Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Sonntag, 3. Juli 2016

Ersteindruck: Berserk 2016 (To CGI or not to CGI)



Kurzinfos
Berserk
Produktionsjahr: 2016
Manga: Kentaro Miura
Regie: Shin Itagaki
Start: 01. Juli 2016
Genre: Dark Fantasy, Horror
Plattform: Crunchyroll (Stream, deutsche Untertitel)



Da ist sie endlich, der Start der ersten Episode des lang erwarteten neuen Berserk Anime. Die Ankündigung wurde aber schon im Vorfeld skeptisch aufgenommen. Nach Serien wie Ghiblis Umsetzung von "Ronja Räubertochter" oder der Anime-Adaption zu "Ajin", entschied man sich auch bei "Berserk 2016" dazu, die Serie komplett am Computer entstehen zu lassen. Bereits genannte Serien wurden im Vorfeld für den Einsatz von CGI kritisiert. Nicht grundlos. Obwohl die Serien alle einen einzigartigen Look haben und dieser oftmals auch anständig präsentiert wird, erkennt man als Zuschauer jedoch schnell, dass die Technik bisher alles andere als ausgereift ist bei den japanischen Studios. Berserk ist da keine Ausnahme. Darum hagelte es bereits im Vorfeld Kritik, wieso man mit eine der am längsten noch laufenden, erfolgreichsten Manga-Serien herumexperimentiert und nicht auf etablierte Technik setzt, die dann aber komplett ausgereizt werden kann. Doch ist da wirklich was dran? Oder überdramatisieren die empfindlichen Fans nur wieder?

Das erste, was am neuen Berserk Anime auffällt: Der Verzicht auf einen weiteren Zusatztitel. Die etwas zu unrecht vernachlässigte erste Berserk Adaption aus dem Jahr 97/98 trug den gleichen schlichten Titel und umfasste einen sehr kleinen Teil des Black Swordsman Arc, der größte Teil handelte jedoch von Guts Hintergrundgeschichte, dem Golden Age Arc der letztendlich zu seinem tragischen Schicksal führte. Während die erste Episode nur kurz einen kleinen Teil des Black Swordsman Arc angeschnitten hat (die kleine Elfe Puk, Guts Begleiter, wurde erst gar nicht hinzugefügt), hielt sich der restliche Teil der Serie sehr genau an Kentaro Miuras Manga. Im Jahr 2012 produzierte das Studio 4°C eine Filmtrilogie rund um den Golden Age Arc, allerdings mit neuen Synchronsprechern, einem großen Budget aber ebenfalls Detailtreue zum Manga (und bereits einen Mix aus traditionellen Zeichnungen und CGI präsentierte). Viele Fans des Manga dachten daher bereits, sämtliche Adaptionen zu der Serie seien verflucht, da einfach immer wieder der selbe Arc umgesetzt wird. Bei der neuen, hier besprochenen Serie wird der Titel also nicht ganz deutlich, was er darstellen soll: Eine Fortsetzung der Filmtrilogie oder aber ein komplettes Reboot? Wird nun endlich der Black Swordsman Arc gezeigt, auf dessen Adaption man so lange gewartet hat? Viel Aufschluss darüber gibt die erste Episode "The Branded Swordsman" noch nicht, denn auch sie gibt lediglich ungefähr das wieder, was bereits der Anime aus den 90ern in Episode 1 gezeigt hat. Das Ende der Pilotepisode lässt jedoch Optimismus zu, dass man endlich mal etwas neues zu sehen bekommt.






Insgesamt hält die erste Episode sich ungefähr, wenn auch nicht exakt und sogar gar pikanten Unterschieden an die ersten Kapitel des ersten Bandes. Der Anfang, wo Guts in die Kneipe einmarschiert, ist relativ kurz gehalten. Anschließend fehlen auch eine menge Szenen, wie und wo Guts und Puck sich ursprünglich kennen lernen. 
Wenn auch immer noch sehr blutig, in Sachen Gewalt war Episode 1, besonders im Hinblick zum Manga, abgeschwächt und teilweise sogar entschärft. Abgetrennte Körperteile werden nie komplett gezeigt, auf andere Gräuel, die im Manga oder gar in der ersten Adaption zu sehen waren, verzichtete man komplett. Gut möglich, dass die Version fürs Heimkino wieder einmal blutrünstiger sein wird. Doch auch der aktuelle Inhalt dürfte noch genug für Fans der etwas härteren Gangart bieten.
Das prägnanteste, was jedoch auffällt, sind tatsächlich einige Kürzungen in Sachen Inhalt und ganz besonders so manche Abläufe diverser Szenen, die stark von der Vorlage abweichen. Man kann sich also sicher sein, mit einer 1:1 Umsetzung wird man es wohl nicht zu tun bekommen.

Kommen wir nun aber zu dem Abschnitt, der für alle wohl am interessantesten sein wird. Wie macht sich das CGI? Nun, wie bei allen Vertretern der Anime, die nahezu komplett am Computer entstanden sind, bemerkt man auf den ersten Blick nicht unbedingt, dass die Serie CGI generiert ist. Die Charaktere sehen relativ detailliert aus (zusätzlich zu einigen netten Effekten wie die fein gezeichneten Bleistiftlinien, die sich auf den Charakteren befinden). Die Schwächen offenbaren sich erst, wenn man etwas länger zuschaut. So wirkt die Szenerie häufig manchmal zu plastisch und eher wie eine Kulisse als eine dystopische Dark Fantasy Welt. Das übliche Problem, wie man es aus Serien mit gleicher Technik kennt, besteht auch im neuen Berserk Anime. Sobald sich die Charaktere etwas schneller bewegen, wirken die Bewegungen unnatürlich, beinahe wie in Zeitlupe. Auch das Gesicht von Guts nimmt hier und da gerne mal etwas seltsame Züge und Grimassen an. Größtenteils hielt die Episode aber ein sehr anständiges Niveau was die Technik anbelangt, auch wenn mit klassischer Animation natürlich wesentlich mehr möglich gewesen wäre. Im Wald, sobald die Horde an Skeletten auftaucht, macht die Optik sogar auch einen relativ billigen Eindruck.

Kurz noch was zum Soundtrack: Ein Durchaus gelungenes Opening von "9mm Parabellum Bullet" mit dem Song "Inferno", der seinem Name gerecht wird und bestens zu Berserk passt. Das ruhige Ending "Meimoku no Kanata" von "Nagi Yanagi" hingegen bringt einen eher zum einschlafen, als das es emotional mitreißt. Aber wer weiß, manche Songs zünden bekanntlich erst später. Etwas Nostalgie gibt es ebenfalls noch, Susumu Hirasawa, der bereits einige Songs zum 90er Berserk Anime abgeliefert hat, kehrt nach der Filmtrilogie erneut zurück, wenn auch nur mit einem Insert Song.  


  
Ersteindruck

Die erste Episode hat mich wieder ungeheuerlich beeindruckt, noch aber extrem ernüchtert zurückgelassen. Es war eine solide Vorstellung. Durch einige Änderungen im Inhalt ist es nach nur einer Episode schwer zu sagen, inwieweit die Serie sich entwickeln wird. Der Umstieg auf CGI hat sich, wie erwartet, nicht so ganz ausgezahlt. Nette Effekte wechseln sich mit unschönen Effekten ab. Ungefähr das, was die skeptischen Fans nach der ersten japanischen Preview vorausgesagt haben. Mit traditioneller Animation und gelegentlichen Einsätzen von CGI bei den Hintergründen oder den Kämpfen zum Beispiel hätte man vermutlich ein optisch wesentlich anspruchsvolleres Werk geschaffen. Da man sich aber nun für CGI entschieden hat, bringt es nichts, weiter darüber zu diskutieren. Diese Technik muss man nun akzeptieren. Trotz der Mängel sollte die neue Berserk Serie aber genug Ansporn bieten, die bizarren Abenteuer von Guts weiterzuverfolgen.

Berserk wird man kostenlos auf dem Anime-Stream Riese Crunchyroll sehen können, sogar kostenlos und mit deutschen Untertitel. Aktuell ist die erste Episode aber nur für Premiumitglieder verfügbar. Free-User müssen wie immer etwas warten und mit Werbeunterbrechungen leben.

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