Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Samstag, 18. Mai 2013

Blanvalet und das Cover: Moderne Neuaflage gegen Fantasy Kitsch?



Es passiert eher selten, dass ein Verlag einen Titel beherbergt, der knapp 15 Jahre nach seiner Veröffentlichung (in diesem Falle die deutsche Veröffentlichung) einmal auf der Spiegel Bestsellerliste landen wird. Zwischen 1997 und 1998 veröffentlichte der Blanvalet Verlag "A Game of Thrones", einen Dark Fantasy Roman des amerikanischen Schriftstellers George R.R. Martin, als Zweiteiler in Deutschland. Der aufgeteilte erste Band erschien unter den Titeln "Die Herren von Winterfell" und "Das Erbe von Winterfell". Blanvalet machte Moderne Fantasy Werke wieder salonfähig, ähnlich wie es der Klett Cotta Verlag seit Uhrzeiten tut. Salonfähig bedeutet aber nicht unbedingt, dass man mit Fantasy Geschichten jemals auf irgendeiner deutschen Bestsellerliste landen wird (wenn nicht unbedingt der Name J.R.RTolkien, J.K. Rowling oder Dan Brown auf dem Cover steht). So konnte Martins große Saga um "Das Lied von Eis und Feuer" zwar nicht Hunderttausende von Lesern in Deutschland begeistern, wurde aber verehrt von treuen Fans. Blanvalet veröffentlichte recht zeitnah weitere aufgeteilte Bände (insgesamt 5 Romane gibt es bisher im Original, aufgeteilt auf 10 Bände wurden diese in deutscher Sprache). Und ist man sich einmal ganz ehrlich, viele Leser dürften alleine die Cover der alten deutschen Fassung nicht angesprochen haben. Die Cover bestanden aus einem Motiv, auf denen die Helden der Geschichte heroisch oder nachdenklich posierten. Diese Motive verliehen den Romanen den Charme eines Dreigroschenromans wie man ihn auch Heute noch bei Bastei Lübbe findet. Allerdings werden solche Cover-Motive von High und Dark Fantasy Fans sehr begehrt, was ich fairerweise hier einfach erwähnen muss.

Noch vor der Ankündigung der TV-Serie "Game of Thrones" des TV-Senders HBO machte Blanvalet gegen Ende 2010 einen cleveren Schachzug. Man legte "Das Lied von Eis und Feuer" neu auf. Die Romane waren praktisch so unbekannt für die breite Leserschaft, dass man die Werke gleich als neue Veröffentlichung hätte ankündigen können. Man entschied sich nicht nur für neutrale, einheitliche Cover ohne Fantasy Kitsch, man präsentierte gleich auch noch eine abgeänderte Übersetzung. Die neuen Cover-Motive, die allesamt mit den Wappen und Zitaten der verschiedenen Familien aus der Geschichte verziert sind, richten sich eindeutig an eine komplett andere Leserschaft. Die neue Übersetzung löste dazu Empörung bei den Stammlesern aus. So wagt es die neue Übersetzung, einige Begriffe einzudeutschen. Aus Jon Snow wurde Jon Schnee. Aus Casterly Rock wurde Casterly Stein. Selbstverständlich fügen die bearbeiteten Namen und Begriffe der Geschichte keinen Schaden zu. Eher finde ich es schade, wie sehr ein Verlag dafür verurteilt wird, sich der deutschen Sprache zu bekennen. Endgültig mutierten die besagten Stammleser schließlich zu HB-Männchen, als bekannt wurde, dass der aktuelle und bisher letzte Band, A Dance with Dragons, nur mit dem einheitlichen Cover und der neuen Übersetzung erscheinen wird (In Deutschland aufgeteilt in "Der Sohn des Greifen" und "Ein Tanz mit Drachen"). Für den Verlag wird dies keine leichte Entscheidung gewesen sein. Immerhin wird das neue Cover in einer alten Sammlung nicht unbedingt schön aussehen, und die neue Übersetzung dürfte nicht unbedingt mehr Anhänger bei dieser sehr speziellen Leserschaft gefunden haben. Die Entscheidung von Blanvalet,  logisch, es würde keinen Sinn machen für eine kleine Leserschaft eine Auflage mit alternativem Cover und alter Übersetzung anzubieten (es sei denn man schmeißt gerne mit Geld um sich). Mit dem beinahe schon absurdem Erfolg der TV-Serie, stürmten die Neuauflagen von Eis und Feuer die Bestsellerlisten. Und das auch noch International. Und nein, nicht nur in Deutschland lamentieren die Urgestein-Fans. Weltweit wurden die Cover von den jeweiligen Verlagen angepasst. Und ich bezweifle ganz einfach, dass die Romane solch einen Erfolg hätten, würden die Bücher immer noch von den ollen Fantasy Motiven geschmückt werden.

Geschichte scheint sich jedoch zu wiederholen. Eine anderes, ebenfalls recht erfolgreiches High Fantasy Werk, scheint ebenfalls bei Blanvalet fortan eine Schönheitskur verschrieben bekommen zu haben. Die Rede ist von "Das Spiel der Götter (The Malazan Book of the Fallen)" vom kanadischen Autor Steven Erikson. Schon länger steht die abgeschlossene Reihe mit 10 Bänden (19 Ausgaben werden es insgesamt in deutscher Sprache werden) zur Diskussion, verfilmt zu werden. Genau wie bei Martins Eis und Feuer hat sich Blanvalet dazu entschieden, dem Werk ein neutraleres Cover, ohne den Einfluss von Fantasy, zu spendieren. Anders als bei Eis und Feuer bleibt man sich der bestehenden deutschen Übersetzung jedoch treu. Und, wie es ausschaut, sollen die verbleibenden Bände noch mit den bekannten Cover-Motiven erscheinen. Allerdings will man auch eine neue Leserschaft ansprechen, und so werden nach und nach die Cover ausgetauscht werden. Trotzdem sollen die Stammleser noch genügend Gelegenheit haben, ihre Sammlung zu vervollständigen. Zumindest habe ich das so in einem Malazan Forum gelesen. Somit sind die Angaben ohne Gewähr. Das einzige, was ich sehr sicher sagen kann, ist, weil ich persönlich nachgefragt habe, die Neuauflage von "Das Spiel der Götter" wird fortgesetzt werden. Band 1, "Die Gärten des Mondes", ist im November 2012 erschienen. Die Originalausgabe ist schon längst nicht mehr erhältlich und wird auch nicht mehr nachgedruckt.

Meine persönliche Meinung zu der ganzen Geschichte ist, ich stehe total hinter dem, was Blanvalet hier tut. Denn ohne diese Neuauflagen würde ich vermutlich keinen Band dieser beiden Werke besitzen. Und das gleiche wird wohl für tausende von anderen Lesern in Deutschland gelten.
Die Fans der Reihen werden auch weiterhin die Neuauflagen verdammen. Sie werden sich sogar vermutlich wünschen, es hätte nie eine TV-Serie zu "Das Lied von Eis und Feuer" gegeben. Aber, die Literatur ist natürlich auch im Wandel. Fantasy für Erwachsene ist wieder begehrt. Und das nur, weil die vielen verschiedenen Verlage sich für geschickte Neuauflagen entschieden haben. Game of Thrones dürfte natürlich den größten Beitrag dazu geleistet haben. Aber, wie bereits erwähnt, bei den Romanen bezweifle ich weiterhin, dass sie solch einen Erfolg auch verbuchen würden, hätte man einfach die bereits bekannte Auflage erneut veröffentlicht.

Wer sich die vielen verschiedenen Motive zu den ersten Bänden von "Das Lied von Eis und Feuer" und "Das Spiel der Götter" ansehen will, der sollte das Bild am Anfang des Artikels anklicken. Oben Links und Rechts befinden sich jeweils die Neuauflagen.

Falls ich mit einigen Daten durcheinander gekommen sein sollte (was ich in diesem Artikel gar nicht mal ausschließe), Feedback ist wie immer erwünscht und so auszuführen wie im Video, welches sich eine Zeile unter diesem Text befindet, damit mir so etwas auch nicht erneut passieren wird.

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