Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Mittwoch, 9. April 2014

Einwurf: Blogger - Wachablöse des klassischen Journalismus?



Kürzlich habe ich gelesen, der Bundestag vergebe Jahresakkreditierungen an die einst so ungeliebten Blogger (unter speziellen Kriterien). Kann man das nicht als eindeutigen Sieg für die unzähligen Blogger in Deutschland ansehen? Oder sind das einfach Schnorrer, die mit wenig Aufwand etwas umsonst abstauben wollen oder etwas vergünstigt erhaschen möchten? Wenn der Bundestag schon nicht mehr zwischen Online und Offline Journalismus unterscheidet, dann kann man schon sagen, für die Blogger war das ein kleiner Triumph.

Aber ist das denn richtig so? Also richtig so in dem Sinne, dass die Blogger auch so einfach über alles berichten dürfen, akkreditiert werden können wie echte Journalisten, und Rezensionsexemplare anfordern dürfen? Sollte es da nicht eine Grenze geben? Automatisch erinnerte mich das an eine Folge bei den Simpsons. In dieser Episode weigerte sich Reverend Lovejoy homosexuelle Pärchen zu vermählen. Homer Simpson kam dann auf die geniale Idee, selbst Priester zu werden und fortan die homosexuellen Pärchen in Springfield zu vermählen, weil das nämlich eine ziemlich lukrative Geschichte sei. Und im Zeitalter des Internets ist ja nichts unmöglich, und so lässt er sich Online in wenigen Klicks zum Priester weihen.



Wenn das Internet Homer Simpson zum Priester macht, dann kann man es doch auch so interpretieren, dass Google und Wordpress uns in circa 5 Klicks zu einem waschechten Journalisten macht. Website besuchen, Konto erstellen, Layout wählen, Hintergrundbild wählen, Debütpost verfassen, fertig. So einfach kann es gehen. Dem Internet sei dank.

Natürlich darf man nicht vergessen, kaum ein Blogger verrichtet seine Arbeit an seinem Blog aus eben jenen materialistischen Gründen, nur um etwas abstauben zu können. Es ist allen voran das Hobby, die Passion, die viele Blogger antreiben dürfte. Denn im Gegensatz zu den Journalisten muss wohl auch bedacht werden, circa 70% aller Blogger dürften für ihre Arbeit gar nicht bezahlt werden. Bestimmt gibt es Ausnahmen wie die Fashion oder Kosmetik Bloggerinnen (da sträuben sich mir persönlich die Haare), die Mehrheit allerdings verrichten ihre Arbeit alleine aus Spaß an ihrem Hobby.

Dennoch dürften die einst so unbeliebten Blogger (in der Vergangenheit besonders auch bei großen Verlagen) an Ansehen gewonnen haben in den vergangenen Jahren. Denn meistens ist der gratis Journalismus sponsored by Google hochwertiger als alles, was die Printmedien zum Beispiel in ihre Feuilletons verewigen.

Und man darf ja auch folgendes nicht vergessen. Die neuen Bestsellerautoren kommen aus dem Internet. In diesem Sinne trinke ich mir ein eisgekühltes Glas Übermut garniert mit einem Topping aus Überheblichkeit. Cheers.

Kommentare:

  1. Vor allem sind Blogger, die ja sowas wie Hobby-Journalisten sind, auch näher am Menschen, näher am Verbraucher, als ein mehr oder weniger anonymer Autor eines Artikels oder Feuilletons einer Zeitung. Ich glaube das ist auch der Grund, weshalb Blogger mittlerweile so "geschätzt" werden.
    Wenn man sich mal einschlägige Bücherblogs anschaut, dann stellt man fest, dass viele Blogger die gleichen Bücher lesen und rezensieren. Und was für eine bessere Werbung als eine solche könnte es denn geben?
    Ähnlich ist es bei den Mode- und Kosmetikblogs, die man quasi nur noch als eine einzige Werbeplattform betrachten könnte.
    Aber ob der Blogger wirklich als "Journalist" oder ähnliches ernst genommen wird, bezweifle ich dann doch.
    Ich glaube, dass Blogger für die Verlage, Firmen und sonstwem eher als Form der Werbung angesehen werden.

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  2. Da stimme ich dir voll zu Erina. Ich glaube nämlich auch, die Verlage (oder halt auch diverse Hersteller) profitieren einfach von den Bloggern. Auf einem Blog kann man sich durch Social Media heutzutage einfach Gehört verschaffen. Eine Rezension spricht sich schnell rum, und durch Blogs bin ich schon auf so manche Titel aufmerksam geworden, die ich vermutlich bis Heute noch nicht kennen würde ;D

    Das mit den Journalismus und der Wachablöse glaube ich natürlich auch nicht. Da steckte auch ein wenig Sarkasmus in meinem Beitrag ;D
    Aber das Ansehen hat sich allgemein gesteigert was die Blogger angeht.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße,
    Aufziehvogel

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