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Freitag, 28. Juni 2019

Rezension: Jenseits der Zeit (Cixin Liu)





Die Trisolaris-Trilogie 3


China 2010

Jenseits der Zeit
Originaltitel: Sǐshén yǒngshēng
Alternativ: Three Body Part 3
Autor: Cixin Liu
Verlag: Heyne
Übersetzung: Karin Betz
Genre: Hard Science-Fiction



Auch in der deutschsprachigen Science-Fiction Landschaft hat sich der Name Cixin Liu in den letzten 2-3 Jahren etabliert. Mit einer kompletten Übersetzung aus der chinesischen Sprache und viel Präsenz in den Medien hat es Heyne geschafft, ein angestaubtes Genre in Deutschland wieder salonfähig zu machen. Und dabei ist der Stoff von Cixin Liu doch gar nicht mal so einfach zu vermarkten. Genau wie der großartige walisische Science-Fiction Autor Alastair Reynolds (nur drei Jahre jünger als der Chinese) spielt Cixin Liu mit ungeheuren Zeitspannen. Wir haben es bei der Trisolaris-Trilogie mit einer großen Geschichte zu tun, die jedoch gewaltige Zeitspannen umfasst. So spielt der Abschlussband der Trilogie nochmal ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen in "Der dunkle Wald", Und immer wieder müssen wir Leser uns vor Augen halten, das diese gigantische Geschichte während der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976) ihren Anfang fand.

Protagonist Luo Ji wird in "Jenseits der Zeit" durch die junge Raumfahrtingenieurin Cheng Xin, die aus dem Kälteschlaf geholt wurde, ersetzt. Luo Ji, nun ein alter Mann, soll seine Aufgaben an die jüngere Generation weitergeben. Und diese Aufgabe besteht aus keiner geringeren Last, als den Waffenstillstand zwischen der Menschheit und den Trisolanern aufrecht zu erhalten. Obwohl die Menschheit einen langanhaltenden Frieden genießt und sich durch die Technologie der Trisolaner stark weiterentwickelt hat was Lebensart und Technik angeht, wartet die außerirdische Rasse nur auf diesen Generationswechsel, damit sie in absehbarer Zeit zuschlagen kann. Einmal mehr steht die Menschheit vor einer scheinbar aussichtslosen Lage.

Dabei steht die Bedrohung gegen die Erde in "Jenseits der Zeit" gar nicht im Mittelpunkt. Wer hier eine art "Krieg der Welten" oder "Edge of Tomorrow" erwartet wo eine fiese außerirdische Rasse den Menschen das Leben zur Hölle macht, der wird enttäuscht werden. Viel mehr geht es in diesem letzten Band um die Entwicklung der Menschheit, um Fortschritt, um Technologie. Wie immer ist es ungemein schwer, die Welten und Konzepte von Cixin Liu zu beschreiben, da all das auf dem Papier sehr trocken und zäh klingt (in Wahrheit ist es das komplette Gegenteil, die Reihe hat trotz ihres Umfangs nur extrem wenige Längen, die aber immer wieder gut überbrückt werden). Mit diesem dritten Teil jedoch in die Reihe einzusteigen wäre ein unmögliches Unterfangen. Obwohl zwischen den Büchern inhaltlich Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte vergehen, so sind die Bücher wie auch alle darin vorkommenden Personen alle stark miteinander verknüpft. Das Große Ganze erschließt sich einem nur, wenn man von Seite 1 an dabei gewesen ist.




Abschließende Worte

Mit der letzten gelesenen Seite endete auch für mich eine lange Reise durch Raum und Zeit. Und wie immer erfüllte mich dies mit Wehmut. Ja, so etwas ist eine ganz normale Reaktion wenn man lange dabei ist und am Ende auch noch belohnt wird, den Autor auf so einer langen Reise begleitet zu haben. Ein Geschenk, welches eine gewisse TV-Serie ihren Fans zuletzt nicht gemacht hat. Doch einen runden Abschluss zu einer großen Geschichte zu erhalten ist an sich ein Luxus. Cixin Liu gewährt in seinen Werken einen tiefen Ausblick auf eine mögliche Zukunft. Dabei scheint es seine eigene Zukunft zu sein, die sehr ungewiss ist. Bleibt nur zu hoffen, dass weder Cixin Liu noch dem Heyne Verlag und seinen Bemühungen für die Übersetzungen die Puste ausgehen wird. Denn was mich angeht, ich bin schon wieder bereit, den nächsten Trip jenseits der Zeit zu buchen.

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