Film in Deutschland erstmals auf DVD. Bei der britischen Blu-ray von Arrow Video, die der Verleih vergangenes Jahr veröffentlicht hat, handelt es sich vermutlich um einen DVD to HD Upscale als um ein Remaster. Zwar ist Bild und Ton eine Steigerung zur DVD, eine Offenbarung wird man hier aber nicht finden. Das Bild ist durchweg von Filmkörnung geprägt, überzeugt weder in den Innen- noch Außenaufnahmen besonders und der Gelbstich, dem der Film schon immer anhaftete, ist präsenter als je zuvor. Vermutlich ist hier aber auch das im letzten Artikel von mir erwähnte japanische Filmmaterial schuld, was zu dieser Zeit alles andere als hochwertig war.

Doch nun zum Film. Der japanische Titel von Pulse lautet "Kairo". Damit ist nicht die ägyptische Hauptstadt gemeint sondern übersetzt bedeutet dies soviel wie "Schaltkreis". Denn die Technik ist es, die das zentrale Thema im Film bildet. Verglichen zur heutigen Zeit war das Internet im Jahr 2000/2001 noch alles andere als ein Alltagsgeschäft. Die Charaktere im Film wählen sich noch mit einem Modem ein, um das WWW betreten zu können. Das Internet wird also als etwas exotisches präsentiert, etwas, was noch als relativ argwöhnisch angesehen wird. Und so ist es auch das Internet, was im Film für seltsame Vorkommnisse sorgt, die letztendlich zum Ende der Welt führen (auch wenn darauf am Ende nicht weiter eingegangen wird, wie es weitergeht). Stilistisch verbindet der Film Arthouse mit Mystery und Horror, driftet in der zweiten Hälfte aber auch in Science-Fiction Gefilde ab. Außerhalb Japans wurde Pulse gerne mal als Klon von Filmen wie "The Ring" oder "The Grudge" beworben, hinkt dieser Vergleich jedoch, sobald man sich den Film anschaut. Kurosawa setzt auf ruhige Töne. Die Bedrohung im Film wird nie richtig erklärt. Viele der Charaktere gehen eher als berüchtigte unzuverlässige Erzähler durch, die die Zuschauer mit ihren eigenen Theorien über Geister und Jenseits verwirren wollen. Eine genaue Erklärung zu den unheimlichen Geschehnissen in Pulse wird es nämlich nicht geben. Auf die ruhige Gangart von Pulse muss man sich einlassen können. Schafft man es, sich in den Film hineinzuversetzen, bekommt man auch im Jahr 2018 noch einen zeitlos unheimlichen Film geboten der nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird, und sehr zum nachdenken anregt. Bekannte japanische Gesellschaftskritik wie Einsamkeit, Isolation und Trauer ist eng mit dem Fortschritt der Technik verknüpft und Kiyoshi Kurosawa hat daraus ein beeindruckendes Gesamtpaket kreiert. Zurecht wurde Pulse viele Jahre später zu einem der einflussreichsten Horrorfilme aus Japan gekürt. Im Jahr 2006 folgte ein Remake aus den USA, welches von Presse und Zuschauer zerpflückt wurde und noch 2 Video-Fortsetzungen folgten.



2.



Loft (2005)
Originaltitel: Rofuto
Regie: Kyoshi Kurosawa
Genre: Mystery, Drama
FSK: Ab 12


Am ehesten kann man "Loft" mit Kurosawas TV-Spielfilm "Seance" aus dem Jahr 2000 vergleichen (ein wirklich sehr sehenswerter Film trotz des TV-Formats). Loft war nach Pulse Kurosawas zweiter Film der international sehr ordentlich vermarktet wurde. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Die Kritiken von Presse und Filmfans fiel aber weitestgehend ernüchternd aus. Bei meiner allerersten Sichtung des Filmes überhaupt vergangene Nacht kann ich mich der Kritik nur teilweise anschließen. Das größte Problem womit Loft zu kämpfen hat ist die relativ lange Laufzeit von 115 Minuten. Zu häufig gibt es Szenen, die stark in die länge gezogen wurden und in denen gar nichts passiert. Rund 10-15 Minuten an Ballast hätte man bei Loft abwerfen können, um den Film vielleicht etwas temporeicher zu machen. Aber genau das wäre nicht Kurosawas Stil. Langsam baut der Film Charaktere und Atmosphäre auf. Die Thematik des Films birgt eine menge an Potential und hat mir sehr gut gefallen. Übernatürliche Situationen gibt es in Loft dafür kaum. Viele der surrealen Szenen finden in Tagträume statt und die kryptische Erzählweise tut ihr übriges. An und für sich gesehen ist Loft aber weniger ein Horrorfilm als viel mehr ein gut durchdachtes Mystery-Drama. Die Geschichte um eine 2000 Jahre alte Mumie klingt auf dem Papier wesentlich kurioser als im Film tatsächlich umgesetzt. Kurosawa wählte eine perfekte ländliche Kulisse für den Film und hat einige sehr schöne Bilder eingefangen. Die allerletzten 20-30 Sekunden von Loft bescheren dem Zuschauer noch einmal ein Ende, welches definitiv in Erinnerung bleiben wird. Insgesamt hat mir Seance, der eine relativ ähnliche Thematik und den fast gleichen Stil besitzt, besser gefallen. Dennoch ist Loft durchaus sehenswert und kann durch seine Atmosphäre und einer schönen Cinematographie überzeugen.




3.


Suicide Circle (2001)
Originaltitel: Jisatsu sâkuru
Regie: Sion Sono
Genre: Independent Horrorfilm
FSK: Ab 18


Mit Suicide Circle von Sion Sono verbindet mich schon eine lange Geschichte. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse bezüglich des Inhalts, sah ich den Film um 2003 herum mit ein paar Freunden im japanischen Original ohne Untertitel. Wir verstanden kein Wort und der Film war anders als alles, was wir je zuvor gesehen hatten. Trotz der Sprachbarriere übte der Film auf uns einen unglaublichen Reiz aus. Dafür waren überraschenderweise nicht einmal die teils drastisch blutrünstigen Szenen für verantwortlich. Es war der gesamte Film, der einfach alles so anders machte und somit diesen besagten Reiz ausübte. Für Regisseur Sion Sono, der sich in den vergangenen Jahren zu einen meiner liebsten Filmemacher mauserte, ist ein Film wie Suicide Circle keine Seltenheit. Eine ungewöhnliche Story verknüpft der Regisseur mit einzigartigen Charakteren. Bei Sion Sonos Filmen spielt außerdem ein origineller Soundtrack stets eine wichtige Rolle. In Suicide Circle wird dieser von der fiktiven Band "Dessart" dazugesteuert. Diese junge Idol Popgruppe scheint jedoch keine normale Mädchenband zu sein. Genau genommen scheinen sie der Drahtzieher einer Welle an mysteriösen Massenselbstmorden zu sein, die Japan in einem Zeitraum von 6 Tagen erwischt. Im Jahr 2005 brachte der deutsche Verleih I-On New Media den Film unzensiert nach Deutschland, was durchaus für eine Überraschung sorgte da Battle Royale zuvor mit ähnlicher Thematik mit großen Problemen in Deutschland zu kämpfen hatte (und erst seit einigen Monaten in Deutschland endlich unzensiert eine Freigabe besitzt). Bei meiner Sichtung von vor einigen Tagen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es bei Suicide Circle nichts ausmacht, ob es eine Sprachbarriere gibt oder nicht. Selbstverständlich sollte man den Film in einer Sprache schauen, die man versteht, aber zum Verständnis des Filmes wird auch die Muttersprache nichts beitragen. Ähnlich wie bei Kiyoshi Kurosawas "Pulse" erzählen die beiden Filmemacher aber eine relativ ähnliche Geschichte mit einer nahezu identischen Gesellschaftskritik. Genau wie auch der bereits erwähnte Battle Royale, entstanden alle 3 Filme in einem dicht angesiedelten Zeitraum von rund 2 Jahren. 
Suicide Circle hat auch jetzt noch nichts von seiner seltsamen Faszination auf mich eingebüßt. Für mich ein Beweis dafür, den Film als persönlichen modernen Klassiker nennen zu können.


4.


Tag (2015)
Originaltitel: Riaru onigokko
Regie: Sion Sono
Genre: Avantgardefilm
FSK: Ab 16



Was Marketing angeht, so war der deutsche Verleih I-On New Media noch nie wirklich auf der Höhe. Die Zielgruppe von "Tag" dürfte laut dem Verlieh dann bei Fans von japanischen Splatterfilmen im Stile von "Stacy" oder "The Machine Girl" liegen. Genau so etwas möchte man dann auch mit dem Cover ausdrücken was per se nicht schlecht ist, aber einen Film verspricht, den der Zuschauer am Ende nicht zu sehen bekommt. Auch verschweigt man auf dem Cover den Regisseur und auch nur irgendeine Bemerkung, dass es sich hier um eine unzensierte Fassung handelt, erschienen 90% aller japanischen Splatterfilme während des Booms (ab 2005 aufwärts) in Deutschland trotz 18er Freigabe ausschließlich stark gekürzt. Ein genauer Blick in die Datenbank der FSK verrät jedoch, dass Tag unzensiert für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben ist und die FSK 18 Freigabe vom Verleih künstlich erzwungen wurde. Doch auch darüber hinaus bekleckert man sich nicht mit Ruhm. Untertitel für den O-Ton gibt es nicht, die deutsche Vertonung kann als durchaus solide angesehen werden, wäre die deutsche Tonspur in Sachen Qualität nicht so ein Graus. Alles in Allem werden Fans des Regisseurs wohl nicht auf den Film aufmerksam wenn sie ihn im Geschäft sehen und die angepeilte Zielgruppe wird vermutlich maßlos enttäuscht sein.


Auch Tag habe ich mir vergangene Nacht angesehen und war mehr als angenehm überrascht. Genau wie Loft kein reinrassiger Horrorfilm ist, ist Tag kein Splatterfilm. Was nicht bedeutet, dass es im Film zimperlich zugeht (eine "echte" 18er Freigabe wäre gar nicht mal so eine Überraschung gewesen). Tag selbst kann man schlecht einem Genre zuordnen, daher wird man nichts falsch machen, den Film dem Genre Avantgardefilm zuzuordnen (dem sogenannten Experimentalfilm). Tag bietet von Horror, Drama bis hin zu Exploitation einfach alles, was die Filmwelt so hergibt. Der wirre Plot wird am Ende auf die nur denkbar absurdeste weise aufgelöst, so, dass der geneigte Zuschauer diese Auflösung für extrem logisch ansehen wird. Still habe ich mir gedacht: "Ja, genau so muss dieser Film enden. Etwas besseres hätte dem Regisseur und Autor nicht einfallen können". Die Absurdität am Ende als einzige logische Erklärung anzusehen ist etwas, was sich derzeit im japanischen Film nur Sion Sono leisten kann, ein Mann, der in keinem Genre so wirklich daheim ist und die Filmkunst eines Takashi Miike aus den 90ern und frühen 2000ern mehr als würdig fortsetzt. Das Zusammenspiel zwischen Story, Charaktere und Musik macht auch Tag zu einem harmonischen Gesamtwerk, was aber vermutlich nur eingefleischte Fans des Regisseurs zu schätzen wissen werden. Nach dem eher kommerziellen (aber nicht weniger abgedrehten) "Tokyo Tribe" kehrte Sion Sono mit Tag zu einem Film zurück, den wohl nur die wenigsten genießen werden. Aber damit war er bei mir mal wieder genau an der richtigen Adresse.








Und damit endet Teil 1 des Japanuary. Teil 2 mit den vier verbleibenden Filmen Ryuzo and the Seven Hechmen, Ran, Haze und Blade of the Immortal (diesmal somit auch von vier verschiedenen Filmemachern) folgt in einem neuen Post am 20.01.2018 23.01.2018. Würde mich freuen, euch dann wieder hier begrüßen zu dürfen!

Freitag, 5. Januar 2018

Japanuary 2018: Die Auswahl




Obwohl ich Animationsfilme bereits aus meiner Auswahl ausgeschlossen habe, so war es immer noch schwer, mich für 8 japanische Filme zu entscheiden. In letzter Sekunde haben es somit "Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidora" und "The World of Kanako" leider nicht mehr auf meine Liste geschafft. Über meine Auswahl bin ich dennoch sehr zufrieden, da es sich hier um Titel handelt, die ich noch gar nicht gesehen habe, schon lange nicht mehr gesehen habe oder aber noch nie in HD gesehen habe.

Die Liste sieht also wie folgt aus (von links oben angefangen):

1: Pulse (Kiyoshi Kurosawa)
2: Loft (Kiyoshi Kurosawa)
3: Suicide Circle (Sion Sono)
4: Tag (Sion Sono)
5: Ryuzo and the Seven Henchmen (Takeshi Kitano)
6: Ran (Akira Kurosawa)
7: Haze (Shinya Tsukamoto)
8: Blade of the Immortal (Takashi Miike)

Was haben wir denn da? Viele Kurosawas, viele Sonos und nur ein einziger Film der vor dem Jahr 2000 entstanden ist. Tatsächlich waren die 90er der japanischen Filme geprägt von sehr experimentellen Filmen, die teilweise auf unglaublich schlechtem Filmmaterial gedreht wurden (und sich auch noch eine Zeit durch die 2000er zog). Natürlich ist dies nicht der Grund, wieso ich mich fast ausschließlich für Filme aus der 2000er Ära entschieden habe. Mit Miikes "Blade of the Immortal" ist sogar ein Film dabei, der brandneu ist und erst in einigen Tagen in Deutschland erscheint. Mit "Blade of the Immortal" werde ich also das Finale des Japanuary einleiten.

Wann wird denn nun über die Filme diskutiert? Auch da gab es in meinem letzten Beitrag ja schon eine Andeutung, allerdings war ich mir noch nicht sicher. Ich habe mich jedoch für die Variante mit 2 Blog-Einträgen entschieden, wo ich jeweils über 4 Filme schreiben werde (Reihenfolge ebenfalls von links oben nach rechts unten).

Termin? Teil 1 geht am 10 Januar Online. Der Termin für Teil 2 folgt, sobald Teil 1 Online ist.

Mittwoch, 3. Januar 2018

2018: Eine letzte Zugabe für "Am Meer ist es wärmer"



Liebe Leserinnen und Leser von "Am Meer ist es wärmer", ich hoffe, ihr habt alle einen berauschenden/entspannten/vollendeten Jahresausklang 2017 genossen. Der Jahreszyklus beginnt von neuem im kalten Januar. Als Januarkind habe ich leider die besondere Ehre, meinen Geburtstag zusammen mit Väterchen Frost zu feiern. Wichtig ist es jedoch, die ersten 2 Monate des Jahres unbeschadet zu überstehen. Zieht euch also weiterhin warm an, denn es soll ziemlich kalt werden!
Gerne würde ich sagen, auf meiner kleinen Insel bleibe ich davon verschont, aber man muss der Realität ins Auge blicken, so gerne ich hier bin, sie ist nur Fiktion ;(

Auch 2018 möchte ich weiter über besondere Werke aus den Bereichen Film und Literatur berichten. Ich habe noch die ein oder andere spezielle Idee, die ich gerne im laufe der Monate umsetzen möchte. Einen besonderen Fokus möchte ich in diesem Jahr auf japanische Filme legen. In einigen Tagen wird es zum Beispiel mit dem Japanuary losgehen. Doch soll es auch in den kommenden Monaten noch mehr zu diesem Thema hier zu lesen geben.

Aktuell sieht es so aus, als würde diesmal tatsächlich zum Ende des Jahres der letzte Vorhang für mein Blog-Projekt nach fast 8 Jahren fallen. Rückblickend hat das letzte Jahr sehr viel Kraft gekostet und fand mit dem Tod meines Vaters ende November einen bedrückenden Tiefpunkt. Dementsprechend möchte ich in diesem Jahr noch einmal alles raushauen, was meine Kreativität zu bieten hat und danach noch einmal über das erlebte resümieren. Doch bis dahin ist es noch einige Zeit hin und ich freue mich, wiederkehrende wie neue Leser begrüßen zu dürfen.

Bleibt gesund und geht die ersten Wochen des Jahres entspannt an!


Bis Bald,
Aufziehvogel

Samstag, 30. Dezember 2017

Der "Japanuary" auf "Am Meer ist es wärmer"




Das Team von "Abspanngucker", "SchönerDenken", "Kompednium des Unbehagens" sowie "Politik und Liebe" hatten diese wundervolle Idee bereits sein einiger Zeit, galt eine ganze Weile aber lediglich als berüchtigte Schnapsidee, die erst nach einer ganzen Weile zu einer zündenden Idee wurde. Die Idee dabei ist so simpel wie einfach umzusetzen. Man nehme den Monat Januar und die japanische Glückszahl 8. Anschließend sucht man sich 8 japanische Filme aus, sieht sie sich an und berichtet darüber. So etwas macht natürlich nur Sinn, wenn möglichst viele Filmfreunde mitmachen (derzeit 100 Teilnehmer und aufwärts), damit am Ende ein buntes Spektrum an verschiedensten Filmen und Genre des japanischen Films entsteht. Ob Blogger, Podcaster oder Filmfreunde jeglicher art die in den sozialen Netzwerken aktiv sind, je mehr, desto besser!

Selten war für mich ein Thema so zutreffend für "Am Meer ist es wärmer" wie der Japanuary. Da ich aktuell noch an der Auswahl der 8 Filme sitze, gibt es bis auf "Januar 2018" noch keinen festen Termin für meinen Beitrag bzw. Beiträge. Denn auch die art der Veröffentlichung steht noch aus, tendiere ich aber zu einem Zweiteiler wo je 4 Filme präsentiert und besprochen werden.

Obwohl die japanische Filmkunst auch Anime mit einschließt, so werde ich mich auf Live-Action Filme beschränken um mir die Auswahl nicht noch schwerer zu machen. Zu meiner Auswahl zählen neue Filme aber auch etliche Filme, die ich seit einer längeren Zeit nicht gesehen habe. Es wird also nicht an zu wenig Material scheitern. Schaut im Januar bei mir und den anderen Teilnehmern vorbei oder macht selbst mit. Einen Link zu den Veranstaltern findet ihr oben zu Beginn des Beitrags. Ein genauer Termin zu meiner Auswahl wird in den kommenden Tagen folgen.


Mehr zu finden auf Twitter unter: #Japanuary

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Aufziehvogel fragt nach bei "Manga Cult"




Aufziehvogel fragt nach

(Copyright: Cross Cult - Comics und Romane)


Manga und Anime im deutschsprachigen Raum erlebten in den letzten 15 Jahren einen ungeheuren Boom. Auch wenn die Verhältnisse in Deutschland wohl niemals ein Ausmaß wie in Japan (surprise), den USA oder Frankreich annehmen werden, so hat sich dieses japanische Kulturgut auch in Deutschland phänomenal entwickelt. Besonders Manga sind bei deutschen Buchhändlern von einer Nische zu einem Sortiment aufgestiegen, was man sich aus kleinen Comicläden bis hin zu großen Buchhandlungen nicht mehr wegdenken kann. Die Regale sind prall gefüllt und die Genre decken so ziemlich jede Zielgruppe ab, die es unter den interessierten Lesern gibt. Da müsste man doch eigentlich meinen, es gäbe unzählige Verlage, die bei dieser Erfolgsgeschichte mitwirken wollen.
Die Wahrheit sieht hier aber etwas anders aus. Nur selten kommt ein neuer Verlag hinzu, der sich auf dem Markt behaupten kann. Neben Carlsen, Egmont, Panini und Tokypop kam vor einigen Jahren noch Kaze dazu, die mit Tokyo Ghoul beispielsweise große Erfolge feiern.

Manga zu lizenzieren ist keine einfache Aufgabe. Umso seltener kann man daher auch einen neuen Verlag begrüßen, der sich der japanischen Zeichenkunst annimmt. Für etliche Fans dürfte es daher überraschend wie erfreulich gewesen sein, als mit Cross Cult, einer der größten Verlage für den Vertrieb von Comics in Deutschland, sich dazu entschieden hat, fortan ein Manga-Label zu gründen. "Manga Cult" lautet der einprägsame Name des neu gegründeten Labels. Das Vorhaben des Verlags ist durchaus ambitioniert, richten sich ihre Veröffentlichungen an eine reifere Zielgruppe.

Neben brandneuen Lizenzen gibt es bei Manga Cult auch ein Wiedersehen mit einem Manga, der seit vielen Jahren in Deutschland bereits nicht mehr gedruckt wird. Manga Cult legte Tsutomu Nihei's düsteres Sci-Fi Werk "Blame!" als sechsteilige Master Edition (aktuell sind 2 Bände erhältlich) neu auf. Von dieser Veröffentlichung war ich bereits nach dem entfernen der Folie des Bandes so begeistert, dass ich unbedingt mehr von Manga Cult und ihren Ambitionen erfahren wollte. Glücklicherweise gestaltete sich dieses Vorhaben als wesentlich einfacher als gedacht. Für ein kleines Gespräch erklärte sich Michael Schuster vom Verlag bereit, auf meine Fragen einzugehen. Ich stehe mit Michael schon ein wenig länger in Kontakt und bin sehr glücklich, ihn für dieses Interview in meiner "Aufziehvogel fragt nach" Rubrik gewonnen zu haben.

Viel Spaß nun mit dem Interview!


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Wer ist eigentlich dieser Micha von Cross Cult?


Also, wer ich bin:
Mein Name ist Michael und ich bin mittlerweile seit auch schon wieder fast zwei Jahre bei Cross Cult und kümmere mich dort um Lizenzen, Programm und die Zahlen - nebenher helfe ich etwas in der Manga Redaktion mit und kümmere mich überhaupt darum, dass Manga Cult ordentlich Fahrt aufnimmt.

Davor war ich bei einem Kinderzeitschriftenverlag als Leitender Redakteur und habe dort vor allem die ganzen LEGO Magazine (Ninjago, Star Wars etc.) betreut, mitentwickelt und tatsächlich sogar selbst Comics geschrieben und zusammen mit den Zeichnern umgesetzt. Ganz ganz früher war ich sogar mal kurz bei Panini (Praktikum) - habe also schon alles mögliche im Comicbereich durch.



Die Fragerunde


1. Aufziehvogel: Willkommen auf "Am Meer ist es wärmer" Michael. Vielen Dank für dieses Gespräch. Als langjähriger Leser von Cross Cult war ich überrascht, als ich hörte, ihr werdet euch fortan mit "Manga Cult" auch der japanischen Zeichenkunst widmen. Was war der Anstoß dafür, dieses Projekt ins Leben zu rufen?

Michael: Diese Frage wird uns natürlich oft gestellt - und sie ist gar nicht so einfach zu beantworten. Da sind einige Faktoren zusammengekommen. Zunächst habe ich 2016 bei Cross Cult angefangen und man hatte zum ersten Mal jemanden, der sich etwas mit Manga und auch damit, wie man an die Japaner herantreten sollte, auskennt. Dann schaut man natürlich auch konstant etwas „neidisch“ auf die Manga Konkurrenz, die in den letzten Jahren schon einen echten Triumphzug hingelegt hat. In einer Zeit, in der Print totgesagt ist, halten sich Mangaverkäufe doch ganz beharrlich - und das ist für einen kleinen Verlag wie uns natürlich großartig. Die Fans sind treu und eifrig und es hat uns einfach in den Fingern gejuckt, da auch mitzumischen. Natürlich birgt ein starker Markt mit starker Konkurrenz auch Risiken … und in Erfolgssphären der Großen Vorzustoßen kann man als Ziel haben,  sollte man jedoch nicht erwarten. Trotzdem denken wir, dass der Mangamarkt groß und stark genug ist, um noch einen neuen Verlag auszuhalten (wir wussten damals natürlich noch nicht, dass mit Altraverse gleich noch der nächste Konkurrent so plötzlich auftaucht ;)


2. Aufziehvogel: Euer Manga-Projekt ist noch brandneu, aber bereits jetzt zeichnet sich ein Schema ab. Es sind die Titel, für die ihr euch bisher entschieden habt. Zum einen legt ihr Titel wie Basilisk und Blame! in hochwertigen neuen Editionen auf, euer gesamtes Programm scheint sich an eine ältere Zielgruppe zu richten. Die Kategorie "Seinen-Manga" (Manga für eine reifere Leserschaft) ist in Deutschland trotz vieler Bemühungen relativ unterversorgt. Was steckt dahinter, sich als Verlag solchen Titeln anzunehmen?

Michael:  Ganz ehrlich: wir suchten eine Nische bzw. einfach eine Möglichkeit, uns etwas abzuheben. Sowohl bei den Lesern, als vor allem auch bei den japanischen Lizenzgebern. Warum sollten die jemandem Vertrauen, der sagt „Ich mache jetzt genau dasselbe wie Carlsen, nur viel besser“. Deswegen war unsere Strategie, etwas etwas anders zu machen als die Großen und hoffentlich genau so gut ;) - und da wir von den Comics her ja einige Erfahrung mit schönen, dicken, Hardcoverausgaben hatten, lag die Idee nahe, soetwas auch für Manga zu versuchen. Am Anfang wurde das recht skeptisch beäugt, mittlerweile kann man aber sagen, dass die Idee gut angenommen wurde. Blame! verkauft sich super und auch Basilisk ist ganz sicher kein Flop.

Dass wir uns eher an Seinen halten wollen rüht aus einem ähnlichen Grund her. Shôjo ist schon super abgedeckt und passt zunächst auch gar nicht zu uns. Shônen passt zwar schon, aber auch da ist es schwer, noch an besondere Lizenzen zu kommen (außerdem war der Shônen-Markt auch schon stärker und interessanter). Da lag es nahe, zunächst auf Titel zu gehen, die zu unserem bisherigen Comic-Portfolio passten. An der Stelle sei aber auch noch mal deutlich gesagt, dass von uns ganz sicher auch mal ein Shônen kommt oder irgendwas dazwischen. In fernerer Zukunft vielleicht sogar mal was Romantisches. Um erfolgreich besondere Seinen im Handel platziert zu kriegen, muss man eben einfach auch Titel mit großem Potential bringen - und so toll anspruchsvollere Manga wie z.B. Monster sind (abgeschlossener Kult-Hit von Naoki Uraswa anm. des Bloggers), man wird sich keine goldene Nase mit ihnen verdienen.



3. Aufziehvogel: Auch wenn Manga noch immer Neuland für euch sind, so seid ihr lange genug im Geschäft, um zu wissen, wie kompliziert Lizenzierungen sein können. Eine Frage, die mich brennend interessiert; ist es wirklich schwieriger, mit japanischen Verlagen zusammenzuarbeiten um neue Lizenzen auszuhandeln? Man liest immer etwas von sehr strikten Auflagen, die es zu beachten gilt, einen japanischen Titel im Westen zu veröffentlichen. Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie es für euch ist,  nun mit japanischen Firmen über Lizenzierungen zu verhandeln?

Michael: Es dauert definitiv länger, einen Titel zu lizenzieren - klar für einen neuen Verlag erst recht, aber ich erwarte nicht, dass das in Zukunft viel einfacher wird. Es ist alles sehr formell und man muss sich an so einige Regeln halten. Auch da sind US-Verlage (aber auch lang nicht alle) gerne etwas lockerer. Ist es aber wirklich schwieriger? Ich würde sagen nein. Strukturiertheit hat auch ihre Vorteile und für mich ist die Arbeit mit den Japanern recht angenehm. Man muss halt wissen, wie man sie zu nehmen und sich selbst zu verhalten hat. Holzhammer bringt nicht viel. Zudem ist auch wirklich nicht jeder Verlag gleich - am komplexen wird die Lizenziererei nämlich, wenn noch Agenturen dazwischengeschaltet sind.



4. Aufziehvogel: Ich war überrascht, wie gut die Master Editions zu Basilisk und Blame! bisher bei den Lesern angekommen sind. Beide Titel waren schon einmal bei anderen Verlagen in Deutschland erhältlich, haben aber nie die Aufmerksamkeit erfahren, die ihnen zustand. Wie zufrieden seid ihr mit dem Feedback zu diesen beiden Neuauflagen und wie wichtig ist es euch, diese Veröffentlichungen neu übersetzen zu lassen?


Michael: Wir sind sehr zufrieden. Sowohl mit den Verkäufen als vor allem auch mit dem Feedback der Leser. Der Mangamarkt hat sich etwas gewandelt. Blame! war damals eben Blame! Ein Manga. Heute gilt Blame! als Klassiker, wenn nicht gar Meisterwerk. Und es gibt viele Mangafans, die mittlerweile Erwachsen sind, etwas mehr Geld haben und sich eine Sammleredition eines solches Titels fast schon gewünscht haben. In diesem Fall funktioniert eine Neuauflage definitiv. Wir hören ja gerade z.B. oft den Wunsch nach einer Sammelausgabe zu Knights of Sidonia. Aber, mal abgesehen davon, dass die Rechte dazu natürlich bei Egmont liegen, wäre es dafür einfach noch zu früh. Man muss sich die Titel für eine Neuauflage schon sehr genau aussuchen, sonst ist ein Riesenflop leider fast garantiert.

Wichtig war uns eine Neuübersetzung vor allem bei Basilsik, da die erste deutsche Übersetzung echt nicht so schön war. Ob die neue Übersetzung nun den Lesern besser gefällt, ist schwer zu sagen - wir haben da schon Lob wie Kritik bekommen. Bei Blame! hatten wir vor einer Neuübersetzung etwas Bammel, da die alte recht gut war und es ja doch sehr viele „Fachbegriffe“ gibt, die die Leser schon kennen. Netzsphäre, Megastruktur etc. Da ist es eine Gradwanderung zwischen „Ich mach alles neu und keiner weiß mehr, wovon ich spreche“ und „Ich halte an so vielen bekannten Begriffen fest wie möglich“. Sonst kriegt man am Ende sowas wie die Neuübersetzungen von Herr Der Ringe oder Game of Thrones (beide grausig ^^). Wir haben Begriffe also nur geändert, wo wir der Ansicht waren, etwas verbessern zu können. Beispiel: Mensarb. Ist ja eine lautsprachliche Übersetzung vom japanischen „Mensarbu". Schaut man sich die Welt von Blame aber an, ist die Chance groß, dass das eigentlich besser „Menserv“ heißen sollte.



5. Aufziehvogel: Für die Leser dieses Interviews muss ich auch noch anmerken, neben den Hardcover-Ausgaben bei Titeln wie Basilisk und Blame! wird Manga Cult andere Titel auch als Taschenbuch mit Klappenbroschur veröffentlichen (die sich beide auch im Preis voneinander unterscheiden). Meine Frage ist nun, plant ihr die vorhandenen Master Editionen auch nochmal als Taschenbuch neu aufzulegen? Und falls nicht, müssen die interessierten Leser fürchten, dass diese Editionen bald vielleicht schon wieder vergriffen sind?

Michael: Ich denke nicht, dass wir noch Softcover-Editionen der Hardcovers herausbringen werden. Das gibt der Markt dann doch eher nicht her ;) Außerdem machen wir dann lieber Softcover von Titeln, die es noch nicht gab. Wir arbeiten aber gerade an Digitalausgaben. Dann haben auch Leute die Chance, die Geschichten zu erleben, die nicht bereit sind, das Geld für die Sammlerausgaben auf den Tisch zu legen. Fürchten, dass die Hardcovers vergriffen sind braucht aber vorerst sowieso niemand. Die sind nicht limitiert, im Fall von Blame! ist ein Nachdruck recht wahrscheinlich. Die Startauflage des ersten Bandes ist übrigens schon fast weg.


6. Aufziehvogel: Als letzte Frage kommt nun etwas sehr obligatorisches. Hier frage ich nicht nur als Blogger sondern auch als Fan. Gibt es schon einen kleinen Ausblick auf das kommende Jahr? Können die Leser neue Lizenzen erwarten und darunter vielleicht Überraschungen, an die sich vielleicht kein anderer Verlag getraut hätte?

Michael: Es gibt noch eine große Überraschung, an die sich tatsächlich schon ziemlich lang niemand mehr getraut hat. Ich kann nur leider immer noch nichts dazu sagen außer, dass der Vertrag jetzt in Arbeit ist und es wirklich passieren wird. Wie gesagt, superschnell geht das mit Japan meist nicht;)
Ansonsten haben wir für 2018, was ja eigentlich erst unser erstes, richtiges Mangajahr ist, schon ein ziemlich starkes Programm (meiner Ansicht nach).
Aposimz - Land der Puppen, das neue Meisterwerk von Tsutomu Nihei, das für seine Verhältnisse echt fast schon zugänglich ist und tolles (wenn auch spezielles) Artwork hat.
Tekkon Kinkreet von Taiyo Matsumoto zum ersten Mal in Deutschland und in einer schicken Hardcover-Ausgabe.
Green Worldz, ein cooler Action-Survival-Titel im Stil von Attack on Titan.
Kuhime - Die Menschenfresserin, ein mit vier Bänden abgeschlossener Horror-Manga.
Parataxis, das erste in Deutschland veröffentlichte Werk von Shintaro Kago (am besten Googlen :)


"Am Meer ist es wärmer" bedankt sich bei Cross Cult und ganz besonders bei Michael für das sympathische Interview und die daraus entstanden, sehr interessanten Antworten. Ich wünsche euch für 2018 viel Glück bei eurem Programm und bleibe nicht nur als Blogger, sondern auch als Fan dabei und werde eure Entwicklung mit großer Freude verfolgen.


Im Gespräch: 
Michael Schuster
Lizenz- und Produktmanagement
Cross Cult - Comics & Romane


Präsenz im Web:

Cross Cult: Website
Manga Cult: Website


Hinweis: Dieses Interview wurde exklusiv auf "Am Meer ist es wärmer" geführt. Zitate oder Auszüge aus dem Interview dürfen benutzt werden unter Angabe der Quelle oder am besten in der Kategorie "Kontakt" den Inhaber des Blogs kontaktieren.